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109 (Juli 2017)

14 Jul

Das große Drama dramatisch zusammengefasst:
Es gibt sehr viele gute Drama-Serien. Aber weiterhin keinen zusätzlichen, wöchentlichen Drama-Serien-Guck-Tag. Ein Umstand, den ich hiermit anprangern möchte. Anpranger! ANPRANGER!

THE LEFTOVERS (SEASON 3)

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Aus, vorbei, alle aussteigen, die bizarre Gefühlsachterbahn „The Leftovers“ ist an der Endstation angelangt. Acht Runden ging es diesmal nur, aber dafür haben Damon Lindelof und Tom Perrotta alle Schleusen der gepflegten Seltsamkeit geöffnet. Ohne Rücksicht auf Verluste beim Zuschauer. Wer die ersten beiden Staffeln toll fand, wird auch diese hier lieben. Es gibt schräge Neuigkeiten zu Jesus, Gott und dem amerikanischen Präsidenten (ja, letzteres ist tatsächlich möglich), ich werde nie wieder „Perfect Strangers“ (hierzulande: „Ein Grieche erobert Chicago“) mit den gleichen Augen ansehen können wie zuvor und sollte mir jemand anbieten, mich nackig in eine Departure Machine zu setzen, die mich in eine andere Welt schleudert (oder auch nicht), fahre ich vorher nach Australien und studiere mit den Eingeborenen ein paar Anti-Regentänze ein.

Kurz gesagt: Ich hatte wieder meinen Spaß, genügend „Ach komm, ich glaub’s ja nicht“-Momente und ein paar Tränenaufblitzler im Auge. Doch zur Frage, die alle und eigentlich niemanden interessiert: Hat das Ding einen würdigen Schluss oder lässt Lindelof einen LOST los? Ich fand die abschließende Episode gut, nicht überragend, sie konzentrierte sich für meinen Geschmack zu sehr auf romantisches Liebesgeflirre. In jedem Fall aber weder ein Fall von „Jetzt kippt’s vor lauter Schrägheit um“ noch „Hat mir die letzten 27 Episoden versaut“. Große Antworten sollte man allerdings keine erwarten und besser auch nicht danach suchen, aber das war schon im Vorfeld klar. Hier ist eben der Weg das Ziel der Reise und das Fazit kann demnach nur lauten: „Man. What. A. Fucking. Trip“.

GESAMTWERTUNG: 5,56 PUNKTE (sehr gut)

BETTER CALL SAUL (SEASON 3) 

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„Better Call Saul“ profitiert in seiner dritten Staffel immens von den bekannten Figuren aus der Mutterserie „Breaking Bad“. Ich teile die Show mittlerweile gerne in den Gangster- und den Anwalt-Storybogen auf.  Und was vorher schon galt, gilt nun umso mehr. Gangster olé, Anwalt gern mal meh. Gus Frings und Hector Salamanca hieven zusammen mit dem eh über alle Zweifel erhabenen Mike Ehrmantraut das Niveau auf allerbeste Unterhaltung, während Jimmy, Kim und Chuck zwar ohne Zweifel ihre Momente haben (in dieser Staffel etwa die Verhandlung und das Finale), aber eben gerne auch Bremsklötze in der Geschichte  auslegen. Das kann man als toll gespielte, ruhige Momente zum Spannungsausgleich begreifen – mich hat es ab und an herausgerissen und die für diese Serie wegen ihrer überragenden Inszenierung schlechteste Wertung, das Befriedigend, zücken lassen. Insgesamt langt es dieses Jahr aber wieder deutlich für den Sprung ins „Gut“. Und so, wie sich der Anwalt-Storybogen mit dem Finale entwickelt hat, kann die Kurve weiter noch oben gehen.

GESAMTWERTUNG: 5,20  PUNKTE (gut)

THE HANDMAID’S TALE (SEASON 1)

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„The Handmaid’s Tale“ geht an die Nieren. Und sei es nur, weil man als
männlicher Zuschauer in der Runde von den weiblichen Zuschauern wegen
eines flapsigen Kommentars umgehend einen spitzen Ellenbogen in eben diesen
Körperbereich gerammt bekommt. Denn eine gesellschaftliche Dystopie, in der Frauen versklavt und unterdrückt werden, um in einer fundamentalistisch-religiösen Diktatur als Gebärmaschinen zu dienen, bietet eher wenig Raum für augenzwinkernde Sprüche. Deshalb streiche ich hier auch meinen beliebten „Hat mir sehr gut gefallen“-Wertungseinleitungssatz.

Die Show ist schauspielerisch großartig besetzt (neben Hauptdarstellerin Elisabeth Moss möchte ich erneut Ann Dowd extra hervorheben), emotional ergreifend bis schockierend, stimmig inszeniert. Hätte es in der Mitte der Staffel nicht zu viel Beziehungs-Hin-und Her gegeben, wäre die Geschichte der Magd noch deutlicher in den sehr guten Wertungsbereich geschossen. Besonders lobend erwähnen möchte ich die finale Episode, die mit mehreren überragend wirkungstreffsicheren Szenen aufwarten kann und sich so das Prädikat 6,0 redlich verdient hat. Statt eines „Weiter so!“ schließe ich lieber mit  

GESAMTWERTUNG: 5,55 Punkte (sehr gut)

FARGO (SEASON 3)

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Die bisher schwächste Staffel von „Fargo“.  
BUMM, jetzt es ist raus. 

Showrunner Noah Hawley ließ verkünden, dass er zur Zeit keine Ideen für eine weitere Staffel hat und ihm vielleicht auch keine mehr einfallen würden. In der Tat merkt man der dritten Season auch an, dass man eher auf bekannten Pfaden wandelt, statt ganz frischen Impulsen zu folgen.

Aber keine Angst, gute Unterhaltung wird weiterhin geboten. Dafür sorgt schon David Thewlis als Bösewicht V.M. Varga. Dessen kaputtes Grinsen und abschweifende philosophische Ausführungen allein haben mich jede Folge vorfreudig erwarten lassen. Dazu noch Ewan McGregor in einer Doppelrolle, Michael Stuhlbarg (leidensfähig), Mary Elizabeth Winstead (as sexy woman with a plan) und Carrie Coon (hartnäckig und resolut). Schauspielerisch gab es nichts zu mäkeln, den Cast sah ich hier sogar stärker noch als jenen im Vorjahr. Leider kommt die Story nach einem starken Aufgalopp eine Zeitlang gar nicht mehr aus den Puschen, da hilft auch eine angenehm spaßig-schräge Episode wie „The Law of Non-Contradiction“ kaum drüber hinweg. Dafür wird zum Finale hin wieder mal ordentlich aufgeräumt. Muss ich die tolle Inszenierung und musikalische Untermalung (Stichwort: Peter und der Wolf mit Billy Bob Thornton als Sprecher) extra nochmal erwähnen? 

GESAMTWERTUNG: 5,45 Punkte (gut)

SHERLOCK (SEASON 4)

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Mit ordentlicher Verspätung (die englische Fassung lief schon zu Beginn dieses Jahres) verkünde ich:

Willkommen zurück, Mr. Holmes und Mr. Watson!

Denn die beiden Ausgaben zuvor haben mich eher weniger in Verzückung geraten lassen. Zu sehr war die Show darauf bedacht, sich an sich selbst zu berauschen, immer wieder noch einen draufzusetzen, statt eine klare, stringente Geschichte zu erzählen. Die nun endlich am vorletzten Wochenende gesichteten drei Episoden machen es wieder besser und haben mich versöhnt zurückgelassen. Ordentlich Drama inklusive Ablebens einer Figur, Holmes am Drogenabgrund, überragende, frische Bösewichter (Toby Jones! Siân Brooke!!), stets verfolgbare Handlung, Spannung, aber eben auch leichte Momente – so wie die Musikauswahl der rüstigen Mrs. Hudson beim Staubsaugen oder Queens „I Want To Break Free“ beim großmäuligen Auftritt von Allzeitübeltäter Moriarty.

Zweimal 5,5 Punkte, einmal 5,0 Punkte. 221b Baker Street ist wieder angesagt.  

GESAMTWERTUNG: 5,43 Punkte (gut) 

AMERICAN GODS (SEASON 1) 

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Sollte es bei den Emmys/Golden Globes die Kategorie „Best disturbing mindfucks in a TV show“ noch nicht geben, man müsste sie spätestens für „American Gods“ erfinden. Was hier Bryan Fuller und Michael Green an Bildgewalt und bizarren Szenen dem Zuschauer durchs Auge an die Hirnrinde klatschen, sucht seinesgleichen. Und das von Anfang an, ohne jegliche Rücksicht auf Verständnislosigkeit und Fragezeichen zurückfunkende Synapsen. Mich hatte die Show bereits direkt mit den Wikingern im Pfeilhagel für sich eingenommen.

Manchem Zuschauer ging dieses konsequente Draufhalten mit dem WTF?-Maschinengewehr auf Dauer zu weit, zur Entwarnung sei aber gesagt: Zum Ende hin ergibt alles im Rahmen des Settings einigermaßen Sinn. Ich fand das Finale sogar im Gegensatz zu manchem Kritiker überragend gelungen und einen würdigen Abschluss des an Seltsamkeiten überreichen Road Trips von Shadow und Mr. Wednesday. Für die Prädikatswertung reicht es dann aber doch nicht, weil…

…ich den Protagonisten Shadow schauspielerisch unbefriedigend fand. Ricky Whittle, das muss man so hart sagen, wird von jeder Figur in der Serie an die Wand gespielt. Er ist halt dabei und nimmt manche irrsinnig erscheinende Wendung in seinem neuen Leben mit einem Schulterzucken hin. War mir zu wenig, blieb mir zu blass. Und ja, die Percussiongeilheit von Bryan Fuller kann einem auf Dauer dezent auf die Nerven fallen – ich bin in der Hinsicht durch die „Hannibal“-Schule gegangen und abgehärtet..

Fehlt noch was? Ian McShane ist eine der coolsten Säue auf dieser Erde. Aber da schreibe ich jetzt wirklich nichts Neues.

GESAMTWERTUNG: 5,68 PUNKTE (sehr gut)    

THE AMERICANS (SEASON 5)

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Bisher also viel Schönes und Hochwertiges im Dramabereich. Nur die Agentenfamilie Jennings und ihre aktuellen Abenteuer fallen leider ein wenig ab. Aktueller Einschub: Es hat mich sehr gefreut, dass Kerri Russell und Matthew Rhys in diesem Jahr jeweils eine Emmy-Nominierung erhalten haben. Absolut verdient für ihre Leistung bei „The Americans“. Einschub Ende. 

Staffel 5 wirkt eher wie eine lange Hinleitung auf das große Finale, das dann wohl in der abschließenden sechsten Season ansteht. Auf meinem Wertungszettel steht ein gelungener Einstieg mit einem dramatischen Bedrohungsszenario, das in den folgenden Episoden allerdings harmlos in sich verpufft. Überhaupt ist „draußen“ nicht so sonderlich viel los, das Drama spielt sich eher zuhause in den eigenen vier Wänden ab. Ausnahme: die hervorragende, weil aufwühlende Episode „Dyatkovo“, in der Elizabeth und Philipp einer angeblichen russischen Nazi-Kollaborateurin nachstellen. Folgen von dieser Intensität und nachhallenden Wirkung hätte ich mir mehr gewünscht. Stattdessen langweilte ich mich eher durch die russischen Untertitel, die Oleg Burov im heimatlichen Moskau in seinem neuen Job als Anti-Korruptions-Cop gemeinsam mit seiner Familie und Kollegen produzierte. Dass anders als in den bisherigen Staffeln diesmal kein emotionaler Tiefschlag als Rausschmeißer anstand, trieb die Wertung dann endgültig ins „Befriedigend“.

GESAMTWERTUNG: 4,82 PUNKTE (befriedigend)

VEEP (SEASON 6)

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Ende Drama. Nachschlag Comedy. Zwei Serien dürfen noch ihre Wertungen einreichen für die TV Saison 2016/17. Und „Veep“ haut in der Hinsicht wieder mächtig rein. Genauer gesagt: Mit dem bisher besten Schnitt seit ich die Show verfolge. Das muss man im sechsten Jahr und im kompetenzfreien Zeitalter des Donald J. Trump auch erst einmal hinkriegen.

Ist man erst mal angefixt von der Chaotentruppe um Mrs. Meyers gibt es kein Entrinnen. Niemand ist so von sich eingenommen wie Selina, keiner so devot wie Gary, keiner so spackig wie Jonah Ryan, keiner so schusselig wie Mike, keiner so zynisch und beleidigungskreativ wie Amy, Kent, Dan, Ben und der Rest der Bande. Fehlen eigentlich nur die extrem trockenen Bemerkungen von Sekretärin Sue, die aber leider nicht mehr mit von der Partie ist. „Best insults in a TV show“ könnte man übrigens auch mal als Kategorie einführen, fällt mir da ein. „Veep“ würde auf Jahre hinaus unschlagbar sein.

GESAMTWERTUNG: 5,70 PUNKTE (sehr gut)

SILICON VALLEY (SEASON 4)

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Die Wertung „sehr gut“ vergebe ich ja eher selten bei Comedy-Serien. Dafür muss man frisch sein, darf nicht einrosten, sich nicht auf den Gag-Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. „Silicon Valley“ schafft das dieses Jahr erneut: Jian-Yangs Wurst-App, Big Heads Professur, Gavins Blut-Junge, der Patent-Troll, ein Wiedersehen mit Haley Joel Osment als Virtual Reality-Revolutionär, Dineshs Umgang mit seiner Freundin, Richards Macken, Jareds Gewissensbisse, Erlichs Trip nach Tibet und Gilfolyles aufopfernder Server Anton – allesamt kleine Story-Leckerbissen mit Witz, liebevoll angerichtet und gerne mal ein wenig drüber serviert. Wertungen durchgehend entweder 5,0 und 5,5 Punkte. Ich setze ein TAB (kein SPACE):    Respekt.

GESAMTWERTUNG: 5,50 PUNKTE (sehr gut)

Demnächst:

Preacher, Season 2 (sehr gute Einstiegsfolge, Stichwort „Come On Eileen“)

House Of Cards, Season  5 (Spacey und Wright wie gewohnt souverän, aber die Story dieser Staffel leidet eher unter der momentanen politischen Realität in Washington als etwa ein „Veep“)

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107 (Mai 2017)

4 Mai

Im April gab es keinen neuen Seriencheck. Der Grund: Ich wollte unbedingt noch die Starts von zwei neuen Shows mitnehmen, von denen ich mir sehr viel erwartet habe. Siehe – Achtung, Spannungsaufbau! – die letzten beiden Besprechungen.

TRIAL & ERROR (SEASON 1)

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Im Namen des serienschauenden Volkes ergeht folgendes Urteil:

Die Show „Trial & Error“ wird dazu verurteilt, von mehr Zuschauern gesehen zu werden. Denn sie war in ihren insgesamt 13 Episoden durchgehend lustig, teils herrlich doof und oft zum An-die-Stirn-klatschen albern. Das hohe Gericht wünscht eine Fortsetzung. 

Gegen dieses Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung nur dann zulässig, sobald der Antragsteller 13 Folgen der aktuellen Staffel „The Big Bang Theory“ gesichtet und dabei durchgehend Lachanfälle bekommen hat. 

Also nie. Ätsch.

Dem schließe ich mich vollumfänglich an. Einfach eine schön dusselige Law-Comedy, ohne dass der Humor primitiv unter der Gürtellinie herumturnen musste. Könnte in der Saison-Endabrechnung den Titel „Beste neue Comedyserie“ einheimsen.

GESAMTWERTUNG: 5,14 Punkte (gut)

HOMELAND (SEASON 6)

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Nach der eher durchschnittlichen 5. Staffel mit dem Wirkungskreis Berlin befasst sich Homeland diesmal mit den Problemen zuhause. Dort kann der Feind nämlich auch mal gerne lauern statt in Afghanistan, Syrien oder Iran. Siehe Populismus, mediale Manipulation, Lügen. Wie von der Serie mittlerweile gewohnt, baut sie ihre Geschichte lange auf, lässt sich mit der Entwicklung der Figuren und Ereignissen Zeit und feuert zum Ende hin alles raus, was sich angestaut hat. Schauspielerisch wie gewohnt hochklassig besetzt, entschädigt das letzte Drittel der Staffel für alle vorigen Momente, in denen man als Zuschauer eher berieselt denn gepackt worden war. Das Finale schließlich – gerne bei Homeland ja mehr stiller Nachklapp als fulminante Explosion – bietet großartig inszenierte Action, Heldendrama und Wirkungstreffer in der Magengrube.

Damit geht es erneut locker über die 5 Punkte-Grenze. Auch nach 6 Staffeln darf man festhalten: Das Dramakonzept hinter Homeland wirkt immer noch.

GESAMTWERTUNG: 5,20 Punkte (gut)

THE WALKING DEAD (SEASON 7)

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Was man von „The Walking Dead“ leider nicht behaupten kann. Gerade mit Blick auf ein Finale, das mich enttäuscht, ja richtiggehend verärgert hat. Ich halte Rick Grimes und seinem geplagtem Gefolge trotz vieler Qualitätsschwankungen weiterhin die Treue. Eben weil die Show neben gepflegten Langeweilern auch richtig gelungene Folgen abwerfen kann.

Ja, und damit meine ich Episoden mit Negan, dem brutal grinsenden Oberbösewicht. Ich wiederhole mich da gerne, aber ohne ihn wäre diese Staffel eine einzige Ödnis geworden. Dass man an vielen Stellen die Strahlkraft der Rolle von Jeffrey Dean Morgan beschädigt, teilweise der Lächerlichkeit preisgegeben hat, ist einer der Gründe, weshalb am Ende eine der schlechtesten Seasons für „The Walking Dead“ steht. Denn für mich funktionierte bis dahin dieses Bedrohungsszenario durch einen sadistischen Tyrannen, der über das Leid der von ihm unterdrückten Menschen lacht.

Die zweite Hälfte der Season baute lange auf, alles war auf eine endgültig alles entscheidende Konfrontation gerichtet. Anders ausgedrückt: Das Finale sollte die eher dahindümpelnde Handlung in den Folgen zuvor (Ausnahme: 7×13 Bury Me Here) vergessen machen und abliefern. Ich werde nichts spoilern, sondern nur auf meine Wertung für die letzte Folge verweisen. 3,0 Punkte. Die ziehe ich eigentlich nur, wenn eine Folge mich geärgert hat. Was „The First Day of the Rest of Your Life“ wirklich einwandfrei gelungen ist. Hier vereint sich leider so ziemlich alles, was Kritiker und Aussteiger der Show vorwerfen, Stichwort: unlogisches bis dummes Handeln und Geschehen.

Am Ende rettet sich „The Walking Dead“ knapp aus der Durchschnittlichkeit, weil einige Folgen mit Negan zuvor für ein sattes Wertungspolster gesorgt haben. Wer mit dieser Figur allerdings schon nichts anfangen konnte, darf gerne einen Zähler vor dem Komma abziehen.

GESAMTWERTUNG: 4,60 Punkte (befriedigend -)

BETTER CALL SAUL (SEASON 3)

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Die einen feiern jede einzelne Episode ab und diskutieren, ob die Show jetzt schon besser ist als „Breaking Bad“, die anderen schnarren mürrisch“style over substance, pfft“ und legen sich wieder zur Seite. „Better Call Saul“ ist noch nicht der einmütig besungene Knaller, den man sich erhofft hatte. Auch ich tue mich da weiterhin schwer. Denn so sehr man von der Inszenierung angetan sein darf, so wenig kann mich vor allem die Story um Jimmy McGill in ihren Bann ziehen. Dass ich die Figur der Kim Wexler eher langweilig finde, macht es nicht einfacher.

Von der Eröffnungsfolge war ich entsprechend wieder eher unterwältigt. Ein typischer 4,5er, also befriedigend, mehr aber auch nicht. Richtig nach unten werten kann man bei der Show eigentlich nicht, dafür ist sie schlicht zu hochwertig in Szene gesetzt. Mittlerweile aber ist der nächste wohlbekannte Charakter aus „Breaking Bad“ am Start und zumindest bei mir wieder das gewisse Kribbeln da. Gut möglich, dass er und Mike Ehrmantraut im Zusammenspiel die Wertungen merklich nach oben schieben können.

Nachtrag: Die vierte Episode („Sabrosito“) ist denn auch absolut auf „Breaking Bad“-Niveau angesiedelt. So kann es weitergehen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 5,23 Punkte (gut)

TENDENZ: 5,0 – 5,5 Punkte

FARGO (SEASON 3)

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Irgendwo in Minnesota, 2010. Die Gebrüder Emmit und Ray Stussy (Ewan McGregor in einer Doppelrolle) streiten sich ums Erbe. Der eine ist erfolgreicher Unternehmer im Bereich Parkplätze, der andere ständig mittelloser Bewährungshelfer, der seinen Bruder als Grund für seine eher bescheidene Existenz ansieht. Ihre Zwistigkeiten führen zu einem Mord, in dem die örtliche Polizeichefin Burgle (Carrie Coon, „The Leftovers“) ermittelt. Als ob das nicht schon genug des Dramas wäre, unterwandert die Mafia auch noch die Firma von Emmit.

Wow. Das wird wieder groß. Bin ich mir sicher.

Okay, in längeren Sätzen: Allein die beiden extrem unterschiedlichen McGregors sind schon die Eintrittskarte wert. Dazu spielen noch die wunderbaren Carrie Coon und Mary Elizabeth Winstead („Braindead“), Michael Stuhlbarg („Boardwalk Empire“) und der mir bisher unbekannte David Thewlis („Harry Potter and the Deathly Hallows“). Letzterer löst in jeder Szene diesen wohligen Schauer des Angewidertseins und der Furcht aus. Und dieses Mal bin ich auch vorbereitet, falls sich Hauptautor Noah Hawley abseits der Geschichte wieder etwas völlig Verrücktes einfallen lassen sollte.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,60 Punkte (sehr gut) 

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

THE LEFTOVERS (SEASON 3)

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Wir bleiben in Miracle, Texas. Drei Jahre sind vergangen, es steht der siebte Jahrestag der „Sudden Departure“, also des Verschwindens von 2% der Weltbevölkerung, an. Grund genug, dass allerorten die Apokalypse herbeigerufen oder gar -gesehnt wird. Mittendrin: Polizeichef Kevin (Justin Theroux) und seine Lebensgefährtin Nora (Carrie Coon). Kurz gefasst: Es wird wieder schlimm.

Wen der „Leftovers“-Virus erstmal gepackt hat, kommt nicht mehr davon los. Was in den bisher zwei Episoden gezeigt wurde, ist wieder ein Parforce-Ritt über die Klaviatur der Gefühle, ein Festival der Seltsamkeiten, die TV-Version von WTF und OMG. Allerdings nur für Menschen, die die Enttäuschung von LOST hinter sich gelassen haben und nochmal in eine Welt voller „mystery, emotion and weird shit“ eintauchen wollen. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte reichlich belohnt werden. Das wage ich zumindest nach diesem fulminanten Auftakt zu behaupten.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,90 Punkte (sehr gut +)

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

VEEP (SEASON 6)

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HBO-Comedy-Selbstläufer #1. Ex-Präsidentin Selina Meyers kümmert sich um ihr politisches Erbe und will das größte Ziel ehemaliger Amtsinhaber verwirklichen: Eine eigene Bibliothek. Geld dafür soll über ihre Stiftung The Meyer Fund for Adult Literacy… and AIDS… and The Advancement of Global Democracy hereinkommen. Jonah Ryan ist weiterhin der größte Spacken des US-Kongresses. Die anderen Charaktere haben zum Teil neue Jobs, in denen sie herrlichen Mist bauen. Zusammengefasst: „Veep“ kommt der Präsidentschaft von Donald Trump in ihrer Peinlichkeit, Fremdscham und Planlosigkeit weiterhin am nächsten.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,43 Punkte (sehr gut -)

SILICON VALLEY (SEASON 4) 

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HBO-Comedy-Selbstläufer #2: Richard konstruiert ein neues Internet, Dinesh stylt sich die Haare neu, der Piper-Chat trägt ein unangehmes Geheimnis in sich. Die Show läuft wie von Gilfoyle programmiert – stabil, 100% Humorauslastung, aber auch böse und abgründig. Weiterhin das Beste, was aus der Schnittmenge zwischen IT und Comedy geschöpft werden kann und derzeit auf dem Bildschirm flimmert.

DURCHSCHNITTSWERUNG NACH 2 EPISODEN: 5,30 Punkte (gut)

 
THE HANDMAID’S TALE (SEASON 1)

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Hulu bringt den weltbekannten dystopischen Roman von Margaret Atwood auf den Bildschirm. Infolge mehrerer nuklearer Katastrophen ist die Menschheit von Sterilität bedroht. Ein Putsch bringt eine christlich-fundamentalistische Gruppierung an die Macht, die Frauen entrechtet und als Gebärsklaven für ihre Elite heranzieht. Protagonistin der Geschichte ist die Magd Offred (Elisabeth Moss, „Mad Men“), deren Leben und Leiden im Haus des örtlichen Kommandanten (Joseph Fiennes, „Shakespeare in Love“) und dessen Frau Serena Joy (Yvonne Strahovski, „Dexter“, „Chuck“) erzählt wird. Zusammen mit Magd Ofglen (Alexis Bledel, „Gilmore Girls“) denkt sie darüber nach, Widerstand zu leisten.

Keine schöne neue Welt. Aber verdammt faszinierend düster, erschreckend und beklemmend. Innerhalb der bisherigen drei Folgen hatte ich mehrfach den berühmten Kloß im Hals angesichts der Lehren und Handlungsweisen des theokratischen Regimes. Neben den oben erwähnten, bekannten Namen ist besonders Ann Dowd („The Leftovers“) hervorzuheben, die einem in ihrer Rolle der Erzieherin Aunt Lydia die Gottesfürchtigkeit unter die Gänsehaut treibt. Ich kenne die Buchvorlage nicht, aber ich gehe davon aus, dass sie noch mit einigen emotionalen Tiefschlägen aufwarten wird. Jetzt schon eine dicke Empfehlung von mir für Freunde der dystopischen Erzählung. Eine zweite Staffel wurde bereits geordert

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,43 Punkte (sehr gut -)

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

AMERICAN GODS (SEASON 1)

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Direkt die nächste Bestsellerverfilmung auf einem noch nicht so sehr bekannten Sender: Starz präsentiert Neil Gaimans „American Gods“, in dem die alten Götter auf die Erde zurückkehren, um die neuen Götter zu bekämpfen.

Und bei dem der Zuschauer ohne Kenntnis des Buches zumindest in der Pilotfolge in vielen Szenen keine Ahnung hat, was und wie um ihn herum geschieht. Das kann ich jedenfalls schon mal bestätigen. Denn so verwirrt war ich das letzte Mal beim Auftakt von „Preacher“. Allerdings weicht diese Ahnungslosigkeit immer mehr dem Staunen darüber, was „American Gods“ an denkwürdigen Momenten auffährt. Bereits der Einstieg mit einer Gruppe Wikinger, die das amerikanische Festland betreten und einen aufopferungsvollen Weg finden, um wieder von dort wegzukommen, haut rein wie ein Tritt auf den Solarplexus: Optik und Inszenierung à la 300 (oder wie bei dem sendereigenen „Spartacus“, nur eben in edler Aufmachung) lassen einen als Zuschauer zuerst mal einen ehrfürchtigen Schritt mit dem Sessel nach hinten rücken. Was Ian McShane („Deadwood“) und Ricky Whittle („The 100“) im späteren Verlauf erleben, setzt im Fernsehen neue Maßstäbe in Sachen WTF und OMG – diesen Titel muss ich somit dem weiter oben besprochenen „The Leftovers“ leider für den Moment aberkennen. Bleibt die Frage, ob nicht die Gefahr besteht, von diesem sich sehr schräg drehenden Karussell irgendwann herauskatapultiert zu werden. Das dürften die nächsten Folgen zeigen. Für den Start gebe ich ein „sehr gut“ mit starker Tendenz zum „überragend“.

ERSTEINSCHÄTZUNG NACH DEM PILOTEN: 5,5 Punkte (sehr gut)

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

92 (Januar 2016)

6 Jan

Neues Jahr, neuer Seriencheck.
Für diese megatolle, einfallsreiche Einleitung habe ich extra bis Januar gewartet.
Und darf nun die Abschlusswertungen für zum Teil schon lange beendete Serienstaffeln nachreichen.

Ich finde, das hat sich gelohnt.

HOMELAND (SEASON 5)

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Berlin, Berlin, wir terror’n nach Berlin.

Carrie Mathison hat es in unsere schöne Bundeshauptstadt als Sicherheitsberaterin einer gemeinnützigen Organisation verschlagen. Zusätzlich werden der CIA brisant wichtige Geheiminformationen aus den Datenbanken gehackt, die in den Händen einer Whistleblowerin landen. Wie etwa, dass die USA alles und jeden ausspionieren, was nicht bei drei einen amerikanischen Pass vorlegen kann. Und natürlich liegt ein Anschlag von islamistischen Terroristen im Busch. Edward Snowden, IS, Spionage, Geheimdienste, Überwachung, Datensammlung, Hacker – alles drin. Wahrscheinlich mache ich mich mit dem Schreiben dieser Zeilen selbst schon verdächtig.

[My dear friends at the NSA, this is just a short summary of the fifth season of „Homeland“. The tv show featuring Carrie, Saul, Peter Quinn, y’know? Stay cool.]

Natürlich gibt es schon mal dicke Pluspunkte für das Lokalkolorit. Wenn Carrie sich deutsche Begriffe aus dem Mund presst, diverse deutsche Schauspieler in ihrer Sprache parlieren, einiges an Action am Berliner Hauptbahnhof abgeht, die bösen Jungs in irgendeinem Problemviertel-Sozialbau schlimme Pläne schmieden oder die Geheimdienstchefs sich in heimeligen Promenade-Cafés vom stressigen Alltag koffeinieren lassen.

Andererseits erkenne ich stellenweise mein eigenes Land nicht mehr! Großdemonstrationen in Berlin, weil herauskommt, dass die Amis die Deutschen ausspionieren? Der BND fordert einen Kopf der CIA wegen dieses Affronts? Unser Geheimdienst kennt sich sogar mit Computern aus und arbeitet effizient und kompetent? Der Russe fürchtet, der Ami respektiert uns? Kein Generalbundesanwalt kündigt, beseelt von deutschem Recht und deutscher Ordnung, ausführliche Ermittlungsmaßnahmen gegen die NASA an?

Es sind diese Ungereimtheiten, die mich ein wenig peinlich berührt zurücklassen und aus der Welt von „Homeland“ herauskatapultieren. Aber auch sonst lief die fünfte Staffel mit fortschreitender Dauer erschreckend höhepunktarm an mir vorüber. Man kennt es halt langsam, das Terror- und Terrorabwehrgeschäft. Jack Bauer kann ein Lied davon singen. Darüber hinaus erweist sich die finale Folge der Staffel – wie schon das Ende von Season 4 – als eher unterwältigend. Was die Show allerdings immer noch hervorhebt, sind die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller, wobei ich nie müde werden kann, dem alten Brummelbart Saul zuzusehen. Bis dato aus meiner Sicht leider die schwächste Staffel.

GESAMTWERTUNG: 4,67 Punkte (befriedigend)

THE MAN IN THE HIGH CASTLE (SEASON 1)

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Unschöne Geschichte: Nicht die Allierten, sondern die Achsenmächte haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Hitler-Deutschland wirft 1947 die erste Atombombe ab, die USA kapitulieren, deren Westküste wird der Verwaltung der Japaner unterstellt, im weitaus größten Teil herrschen und gleichschalten die Nazi-Schergen, dazwischen eine neutrale Zone als Machtpuffer. Im alternativen Jahr 1962 verfolgen wir die Aktionen zweier Widerständler und eines ranghohen US-Nazis bei ihrer Jagd auf geheimnisvolle Filmrollen, welche alles verändern könnten.

Die Show lebt ohne Zweifel von ihrem erschreckenden Szenario, das in der Tat ja so hätte Geschichte werden können. Dieser „Man-mag-gar-nicht-dran-denken“-Effekt, das schaurige Weiterspinnen der Folgen eines deutschen Endsiegs und die Faszination des triumphierenden Bösen zieht sich durch die ganze Staffel und vermochte mich als Zuschauer bei der Stange zu halten. Dazu noch ein bisschen Mystery und fertig ist eine durchaus sehenswerte Mischung, die uns amazon hier als Eigenproduktion vorsetzt.

In den zehn, je knapp einstündigen Episoden passiert mir manchmal zu wenig, geht die Story zu schleppend voran, konzentriert man sich zu sehr auf die Charaktere, als dass ich zu den ganz hohen Bewertungen greifen konnte. Ausgeglichen wird dieser kleine Mangel durch die von amazon angebotene, zuschaltbare Informationssammlung, die Alternativwelt, Figuren und Settings näher beleuchtet. Ein sehr feines Feature, für das ich zusätzlich einen Zehntelpunkt auf die Wertung drauflege. Insgesamt gute Unterhaltung für Zuschauer, die sich auf diese geschichtsalternative Welt einlassen wollen. Eine zweite Staffel ist bereits gesichert und ich bin gespannt, ob diese die Faszination weiter aufrechterhalten kann.

GESAMTWERTUNG: 5,15 Punkte (gut)

FARGO (SEASON 2)

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Wer meinen letzten Seriencheck gelesen hat, dem stellt sich nur eine Frage: Warum nicht die Höchstwertung? Fargo ist auch in der zweiten Staffel Unterhaltung von formidabler Qualität: Darsteller, Dialoge, Humor, Charaktere, Schrägheit, Action, Drama – alles vom Feinsten und ich würde demütig auf die Knie fallen und so dahinrobbend meine GEZ-Gebühren persönlich zur Einzugsstelle nach Köln tragen, wenn sowas für das deutsche Fernsehen produziert werden würde. Statt bemüht biedere Nachahmerei von „Breaking Bad“ oder Krimi-Action-Sülze eines von sich selbst aufgegeilten Gelegenheitsschauspielers.

Aber zum Punkt. Beziehungsweise zu den fehlenden in der Gesamtwertung. Erstens fand ich die siebte Folge (Did You Do This? No, You Did It!) zu gemächlich, zu sehr auf die Bremse für den Aufbau des Finales tretend, zu wenig die Stärken der Show ausspielend. Bekam von mir deshalb nur ein „befriedigend“. Zweitens: Die Beweggründe einer Figur, und das Auftauchen eines, ich nenn es mal „plot devices“ aus heiterem Himmel. Wer die Staffel gesehen hat, weiß sofort, was ich meine. Man könnte gerade letzteres als liebenswert versponnenen Tribut an die kleinen Abgedrehtheiten der Coen-Brüder durchgehen lassen. Aber die Art, wie diese beiden Momente gehandhabt wurden, hat mich doch leicht nörgelig gemacht. Das sind letztlich kleine Details, die nichts daran ändern, dass ich auch mit der zweiten Staffel von „Fargo“ mächtig viel Spaß hatte und die Tage bis zur dritten Season (leider erst 2017) zähle.


GESAMTWERTUNG: 5,75 Punkte (sehr gut)

THE LEFTOVERS (SEASON 2)

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Alle bitte einsteigen für die nächste Achterbahnfahrt! Genießen Sie zehn Runden Gefühls-Auf-und-Ab, liebevoll ausgedacht und arrangiert von Damon „Mystery Boy“ Lindelof. Bitte unterlassen Sie angestrengtes Nachdenken über das Gesehene, die Auflösung angerissener Geheimnisse oder das Herumkreiseln der Geschichte. Einfach zurücklehnen und auf sich wirken lassen.

Allerspätestens mit der Limbo-Story in der achten Episode „International Assassin“, in der Kevin Garvey auf einen Trip der ganz besonders seltsamen und kaputten Art geschickt wird, hat die Show mich wieder mit Haut und Haaren für sich vereinnahmen können. Schon vorher hatte ich mich auf jede neue Episode gefreut, aber diese ganz spezielle Ausgabe des alltäglichen Wahnsinns im Leftovers-Universum trieb das Konzept der Zuschauerverwirrung auf die Spitze. Ich kann absolut verstehen, wenn man damit nichts anzufangen weiß und lieber geordnetere Bahnen in seinen Serien bereisen will. Von daher steckt in der Abschlussnote auch sehr viel subjektive Wertschätzung. Wer aber gerne mit den Figuren leiden, sich wundern, den Kopf schütteln oder ratlos angesichts der hereinbrechenden Ereignisse sein will, der wird ebenso blendend unterhalten wie in Season 1. Punktgenau sogar, denn diese erhielt damals auch 5,80 Punkte.

GESAMTWERTUNG: 5,80 Punkte (sehr gut)
THE LAST MAN ON EARTH (SEASON 2)

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Will Forte als Phil Miller und seine teils idiotischen, teils peinlichen Eskapaden als letzter Mann auf der Welt habe ich in der ersten Staffel noch mit einem dicken Schmunzeln bedacht. Der Auftakt zur nächsten Reihe von Katastrophen-Phil geriet auch wieder herrlich zum Mit-der-flachen-Hand-an-den Kopf-schlagen. Was sogar ungefähr bis zur Mitte der Season anhält. Im letzten Drittel fällt dann  leider deutlicher und stetiger Begeisterungsschwund auf.

Mir scheint es, als hätte man die richtig guten Geschichten und Gags in den 13 Episoden im Frühling 2015 sowie in den 6 Folgen dieser Staffel erzählt. Der Nebenplot auf der Raumstation kommt nicht die Puschen und wird wohl erst in diesem Jahr interessant. Die anderen Charaktere treten mir zu sehr auf der Stelle, bringen mir zum Ende hin zu wenig witzige Situationen ein. Das auf Drama getrimmte Weihnachtsfinale hilft da natürlich nicht wirklich. Und Phil bzw. Tandy Miller schließlich wandelt sich mit der Zeit vom belächelnswerten, aber doch noch irgendwie sympathischen Loser zum nervigen Flachspruchabspuler.

Summa summarum kann „The Last Man On Earth“ noch von den starken Episoden bis zur Hälfte der Staffel profitieren, danach ging es von 5,5 bis 5,0 Punkten herunter auf dreimal 4,0 Punkte für die letzten Folgen. Da muss mehr kommen und vor allem wieder Konstanz rein.

GESAMTWERTUNG: 4,80 Punkte (befriedigend)

ASH VS. EVIL DEAD (SEASON 1)

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Auch schon fertig mit der großen Deadite-Bekämpfung für diese Saison ist unser alter Freund Ash. 10 Folgen Blut, Gedärme, Kettensägen- und Donnerbüchsenbehandlung, garniert mit lässigen Sprüchen, die nicht immer die ganz große Intelligenz des Klopfers widerspiegeln. Gutes Ding, würde ich sagen wollen. Manch einem waren die beiden Sidekicks Pablo und Kelly ein Dorn im Auge, ich fand sie jetzt hingegen nicht sonderlich störend. Die Qualität des Piloten wird nur noch im sehr gelungenen Finale wieder erreicht, dazwischen sind den Machern gerne mal die aufregenden Kreaturdesigns oder Exekutionsarten ausgegangen, aber unterhalb von „befriedigend“ habe ich keine Wertung gezogen. Wenn ich mir etwas für die zweite Staffel wünschen dürfte: gerne mehr ekelhafte Deadites wie den Dämonen Eligos.

GESAMTWERTUNG: 5,05 Punkte (gut)
SUPERSTORE (SEASON 1)

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Workplace-Comedy von Justin Spitzer, seines Zeichens einer der Produzenten von „The Office“. Entsprechend ist das auch „The Office“ im Supermarkt. Qualitätsmäßig eine eher späte Auslese, will sagen: „Superstore“ ist leider deutlich näher an den Staffeln, in denen der Büro-Komödie um Michael Scott und Dwight K. Schrute schon lange die Puste ausgegangen war.

Ein paar Spiegelungen hat sich Spitzer zudem erlaubt: die Büroromanze Jim-Pam ist nun zwischen der frusterfahrenen Amy (America Ferrara, „Ugly Betty“) und dem Frischling Jonah, Dwight ist jetzt weiblich und der Boss/Marktleiter nicht nur ohne Plan und peinlich, sondern auch ein wenig sehr tüdelig. Bleiben als Neuheiten der zynische Schwarze im Rollstuhl, dessen durchaus vorhandenes Potenzial nicht ausgereizt wird, der Quoten-Homosexuelle und das sozial und intellektuell eher außenseiterhaft angelegte Pärchen.

Nein, als Stiftung Serientest muss ich zwar nicht warnen, kann aber bisher auch keine Empfehlung aussprechen. Vielleicht gebe ich der Show noch eine Chance, nach zwei gesehenen Episoden, die humormäßig eher an mir vorbeigeblubbert sind,  kann ich höchstens ein „bisher eher unbefriedigend“ auf das Meinungskärtchen schreiben.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 4,0 Punkte (durchschnittlich) 
GUCKLISTENSTATUS: Wackelig wie die Leiter zu den oberen Supermarktregalen
THE WALKING DEAD SEASON 6 (Episoden 01-08)

the+Walking+Dead+Season+6+comic+con+poster

Es stöhnt der Rick und seine Crew, der Zombie gibt schlicht keine Ruh‘.

Auflösungserscheinungen fallen mir nicht nur bei den wandelnden Untoten, sondern schon seit einigen Staffeln bei der durchgängigen Qualität der Serie auf. Auch diesmal gelingt es „The Walking Dead“ dann eben doch nicht, mich konstant gut zu unterhalten. Der Auftakt sehr stark, mit einer epischen Großaktion unserer Überlebendenfraktion, die sich über mehrere Episoden spannt. Dazu ein gelungener Rückblick auf die Geschichte einer Figur, mit der Wolf-Gang ein grausamer neuer Gegner. Danach allerdings ein etwas billiger Trick, um die Zuschauer vor den Geräten zu halten und *seufz* wieder einmal Leerlauf.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 8 EPISODEN: 4,80 Punkte (befriedigend)

GOTHAM SEASON 2 (Episoden 01-11)

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Vorab die gute Nachricht: Unsere schöne Fledermausstadt ist weiterhin sicher. Fish Mooney, die Geißel von „Gotham (Season 1)“ aka the goddess of overacting aka die nervige Alte von Will Smith, ward bis dato nicht wieder gesehen. Ein wenig hat ihren Platz zwar Barbara Kean, die ex-Freundin unseres geschätzten Detective James Gordon eingenommen, aber der Schrecken hält sich noch im vertretbaren Rahmen.

„Rise of the Villains“ heißt das aktuelle Kapitel und die erste Handvoll Episoden haben mich voll und ganz überzeugt. Allen voran der aus „Shameless (US)“ bekannte Cameron Monaghan in der Rolle des jungen Jokers wusste durch seine diabolische Bildschirmpräsenz zu beeindrucken, dazu noch der gewohnt knorrige Michael Chiklis als neuer Polizeipräsident und James Frain als Oberbösewicht Theo Galavan – da wurden gerne auch mal die Kärtchen mit der 5,5-Wertung gezückt. Das hohe Niveau pendelte sich nach diesem furiosen Start zwischen 4,5 und 5 Punkten ein, mit der völlig in die Hose gegangenen Folge „By Fire“ (ernsthaft: eine Frau mit Flammenwerfer hält Dutzende bewaffnete Mobster von einer Bühne aus in Schach?) als Tiefpunkt. Überhaupt fielen einige Episoden doch deutlich ab, als hätte man das B-Team der Drehbuchschreiber rangelassen und nicht qualitätsmäßig kontrolliert. Warten wir ab, ob der zweite Teil der Staffel nochmal etwas draufsetzen kann oder sich doch wieder Ausreißer erlaubt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 11 EPISODEN: 5,01 Punkte (gut-)

Zum Schluss noch hastig nachgereicht ein paar Abschlusswertungen von bereits besprochenen Serien:

Ray Donovan (Season 3): 5,56 Punkte (sehr gut-)
Lego Star Wars: Droid Tales (Season 1): 5,15 Punkte (gut)
The Jim Gaffigan Show (Season 1): 4,95 Punkte (gut -)
Blunt Talk (Season 1): 4,45 Punkte (befriedigend-)

91 (November 2015)

13 Nov

Zeit für einen neuen Seriencheck! Es hat sich ja doch einiges angesammelt seit dem Beginn der Hauptsaison, die Neuerscheinungen spülen aus allen Ecken und man hat Mühe, den Überblick zu behalten. Alles unterzubringen ist da schlicht unmöglich, von daher beschränke ich mich auf Shows, die mindestens für drei Folgen mein Interesse gewinnen konnten. Dabei fällt so einiges durch den Filter, u.a. immer noch sehr viele Produktionen aus dem amazon- und netflix-Universum. Brandaktuelles Beispiel: „Master of None“, die neue Comedy von Aziz Ansari („Parks & Recreation“) – eine Episode gesehen und hat mein Humorzentrum leider nicht ein einziges Mal gekitzelt.

ASH VS EVIL DEAD (SEASON 1)

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Ash, der Kultheld aus der Kulthorrorfilm-Reihe „The Evil Dead“ ist alt und speckig geworden, aber sein loses Mundwerk funktioniert noch wie in alten Zeiten. Klugheit und immer bedachtes Handeln steht weiterhin nicht auf der Liste der Charaktereigenschaften, weshalb nach einer kleinen Lesung des Necronomicon im privaten Rauschkreis die bösen Toten in Form der Deadites wieder auf der Matte stehen.

Jüngeren Seriengucklingen mag „Ash vs. Evil Dead“ wie eine seltsam trashige Parodie auf „The Walking Dead“ vorkommen. Wer allerdings die zugrundeliegenden Filme kennt und mag, der darf einige Seufzer der Verzückung bereithalten. Denn die alte Crew um Sam Raimi liefert gleich in der Auftaktfolge eine Art „Best of“ der Marke ab: handgemachte und liebevoll übertriebene Splattereffekte, Kettensägen- und Pumpgun-Action, lässig rausgeworfene One-Liner, kindisch lustige Slapstickmomente. Hat meine Erwartungen und Hoffnungen vollumfänglich erfüllt und mir riesigen Spaß bereitet. Bruce Campbell ist halt auch einfach ein liebenswertes altes Schlachtross, dem man immer wieder gerne zusieht. Gerade in der zweiten Folge zeigt der Recke mit dem praktischen Kettensägenanschluss am Arm, dass er die Serie auch abseits der Untotendezimierung unterhaltsam tragen und gestalten kann. So sieht es wohl auch der verantwortliche Sender STARZ, der eine zweite Staffel bereits vor Ausstrahlung des Piloten in Auftrag gegeben hat. Groovy.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH ZWEI EPISODEN: 5,30 Punkte (gut)
TENDENZ: 5,0 – 5,5 Punkte (gut – sehr gut)

DR. KEN (SEASON 1)

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Neue Comedyserie bei NBC, in der Ken Jeong („Community“, „The Hangover“) einen asiatisch-stämmigen Arzt spielt. Ein echter Besetzungscoup, denn Jeong ist US-Amerikaner mit südkoreanischen Wurzeln und obendrauf ausgebildeter Mediziner. Internist, um genau zu sein. Die Internisten in meiner Krankheitskarriere waren bisher alle… nun ja, irgendwie anders.

Mein erster Gedanke: „Das müsste eigentlich eher auf TV LAND laufen“. Dem Sendeplatz für die eher altbackenen, ein wenig biederen Serien. Dr. Ken ist mehr als deutlich auf den hibbeligen kleinen Asiaten ausgerichtet, die Familienmitglieder bzw. Arbeitskollegen sind mehr oder weniger Stichwortgeber. Humormäßig ist das Ganze zwischen nett und bemüht einzuordnen. Kann man gucken, man verpasst aber nichts, wenn man es bleiben lässt. Sollte die Show über zwei Staffeln kommen, würde es mich allerdings ernsthaft wundern.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 4,17 Punkte (durchschnittlich)
TENDENZ: 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)

HEROES REBORN (SEASON 1)

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Tim Kring nimmt mit „Heroes Reborn“ einen weiteren Anlauf, seine Erzählung um die ganz normalen Menschen mit übermenschlichen Kräften, die als einzige imstande sind, die Welt zu retten, ins Fernsehen zu hieven. Wir erinnern uns: Die erste Staffel aus dem Jahre 2006 überraschte und begeisterte nicht nur mich als Inhaber dieser kleinen Review-Klitsche, sondern wurde ein internationaler Erfolg. An den jedoch keine der weiteren Seasons je wieder herankommen sollte. Im Gegenteil: die zweite und dritte Ausgabe der Heldensaga drückte das gesamte Franchise dermaßen gründlich in die Tonne, dass auch die vierte Staffel trotz ordentlicher Qualität nichts mehr retten konnte.

Nun also der Reboot mit Reborn. Die Evos genannten Supermenschen werden nach einem Terroranschlag bei einem Gipfeltreffen mit Vertretern der Fraktionen bei Primatech gnadenlos verfolgt. Noah Bennet (Jack Coleman), der Mann mit der unerschütterlichen Brille, versucht, die Hintergründe der Untat aufzudecken und gibt zugleich das prominente Bindeglied der alten Truppe zu den neuen Heroes.

Freunde, es ist vorbei. Menschen mit Superkräften lauern einem mittlerweile ja in jedem zweiten Kinofilm auf, mein Bedarf ist da dauerhaft gedeckt. Die nostalgische Verklärung ließ mich ein paar Episoden reinschauen, aber das Ergebnis ist ernüchternd. Von den neuen Protagonisten kommt niemand an Hiro, Matt oder Sylar heran. Der von mir geschätzte Zachary Levi („Chuck“) wirkt völlig deplatziert als fies dreinguckender Bösewicht und Jäger mit aufkommenden Gewissensbissen. El Vengador, der Latino mit der Wrestling-Maske, reizt mich eher zum mitleidigen Lachen denn zum Bewundern. Und das Japano-Rollenspiel-Pärchen quält sich ohne ansatzweise der ausgestrahlten Putzigkeit von Hiro und Ando durch die schlechtesten CGI-Videospielsequenzen von 2005. Ganz davon abgesehen wünscht man generell den Special Effects-Rechnern ein Update auf das aktuelle Jahr. Nach vier Episoden stand für mich fest: Werdet mal schön ohne mich wiedergeboren.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 4,13 Punkte (durchschnittlich)
TENDENZ: Sichtung abgebrochen

GRANDFATHERED (SEASON 1)

Grandfathered

Der ewig jugendlich wirkende Jimmy (John Stamos, „Full House“) ist erfolgreich, besitzt ein Edelrestaurant, fährt einen Sportwagen, mit den Frauen läuft’s, ernsthafte Beziehungen gibt es keine, alles paletti mit Spaghetti, bis…. ER PLÖTZLICH ERFÄHRT, DASS ER GROSSVATER IST. Weil eine seiner Liebschaften ihm die Schwangerschaft verheimlichte und die Frucht seiner Lenden nun wiederum selbst fortpflanzungsmäßig unterwegs war, ohne jedoch so recht das Herz der frischgebackenen Mama erobert zu haben. Tja, jetzt musst du dich entscheiden, lieber Jimmy: Was ist schöner? Das Familienleben als Opa, der seinem Sohnemann hilft, oder doch zügellos und ohne Verantwortung durchs Leben?

Ein auf John Stamos als Sunnyboy straff angepasstes Comedyvehikel, das im Piloten schon so ein bisschen die ganzen guten Gags des Storygerüsts verballert und bei dem ich befürchte, dass ihm langsam, aber stetig die Luft ausgehen wird. Denn natürlich fremdelt unser Held zunächst mit der neuen Familie und den Änderungen in seinem Tagesablauf, aber die unleugbare Goldigkeit der Enkelin lässt schließlich alle Widerstände dahinschmelzen. Noch eine Serie, bei der ich nicht glaube, dass sie in 10 Jahren ehrfurchtsvoll Wiederholungen auf den Fernsehkanälen dieser Welt sprießen lassen wird. Neben Stamos kämpft Paget Brewster („Community“) als Großmutter um Aufmerksamkeit, Jimmys Angestellte seines Restaurants versuchen ein paar Gagbrocken reinzuwerfen und die angebetete Mutter der Enkelin ist mir bis jetzt komplett nervig unsympathisch. Trotzdem guckt’s man weg, weil es nicht wehtut, aber auch nicht hängenbleibt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH FÜNF EPISODEN: 4,60 Punkte (befriedigend)
TENDENZ: 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)

LIFE IN PIECES (SEASON 1) 

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Geschichten über vier Familien als Teil einer Großfamilie, alles vertreten von den Senioren über die frischgebackenen Eltern, die Langzeitverheirateten und die gerade erst Zusammengekommenen bis hin zu den Enkelkindern. Liest sich ein wenig wie „Modern Family“, hat aber einen zusätzlichen Kniff: Jede Folge besteht aus vier Segmenten, in denen ein Teil der Familien im Mittelpunkt steht. Vier Segmente, das ergibt gerade mal Mini-Episoden in einer Länge von grob 5 Minuten. Ich war mir da doch recht unsicher, ob das funktioniert.

Aber… die Show hat mich überzeugt. Keine Ahnung, weshalb auf IMDB nur eine spärliche Wertung von 6,9 zusammenkommt, denn „Life In Pieces“ ist für mich die beste neue Comedyserie dieser Saison und punktet durch einen sehr gut aufgelegten Cast, bei dem Serienfans einige Gesichter wiedererkennen. Wie etwa Colin Hanks („Fargo“), Betsy Brandt („Breaking Bad“), Dan Bakkedahl („Legit“), James Brolin („Hotel“) oder Zoe Lister-Jones („Whitney“). Gesondert erwähnenswert in einer Nebenrolle: Jordan Peele („Key & Peele“) als schräger Ex-Freund, der einfach nicht loslassen will. Storymäßig geht es um die üblichen Familienprobleme wie Erziehung, Beziehungen oder Mann-Frau-Unterschiedlichkeiten. Nichts Revolutionäres also, aber gekonnt auf den Punkt gebracht oder auf die Spitze getrieben.

Wenn Männer an Bäumen scheitern, der Familienvater die Halloween-Pyjamaparty seiner minderjährigen Tochter mit „Alien“ aufpeppen möchte oder die jungen Eltern überall Keime sehen oder schlaftrunken Einkäufe erledigen, dann trifft das in dieser dargereichten Form ziemlich genau meinen Humor. Entsprechend konnte die Episode „Sleepy/Email/Brunch/Tree“ bei mir die ersten 6 Punkte herauslocken. Für mich die Comedy-Empfehlung der letzten Monate und ich hoffe, dass sie als im Anschluss an „The Big Bang Theory“ laufende Show weiterhin Zuschauer mitnehmen kann. Hätte die immer belangloser werdende Beziehungscomedy um die seltsamen Physiker wenigstens noch etwas Gutes zustandegebracht.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH FÜNF EPISODEN: 5,32 Punkte (gut)
TENDENZ: 5,0 – 5,5 Punkte (gut – sehr gut)

THE GRINDER (SEASON 1)

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Dean Sanderson (Rob Lowe, „Parks And Recreation“) spielte jahrelang in einer TV-Serie den Anwalt Mitch „The Grinder“ Grinder, der nie einen Prozess verlor, einen Klienten enttäuschte oder ein Frauenherz ungebrochen zurückließ. Nach dem Ende seiner Show zieht er zu seinem jüngeren und als echter Rechtsberater arbeitenden Bruder Stewart (Fred Savage, „The Wonder Years“), um uneingeladen in die Familienkanzlei einzusteigen. Natürlich ohne echte Ahnung vom harten Beruf als Paragraphenschieber zu haben.

Wurde nach vor seiner Ausstrahlung wegen des charmanten Spiels von Rob Lowe hoch gelobt und natürlich füllt der einfach nicht altern wollende Akteur seine Rolle als dezent schmieriger, zum Overacting neigender, von sich selbst überschätzter Fernsehdarling perfekt aus. Fred Savage wiederzusehen ist sowieso eine Freude, die beiden Schauspieler bilden zusammen ein sehr gutes, von Gegensätzen gezeichnetes Pärchen auf dem Bildschirm. Zusätzlich dürften Freunde von Anwalts-Shows wie „L.A. Law“ einiges an parodiewürdigen Szenen vorfinden. Für mich ein ordentlich stabiles Fundament zum Weitergucken. Ob das alles ausreicht, um dauerhaft die Zuschauer vor den Fernsehern zu halten, wird sich zeigen müssen. Bei mir findet sich die Show derzeit innerhalb meines Wertungsspektrums im hohen 4er Punktebereich wieder und hält noch ihr Niveau, weshalb ich sie qualitätsmäßig und vom Potenzial her vor „Grandfathered“ einordne.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 4,75 Punkte (befriedigend)
TENDENZ: 4,5 – 5,0 PUNKTE (befriedigend – gut)

THE MUPPETS (SEASON 1)

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Nach den Filmen nun eine neue TV-Show mit Kermit, Miss Piggy, Fozzy, Gonzo, Waldorf, Statler … alle wieder da! Hurra!
Allerdings: Das Projekt ist keine Neuauflage der beliebten Muppet-Show, sondern eine Mockumentary im Stil von „The Office“ (wo man sich praktischerweise gleich die Schriftart ausgeliehen hat), nur eben mit den Puppen, die nun unter der Leitung von Kermit für die Talkshow von Miss Piggy knechten und schuften. Gaststarauftritte gibt es dennoch, sowie ein paar neue Figuren im Muppetuniversum wie Kermits neue Freundin Denise, einen IT-Techniker oder diverse Ratten. Was fehlt: die bekannten Sketche wie Schweine im Weltall, die Smörebröd-Koch-Show, das Labor mit Dr. Bunsenbrenner und Beaker. Keine Sorge, die entsprechenden Charaktere sind alle an Bord, treten aber eben nur hinter der Bühne in ihrem Arbeitsalltag auf.

Ich mochte den Piloten, weil es einfach schön war, die Figuren in ihrem angestammten Fernseh-Habitat wiederzusehen. Schon ab der zweiten Folge hing bei mir jedoch dieser lästige Gedanke im Kopf fest, dass ich lieber nochmal die original Muppet Show, also das knuffige Varietéprogramm mit den Sketchen, den Musiknummern und den menschlichen Stars gesehen hätte. Mit jeder weiteren Episode wird deutlich, dass der aufgesetzte Doku-Stil zu wenig aus dem Potenzial der Show macht. Rascher als einem lieb ist, verliert man sich in eher harmlosen bis gar nicht recht zünden wollenden Geschichten und Gags. Die „neueren“ Muppets können bei mir nicht punkten und leider sind auch Stars wie Christina Applegate, Reese Witherspoon oder Nick Offerman größtenteils ziemlich verschenkt.

ABC hat bereits einen neuen Showrunner installiert und will „The Muppets“ nach der Midseason-Pause in eine andere Richtung schicken. Hoffen wir das Beste, denn derzeit rangiert die Serie bei mir unter der Kategorie „Hohe Erwartungen enttäuscht“.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SIEBEN EPISODEN: 4,50 Punkte (befriedigend -)
TENDENZ: 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)

FARGO (SEASON 2)

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Prequel zu einer der hervorragendsten TV-Serien des letzten Jahres. Wir schreiben das Jahr 1979: Molly Solverson, unsere Ermittlerin der Herzen in der ersten Staffel, steckt noch in den Kinderschuhen, als ihr Vater und mit ihm die Polizei des verschlafenen Nestes Luverne in Minnesota einem epochalen Mordfall nachgehen. Mit dabei: ein harmloser, tüchtiger Metzger (Jesse Plemons, „Breaking Bad“), seine immer schick verträumte Frau (Kirsten Dunst), eine örtliche Verbrecherbande mit deutschen Wurzeln, ein Mobsyndikat aus Kansas mit höchst seltsamen Gestalten in seinen Reihen sowie ein UFO.

Großes Fernsehen, schlicht und ergreifend großes Fernsehen. Weil diesmal von Beginn an viel Zeit auf die Auseinandersetzung der beiden sich bekämpfenden Kriminellenvereinigungen geht, wirkt die Show deutlich mehr tarantinoesk als ihr Vorgänger. Wunderbare Darsteller, vor Spannung kribbelnde Dialoge, immer wieder pointiert aufblitzender Humor, mitreißende Action, herrlich schräge Charaktere, klasse in Szene gesetztes Drama und kontinuierlich gehaltenes hohes Niveau. Fünf Episoden gesehen, allesamt mit „sehr gut“ bewertet. Fast schon schade, dass es wieder nur 10 Folgen geben wird.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH FÜNF EPISODEN: 5,75 PUNKTE (sehr gut)
TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte (sehr gut – überragend)

THE LEFTOVERS (SEASON 2)

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Ruft eine Ärztin, (die – lustiges Randdetail – früher mal Penny in der Serie „LOST“ gespielt hat), bei Seriencharakter Nora Durst an. „Ja hallo, ich bin Ärztin eines angesehenen Instituts und wollte Sie mal informieren, dass wir hier mittlerweile so rein wissenschaftlich davon ausgehen, dass sie vom Erzdämonen Azrael besessen sein könnten.“. Ihr Mann beichtet ihr daraufhin, dass er ständig eine tote Sektenanführerin im weißen Kittel um sich sieht, die ihm ungewünscht Ratschläge und sarkastische Sprüche um die Ohren haut. Währenddessen hat ihr Bruder, ein glaubensstarker Mann der Bibel, sich freiwillig nackt an den örtlichen Dorfpranger stellen lassen.
Alltag in der Welt von „The Leftovers“. 

Ich habe auch in der zweiten Staffel eine echte Schwäche für diese wirklich seltsame, aber auf dem Klavier der Zuschaueremotionen famos herumklimpernden Show. Und ebenso ein bisschen für Carrie Coon, wie ich gestehen muss. Der große Storybogen um die plötzlich verschwundenen Menschen wird diesmal um die Kleinstadt Jarden in Texas erweitert. Der einzige Ort, der von dem Massenexitus von 140 Millionen der Weltbevölkerung vor drei Jahren schlichtweg komplett verschont wurde. Hier hat sich ein eigener Kosmos gebildet, der durch den Einzug der Garveys in noch chaotischere, mysteriösere Fahrtwasser gelangt. Als Zuschauer sitzt man wie gewohnt schwer angerätselt da, schüttelt den Kopf, lässt ein anerkennendes „Was für ein krasser Scheiß wieder“ entfahren und bleibt begeistert dran. Bis wieder dieses eine todtraurige, musikalische Thema von Max Richter angespielt wird und das große Mitleiden in Form eines still geseufzten „Och nö“ auf dem Plan steht. Scheltet mich als LOST-Unbelehrbarer, aber ich finde es weiterhin toll.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 5,66 Punkte (sehr gut)
TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte (sehr gut – überragend)

82 (Oktober 2014)

10 Okt

Nach einer Pause im September hier nun die ersten Bewertungen im neuen Serienjahr. Einige Trends: Damon Lindelof schlägt seinen ex-LOST-Mitstreiter Carlton Cuse, bei den neuen Shows lasse ich doch einiges mangels Interesses außen vor und The Big Bang Theory… oje. Plus: Endlich ein paar Zeilen zu zwei spät gesehenen TV-Serien.

THE LEFTOVERS (SEASON 1)

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Überraschung! Am Ende der ersten Staffel sind noch viele, viele Geheimnisse offen. Aber das nehme ich den Verantwortlichen Lindelof und Perrotta gar nicht übel. Denn die Stärke der Show liegt woanders: Sie schafft es, den Zuschauer immer wieder in diese seltsame Welt nach dem unfreiwilligen Exodus von 2% der Weltbevölkerung hineinzuziehen. Mit Figuren, die leiden; Situationen, die einen fragend zurücklassen; Ereignissen, bei denen man nur noch bass erstaunt zusehen kann. Und emotionalen Momenten, die einem wie bei LOST Schauer über den Rücken laufen lassen. Vor allem Momente der Episode „The Garveys At Their Best“ haben mich hier mitgerissen wie damals die „Not Penny’s Boat“-Szene des Inseldramas.

Der Einstieg mag manchen wegen seiner Rätselhaftigkeit überfordern, ich selbst fand den Pilot auch nur „befriedigend“, aber wenn man einmal in die Fänge der Figuren gelangt ist, kommt man nicht mehr heraus. Gegen Ende werden auch einige der Mysterien aufgelöst, was die Sache allerdings nicht wirklich wenig bedrückender macht.

Fazit: dicke Empfehlung von mir für Serienfreunde, die die berüchtigte 6. Staffel von LOST mittlerweile einigermaßen überwunden haben und damit zurecht kommen, dass man -diesmal allerdings vorab zugesichert- wieder nicht alle Auflösungen erhalten wird. Besser so als vom offiziellen Ende enttäuscht zu werden.

Gesamtwertung: 5,80 Punkte (sehr gut)

THE STRAIN (SEASON 1)

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Ex-LOSTIE Carlton Cuse ist, das habe ich beim letzten Seriencheck unterschlagen, als Schreiber bei „The Strain“ involviert. Was ich nicht unterschlagen kann und will: Die Show bricht nach knapp der Hälfte der Staffel doch etwas ein. Überzeugen zunächst die Einführung der Charaktere, der Aufbau der Geschichte und die Qualität der Effekte, verläuft so das Ganze ab Folge 8 eine Stufe weniger gelungen ab. Mich störte vor allem, dass mit Beginn der nächtlichen Vampir-Apokalypse relativ wenig los ist in Sachen Panik in und um New York. Keine Ahnung, ob die Einwohner und die Polizei des Big Apple die ganzen Kreaturen der Finsternis mit Zombies bei Dreharbeiten für „The Walking Dead“ verwechseln, aber die Leute nehmen die ganzen Toten und unschön herumrandanlierenden Wiederbelebten doch recht gelassen hin. Weitere Gründe für meine eher abnehmende Zuschaufreude: Der kleine Sohn des Protagonisten nervt, der Obermeistervampir sieht doch ein wenig zu trashig aus, die Story geht so gut wie gar nicht voran und das Finale wirkt eher routiniert runtergedreht denn überraschend und Vorfreude auf die zweite Staffel schaffend.

Am Ende rutscht „The Strain“ nach vielversprechendem Beginn damit doch noch ins „befriedigend“. Zwar nur knapp, aber eine Aufrundung lasse ich angesichts der nach unten zeigenden Qualitätskurve diesmal sein.

Gesamtwertung: 4,98 Punkte (befriedigend)

RAY DONOVAN (SEASON 2)

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Der Fixer kam mir diesmal viel zu spät in die Gänge. Guter Auftakt, danach allerdings ein eher mäßig packender Erzählstrang um einen investigative Journalistin, der sich zunächst bemerkenswert unspektakulär auflöst. Schon in der ersten Staffel fand ich den Auftritt des „HipHop-Wunderkind“-Freundes von Donovans Tochter wenig erbaulich, diesmal taucht er leider wieder auf. Miss Donovan hat darüber hinaus noch eine leidlich interessante Liebesaffäre anzubieten. Dazwischen kann zwar Jon Voight als Katastrophen-Daddy wieder überzeugen und auch das Brüderpaar Bunchy & Terry sehe ich gerne, aber so richtig in die Spur findet die Show erst in den letzten drei bis vier Episoden. Wer bis dahin durchhält, wird mit einem gut geschnürten Drama-Paket belohnt. Für die knappe „sehr gut“-Wertung der ersten Season reicht es diesmal aber bei weitem nicht.

Gesamtwertung: 4,85 Punkte (befriedigend)

BLACK-ISH (SEASON 1)

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Andre „Dre“ Johnson, erfolgreicher Ehemann und Vater, lebt mit seiner Familie in einer hauptsächlich von Weißen bewohnten Nachbarschaft und versucht seinen Kindern den Sinn für ihr kulturelles Erbe zu bewahren.

Was ich erwartet hatte, war eine Art Neuauflage der Bill Cosby Show, halt ein wenig an die modernen Zeiten angepasst. Anthony Anderson, den ich u.a. in „Guys With Kids“ sehr mochte, erschien mir als Familienoberhaupt gleich eine gute Wahl, Laurence Fishburne („Hannibal“) als schnippisch mosernder Großvater ebenso, der Rest des Casts kommt zudem sympathisch rüber. Allerdings trägt man mir in der ersten Folge doch zu dick auf mit der „black roots hip hop urban culture„; da werden Klischees aneinandergereiht, dass ich wirklich nur darauf wartete, dass einer der Darsteller in einen Rap ausbricht. Den viel besseren Eindruck hinterließ die zweite Episode („The Talk“), in der das gute alte „Aufklärungsgespräch“ an der Reihe ist und bei der vor allem Anderson bei seinen erzieherischen Erläuterungsversuchen eine bravorös komische Vorstellung abgibt. Ich hoffe, es geht weiter in diese Richtung.

Wertungsschnitt nach zwei Episoden: 4,80 Punkte (befriedigend)

Gucklistenstatus: nach erster Folge eher no, nach zweiter Folge definitiv yo!

MULANEY (SEASON 1)

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Ein Blick auf das Leben eines Standup-Comedians, der seltsame Freunde und Bekanntschaften in und außerhalb seiner Wohnung unterhält. BITTE DENKEN SIE JETZT NICHT AN SEINFELD! BITTE DENKEN SIE JETZT NICHT AN SEINFELD! MULANEY HAT ZUM BEISPIEL EINEN BOSS, SEINFELD HATTE NIE EINEN BOSS! BITTE DENKEN SIE JETZT NICHT AN SEINFELD!

Tja, liebes Fox Network, ich denke aber halt an Seinfeld, wenn eine Show mit einem Standup beginnt und endet. Und, hey, das hättet ihr euch ja fast denken können, gegen Seinfeld hat Mulaney natürlich keine Chance. Brauchbare Ansätze sind vorhanden, so finde ich den Hauptdarsteller und ex-SNLer John Mulaney ja durchaus nett und charmant, Martin Short als exzentrischer Boss müht sich tapfer, aber so recht zünden will die Show zumindest im Piloten nicht. Die Nebenrollen leider sind blass bis dezent nervig besetzt, sodass als zwischenzeitiges Fazit bleibt: Als Zuschauer möchte man es mögen, aber es kommt einfach zu wenig.

Eindruck des Piloten: 4,0 Punkte (durchschnittlich)

Gucklistenstatus: mmh, eine Chance gebe ich der Show noch

SELFIE (SEASON 1)

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Die Fernsehshow zum flippigen Trend, eine moderne Fassung von „My Fair Lady“ featuring Eliza Dooley, einer selbstverliebten Diva mit reichlich social media fanbase, aber keiner echten connection in ze real wörld.

Pilot gesehen und entschieden: das kriegt kein „Like“. Ich kann mich sonst ehrlich gesagt an gar nichts erinnern, von der Show ist null bei mir hängengeblieben, außer dass der neue Mr. Sulu mitspielt. Am Ende der Serie ist die hippe Schnöselin sicher eine ganz liebe Menschenfreundin, aber diese Entwicklung soll sie mal schön ohne mich durchmachen.

Eindruck des Piloten: 3,5 Punkte (unterdurchschnittlich)

Gucklistenstatus: abgesetzt

GOTHAM (SEASON 1)

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Gotham, der alte Moloch von Stadt, in dem üblicherweise Batman für Recht und Ordnung sorgt, steht im Mittelpunkt dieses Prequels. Hauptfigur ist dabei Detective James Gordon, der frisch am GCPD angefangen hat und sich als ersten Fall mit der Ermordung des Ehepaares Wayne beschäftigen darf. In weiteren Rollen: Klein-Batman, Jung-Alfred, der Azubi-Pinguin, Teenie-Catwoman und die Frau von Will Smith im Overacting-Modus.

Finde ich richtig gut, obwohl ich mit Superhelden bekanntermaßen nichts anfangen kann. In jedem Fall besser als Agents Of S.H.I.E.L.D., weil man hier keinen Nebenschauplatz zu einem bekannten Franchise eröffnet, sondern einen Blick auf die Anfänge werfen darf. Klar, wer später welche Figur mal spielen wird, bekommt der Zuschauer stellenweise mit dem Holzhammer eingetrichtert, aber Setting, Ausstattung und Cast (okay, mit Jada Pinkett-Smith tue ich mich noch ein bisschen schwer) wissen zu gefallen. Nach drei Folgen ist mir neben Ben McKenzie („Southland“) vor allem Donal Logue als korrupter Detektivkollege, leidenschaftliches Großmaul und Ermittlungsnull Harvey Bullock ans Herz gewachsen. Quasi der Lt. Worf der örtlichen Verbrechensbekämpfung, der nie den richtigen Vorschlag macht, wenn es daran geht, ein Problem vorschriftsmäßig zu lösen. Last but not least bemerkenswert: Robin Lord Taylor als schön gruseliger und schräger Oswald „Pinguin“ Cobblepot.

Drei Folgen sind gelaufen, zweimal gut, einmal sehr gut stand dabei auf meinem Wertungskärtchen. Meiner Meinung nach dürften an der Show nicht nur eiserne Batman-Fans ihre Freude haben.  Ein bisschen Wissen um den dunklen Ritter kann aber sicherlich nicht schaden.

Wertungsschnitt nach drei Episoden: 5,21 Punkte (gut)

Gucklistenstatus: kein bisschen flatterig, sondern derzeit sicher drauf

NACHGESCHAUT

HOUSE OF CARDS (SEASON 1 & 2)

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Die Geschichten von Francis Underwood und seiner stets unterkühlt wirkenden Frau Claire dürften mittlerweile bei jedem anständigen Serienfan im Schrank stehen. Auch ich bin schon seit ein paar Monaten durch, hinkte aber mit der Sichtung ordentlich hinterher, sodass ich diese Perle aus Politik, Intrigen und Drama nicht in einem regulären Check unterbringen konnte.

Wen meine Meinung jetzt also noch interessiert: „House of Cards“ ist großartig und selbst für weniger an US-Politik interessierte Zuschauer eine Bereicherung für den Programmplan.

Die Hauptgründe:

  • Kevin Spacey;
  • Intrigen, Verrat und andere Fiesheiten, dass selbst der alteingesessene J.R.Ewing-Fan respektvoll sich am Stetson zupft;
  • In jeder Staffel mindestens ein „Der kann doch nicht… der wird doch nicht… der hat doch nicht???“-Moment;
  • Trotz der doch stellenweise trockenen Materie spannende Geschichten, die keine Minute einer Folge langweilig werden;
  • Schließlich die Kunst, schon vom Auftakt an packende Unterhaltung zu bieten und ikonische Momente zu erschaffen. Glückwunsch, Netflix! Und wer wie ich alle Folgen gesehen hat, der weiß: Es wird noch härter kommen.

Gesamtwertung Season 1: 5,42 Punkte (gut) / Season 2: 5,80 Punkte (sehr gut)

LEGIT (SEASON 1 & 2) 

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Standup-Comedian Jim Jefferies mit seiner eigenen Show hat mich vor ein paar Monaten sehr positiv überrascht und konnte sogar mit der ersten Staffel meinen Lieblingsvertreter der derben Komikwahrheit, Louis CK, verdrängen. „Legit“ ist dabei stark an den Geschichten angelehnt, die der trink- und drogenfeste Australier im Rahmen seiner Tourneeprogramme zum Besten gibt. Empfehlenswert für alle, die auch mal ins herzhafte belegte Comedy-Brötchen beißen können.

Jim kredenzt da stellenweise zwar die „Mett mit sehr viel Zwiebeln“-Variante, aber trotz aller deutlichen Sprache und Situationen hat das Ganze Herz und Verstand. Man könnte den Protagonisten sogar problemlos als Arsch mit Herz charakterisieren.  Darüber hinaus ist „Legit“ wohl die Comedy, die für ihre Verdienste in Sachen Inklusion ruhig mal einen Preis hätte gewinnen können. Denn Behinderte, wie der den gelähmten Jugendfreund Billy spielenden DJ Qualls („Roadtrip“), teilen hier gagmäßig aus und stecken auch ein, ohne dass es diskriminierend wirkt.

Der ausführende Sender FX hat leider nach zwei Staffeln den Stecker gezogen und die letzte davon ließ qualitätsmäßig schon etwas nach, weil die besten Geschichten bereits vorher verbraten wurden. Trotzdem hat mir die Show viel Spaß gebracht und wird noch desöfteren in meinem Codefree-DVD-Player landen, denn bisher gibt es (trotz Jefferies‘ Bekanntheit in Großbritannien und seinen auch dort beziehbaren Standups) wirklich nur einen NTSC-Release.

Gesamtwertung Season 1: 5,37 Punkte (gut) / Season 2: 4,86 Punkte (befriedigend)

Zum abrundenden Schluss noch das Serienbarometer:

THE BIG BANG THEORY: Vier Folgen und keine hat mich überzeugen können. Viel Beziehungstrara, kaum Geek-Spaß, die Freundinnen kommen mittlerweile auf gleich viel Sendezeit und sind aktuell in gleicher Zahl vorhanden wie die Ursprungsbande. Es scheint, als hätten mit den üppigen Gagen des Casts die Autoren keine echte Motivation mehr, sich groß anzustrengen. Wenn es so weitergeht, setze ich mich bald in Richtung „Silicon Valley“ ab.

Tendenz: durchschnittlich

BROOKLYN NINE-NINE: Läuft absolut stabil und liefert ab. Die Autoren Goor und Schur machen qualitätsmäßig da weiter, wo sie bei „Parks & Recreation“ aufgehört haben.

Tendenz: gut bis sehr gut

THE GOLDBERGS: Macht weiter Spaß, alleine schon wegen Supermutti Wendi McLendon-Covey und den 80er-Anspielungen.

Tendenz: gut

THE SIMPSONS: Es sagt schon einiges, wenn mir die Family Guy/The Simpsons-Crossover-Episode bei weitem besser gefiel als die bisherigen Episoden der 26. Staffel. Läuft auf das übliche „Viel Mittelmaß. Ein paar Highlights“-Schema hinaus.

Tendenz: durchschnittlich bis befriedigend

BOARDWALK EMPIRE: Die letzte Staffel, nur acht Episoden, aber dennoch baut die Show wie gewohnt eher langsam auf und gönnt sich gar einen ausschweifenden Rückblick auf die Jugendjahre von Enoch Thompson. Wird allerdings auch wie immer gegen Ende ordentlich aufdrehen, Al Capone ist jedenfalls schon in absoluter Top-Form.

Tendenz: gut bis sehr gut

MODERN FAMILY: Den Season Opener fand ich für Modern Family-Verhältnisse erschreckend schwach, in der zweiten Episode fängt es sich allerdings. Man wird wohl auch in dieser Staffel verstärkt mit nur zufriedenstellenden Folgen rechnen müssen, aber ich hoffe auf ein paar Sternstunden von Phil Dunphy, um das auszugleichen.

Tendenz: (noch) gut

THE MIDDLE: Sehr ordentlicher Auftakt, hält bisher eine höhere Qualität als die stellenweise arg mäßige fünfte Staffel. Wenn es einigermaßen in befriedigendem Rahmen läuft, guck ich es gewohnheitshalber auch dieses Jahr noch.

Tendenz: befriedigend

HOMELAND: Da kann ich nach der Doppelfolge zum Auftakt noch nicht so richtig einschätzen, wohin die Reise geht. Klar, Carrie zieht es wieder dahin, wo es Terroristen und Ärger gibt. Kann irgendwo zwischen Mutterliebemangelmelancholie, 24 und starkem Kriegsdrama landen. Abwarten. Ich hätte übrigens lieber mehr von Episode 1 und weniger von Episode 2.

Tendenz: befriedigend bis gut

81 (August 2014)

23 Aug

Heute mit vier Serien, die der alte Serienonkel während des Sommers verköstigt hat (und teilweise weiterhin verköstigt):

EXTANT (SEASON 1)

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Dr. Molly Woods (Halle Berry) ist Astronautin, gerade von einer einjährigen Solo-Mission in einer Weltraumstation zurückgekehrt und etwas verwirrt. Hat sie doch so ganz alleine im All ihren verstorbenen Ex gesehen und nun – pardauz – soll sie auch noch schwanger sein. Dabei sitzt ihr neuer Gatte zuhause und baut fröhlich an einem täuschend echt aussehenden Robotermenschenkind. Wenn da mal nicht eine ganz dicke Verschwörung aufzudecken ist!

Ich mag Science-Fiction, Weltall, Roboter und Verschwörungen, dafür nehme ich selbst gerne weinende, schwangere Frauen in Kauf. Auch die Besetzung von Robo-Boy ist mehr als gelungen, denn der kleine Pierce Gagnon hat mir schon in „Looper“ die Nackenhaare vor dezentem Grusel hochstehen lassen. Es folgt das große Aber: ABER ES IST MIR ZU SOFT. Zu weich. Zu langatmig. Wenn in „Extant“ mal etwas passiert, dann knallt es nicht, sondern es macht nur leise Ping. Weshalb die Show bei mir nie in den Bereich jenseits des „befriedigend“ gelangt ist. Die Neugierde ließ mich zunächst noch dranbleiben, aber mit der dritten Episode ist auch diese entfleucht.

Wertungsschnitt nach drei Episoden:  4,16 Punkte (durchschnittlich)

Gucklistenstatus: abgesetzt

THE LEFTOVERS (SEASON 1)

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Am 14.Oktober irgendwann in der Zukunft verschwinden 2% der Weltbevölkerung spurlos. „The Leftovers“ erzählt die Geschichten der Übriggebliebenen in einem New Yorker Vorort, drei Jahre nach diesem Ereignis. Basierend auf dem Buch von Tom Perrotta, als TV-Serie für HBO umgesetzt von Damon Lindelof (LOST).

Ich spoilere jetzt nicht, wenn ich auf zwei wichtige Details hinweise: 1) Ich dachte bisher, dass „leftovers“ das sind, was der Ami abends an Essen nicht runtergekriegt hat und deshalb in den Kühlschrank packt zwecks schmackhafter Aufbereitung in der Mikrowelle tags darauf. 2) Damon Lindelof wies schon zum Start deutlich darauf hin, dass das Rätsel um die Hintergründe des Verschwindens nicht aufgelöst werden wird. Es gehe ihm nur um die Personen, die mit dem Verlust und dessen Folgen zu kämpfen und ihn ihr Leben einzuordnen haben.

Wenn man sich damit anfreunden kann, ist „The Leftovers“ eine richtig gelungene Serie mit vielen Momenten, die den Zuschauer mit einem leisen gemurmelten „Wassollndasjetzt?“ oder „Uiuiui“ zurücklassen. Lindelof lässt einen zunächst in dieser seltsamen Welt voller kaputter Menschen nach der Katastrophe alleine und klärt nur folgenweise auf, indem er sich Figur für Figur vornimmt und in das Zentrum einer Episode stellt, wobei er stets eine melancholische Grundstimmung einführt und tolle Bilder liefert. In diesen Momenten scheinen die guten Bestandteile der damaligen LOST-Mixtur durch, wenn man etwa Genaueres über die seltsame Sekte der weißgekleideten, rauchenden Schweiger erfährt oder über die Familie des Hauptcharakters, Sheriff Kevin Garvey (Justin Theroux). Richtig geklickt hat bei mir die Story um den Geistlichen Matt Jamison (Christopher Eccleston, „Dr. Who“), der über die Verschwundenen recherchiert und unablässig an ihrem Märtyrerstatus rüttelt.

Zehn Folgen umfasst die erste Staffel, acht sind bisher gelaufen und mein Wertungsdaumen geht immer weiter nach oben. Ob der Makel der Nichtauflösung des großen Geheimnisses dem Ganzen nicht doch noch zu schaffen machen wird, kann ich nicht ausschließen. Vielleicht ist die Show deshalb auch besser für den Seriensommer geeignet, denn zur Hauptsaison wäre sie wohl schnell unter dem Radar der Zuschauer gelandet.

Wertungsschnitt nach acht Episoden: 5,56 Punkte (sehr gut)

Gucklistenstatus:  Ich muss einfach noch mehr über diese seltsamen Leute erfahren!

THE STRAIN (SEASON 1)

the strain

Flug 753 aus Berlin befindet sich im Landeanflug auf New York, als an Bord ein monsterhaftes Wesen unter den Passagieren wütet. Die Maschine verschwindet komplett vom Radar, taucht kurz darauf jedoch wie von Geisterhand und ohne Lebenszeichen der Besatzung am Ende einer Landebahn wieder auf. Weil man eine Seuche vermutet, schickt die zuständige Behörde das Team von Dr. Ephraim Goodweather (Corey Stoll, „House Of Cards“) los. Es entspinnt sich eine Geschichte um tentakelbewehrte Vampire, Nazis, Ratten und einen alten Mann mit messerscharfem Schwert im Spazierstock. Buch und Umsetzung für den TV-Sender FX: Guillermo del Toro („Hellboy“, „Pacific Rim“).

Beim Namen del Toro habe ich natürlich die Öhrchen gespitzt, auch wenn mich Vampirsagen aktuell so sehr interessieren wie die neue Single von Helene Fischer. Mit „The Strain“ wird der Ruf der Blutschlürfer allerdings wieder etwas rehabilitiert. Ich empfand die bisher gesehenen Episoden vom Setting her richtig schön altmodisch mit dem diabolisch adretten Herrn Eichorst (Richard Sammel) auf der einen Seite und dem knorrigen Abraham Setrakian (David Bradley, „Game of Thrones“) auf der anderen. In der Abteilung Blut und Gedärme hält man sich nicht zurück und liegt knapp unter „The Walking Dead“-Niveau, richtige Ekelmomente à la „Hannibal“ aber gibt es nicht. Hat mich durchweg gut unterhalten, wenn auch die ganz großen Höhepunkte noch ausgeblieben sind. Dafür ist die Show bisher schlicht noch zu vorhersehbar und in ihrer Schwarz-Weiß-Ausrichtung verhaftet. Wenn ich einen aktuellen Vergleich bemühen müsste, würde ich sagen: in die Richtung hätte ich gerne die Serie „Sleepy Hollow“ gehen sehen.

Wertungsschnitt nach sechs Episoden: 5,27 Punkte (gut)

Gucklistenstatus: Jawoll, Herrrr Eichorrrst!

WELCOME TO SWEDEN (SEASON 1)

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Erfolgreicher amerikanischer Steuerberater (Greg Poehler) zieht der Liebe wegen ins heimelige Schweden und erlebt dort einiges an Kulturschocks und internationalen Missverständnissen.

Wem der Name „Poehler“ bekannt vorkommt: Greg ist der Bruder von Amy, der wunderbaren Comedienne aus „Parks & Recreation“ und hat die Show nicht nur geschrieben, sondern auch erfolgreich ins schwedische Fernsehen exportiert. Dank dem Einfluss des Schwesterleins hat nun auch NBC zugeschlagen.

Ich hatte etwas in der Richtung von „The Worst Week of My Life“ erwartet, nur halt mit Schweden statt Hochzeit. Leider entpuppt sich die Serie als ziemlich bieder, die Figur des amerikanischen Stadtmenschens, der orientierungslos in der Ländlichkeit Skandinaviens herumirrt, birgt zu wenig komisches Potenzial, ist zum Teil unlogisch angelegt (da sind stellenweise die Leutchen aus den Aussiedler-Reality-Shows besser vorbereitet) und selbst Gastauftritte von Will Ferell, Aubrey Plaza oder Amy Poehler herself reißen es nicht raus. Das Schwungvollste und Peppigste an „Welcome To Sweden“ ist leider nur der Titelsong. Kann man im Sommer sicher locker weggucken, aber mir ist es schon nach vier Folgen zu harmlos geworden.

Wertungsschnitt nach vier Episoden: 4,12 Punkte (durchschnittlich)

Gucklistenstatus: abgesetzt