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60 (September 2012)

10 Sep

Es ist wieder wohlig warm draußen, also hurtig heraus mit dem zweiten Teil des US-Serien-Sommers, bevor Ende des Monats die Hauptsaison eingeläutet wird.

 

Breaking Bad (Season 5, Episodes 01-08)

8 Episoden, ein fieser Cliffhanger und nun 10 Monate Wartezeit. Begeisterte Anhänger von Walter und Jesse fluchen zur Zeit schlimmer als Abnehmer von hellblau angemaltem Crystal Meth, das sie von irgendwelchen Amateurbrutzlern angedreht bekommen haben. Für mich als Fan der Show steht schon seit der dritten Staffel fest: eher schmirgeln unsere liebsten Drogenköche eine vom Reinheitsgrad her verhunzte Ladung zusammen, als dass Breaking Bad eine enttäuschende Episode abliefert.

Die erste Hälfte der 5. Staffel befasst sich schwerpunktmäßig mit den Aufräumarbeiten nach dem Abgang von Gustavo Fring und dem Aufbau einer neuen Produktionskette. In dem Geschäftsbeziehungsdreieck aus Walter, Jesse und Mike schwelt genug Konfliktstoff für spannende Episoden mit gewohnt bedeutungsschwangerer Optik. Dass Showrunner Vince Gilligan weiterhin auf exzellente schauspielerische Leistungen (Emmy for Jonathan Banks, anyone?) setzen und den Zuschauer mit u.a. einem Flash Forward als Einstiegssequenz, dem schockierenden Schlussakt eines Güterzug-Ausraubs und brodelnden Dialogen zu fesseln vermag, untermauert die aktuelle Ausnahmestellung dieser Serie.

Was mir allerdings ein wenig fehlte, war die Gefahr von außen. Madrigal, der mächtige deutsche Konzern aus Hannover, der alle Fäden in der Hand zu halten scheint, wird zwar in einer Episode thematisiert. Probleme für Walts neues Projekt bereitet er allerdings nicht. Eher droht nun endgültig Ungemach von Schwager Hank, wie die letzte Folge unmissverständlich andeutet. Womit wir bei den Wertungen wären: fast alle Episoden gut bis sehr gut, überragend „Madrigal“ (von der ich mir aber im Rückblick mehr Auswirkungen erwartet hätte). Der Haken? Für mich leider das „kleine“ Finale, bei dem ich mit einem derben Knaller gerechnet hatte, einem Faustschlag in die Magengrube des Zuschauers mit freundlichen Grüßen von Mr. Gilligan. Ich habe mir -kein Witz- mit kribbeligen Fingern alle paar Sekunden die Restlaufzeit der Folge anzeigen lassen und war umso angespannter, desto näher es gegen 0 ging. Von daher kann man vielleicht verstehen, dass ich von der letzten Szene etwas enttäuscht war, was sich auch in der Wertung widerspiegelte und so die 6-Punkte-Gesamtwertung verhinderte. Aber vielleicht entwickelt sich die Story nach der Pause noch ganz anders, als wir das alle jetzt erwarten und Vince erwischt uns grinsend doch noch auf dem falschen Fuß.

Gesamtwertung nach 8 Episoden: 5,73 Punkte (sehr gut) 

The Exes (Season 2)

Ja, ich habe es wieder geguckt. Nein, man muss es sich wirklich nicht antun, wenn man nicht wie ich Donald „Turk“ Faison oder Wayne „Newman“ Knight gerne im Fernsehen wiedersehen möchte. „The Exes“ bleibt eine bestenfalls aus Nostalgikersicht nette, schlimmstenfalls gnadenlos veraltete Sitcom, deren Storybögen schon in den frühen 90ern als überspannt und ausgenudelt galten. Zur ersten Staffel hat sich also wenig geändert. Okay, David Alan Basche hat sich besser in das ehefrauenlose Trio eingebracht, dafür nervt Kristen Johnston weiterhin stellenweise ordentlich. Erwähnenswert sei noch zweierlei:

1) Ich verleihe der Show offiziell den heiß tropfenden Käsebandorden für das cheesigste Intro einer TV-Serie. Bitte hier selbst ansehen und betroffen reagieren. Hinweis: der Song wird nicht von Donald Faison gesungen (was ich lange Zeit selbst angenommen habe), sondern von einem Typen namens Chrystopher Ryan Johnson.

2) Wer sich auf die Folge S2E11 „He’s Gotta Have It“ freut, weil dort das Bromance-Duo aus Donald Faison und Zach Braff wieder zusammenkommt: gerade die Episode fand ich ziemlich schwach.

Gesamtwertung: 3,96 Punkte (durchschnittlich)

The Newsroom (Season 1)

Will McAvoy (Jeff Daniels), Republikaner und Nachrichtenchef bei einem eher durchschnittlichen Sender namens ACN, hat die Nase voll. Von der Art, wie seine Show „News Night“ Nachrichten versendet. Von den Republikanern und ihrer radikal konservativen Absplitterung namens Tea Party. Von den Amerikanern, die ihr Land für das großartigste der Welt halten, ohne es begründen zu können. Zusammen mit einer frischen, jungen Crew, einer neuen Produzentin/seiner alten Liebe MacKenzie (Emily Mortimer) und dem kauzigen Vorgesetzten Charlie (Sam Waterston) will er mit seinem Projekt „News Night 2.0“ ehrbaren Journalismus über wichtige Themen anbieten, ohne sich dem Zeitgeist und der Boulevardisierung der Nachrichten anzubiedern. Was bei den Bossen ganz oben nicht allzu gut ankommt.

„The Newsroom“ ist das neue Showvehikel von Aaron Sorkin. Was bedeutet: es gibt Dialoge satt für die Fans, die gerne in den von Sorkin gebuddelten Schützengraben zwischen Republikanern und Demokraten ausharren, um die Wortgefechte der Protagonisten mit großen Augen und Ohren zu verfolgen. Untertitel sind Pflicht, Kenntnisse des amerikanischen Politikbetriebs ebenso. Kein leichter Stoff also für Europäer.

Ich selbst kenne von Sorkin nur „The Social Network“, für den er bekanntlich einen Oscar erhielt. „The West Wing“ habe ich gar nicht gesehen, „Studio 60 On The Sunset Strip“ nur kurze Zeit ausgehalten. Von daher reihe ich mich weder in die Reihe der Sorkin-Hasser noch der der Sorkin-Fanboys ein. Beide Fraktionen sind bei „The Newsroom“ übrigens reichlich vertreten, was ich so gelesen habe. Meine Einschätzung der Show hingegen ist zwiegespalten:

Auf der einen Seite ist es interessant, wie gerade – pünktlich zum präsidialen Wahlkampf – die republikanische Tea Party mit ihren kruden Thesen analytisch auseinander genommen wird. Manche Dialoge sind wirklich toll geschrieben, Sam Waterston sorgt mit seinem trockenen Witz für Auflockerung, die realen Meldungen und ihre Aufarbeitung gehen an die Nieren (etwa der Anschlag auf Gabrielle Giffords), Jeff Daniels gefällt als unbequemer, fast schon ungeliebter Chef, der immer einen Querschläger im verbalen Köcher mit sich führt.

Auf der anderen Seite hingegen stören die übermäßig vielen, ausgewalzten Büroromanzen und – verwicklungen, die eher peinlichen Storymomente (wie etwa die aus Schusseligkeit an alle Beschäftigten im Sender verschickte Liebesmail) und wenig packend gestrickte Nebenhandlungen (das Finanzgedöns, der Troll- und Bigfootforscher, der Psychologe, die neue Debattenform). 20 Minuten weniger pro Episode hätten „The Newsroom“ vielleicht richtig gut getan.

Von meiner Bewertungswarte her gefiel mir der Pilot noch am besten und bekam 5,5 Punkte. Der Rest lag in einer Bandbreite von 4,0 bis 5,0, weil alle Stärken von Schwächen getrübt bzw. Schwächen von Stärken wieder ausgebügelt wurden. Insgesamt landet die Show so im Bereich von „befriedigend“ und wenn Mr. Sorkin sich etwas mehr auf die starken Aspekte konzentriert, geht es vielleicht die Wertungsskala weiter nach oben.

Gesamtwertung: 4,70 Punkte (befriedigend)

Weeds (Season 8)

Hier muss ich mich leider kurz fassen und eine Wertung außen vor lassen. Meine letzte komplette Staffelerfahrung mit Ms. Botwin und Anhang war die fünfte und die fiel ziemlich glatt durch mein Geschmacksraster. Zum Auftakt der 8. Season schaute ich nochmal rein und war angenehm überrascht, was die Autoren aus dem Cliffhanger der letzten Staffel gemacht haben. Seltsam, witzig, aber auch spannend kam mir S8E01 „Messy“ unter die Augen. Ein paar Folgen später ließ das Kribbeln aber wieder nach und weiter als Episode 4 bin ich nicht gekommen. Keine Ahnung, ob ich nochmal einsteigen werde.Wenn ja, gebe ich hier drin Bescheid. Wer die Serie weiterverfolgt und Worte voller Begeisterung dazu äußern möchte, nur her damit!

Gesamtwertung: – (auf Halde)

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55 (Februar 2012)

17 Feb

NEU

Alcatraz

Auf der berühmten Gefängnisinsel Alcatraz fielen 1963 endgültig die letzten Schlösser in ihre Riegel, alle Gefangenen und das Personal wurden transferiert, die Anlage stillgelegt. So heißt es. Aber Mysteryproduzent JJ Abrams meint, die Sache wäre komplett anders gelaufen, und vor allem mächtig aus dem Ruder. Weshalb er diese Serie an den Sender ABC verkauft hat. Nach seiner Lesart verschwanden alle Bewohner von Alcatraz auf geheimnisumwobene Weise und tauchen nun, knapp 50 Jahre später, wieder in San Francisco auf. Die Schwerverbrecher verbrechen gewohnheitsmäßig natürlich erneut exakt so wie früher, weshalb die junge Polizistin Rebecca Madsen (Sarah Jones) sich gemeinsam mit dem Alcatraz-Experten Dr. Soto (Jorge Garcia, LOST) auf die Jagd macht, sie wieder einzufangen. Dies alles im Auftrag des undurchsichtigen Regierungsagenten Emerson Hauser (Sam Neill, Jurassic Park).

Mir gefiel der Einstieg in diese neue Serie sehr gut. Die Geschichten der wieder auftauchenden Tunichtgute waren spannend, die Ermittlungen packend, es wurden die genretypischen Verknüpfungen gewebt (wie etwa direkt zu Beginn, dass Madsen ihren eigenen Großvater jagt), die schon aus LOST bekannten Rückblenden gewährten tiefe Einblicke in die Charaktere der Insassen, Wärter und Führungspersonal. In personeller Hinsicht sorgte Jorge Garcia für die geekig goldigen Momente, die burschikose Sarah Jones agierte tough, zäh, aber dennoch sexy und am Ende einer Episode hatte Mr. Hauser immer noch eine Pointe im Ärmel, um den Zuschauer in allerlei Grübelei zu versetzen. Problem: das galt für die ersten beiden Episoden.
Schon ab S1E03 schwächelt das Ganze wegen der Konzentration auf den „Alcatrazzy of the Week“. Ist der aktuell gesuchte Mann aus den 60ern und seine Geschichte uninteressant, schleppt sich auch die Folge entsprechend dahin. Ständig neue, aufregende Geheimnisse oder Querverbindungen kann man ebenfalls nicht in jede neue Episode packen. Kurz: es droht ein wenig der Leerlauf und die Gewohnheit. Das ebenfalls stark fallbezogene „Person of Interest“ hat ein ähnliches Problem, kann aber bei Bedarf noch ein paar Twists in die Story bringen, wohingegen Alcatraz bei den Ermittlungen ein wenig zu sehr auf Schienen läuft. Und, liebe Inselvorgeschädigte, mal Hand aufs Herz: wer befürchtet nicht auch, dass das große Geheimnis der Wiederkehrer enttäuscht, weil es zu lange hinausgezögert wird, keinen Sinn ergibt und nie jemand mal die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt befragt? Legt man die aktuelle Zuschauerakzeptanz zugrunde, bin ich wohl nicht der Einzige, der so denkt.

Wertungsdurchschnitt nach 6 Episoden: 5,07 Punkte (gut)
Tendenz: befriedigend – gut

Are You There, Chelsea?

Chelsea Handler (Laura Prepon) ist Kellnerin, hat gerne Sex, will keine Beziehung und könnte so manchen gestandenen Lokalbecherer locker unter die Theke saufen. Zusammen mit ihrer besten Freundin Olivia, dem Kneipenbesitzer und ex-Liebhaber Rick, dem kleinwüchsigen Kellnerkollegen Todd, ihrer christlich konservativen Schwester Sloane und ihrer sexuell unerfahrenen, aber hibbeligen Mitbewohnerin Dee Dee erlebt sie Abenteuer in New Jersey.

„2 Broke Girls“ haben es vorgemacht, „New Girl“ setzt es ebenfalls ein, „Are You There, Chelsea?“ will dem Ganzen die Krone aufsetzen. Es geht um neue Frauenrollen in der TV-Comedy. Frech, unverblümt, schräg, derb und verlebt statt süß, lieb und schmachtend auf Mr. Perfect wartend ist das neue Motto. Zunächst einmal freut es mich, Laura Prepon aus „That 70’s Show“ wieder in einer Serie zu sehen. Beim Piloten fiel mir allerdings als erstes auf, dass ihre Stimme nicht so recht für spritzige Voice Over-Erzählungen geeignet ist. Okay, geschenkt. Wenn der Rest stimmen würde. Aber das tut er leider nicht.
Der Pilot ging nach einigermaßen durch, aber die beiden nächsten Folgen haben mich schließlich zur Aufgabe gezwungen. Zu viele nicht zündende Pointen, alles zu krampfhaft auf freche Schnauze getrimmt und mindestens zwei Nebenfiguren, die ziemlich in die Hose gegangen sind – die Mitbewohnerin ist wohl als eine Art weiblicher Sheldon Cooper angelegt, allerdings ohne geekige Attitüde, sondern mit jungfräulichem „I Love Kitty“-Einschlag. Prädikat: auf Dauer extrem nervig. Und der kleingewachsene Kellner tut mir fast ein wenig leid, weil er von den Autoren wirklich die abgeschmacktesten Sprüche serviert bekommt. Meines Erachtens machen die „2 Broke Girls“ in dem Bereich ihre Arbeit viel besser, auch wenn dort nicht gleich alles Gold ist. Ich für meinen Teil kann auf „Are You There, Chelsea?“ jedenfalls prima verzichten. Sorry, Laura.

Wertungsdurchschnitt nach 3 Episoden: 3,33 Punkte (mäßig)
Sichtung eingestellt

House Of Lies

Einblicke in das Leben und Streben der Unternehmensberater Kaan, van der Hooven, Oberholt und Guggenheim serviert diese neue Show des Senders Showtime. Sex’n’Success stehen im Mittelpunkt, wenn die Anzugträger den Globus bereisen und Firmen auf clevere Weise vorspielen, sie hätten den ultimativen Geschäftsmasterplan im Gepäck. Der sie natürlich einiges kosten wird. Hauptfigur ist dabei Marty Kaan (Don Cheadle), der desöfteren die laufende Geschichte anhält und die sog. vierte Wand durchbricht, indem er dem Zuschauer Fachbegriffe oder Vorgehensweisen aus seinem Metier erklärt.

Schwierige Kiste. Ich schätze Don Cheadle als Schauspieler, die aus „Veronica Mars“ bekannte Kristen Bell sehe ich immer wieder gerne auf dem Bildschirm, die Show selbst will einen mit einem Vibe packen, wie ihn auch „Entourage“ oder „Californication“ versprühen. Erfolgsmenschen, die sich auch ausreichend nackte Tatsachen gönnen dürfen, weil die Serie nun mal auf einem PayTV-Kanal läuft. Lässige und coole Typen, in deren Haut man schlüpfen möchte. Und genau da liegt bei mir der Hase begraben. Denn so gerne ich ein Hollywoodstar wie Vince Chase wäre oder ein Autor/Rocker/Draufgänger wie Hank Moody, so wenig empfinde ich Sympathien für gelackte Unternehmsberater. Ähnliche Probleme hätte ich hierzulande mit einer Show über gewiefte Abmahnanwälte, abgezockte Großbanker oder mit allen Wassern gewaschenen Verwertungsgesellschaftern der GEMA.

Auch wenn in der Show mancher mächtige Boss als tumber Idiot bloßgestellt wird und die Truppe als Glücksritter angelegt sind, die sich aus jeder hoffnungslosen Situation retten, bleibt bei mir trotzdem immer dieser Graben, der es verhindert, dass mir die Charaktere ans Herz wachsen. Mir geht da nun mal die ultrakapitalistische „Erfolg um jeden Preis“-Mentalität eines Donald Trump ab, der sicher viel Spaß an der Show hat. Von daher lege ich die Serie vorerst mal auf Eis und werde vielleicht später nochmal reinschauen.

Wertungsdurchschnitt nach 2 Episoden: 4,0 Punkte (durchschnittlich)
Sichtung ausgesetzt

¡Rob!

Rob, ein durchschnittlicher Amerikaner, heiratet eine junge, attraktive Frau mexikanischer Abstammung und darf sich fortan – stets auf der Suche nach Anerkennung und Akzeptanz – mit der Großfamilie seiner Gattin auseinandersetzen. Die ihr Nesthäkchen natürlich viel lieber mit einem echten Latinomann verkuppelt hätten.

Rob Schneider – ein Name wie Donnerhall bei Kinofans. In dem Sinne, dass man die flachen Komödien, in denen er mitspielt, weiträumig umgehen sollte, bevor der Blitz in den Sessel einschlägt. Dementsprechend erwartete ich mir rein gar nichts von diesem TV-Comedyvehikel, zumal a) die Grundprämisse mit ihrer thematisierten Völkermentalitätsdissonanz wenig frisch anmutete und b) mir damals bei „Weeds“ das Mexiko-Setting mal den Spaß an einer ganzen Staffel versaut hatte. Entsprechend nickte ich den Piloten auch als nix Besonderes ab. Üblicherweise hätte ich der Show noch ein, zwei Episoden gegeben und sie dann von meiner Guckliste gestrichen. Ab S1E03 wird es auch leicht besser, aber die aktuell letzten Episoden haben mir sogar richtig gut gefallen. Das liegt jetzt nicht daran, dass Rob Schneider oder seine Partnerin Claudia Bassols überragend schauspielern würden. Nein, in der mexikanischen Familie liegt der Kern der Überraschung. Urgestein Cheech Marin als griesgrämiges Familienoberhaupt, Diana Maria Riva als lästernde Schwiegermutter und der herrlich schleimige, begriffsstutzige Schwager Hector alias Eugenio Derbez sorgen bei mir dafür, dass ich weiterhin einschalte. Die vierte und fünfte Folge haben bei mir 5,5 bzw. 5 Punkte einsacken können und damit Wertungen, die in dieser Season vielen der auf ein „befriedigend“ als Gesamtwertung zulaufenden neuen Comedyserien bisher verwehrt geblieben sind. Eine Show wie eine Piñata. Wenn man lange genug dagegen klopft, kommt etwas Gutes dabei heraus. Ich bin gespannt, ob „¡Rob!noch weitere solcher Überraschungen bietet.

Wertungsdurchschnitt nach 5 Episoden: 4,65 Punkte (befriedigend)
Tendenz: befriedigend

The River

Der bekannte Dokumentationsfilmer und Fernsehstar Dr. Emmet Cole verschwindet spurlos irgendwo in den Weiten des Amazonas. Seine in der Heimat zurückgelassene Familie ist gerade richtig schön am Trauern, da rauscht das Notsignal des Forschers durch den Äther. Frau, Sohn und ein komplettes TV-Produktionsteam machen sich mitsamt ungezählten Kameras auf den Weg, um auf Geheimnisse, Schrecken und vielleicht sogar irgendwann den Verschollenen selbst zu stoßen.

Neue Horror-Mystery-Show von den Leuten, die für die Paranormal Activity-Filmreihe verantwortlich zeichneten. Deren prägendste Eigenschaften sind bekanntlich lange Kameraufzeichnungen von Schlaf- oder Wohnzimmereinrichtungen, in denen meistens nichts, plötzlich aber dann doch etwas passiert. Das Erfolgsrezept liegt zum größten Teil darin begründet, dass man als Zuschauer in die Privatsphäre anderer eingeladen, dabei hautnah Zeuge schrecklicher Ereignisse wird und im Folgenden unruhig nachts durch die eigenen vier Wände schleicht. Funktioniert dieses Konzept des intimen Schreckens auch im Regenwald?

Kurze Antwort: nein, für mich nicht. Zum einen weiß ich als Kenner der Filme, dass schon aus Gründen des Budgets ausgefeilte Schockeffekte nicht drin sind. Mit von Geisterhand zugeschlagenen Türen, durchs Bild schwebenden Gegenständen oder hypnotisiert herumwandelnden Menschen zieht man eben im Dschungel keine Schlange vom Baum. Gore ist wegen der Sendezeit und des Senders ABC nicht drin, entsprechend hängen von der dortigen Flora keine blutigen Kadaver, sondern bös dreinblickende Puppen und Teddybären herunter. Zum anderen haben die Produzenten zur paranormalen Aktivität noch eine ordentliche Portion „Blair Witch Project“ beigemischt. Will sagen: Wackelkamera bis zur Schüttellähmung, authentische „being there“-Streifen inklusive. Wenn also etwas Dramatisches passiert, wie etwa das Auftauchen eines unheimlichen Wesen, wird man außer Gewackele nichts davon sehen. Dachte ich mir. Und so kam es denn auch. Den endgültigen Todesstoß erhält die Show durch wenig überzeugende Schauspieler (hallo, Herr Kretschmann), nervige Charaktere (hallo, Tochter des Mechanikers) und an den Haaren herbeigezogene Plots (hallo, im Mund steckende, englisch lehrende Libelle mit tiefer Stimme), die selbst mein trashgestählter Bruder nicht ertragen konnte. Wer diese Saison gescheiten Horror erleben will, möge sich „American Horror Story“ zuwenden.

Wertungdurchschnitt nach zwei Episoden: 3,0 Punkte (mäßig)
Sichtung abgebrochen und danach eingestellt

Touch

Alle Schicksalsstränge dieser Welt sind miteinander verknüpft, jeder Mensch auf eine gewisse Art mit den anderen verbunden. Es ist nur eine Frage des Zeitpunktes, wann alles zusammenkommt, an dem Personen in das Leben anderer treten, um deren zukünftigen Weg zu beeinflussen und entscheidend zu prägen. Der autistisch veranlagte Jake Bohm hat den mathematischen Code des Schicksals anhand der Fibonacci-Sequenz entschlüsselt, um den roten Faden aus dem chaotischen Knäuel unserer Existenzen herauszulösen. Das Problem: der Bub redet seit seiner Geburt kein Wort, sondern spricht exklusiv nur zum Zuschauer dieser neuen Mysteryserie. So darf sein alleinerziehender Vater Martin (Kiefer Sutherland, 24) den kryptischen Zahlen seines Sprösslings hinterherhecheln, um danach Zeuge der wundersamen weltweiten Verknüpfung berührender Ereignisse zu werden.

„Touch“ ist die neue Show von Tim Kring, dem Showrunner von „Heroes“. Wie dort stehen verschiedene Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen im Mittelpunkt, die die Schicksalszahlen zusammenführt. Allerdings fernab von Superheldenfähigkeiten oder der Bekämpfung von Bösewichtern, sondern in Form von emotional geprägten Geschehnissen, die aufgrund der Nummern bzw. ihrer Deutung Wirklichkeit werden.
Zu allererst fällt es mir schwer, mich an Kiefer Sutherland, also quasi Jack Bauer, in einer ungewohnt jammerlappigen Rolle zu gewöhnen. Zuschlagen darf er einmal, das berühmte „Dammit“ entfleucht ihm ebenfalls, aber sonst ist der Kerl ein armer Wicht. Kann sich ja noch ändern. Nicht ändern dürfte sich hingegen die teilweise anstrengend bemühte Art, mit der das Geflecht von Handlung und Wirkung zu einem tränenseligen Happy End geführt wird. Zufall gibt es laut der Show ja nicht. Aber gäbe es ihn, „Touch“ hätte ihn an vielen Stellen schon arg strapaziert. Wer die bisher ausgestrahlte Pilotfolge gesehen hat, wird verstehen, was ich meine. Ich lasse mal als Beispiel den rasend schnell und komplikationslos gelieferten Backofen im Kopf der Leser kreisen. Insgesamt befürchte ich, dass mich die esoterische Komponente der Show letztlich nicht überzeugen und die auf größtmögliche Schluchzer ausgelegte Schlusskompositon jeder Folge mit der Zeit kalt lassen wird. Eine Chance werde ich „Touch“ aber sicherlich noch geben.

Wertung nach Sichtung des Piloten: 4,0 Punkte (durchschnittlich)

WIEDER DA

30Rock (Season 6)

Alles wie gehabt bei 30Rock. Es guckt so gut wie keiner, aber es macht Spaß, hat tolle Ideen (wie die Parodie auf den Castingshow-Wahnsinn namens America’s Kidz Got Singing) und wird weiterhin solange für einen Emmy nominiert werden, bis die Amis endlich mal merken, dass die Show eine Perle des US-TV-Fernsehens ist, die auch mit den Jahren einfach nicht merklich an Qualität abnimmt. Was man beileibe nicht von allen schon länger präsenten Comedyserien sagen kann (siehe „Two And A Half Men“, „The Office“, „The Big Bang Theory“ und leider jüngst auch „How I Met Your Mother“).

Wertungsdurchschnitt nach 6 Episoden: 5,10 Punkte (gut)
Tendenz: gut – sehr gut

Justified (Season 3)

Endlich nochmal Clint Eastwood/Dirty Harry-Feeling. Denn Harlan County bekommt wieder Gerechtigkeit zu spüren in Form von Deputy Marshal Raylan Givens und seiner getreuen Dienstwaffe. Ich muss sagen, mittlerweile ist das Ding fast ein Selbstläufer. Vier Episoden habe ich gesichtet und alle waren gut bis sehr gut. Timothy Olyphant ist und bleibt eine coole Sau, Walton Goggins als Boyd Crowder hat immer ein krummes Ding am Laufen und ich freue mich jedes Mal, wenn die Kleinkriminellen Dickie Bennett (Jeremy Davies, LOST) und Dewey Crowe (Damon Herriman) am Jammern sind. Dazu setzt es noch frische, starke Charaktere mit interessantem Hintergrund. Es wird wie gehabt rundgehen im Hinterland von Kentucky. Ab 10. März übrigens auch hierzulande auf Kabel 1.

Wertungsdurchschnitt nach 4 Episoden: 5,35 Punkte (gut)
Tendenz: gut – sehr gut

The Walking Dead (S2E08)

Nach einer Pause von zweieinhalb Monaten melden sich die wandelnden Toten wieder an. Kommt nun der Schnitt, geht es nun bergauf, vielleicht sogar weg von der Farm und dem Campingfeeling mit dem langweiligen Gruppenbeziehungskrams? Der Auftakt lässt mich zweifeln, gibt aber auch Hoffnung. Die ersten Minuten leben noch vom starken Abschluss der letzten Folge, danach allerdings setzt es 30 Minuten Leerlauf, bevor „The Walking Dead“ mit einer sehr starken Szene in der Kneipe in beeindruckender Weise zeigt, dass noch packende Momente möglich sind. Wenn ich Punkte für die einzelnen Abschnitte geben müsste, wären es 5 Punkte für die ersten zehn Minuten, 3 Punkte für die folgende halbe Stunde und 5,5 für die letzten zehn Minuten. Macht als

Wertungsdurchschnitt für den Wiedereinstieg: 4,5 Punkte (befriedigend)

VORBEI

Chuck (Season 5)

Ach ja, Chuck ist nun auch endgültig Geschichte. Und wenn ich ehrlich bin, hat man den Schluss nicht zu früh gesetzt. Ohne Frage hat mir die Spy Comedy die Jahre hindurch viel Spaß bereitet, vor allem, wenn sie sich selbst nicht zu ernst genommen und den ihren nerdigen Anstrich betont hat. Langsam aber sicher jedoch gingen den Machern offensichtlich die Ideen aus. Die Intersect-Datenbank wurde fleißig upgedatet und herumgereicht, Sarah Walker hatte langsam ihren Unterwäscheschrank durch, Casey beendete schon automatisch jeden Satz mit einem Grunzen, jeder Darsteller bekam ein Liebchen verpasst und wenn man es auf Biegen oder Brechen weitergeführt hätte, wäre wohl Großvater Grimes oder Caseys Mutter demnächst in den Besitz der berühmten Brille gelangt oder es wäre zu dramatischen Diskussionen gekommen, wie Chuck und Sarah die Einrichtung ihres Hauses gestalten sollen.

Schon in der vierten Staffel gab es einige Durchhänger, die allerdings durch sehr starke Episoden ausgeglichen wurden und so doch noch für eine sehr gute Gesamtwertung sorgten. Bei Nr. 5 allerdings herrscht Mittelmaß; lediglich drei gute, eine sehr gute und eine überragende Episode stehen dieses Jahr zu Buche. Der Auftakt mit Morgan als neuen Intersect-User fiel in die letztere Kategorie, danach mischten sich jedoch viele durchschnittliche bis gar unterdurchschnittliche Episoden in den Serienablauf. Tiefpunkt dabei: S5E12, Chuck vs. Sarah, eine wirklich komplett vorhersehbare und unnötige Folge. Immerhin: zum Finale hat man alles richtig gemacht. Der Bogenschlag zur allerersten Episode, ein Auftritt von Jeffster, alle Nebenfiguren glücklich vereint und eine Schlusseinstellung der Marke „Hach ja“-Happy End.

Gesamtwertung: 4,57 Punkte (befriedigend)

Best of Season: S5E13 Chuck vs The End, S5E01 Chuck vs The Zoom

The Increasingly Poor Decisions Of Todd Margaret (Season 2)

Die gute Nachricht vorneweg: zum Ende der zweiten Staffel wird die berühmte Gerichtsverhandlung gegen Todd Margaret präsentiert, deren kurze Ausschnitte die Folgen der ersten Staffel einleitete. Gut möglich also, dass eine dritte Staffel den Weg Margarets zum roten Knopf Nordkoreas zeigt. Richtige Lust darauf habe ich allerdings nicht bekommen und damit zur schlechten Nachricht: das war irgendwie nix. „The Increasingly Poor Decisions“ wanderte von Anfang an stets auf dem schmalen Grat zwischen krasser Absurdität und schierer Blödheit, aber diesmal ist David Cross beim Schreiben zu oft von dort heruntergefallen und im Graben der Blödheit gelandet. Eigentlich konnten mir von den insgesamt 6 Episoden nur der Auftakt und das Finale so einigermaßen zusagen, der Rest fiel leider in die Kategorie „Puh. Nee. Lass sein“.

Gesamtwertung: 3,58 Punkte (unterdurchschnittlich)  

The Exes (Season 1)

Da kann ich mich kurz fassen. Old School Comedy mit bekannten Stars aus kultigen Serien wie „Seinfeld“, „Scrubs“ und „3rd Rock from The Sun“, die keinem weh tut, nicht nervt, aber eben auch längstens bekannte Konstellationen und Geschichten durchnudelt und vom Humor her viel zu bieder ist, um positiv aufzufallen. Halt was für die Fans von Newman und Turk.

Gesamtwertung: 3,75 Punkte (unterdurchschnittlich)