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90 (September 2015)

22 Sep

Endlich wieder Kernkompetenz und keine langweiligen Spieltagslyriken oder viel zu dröhnige IniRadios. Just diese Woche startet in den USA die neue Hauptsaison und ich habe noch nicht mal die letzte offiziell abgeschlossen. Also hurtig zur Rezension gespurtet:

HANNIBAL (SEASON 3)

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Als Einleitung krame ich mal hervor, was ich vor knapp 7 Jahren zum Thema „Das perfekte Dinner“ auf VOX geschrieben habe:

Und nein, beim perfekten Dinner würdest du mich nie sehen. Ich finde das peinlich, wie die alle zusammensitzen und fröhlich sind, aber wehe, es geht dann an die Wertung. Kaum sind sie allein und die Kamera an, kriecht bei allen der Mäkelnazi hervor:

„Also das Essen war ja ganz gut, aber mir fehlte es einfach am Ambiente“ – sowas habe ich tatsächlich mal in der Sendung gehört.

„DANN BRING DIR DOCH EIN TÖPFCHEN KRESSE MIT, HÄNG ES DIR UM DEN HALS UND MAL DIE TAPETE MIT FINGERFARBEN AN, DU BLÖDE KUH“ habe ich den Fernseher angeschrien. Vielleicht hab ich einfach zuviel Respekt und Anstand vor Leuten, die sich die Mühe machen und mich bekochen. Okay, ich esse auch so ziemlich alles, was in diesem Falle eine sehr positive Eigenschaft von mir ist, möchte ich meinen.

Dessen eingedenk müsste ich eigentlich auf die hoffnungsvolle Frage meines Gastgebers Hannibal L., ob mir denn der dritte Gang gemundet hätte, ein sattes „Oh ja, war wieder ganz feinifeini“ aufstoßen. Aber diesmal ist es anders. Die dritte Staffel war zweigeteilt, wobei knapp die Hälfte sich mit der Geschichte um den Great Red Dragon beschäftigte. Um es kulinarisch auszudrücken: Mir war da deutlich zu wenig Fleisch dran, um satte 6 Episoden damit zu füllen. Das zog sich hin, die Perkussions-Sounds nervten, die Dialoge trieben auf selbstverliebt-berauschtem Niveau. Der Anfang der Season fand noch mein uneingeschränktes Wohlgefallen, auch wenn ich es schade fand, dass man die Rolle des Mason Verger neu besetzt hatte. Michael Pitt brachte mir einfach einen Schuss mehr Eigengruseligkeit rein.

Summa summarum sorgte das Wertungsgefälle in den letzten Episoden (meist zog ich Wertungen zwischen 4,0 und 4,5), dass diese Staffel erstmals nicht 5 Sterne erhält. Das Finale konnte sich zwar steigern, aber ein Höhepunkt der Serie war es meiner Meinung nicht. Und sobald ich meine Ritterrüstung angepasst habe, sage ich das Hannibal auch persönlich. Versprochen.

GESAMTWERTUNG: 4,75 Punkte (befriedigend)

THE BRINK (SEASON 1)

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Die erste Comedy-Show, bei dir ich dran geblieben bin, weil ich die Story spannend fand und wissen wollte, wie es ausgeht. Wohlgemerkt: nicht lustig, sondern spannend. Wahrscheinlich treten bei mir in diesem Fall urzeitliche „24“- und „Homeland“-Instinkte zutage. An meinem Eindruck vom letzten Seriencheck hat sich nichts geändert: Der Humor holte mich schmerzlich oft leider nicht ab, obwohl das Storygerüst und der Cast so verdammt viel an Potenzial hatten.

GESAMTWERTUNG: 4,30 Punkte (durchschnittlich)

TRUE DETECTIVE (SEASON 2)

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Den für mich besten Gag dieser Emmy-Awards brachte Gastgeber Andy Samberg, als er die „depressive Gitarristin aus True Detective“ als Teil der Showband präsentierte. Die hatte ich in meiner Besprechung glatt vergessen zu erwähnen. Eine kultige Figur, die mich zwar quälte, aber auch meinen gefühlten Eindruck vom größten Teil der Episoden widerspiegelte.

Okay, genug gelästert. Denn die letzten beiden Folgen wussten doch noch einigermaßen zu entschädigen. Vor allem das überlange Finale, welches ich lange hatte herumliegen lassen, gefiel mir sehr gut. An der zuschauerunfreundlichen Hartbrockigkeit der Story konnte man zwar immer noch verzweifeln und -beim Seriengott-, mein Albtraum wäre es immer noch, vor versammelter Klasse ein Referat über die Geschichte von True Detective S2 zu halten, aber immerhin brachte das Ende sehr viele beeindruckende Momente, ordentlich Action und auch ein bisschen Heulseligkeit meinerseits.

Ich hatte ja prophezeit, dass die Show diesmal Schwierigkeiten bekäme, überhaupt ins „Befriedigend“ zu rutschen. Dank des gelungenen Abschlusses ist dies aber tatsächlich noch geglückt. Trotzdem: Für das nächste Mal dem Zuschauer einen roten Faden zum Entlanghangeln bieten, keine Dialoge über Personen, die man für zwei Sekunden in einer Einstellung gesehen hat und einfach mal auf den Punkt kommen. Dann wird das auch wieder.

GESAMTWERTUNG: 4,68 Punkte (befriedigend)

MR. ROBOT (SEASON 1)

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Wo gerade von Emmys die Rede war: Diese Show muss nächstes Jahr in jedem Fall unter den Nominierten auftauchen. Denn keine Serie hat mich in den letzten Monaten so überrascht, verdreht und beeindruckt wie Mr. Robot. Zusätzlich hat sie als Nebeneffekt meine IT-Sicherheitsstandards erheblich erhöht. Ich brenne alles auf DVDs, schmeiße Festplatten und USB-Sticks regelmäßig in die Mikrowelle, bei Facebook mache ich eh lange schon nichts mehr und meine Passwörter sind mindestens 45 Zeichen lang (inklusive Ziffern, Unterstrichen und Sonderzeichen). Denn Gott sieht zwar alles, aber Elliot Alderson weiß alles. Sofern es irgendwo im Netz herumschwimmt.

Meine Lobeshymnen vom letzten Seriencheck könnte ich jetzt fortführen. Besonders zu würdigen ist die Tatsache, dass der Show nach dem überragenden Einstieg, an dem die darauffolgenden Episoden etwas zu knabbern hatten (weshalb auch die Höchstwertung noch nicht drin war), im letzten Drittel nochmals eine Steigerung gelingt und sie richtig abliefert. Ich werde hier nichts spoilern, aber wenn mich alten Serienhasen vor der Veröffentlichung einer einzelnen (verschobenen) Episode nochmal das große Kribbeln der Vorfreude packt, ist das schon etwas Besonderes. Wer beim Thema „Cyberpunk“ und „Hackerkultur“ nicht gerade umschaltet, um sich vom Videotext informieren zu lassen, wird blendend unterhalten.

GESAMTWERTUNG: 5,90 Punkte (sehr gut)

RICK AND MORTY (SEASON 2)

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Erst die zweite Staffel und quasi schon ein Selbstläufer. Rick and Morty ist für mich der noch einen guten Tick verrücktere Futurama-Ersatz und bei weitem die beste Animated Comedy auf meinem Serienguckplan. Nirgendwo werden seltsamere, erfrischend wahnwitzige Ideen präsentiert und ausgearbeitet, liebevoll Filme parodiert und in noch abgedrehtere Versionen verzerrt. Allein für den Reichtum an Skurrilitäten muss man die Show von Justin Roiland und Dan Harmon lieben. Was mittlerweile bei mir dazu führt, dass ich bei der Bewertung nur die Wahl zwischen den 5, 5,5 oder 6 Punkten habe. Die Höchstnote fehlt bisher noch, aber da bin ich guter Dinge.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SIEBEN EPISODEN: 5,24 Punkte (gut)

RAY DONOVAN (SEASON 3)

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Ray Donovan ist auch wieder am Start und nach 10 von 12 Episoden kann ich jetzt schon sagen: Er ist endlich erneut in Top-Form. Keine langweiligen Nebenhandlungen um Journalistinnen, keine schmerzvollen „Wunderkind-HipHop“-Stories, sondern ordentlich „Daddy Mickey baut Mist“ plus Drama um die Donovan-Brüder Ray, Bunchy und Terry, die mir mittlerweile richtig ans Herz gewachsen sind. Obendrauf noch Ian McShane als Gaststar in dieser Saison, da konnte ja fast nichts mehr schiefgehen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 10 EPISODEN: 5,40 Punkte (gut)

THE STRAIN (SEASON 2)

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Da mache ich es kurz, weil die ersten Folgen der neuen Saison waren lang. Ich guck es nicht mehr. Die erste Staffel ließ nach einem appetitanregenden Beginn, der sogar mich als Vampir-Jetzt-echt-nicht-so-gut-Finder überzeugen konnte, leider doch mit voranschreitender Zeit nach. Es häuften sich die Ausflüge ins Trashige, manche Figuren nervten, am Ende langte es infolgedessen knapp nicht für das „Gut“. Schuld daran war auch ein eher wenig aufrüttelndes Finale. Und bereits mit der ersten Episode der zweiten Staffel hatte ich nicht das Gefühl, dass sich die Show in die richtige Richtung bewegt und nochmals einen Aufwärtstrend schaffen kann. Was ich so bei den geschätzten Kollegen der Serienjunkies lese, scheint sich mein Eindruck zu bestätigen. Schade um das Duell zwischen Eichhorst und Setrakian, das ich durchaus gerne verfolgt habe. Aber für mich ist dieser Strang auserzählt.

WERTUNG NACH ZWEI EPISODEN: 4,25 Punkte (durchschnittlich)
Sichtung eingestellt 

SHOW ME A HERO

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Die Stadt Yonkers im Bundesstaat New York wird im Jahre 1987 von einem Bundesgericht verurteilt, Sozialwohnungen für Schwarze und Latinos in einem hauptsächlich von der weißen Mittelschicht bewohntem Bezirk zu errichten. In der Bevölkerung regt sich Widerstand, die politische Riege zerstreitet sich, es entspinnt sich ein jahrelanger, verbitterter Streit. „Show Me A Hero“, eine sechsteilige Mini-Serie, skizziert die Vorfälle aus der Sicht der Betroffenen wie u.a. dem jungen Abgeordneten Nick Wasicsko, der eine entscheidende Rolle in dieser auf realen Ereignissen basierenden Geschichte einnehmen soll.

Regisseur und Produzent Paul Haggis („L.A. Crash“, „Million Dollar Baby“) sowie Autor David Simon („The Wire“) beweisen ein gutes Gespür für ihre Erzählung, denn die Show trifft den Nerv der Zeit nicht nur angesichts immer wieder aufkommender Rassenunruhen in den USA, sondern generell als Parabel über Angst vor dem Fremden, Vorurteile, Politik und Rassismus. Man ersetze Sozialwohnungen mit Flüchtlingsheimen und schon geraten jüngere Ereignisse und Entwicklungen hierzulande in den Fokus.

Packend und dramatisch inszeniert, mit dem demnächst in den neuen Star Wars-Filmen auftretenden Oscar Isaac an der Spitze eines schauspielerisch hochwertigen Casts und musikalisch begleitet von den Songs eines Bruce Springsteen, ist „Show Me A Hero“ ein sehr gutes und vor allem wichtiges Stück Fernsehen in einer Zeit, in der oft das erzählerische Mittel und die Kraft der eindringlichen Dialoge in den Hintergrund geraten. Ich für meinen Teil muss mir jetzt endlich mal die „The Wire“-Komplettbox angucken.

GESAMTWERTUNG: 5,53 Punkte (sehr gut)

BLUNT TALK (SEASON 1)

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Walter Blunt (Patrick Stewart) ist Brite, Newsmoderator, wird ständig begleitet von seinem stocksteifen ex-Armeekumpel Harry und hat es jüngst geschafft, seine Karriere ziemlich komplett zu versauen. Comedy aus der Feder von Jonathan Ames („Bored To Death“), produziert von Seth MacFarlane („Family Guy“).

Sir Patrick Stewart sehe ich immer wieder gerne. Auch und vor allem in komischen Momenten, die so wunderbar konträr zu dem sind, was man sonst so von dem hageren Briten kennt und alleine daraus ihren Witz beziehen. Ich verweise als Beispiel auf eine Traumsequenz, in der Stewart, begleitet von einem Showballett, wie der junge Fred Astaire durch die Reihen tanzt und dabei grinst wie ein Honigkuchenpferd im Zuckerrausch. Das reicht schon, um mir ein Lachen zu entlocken. Von daher könnte sich „Blunt Talk“ zu meinem neuen guilty pleasure entwickeln. Denn jenseits von Walter Blunt kommt mir noch zu wenig, obwohl bei Assistent Harry durchaus gute Ansätze vorhanden sind. Drei Folgen sind geschaut, zwei landeten dank dickem Hauptdarsteller-Bonus bei 5 Punkten, die dritte Episode wollte hingegen gar nicht recht zünden. Ich bleibe dran und warte ab, wie es sich entwickelt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH DREI EPISODEN: 4,67 Punkte (befriedigend)

FEAR THE WALKING DEAD (SEASON 1) 

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Na, du? Auch Fan von „The Walking Dead“? Traurig wegen der Sommerpause? Weiter Bock auf Zombies? Dir fehlten in der Show aber familiäre Beziehungen und Dramen, Teenagernöte und ein richtig nerviger Junkie-Charakter? Dann freu dich auf die neue Serie“Fear The Walking Dead“, die eine Familie aus L.A. just beim Ausbruch der Untoten-Apokalypse begleitet, der wiederum inszeniert wirkt wie aus der BRAVO-Fotolovestory.

Okay, die erste Folge gesehen und dauernd im Kopf das Mantra „Das brauchst du nicht“ aufgesagt. Ich bin nicht die Zielgruppe, das dürfen Menschen goutieren, die auch „Scream – The TV Series“ übertoll finden. Vier Punkte, bitte in großem Bogen an mir vorbeitorkeln und mich nicht weiter beachten. Danke.

WERTUNG NACH EINER EPISODE: 4,0 Punkte (durchschnittlich) 
Sichtung eingestellt

STEPHEN FRY IN CENTRAL AMERICA

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Okay, das ist jetzt eher Information denn Besprechung. Stephen Fry ist nämlich meiner Meinung nach immer unterhaltsam und weise, manchmal nachdenklich stimmend und generell einfach ein toller Mensch. Nach den USA treibt es ihn nun für vier frische Episoden seiner Dokumentationsreihe nach Süden Richtung Mittelamerika, von dessen zahlreichen Staaten ich bisher maximal Mexiko, Costa Rica und Honduras (wegen der Fußball-WM) hätte aufzählen können. Diese Bildungslücke schließe ich jetzt, denn Stephen versorgt den Zuschauer wie gewohnt mit beeindruckenden Menschen, Erzählungen und Bildern. Obwohl ich erst zwei Episoden gesehen habe, ziehe ich bereits das Fazit und beschränke mich dabei auf eine runde Endnote, weil das Wertungssystem nicht so recht auf Reiseberichte passt.

GESAMTWERTUNG: 5 Punkte (gut)

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89 (August 2015)

5 Aug

Im Sommer kann man prima verpasste TV-Serien nachholen.
Hieß es.
Pustekuchen.
Hier ein Überblick über das, was sich nach der Hauptsaison alles so angesammelt und mich zumindest soweit interessiert hat, dass ich mindestens ein bis zwei Folgen dranblieb.

HUMANS (SEASON 1)

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Hurra, hurra, die Roboter sind da! In dieser englischen Fassung einer ursprünglichen schwedischen Serie sind die sogenannten „Synths“ aus dem normalen Alltag nicht mehr wegzudenken. Sei es Krankenpfleger, Haushaltshilfe oder Lebensbegleiter, die menschlich aussehenden Wesen mit dem starren Blick und dem flotten Aufladegerät für die Nacht unterstützen viel und schmutzen gar nicht. Allerdings existieren einige Modelle, die neben ihrer künstlichen Intelligenz ein emotionales Bewusstsein aufgespielt bekommen haben und sich nun auf der Flucht vor den Ermittlungsbehörden befinden.

Eine schöne neue Welt und eine richtig unterhaltsame Serie, bei der ich das Original leider verpasst habe. Ich selbst würde mir ja gerne in zwanzig Jahren oder so das Modell „Gemma Chan“ holen, die mir dann mit einem Lächeln auf den Lippen zuhört, wie ich über TV-Serien erzähle, ab und an Sätze wie „Du bist so schlau, attraktiv und weißt so viel“, „Erzähl mir nochmal von Friends, Seinfeld und Breaking Bad“ oder „Schatz, lass uns einen Galavant-Song singen“ sagt und gleichzeitig die neuesten Episoden aus den USA auf den integrierten Festplattenrekorder speichert. Aber ich schweife ab…

„Humans“ hat mir seine insgesamt 8 Episoden hindurch richtig gut gefallen. Vor allem die Darsteller der Roboter liefern erschreckend „realistische“ schauspielerische Leistungen ab, die Story hält mit feinem Gespür für Mystery und Was-wäre-wenn-es-Synths-gäbe-Situationen den grübelnden Zuschauer bei der Stange. Die Show selbst zudem schafft es, sich ab der Hälfte noch zu steigern, indem die Geheimnisse konsequent aufgedeckt werden. Angesichts dessen ist die bereits abgesegnete Verlängerung konsequent und richtig. Fans von „The IT Crowd“ freuen sich zudem auf ein Wiedersehen mit Katherine „Jen“ Parkinson.

GESAMTWERTUNG: 5,28 PUNKTE (GUT)

MR. ROBOT (SEASON 1) 

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Gleich der nächste Zukunftsthriller mit IT-Bezug hinterher. „Mr. Robot“ erzählt die Geschichte des genialen, aber innerlich kaputten und sozialbindungsunfähigen Hackers Elliot (Rami Malek, „24“, „The Pacific“), der einer anarchistischen Gruppe um den namensgebenden Aufrührer (Christian Slater) beitritt, um die nach der absoluten Macht greifenden Megakonzerne der Welt zur Strecke zu bringen.

Der Pilot konnte mich sofort begeistern und die Serie auf meine Guckliste hieven. Malek spielt fantastisch auf in seiner Rolle, seine Kommentare zu Welt, Menschheit, sozialen Medien und digitaler Vernetzung treffen es auf den Punkt und ließen mich vor dem Fernseher mit dem Kopf nicken. Herrlich auch, wie Elliot Menschen anhand ihrer offengelegten Daten einschätzt und bewertet (Fans der Transformers-Filme etwa müssen ganz stark sein). Schöpfer Sam Esmail ist es hoch anzurechnen, der Cyberpunk-Kultur eine würdige Plattform im Fernsehen geschenkt zu haben.

Dass die bisher von mir gesehenen drei folgenden Episoden das sehr hohe Niveau nicht mehr ganz erreichen konnten, gilt es da zu verschmerzen. Wegen der erfreulich hoher Zuschauerzahlen ist eine zweite Staffel schon jetzt unter Dach und Fach. Und Christian Slaters Absetzungsfluch damit endlich gebrochen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 5,35 PUNKTE (GUT)
THE JINX: THE LIFE AND DEATHS OF ROBERT DURST

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Der Filmemacher Andrew Jarecki beschäftigt sich für diese HBO-Dokumentation mit Robert Durst, einem zurückgezogen lebenden, von seiner Familie ausgestoßenen Immobilien-Erben, der der Hauptverdächtige in mehreren Mordfällen ist. Der Clou: Durst selbst willigte ein, sich im Rahmen von mehreren Interviews zu den Vorwürfen zu äußern.

Lief bereits im Februar diesen Jahres, gelangte aber erst vor ein paar Wochen auf meinen Schirm und ist der feuchte Traum aller „Aktenzeichen XY ungelöst“-Redakteure. Wo hierzulande schnarchige Kommissare im Anschluss an eine laienschauspielbeleidigende Fallaufführung abgelatschtes Schuhwerk als Beweismittel auftragen, bekommt der Amerikaner eine hochspannende Spurensuche präsentiert. Wohlgemerkt mit dem Verdächtigen in der Hauptrolle! In sechs Episoden werden alle (teils grausigen) Details der Mordfälle untersucht, das Leben von Robert Durst analysiert und eben jener damit konfrontiert.

Als Zuschauer ertappt man sich dabei, dem wirr wirkenden alten Mann die Wahrheit aus dem Gesicht und von den Lippen lesen zu wollen. Ist er wirklich nur ein vom Leben aufs Abstellgleis geschobener armer reicher Mensch, ein Unglücksbringer für sich und seine Umgebung? Oder doch ein eiskalter Mörder, der alle getäuscht und ausgetrickst hat? Oder war gar alles doch ganz anders? Ich werde nichts spoilern und rate zudem allen Interessierten, sich nicht vorab zu informieren. Dann erwarten einen knapp sechs fesselnde Stunden, die einen nicht nur packen, sondern umhauen werden, das darf ich noch einem durchgesuchteten Wochenende garantieren. Absolute Anschauempfehlung.

GESAMTWERTUNG: 5,93 PUNKTE (ÜBERRAGEND)

SCREAM – THE TV SERIES (SEASON 1)

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MTV gibt es tatsächlich noch. Falls es jemand nicht glauben sollte, dort läuft die TV Serie zu Scream, dem selbstreferenziellen Horrorstreifen, mit dem Altmeister Wes Craven anno 1996 das Genre einfach mal schwuppdiwupp wiederbelebt hat. Ich selbst fand den ersten Teil durchaus gelungen, bekam von den insgesamt drei Nachfolgern allerdings wenig bis gar nichts mit. Es darf also niemand einen Fanbonus von mir erwarten, dies nur zur Vorwarnung.

Wie schlägt sich der Film nun als Serie? Nun ja, augenscheinlich gibt es keine Wandtelefone mehr, sondern Handys, soziale Medien wie Instagram, Twitter und Facebook. Was dem High School Girlie Nina gleich zu Beginn zum Verhängnis wird, weil sie zwei miteinander knutschende Mitschülerinnen per Foto an den Internetpranger stellt und den neu gestylten Maskenmann mit der Vorliebe für Schlitzspuren am Hals auf den Plan ruft. Ebenfalls neu und sicherlich voll fresh: Sobald ein Song gespielt wird, erscheinen Titel und Interpret als Einblendung. Fehlt eigentlich nur die Anbindung an den iTunes-Store. Wo man mich mit meinem Musikgeschmack aber wohl nie als Kunden begrüßen dürfte.

Es gibt die üblichen Charaktere für eine Highschool-Show zu bestaunen, wie den dumpfen Sportler, die zickige Cliquenanführerin, den Außenseiter mit der Vorliebe für Horror und dem Drang, Story-Zusammenhänge zu erklären, das sympathische Gutherzmädchen und dazu *tada* die immer bedröppelt dreinguckende Emo-Lesbe sowie der viel zu junge Lehrer mit dem H&M-Model-Look. Meta-Ebene ist auch drin, etwa mit der gleich aufgestellten Frage, ob ein Horrorfilm als Serie überhaupt funktionieren kann. Für mich entscheidend allerdings war eine Ausführung des Horror-Außenseiter-Kids, in der quasi das Ziel der Show ausgegeben wurde. Der Zuschauer soll nämlich Episode um Episode mit den Figuren halten und bangen, Sympathien verteilen, um dann richtig betroffen sein, wenn es mal wieder jemanden erwischt. Und natürlich gilt es zu erraten, wer hinter der Maske steckt.

Nö. Klappt nicht bei mir. Mir sind die alle egal. Können alle weg, diese oberflächlichen, wunderschön aufgehübschten Jungs und Mädchen. Ich tippe auf den Lehrer als Maskenmann, denn der ist viel zu jung und viel zu nett. Da kann was nicht stimmen. Wenn er es nicht sein sollte, auch nicht schlimm, weil mir Wurst. Ja, sorry, ich bin einfach nicht die Zielgruppe. Den Satz hätte ich auch gleich zu Anfang schreiben können und fertig. Naja. Zwei Folgen habe ich durchgehalten, vielleicht finden andere Gefallen daran.

DURCHSCHNITTWERTUNG NACH ZWEI EPISODEN: 4,0 PUNKTE (DURCHSCHNITTLICH) 

Gucklistenstatus: abgesetzt

THE BRINK (SEASON 1)

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Die Welt steht mal wieder am Abgrund. In Pakistan putscht sich mit General Zaman ein übler Geselle an die Macht und bedroht die Nachbarregionen. Die US-Regierung reagiert mit inkompetentem Personal, lässt von zwei depperten Piloten eine Drohne über Pakistan abschießen und führt die Situation gekonnt weiter in Richtung Eskalation. HBO-Comedy mit Jack Black, Tim Robbins, John Larroquette und so ziemlich allen indisch-pakistanischstämmigen Schauspielern, die man glaubt, mal bei „24“ oder „Homeland“ gesehen zu haben.

Es gibt diese Serien, da denkst du angesichts der Voraussetzungen:  Das Ding muss einfach gut werden. Schaust Folge um Folge, bist danach immer ein wenig enttäuscht, bleibst aber dran. Und es wird einfach nicht so unterhaltsam, wie es eigentlich sein sollte. Genauso geht es mir mit „The Brink“. Das Drama der oben genannten Serien, gekreuzt mit dem deftigen Humor von „Veep“, „The Thick Of It“, dazu ein Hauch von „Dr. Strangelove“, das müsste doch funktionieren. Aber zumindest bei mir hat es bis dato keine Folge geschafft, dass ich als Wertung fünf Punkte gezogen hätte. Die Gags sind mir zu altherrenzotig, zu abgedroschen, zu prollig, besitzen zu wenig Biss; da hilft selbst das komödiantische Talent eines Jack Black oder die trockene Darbietung durch Tim Robbins nicht. Klar, die restlichen Episoden werde ich mir auch noch anschauen, aber als Fazit kann ich jetzt schon ziehen, dass ich mir wirklich mehr erhofft habe.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SIEBEN EPISODEN: 4,17 PUNKTE (DURCHSCHNITTLICH)  

TRUE DETECTIVE (SEASON 2)

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Nach dem gewaltsamen Tod des Stadtmanagers Caspere beginnen die aus verschiedenen Bezirken stammenden drei Detektive Velcoro, Bezzerides und Woodrugh (Colin Farrell, Rachel McAdams und Taylor Kitsch)  mit den Ermittlungen und entdecken ein Geflecht aus Korruption, kriminellen Machenschaften und Mauscheleien um wertvolles Land. Im Hintergrund arbeitet die lokale Untergrundgröße Frank Semyon (Vince Vaughn) ebenfalls an der Aufklärung, da er Caspere Geld für einen Deal gegeben hat, der ihn aus dem Milieu führen sollte.

Wenn wir bereits bei Enttäuschungen sind, darf die zweite Staffel von „True Detective“ leider nicht fehlen. Fangen wir mit etwas Positivem an: Der Eröffnungssong ist erneut richtig lässig geworden, bei „Nevermind“ von Leonard Cohen brumme ich immer wieder gerne mit. Danach scheitert es allerdings auf mehreren Ebenen. Größter Haken ist für mich die Story, die erschreckend spannungsknisterfrei verläuft und mich als Zuschauer eher das Interesse verlieren als mitfiebern lässt, weil schlicht der rote Faden fehlt. Ich habe mich oft dabei erwischt, überhaupt nicht zu wissen, wer oder was gerade warum Gegenstand der Untersuchung wird. Das hängt auch damit zusammen, dass die Show sich viel Zeit für die Ausarbeitung und Vorstellung der Charaktere nimmt, es allerdings nicht schafft, dies mit einem spannenden Storygerüst zu verbinden. Vom Aufbau her fließen viele der Episoden zäh vor sich hin, um dann am Ende noch einen kleinen Höhepunkt zu setzen, der zum Weiterschauen animieren soll. Wertungsmäßig haben sich einige Folgen so auf die 4,5 Punkte gerettet, mehr war allerdings nicht drin angesichts vieler Momente, in denen ich im Abspielmenü nach der Restlaufzeit Ausschau gehalten habe.

Die darstellerischen Leistungen sind schwankend. Alle Charaktere sind innerlich gebrochen, verletzt, am Boden. Farrell gelingt es noch am überzeugendsten, seine Rolle mit Leben und Schmerzen auszufüllen. McAdams macht ihre Sache ordentlich, hat sich allerdings eine ganz fiese Schmuddelsträhne in die Frisur kämmen lassen, um sich deutlich von ihrer üblichen Rollenbesetzung abzugrenzen. Was ein wenig lächerlich wirkt und nicht hätte sein müssen. Kitsch hingegen, oh je. Bleibt durchgehend blass, unauffällig, langweilig. Und Vaughn? Hat es schwer, den Sprung vom „funny guy“ zum Minimobster plausibel zu schaffen, so recht nimmt man ihm den Part dann eben doch nicht ab.

Zuguterletzt sind es freilich die riesigen Fußspuren, die Harrelson und McConaughey in der ersten Staffel hinterlassen haben und in die Drehbuch, Darsteller und Produktion dieser Staffel bei weitem nicht hineinpassen. Nach 6 von 8 Folgen steht für mich jetzt schon fest, dass „True Detective“ dieses Jahr damit zu kämpfen haben wird, überhaupt den Sprung ins Befriedigend zu schaffen.

Edit: Wer angesichts des anstehenden 90-minütigen Finales nicht wie meine Wenigkeit storytechnisch wie der Ochs vorm Plotberg stehen will, lese sich diese schöne – und schmerzlich ehrliche – Zusammenfassung bei slate.com durch.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 4,41 PUNKTE (DURCHSCHNITTLICH)

STAR WARS: DROID TALES (SEASON 1)

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Ich habe ja diese nebelige Vorahnung, dass wir von „Star Wars“ in den nächsten Jahren noch einiges zu sehen bekommen werden. Fragt mich nicht, woher ich diese Insiderinfo habe. Der Disney Channel hat jedenfalls seit einiger Zeit Serien in LEGO-Optik zu dem Thema im Angebot, die ich vor ein paar Monaten entdeckt und für durchweg knuffig-putzig empfunden habe. In „Droid Tales“ (nicht zu verwechseln mit „Droids“) erzählt C3PO und piept R2D2 nach dem Ende der Schlacht um Endor den Anwesenden die Vorgeschichte, sprich: die drei Filme, die es im kollektiven Fanbewusstsein nie gegeben hat. Dabei wird die letzte Trilogie von George Lucas ohne Scheu, aber charmant durch den Kakao gezogen, wie dieser Trailer beweist.

Bisher lief nur eine Episode, die weiteren scheinen in einem wirren Monatsrhythmus gesendet zu werden. Ich fand’s spaßig, bleibe dran und ziehe das Wertungskärtchen mit den 5 Punkten.

WERTUNG NACH EINER EPISODE: 5,0 PUNKTE (GUT)

THE JIM GAFFIGAN SHOW (SEASON 1)

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Der Standup-Comedian Jim Gaffigan ist für dreierlei Dinge bekannt: 1) Seine bleiche Erscheinung, 2) Seine fatale Neigung zum Essen und den Zwang, darüber reden zu müssen, 3) Seine leise Singsangstimme, in die er nach manchem Gebrummele gerne mal fällt. In Deutschland eher unbekannt, gilt er in den USA wegen seiner Themensetzung als „clean comedy act“. Ich für meinen Teil mag den Kerl, denn wer Essen gut findet, kann kein schlechter Mensch sein. Natürlich dreht sich in der nach ihm benannten Show ebenfalls vieles um seine Kernkompetenzen, gemischt mit familiären Herausforderungen als Vater von fünf Kindern in einer New Yorker Wohnung in einem Appartement mit zwei Schlafzimmern. Zwei Folgen gesehen, beide Male nett unterhalten worden. Wer sich nach derber Comedykost etwas Leichteres reinschaufeln will, darf am Büffet bedenkenlos zuschlagen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH ZWEI EPISODEN: 4,75 PUNKTE (BEFRIEDIGEND)