Archiv | Breaking In RSS feed for this section

56 (April 2012)

10 Apr

NEU

Awake

Polizeidetektiv Michael Britten verliert bei einem Autounfall Ehefrau und Sohn. Nach deren Beerdigung wacht er am nächsten Tag auf und findet seine um den gemeinsamen Sohn trauernde Frau Hannah quicklebendig neben sich im Ehebett. Wieder eine Nacht später lebt Sprössling Rex, während die Gattin verstorben bleibt. Auch auf der Arbeit durchlebt Britten zwei Welten, eine an der Seite des Neulings Vega (Wilmer Valderama, That 70s Show), die andere mit seinem gewohnten Partner Freeman (Steve Harris, Friday Night Lights). Um sein Doppelleben zu vervollständigen, wird er zur Bewältigung seines Traumas an den psychologischen Dienst verwiesen – wo ihm zwei Psychologen jeweils versichern, Realität und nicht Traum zu sein.

Normalerweise kann ich mit prozeduraler Serienermittlerkost nicht soviel anfangen; davon kann u.a. Nathan Fillion ein Liedchen singen, dessen „Castle“ ich trotz meiner Begeisterung für den Schauspieler kaum gucke. „Awake“ hingegen hat mich mit seinem Parallelwelten-Ansatz, der Mysterykomponente, dem stets durchscheinenden Trauer- und Verlust-Motiv sowie den spannend aufgebauten Fällen sofort gepackt und nicht mehr losgelassen. Als Zuschauer wird man hier zweifach gefordert, gilt es doch, pro Folge zwei Handlungsstränge mit zwei verschiedenen Fällen zu verfolgen. Wobei unser Ermittler etwaig gesammelte Hinweise oder Spuren aus der einen Welt in der anderen Welt einsetzt.

Bisher liefen sechs Episoden und keine davon hat mich enttäuscht, die Wertungen liegen zwischen gut und sehr gut. Leider läuft die Show auf NBC und leidet wie das gesamte Programm des Senders unter chronisch schlechten Einschaltquoten. Ich allerdings möchte sie jedem Fan gut gemachter Krimiserien wärmstens ans Herz legen. Für das Finale der ersten Staffel steht immerhin schon ein Termin fest, also stehen die Chancen nicht ganz schlecht, zumindest einen runden Abschluss zu bekommen. Vielleicht findet Detective Britten zumindest seinen Frieden.

Wertungsdurchschnitt nach 6 Episoden: 5,30 Punkte (sehr gut)
Tendenz: sehr gut

Bent

Begehrenswerte, frisch geschiedene Frau (Amanda Peet, Studio 60 on the Sunset Strip) heuert einen sie anbaggernden und lässig brummelnden Handwerkerchef (David Walton, Perfect Couples) samt dessen chaotischer Truppe an, um ihr Haus auf Vordermann zu bringen. Kommen die beiden zusammen oder behält der neue Freund von sexy Frau die Oberhand? Ein Comedyversuch von NBC.

Um die im vorletzten Satz aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Ich weiß es nicht. Wir werden es wohl alle nie erfahren. Denn „Bent“ wurde nach der Schnellausstrahlung von 6 Episoden aus dem Programm genommen. Kein so großer Verlust, wie ich nach einer selbst gesehenen Folge hinzufügen darf. Weil mich die Show direkt nicht zu überzeugen wusste. Es sollte wohl grob in die Richtung „Cougar Town“, also „lustige Charaktere mit gewitzt schnellen Dialogen und ohne Lachband“ laufen. Nur: der Witz kam nicht rüber. Erinnerte mich in seiner Unspritzigkeit an die erste Folge von „Up All Night“, wobei mir dort die Schauspieler weitaus mehr zusagten. Miss Peet ist zugegebenermaßen eine attraktive Frau, überragendes Comedytiming mag ich ihr aber nicht attestieren wollen. David Walton kriegt als übercooler Außenseiterhandwerker den Mund kaum auf, während der mir schon „Curb Your Enthusiasm“ teils zur Qual machende J.B. Smoove die Gags in seinem Redeschwall wegsprudelt, ohne dass du als Nicht-Ami eine Chance hast, sie ansatzweise mitzubekommen. Insgesamt so unnötig wie ein Handwerker, der seine Arbeitszeit mit Dialogen mit seinem Auftraggeber vertrödelt.

Sichtung nach einer Episode eingestellt

WIEDER DA

Breaking In (Season 2)

Christian Slater gibt nicht auf. Er trotzt desaströsen Einschaltquoten und kommt immer wieder zurück. Bei seiner Show „Breaking In“ hatte ich wahrlich nicht mit einem Comeback gerechnet, aber irgendwie hat er es geschafft. Wir erinnern uns: Slater spielt Oz, den Chef einer Sicherheitsfirma und erinnert mit seiner Art der Menschenführung und Coolness an Colonel Hannibal Smith aus dem A-Team. Seine Untergebenen sind allesamt freakige Spezialisten, natürlich haben wir die heiße Einbrecherbraut und den sie heimlich anhimmelnden sympathischen Loser, den blöden Freund der Einbrecherbraut und den dunkelhäutigen Obergeek, der für die Absonderung von Zitaten aus allseits bekannten SciFi/Fantasy-Universen zuständig ist. Liest sich doch nett, weshalb hat die Show also nicht bei mir funktioniert?

Weil der blöde Freund ungeheuer nervig war, ich den aus „Reaper“ für seine Loser-Rolle bekannten Bret Harrison nicht mehr sehen konnte, die Geschichten insgesamt zu schwachbrünstig daherkamen und eigentlich nur der Boss mit seinem biestigen Gehabe für gelungene Momente sorgte. Was hat man nun zum Neustart der Show geändert? Der blöde Freund ist zumindest in der von mir gesehenen Folge weg (hurra), dafür hat man eine ihn in Sachen quälender Nervigkeit absolut ädaquat ersetzende Chefin (Megan Mullaly, Childrens Hospital) plus komplett uninteressanter Assistenten-Blondine installiert, Boss Oz rückt in die zweite Reihe, der Rest bleibt wie gewohnt tendenziell lahm. Ehrlich: wenn Christian damit wieder durchkommt, gebe ich auf.

Sichtung nach einer Episode eingestellt
 

Game of Thrones (Season 2)

Ich lese gerade den zweiten Band und bin seit der ersten Staffel Fan. Was soll also logischerweise jetzt in den folgenden Absätzen kommen außer schlimmster Lobhudelei? „Game of Thrones“ hat letzte Season von mir vollkommen zu Recht das Prädikat „überragend“ erhalten; die Bücher sind wie Schauspielerin Emilia Clarke zu Protokoll gab, „crack on paper“, das Produktionsbudget wurde erhöht, da konnte für den Auftakt der zweiten Staffel nichts schief gehen.

Tut es dann auch nicht. Der Auftakt ist ruhiger als bei Season 1, wo es direkt mit abgehackten Köpfen, offengelegten Brüsten und zünftigem Inzest rundging. Dafür werden neue Schauplätze mit neuen Charakteren eingeführt, von denen Balon Greyjoy, Davos Seaworth und Stannis Baratheon sehr gut meinen Vorstellungen entsprachen. Die liebgewonnenen Figuren wie Tyrion, Varis, Cersei oder Joffrey wachsen einem direkt wieder ans Herz bzw. lassen die Hassadern schwellen.

Wer das zugrundeliegende Buch kennt, wird einiges an Veränderungen bemerken. Zum einen fehlen diverse Figuren bzw. werden durch andere ersetzt, die Geschichte ist viel straffer und kommt schneller voran. So hatte ich das Gefühl, dass in den ersten beiden Folgen bereits die Hälfte von „A Clash of Kings“ abgehandelt wurde. Wo George RR Martin den Leser gerne und häufig zu sehr mit Details überschüttet, filetiert die Serie den Kern der Erzählung und serviert ihn in beeindruckenden Aufnahmen bzw. packenden Dialogen, die mir so nicht aus der Vorlage in Erinnerung sind. Mein Lob an die dafür verantwortlichen Autoren und Regisseure, denn während ich beim Lesen am Ende eines Kapitels mir manchesmal die Frage stellte, was denn nun groß passiert ist, hält einen die Inszenierung fürs Fernsehen ständig bei der Stange. Wenn ich etwas zu bekritteln hätte, dann vielleicht die Besetzung der Rolle des Gendry, der mir zu erwachsen scheint und den ich trotz Kenntnis der Serie und der Bücher zunächst nicht mit dem königlichen Bastard in Verbindung brachte. Wegen des noch gemächlichen Auftakts rangiert die Show aktuell „nur“ in „sehr gut“-Gefilden, aber ich bin mir sicher, dass sie wieder die Stufe zum „überragend“ nehmen wird.    

Wertungsdurchschnitt nach zwei Episoden: 5,60 Punkte (sehr gut)
Tendenz: sehr gut – überragend

Nurse Jackie (Season 4)

Ich mache es kurz. „Nurse Jackie“ mochte ich die ersten beiden Staffeln, weil es eine gut inszenierte „Dr. House meets Krankenschwester“-Variation war und Edie Falco ihre Rolle der mürrischen, gebrochenen aber doch liebenswerten Jackie Peyton bravourös spielte. Season 3 hat mich allerdings schon größtenteils gelangweilt und der Beginn der vierten Staffel geht doch eher Richtung Entzugsdrama. Mir fehlen da doch die großen Momente, wo die resolute Dame der Ärzteschaft in den weißbekittelten Hintern tritt. Deshalb lasse ich diese Staffel aus.

Sichtung nach einer Episode eingestellt

VORBEI

Alcatraz (Season 1)


Von der Mysteryserie um die berüchtigte Gefängnisinsel hatte ich mir doch etwas mehr erwartet. Man könnte sogar behaupten, dass „Alcatraz“ mich von Folge zu Folge mehr ernüchtert hat. Dabei war der Beginn absolut gefällig: herumstreunende, extrem gefährliche Bösewichte, der geheimnisvolle Agent Hauser, Rückblenden ins Alcatraz der 60er Jahre, die taffe Ermittlerin (Sarah Jones) und der „Golden Boy of Geeky Niceness“ Jorge Garcia. Leider agierte man bei der Aufdeckung von Geheimnissen extrem betulich, die Show stand und fiel letzten Endes mit dem wöchentlichen Neuankömmling. Wobei das Fallen mit fortschreitender Dauer immer eindringlicher wurde. Weder konnten mich die Gefangenen und ihre Hintergrundgeschichten vor den Fernseher fesseln, noch weckten die Heimlichtuereien der Gefängnisleitung mein Interesse. Überdies empfand ich es schon als erstaunlich, wie souverän sich die 63er im modernen LA zurechtfanden. Beziehungsweise, dass keiner mal so verschlagen war, seine Vorgehensmethoden zu ändern. Das Showkonzept wirkte daher schnell überraschungsarm, routiniert und ohne echte Höhepunkte. Selbst das Finale enttäuschte auf ganzer Ebene. Ohne spoilern zu wollen: das gelüftete Geheimnis hinter der (natürlich nur mit den Schlüsseln und sonst nicht anders zu öffnenden) Tür haute mich wahrlich nicht vom Gefängnisschemel und wie es mit Detective Madsen weitergeht, lässt sich auch relativ leicht erahnen.

Punktemäßig profitiert „Alcatraz“ von mehreren hohen Wertungen zu Beginn und hält sich deshalb noch im „befriedigend“. Ich bin mir jedoch sicher, dass die Show bei noch mehr Episoden vollends in die Durchschnittlichkeit gerutscht wäre.

Gesamtwertung: 4,56 Punkte (befriedigend)
Best of Season: S1E01 Pilot, S1E02 Ernest Cobb

The Walking Dead (Season 2)

Eine zwiegespaltene Saison erlebten die wandelnden Toten aus meiner Sicht. Noch vor der großen, dreimonatigen Pause hatte ich „The Walking Dead“ als Enttäuschung des Serienjahres bezeichnet. Denn nach einem gelungenen Start schien sich die Show auf der Farm quälend langsam um sich selbst zu drehen. Nun erwarte ich nicht, dass die Zombieapokalypse jeden Tag aufs Neue über die Gruppe hereinbricht. Aber es wurde offensichtlich, dass die altbekannten und neu hinzugekommenen Charaktere größtenteils einfach zu wenig interessant waren, dass man zu wenig mit ihnen involviert war, als dass man die internen Streitigkeiten mit innerer Anspannung verfolgt hätte. Die Auflösung des „Scheunen-Dramas“ war dafür überragend in Szene gesetzt und nahm den Zuschauer mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, wo vorher noch schrittgeschwindigkeitsbegrenzte Einbahnstraße herrschte.  
Die zweite Hälfte der Staffel schließlich gab deutlich weniger Grund zum Meckern. Das Aufeinandertreffen mit anderen Überlebenden geriet im Gegensatz zu den internen Nickeligkeiten zur furios spannenden Angelegenheit, die ethische Frage, wie man mit dem Gefangenen umgehen sollte, stimmte nachdenklich und nagte am eigenen Gewissen. Das noch in der Vorgängerstaffel leicht verpfuschte Finale schaffte es diesmal, auf meiner Wertungsskala voll und ganz zu überzeugen und der Ausblick auf Figuren und Handlungsort der nächsten Season lassen mich mit guter Hoffnung zurück, dass diese Staffel dann mit weniger Leerlauf auskommen wird. Wegen der ordentlichen Steigerung zum Ende hin ein knappes „gut“.


Gesamtwertung: 4,93 Punkte (gut)
Best of Season: S2E13 Beside The Dying Fire; S2E01 Miles Behind Us; S2E11 Judge, Jury, Executioner

Whitney (Season 1)

Whitney wurde weder von Kritikern noch von Fans mit der ganz großen Begeisterung empfangen. Ich hingegen war angenehm überrascht von dieser Couple-Comedy, die nach meiner persönlichen Einschätzung einige hochgepriesene Comedyneustarts dieses Jahres wertungsmäßig hinter sich lassen dürfte.
Was gefällt mir nun an der Show? Zum einen stimmt die Chemie zwischen Whitney Cummings und Chris D’Elia. Vor allem letzterer überzeugte mich durchgehend mit seiner unaufgeregten, betont lässigen Art, die man wohl im Umgang mit dieser speziellen Freundin braucht. Natürlich werden einige der bekanntesten Beziehungsprobleme durchexerziert und auch nichts bahnbrechend Neues erfunden. Aber die Situationen und Dialoge sind mit Witz und Charme besetzt. Die Nebenfiguren nerven nicht, sondern haben auch ihre kleinen gelungenen Momente zum großen Ganzen beizutragen. Es gibt qualitätsmäßig keine bösen Ausrutscher nach unten, wo man bei manch anderen Comedyserien allzu deutlich das Gefühl hat, dass den Autoren gar nichts eingefallen ist. An die Schwergewichte der TV-Komödien vermag „Whitney“ damit natürlich nicht heranzureichen, aber es bleibt eine unterhaltsame Comedy, die punktemäßig sehr oft im 4,5er Bereich („befriedigend“) landete, mehrmals 5 Punkte erreichen konnte und einmal gar mit der Episode „Private Parts“ ein „sehr gut“ absahnte.

Gesamtwertung: 4,64 Punkte (befriedigend)
Best of Season: S1E11 Private Parts

ABGEBROCHEN 

„Touch“

Die dritte Folge hat mir endgültig den Rest gegeben. Zu tränendrüsig,
kein übergeordneter Storybogen, die Dialoge käsig. Schöne Happy Ends zum
Schluss einer Episode gibt’s bei „Raising Hope“, emotionale Momente
kriegt „Awake“ besser hin. Ich befürchte, „Touch“ tendiert Richtung
modern mystifizierte Variante von „Ein Engel auf Erden“. Nix für mich.

„Once Upon A Time“

Nach langem Durchhalten endgültig eingestellt. Ich glaub einfach nicht
mehr dran, dass Giancarlo Esposito alias Gustavo Fring zusammen mit Rumpelstilzchen ein
Meth-Labor aufzieht und im Märchenland aufräumt. Nein, ernsthaft: ist
mir zu öde und schnulzig.

Werbeanzeigen

47 (Mai 2011)

27 Mai

Der 47. Seriencheck mit einer spektakulären Neuerung! Ab sofort erhält jede Serie, die ich über mehr als vier Episoden verfolgt habe, einen absoluten Abschlusswert. Und das funktioniert so: in meiner Datenbank beurteile ich jede Folge innerhalb einer Bandbreite von 1-6 Punkten (inklusive 0,5er-Schritten). Wer dabei 1-2 Punkte kassiert, beleidigt mich meist so gründlich in meinem Geschmack, dass er nicht über oben erwähnte vier Episoden kommt. 3 und 3,5 sind unter dem Schnitt, 4 durchschnittlich, 4,5 befriedigend, 5 gut, 5,5 sehr gut und 6 Punkte bilden die absolute Spitzenklasse.

Die durchschnittliche Wertung aller Folgen ergibt dabei zunächst nur einen Zwischenwert, denn alleine mit dieser Art der Berechnung wäre eine Serie mit 6 Punkten als Gesamtnote wohl ziemlich unmöglich. Deshalb verteile ich zusätzlich auf diesen Zwischenwert Bonuspunkte in Form von je 0,05 Punkten für jeden 5,5er bzw. je 0,1 Punkte für jeden 6,0er. Wer also Topunterhaltung liefert, kann auf diese Weise kleine Ausrutscher nach unten wiedergutmachen. Am Ende steht eine gnadenlos endgültige Prüfziffer, die zumindest ich ganz toll finde und die mir genau sagt, wo ich die jeweils aktuelle Saison einzuordnen habe. Hoffe ich mal.

30 Rock (Season 5)

Die Serie, die sich (weiterhin) immer wieder etwas Neues einfallen lässt. Der Einfallsreichtum von Tina Fey und ihrem Autorenteam kennt keine Grenzen und versorgt auch die mittlerweile fünfte Staffel mit Comedyhighlights. Manches Mal allerdings wird der Grad an Absurdität etwas überdreht (wie etwa im diesmaligen Staffelfinale), die besonderen Episoden wie die Live-Show oder die 100. Folge konnten nicht die ganz hohen Wertungen einfahren, wie überhaupt im Gegensatz zu früheren Staffeln nur einmal mein Humorzentrum voll in die 6 Punkte getroffen wurde. Dahinter lauern allerdings gleich 8 sehr gute bzw. 7 gute Ausgaben der The Girlie Show with Tracy Jordan, was auch dieses Jahr wieder für eine insgesamt hohe Wertung ausreicht. Der Dampfer 30Rock trotzt damit weiterhin wacker der mit ansteigender Laufzeit rauer werdenden See, auch wenn die Kapitäne Lemon & Donaghy ab und zu das Steuerrad kurz entgleiten lassen.

Absoluter Wert: 5,50 Punkte / Anzahl an Höchstwertungen: 1 x 6,0 ; 8 x 5,5

Gesamtwertung: sehr gut

Top of the Show: S5E12 Operation Righteous Cowboy Lightning

Better With You (Season 1)

Eine der Überraschungen dieser Saison und wenn ich lese, dass es letzen Endes nicht für eine zweite Staffel gereicht hat, möchte ich direkt und sofort die Beziehung mit ABC beenden. Better With You ist eine sympathische, klassische Couple-Comedy, deren Pilot mich zugegebenermaßen ziemlich kalt gelassen hat. Drei Paare, eines jung verliebt und heiratswillig, eines länger zusammen und in wilder Ehe lebend und schließlich die steinalt verheirateten Eltern der beiden Töchter – das erinnert an Til Death mit Brad Garrett und Joely Fisher und übernimmt als running gag auch dessen vergleichende Szenen im jeweiligen Beziehungsstadium. Der Unterschied: im Laufe der Show hat jedes dieser Paare seine Highlights. Als erstes packen einen die Altstars Kurt Fuller und Debra Jo Rupp, mit der Zeit kommt vor allem Josh Cooke mit seinem humoristischen Talent immer besser zur Geltung und spätestens ab der Mitte mag man den ganzen Cast mit seinen Schrullen und Macken. Der hohe absolute Wert zeigt, dass sich die Show auf einem konstant guten Niveau bewegte, was ich beileibe nicht von allen neuen Comedys 2010/2011 behaupten kann. Nur als Vergleich: Hätte sich ABC zwischen Mr. Sunshine und Better With You entscheiden müssen, wäre nach meiner Wahl Chandler draußen geblieben. Wirklich schade drum.

Absoluter Wert: 5,40 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 2 x 6,0 ; 4 x 5,5

Gesamtwertung: gut

Top of the Show: S1E12 Better With A Cat, S1E20 Better With Crying

Breaking In (Season 1)

Kein Glück für Christian Slater, auch sein dritter Anlauf, als Seriendarsteller Fuß zu fassen, scheint in der frühzeitigen Absetzung zu enden. Breaking In ist allerdings dann auch zu schwach, um im Haifischbecken der Comedyserien zu überleben. Die Show leidet stellenweise deutlich an der übertrieben aufgetragenen Lässigkeit und Coolness, der Freund der Schlossknackerbraut nervte mich schon direkt mit seinem ersten Auftreten und Bret Harrison spielt mal wieder genau den Typen, den er schon in Reaper und That 70’s Show verkörperte. Auf der positiven Seite: Slater mit ein paar netten Sprüchen und einige richtig gelungene Geek-Referenzen (Star Wars, Star Trek, Goonies, Tron). Im Endeffekt aber doch zu wenig, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Absoluter Wert: 4,14 Punkte 

Gesamtwertung: durchschnittlich

Chuck (Season 5)

Wenn ich mit der Sichtung einer Show hintendranhänge, dann stimmt irgendetwas nicht. Bei Chuck lagerten stellenweise bis zu fünf Episoden auf der Wartehalde – eine vor ein paar Jahren noch undenkbare Situation, da freute ich mich auf jedes neue Abenteuer wie der Beißer auf James Bond. Aber mittlerweile hat man das Gefühl, so ziemlich alles gesehen zu haben, der Trend zur aufkommenden Serienmüdigkeit lässt sich nicht verleugnen. Woran es lag? Nun, das Auf und Ab der Agentenbeziehung wirkte gekünstelt und kam beileibe nicht an die frühere „Kommen Sie zusammen?“-Spannung heran, die Suche nach Chucks Mutter mit all ihren bemühten Wendungen rundum das Volkoff-Imperium entfachte wenig Kribbeln, zu oft hatte man zudem schon eine als mögliches Finale konzipierte Episode gesehen. Wo früher Topmission an Topmission aneinandergereiht wurde, schlich sich nun also auch Durchschnittliches ins Hauptquartier. Wobei es oft so war, dass die Folgen entweder rockten oder so begeisternd wirkten wie das Buymore-Personal, wenn Arbeit ansteht. Natürlich besaß die Show weiterhin genug Charme, Witz, attraktive Frauen und Geekyness, dass es für ein „sehr gut“ als Abschlussnote reichen würde, wenn auch weniger deutlich als gewohnt.

Das war meine Einschätzung, bevor ich die letzten drei Folgen der Saison sah. In eben jenen läuft Chuck zu absoluter Hochform auf: ein respektabler Twist um den Agenten X, putzigster Nerd-Humor, augenzwinkernde Momente und ein rundum gelungenes Happy End-Finale mit witzigem Ausblick auf die wohl wirklich endgültig letzte Staffel. Ach, ich freue mich doch wieder drauf.

Absoluter Wert: 5,87 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 5 x 6,0 / 7 x 5,5

Gesamtwert: sehr gut

Top of the Show: S4E02 Chuck Versus The Suitcase, S4E10 Chuck Versus The Leftovers, S4E14 Chuck Versus The Seduction Impossible, S4E23 Chuck Versus The Last Details, S4E24 Chuck Versus The Cliffhanger

Community (Season 2)

Die von der Zahl der absoluten Highlights her beste Comedy-Show des Jahrgangs, da lasse ich mich jetzt auf keinerlei Gruppendiskussion ein. Wie das Team um Dan Harmon immer wieder wahre Perlen der Unterhaltung in ein 20-minütiges Sendeschema presst, verdient eine Auszeichnung jenseits kommunaler Bildungsstätten. Die Halloween-Episode, das Paintball-Western-Drama, die Mutter aller Rückblickfolgen, das Dungeons & Dragons-Epos – allesamt Klassiker, für die ich sofort den Doktorhut in den Ring geworfen hätte. Meta-Zeremonienmeister Abed hat hier mit seinen Mitstreitern wieder alles im Griff. Damit Pierce aber wieder etwas zu meckern hat, verweise ich auf die Handvoll lustloser Episoden, die die Show an der absoluten Höchstwertung vorbeischrammen lassen. Oder ich habe die darin besiedelte Anspielungsebene schlicht nicht verstanden. Mein Tipp: für solche Folgen einfach Soloauftritte von Mr. Chang oder Dean Pelton einbauen, dann klappt es zur Staffel 3 auch mit der Höchstpunktzahl. Von mir aus bräuchte diese Serie nie einen Abschluss zu schaffen.

Absoluter Wert: 5,88 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 4 x 6,0 ; 9 x 5,5

Gesamtwertung: sehr gut

Top of the Show: S2E06 Epidemiology,  S2E14 Advanced Dungeons & Dragons, S2E21 Paradigms Of Human Memory, S2E24 For A Few Paintballs More

Fringe (Season 3)

Es passiert höchst selten, dass eine Show einen solchen Qualitätssprung hinlegt wie Fringe. Man beachte, wie ich den Begriff Quantensprung umschifft habe, weil dieser unter wissenschaftlichen Laien immer falsch angewandt wird. Dr. Walter Bishop wäre stolz auf mich und würde mir spontan eine bunte Stange Lakritze anbieten. Hatten die ersten beiden Seasons immer wieder storymäßige Ausfälle zu bieten (was mich letztes Jahr noch zu der Idee veranlasste, sich die besten Folgen einer DVD-Box selbst zusammenstellen zu dürfen, zusätzlich mit den schönsten Bloopers, ekligsten Herumschnippeleien und einem Minilabor inklusive Kuh nebst aufklappbarem Altar zur Huldigung von John Noble), ist dieses Mal alles auf einem Qualitätslevel. Wer immer auf die Idee gekommen ist, die Abenteuer der Fringe Division auf ein Paralleluniversum auszudehnen, darf einmal in den Isolationstank und eine Emmy-Verleihung zu seinen Ehren miterleben. John Noble hätte eine reale Nominierung spätestens mit dieser Saison verdient. Die Folgen sind dermaßen grandios, dass ich sogar die „Olivia redet wie Spock“-Nummer nach einem kurzen Kopfschütteln lustig fand. Zum Schluss noch ein Finale mit einem Schlusspunkt, der in seiner Wunderlichkeit an beste LOST-Zeiten erinnerte. Die perfekte Mischung aus Mystery, Weltuntergang und Humor. Selbst schwächere Folgen sucht man vergebens, was in einer wohl für einige Zeit unerreichbaren absoluten Wertung deutlich wird.

Absoluter Wert: 6,21 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 4 x 6,0 ; 9 x 5,5

Gesamtwertung: überragend

Top of the Show: S3E05 Amber 31422, S3E06 6955 khZ,  S3E15 Subject 13, S3E18 Bloodline

How I Met Your Mother (Season 6)

Kids, i don’t care anymore about how i met your mother. Deal with it!

Ich warte wirklich auf diesen Einstieg, das kann eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein. Selbst die Autoren gönnen sich da einen Spaß, wie im Saisonfinale mit der kurzzeitig gezeigten, aber natürlich falschen Mutter. Die Show ist weiterhin spaßig, die Charaktere durch die Bank liebenswert und wer sich wie ich durch ein paar Episoden Mad Love gequält hat, weiß erst richtig wieder zu schätzen, was er an Barney, Ted, Marshall, Robin und Lily hat. Die paar durchschnittlichen Ausreißer werden immer wieder durch legendär komische Episoden wettgemacht und selbst auf der dramatischen Ebene konnte man -Stichwort: unerwarteter Todesfall- punkten (auch wenn ich die unmittelbar danach folgende Episode als schwächste der Staffel empfand).

Absoluter Wert: 5,71 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 3 x 6,0 ; 7 x 5,5

Gesamtwertung: sehr gut

Top of the Show: S6E04 Subway Wars, S6E10 Blitzgiving, S6E13 Bad News

Justified (Season 2)

Marshall Raylan Givens ist auch dieses Jahr wieder heißer Anwärter auf den „coole Sau“-Award der US-Fernsehsaison. Der Mann fährt einen schicken schwarzen Schlitten, trägt lässig wie kein anderer seinen Stetson, bringt die Bösewichter mit Einzeilern ins Schwitzen und setzt seine Pistole gegen die Hinterwäldler Kentuckys ein, ohne groß nachzufragen. Da passt es schon ins Bild, dass Darsteller Timothy Olyphant in Rango dem animierten Clint Eastwood seine Stimme lieh. In der zweiten Staffel geht es düsterer zu, es fehlen mir etwas die auflockernden Episoden der ersten 13 Folgen, dafür bekommt der Zuschauer als durchgängigen Storybogen ein spannend inszeniertes Drama, an dessen Ende nur wenige Figuren unverletzt bleiben. Und der Boden für den Ärger in Staffel 3 ist schon beackert. Starke darstellerische Leistungen gibt es von Jeremy Davies (LOST) und Margo Martindale (Dexter) zu vermelden, das Qualitätsniveau ist durchgehend als gut einzustufen. Allerdings hätte ich mir mehr noch ein paar sehr gute Folgen wie jene zu Beginn bzw. zum Ende hin gewünscht. An den überragenden Piloten „Fire In The Hole“, den ich an dieser Stelle nochmals jedem Serienfan ans Herz legen kann, kommt allerdings keine Episode dieser zweiten Season heran. Wie üblich empfiehlt es sich auf Seiten wie addic7ed.com die passenden Untertitel zu laden, um vor dem dahingeschnodderten Dialekt der Hillbillies nicht gleich die Waffen strecken zu müssen.

Absoluter Wert: 5,15 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 3 x 5,5

Gesamtwertung: gut

Modern Family (Season 2)

Die beste Comedyshow der letzten Saison enttäuscht auch dieses Jahr nicht. Es bleibt bei dem wunderbaren Kniff, dass von den kleinen Dramen rumdum um die drei Familien mindestens eines den direkten Weg ins Zwerchfell findet. Seien es die humorigen Macken der Dunphys, der Delgado-Pritchetts oder der Pritchett-Tuckers: den witzigsten Clan der Woche stellt mit schöner Regelmäßigkeit Modern Family. Das spiegelt sich auch bei den Punkten wieder, wo ich als schlechteste Bewertung gerade einmal ein „befriedigend“ verteilen musste, der Rest war gut bis überragend. Mit dem kleinen Unterschied, dass das Prädikat dieses Mal deutlich seltener (sprich: nur einmal) von mir gezückt wurde als noch in der ersten Staffel. Auch das Finale blieb etwas hinter dem letztjährigen zurück. Die Folge dieses Meckerns auf hohem Niveau:

Absoluter Wert: 5,83 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 1 x 6,0 ; 10 x 5,5

Gesamtwertung: sehr gut

Top of the Show: S2E19 The Musical Man

Outsourced (Season 1)

Ja, ich habe es bis zum Ende gesehen. Nein, es hat nicht durchgehend Spaß gemacht. Bei weitem nicht. Viele Witze waren so lustig wie Plastikkotze auf der Kindergeburtstagstorte, um mal ein Bild aus dem Scherzartikelbereich zu wählen. Mein Bruder ist aber ein beinharter Fan von Gupta geworden und wollte daher jede Episode sehen. Neben ihm könnten von mir aus die Charaktere Rajiv und Charlie (alias Diedrich Bader) gerne in Nebenrollen anderer Projekte wiederauferstehen. Der Rest darf ruhig weiterhin relativ unbemerkt in Indien bleiben. Zurecht nach einer Staffel abgesetzt, denn für die große völkerverbindende Bespaßung hat es einfach wirklich nicht gelangt.

Absoluter Wert: 3,70 Punkte

Gesamtwertung: unterdurchschnittlich

Parks And Recreation (Season 3)

Bürgerinnen und Bürger dieser Welt! Pawnee bleibt eine Reise wert. Erleben Sie Ron Swanson, wie er Verwaltung einfach mal Verwaltung sein lassen kann und dies auch unablässig tut. Leslie Knope im Kampf um Bürokratie, Liebe und anderen Peinlichkeiten. Tom Halverford in seiner sagenumwoben hippen Discoklitsche. April und Mark, das Vorzeigepaar mit ohne Durchblick in allen Lebenslagen. Jerry, der die schönsten Bilder malt, infolge liebevollen Mobbings aber meist zu wenig zu Wort kommt. Und natürlich Li’l Sebastian, aber jetzt versagt mir die Stimme vor Schmerz und Anrührung….

Ich liebe die Charaktere von Parks And Recreation! Da schreiben sich die Geschichten quasi von selbst und gefallen in jeder Episode. Wo andere Shows in manchen Episoden absacken, liefern Amy Poehler und Kollegen durchgehend hohe Qualitätsarbeit. Also quasi das Gegenteil von dem, was ihre Charaktere anstellen. Die Neuzugänge der Saison, Adam Scott und Rob Lowe, ergänzen die Truppe dezent, aber perfekt. Bitte jetzt schon Akten anlegen für mindestens drei neue Verwaltungsjahrgänge.

Absoluter Wert: 5,61 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 2 x 6,0 ; 5 x 5,5

Gesamtwertung: sehr gut

Top of the Show: S3E02 Flu Season, S3E11 Jerry’s Painting

Raising Hope (Season 1)

Die Show, deren Leistungskurve nach großartigem Start immer mehr ein Stückchen mehr nach unten ging. Als großer Fan von My Name Is Earl (dritte Season ausgenommen) war ich hocherfreut über das neue Projekt von Greg Garcia. Wieder sozial nicht überragend integrierte, aber liebenswerte Figuren. Wieder Geschichten mit Herz. Obendrauf noch ein schnuckeliges Baby und ein ahnungsloser Teenagervater als Hauptdarsteller, für genug Unterhaltungsstoff war also gesorgt. Leider schien die kleine Hope am Ende doch zu wenig an schauspielerischer oder stuntbezogener Performance aufbieten zu können, denn das Baby rückte immer mehr in den Hintergrund und bekam schließlich nur noch kurze Giggel-Szenen. Aus „Raising Hope“ wurde so „The Crazy Family Chance“, der Spaßfaktor sank von hoch auf ganz nett. Für die zweite Staffel erhoffe ich mir mehr Stories um die suboptimale Kindererziehung und weniger Maw Maw-Peinlichkeiten.

Absoluter Wert: 4,79 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 3 x 5,5

Gesamtwertung: befriedigend

The Big Bang Theory (Season 4)

Durchgängiges Höchstniveau ist bei den verfilmten Sozialstudien der vier Nerds aus Big Bang Theory leider auch nicht mehr zu erwarten. Obwohl der Auftakt allerbeste Unterhaltung bot und mir richtig Hoffnung machte, die Schwächen der dritten Staffel auszubügeln. Danach aber schlichen sich immer wieder Episoden ein, bei denen mir die eingespielten Lacher für das Gebotene deutlich übertrieben vorkamen. Eventuell ein Fehler in der Lorre/Prady-Skript-Routine, vielleicht sollte Wolowitz da mal drüberschauen. Trotzdem wirft die Wissenschaftswerkschau immer wieder richtige Highlights ab, in denen das Nerdtum triumphiert und die SciFi/Fantasy-Anspielungsmaschinerie korrekt kalibriert ist. Was den Overflow an weiblichen Neuzugängen im Cast angeht, hätte mir Penny weiterhin genügt. Bernadette finde ich ziemlich überflüssig, Amy doppelt zu sehr Sheldon und Priya dürfte schnell in Vergessenheit geraten (ich musste eben selbst den Namen nachgoogeln).

Absoluter Wert: 5,31 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 2 x 6,0 ;  6 x 5,5

Gesamtwert: gut

Top of the Show: S4E01 The Robotic Manipulation, S4E02 The Cruciferous Vegetable Amplification

The Event (Season 1)

Rasend schnell gestartet ist dieser 24-Mystery-Hybridbolide, wurde dann aber durch eine mehrmonatige Pause ausgebremst, verfing sich in teils übergroßen Logikschlaglöchern und rollte schließlich aus, weil die Fahrbahn zu Ende war. Ich mochte The Event zu Beginn mit seiner flotten Inszenierung, den nicht allzu lange verzögerten Auflösungen diverser Geheimniskrämereien, der Action und den mysteriösen Außerirdischen. Was NBC dann geritten hat, die Show wegen der fehlenden Zuschauer für gut 14 Wochen aufs Abstellgleis zu stellen, statt direkt abzusetzen, ist mir ein Rätsel. Mit dem Wissen, dass nach einer Staffel Schluss sein würde, erlahmt natürlich die Spannung und das Interesse. Erschwerend kam hinzu, dass nach der Pause der Sack mit den funkelnden faulen Eiern aufgemacht wurde, so dass man als Zuschauer am besten gar nicht mehr über das Gesehene nachdachte. Wirre Entscheidungen, unlogische Wendungen, zufällig passend gemachte Situationen – was bei 24 wegen der tickenden Uhr noch in einem bestimmten Rahmen gnädig übersehen werden konnte, brach nun in geballter Form über die Show herein. Wer bis zum Ende dranblieb, erhielt als Belohnung immerhin eine saubere Auflösung der Geschichte und eine dramatische letzte Bildeinstellung. Die symptomatischerweise gleichzeitig auch das Erzählgerüst für das heraufbeschworene Weltuntergangsszenario in Frage stellte. So bleibt von The Event nur die erwähnenswerte darstellerische Leistung von Zeljko Ivanek in der Rolle des Präsidentberaters Blake Sterling übrig.

Absoluter Wert: 4,72 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 3 x 5,5

Gesamtwertung: befriedigend

The Middle (Season 2)

Dieter Thomas wäre stolz, denn die Hecks sind wieder ein Stückchen höher in meiner Serienhitparade geklettert. Liebenswertes, grundehrliches Mittelstandsfamilienchaos aus Indiana mit der wunderbaren Patricia Heaton und dem kauzigen Neil Flynn als herrlich geplagtes Elternpaar stehen auf dem Programm. Im Vergleich zur ersten Season hat sich die Anzahl der hochbewerteten Folgen gleich vervierfacht, auch wenn es noch nicht für die oberste Wertung gelangt hat. Aber wie ich Sue Heck kenne, wird sie alles daran setzen, diese Trophäe zu erreichen und sei es allein durch Ausdauer und Beharrlichkeit. [Beharrlichkeit]

Absoluter Wert: 4,97 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 4 x 5,5

Gesamtwertung: gut 


The Office (Season 7)

Das Bemühen war da, in der letzten Staffel mit Steve Carell den Fans nochmals etwas zu bieten. Gerade die abschließenden Folgen hatten köstliche Momente, die an die guten alten Bürozeiten erinnerten (Creed Bratton und Dwight Schrute als Manager, wunderbar!). Demgegenüber standen jedoch in erschreckend hoher Zahl Langeweiler, die selbst Toby wie einen Dynamiker wirken ließen. Ich kann immer noch nicht verstehen, weshalb man die gut funktionierenden Charaktere der ersten drei Staffeln nicht weiterhin bedient, sondern Figuren wie Gabe, Andy, Holly, Jo Bennett oder Erin eingebunden hat, die zumindest bei mir überhaupt nicht gezündet konnten. Für den neuen Chef wünschte ich mir, dass er das Personal abbaut und mit bürgerlichem Namen Ricky Dene Gervais heißt. Aber daran zu glauben fällt mir schwer. Reinschauen werde ich sicherlich in die 8. Season, es kann aber gut möglich sein, dass ich diesmal nicht bis zum Ende dranbleiben, sondern eher die dritte Staffel nochmal anschauen werde.

Absoluter Wert: 4,57 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 3 x 5,5

Gesamtwertung: befriedigend

The Simpsons (Season 22)

Die 20. Season war eine Ausnahme, dieses Jahr kann ich wie schon das Jahr zuvor den selben Textkasten verwenden. Zwei Must-See-Episoden (darunter natürlich die Treehouse of Horror-Ausgabe), nur vier gute und keine einzige sehr gute Folge, der Rest zwischen okay und erschreckend uninspiriert. Das Mittelmaß regiert, was sich letztlich auch in der Wertung ausdrückt. Die Simpsons bleiben die Show, die ich mir jedes Jahr komplett anschaue, obwohl sie die meisten unterdurchschnittlichen Folgen im Angebot hat. Nur wer sich über zwei Jahrzehnte einen Publikumsstamm sichern konnte, kann es sich erlauben, eine Saison mit einem derart lahmen Finale wie „The Ned-liest Catch“ abzuschließen. Besserung für die Fans der gelben Familie bringt wohl wirklich erst der nächste Film.

Absoluter Wert: 4,47 Punkte / Anzahl an hohen Wertungen: 2 x 6,0

Gesamtwert: befriedigend

Top of the Show: S22E04 Treehouse of Horror XXI, S22E08 The Fight Before Christmas

Bewertungen 

6 Punkte = überragend, Must See TV
5,5 Punkte = sehr gut, Einschaltpflicht
5 Punkte = gut, Mattscheibenglanz
4,5 Punkte = befriedigend
4 Punkte = durchschnittlich
3,5 Punkte = unterdurchschnittlich
3 Punkte = mangelhaft
2,5 Punkte = not worth seeing
2 Punkte = sofort absetzungswürdig

1,5 Punkte = weshalb schau ich das überhaupt?

1 Punkt = schockierend schlecht

46 (April 2011)

27 Mai

In der letzten Ausgabe vor der großen Saisonschlussbewertung mit an Bord: zwei Neustarts, vier bereits abgeschlossene Staffeln, Enttäuschungen, aber auch positive Überraschungen.

Breaking In (S1E01-S1E02)

Christian Slater spielt den Chef der Firma Contra, die im Auftrag ihrer Kunden Schwachstellen in deren Sicherheitssystemen ausfindig macht. Dazu lässt er seine Crew, bestehend aus Hackern, Knackern, Täuschern und Tricksern, in geschützte Gebäude einbrechen. US-Serienfans erkennen gleich Bret Harrison (Grounded For Life, Reaper) als frisch zum Team gestoßenen Hacker, der von den Kollegen zur Einstimmung gleich mal flott gepiesackt wird.

Als ich die Beschreibung las, hielt ich die Show für eine Dramaserie und wollte eigentlich gar nicht erst reinschauen. Ocean’s Eleven trifft halt auf irgendein Ermittler-Detektiv-Technikdingens-Format, war mein erster Gedanke. In Wahrheit ist Breaking In allerdings eine Comedyserie, die wohl Nerds im Allgemeinen und Fans des A-Teams im Besonderen ansprechen soll. Vor allem Mr. Slater gibt eine neumodische Version von Colonel John „Hannibal“ Smith zum Besten, dass man eigentlich minütlich auf die Zigarre im Mundwinkel oder den „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“-Spruch wartet. Der Rest des Teams besteht neben dem bereits erwähnten Frischling aus der attraktiven und umworbenen Knackerbraut, dem dunkelhäutigen Geek, der den Zuschauer direkt aufgedreht mit Star Wars- und Star Trek-Referenzen bombadiert und schließlich dem Spezialisten für Verkleidungen, dem ich im Piloten wegen seiner Mimik sofort den Spitznamen Jim Carrey 2.0 verpassen musste..

Mein Eindruck nach zwei gesehenen Folgen: ordentlich, wenn auch für meinen Geschmack ein wenig zu sehr bemüht auf cool, lässig und nerdy getrimmt. Es bleibt abzuwarten, was die Autoren aus den Figuren noch herausholen. Denn Slater alleine wird es nicht richten können.

Ersteindruck: S1E01: 4.5 von 6 Punkten (befriedigend), S1E02: 4.0 von 6 Punkten (durchschnittlich)

The Paul Reiser Show (S1E01)

Paul Reiser wurde zusammen mit Helen Hunt durch die Beziehungs-TV-Komödie Mad About You berühmt. In seiner neuen Show auf NBC spielt er sich selbst als den nach außen hin nett und freundlich wahrgenommenen ex-Comedystar, der auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist und mit den von der Ehefrau und den Kindern in sein Leben geworfenen Freunden den Alltag meistert. Wie zum Staffelauftakt etwa eine Bastelarbeit für die Schule, die Antwort auf die in Formularen gestellte Frage nach der aktuellen Berufsbezeichnung oder ein Testprojekt als Gameshowmoderator. Dass dabei der Stil an die Erfolgsserie Curb Your Enthusiasm angelehnt ist, wird gleich im Piloten nicht verhehlt, sondern gelungen im Gespräch mit Gaststar Larry David auf eine Meta-Ebene gehievt.

Die Quoten für die erste Episode waren wohl, was ich so gelesen habe, ein ziemliches Desaster. Aber da stelle ich mich tapfer wider den Trend der Ignoranz und rufe Richtung Amerika: „Mr. Reiser, I really liked your show!“. Er wird es wohl nicht lesen, es wird wohl nichts helfen, es musste aber mal gesagt werden. Wer an Curb mit seinen Dialogen, Situationen und Eigenheiten seinen Spaß halt, sollte sich wirklich hinsetzen und der Paul Reiser Show eine Chance geben. Ich fand den Piloten witzig, unterhaltsam, sympathisch und damit ein Highlight inmitten der eher mauen Neustarts in der Comedyschiene diesen Jahres. Alleine der Charakter Habib „I got everything“ ist bereits die 21 ½ Minuten investierte Zeit wert. Aktuell sind sechs Folgen geordert und es wäre eine Schande, wenn diese Serie so schnell wieder vom Bildschirm verschwinden würde.

Ersteindruck: S1E01: 5.5 von 6 Punkten (sehr gut)

Californication (Season 4)

Hank Moody ist wieder besser drauf in der vierten Staffel. An die ganz großen Übercoolness-Aktionen der ersten beiden Seasons kann er zwar nicht wieder anknüpfen, aber wenigstens dafür die eher schwache Vorgängerausgabe vergessen machen. Was auch damit zusammenhängt, dass es gibt wieder so etwas wie eine Story gibt, die an frühere Ereignisse anknüpft und sich als roter Faden durch Hanks neue Abenteuer zieht, weshalb sich „Californication“ nicht nur über Oneliner und Sexszenen definieren muss. Nichts gegen hübsch ins Bild geschobene Brüste und schnodderig geraunte Sprüche, aber ich finde die Hauptfigur mit am interessantesten, wenn sie sich immer wieder in der Rolle als Vater und Freund versucht, der trotz vieler gescheiterter Versuche nicht aufgibt, seine Familie zusammenzuhalten. Mit „Monkey Business“ stand fernab dessen eine gelungene Folge voller schräger Situationen zu Buche, man zitierte ein paar frühe Klassiker der Show und das Finale schließlich ließ den Fan mit einem wohligen Gefühl der Zufriedenheit zurück.

4,5 von 6 Punkten (befriedigend)

Episodes (Season 1)

Kurz und knapp gesagt: das hätte besser werden können. Die erste Episode machte mir soviel Lust auf die Charaktere, die Story, die Entwicklung der Show in der Show. Doch die nur 7 Folgen umfassende Staffel verlor sich zusehends in der Dreiecksbeziehung zwischen den beiden Autoren und Matt LeBlanc. Dabei hätte ich viel lieber gesehen, welche Reaktionen, welche Veränderungen die amerikanische Adaption des britischen Serienstoffes hervorgerufen und durchlebt hätte. Und wie die Autoren und Schauspieler damit umgegangen wären. So kam Episodes nach dem guten Einstieg nie über das Prädikat „in Ordnung“ hinaus, das letzte Drittel geriet von meiner Warte aus sogar eher unterdurchschnittlich. Schade drum.

4 von 6 Punkten (durchschnittlich)

Mr. Sunshine (Season 1)

Auch Matthew Perry hätte ich einen besseren Wiedereinstieg in die Comedyschiene gegönnt. Die 9 Episoden der ersten Staffel sind allerdings eine einzige verpasste Chance und zeigen, dass ein guter Charakter einfach nicht reicht, um ein Comedyvehikel zu tragen. Perry als der trockene Sprüche absondernde Mehrzweckhallenmanager gibt einen Chandler, der nie seine Friends bzw. seine Monica getroffen hat. Seine Chefin, dargestellt von Allison Janney, müht sich um Extravaganz und Schrägheit, kommt allerdings an die Vorbilder wie 30Rocks Jack Donaghy oder Better Off Teds Veronica Palmer nicht heran. An hervorhebenswerten Figuren war es das dann auch schon (sofern man die leider zu kurzen Gastauftritte von Jorge „Hurley“ Garcia außen vor lässt). Denn der Rest der Belegschaft schwankt zwischen nervig (Nate Torrence als Sohn der Chefin mit kindlichem Gemüt), eindimensional (Portia Doubleday als Assistentin) bis schön anzusehende, aber nicht weiter auffallende Staffage (Andrea Anders, James Lesure). Immerhin: in der letzten Episode zauberte Lizzy Caplan als Kurzzeitfreundin von Ben so etwas wie schauspielerisch fühlbare Präsenz auf den Schirm.

Am treffendsten bringt mein Bruder das Fazit auf den Punkt: denn jedesmal beim Abspann, wenn die Comicfigur mit dem begeisterungsfreien Ausdruck im Gesicht die Achterbahn runterfährt, kommentiert er das mit einem „Genauso ging es mir wieder mit dieser Folge“. Ohne Mr. Perry wäre die Show ein einziges „Meh“.

4 von 6 Punkten (durchschnittlich)

InSecurity (Season 1)

Bei meiner Fernsehstippvisite ins Land des Eishockeys, des Ahornblattes und der Elche wurde mir schnell klar: Die Sicherheit Kanadas kann nicht gewährleistet werden. Dafür sorgt mit gewissem Stolz die nationale Sicherheitsbehörde NISA mit ihren Agenten, in deren Reihen ein Jack Bauer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht eine einzige Stunde überlebt hätte. Wer wie ich 24 mit all seinen liebgewonnenen Szenarien gesehen hat, dürfte an diesem gelungenen Spoof des kanadischen Senders CBC seine Freude haben. Nach ausnahmslos jeder Episode waren jedenfalls bei mir auf der Couch die Stirnklatschmomente und die anerkennenden „Ist das ein Scheiß“-Lobsprüche präsent. Schade, dass die Legende Leslie Nielsen das nicht mehr miterleben konnte, er hätte sofort eine Rolle für sich einbauen lassen.

Der planlose Dandy-Chef, die blond-verpeilte Einsatzleiterin, der afrikanische Folterfreund, der rothaarige Agent mit der Lizenz zum Rumtölpeln, der gemütliche Franzose mit der gourmethaften Außer-Form-Figur, die asiatische Zyankalizynikerin – ich habe sie im Verlauf der 13 Folgen alle schätzen gelernt und es war eine Freude. Keine Ahnung, weshalb InSecurity bei IMDB eher schlecht wegkommt. Wer sich auf den Humor einlässt und vor allem die parodierten Vorlagen kennt, hat mehr Spaß als Chloe damals bei der Vertuschung von Jack Bauers Geheimaktionen.

5.5 von 6 Punkten (sehr gut)