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78 (Mai 2014)

27 Mai

Die Sonne scheint, der DAX geht auf die 10.000 Punkte zu, der Bundestrainer fährt -sicherlich in Vorfreude auf die WM- zu schnell Auto: heiße Temperaturen, heiße Aktien, heißer Jogi und jetzt obendrauf noch die brandheißen Abschlusswertungen (sofern sie vorliegen) für die US-TV-Saison 2013/14 (Abteilung Comedys).

Meine Einleitungen werden immer schlechter.

COMMUNITY (SEASON 5)

Schande über dich, NBC! Gerade hat sich der Sender wieder die Top-Position unter den Networks  geangelt, schon stürzt er Serienfans in tiefe Trauer und treiben Schindlunder mit den Gefühlen der Community-Community. No #6Seasonsandamovie. Das ist schade, denn mit Dan Harmon hievte sich die fünfte Staffel wieder in deutlich höhere Wertungsgefilde. Die Stärken der Show waren plötzlich wieder da, man gab einen feuchten Dean darum, ob die Durchschnittszuschauer die Anspielungen verstanden, haute herrlich absurde Episoden wie „G.I. Jeff“ oder „App Development And Condiments“ raus und protzte mit Gaststars, für die andere Serien auf die Knie gehen würden. Nach dem Tal der Tränen also ein ganz klarer Schritt nach oben. Zugegeben: an die Großtaten der ersten Staffeln konnte man nicht anknüpfen, bei vielen thematischen Nachfolgern konnte man den Wahnsinn des Originals wohl schlicht nicht toppen („Advanced Advanced Dungeons & Dragons“), aber das Wertungsniveau pendelte sich stabil jenseits der 5 Punkte- und damit „Gut“-Grenze ein. Wer weiß, wann jemals wieder eine so durchgedrehte, sich nicht an den allgemeinen Publikumsgeschmack anbiedernde, selbstreferentielle und in ihrer Komik einzigartige Show im Fernsehen laufen wird. They were streets ahead of their time.

Gesamtwertung: 5,28 Punkte (gut)


 

HOW I MET YOUR MOTHER (SEASON 9)

Ich habe mir vor ein paar Wochen bei einem Ausverkauf einige mir noch fehlende, frühere Staffeln von „How I Met Your Mother“ zugelegt. Einfach, um mir bei einer Sichtung in den kommenden Jahren selbst bestätigen zu können, dass die Show jahrelang zu meinen absoluten Lieblingen und Gesamtstaffelbox-Kandidaten zählte. Die quirligen Charaktere, die gewitzten Beobachtungen rundum Liebe und Leben, die selbst erschaffenen Trademarks und der zündende Humor – das waren die Trümpfe, die bei mir stachen. Die Liebesbeziehungen untereinander und nebeneinander? Nicht so mein Ding. Muss halt rein, wenn man viele Seasons füllen will  Die Frage nach der Mutter? Hätte man von mir aus in einem Gag in der letzten Folge auflösen können.

Der Abstieg fing für mich an, als Barney beabsichtigte, mit seiner Stripperin eine ernsthafte Beziehung zu führen. Als Ted und Robin zum x-ten Mal nicht zusammenkamen, aber doch ein paar Folgen später wieder irgendwie doch wollten und das nicht klappte, weil … die SHOW HALT IM TITEL TRÄGT, DASS TED EINE ANDERE HEIRATET!

Die neunte Staffel ist größtenteils nur durchschnittlich unterhaltsam. Ja, es wird Fanservice geboten und die wenigen Folgen, die mir 5 Punkte entlocken konnten, waren jene, die die Lücken in der Geschichte um das Zusammentreffen von Ted und der Titelmutter füllten. In den allermeisten Fällen fehlte allerdings an allen Ecken und Enden die Spritzigkeit, das Erfrischende, das Clevere und Erinnerungswürdige. Stattdessen regierte eher die Bemühtheit und die Wiederholung in schlechterer Ausführung. Bei meinen Bewertungen war ich noch gnädig und vergab meistens noch die 4,5 Punkte. Ich frage mich aber schon, ob die Autoren irgendwann mal in einer stillen Minute dachten: „Mensch, das haben wir früher besser hinbekommen“. Wahrscheinlich nicht.

Das Finale sorgte für einiges an Wirbel. Hauptsächlich wegen zweier Enthüllungen, die ich jetzt nicht spoilern möchte. Ich schreib es mal so: die erste bewirkte quasi einen LOST-Effekt und traf die Shipper-Gemeinde hart. Da mir die Verlagerung auf die Beziehungen und der eingeengte Rahmen rundum die Hochzeit von Barney und Robin eh wenig zusagte, musste ich über diesen kleinen Tritt in den Allerwertesten der Liebesschmachtfans fast schmunzeln. Die zweite Enthüllung machte im Kontext der Show Sinn, zeigte aber auch, dass man wahrscheinlich einen besseren Abschluss gefunden hätte, wenn man die Chose einfach „Five Friends in New York“ genannt hätte.

Gesamtwertung: 4,44 Punkte (durchschnittlich +)


 

MODERN FAMILY (SEASON 5)

Modern Family bleibt eine sehenswerte, gute Comedy. Aber die Qualität bröckelt von Jahr und zu Jahr ein bisschen ab. Sicher sind die drei Familienhandlungsstränge immer für einen Lacher gut und wenn gar nichts zu gehen scheint, haut Überdaddy Phil Dunphy halt einen seiner sagenhaft peinlichen Momente raus. Die Autoren geben sich sichtlich Mühe, in jeder Episode Szenen unterzubringen, die den Zuschauer mit einem „Ja, war doch wieder unterhaltsam“ in die Heia schicken. Bei mir funktioniert das auch weiterhin, die Episodenwertung ist entsprechend eine 16-fache Aneinanderreihung von 5 Punkten. Allerdings werden die Fälle, wo es höher hinausgeht, immer seltener. Fünfmal zückte ich die 5,5 Punkte, dreimal die 4,5 und einmal gar die 4,0 – meine bis dato tiefste Wertung für eine Folge von Modern Family. Leider verdient, denn die Episode „Australia“ wirkte wie ein vom örtlichen Tourismusbüro gesponserter Betriebsausflug, bei dem a) jemand eine Kamera mitlaufen ließ und b) die Autoren das Skript am Strand vergessen hatten.

Gesamtwertung: 5,18 Punkte (gut)


 

PARKS AND RECREATION (SEASON 6)

Da könnte „Modern Family“ nächstes Jahr landen, denn „Parks And Recreation“ war mir dieses Jahr zu… wie soll ich es ausdrücken.. einlullend nett?  Man hat es sich in Pawnee ein wenig zu bequem gemacht in seinem Pool aus schrulligen Charakteren. Zwar verließen mit Rob Lowe und Rashida Jones zwei Darsteller die Riege, deren Figuren langsam uninteressant wurden, aber so richtig losgelegt hat die Show dennoch nicht. Natürlich reicht es bei Leslie Knope und Kultverwaltungsmensch Ron Swanson immer noch knapp für das „Gut“, aber die erfreulicherweise schon gesicherte nächste Amtsperiode könnte wieder gerne etwas mehr reißen.

Gesamtwertung: 4,99 Punkte (gut -)


 

RAISING HOPE (SEASON 4)

Das war es dann mit der kleinen Hope und den Chances, ihrer liebenswert simplen Familie. Abgesetzt nach einer Staffel, die es in Sachen Belanglosigkeit locker mit der dritten Staffel von „My Name Is Earl“ aufnehmen konnte. Es war teilweise erschreckend mitanzusehen, aus welchen Nichtigkeiten das B-Produktionsteam des wohl schwerpunktäßig an „The Millers“ arbeitenden Greg Garcia Geschichten bastelte. Witzigerweise war an der einzigen Episode, die mich überzeugen konnte („Road To Natesville“), dann wohl doch jemand aus der ersten Riege beteiligt. Das ändert aber nichts daran, dass „Raising Hope“ mit leidlich bemühten Schauspielern und müden Gags leider ein unverdientes, lahmes Ende genommen hat

Gesamtwertung: 4,00 Punkte (durchschnittlich -)


 

THE BIG BANG THEORY (SEASON 7)

Määndert trotz des riesigen Erfolgs bei mir nur im leicht gehobenen „Okay“-Segment umher. „Die Weiber haben die Show kaputtgemacht“, pflegt ein mir bekannter Mensch zu sagen, der nicht namentlich genannt werden möchte. So hart würde ich es nicht ausdrücken wollen, aber wenn ich ehrlich bin, fahre ich derzeit mit „Silicon Valley“ geektechnisch um einiges besser. „The Big Bang Theory“ hat seine guten Momente, wenn man spürt, dass echte Nerds wie Wil Wheaton am Werk sind und nicht nur Schauspieler, die im wahren Leben von Videospielen, Superhelden oder SciFi keinen blassen Schimmer haben. Schlecht hingegen wird es, wenn der Beziehungsstrang bis zum Gehtnichtmehr gewürgt wird. Und, mal unter uns, mit Koothrappali wissen die Autoren schon seit langem nichts mehr anzufangen, oder? Naja, man guckt es halt weg, weil es da ist und wundert sich, weshalb es so viele einschaltende Fans auf sich vereinen kann.

Gesamtwertung: 4,73 Punkte (befriedigend)


 

THE CRAZY ONES (SEASON 1)

Für mich neben dem unerwarteten Ende von „Community“ das zweite große Absetzungs-Ärgernis der Saison. Ich bin Robin Williams-Fan und freute mich riesig auf dessen TV-Comeback in einem allymcbealesken Setting in der Werbebranche. Die Show lief nach einem eher nur in Ordnung gehenden Piloten zu richtig großer Form auf, vor allem die Episoden mit Brad Garrett („Everybody Loves Raymond“) waren in meinen Augen Comedygold, aber auch die übrigen Figuren wuchsen mir flott ans Herz und überzeugten mit augenzwinkerndem Humor, schnell abgeschossenen Dialogen, kollegialem Genecke und anderen kleinen Fiesheiten. Zugegeben: im letzten Drittel schlichen sich einige Durchhänger ein, die „The Crazy Ones“ den Schnitt etwas versauten (mit dem Tiefpunkt „March Madness“ rundum den St. Patrick’s Day). Dennoch schmerzt mich, dass es keine weitere Staffel geben wird. Ein bisschen Trotz und bekennendes Fantum schwingt dann schon mit, wenn „The Crazy Ones“ bis dato den Platz als beste Comedyserie innehält.

Gesamtwertung: 5,35 Punkte (gut)


 

THE GOLDBERGS (SEASON 1)

Da hat es mich nun wiederum gefreut, dass es weiter gehen wird. „The Goldbergs“ waren für mich so ein bisschen die Herzensangelegenheit in diesem Serienjahr: 80er-Jahre-Zitate bis zum Umfallen, der dazu passende Soundtrack, Voice Over von Patton Oswalt. Den mürrischen Vater und die übertüdelige Mutter hätte man direkt in „That 70s Show“ transplantieren können, der ältere Sohnemann überzeugt wunderbar in der Darstellung seiner eigenen herzlichen Beschränktheit und spätestens wenn am Ende die original Filmaufnahmen von Adam Goldberg laufen und man die echten Vorbilder der Figuren in Aktion sieht, wird es einem warm um die alte Blutpumpe. Weshalb es dann nicht für das „Sehr gut“ gelangt hat? Nun ja, ab und an haben die Macher eben doch ein bisschen zu wenig 80er-Konzentrat in die Seriensuppe gemischt. Aber unter „befriedigend“ ist keine einzige der Episoden gefallen. Aus meiner Sicht ein überzeugender Neustart, dem ich eine längere Laufzeit gönne.

Gesamtwertung: 5,11 Punkte (gut)


 

THE MIDDLE (SEASON 5)

Ach ja, die Hecks. Ich habe ja schon letztes Jahr geschrieben, dass die Figuren faktisch nichts mehr hergeben. Besonders die Kinder sind charakterlich sehr limitiert. Es wiederholen sich halt Axls Faulheit, Sues Scheitern und Bricks Seltsamkeit. Daran hat sich auch in der 5. Staffel leider nichts geändert. Ähnlich wie bei „Raising Hope“ haben mich einige Episoden sprachlos zurückgelassen angesichts der Nichtigkeit der Geschichten, die da zu einem Drehbuch aufgeplustert wurden. Geschichten, die man zusammenfassen kann mit „Es riecht im Haus“ oder „Das Windspiel des Nachbarn stört die Ruhe“. Wie auch immer: ich sehe halt Patricia Heaton und Neil Flynn weiterhin gerne, deshalb läuft es als leider immer öfter mager ausfallende Vorspeise zu „Modern Family“.

Gesamtwertung: 4,23 Punkte (durchschnittlich)


 

THE MILLERS (SEASON 1)

Greg Garcias („My Name Is Earl“, „Raising Hope“) aktuelles Standbein im US-Fernsehprogramm ist ein zweischneidiges Schwert. Selten habe ich bei einer Comedyserie derartige Wertungsschwankungen gesehen. Die Bandbreite reicht in der Tat von richtig unterhaltsam bis schmerzhaft schlimm. Zweimal musste ich 3,0 Punkte zücken und das ist wirklich eine Wertung, wo man mich als Zuschauer richtig ordentlich verärgern muss. Eigentlich das absolute Todesurteil für eine Show. Aber andererseits stimmt der Mix auch manchmal und die von mir eh sehr geschätzten Will Arnett und Margot Martindale sorgen für einen angenehmen Comedyabend. Dann rockt auch J.B. Smoove, der gerne zwischen coolen Sprüchen und unverständlichem Genuschele rangiert. Ich habe den Eindruck, als würde Garcia noch das richtige Timing für eine Comedy, die vor Zuschauern aufgezeichnet wird, fehlen. Überhaupt scheint sich noch einiges in der Show finden zu müssen. Fürs erste landen die Millers bei mir daher noch haarscharf knapp im „Befriedigend“.

Gesamtwertung: 4,52 Punkte (befriedigend -)


 

THE SIMPSONS (SEASON 25)

Das alte Spiel: ich schreibe, dass wieder viel Durchschnittliches und wenig Beglückendes in der diesjährigen Simpsonsmischung drin ist, erwähne kurz, dass die Couch Gags stellenweise das Beste an einer Folge sind und präsentiere namentlich die Folgen, die mich überzeugen konnten. Okay? Dann los:

S25E09: Steal This Episode (5,5 Punkte)
S25E03: Four Regrettings And A Funeral / S25E10: Married To The Blob / S25E18: Days Of Future Future / S25E20: Brick Like Me (jeweils 5,0 Punkte)


 

Gesamtwertung: 4,37 Punkte (durchschnittlich)

TROPHY WIFE (SEASON 1)

Meine Fehleinschätzung der Saison. Nach zwei gesehenen Folgen dachte ich, das hier eine ernsthafte Konkurrenz für „Modern Family“ heranwachsen könnte. Nope. Sagte der US-Zuschauer, der kein grünes Licht für eine Fortsetzung gab. Und musste ich mir auch eingestehen, denn aus irgendeinem Grund verfiel die Serie etwa ab der Hälfte in eine Phase absoluter Durchschnittlichkeit. Es scheint, als hätten die guten Ideen und witzigen Einfälle nur bis Weihnachten gereicht. Dabei waren die Charaktere durchaus gut gezeichnet, wie etwa die ehrgeizige, erfolgreiche ex-Gattin #1, die stets neben der Spur laufende ex-Gattin #2 oder der knuddelige kleine Adoptiv-Asiate. Bradley Whiford und Malin Akerman sehe ich prinzipiell gerne, letztere zugegebenermaßen mehr wegen der Optik. Was soll’s, vorbei, die Nächste bitte.

Gesamtwertung: 4,62 (befriedigend)


 

Working The Engels (Season 1)

Zum Schluss ganz kurz: Working The Engels war mir dann doch zu bieder und zu weit von der grenzenlosen Verrücktheit eines „Arrested Development“ entfernt. Nett, aber nichts, was ich zwingend weitergucken möchte.

Wertung nach sieben Episoden: 4,29 Punkte (durchschnittlich)


 

Und wer immer noch liest, bekommt hier kurz und bündig meine vorläufigen TOP 5 der Comedyserien des Jahres (vorläufig, weil hochwertige Kandidaten wie u.a. „Veep“, „Silicon Valley“ und „Louie“ noch laufen):

The Crazy Ones 5,35 Punkte
Community 5,28 Punkte
Brooklyn Nine-Nine 5,23 Punkte
Modern Family 5,18 Punkte
The Goldbergs 5,11 Punkte

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72 (Oktober 2013)

3 Okt

Zur Feier des Feiertags, weil ich grad Zeit habe und die Eindrücke nicht mehr frischer werden, direkt weiter mit den Neuzugängen der US-TV-Saison.

MOM 

Christy (Anna Faris, „Scary Movie“) findet so gar keine rechte Freude im Leben. Eingespannt in einem langweiligen Kellnerinnenjob, Alkoholikerin auf Entzug, alleinerziehende Mutter mit promiskuitiver Teenie-Tochter und Darf-nichts-von-dem-Elend-mitbekommen-Goldjungen, schläft selbst mit ihrem verheirateten Chef, keine große Liebe in Sicht und jetzt meldet sich auch noch ihre Rabenmutter, Mitalkoholikerin und Männervernascherin Bonnie (Allison Janney, „Mr. Sunshine“) in dem ganzen Chaos an, um tolle Ratschläge zu erteilen. Neue Comedy von Chuck Lorre („The Big Bang Theory; „Two And A Half Men“).

Ersteindruck: 

Das Positive vorweg: nicht so schlimm wie Dads. Aber sonst wenig überzeugend. Mir ging es bei der Sichtung ähnlich wie der Protagonistin mit ihrem Leben, denn ich konnte an der Show keine rechte Freude finden. Die Figuren tendenziell eher deprimierend als unterhaltsam, die Nebenfiguren (u.a. „Badger“ aus „Breaking Bad“ als verlotterter ex-Ehegatte) komplett ignorierbar und der laugh track weist überdeutlich darauf hin, dass die meisten der Gags nicht zünden. Ich kann mich nicht entsinnen, gelacht zu haben. Moment, ich denke jetzt nochmal angestrengt nach…lese nochmal kurz ein Recap… da war doch der Gastauftritt von Jon Cryer… nö….als der Chef über die Veranda stürzt…okay, ich geb’s auf.

Gucklistenstatus:

Und weg. Da muss ich jetzt mal hart sein, ich kann nicht jedem Format noch eine Chance geben. Hört sich herzlos an bei einer Comedy um auf ihrem Lebensweg gescheiterten Frauen, ist aber so.

SLEEPY HOLLOW 

Ichabod Crane, Held des Abenteuerfilms von Tim Burton mit Johnny Depp und Christina Ricci, kehrt zurück. Leider in die Neuzeit. Neben diversen Anpassungsproblemen lauern dort der kopflose Reiter, weitere Kollegen der Apokalypse und überhaupt vom Teufel ausgesandte, gar schaurige Gestalten auf ihn.

Ersteindruck:

Vorweg: „Sleepy Hollow“ ist einer meiner Lieblingsfilme. Ich mag gar nicht drüber nachdenken, in wieviel verschiedenen Versionen (US-DVD, EU-DVD, ich befürchte auch HD-DVD, Blu-Ray) der in meiner Sammlung herumliegt. Eine tadellose, atmosphärisch dichte Gruselgeschichte mit ansprechenden, stimmigen Effekten. Mit der Serienvariante komme ich hingegen nicht so recht zurande. Das liegt zum einen am Zeitsprung: man stelle sich vor, es gäbe eine Terminator-Serie, in der der T-1000 mit Degen und Mantel herumfuchtelnd auf seine Gegner einsticht. Das würde den Fans ähnlich die Handflächen vors Gesicht treiben wie mir der Anblick des kopflosen Reiters, wie er mit einem Maschinengewehr auf Polizeibeamte ballert. Weitere Makel: die heillos zusammengekleisterte Story um biblische Offenbarung, Weltuntergang und Teufelsbrut, die nicht immer überzeugenden effect shots und die familienfreundliche Inszenierung (Enthauptungen? Gerne, aber danach bitte alles sauber abwischen). Tom Mison als Hauptfigur finde ich gar nicht mal schlecht. Dennoch geht mir das alles zu sehr in Richtung „Once Upon A Time“ oder „Grimm“, die ich ja beide längst abgesetzt habe.

Gucklistenstatus:

Nach zwei gesichteten Folgen, die beide nicht über die Wertung „durchschnittlich“ hinauskamen, sehr wackelig. Der Daumen geht derzeit klar nah unten, wahrscheinlich rollt nach Episode 3 der Kopf. Der Gastauftritt von John Noble („Fringe“) könnte da zu spät kommen.

THE CRAZY ONES

Erfolgreicher, aber schrulliger Werbefachmann und seine ambitionierte Tochter kämpfen um Kunden und bringen nebenbei Robin Williams und David E. Kelley („Ally McBeal“) wieder zurück auf die Fernsehbildschirme der Nation.

Ersteindruck:

Robin Williams ist einer meiner Lieblingsschauspieler. Ich weiß, entweder mag man ihn oder er geht einem tierisch auf die Nerven. Bei mir fällt er eben in die erste Kategorie. Und daher gehen auch alle die Kritiken an mir vorbei, die Sarah Michelle Gellar („Buffy The Vampire Slayer“) im Piloten prima fanden und Williams unerträglich. Sehe ich selbstverständlich komplett anders, von mir aus kann der alte Zottel Mork-Witze aus dem Jahr 1979 aufsagen, ich sitze mit einem Grinsen vor der Mattscheibe. Gellar hingegen war okay, nicht mehr. Dass der Pilot aber storymäßig mit seinem dezenten Hang zur Schleichwerbung für eine bestimmte Burgerkette und eine musikalisch vernachlässigbare Gewinnerin einer Castingshow bei weitem nicht auf vollen Touren lief, konnten auch die Ally McBeal-Gedenkeinstellungen nicht kaschieren.

Gucklistenstatus:

Ein „befriedigend“ von mir für den Piloten, aus dem okay bis netten Eindruck darf aber durchaus mehr werden. Der Cast, u.a. mit Hamish Linklater („The New Adventures of Old Christine“) kriegt allerdings schon mal ein „gut“, jetzt müssen nur noch die Drehbücher stimmen.

THE GOLDBERGS 

Comedy von Adam Goldberg, in der er sich an seine Jugendzeit und vor allem an seine Familie erinnert. Wo die Show „Wonder Years“ („Wunderbare Jahre“) damals die späten 60er und frühen 70er thematisierte, fährt „The Goldbergs“ nun dieselbe Schiene für die 80er.

Ersteindruck:

Wie kann man eine Show nicht mögen, die gleich zu Beginn Ausschnitte von „Karate Kid“ und „Alf“ zeigt? Die den wunderbaren Patton Oswalt als Erzählstimme des jungen Adam Goldberg vorweisen kann? Die den großartigen Jeff Garlin („Curb Your Enthusiasm“) als mürrischen Papa Goldberg hat, der als erste Handlung nach Feierabend die Hosen runterlässt und sich in weißen Unterhosen auf die Fernsehcouch setzt? Dazu noch die typisch übervorsorgliche Mutter (Wendi McLendon-Covey, „Reno 911“), der hippe Opa (George Segal, „Just Shoot Me“), der leicht dümmliche Bruder, die pubertierende Schwester. Herrliche Charaktere, die mich in ihrer humorvollen Herzlichkeit ein wenig an den „That 70s Show“-Vibe erinnern.

Gucklistenstatus:

Wegen des Wohlfühlfaktors dicke drauf. Glatte 5 Punkte für den Einstieg. Wer daran herumkrittelt, kann mit den 80er nichts anfangen oder hat einen Stein in der linken Brust. Könnte das in letzter Zeit langweilig werdende „The Middle“ beerben.

THE MICHAEL J. FOX SHOW 

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Beliebter Nachrichtenmoderator kehrt auf Bitten seiner Kollegen und Familie in seinen Beruf zurück, den er vor Jahren wegen seiner Parkinson-Krankheit aufgegeben hatte.

Ersteindruck:

Ich sag es frei heraus: nach den ersten Trailern hatte ich wirklich Angst, die Show zu sehen. Michael J. Fox ist der Held meiner Jugend und hat sich mit den „Back To The Future“-Filmen für mich unsterblich gemacht. Im Fernsehbereich war ich für „Family Ties“ noch zu jung, dafür habe ich später keine Folge von „Spin City“ verpasst. Dass Fox nun auf den Bildschirm zurückkehrt, ist großartig. Dass er sich von seiner Erkrankung, die ihn zweifellos zeichnet, nicht unterkriegen lässt, nötigt einem Respekt und Bewunderung ab. Dass er dabei die Krankheit als Teil der Show in Gags einbindet, ist mutig. Aber: würde ich wirklich lachen können, wenn mein einstiges Idol wegen seines Zitterns ungewollt die Notrufnummer wählt oder ihn die Familie foppt, weil er zu lange braucht, um die Salatschüssel beim gemeinsamen Abendbrot rüberzureichen? Fox selbst würde das mit Sicherheit wollen, aber ich befürchtete, dass ich mich damit schwertun würde. Irgendwo zieht an mir als Zuschauer eben doch das Mitleid und verhindert ein unbeschwertes Auflachen.

Nun, die Autoren haben mir die Entscheidung unbeabsichtigt einfacher gemacht. Denn ob man dem zitternden und wankenden Publikumsliebling nun mit oder ohne Behagen zusieht, die Gags zünden doch in weit geringerem Maße als dass es für eine gelungene Comedy reichen würde. Nein, es ist nicht schlecht, aber eben doch zu harmlos, der weitere Cast um Betsy Brandt („Breaking Bad“) und Katie Finneran („I Hate My Teenage Daughter“) müht sich, im Vergleich jedoch zu anderen Familienkomödien wie „Modern Family“ oder den Neustart „The Trophy Wife“ liegt man eben doch deutlich zurück.

Gucklistenstatus:

Bisher habe ich zwei Episoden gesehen und beide für durchschnittlich befunden. Ich bleibe noch die nächsten Folgen dran, aber ich denke, die Tendenz geht eher in Richtung Abschied.

TROPHY WIFE 

Familienvater heiratet zum dritten Mal, seine junge und attraktive Auserkorene darf nun ihre Rolle innerhalb der beiden nörgelnden ex-Ehegattinnen und insgesamt drei manipulativen Kindern finden.

Ersteindruck:

Mal abgesehen davon, dass ich mir unter dem Begriff „trophy wife“ bisher immer etwas anderes vorgestellt hatte, ist das eindeutig die bisher beste neue Comedyserie. Wo man hierzulande aus dieser Konstellation vor vielen Jahren dröge Zuschauerbetäubung à la „Ich heirate eine Familie“ destillierte, bauen die Amerikaner daraus eine wunderbar spritzige Komödie mit Charakteren, die einem sofort Spaß bereiten und in Erinnerung bleiben. Malin Akerman („Childrens Hospital“) gibt das blonde Gar-Nicht-Dummchen, Marcia Gay Harden („The Newsroom“) die herrlich spöttische Ärztin und ex-Gattin #1, Michaela Watkins („The New Adventures Of Old Christine“) die abgedrehte Esoterikerin und ex-Gattin #2. Dazu noch Bradley Whitford („Cabin In The Woods“, „West Wing“) als zwischen allen Familienfronten gefangener Vater und Ehemann sowie die nach „Modern Family“ beste Kinderschauspielerriege, die vor allem in der sehr guten zweiten Folge alle Register zieht.

Gucklistenstatus:

5 Punkte für den Piloten. 5,5 Punkte für die zweite Episode. Noch Fragen? Ein unverhoffter, weil von mir im Vorfeld nicht auf dem Radar gesichteter Spitzenreiter.

WE ARE MEN

Vier Männer in Ehe- und Beziehungskrisen ziehen gemeinsam in eine Hotelanlage und unterstützen sich dabei gegenseitig mit Rat und Tat.

Ersteindruck:

Wenn irgendwo auf der Welt ein Autor ein Skript für ein kurzlebiges Comedyformat erstellt, erscheint wie auf magische Art und Weise der Manager von Jerry O’Connell („Sliders“) und tritt in Verhandlungen ein. Und was ich im Piloten gesehen habe, bin ich mir sicher, dass Jerry auch diesmal kein Hitformat gebucht hat. Denn „We Are Men“ ist eine weitere Show, deren Hauptthema – die unerschütterliche Männerfreundschaft – bereits in zahllosen anderen Varianten („Men At Work“, „Men Of A Certain Age“, „Man Up!“, „Guys With Kids“) besser auf den Bildschirm gebracht worden ist. Harmlos ziehen die knapp 22 Minuten an einem vorbei, man lächelt müde über die Witze und die Figuren. Da kann selbst Tony Shalhoub („Monk“) als alternder Aufreißer oder Kal Penn („House M.D.“) als schüchterner Ausländer nichts mehr rausreißen.

Gucklistenstatus:

Muss nicht sein, dürfte wegen des Jerry O’Connell-Faktors auch nicht allzulange auf der Liste bleiben, wenn ich es wirklich nochmal sehen wollte.