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112 (November 2017)

17 Nov

Diesmal ist so ziemlich alles dabei, was man beim TV-Seriengucken an Emotionen durchleben kann. 80er Jahre-Nostalgie, ans Herz gewachsene Figuren, comichafter Spaß, frühzeitiger Abschied, verständnisloses Kopfschütteln, tiefe Enttäuschung und schließlich köstliche Fremdscham über einen alten, weißhaarigen Mann, der es einfach nicht mal gut sein lassen kann. Hier die aktuellen Staffelabschlusswertungen und Kurzeindrücke.

STRANGER THINGS (SEASON 2)

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War ja ein formidabler Hit, die erste Staffel um die 80’s-Nerdkids-Bande mit ihrer mysteriösen Power-Freundin Eleven, dem Demogorgon und der düsteren Parallelwelt Upside Down. Würde die zweite Staffel das Niveau halten können? Will Nancy eher mit Jonathan oder doch mit Steve? Und was zur Hölle ist jetzt wirklich genau mit Barb passiert?

Meine Gedanken zur Serie entwickelten sich beim Anschauen wie folgt:

Folge 1 und 2 = Hurra, „Stranger Things“ läuft wieder, die Kinder sind wie gehabt super, ist ja wie Heimkommen, Maxine „Madmax“ passt prima rein, aber ihr Bruder ist doof, sichere 5 Punkte.

Folge 3 = Ach, der Dustin, man muss ihn einfach gern haben. Der Bub hat aber auch nix aus der ersten Staffel gelernt und schiebt den nächsten großen Demogorgon-Huddel an. Mmmh, ein bisschen geht die Show mir doch zu sehr auf Nummer sicher, reißt
dafür aber die zuvor perfekt funktionierende Kombination aus Eleven und den Kids
auseinander. Ist ohne Zweifel immer noch okay, aber so richtig umhauen
tut es mich nicht. 4,5 Punkte

Folge 4 =  Okay, aus der D’Artagnan-Geschichte entwickelt sich erfreulich unterhaltsam Ungutes. Weil ich die Episode zuvor kritisch war, diesmal 5,5 Punkte.

Folge 5 =  Gut was los an allen Fronten. Eleven erfährt etwas über ihren Hintergrund, Jim und später Will stecken in Schwierigkeiten, 5,5 Punkte.

Folge 6 = Mmmh, irgendwie erzählen sie ja schon quasi dieselbe Geschichte noch einmal und stecken ein paar neue Charaktere rein. Ja, komm‘, eine 5,0 kann man noch ziehen. Die Tendenz geht langsam aber wieder zur 4,5 Punkte-Befriedigend-Wertungskarte.

Folge 7 = Okay, das werden jetzt definitiv wieder nur 4,5 Punkte

Folge 8 und 9 = Ach, jetzt drehen sie doch noch ordentlich hoch. Action, Drama, Eleven räumt auf,  zusätzlich wärmen diverse herzige Momente meine alte, schwarzverkrustete Blutpumpe. Zweimal 5,5 Punkte. Billy aber war wirklich ziemlich unnötig. Für die nächste Staffel bitte etwas mehr Neues einfallen lassen.

Man erahnt es: Die ganz hohen Wertungsweihen bekommt „Stranger Things“ bei mir diesmal nicht mehr. Trotzdem waren die 9 Folgen gute Unterhaltung, die sich erneut aus den schauspielerischen Leistungen der jungen Darsteller speiste, aber eben mehr leicht veränderte Variante der ersten Staffel denn ein neues, eigenständiges Abenteuer war. Die letzten beiden Episoden haben mich aber dann doch endgültig wieder versöhnt und die Show in sichere „Gut“-Gefilde gehievt.

GESAMTWERTUNG: 5,31 Punkte (gut)

ATYPICAL (SEASON 1): 

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Für mich ein absoluter Geheimtipp im Portfolio von Netflix. Dramedy ist normalerweise nicht so sehr mein Ding. Bei „Atypical“ jedoch sind mir die Charaktere frühzeitig dermaßen ans Herz gewachsen, dass das Thema „Autismus, der Drang nach Unabhängigkeit und seine Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien“ mir als Zuschauer mit Leichtigkeit, Charme und Witz nahegebracht wurde. Sam (Keir Gilchrist), seine Schwester Casey (Brigette Lundy-Paine), der unglaubliche Zahid (Nik Dodani) sowie die unerschütterliche Paige (Jenna Boyd) sind schlicht wunderbare Figuren, deren Schauspieler/innen mir bis dato komplett unbekannt waren und die mich mit ihrem Talent in ihren Bann gezogen haben. Dicke Guckempfehlung von mir. Weil die Staffel nur 8 Folgen enthielt und mein Wertungssystem eher auf mehr Episoden angelegt ist, runde ich auf „sehr gut“ auf.

GESAMTWERTUNG: 5,45 Punkte (sehr gut)

ME, MYSELF AND I (SEASON 1)

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Alex Riley steht in „Me, Myself and I“ gleich dreifach im Mittelpunkt: Einmal 1991 als 14-jähriger Neuankömmling in einer Stieffamilie (Jack Dylan Glaser, aktuell im „IT“-Remake zu sehen), einmal als frisch geschiedener 40-jähriger Erfinder (Bobby Moynihan, „Saturday Night Live“) in der Gegenwart und schließlich als 65-jähriger Pensionär (John Laroquette, „Night Court“), in der Zukunft anno 2042, der eine alte Flamme wieder für sich entfachen will. Mehr Zeitsprünge kann man nicht in knapp 20 Minuten packen.

Wurde nach 6 Episoden abgesetzt, was ich angesichts mancher von sich hindümpelnder Comedy („The Last Man On Earth“, „The Good Place“) schon ein wenig schade fand. Den guten John Laroquette kann zumindest ich mir immer wieder ansehen, auch die anderen Castmitglieder (u.a. Jaleel „Urkel“ White in einer Nebenrolle) kamen durchgehend sympathisch rüber. Eventuell scheiterte die Show daran, dass sie sich stets um einen herzerwärmenden, wohligen Abschluss einer Episode bemühte, in dem das hohe Loblied auf Familie, Freunde und elterliche Fürsorge gesungen wurde.Wenn ich etwas zu sagen hätte, dürfte eine Show, die in einer Folge über zwei Zeitebenen „Star Wars“ zum Thema hat, nicht voreilig abgesetzt werden. Aber auf mich hört ja keiner.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 4,75 Punkte (befriedigend)

STATUS: vom Sender CBS abgesetzt

 
GET SHORTY (SEASON 1)

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Ziemlich genau „Gut“, aber dann doch eben nicht mehr. So lautet das Wertungsfazit zur ersten Season von „Get Shorty“. An den Darstellern lag es kaum, dass es nicht weiter darüber hinaus ging, schließlich gehören Chris O’Dowd („The IT Crowd“) und Ray Romano („Everybody Loves Raymond“) zu meinen TV-Lieblingen. Es ist eher die Story, die zwar ihre dramatischen bis komischen Momente hat, aber gegen Ende nicht für einen Knaller sorgen kann. Da hatte ich mir gerade für den Plot um den Drehstart eines historischen Liebesdramas mit der Unterstützung durch eine Mafiapatin und ihre Killer etwas mehr Ertrag erhofft. Eine zweite Staffel ist gesichert, vielleicht geht es dann über die Punktlandung auf der 5,0 hinaus. 

GESAMTWERTUNG: 5,00 Punkte (gut)

RICK AND MORTY (SEASON  3)

Manche fanden diese dritte Staffel wie gehabt überragend, manche zogen sich schmollend auf die „Worst Season“-Wertungsinsel zurück. Ich liege da eher in der Mitte, weil ich einerseits die famos abgedrehten Highlights wie „Pickle Rick“ oder das Gespann Rick & Jerry zu schätzen weiß. Andererseits aber auch bei den Episoden „Rickmancing The Stone“, „Rest And Ricklaxation“ oder dem Finale „The Rickchurian Mortydate“ nur eher müde lächeln konnte. Mein Fazit: Die Show hat noch Saft im Tank, für die nächste Staffel könnte man aber gern mehr von dem durchweg leckeren Gagkonzentrat anbieten.

GESAMTWERTUNG: 5,25 Punkte (gut)

 
THE DEUCE (SEASON 1)

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Autor und Produzent David Simon („The Wire“) nimmt uns mit ins New York des Jahres 1971. Genauer gesagt auf die „The Deuce“ genannte 42nd Street, die Querachse mitten durch Manhattan, in der die Sexindustrie ihren Anfang nahm. Hier ist die Bühne der Prostituierten und ihrer aufgetakelten, stets mit Motivieren und Geldzählen beschäftigten, schwarzen Zuhälter. Und der Bars, wo der brutale Alltag mit Alkohol erträglich gemacht und sich ausgetauscht wird. Auf der anderen Seite steht die Polizei, die den Umtrieben Einhalt gebieten will – sofern keine Bestechungsgelder fließen. Wir folgen u.a. der alleinerziehenden Mutter Candy (Maggie Gyllenhaal), die nachts ihren Körper verkauft, aber ohne Zuhälter durchkommen will, und dem Brüderpaar Martino (James Franco in einer Doppelrolle), das – unterstützt von einem Mafiosi – im Kneipen- und im aufkommenden Pornogeschäft Fuß fassen möchte. Denn es ist die Zeit, in der die Bumsbilder das Laufen lernten.

Ein mit präzisem Pinselstrich gezeichnetes Sittengemälde mit authentischen Dialogen, einem eindringlichen Blick auf das Geschäft mit Sex und einer Darstellerriege (allen voran Miss Gyllenhaal), die alles gibt und zeigt. Wem das reicht, dem sei gesagt: Alles prima, alle zufrieden, bitte gucken.

Halt, jetzt kommt doch noch ein Absatz. Denn bei all dem vorherigen Lob fehlte mir dann eben doch etwas: Nämlich Spannung und Dynamik. „The Deuce“ legt mehr Wert auf die Kraft der Bilder und Dialoge, ansonsten passiert – bis auf je einen Tod gegen Ende zweier Episoden – nicht so sonderlich viel. Um es bildlich zu formulieren: Die Show hat keine Lunte, die ab einem gewissen Zeitpunkt das Dynamitfass der Story zum Explodieren bringt. Sie brodelt eher in den Abgründen der Sexualtriebabfuhr vor sich hin. Was mir die Wertung um einiges erschwert hat. Letztlich zog ich ein paar Mal die 5,5, hauptsächlich reichten aber die glatten 5 Punkte. Von daher erklärt sich die etwas niedriger angesetzte Gesamtnote.

GESAMTWERTUNG: 5,23 Punkte (gut) 

9JKL (SEASON 1)

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(Eine Besprechung für alle, die wissen wollen, ob ich auch mal richtig schlechte Serien gucke) 

Frisch geschiedener Mann kehrt zurück nach New York und wohnt im Appartement mit der Nummer 9J. Seine unmittelbaren Nachbarn: die peinlichen Eltern (9K) und der peinliche Bruder (9L). Deren stetes Aufeinandertreffen soll für komische Momente sorgen. Oder wie der Ami sagt: hilarity ensues.

Tut es aber nicht. Ich habe selten eine Show gesehen, die so verzweifelt bemüht ist, komisch zu sein und in allen Bereichen scheitert. Alleine wie der ehrwürdige Film- und Fernseh-Veteran Elliott Gould („Ray Donovan“, „M.A.S.H.“, „Ocean’s Eleven“) in seiner Rolle als Vater der Lächerlichkeit preisgegeben wird, ist ein Trauerspiel. Durchweg alle Charaktere sind nervig und erwecken keine Sympathie beim Zuschauer, was eben auch für den Hauptdarsteller Mark Feuerstein („Nurse Jackie“) gilt. Ich denke nicht, dass dies im Sinne der Macher war. Ich für meinen Teil musste mir nach dem Piloten ein paar Episoden „Everybody Loves Raymond“ anschauen, um langsam aus dem Kopfschütteln herauszukommen.

PILOTWERTUNG: 3,0 Punkte (mäßig) 

GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

CURB YOUR ENTHUSIASM (SEASON 9) 

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Larry ist wieder da. Und er hat zu meiner großen Freude nichts gelernt. Irgendwo zwischen peinlicher Berührtheit, vom Zuschauer flehentlich, aber natürlich erfolglos gemurmeltem „Lass doch gut sein, Larry“ und heimlicher Bewunderung, dass der alte Mann sagt, was wir alle gerne sagen würden, liegt das Erfolgsrezept von „Curb Your Enthusiasm“. Von der Vorgängerstaffel aus dem Jahr 2011 war ich damals schon ein wenig enttäuscht: zu bemühte, zu künstliche Wendungen, keine schreiend komischen Momente, viel Plauschgeplänkel. Deutliche Abnutzungserscheinungen waren zu beklagen.

Für die aktuelle Staffel darf ich aber Entwarnung geben. Die lange Pause hat der Show offensichtlich gut getan, es macht wieder Spaß, dem „Seinfeld“-Miterfinder zuzusehen, wie er in jeder Runde aneckt. Sei es das galante Unterschieben unfähiger Assistenten („Foisted!“), das Verfassen von absichtlich fehlgeleiteten Nachrichten („The Accidental Text On Purpose“) oder die hohe Kunst des „Es-sich-Verscheißens“ mit Hotelbediensteten, Kfz-Mechanikern, Soldaten, Postbotinnen, iranischen Würdenträgern sowie Golfclub-Schrankenwärtern – die neue Staffel bietet wieder die klassischen Momente, für die man die Serie liebt. Läuft auf eine sehr gute Abschlusswertung hinaus.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 7 EPISODEN: 5,36 Punkte (gut)

 
THE WALKING DEAD (SEASON 8) 

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Liebes „The Walking Dead“-Produktionsteam,

Ihr macht momentan einfach alles falsch. Es ist offensichtlich, dass Ihr meinen Blog nicht lest. Tätet Ihr es doch, müsste ich schwer beleidigt sein, denn dann würdet Ihr mit voller Absicht all das in den Mittelpunkt stellen, was mich an eurer Show nervt und ermüdet.

Ich fand das Finale der letzten Staffel furchtbar. Unlogisch, mit dumm handelnden Figuren, ohne echten Payoff. Ein ausgestreckter Zeigefinger in Richtung Zuschauer. Von Shivas Auftritt will ich gar nicht anfangen.

Was macht Ihr? Setzt es gleich im Auftakt qualitätsmäßig konsequent schlecht fort.

Die Nebenfiguren der Show sind meiner Meinung zu allergrößten Teilen so unnötig, dass ich mir nicht mal die Namen merken kann.

Ihr stellt die Kämpfe der Nebenfiguren in den Vordergrund.

Den Charakter Negan hielt ich noch für den Faktor, der die Show in der vorigen Staffel vor trübster Langeweile gerettet hat.

Ihr lasst ihn bisher nur einmal kurz auftreten, nachdem Ihr ihn letzte Staffel schon gut demontiert hattet.

Ich kann mit König Ezekiel und seinem majestätischen Rumgeschwurbele null anfangen.

Ihr widmet ihm den Großteil einer Folge.

Kommt mal bitte wieder in die Spur. Sonst habt Ihr mich als durchaus leidensfähigen Zuschauer verloren. Und wehe, Ihr bastelt eine Folge, die sich komplett um Eugene dreht. Dann bin ich schneller weg als Michonne ihr Katana ziehen kann.

Mit freundlichen Grüßen,



DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 3,75 Punkte (unterdurchschnittlich)

 
YOUNG SHELDON (Season 1)

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„The Big Bang Theory“ bin ich ja vor ein paar Staffeln endlich entkommen, weil ich es einfach nicht mehr ertragen konnte, wie abgrundtief die Serie gefallen war. Von daher hatte ich nicht allzu große Erwartungen an „Young Sheldon“. Den üblichen Einleitungsabschnitt mit der Inhaltsangabe kann ich mir an dieser Stelle schenken. Es sind halt die Jugendjahre von Sheldon Cooper in Texas. Der kleine abgehobene Streber weiß und kann alles besser, lebt in seiner eigenen wissenschaftsbezogenen Welt, wodurch er alle in seiner Umgebung erschüttert und sich den Aufbau sozialer Bindungen erschwert.

Positiv aufgefallen ist mir Sheldons Schwester Missy (Raegan Revord), für die die Autoren ein paar erfreulich trockene Sprüche ins Drehbuch geschrieben haben. Ansonsten läuft die Show zuverlässig auf der „Du bekommst, was du erwartet hast“-Schiene. Insgesamt ordentliche Unterhaltung, die dritte Episode sogar durchaus gut, allerdings bleibt abzuwarten, ob diese Masche über eine komplette Staffel hindurch trägt.



DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 4,66 Punkte (befriedigend)

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111 (September 2017)

29 Sep

Viele, viele bunte Ersteindrücke gibt es diesmal. Aber auch zwei durchgeguckte Staffeln. Aktuell sorgt mein lausiges Freizeitmanagement leider dafür, dass selbst hochwertige Kost wie die fünfte Staffel von „Ray Donovan“ oder sogar „The Deuce“ von den „The Wire“-Machern auf Halde liegt.

Hier also das, was ich zeitlich in den Programmplan einbauen konnte.

THE ORVILLE (SEASON 1)

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Die Erde, 25. Jahrhundert, Sternzeit null, komma null Ahnung. Captain Ed Mercer (Seth MacFarlane, „Family Guy“) bekommt seine Chance, Karriere zu machen. Seine Vorgesetzten geben ihm das titelgebende Forschungsraumschiff, eine Crew mit lockeren und unlockeren Charakteren plus seine in Ungnaden geschiedene ex-Gattin als Ersten Offizier. Beste Voraussetzungen für schief laufende Abenteuer, die mit Witz und Herz nochmal gerade gebogen werden.

Vorab: Das ist kein „Family Guy“ im Weltall. Was angesichts der Laufzeit von über 40 Minuten und der berüchtigten MacFarlane’schen Gag-Trefferquote auch hart geworden wäre. Als erstes fällt auf, wie ehrfurchtsvoll die Trademarks der 80er und 90er Star Trek-Serien kopiert werden. Majestätische Intromusik, edel geschwungene Raumschiffe, das Interieur aus der Next- Generation-Baureihe liebevoll nachgeklöppelt, Freunden von Deep Space 9 dürfte die Bösewichtrasse der Krill optisch bekannt vorkommen (Stichwort: Jem’Hadar), ja sogar die Stimme des Wissenschaftsoffizier-Androiden bemüht sich um einen geflissentlichen Mr. Data-Duktus, so dass ich sicherheitshalber nachsehen musste, ob sich Brent Spiner nicht ein kleines Zubrot verdient hat (kein so ehrenrühriger Gedanke, sind doch mit Brannon Braga, Jonathan Frakes oder Robert Duncan McNeill einige Star Trek-Alumni etwa hinter der Kamera involviert). Die Anwälte von Paramount Pictures jedenfalls müssen wohl gerade geschlossen auf Betriebsausflug mit Weltenzerstörungs-Safari in einem Borg-Kubus sein, dass sie diese Ähnlichkeiten durchgehen lassen.

Am meisten Spaß mit der Show haben sicher jene, die sich bei Picard und Co. immer schon die Frage gestellt haben, ob das ganze hochgestelzte Sternenflottengehabe mit ein paar lockeren Sprüchen, ein bisschen Flapsigkeit, ein wenig Bro-mance, ja auch gerne mal einem behutsam eingeschenkten Pimmelwitz nicht deutlich unverkrampfter und damit schlicht noch besser wäre. Okay, man muss der Show anrechnen, dass sie bei weitem seltener als befürchtet in die Kalauerkiste greift. Und – anders als noch im Piloten – etwa mit der dritten Episode fast durchgängig ein ernsthaftes Thema abarbeitet und sich einen mutigen Ausgang der Geschichte traut.

Trotzdem hat „The Orville“ mich noch nicht für sich einnehmen können.

Die Gründe: 1.) MacFarlane ist nun mal – siehe seine Film-Biografie – kein sonderlich guter Schauspieler. 2.) Der Humor wirkt auf mich zu oft reingepresst nach dem Motto: „Hoho, der Gag wäre bei Star Trek aber nicht durchgekommen“. 3.) Die Drehbücher schließlich vermitteln bisher den Eindruck, als hätte jemand die besten abgelehnten Star Trek-Scripts aufgekauft und Seth dann Witzchen reingemalt. Meine Wertung soll Folgendes ausdrücken: Nicht schlecht, vielleicht sogar besser als befürchtet, aber doch noch weit von der Aufnahme ins Q-Continuum entfernt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 4,50 Punkte (befriedigend)

STAR TREK: DISCOVERY (SEASON 1)

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And now… the real thing.

Also zumindest das, worunter sich die Rechtsinhaber vorstellen, wohin es mit dem Franchise gehen soll. Über 12 Jahre nach dem Ende der letzten Star Trek-Serie präsentiert CBS die Abenteuer der U.S.S. Discovery. Zeitlich spielt die Show etwa 100 Jahre vor Kirk, Spock und Pille und beleuchtet in der ersten Episode ein wenig erfreulich verlaufendes Aufeinandertreffen mit den Klingonen, deren 24 Stämme sich unter einem neuen Anführer vereinen. Auslöser und mittendrin im Schlamassel: die Crew der U.S.S. Shenzhou unter der Führung von Capt. Philippa Georgiou (Michelle Yeoh, „Tiger & Dragon“) und ihrem Ersten Offizier Michael Burnham (Sonequa Martin-Green, „The Walking Dead“).

Optisch sieht das schon mal sehr beeindruckend aus und orientiert sich stark am Aussehen der letzten Kinofilme. Als Zuschauer darf man in diesem Moment halt schlicht nicht daran denken, wie sich das Design in einem Jahrhundert dramatisch verändern wird. Auch die Klingonen sehen verändert, – passend zu ihrem eher grummeligen Wesen – noch verkniffener im Gesicht aus und sind mit einer quälend langen Aussprache ausgestattet, die so manchen US-Zuschauer zusammen mit dem Lesen der Untertitel bereits zum Abschalten nötigen könnte. Einen klaren Minuspunkt für mich kann ich jetzt schon ausmachen: Das Titelthema bleibt zumindest mir nicht im Ohr hängen.

Die eröffnende Doppelfolge lässt sich zunächst viel Zeit, um die Figur der Michael Burnham und ihren Hintergrund vorzustellen, aufgelockert durch ein bisschen Anomalie-Erforschung. Bis es schließlich zu einer großangelegten Konfrontation gelangt, in deren Verlauf einiges an Maschinerie, Ethikvorstellungen und leider auch Logik zu Schaden kommt. Letzteres führte fast dazu, dass ich mit meiner Wertung doch noch ins „befriedigend“ abgerutscht wäre. Weil die erste Episode allerdings als eine Art Prolog funktioniert, zeige ich mich mal gnädig, zumal mir Optik, Ausstattung, schauspielerische Leistungen und Spezialeffekte insgesamt gut gefielen. Wir erinnern uns: Der Auftakt zu „Star Trek: Next Generation“ war damals ja auch eher holprig und es wurde noch eine großartige Serie daraus. Noch den Vorfreude-Bonus auf neue, nicht kopierte SciFi draufgepackt, lande ich bei:

ERSTEINDRUCK: 5,0 Punkte (gut)

ATYPICAL (SEASON 1)

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Da muss ich mich vorab bei Leser, Blogger und Metalbruder im Geiste Alph bedanken, der mich in den Kommentaren auf diese Serie hingewiesen hat.


Sam Gardner (Keir Gilchrist) ist 18, liebt die Antarktis samt Pinguinen und beschließt, sich jetzt eine Freundin zu suchen. Nicht ganz so einfach, wenn man Autist ist. Aber nichts, was man mit Unterstützung von  Schwester (Brigette Lundy-Paine), den Eltern (Michael Rapaport, „The War At Home“ / Jennifer Jason Leigh, „The Hateful 8“) und Therapeutin Julia (Amy Okuda, „The Good Place“) nicht doch hinbekommt.

„Atyical“ ist keine klassische Comedy, sondern fällt in die Kategorie
Dramedy, deren Vertreter schon in erschreckend hoher Zahl zuverlässig an mir abgeprallt sind. Hier aber habe ich Sam und all die anderen Charaktere direkt von der ersten Episode an in mein Herz geschlossen. Liebenswert, schrullig, witzig.

Zu meiner Schande bin ich trotz meiner Begeisterung erst bei der zweiten von gerademal acht Episoden. Gut möglich, dass ich mir die Show unbewusst aufspare, denn ich glaube, dass hier ein echter Geheimtipp lauert. Für den Moment:

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,30 Punkte (gut)

 

GHOSTED (SEASON 1)

Ghosted-Banner

– hey dude, was geht?
– alles locker, bro. und bei dir?
– mega. hab eine smoothe idee für ne show. interested?
– sag an, bro!
– also: 1 genialer, aber para-abgefuckter wissenschaftler und 1 ex-cop werden von geheimer orga recruitet, um unerklärliche mysteries zu erforschen. mit aliens, geistern, gespenstern und so shice.
– alter! wie men in black, akte x und den angeschleimtem hoschis, die wo jetzt bitches sind
– ghostbusters. abba sowas von , yo!
– krass.
– yo. wir zwei also voll die lauchboys, bau’n shit, sind voll am abcreepen und whinen. so funny! dann noch zwei cgi-effekte und fertig ist die lotte
– haste schon ’n script am start?
– nö. is‘ eh bullshit, das machen wir on the fly beim abcreepen und whinen. haha, das wird so derb.
– word. mach ich mit. wo sellen wir den shit hin?
– fox. die nehmen alles, kein stress, mann. nur gechillte dudes dort. lassen uns auch executive producen
– fett. das wird so episch, die crowd wirds abfeiern, alle nur am lolen, weil hey wir sind so funny

So muss das gewesen sein, als Adam Scott („Parks And Recreation“) und Craig Robinson („The Office“) auf die Idee zu „Ghosted“ kamen. Ich mag die beiden Kerle ja und bin mir sicher, dass sie eine riesig spaßige Zeit beim Dreh hatten. Aber für die Pilotfolge, in die man vor dem offiziellen Start im Oktober reinschauen konnte, hätte es vielleicht jemanden gebraucht, der weiß, worüber Zuschauer und nicht nur die Darsteller samt Crew lachen.

ERSTEINDRUCK: 3,5 – 4,0 Punkte (unterdurchschnittlich – durchschnittlich)
PHILIP K. DICK’S ELECTRIC DREAMS (SEASON 1)

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Kurz vor dem Start von „Blade Runner 2049“ (Ich sag’s euch: Dennis Villeneuve wird eines Tages den Kinofilm retten) präsentiert Channel 4 eine jeweils von einer abgeschlossenen Kurzgeschichte von Philip K. Dick inspirierte Serie – dessen „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ bekanntermaßen die Grundlage von „Blade Runner“ bildete. Den Auftakt macht „The Hood Maker“, in dem die junge Gedankenleserin Honor (Holliday Grainger, „The Borgias“) ihren Dienst bei der Polizei unter der Obhut von Agent Ross (Richard Madden, „Game Of Thrones“) antritt.

Düsteres, dystopisches Setting, zynisch trockener Humor – die Warenzeichen des Autoren Dick sind schon mal an Bord. Es fehlt eigentlich nur der Dauerregen und der hochgezogene Trenchcoat. Ebenfalls etwas vermisst habe ich ein richtig fettes Produktionsbudget, welches, richtig eingesetzt, einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte. So muss man sich als Zuschauer schwerpunktmäßig an der Qualität der Story festhalten. Die für den Auftakt in Ordnung ging, mich aber noch nicht vom Verhörtisch hauen konnte. Alleine schon wegen der angekündigten Gaststars wie Steve Buscemi, Bryan Cranston und Liam Cunningham bleibe ich jedoch selbstverständlich dran.

ERSTEINDRUCK: 4,5 Punkte (befriedigend)
THE TICK (SEASON 1)

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In einer Welt, in der man sich an Superbösewichte und Superhelden gewöhnt hat, liegt die Hoffnung der Welt auf einem nervösen Buchhalter (Griffin Newman, „Vinyl“) und einer blaugewandeten Riesenzecke (Peter Serafinowicz, „Running Wilde“).

 

Ich und Superhelden, man kennt die Geschichte. Höchstselten kommen wir beide zusammen, aber das hier ist angenehm schräg und witzig. Die bisher gerade mal 6 Episoden lassen sich locker leicht schmunzelnd weggucken, Griffin Newman gäbe einen prima Morty für eine Realverfilmung von „Rick and Morty“ ab, während Peter Serafinowicz in getragenem Tonfall seltsame Sprüche vorträgt und beide später auf einen brummeligen Superhelden mit schwer schnippischem Sicherheitssystem treffen. Noch die charmante Valorie Curry als Schwester des Tick-Assistenten als Bonus drauf und schon reicht das insgesamt für ein knappes „Gut“.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 5,05 Punkte (gut)

OUTCAST (SEASON 2)

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Die erste Staffel der Gruselserie aus dem Fingern von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman hatte mir überraschend gut gefallen (5,25 Punkte). Nicht zu heftiger Horror, aber das Beste mit den zur Verfügung stehenden Mitteln herausgeholt, dazu ein gut besetzter Cast einschließlich der Kinderdarsteller und natürlich der angenehm an den Nerven zerrende Soundtrack von Atticus Ross.

Staffel 2 fällt demgegenüber ein gutes Stück ab. Die Stärken sind weiterhin vorhanden, aber man wünschte der Show an vielen Stellen den Aufwand bezüglich der blutig-ekeligen Spezialeffekte, der eben bei einem „The Walking Dead“ gerne mal betrieben wird. Den dramatischen Exorzismus-Atemaustausch-Durchschüttler kann ich nämlich langsam nicht mehr sehen. Leider erschafft man unter diesen Umständen auch einen eher preiswert aussehenden, großen Schlussakt im Finale. Immer noch durchaus unterhaltsam, aber weniger erinnerungswürdig.

GESAMTWERTUNG: 4,85 Punkte (befriedigend)