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117 (September 2018)

12 Sep

Die traurige Erkenntnis der letzten Monate gleich vorneweg: Zu meinem Mantra „Ich kann nicht alles gucken!“ ist nun leider mittlerweile die Steigerungsform „Ich kann nicht mal mehr alles gucken, was mich interessiert!!“ hinzugekommen.

Aktuell habe ich gleich mehrere Serien, bei denen ich eine komplette Staffel hinterherhänge (Westworld S2, The Americans S6, A Series Of Unforunate Events S2), dazu pumpen Netflix und Co. gerne mal volles Rohr neuen Stoff raus (Atypical S2, Ozark S2). Get Shorty S2 und The Deuce S2 sind frisch gestartet, Shameless S9 werde ich bei meinem jährlichen Weihnachtsguck-Rhythmus wohl erst Ende 2020 sehen. Puh. Wahrscheinlich darf ich für die bald anstehenden Jahresrankings etliche Nachträge schreiben.

Hier aber nun die Shows, die ich verfolgen konnte:

THE HANDMAID’S TALE (SEASON 2)

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Wem die erste Season schon zu düster und deprimierend war, dem darf ich hoffnungslos entgegenheulen, dass „stimmungsaufhellend“ weiterhin ein Fremdwort für „The Handmaid’s Tale“ ist. Immerhin hatte mich die Show mit der starken Auftaktepisode direkt wieder am Schlafittchen. Miss Moss leistet in ihrer Rolle als Offred in der Kategorie „mütterliche Einzelleistung“ Beachtliches, Alexis Bledel trägt einen Gesichtsausdruck auf, der dem meinigen entspricht, wenn ich auf meine Kontoauszüge schaue, Männer in Machtpositionen über Frauen sind kolossale Arschlöcher und Staatsreligion aber sowas von großer Kappes.

Allerdings hatte diese zweite Staffel für mich dann doch nicht mehr den Schockwert beziehungsweise die ganz bösen Schläge in die Nierengegend. Ja, selbst die Auftritte der großartigen Ann Dowd als Aunt Lydia ließen mir nicht mehr die Hände zittern. Wer allerdings Kinder hat, dürfte bei manchen Szenen heftig schlucken, denn die Mutter-Kind-Beziehung wird hier dramatisch auf unwohlgefühlige Varianten abgeklopft.

Das Finale bot einiges an Diskussionsbedarf: Die Entscheidung der Protagonistin konnte ich nicht vollständig nachvollziehen und ich denke, da war ich nicht der Einzige. Insgesamt bleibt „The Handmaid’s Tale“ weiterhin eine packende Dystopie-Serie, die uns vielleicht irgendwann in der nächsten Staffel eine Wendung schenkt, die einen als Zuschauer mal erleichtert aufatmen lässt.

GESAMTWERTUNG: 5,32 Punkte (gut)

TRIAL & ERROR (SEASON 2)

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Der zweite Fall des Strafverteidigers Josh Segal und seiner kompetenzfreien Ermittlerriege spielt erneut im beschaulichen Städtchen East Peck. Diesmal muss der geplagte Jurist die höchstbeliebte Millionärin Lavinia Peck-Foster (Kristin Chenoweth, Pushing Daisies) gegen eine Mordanklage verteidigen. Ehrensache, dass dabei verdammt viel schief läuft.

Ich mochte die erste Staffel von „Trial & Error“, nicht nur wegen der liebenswerten Charaktere und ihren herrlich doofen Schrullen. Der von John Lithgow (3rd Rock from the Sun) gespielte tüdelige Professor als Beschuldigter war allerdings ohne Zweifel ein Highlight. Würde ohne ihn die Show qualitätsmäßig nachlassen?

Unbestreitbar nein, euer Ehren. Das ist weiterhin eine wunderbar bescheuerte Serie, die konsequent ihre einmal etablierten Gags weiterspinnt und dabei erfrischend lustig daherkommt. Die zahlreichen Wendungen des Falls sind so dermaßen bekloppt, dass es eine wahre Freude ist, von den Figuren kann man eigentlich niemanden ernst nehmen und wer an dem Ganzen nicht seinen Spaß hat, ist wahrscheinlich Prädikatsjurist oder immun gegen Humor jenseits billiger Pipi-Kacka-Pimmelwitze.

GESAMTWERUNG: 5,15 Punkte (gut)

PREACHER (SEASON 3)

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Nachdem „Ash vs Evil Dead“ nun Geschichte ist, bedarf es eines neuen Thronfolgers in der Kategorie „Abgedrehter Scheiß in einer TV-Serie“ und da nominiere ich die aktuelle Season von „Preacher“. Gott ist weiterhin nicht gewillt, seinen Platz im Himmel einzunehmen. Unser Lieblingsgeistlicher Jesse Custer kehrt in seine Vergangenheit zu seiner bluttransfusionsfreudigen und seelenessenden Oma samt Hillbilly-Gefolge zurück. Der Teufel, eine Hinterzimmer-Vampirtruppe, degenerierte Jesus-Klone, Hitler sowie ein gewisser Herr Starr, Chef und geheiligter Henker des Gral-Ordens spielen in der Geschichte eine wichtige Rolle. Ach ja, Arseface ist auch wieder mit von der Partie.

Diese zauberhafte Zusammenfassung lässt erahnen, dass hier kein ernstzunehmendes Drama aufgeführt wird. Stattdessen wird rausgeballert, was an kaputten Schrägheiten und seltsamen Charakteren in der Kanone steckt. Anders als noch in der zweiten Staffel, die einiges an Leerlauf in New Orleans aufwies, wird diesmal durchgehend drüber abgeliefert. Das Ergebnis war für mich jede Woche ein hübsches Potpourri an krass umgesetzten Ideen aus sehr wahrscheinlich gut benebelten Autorenhirnen, jedes davon bemüht, die Vorschläge der anderen zu überbieten. Ich kann da meinen Spaß draus ziehen, andere rümpfen möglicherweise pikiert die Nase. Für mich die bisher beste Ausgabe der Show, weil so sehr neben der Spur, dass es eine Freude ist.

GESAMTWERTUNG: 5,10 Punkte (gut)

WHO IS AMERICA? (SEASON 1)

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Sacha Baron Cohen schlüpft in mehrere Rollen, um die Spaltung der amerikanischen Bevölkerung in punkto Politik, Kultur und Lebensweise sichtbar zu machen. Oder treffender gesagt: Er versucht, die tumbesten Exemplare aus diesen Kategorien bloßzustellen und zu verarschen. Dabei tritt Cohen als rechtsextremer Verschwörungstheoretiker, ultraliberaler Dozent in Geschlechterfragen, ex-Strafgefangener, italienischer Fotograf und finnischer Internetstar auf.

Mein absoluter Liebling und aus der Truppe hervorstechend ist jedoch Erran Morad, ein ehemaliger israelischer Antiterror-Experte (nicht im Dienst des Mossad!), dessen Segmente teilweise zum Schreien komisch sind. Hier entlarven sich die hohlbirnigsten der rechtsaußenorientierten, waffengeilen Gesellen mit ihrem limitierten Horizont so dermaßen schön selbst, dass man aus dem Kopfschütteln und Lachen nicht mehr herauskommt.

Der Rest? Teilweise nur unter schwersten Fremdschamschmerzen zu ertragen – vor allem den Dozenten und den ex-Knasti konnte ich nur mit Pausen gucken. Andererseits ist manche der Vorführstudien zu plump, zu gewollt, zu sehr auf Eskalation gebürstet. Meine Wertung habe ich deshalb zweigeteilt:

Segmente mit Erran Morad: 5,0 – 5,5 Punkte (gut – sehr gut) 

Sonstige Segmente: 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)

DISENCHANTMENT (SEASON 1)

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Eine trink- und rauffreudige Prinzessin, ein Dämon und ein Elf erleben märchenhafte Abenteuer der etwas anderen Art. Neue Animationsserie für Netflix vom Schöpfer der Simpsons und Futurama, Matt Groening.

Ist das besser als die Simpsons? Besser als Futurama? Wenigstens die beste Märchenserie?

Der Reihe nach. Von den Figuren habe ich direkt Prinzessin „Bean“ Tiabeanie, den ruppigen alten König Zog und den Hofzauberer Sorcerio ins Herz geschlossen. Dämon Luci und Elf Elfo (da ist wirklich viel Kreativtät in die Namensgebung gesteckt worden) taten sich da etwas schwerer. In den insgesamt 10 Episoden sind ein paar Ausgaben reingerutscht, die eher Füllmaterial sind – ganz wie man es von einer Simpsons-Staffel kennt. Ansonsten hielt sich das Ganze aber auf einem anständigen bis guten Niveau. In der neunten Episode schafft Groening sogar gegen Ende einen kleinen magischen Moment, bei dem es sich auszahlt, dass hier eine durchgehende Geschichte erzählt wird. Das alles rechtfertigt insgesamt eine knapp gute Gesamtwertung.

Um zu den Eingangsfragen zurückzukommen:

– Disenchantment ist besser als die letzten 10 Staffeln der Simpsons

– An Futurama kommt so schnell nichts ran

– Die beste Märchenserie ist und bleibt das chronisch unterschätzte Comedy-Musical Galavant (*singt wieder das Galavant-Thema und tritt ab*)

GESAMTWERTUNG: 4,95 Punkte (gut -)

ARRESTED DEVELOPMENT (SEASON 5 EPISODES 01-08)

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So. Bisher war das ja wieder eine schöne, lauschige Runde in dieser kleinen Serien-Besprechungsbutze von Onkel Ini. Alles gut, alles fein. Nun aber wird’s traurig und trübe, vor allem für gestandene Fans von Arrested Development. Und da zähle ich mich dazu.

Vorab ein Blick zurück: S1-3 sind Kult. Punkt. Die vierte Staffel aus dem Jahre 2013 litt darunter, dass sich die Folgen nur auf einzelne Charaktere bezogen, die höchst amüsant kaputte Familie Bluth war selten mal in einem Raum zu sehen, da die Schauspieler terminlich nicht zusammengezogen werden konnten. Dennoch hatte ich meinen Spaß und ja, wahrscheinlich habe ich die Season überbewertet, aber wenn, geschah es aus Wiedersehensfreude und wegen diverser wirklich gelungener Gags bzw. weitergesponnenen Dummheiten von Gob, Buster, Michael, George Michael und Barry. Andere Charaktere fielen demgegenüber ab, aber das war verschmerzbar. Netflix hat vor ein paar Monaten diese Staffel neu zusammengeschnitten, begutachten konnte ich das Ergebnis allerdings noch nicht.

Weil eben die ersten 8 Episoden der 5. Staffel herauskamen und – man kann es nicht verhehlen – absolut enttäuschend sind. Ich erkannte die Figuren und Schauspieler wieder, aber die Folgen rauschten an mir vorbei, ohne dass ich einmal hätte von Herzen auflachen können. Keine neuen Gags, die man stolz in den Vitrinenschrank im Kopf stellen darf, die in den eigenen Sprachgebrauch wandern und die Show in aller Munde halten. Zu Beginn zog ich noch die 4,5-Wertung, allerdings mehr aus Respekt vor dem Ruf der Serie als aus echter Belustigung, die Geschichten entpuppten sich aber in der Folge als so öde, dass der Wechsel zur Notenstufe darunter unabdinglich wurde.

Ich kann mich nicht mal mehr an Details erinnern, so wenig blieb von dem Gesehenen hängen. Mit der Bewertung war ich letztlich noch gutmütig, man hätte auch locker unterhalb der 4,0 landen können. Das traurige Fazit: Die ersten Episoden der fünften Staffel von Arrested Development schaffen tatsächlich das, was schon Star Wars VIII für die Sternenkrieg-Saga gelang: Ich will eigentlich gar nicht mehr wissen, wie es weitergeht.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 8 EPISODEN: 4,31 Punkte (durchschnittlich)

Demnächst:

BETTER CALL SAUL (SEASON 4)

CASTLE ROCK (SEASON 1)

ATYPICAL (SEASON 2)

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110 (August 2017)

30 Aug

Und wieder hat sich der alte Onkel Ini für das opulente Serienbuffet des vergangenen Monats angestellt und auf den Teller gepackt, was er als gut und lecker erachtet hat. Wobei er einmal daneben greifen sollte…

GAME OF THRONES (SEASON 7)

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Nur sieben Folgen für die siebte Staffel. Dazu die Bürde der überragenden Episoden, mit denen die Fans Ende Juni vergangenen Jahres in die „Winterpause“ geschickt worden waren. Dennoch hat die aktuelle Ausgabe von „Game of Thrones“ wieder geliefert, allerdings mit ein paar Makeln, die auch bei größter Euphorie dann doch nicht zu überjubeln waren.

Es gab viel Wiedersehensfreude, die rigorose Entledigung diverser Nebenfiguren und -handlungsstränge sowie eine neue Hurtigkeit bei den Reisen in und um Westeros – im Vergleich zu früheren Staffeln hatte es den Anschein, als hätte der tüdelige Scotty von der U.S.S. Enterprise bei der letzten Außenmission ein paar mobile Transporter-Plattformen in den sieben Königreichen rumliegen lassen. Oder Raben damit beworfen. Die Special Effect-Crew setzte wieder neue Maßstäbe für TV-Serien und sorgte für weit geöffnete Augen und Münder. Im Gegensatz dazu ließen es die Autoren an einigen Stellen sehr locker zugehen und strickten desöfteren eher maximal semi-überzeugende Aktionen der Figuren, um an einen markanten plot point zu gelangen. Oder ließen Charaktere anders als gewohnt so leicht und luftig von der Schippe des Todes springen, dass es im Gebälk der Nachvollziehbarkeit heftig knirschte. Das Finale selbst bot in der Hinsicht weniger Angriffsfläche, hatte seine großen Momente, aber auch keine wirklichen Überraschungen mehr.

Wie also die Schwächen bewerten? Klar könnte man gnadenlos draufhauen und abwerten, aber dafür bietet die Serie dann doch zu gute Schauwerte und sind die Figuren einem zu sehr ans Herz gewachsen. Die tollen Momente werden eben letztlich doch nicht ruiniert. Drüber hinwegsehen, sich eigene Erklärungen austüfteln und alles hochjubeln geht aber genausowenig. Mein Weg war folgender: Prädikat ist dieses Jahr nicht drin. Bei den Episoden, wo es mir in Sachen Logik zu sehr quietschte, gab ich einmal 5,0 und einmal 4,5 Punkte. Der Rest erhielt 5,5 Punkte. Macht zusammengerechnet:

GESAMTWERTUNG: 5,54 Punkte (sehr gut)

HOUSE OF CARDS (SEASON 5)

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Donald J. Trump ist schuld.
Damit das vorab schon mal klargestellt wird.

Beim Betrachten der mittlerweile 5. Staffel des Politik-Dramas kommt man nicht umhin, daran zu denken, wie viel krasser und gefährlicher sich die politische Realität im derzeitigen Washington präsentiert. Oder anders gesagt: Die Underwoods schocken nicht mehr, die Empörungskrone hat sich längst der orangefarbene, reiche Hohlkopf mit dem Riesen-Ego geschnappt und aufgesetzt. Da mögen sich die Autoren der Show noch so bemüht haben, spannende Handlungsabläufe auszudenken (was auch nicht durchweg gelang), im Vergleich zu einem möglichen atomaren Krieg, Rassismus, Kollusion mit Russland und erstaunlich offen zur Schau gestellter Blödheit kommt eben eine Story wie „Ja holla, am Wahlabend gibt es noch keinen Sieger“ nicht ran.

Spacey und Wright darf man von jeder Schuld freisprechen. Diverse Storylines haben mich eher gähnend zurückgelassen, vor allem ab der Hälfte der Season. Überzeugend hingegen die abschließenden drei Episoden und das Finale, wo man nochmal den guten alten Intrigantenhammer auspackt und die ganz große Rachekeule zu schwingen droht. Insgesamt reicht das diesmal nicht mehr für ein „Gut“, wenn auch nur knapp.

GESAMTWERTUNG:  4,95 Punkte (befriedigend)

FRIENDS FROM COLLEGE (SEASON 1)

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Sechs College-Freunde um die Vierzig leben, lieben, schwelgen in Erinnerungen und stellen sich gemeinsamen Abenteuern in und außerhalb von New York.

Hat mich gelockt wegen den mir bekannten und sehr geschätzten Keegan-Michael Key („Key And Peele“), Cobie Smulders („How I Met Your Mother“), Fred Savage („The Grinder“), Nat Faxon („Ben And Kate“) und Billy Eichner („Parks And Recreation“). Meine zaghafte Hoffnung ging in Richtung „Friends – The Forty-Something-Edition“, eben eine liebenswerte Ansammlung von Charakteren, bei denen man gerne für eine halbe Stunde vorbeischaut.

Was ich bekommen sollte: Nach einem jetzt nicht so berauschenden Einstieg eine gut geglückte Episode um ein Hauskarnickel, das eigentlich zum Tierarzt sollte. Und danach erschreckend planlose Geschichten, bei denen man sich offensichtlich einen Drehbuchautoren gespart hat. Ich sehe es vor meinem geistigen Auge, wie die Regie-Anweisungen verteilt wurden: „Hey Keegan, mach mal eine lustige Stimme“, „Fred, tanz mal“, „Coby, fall mal lustig vom Laufband“. Das Schlimmste war allerdings, dass ich nach den durchstandenen 6 Abenteuern wirklich keinen der Charaktere mehr leiden konnte. Die gingen mir geschlossen alle auf den Keks. Reife Leistung für eine Comedy, die den Namen „Friends“ im Titel trägt. Weshalb es mir auch ein Rätsel ist, dass Netflix bereits eine zweite Staffel geordert hat. Meine Empfehlung: Alle Autoren in die „I’ll Be There For You“-Fachhochschule für Comedy-Writing stecken und das Beste hoffen. Hätte mir die oben erwähnte „Connecticut House“-Folge nicht ganz gut gefallen, der Wertungsdaumen wäre wohl auf „unterdurchschnittlich“ gelandet.

GESAMTWERTUNG: 4,13 Punkte (durchschnittlich)

QUACKS (SEASON 1)

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BBC-Comedy um einen dandyhaften Chirurgen, der showmäßig vor Publikum operiert und sich des Rekords für die schnellste Amputation brüstet; einen Zahnarzt, der seine Betäubungsmittel vorzugsweise an sich oder seiner Frau testet; einen Psychologen mit geringem Selbstwertgefühl und Erfolgsbilanz sowie die Ehegattin des Chirurgs, die eine Karriere als Ärztin anstrebt. Ach ja, wir befinden uns um 1840 in London.

Verschrobene Figuren, trockener Humor, wunderliche Versuche, die medizinische Betreuung aus den Kinderschuhen zu hieven. Hat mir die insgesamt leider nur 6 Episoden durchgehend Spaß bereitet und erhält meine uneingeschränkte Empfehlung für alle, denen „The Knick“ zu dramatisch und blutig ist. Obwohl „Quacks“ auch ein paar unschöne Krankheitsbilder vor die Kamera zerrt, aber die konnte ich durch das Grinsen über die Quacksalber gut ausgleichen. Sonderlob für Rupert Everett als Dr. Hendrick und Andrew Scott als Charles Dickens. Die nächste Staffel, bitte!

GESAMTWERTUNG: 5,27 Punkte (gut)

OZARK (SEASON 1)

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Marty Byrde (Jason Bateman, „Arrested Development“), Finanzberater, verheiratet, zwei Kinder, hat Probleme. Seine Frau Wendy (Laura Linney, „The Big C“) geht fremd. Seine Firma macht Geschäfte mit Mexikos zweitgrößtem Drogenkartell. Sein Partner lässt Geld eben jenes Kartells in die eigenen Taschen verschwinden. Drogenboss Del bekommt Wind davon, wischt einmal blutig durch und schickt Marty samt Familie in die Ozarks (ein stark ländlich geprägtes Hochland um Missouri, Arkansas, Kansas und Oklahoma), um fortan für ihn Geld zu waschen. Aber wehe, er wäscht nicht genug! Keine leichte Angelegenheit, zumal das FBI auch schon Fährte aufgenommen hat und sich der örtliche Bösewicht zu keinerlei freundlichen Aufnahmeritualen bewegen lässt.

„Ozark“ gibt sich als Mischung aus „Breaking Bad“ (Bedrohung durch Mafia) und „Justified“ (Hinterwäldler-Setting), kommt aber letztlich qualitativ nicht an diese heran. Nach einem richtig starken Auftakt und dem Zurechtfinden in der neuen Heimat dümpelt der Plot für ein paar Episoden ein wenig vor sich hin, in denen Marty neue Geschäftszweige für seine Operation klarmacht. Währenddessen sucht sich seine Familie eher seltsame Freizeitbeschäftigungen. Pluspunkte möchte ich verteilen an Julia Garner („The Americans“), die exzellent die durchtriebene Redneck-Göre zum Besten gibt. Das abschließende Folgentrio brachte wieder Zug in die Geschichte, dennoch war ich von einigen Wendungen alles andere als angetan. Wie etwa von einer Enthüllung, die den Zuschauer einen anderen Blick auf Marty und Wendy werfen lässt, einer drehbuchgesteuerten Dummheit, um den status quo wiederherzustellen sowie von der mir immer noch dramaturgisch schlicht blöd und auf Schockwirkung getrimmten Aktion des Laienpredigers. Die zweite Staffel ist bereits gebucht, für die erste gebe ich mal ein leicht erhöhtes „Befriedigend“.

GESAMTWERTUNG: 4,85 Punkte (befriedigend)

GET SHORTY (SEASON 1)

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Miles Daley (Chris O’Dowd, „The IT Crowd“) arbeitet, eher unzufrieden mit der Gesamtsituation, als Handlanger für Amara, die Patin eines Verbrecherrings in der Wüste von Nevada. Gemeinsam mit seinem Kollegen Louis (Sean Bridges, „Rectify“) träumt er während der alltäglichen Schutzgeldabholung und Leichenbeseitigung davon, etwas mehr aus seinem Leben zu machen. Die Möglichkeit hierzu eröffnet sich, als dem Duo beim Besuch eines Autoren ein Drehbuch in die Hände fällt, dass nun mithilfe des B-Movie-Produzenten Rick Moreweather (Ray Romano, „Everybody Loves Raymond“) verfilmt und als Geldwäschevehikel dienen soll. Basierend auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1995 mit John Travolta und Gene Hackman.

Vorab: Den Film habe ich nicht gesehen, kann also keine Vergleiche ziehen. Die Serie gucke ich jedenfalls sehr gerne und zwar weil ich Romano und O’Dowd einfach mag. Hier der zerzauste Filmproduzent, dem es lediglich darum geht, seine Machwerke mit Profit nach Europa zu verscheuern. Dort der kleine Drecksarbeitnehmer mit hartem irischem Akzent, der im Moviebusiness die Fluchtmöglichkeit aus seiner wenig ruhmreichen Karriere sieht. Über beiden der bedrohliche Schatten der wenig zimperlichen Amara, auf deren Lohnliste u.a. der zwielichtige Yago steht, der sich gerne Miles und Louis entledigen würde, um eigene Ziele zu verfolgen. Drei Folgen, dreimal absolut stabile 5 Punkte. Wobei die Story jetzt so langsam in Richtung Beginn der Filmproduktion läuft, von der ich mir einige witzige Momente erhoffe. Ich bleibe dran.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,0 Punkte (gut)

PREACHER (SEASON 2)

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Das Dranbleiben wird mir bei „Preacher“ derzeit leider erschwert. Zwei Episoden vor Schluss tröpfeln meine Wertungen nun schon mehrfach hintereinander im 4,0-Punkte-Bereich. Dabei war ich zu Beginn noch schwer angetan: Reverend Custer und seine Freunde gehen auf einen Roadtrip, um nach Gott zu suchen, (womit sie anders als noch in der ersten Staffel ein klares Ziel vor Augen haben), die fulminante Eröffnungsfolge fährt reichlich Action auf mit „Come On Eileen“ als musikalischer Begleitung, der Saint of Killers hängt dicht an den Fersen und natürlich setzt es viele schräge Situationen. Es läuft rund, bis das Trio in New Orleans landet und der Show Episode für Episode die Luft ausgeht.

Jesse sucht weiter, während Tulip und vor allem Cassidy als Figuren ziemlich leerlaufen. Mit Herrn Starr wird ein Charakter eingeführt, dessen Comic-Ursprung man in jeder Minute spürt. Das ist so dermaßen überzogen, dass man es einfach nicht mehr ernst nehmen kann. Ich hatte schon vorher Probleme mit dieser over-the-top-Einstellung, mittlerweile aber werde ich das Gefühl nicht los, als wäre die Comicband-Vorlage entstanden, weil ein paar Jungs in schummriger Runde einen Joint und eine Bibel haben rumgehen lassen und sich dabei überlegten, worüber Seth Rogen beim Lesen am lautesten gackern würde.Wird schwer, mich für diese Staffel noch zu begeistern.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 11 EPISODEN: 4,73 Punkte (befriedigend)

RICK AND MORTY (SEASON 3)

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Mittlerweile ein Selbstläufer. Normalerweise bin ich bei Animationsserien pingelig, wenn mir der Zeichentrickstil nicht gefällt, aber bei Rick and Morty wird jede Schwäche durch die krankhaft geniale Fantasie von Dan Harmon und Justin Roiland übertüncht. Nach sechs Episoden sind so schon diverse Glanzmomente (Szechuan Sauce, Pickle Rick, Rick & Jerry Episode) entstanden. Wenn ich meckern müsste, dann darüber, dass „Rickmancing The Stone“ und „Rest And Ricklaxation“ demgegenüber qualitativ doch spürbar abgefallen sind. Aber so ist es nun mal, wenn man stellenweise ein hohes Niveau an kreativem Wahnsinn vorlegt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 5,28 Punkte (gut)

100 (August 2016)

18 Aug

Liebe Brüder und Schwestern,

Glaube steht gleich dreimal als Thema an bei diesem Seriencheck, der die letzten Nachzügler-Schäflein für die Haupt-US-TV-Saison behandelt. In „Outcast“ wird der Teufel eher mittelmäßig erfolgreich ausgetrieben, „Preacher“ bringt Gott per Live-Zuschaltung in die Kirche und Katholik Jim Gaffigan glaubt weiterhin an die heilige Kraft des Essens, was ihn meiner Meinung zu einem sehr guten Menschen macht. For what you are about to receive: May the Lord help you. Amen.

OUTCAST (SEASON 1)

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Läuft nicht bei Kyle Barnes. Der arme Kerl musste bisher miterleben, wie seine Mutter und später seine Ehefrau vom Teufel besessen waren. Nun kehrt er in sein Heimatstädtchen Rome zurück und versucht gemeinsam mit dem umtriebigen Reverend Anderson, der immer größer werdenden Zahl an dämonischen Körpereinnistungsversuchen Einhalt zu gebieten. Basierend auf den Comics von Robert Kirkman (The Walking Dead).

Der Exorzist in Serienform, könnte man zusammenfassend sagen. So hart geflucht wie im Vorbild wird beileibe nicht, ekelerregende Schockmomente sind mir nicht aufgefallen, dennoch hat mich „Outcast“ richtig gut unterhalten. Das fängt bei dem schwelend düsteren Theme von Atticus Ross an, geht über die sauber dargestellten Charaktere Kyle Barnes (immer verzweifelt), Reverend Anderson (immer mit Gottvertrauen), Polizeichef Giles (immer kernig: Reg E.Cathey) und Sidney (immer undurchsichtig: Brent Spiner als böser Mann mit Hut), bis hin zu kribbelig schaurigen Momenten, dramatischen Wendungen und einem fiesen Twist gegen Ende. Kann ich empfehlen für alle, die sich vor dem Schlafengehen wohlig gruseln wollen, ohne tags drauf die Bettwäsche gleich wechseln zu müssen.

GESAMTWERTUNG: 5,25 PUNKTE (gut)

PREACHER (SEASON 1)

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Ich bin mir immer noch uneins, was den Preacher anbelangt. Auf der positiven Seite stehen sicherlich die Lässigkeit des Hauptcharakters, die schräg angelegten Figuren wie die beiden Engelsmänner, die staubig trockene Inszenierung, geniale Momente à la die Kampfszene im Hotelzimmer oder der große Auftritt in der Kirche im Finale. Andererseits kam mir die Geschichte gerade zu Beginn zu zerstückelt und wirr vor, viele Charaktere waren für meinen Geschmack zu comichaft überzeichnet und auf boah,ey-krass getrimmt, richtige Sympathien für das Haupt-Trio konnte ich bei mir auch nur mühsam ausmachen. Die gute Nachricht: zum Ende der Staffel hin legt sich das große Fragezeichen über dem Kopf des Zuschauers und es wird einiges zusammengefügt, was vorher nur als angedeutetes Stückwerk erschien. Dann überwiegt doch noch das leichte, zufriedene Grinsen über diese wirklich seltsame Show um göttliche Kräfte.

GESAMTWERTUNG: 5,00 PUNKTE (gut)

VICE PRINCIPALS (SEASON 1) 

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Der alte Schuldirektor (eingangs kurz gespielt von Bill Murray) zieht sich zurück, seine beiden Vize (Danny McBride und Walton Goggins) kämpfen fortan mit allen Mitteln um den begehrten Posten. Mit allen Mitteln meint: Keine Beschimpfung ist ihnen zu niveaulos, kein Verhalten zu kindisch, kein Spruch zu peinlich.

Freunde, ich habe es versucht. Aber das ist nicht mein Humor. Walton Goggins hat nach seinen Rollen in „Justified“ und „The Hateful Eight“ einen dicken Stein bei mir im Brett, aber leider war Danny McBride für das Drehbuch zuständig und zieht Mr. Goggins mit ins Verderben. Soll heißen: Wer Rumgefluche in der suck-fuck-cock-ass-Geschmacksmischung an sich zum Brüllen findet oder generell infantil-doofes Verhalten erwachsener Männer, dürfte sehr viel Spaß mit der Show haben. Hey, ich störe mich nicht an deftiger Wortwahl (so gehören etwa Louis C.K. und Jim Jefferies zu meinen Lieblings-Stand-Up-Comedians), aber es muss wirklich mehr Mühe dahinterstecken als die bloße Aneinanderreihung von Schimpfwörtern, um mir einen Schmunzler zu entlocken. Die erste Episode ging noch in Ordnung, aber bei der zweiten war mehr oder minder Schicht im Schacht für mich. Sorry, minutenlang zuzusehen, wie McBride und Goggins unter Proll-Gepose eine Wohnung auseinandernehmen und in Brand setzen, fällt bei mir nicht unter die Definition von erfrischendem Witz. Die dritte Folge etwas besser, was aber schon keine große Leistung mehr war. Nee, HBO, das ist nix.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH DREI EPISODEN: 3,75 PUNKTE (unterdurchschnittlich)

Sichtung eingestellt 

WRECKED (SEASON 1)

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Selten war eine Beschreibung so einfach. Flugzeugabsturz. Die Überlebenden stranden auf einer Insel. LOST als Comedyserie. Mit Gags statt Mystery.

Beziehungs- und ehrlicherweise mit ohne Gags statt Mystery. Drei Folgen gesehen und leider keinen Mundwinkel hochgezogen bekommen. Der Humor ist beileibe nicht so dumpf-schmerzend wie bei „Vice Principals“, sondern eher aus der traurigen Kategorie „Kein Anschluss unter dieser Nummer“. Das tut mir besonders leid für Rhys Darby (der Kultbandmanager Murray aus „Flight of the Conchords“), der zum wiederholten Mal keinen Treffer bei mir landen kann. Eines dieser Projekte, wo alle Beteiligten sich beim gemeinsamen table read formidabelst beömmelten und auch später beim Drehen aus dem Lachen nicht herauskamen. Bis die ganze Angelegenheit dem Zuschauer vorgesetzt wurde, der leider beim Spaß der Produktion eben nicht dabei war und den Witz nicht findet.

DURCHSCHNITTSWERTUNG: 3,83 PUNKTE (unterdurchschnittlich)

Sichtung eingestellt

THE JIM GAFFIGAN SHOW (SEASON 2)

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Jim Gaffigan isst, glaubt und kämpft sich wieder mit immer noch fünf Kindern und Ehefrau in einer Zwei-Schlafzimmer-Wohnung in New York durch sein Leben als Comedian. Ich fand die erste Season ja mehr als ordentlich und war deshalb umso mehr vom Auftakt der zweiten enttäuscht. Die ersten vier Episoden kamen nicht über den Durchschnittwertungsdaumen hinaus, da halfen selbst Gaststarauftritte von Jerry Seinfeld, Zachary Quinto, Carrot Top oder Nickelback nichts. Zu schwere Kost für Jim wie Berufung, katholischer Glauben und philosophische Gedankengänge im Auftakt, danach ein von den Gags her eher schwach angelegter Gerichtsprozess, gefolgt von einer eher platten Folge, in der Jim ständig als hässlich tituliert wird. Mittlerweile hat sich die Show gefangen und konnte zuletzt auch mal ein knappes „gut“ als Wertung für eine Episode einheimsen. Wird in der Gesamtschau allerdings diesmal eher im Befriedigend landen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH NEUN EPISODEN: 4,33 PUNKTE (befriedigend)

 

MR. ROBOT (SEASON 2) 

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Mit Elliot bin ich bis dato auch noch nicht so recht zufrieden. Vor allem nicht nach der fulminanten ersten Staffel, die bei mir knapp an der „überragend“-Wertung kratzte. Punkten kann die Show weiterhin, wenn sie wie im Season Opener die Geschichte von fsociety beleuchtet, Gefahrensituationen urplötzlich hereinbrechen lässt oder unseren Lieblingshacker in den albtraumhaften Wahnsinn schickt. Andererseits ging es mir in den ersten Episoden gerade auch angesichts der verlängerten Episodenlaufzeiten zu wenig voran mit der Geschichte um den größten Hack, den die Welt bisher gesehen hat. Und mit der FBI-Ermittlerin DiPierro bin ich auch noch nicht warm geworden. Summa summarum bisher nur gut, da muss noch mehr kommen. Zumal die Einschaltquoten nicht die besten sein sollen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 5,05 PUNKTE (gut)  

 
RAY DONOVAN (SEASON 4) 

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Alles in der Spur bei „Ray Donovan“. Also nicht bei den Donovans, wo wieder mal das Familienchaos herrscht, sondern bei der Show an sich. Die steuert nämlich stabil auf eine erneut gelungene Staffel hin. Anzeichen, dass man wie in der zweiten Season zähe bis langweilige Handlungsstränge verfolgt, sind nicht ersichtlich. Stattdessen die übliche schöne Mischung aus kollektivem In-der-Patsche-stecken, egal, bei welchem Familienmitglied man vorbeischaut. Klar, hie und da wird per Drehbuch der Haltegriff herbeigezaubert, mit dem sich Papa Mickey, Ray, Bunchy und Terry noch gerade so aus der Scheiße ziehen können. Da meckere ich aber nicht groß dran herum, denn die Boston-Sippe gehört bei mir fast schon zur Familie. Schön übrigens, dass Liev Schreiber nun desöfteren auf Nominierungslisten auftaucht. Die Serie hätte das auch langsam verdient.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SIEBEN EPISODEN: 5,29 PUNKTE (gut)

THE NIGHT OF 

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Achtteilige Mini-Serie über den pakistanischstämmigen Studenten Nasir, für den eine geplante Partynacht komplett aus dem Ruder läuft und der sich nun der unerbittlichen Härte des amerikanischen Justizsystems gegenüber sieht. Sein einziger Verbündeter: der fußmalade, schmuddelige Verteidiger Jack Stone (John Turturro).

Klare Empfehlung von mir. Nichts weiter groß drüber lesen, einfach gucken. Das ist die Sorte von Show, bei der man trotz je knapp einstündiger Episodenlaufzeit kein einziges Mal nachschaut, wie lange es noch geht. Weil die Schauspieler großartig sind. Weil die Dialoge sitzen. Weil die Geschichte spannend ist. Weil keine Figur schwarz oder weiß gestrickt ist, sondern Grautöne besitzt und unklar ist, wer später noch wie handeln wird. Weil man als Zuschauer wissen will, was in dieser einen besonderen Nacht geschah. Obwohl ich meine DVD-Box von „The Wire“ bis heute nicht gesehen habe (ja, Eimer voller Asche über mein Haupt) soll es von der erzählerischen Qualität her in diese Richtung schlagen. Spurenelemente von „True Detective“ sind ebenfalls vorhanden. Wer jetzt immer noch zögert, verpasst höchstwahrscheinlich den nächsten HBO-Kracher. Ich habe drauf hingewiesen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 5,80 PUNKTE (sehr gut)

HOUSE OF CARDS (SEASON 4)

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Unfassbar, aber wahr: Ich habe endlich die vierte Staffel von „House Of Cards“ fertig geschaut. Die Gründe für mein Herumgehänge: diverse andere Serien, Dark Souls 3 (sehr unbefriedigendes Ende übrigens), Fußball-EM (dito), die Tatsache, dass ich bei einem Handlungsstrang aufgehört habe, bei dem meiner Meinung nach der Hauptfigur nichts passieren konnte. Ich fand die Show nach der guten, aber keine Steigerung bringenden dritten Staffel, wieder ein bisschen besser. Auch wenn mir die ganz großen Gemeinheiten der Underwoods fehlten und der echte US-Wahlkampf derzeit noch chaotischer und verrückter erscheint. Ich bin mir sicher, die aktuelle Managerin der Trump-Kampagne wäre selig, wenn sie so intelligent-intrigante, aber fies machtgeile Leute betreuen dürfte statt des dumpfdummen Prolls mit dem lächerlichen Haupthaar.

Was ich sagen will: House Of Cards hält sein hohes Niveau, leidet aber auch ein wenig darunter, dass die Realität noch eine Spur dramatischer ist. Episoden, die mir nur befriedigend gefielen, waren keine dabei. Gegen Ende hin packt die Show nochmal den Drama-Hammer aus. Zur nächsten Amtsperiode sind wir alle sicher wieder dabei.

GESAMTWERTUNG: 5,45 PUNKTE (gut +)

98 (Mai 2016)

6 Jun

Hastig in die Tastatur gehobelter Seriencheck, weil ich bis zur
Fußball-Europameisterschaft die wichtigsten Shows abgedeckt haben
möchte, Teil 2:

GAME OF THRONES (SEASON 6)

Von jetzt an hat kein Buchleser mehr Ahnung. Neuland in Westeros für alle. Nach sechs gesehenen Folgen und einem „Ich-hab-was-im-Auge-schau-den-Abspann-mal-gerade-alleine“-Moment darf ich sagen: Ist halt wieder geil. Wer meckern will, findet sicherlich etwas, aber ganz ehrlich, das ist Meckern auf hohem Niveau. Die Serie hat mittlerweile eine Qualität erreicht, da reißt selbst eine nicht ganz so gelungene Szene eine Folge nicht runter. Im Gegensatz zur Staffelvorgängerin ist bereits in den ersten Episoden gut etwas los im Lande des eisernen Throns und George R.R. ließ es sich nicht nehmen, dem nach Erfolgserlebnissen für „die Guten“ hungernden Fernsehvolk ein bisschen Futter zu geben. Um danach…aber das kennt man halt, damit muss man rechnen. Von meiner Warte aus geht der Wertungsdaumen wieder stark Richtung „sehr gut“-„überragend“.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 5,67 PUNKTE (sehr gut)

SILICON VALLEY (SEASON 3)

Comedymäßig war die Hauptsaison nicht sonderlich pralle. Das Prädikat durchgehend gut konnten bei mir nur „Brooklyn Nine-Nine“, „The Goldbergs“, „Life In Pieces“ und „Galavant“ erreichen. Damit ist jetzt Schluss, denn HBO hievt wieder seine beiden Premium-Spaß-Formate ins Programm: „Silicon Valley“ und „Veep“. Die Nerds liegen in meiner Gunst derzeit minimal vorne, in der jetzigen Form streben sie gar einen neuen Spitzenwert an. „Silicon Valley“ läuft so stabil, Microsoft soll schon nach dem Code angefragt haben. Ich fange jetzt nicht wieder Vergleiche mit „The Big Bang Theory“ an (von dem ich doch noch das Staffelfinale gesehen habe und ob der Faulheit der Autoren entsetzt war), die verbieten sich mittlerweile von alleine. Richard, Gilfoyle, Dinesh und Erlich sind meine Helden, selbst Nebenfiguren wie Big Head und (der lange von mir in „The Office“ geschmähte) Jared bringen herrliche Momente mit ein. Gavin Belson schließlich platziert mit jedem absurden Auftritt ein Sahnehäubchen auf die Folge. Könnte das bitte jemand in Endlosschleife programmieren lassen?

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 5,53 PUNKTE (sehr gut)

VEEP (SEASON 5)

Auch „Veep“ mit der immer wieder tollen Julia Louis-Dreyfus liefert ab. Aktuell scheint man mit dem offiziellen Serienidioten Jonah Ryan Großes vorzuhaben, worauf ich mich sogar noch mehr freue als über die neuesten Trotteligkeiten eines Donald Trump. Die Überdevotion von Gary Walsh und die trocken-fiesen Sprüche von Amy, Mike, Dan und Kent sitzen weiterhin auf den Punkt genau. Erfreulich auch, dass man als europäischer Zuschauer im Gegensatz zu früheren Staffeln nicht mehr knietief in US-amerikanischen Politikdetails waten muss, sondern die größeren Themen angeschnitten werden. Von Comedy-Amtsmüdigkeit keine Spur, ich würde mein Kreuzchen jederzeit ohne hinzugucken wieder bei Selina Meyer machen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 5,40 PUNKTE (gut +)

THE AMERICANS (SEASON 4)

Ein Mann hat kein Gesicht. Dennoch wird ein Mann sich freuen. Tom Wlaschiha, der Faceless Man aus „Game Of Thrones“, hat sich im Interview bei den Rocket Beans als Fan von „The Americans“ geoutet. Guter Geschmack, kann ich da nur sagen. Ist das russische Agentenpaar Elizabeth und Philip Jennings damit nicht nur mir mittlerweile wirklich ans Herz gewachsen. Die Finalfolge der vierten Staffel läuft zwar erst diese Woche, aber ich gehe fest davon aus, dass dieses Jahr die 5-Punkte-Marke wieder übersprungen wird. Besser also als die mir mit etwas zu viel Leerlauf ausgestattete dritte Season. Natürlich hat die Show auch in der aktuellen Laufzeit ihre ruhigen Folgen im Portfolio, aber dank der im letzten Finale angestoßenen Entwicklung schwelt stets eine gewisse Spannung über dem alles andere als leichten Familienleben unserer Spione.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH ZWÖLF EPISODEN: 5,02 PUNKTE (gut)  

PREACHER (SEASON 1)

Von Seth Rogen mitproduzierte Umsetzung des Comics gleichen Namens. Ein von inneren Konflikten geplagter Prediger in einer Kleinstadt in Texas begibt sich auf die Reise, um Antworten von Gott zu erhalten.

Wie üblich kenne ich die Vorlage nicht, sodass ich mich nur auf meine Eindrücke aus dem knapp anderthalbstündigen Piloten beziehen kann. Meine Einschätzung: Tja. Kann richtig gut werden. Oder auch nicht. Ich bin da noch nicht richtg durchgestiegen, um ehrlich zu sein. Es gibt viele Charaktere an vielen Orten zu bestaunen und irgendwie haben sie jemanden vergessen, der den Zuschauer an die Hand nimmt und erklärt, wohin die Reise genau geht. Dominic Cooper als titelgebener Prediger versprüht schon mal rauen Charme plus optionaler Coolness, bei seinen Begleitern muss ich wirklich abwarten, ob sie eher Richtung lässig oder nervig driften. Wahrscheinlich setze ich mich hin und schaue mir vor der heute erschienen zweiten Episode den Einstieg nochmal an. Als erste Einschätzung schwanke ich derzeit zwischen 4,5 und 5,0 mit leichterer Tendenz zu „gut“. Aber wie schon geschrieben, ist durchaus alles noch drin, was mein Wertungsspektrum so hergibt.

ERSTEINSCHÄTZUNG: 4,5 – 5,0 PUNKTE (befriedigend – gut) 

HOUSE OF CARDS (SEASON 4)

Zu meiner Schande leider die Serie, bei der ich ständig und immer noch hinterherhänge. Dabei ist die Qualität dank der schauspielerischen Wucht von Spacey und Wright erneut hoch, bis zur von mir gesehenen fünften Episode sind mir auch keine nur befriedigenden oder gar bloß durchschnittlichen Folgen untergekommen. Was ja in Season 3 durchaus mal passierte. Ich belasse es für den Moment daher mal wieder bei einer kurzen Wasserstandsmeldung; soweit alles gut bei Underwood. Jetzt nicht in der Show selbst, aber von meiner Wertung her. Mehr, wenn ich durch bin. Wahrscheinlich erst nach der EM-Pause hier im Blog.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH FÜNF EPISODEN: 5,30 PUNKTE (gut)