Archiv | Januar, 2013

65 (Januar 2013)

22 Jan

BOARDWALK EMPIRE (Season 3) 

Ich freue mich verkünden zu dürfen, dass die Show von Seriencheck zu Seriencheck besser wird. Die Schauwerte sind ja – wie ich bei jedem Seriencheck gebetsmühlenartig wiederhole – seit jeher topp; die Spannungslähmung vom ersten Staffelfinale wurde dankenswerterweise direkt schon im folgenden Jahr überwunden, kehrt auch nicht zurück und die wieselartigen Windungen von Nucky Thompson aus diversen Zwickmühlen erfreuen den Zuschauer, der wiederum von den Charakteren immer fester gepackt wird. Was ist es also, das die aktuelle Season so viel besser macht?

Weniger Nebenstorys mit gähniger Tendenz, mehr Kompaktheit in den Auseinandersetzungen und natürlich: Gyp Rosetti (überragend: Bobby Cannavale). Ein Typ, bei dem ich es nicht mal wagen würde, ihn in einer voll besetzten Polizeistation nach der Uhrzeit zu fragen, weil ich befürchten müsste, dass er mir als Antwort das Gebiss neu anordnet. Halt die Art von Ausstrahlung, die ich auch in manchen Momenten gerne hätte, wenn mich alles nervt. Wären da nicht die zumindest für mich langwierigen und öden Überzeugungsversuche von Miss Schroeder in Sachen Ehehygiene sowie die ein oder andere vor sich hin plätschernde Liebesbeziehung, Boardwalk Empire hätte noch weiter die Punkteskala hinaufklettern können. Dennoch wird verdammt viel geboten an Intrigen, Action und unschön aus dem Leben tretenden Charakteren. Weiter so!

Gesamtwertung: 5,48 Punkte (sehr gut)

DEXTER (Season 7) 

Was braucht es für eine gute Dexter-Season? Ein würdiger Gegenpart, der unseren Lebenssaftspuren-Analytiker bis aufs Blut reizt. Umstände, die zu der Aufdeckung von Dexters eher unschönem Treiben führen. Schwester Debra mit neuer unglücklicher Liebesbeziehung. Ein paar nette wöchentliche Bekanntschaften für den „Dark Passenger“. Einige putzige Ekeleien. Bitte keine offensichtlich hirnrissigen Wendungen. Wenn möglich, keine zu platten Liebesschmonzetten. Und keine Besuche von den Adoptivkindern.

Vor diesem Hintergrund schlagen sich Dexters jüngste Abenteuer recht wacker. Mit Ray Stevenson als ukranischem Gangsterboss Isaak Sirko konnte man einen hervorragenden Gegenspieler in die Geschichte platzieren, dessen Auftritte alleine oft schon die Höhepunkte der jeweiligen Episode stellten. Für meinen Geschmack allerdings hat man diese Figur zu früh herausgeschrieben und auch mit Blick auf ihre Motive letztlich zu sehr verweichlicht. Die Beziehung zu Schwester Debra, die erfreulicherweise gleich zu Beginn von ihrem Bruder nicht hinters Licht geführt werden kann und deren Mitwissen ein zentrales Thema der Season bildet, wird auf eine echte Belastungsprobe gestellt.  Die Ermittlungen von LaGuerta und Lundy sowie das Wiedersehen mit einem alten Bekannten münden in einem wieder gelungenen Finale. Yvonne Strahovski (Chuck) überzeugt nicht nur optisch als Liebesgespielin Hannah McKay, sondern nimmt in der Folgezeit eine weitere interessante Rolle ein. Gute Handlungsstränge für Batista und Quinn? Leider Fehlanzeige.

Wegen eines Durchhängers ab der Staffelmitte (ja, man ahnt es: beim Besuch der Adoptivkinder, aber auch beim plötzlichen Sinneswandel von Dexter gegenüber Hannah oder Debras wirr ausschlagendem moralischem Kompaß) reicht es nicht für die ganz große Glanztat. Die insgesamt fünf „sehr gut“-Wertungen wurden durch eher durchschnittliche Folgen leider wieder relativiert, aber dafür gelingt erneut der Sprung über die 5,0-Marke.

Gesamtwertung: 5,03 Punkte (gut) 

HOMELAND (Season 2)

Homeland is the new shit. Abgefeiert bei den Golden Globes und Emmys. Von daher sogar besser als fucking Breaking Bad! Würde die zweite Staffel dem Hype gerecht werden können? Und das stark vom „Hurra, alles wieder auf Anfang, wir machen weiter!“-Hochgefühl angetriebenen Finale vergessen machen?

Zunächst zum Letzteren: ja. Von der ersten Episode an fährt die Show wieder die erstklassigen Trademarks auf, die die erste Staffel schon zum Genuss machten. Starke schauspielerische Leistungen von Damian Lewis, Claire Danes und Mandy Patinkin; eine spannend inszenierte, aber nie in blinde Action ausartende Terroristenjagd; überraschende Wendungen und der Mut, nicht den einfachsten Weg zu gehen (wieviele Shows hätten das Katz-und Maus-Spiel zwischen Brody und Carrie weitergeführt?). Herausragend auch, wie im Finale nach allgemeiner Entspannung und betont betulichem Ablauf noch ein Knaller gezündet wird, der den Übergang zur dritten Season einleitet.

Also alles prima? Können Walter White und Jesse Pinkman vorzeitig abdanken? Nicht ganz. Denn ein paar unschöne Umgereimtheiten haben sich dann doch eingeschlichen. Ungereimtheiten, die man eher bei einer Show wie 24 aufgrund des gehetzten Voranschreitens der Handlung vorfinden würde. Dass etwa Brody als Kongressabgeordneter und damit Person des öffentlichen Lebens so einfach Mitglieder der Terrorzelle ausschalten bzw. vorwarnen kann. Oder schlicht und ergreifend die Episode mit dem ferngesteuerten Herzschrittmacher, bei der ich mir als Zuschauer vorkam, als wäre der haarsträubende Plot an der Qualitätskontrolle vorbeigeschleust worden. Wenn die Autoren in der selben Folge eine Nacktszene mit Morena Baccarin einbauen, ahnt man schon, dass sie etwas übertünchen wollen.

Wegen dieser Schwächen landet die zweite Staffel punktemäßig knapp unterhalb der Premierensaison. Nichtsdestotrotz immer noch eine absolut empfehlenswerte, hochklassige Dramaserie.

Gesamtwertung: 5,38 Punkte (gut) 

FRINGE (Season 5) 

Aus und vorbei. Nach fünf Jahren schließt die Fringe-Division ihren letzten Fall ab. Und der hat es in sich, geht es doch schlicht um die Rettung der Erde nach einer Invasion von Observer-Schergen. Jene Gesellen, die bereits zu Beginn der Serie auftauchten, aber getreu ihrem Namen nach nur beobachteten. In der mit Abstand besten Episode einer nur knapp guten vierten Season bekam der Zuschauer Einblicke in die Invasion und damit einen Vorgeschmack, der zumindest mich vor Vorfreude die Hände reiben ließ. Schicke Dystopie, unerbittlicher Kampf gegen die Unterdrücker, SciFi statt Mystery. Endlich nochmal fesche SciFi im Fernsehen!

Nach einem überragenden Einstieg schlichen sich allerdings hier und da ein paar Füllerepisoden ein, die zwar professionell heruntergekurbelt wurden, die Story aber nur wenig voranbrachten. Aus dem früheren „Monster der Woche“ wurde das „Invasionsabwehr-Planteil der Woche“, die Handlungsstränge erstarrten im immer selben Ablauf und wo der Putz einer Episode zu bröckeln drohte, kittete man mit ein paar herzschmerzigen Beziehungsmomenten von Olivia und Peter. Das wäre nun alles nicht so schlimm, hätte man eine volle Season zu befüllen gehabt. Angesichts von gerade mal 13 Episoden hätte ich mir allerdings hier etwas mehr Zug in der Hauptstory gewünscht.

Die Highlights waren mit Sicherheit: Die Observer, allen voran ein zähneknirschend bedrohlich aufspielender Michael Kopsa als Captain Widmark. Die vielen emotionalen Momente, mit denen das Fringe-Team konfrontiert wurde. Die liebenswert schräge Episode mit Walter im verlassenen Wohngebäude. Das Wiedersehen mit so ziemlich allen tragenden Figuren der letzten Jahre. Und schließlich ein Finale, das zwar kaum auf überraschende Wendungen setzte, aber dafür viele grandiose kleine Szenen aufbot, die so mächtig an den Gefühlen des Zuschauers zerrten, dass es sogar einem ausgewachsenen Observer ein Tränchen abringen musste. Und das nicht nur, weil es die bösen Burschen aus der Zukunft offensichtlich versäumt hatten, eine zünftige, diktatorisch würdige Überwachungsstruktur aufzubauen und Olivia, Peter, Walter und Astrid so erlaubten, ungestört an ihrem Plan zu arbeiten.

Nicht so perfekt wie die überragende dritte Staffel, deutlich besser als und damit eine teilweise Wiedergutmachung für die vierte Staffel und ein letztlich würdiges Ende einer Show, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte.

Gesamtwertung: 5,47 Punkte (sehr gut)   

AMERICAN HORROR STORY (Season 2) 

Ich habe mich bei der Sichtung der zweiten Staffel (mit dem Zusatz: Asylum) oft gefragt, ob ich die erste Season nicht zu hoch bewertet hatte. Satte 5,80 Punkte und viel Lob konnte die Show damals einheimsen. Weil sie „immer noch eine Schicht aus Staunen, Wahnsinn und Abgedrehtheit auf das Storygerüst draufpackte“. Nach ein paar Folgen in der Irrenanstalt zu Briarcliff anno 1964 war mir allerdings schon klar, dass dieses Wertungsniveau nicht gehalten werden könnte. Abgedreht, seltsam und krank geht es weiterhin zu, der Horror findet aber zunächst eher auf psychologischer Ebene statt. James Cromwell als Stationsarzt und Jessica Lange als Oberschwester konnten mich zunächst überzeugen, auch Ian McShane sollte später als ganz spezieller Weihnachtsmann einen denkwürdigen Auftritt bekommen.

Aber mit der Zeit wurde aus den schrägen Plots mit ihren wunderlichen Charakteren der reinste Trash. Sorry, aber so hart muss man es sagen. Kein Trash, über den man lachen könnte, sondern von der Sorte, bei dem es einem schwerfällt, ihn ohne gespreizte Finger vor dem Gesicht durchzustehen. Wirre Storyelemente, peinliche Szenen, nicht mal ein ernsthafter Versuch einer sinnvollen Auflösung zusammengesponnener Handlungsfäden. Bei guter Unterhaltung vergeht die Zeit bekanntlich wie im Flug. Nicht so bei den letzten Episoden von American Horror Story: Asylum. Ich habe ungelogen mindestens ein halbes Dutzend Mal die Anzeige mit der Abspieldauer aufgerufen, nur um zu erfahren, wie lange ich es noch durchstehen muss. Das wird sich in der endgültigen Wertung widerspiegeln, die ich nach der Abschlussfolge hier nachreichen werde. Sicher ist aber jetzt schon: es wird einen saftigen Absturz geben.

Gesamtwertung: 3,88 Punkte (unterdurchschnittlich)   

THE WALKING DEAD (Season 3 Episodes 1-8)

Ich stimme hier nur kurz in die allgemeinen Lobeshymnen ein, die sich die dritte Staffel der Zombie-Serie bisher auch vollkommen zurecht verdient hat. Der starke Eindruck aus dem letzten Seriencheck hat sich bis in die Pause hinein bestätigt, die Mischung aus packendem Überlebensdrama, schwelender Gefahr von anderen Überlebenden und optisch opulenter Zombie-Bekämpfung stimmt einfach. Ein klarer Kandidat für die diesjährige Wertungskrone, sofern es in der acht Episoden umfassenden Rückrunde keinen Durchhänger gibt.

Wertungsschnitt nach 8 Folgen: 6,01 Punkte (überragend)

JUSTIFIED (Season 4) 

„Howdy, ich bin’s wieder, U.S. Marshal Ray Givens aus dem östlichen Hinterland von Kentucky. Bisher läuft noch alles relativ ruhig. Hab mir ’ne neue Freundin angelacht, mein Daddy baut wieder mächtig Scheiß‘ im Knast, ich darf dem Geheimnis eines Sacks hinterherschnüffeln, der mal einem Diplomaten aus Panama gehörte. Boyd und Ava haben Ärger mit einem christlichen Missionar, der ihre Kunden zu Jesus statt zu ihren Drogendealern führt. Tscha. Wie gesagt, noch nicht so ganz der Knaller. Wird aber hoffentlich noch. Ich hab‘ immerhin schon mal Krach mit dem Gatten meiner aktuellen Flamme angefangen. Übler, zäher Bursche. Das gibt Ärger.“

Ersteindruck: 4,5 Punkte (befriedigend)

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64 (Januar 2013)

3 Jan

2012 ist nun endlich weg, hier der Comedy-Seriencheck. Rumpelt im Reimaufbau, aber es rumpelt eben auch bei den Komödien, was die Wertungen angeht. Mehr dazu im Folgenden:

2 BROKE GIRLS (Season 2)

Fast alles wie gehabt bei der drallen Derben und der dürren Blonden. Es gibt einen zuckersüßen Boyfriend für die Letztere, aber ansonsten wird etwa der Asiate weiterhin ob seiner Körpergröße gedisst, der Koch redet nur vom Pimpern, der alte Schwarze bleibt ein cooler Zottel und Jennifer Coolidge als Sophie ist meiner Meinung nach weiterhin so lustig wie ein Kotzfleck auf dem Dekolleté. Für die guten Momente sorgen die teils deftigen Sprüche von Kat Dennings, die Gags setzen allerdings weiterhin auf einen Zündfaktor nach dem Motto: „Lasst alles raus, was Gutes wird schon dabei sein“. Die Show pendelt wertungsmäßig hauptsächlich zwischen durchschnittlich (4,0 Punkte) und befriedigend (4,5 Punkte). Ausnahmeausreißer nach oben sind aber auch mal drin.

Wertungsschnitt nach 12 Folgen: 4,43 Punkte (durchschnittlich)

30ROCK (Season 7)

30Rock ist meiner Meinung nach nur dann nicht gut, wenn folgende Figuren auftreten: Angie, die Frau von Tracy Jordan; Criss, der Freund von Liz Lemon; Dennis, der ex-Freund von Liz Lemon; Paul, der Freund von Jenna. Das schreit geradezu nach einer Beziehungsentrümpelung, aber dafür ist es wohl in der letzten Staffel etwas zu spät. Von den ersten 8 Episoden litten allerdings einige an den oben erwähnten Persönlichkeiten, was den Schnitt derzeit etwas noch unten zieht. Ansonsten folgt nun das obligatorische Lob, dass die Show es auch im siebten Jahr noch schafft, in vielen Momenten hinreißend komisch zu sein. Auch wenn die ganz großen Knaller fehlen, der Großteil der Episoden überspringt locker die 5,0 Punkte-Hürde und verdient sich daher ein „Gut“. Bestbewertete Folge bis dato: „There’s No I In America“. Ich werde diese herrlichen politischen Seitenhiebe wirklich vermissen.

Wertungsschnitt nach 8 Folgen: 4,86 Punkte (befriedigend)

BEN AND KATE (Season 1)

Ja, was die Rolle von Ben (Nat Faxon) anbelangt, kann man geteilter Meinung sein. Mir persönlich ging seine hibbelige Art nicht allzusehr auf die Nerven, ich fand den Cast gut besetzt und hatte die ersten Folgen wirklich meinen Spaß. Leider trudelt es ab der dritten Episode zunehmend mehr in die „ganz nett, ist okay, kann man gucken“-Spirale. Wobei diverse Vertreter der Comedyserien aktuell Schwierigkeiten haben, diese Wertungsstufe konstant zu erreichen. Ich bleibe dran, aber wenn die Show doch abgesetzt werden sollte, geht das Leben eben weiter.

Wertungsschnitt nach 10 Folgen: 4,45 Punkte (befriedigend)

GO ON (Season 1)

Ein recht ähnlicher Verlauf zum obigen „Ben And Kate“. Ich gehöre weiterhin zu den Leuten, die den ewigen Chandler gerne auf dem Bildschirm sehen, aber: Go On ist wirklich nichts Besonderes. Die Therapiegruppe hat ein paar nette Charaktere wie den altersweisen blinden George oder die spanische Übermama Fausta, wohingegen Owen eher blass bleibt und im Gegensatz dazu Mr. K einfach zu übertrieben auf seltsam gepolt ist. Von den reichlichen US-Sportmetaphern und -anspielungen geht der Großteil an meinem europäischen Ohr vorbei; die Themen Tod, Verlust und Trauerverarbeitung halte ich weiterhin nicht für das Vorlagen-Nonplusultra, um eine Komödie drumherum zu schnitzen. Pendelt bei mir beständig zwischen 4,5 und 4 Punkten, ohne Tendenz nach oben. Gut möglich, dass der Matthew-Perry-Bonus irgendwann aufgebraucht ist.

Wertungsschnitt nach 11 Folgen: 4,36 Punkte (durchschnittlich)

GUYS WITH KIDS (Season 1)

Für mich die größte Überraschung in diesem TV-Herbst. Ich ging mit ziemlich null Erwartung an die Show heran, weil das Thema so ausgelutscht wirkte wie der Daumen eines frisch schnullerentwöhnten Kleinkindes. Ein Überknaller ist es nun auch nicht geworden, aber: „Guys With Kids“ bietet einen durchweg sympathischen Cast, viele schön inszenierte Momente des elterlichen Stresses, tolle Buddy-Momente und natürlich den Nick-Sheila-Zwist, der in jeder Episode zelebriert wird. Insgesamt konnten sich die Kerle mit den Kindern nach eher mäßigem Start durchweg im befriedigenden Bereich halten, aber auch mit einer guten und einer sehr guten Episode („The Bathroom Incident“) punkten.

Wertungsschnitt nach 10 Folgen: 4,60 Punkte (befriedigend)

HOT IN CLEVELAND (Season 3)

Gucke ich mehr aus Gewohnheit als aus echter Freude. So geht es mir bei Serien aus dem Hause TV Land generell. Man schaut rein, weil man immer irgendwelche altgedienten Showhasen herumhoppeln sieht, die nach dem Ende ihrer letzten großen TV-Serie keine Anschlussverwendung mehr gefunden haben (aktuelles Beispiel: Jay Harrington, der Ted aus „Better off Ted“ oder Heather Locklear). Aber die Geschichten und Gags sind dann doch zu bekannt und zu altbacken. Wer die vier älteren Damen in ihrer besten Form erleben will, möge sich die erste Staffel anschauen.

Wertungsschnitt nach 5 Folgen: 3,80 Punkte (unterdurchschnittlich)

HOW I MET YOUR MOTHER (Season 8)

Gemessen an meinen Ansprüchen die größte Enttäuschung bisher. Das hängt damit zusammen, dass ich die Beziehungskisten der einzelnen Figuren, sprich: Barney, Ted und Robin, für komplett uninteressant halte. Weil am Ende eh Barney und Robin zusammenfinden und Ted die titelgebende Mother halt irgendwann kurz vor Schluss der Serie kriegt. So habe ich das schon lange vorhergesagt und so wird es auch kommen. Der Rest besteht aus Scheingefechten, Trennungen aus hanebüchenen Gründen und romantischem Kuddelmuddel ohne Ziel. Vor allem die Figur des Barney Stinson hat meiner Meinung nach in den letzten Monaten ziemlich abgenommen, was ihre Unterhaltsamkeit anbelangt. Für die ganz hohen Wertungen reicht es schon seit einiger Zeit nicht mehr, nun schwingt man sich ab und an routiniert über die 5,0-Wertungsmarke, landet aber auch einige unschöne Ausrutscher nach unten. Letzte Season reichte es schon „nur“ für 4,75 Punkte als Schnitt, dieses Jahr droht es ähnlich zu werden. Es ist traurig, feststellen zu müssen, dass HIMYM in der Rückschau wohl ein bis zwei Staffeln zu lang gelaufen ist.

Wertungsschnitt nach 11 Folgen: 4,45 Punkte (befriedigend)

LAST MAN STANDING (Season 2)

Die erste Folge der neuen Season war sensationell grottig. Übelste Republikaner-Wahlwerbung inklusive Demokraten-Bashing, ganz so, als hätte FOX NEWS die Episode gesponsort. Klar ist Tim Allen mit seinem Charakter ein waffentragender, dumpfer Konservativer mit Drang zur Natur, aber man konnte ihn dennoch gern haben. Was mir bei manchen Folgen derzeit allerdings immer schwerer fällt. Neben einer (ziemlich blassen) neuen Darstellerin für die älteste Tochter und einem dackelgleich treu guckenden Kinderdarsteller hat die Show nun zusätzlich den Vater des Enkelkindes etabliert, der als weinerlicher, verweichlichter Ökofuzzi- und Alles-Ausdiskutier-Loser angelegt ist. Wie sich ein glühender Tea Party-Anhänger nun mal den bösen Sozialisten oder einen Grünen-Wähler halt so vorstellt. Gefällt mir nicht, mag ich nicht. Auch die Folge rund um das Thema Religion stieß mir übel auf und wurde entsprechend wertungsmäßig abgestraft. Wenn es so weitergeht, fliegt die Show aus meiner Guckliste.

Wertungsschnitt nach 7 Folgen: 3,64 Punkte (unterdurchschnittlich)

MODERN FAMILY (Season 4)

Auf die Pritchetts/Dunphys und den Tucker ist halt einfach Verlass. Auch im vierten Jahr präsentiert „Modern Family“ als einzige Comedy-Show auf meiner Liste noch in regelmäßigen Abständen sehr gute Episoden. Wahrscheinlich dürften auch über die Staffel verteilt ein, zwei überragende Folgen drin sein. Wenn es dann doch mal nach nicht ganz so toll ist, langt es immer noch für ein „befriedigend“. Im Schnitt ist aber jede Folge gute Unterhaltung. Die Verleihungen der anstehenden Emmys und Golden Globes könnten angesichts dieser Vormachtstellung ein wenig langweilig ausfallen.

Wertungsschnitt nach 10 Folgen: 5,30 Punkte (gut)

NEW GIRL (Season 2)

Findet ihr Schmidt auch so toll? Prima!

Ich nicht. Für mich der nervigste Charakter auch in diesem Jahr. Weshalb „New Girl“ weiterhin bei mir auf keinen grünen Zweig kommt. Überhaupt hat Zooey Deschanel ihren Schrägheitsbonus beständig abgebaut, denn dafür hat man ja Schmidt. Schmidt Schmidt Schmidt! Ha Ha FUN! Aber wohl nicht mehr lange in meinem Fernseher. Es sei denn, Nick oder von mir aus auch Winston kriegen mal ansatzweise gute Storylines aufgelegt.

Wertungsschnitt nach 11 Folgen: 4,05 Punkte (durchschnittlich)

PARKS AND RECREATION (Season 5)

Hält zusammen mit Modern Family und 30Rock die Beständigkeitslanze des Comedybetriebs hoch. Die Charaktere sind ein Fest für sich, da braucht man stellenweise fast gar keine Dialoge zu schreiben. Ron Swansons Blick, wenn er eines von Leslies Projekten angehen soll. Leslie, wenn sie sich um politisch hochwichtige Angelegenheiten kümmert. Jerry, wenn er in eine peinliche Situation gerät. Andy, wenn er nachdenkt. Chris, wenn er etwas gefunden hat, was ihn begeistert. „Parks And Recreation“ hält weiterhin gut sein Niveau, obwohl ich gerne ein paar Mal öfter die 5,5 Punkte ziehen würde.

Wertungsschnitt nach 9 Folgen: 4,99 Punkte (gut)

RAISING HOPE (Season 3)

Hier ist der Gesamteindruck eher gemischt. Nach der sehr guten zweiten Staffel sind diesmal von den bisher gesendeten 10 Episoden über ein Drittel Durchschnitt bzw. sogar darunter. Bleibt dennoch eine liebenswerte Serie mit außergewöhnlichen Charakteren. Spätestens, wenn Hope zu sprechen anfängt, dürfte für einen Qualitätsschub gesorgt sein. Aber auch so könnte ich den Chances immer zuschauen, wenn sie ihre Welt und Sicht der Dinge erklären.

Wertungsschnitt nach 10 Folgen: 4,45 Punkte (befriedigend)

SUBURGATORY (Season 2)

Da war ich knallhart, habe in den Saisoneröffner reingeschaut und leider keine Anzeichen gefunden, dass die Show den „Naja, ganz nett“-Rahmen verlassen könnte. Sicherlich hätte es da andere Serien aus meiner Liste treffen können und vielleicht greife ich nochmal auf „Suburgatory“ zurück, wenn ich andere Wackelkandidaten leid bin.

Sichtung nach einer Episode eingestellt

THE BIG BANG THEORY (Season 6)

Gefällt mir wieder richtig gut, muss ich gestehen. Ich habe an der Serie ja seit etwa Season 3 einiges zu bekritteln gehabt und freilich ist es in Mode, zu meckern, wenn eine Sendung große Zuschauererfolge feiert, aber: derzeit stimmt für mich das Verhältnis zwischen Geekfaktor, Sheldonscher Singularität und Beziehungskiste. Wobei der Start in die neue Staffel allerdings eher holprig ausfiel. Danach überzeugten die Wissenschaftler mit durchweg guten Testergebnissen.

Wertungsschnitt nach 11 Folgen: 4,96 Punkte (gut)

THE MIDDLE (Season 4)

Da ist wiederum eher der Wurm drin. Der Darsteller des kleinen Brick ist im Stimmbruch, die Show selbst kommt mir ebenfalls nicht recht in die Gänge. Es beschleicht einen als Zuschauer das Gefühl, dass den Autoren zu den – zugegebenermaßen eng charakterisierten – Kindern nichts mehr einfällt. Schon ein kleiner Rückschlag angesichts der letzten beiden Staffeln, in der „The Middle“ beständig ordentlich und ohne gravierende Ausrutscher nach unten punkten konnte.

Wertungsschnitt nach 10 Folgen: 4,25 Punkte (durchschnittlich)

THE OFFICE (Season 9)

Wer dachte, dass sich zur letzten Staffel der Bürocomedy etwas Tolles tun würde, den darf ich an dieser Stelle … genauso enttäuschen wie damals beim großen Reboot, nachdem Steve Carell den Chefsessel geräumt hat. Es dünnt weiterhin vor sich hin wie der kaltwerdende Kaffee in den Tassen, daran ändern selbst die zwei neuen Figuren aus der Praktikantenabteilung nichts. Bei Dwight blitzt es ab und an noch auf, Andy macht gerade mal Pause, was erstaunlicherweise auch nicht hilft und Pam/Jim sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Was soll’s, diese Staffel kriegen wir nun ebenfalls noch rum. Und wenn ich meinen Freunden erzähle, dass diese Show mal das Beste war, was das US-Fernsehen zu bieten hatte, glaubt mir das keiner.

Wertungsschnitt nach 9 Folgen: 4,17 Punkte (durchschnittlich)

THE SIMPSONS (Season 24)

Wird weggeguckt, weil „Futurama“ halt nicht läuft. Es ist die übliche Mischung aus befriedigendem Abnicken plus diversen, teils erschreckenden Langeweiler-Ausgaben, die selbst Auftritte von Gaststars nicht retten können. Ich warte auf den obligatorischen Ausrutscher nach oben, aber bisher kam nichts in dieser Hinsicht.

Wertungsschnitt nach 8 Folgen: 4,18 Punkte (durchschnittlich)

TWO AND A HALF MEN (Season 10)

Ja, ich habe die erste Folge gesehen. Ja, ich habe es bereut. Ja, ich stehe immer noch dazu, dass die Show mir mal richtig Freude bereitet hat. Aber das ist lange, lange her. Ich warte auf das Eingeständnis aller Beteiligten, dass man irgendwann um die siebte Season hätte aufhören müssen und der danach folgende Rest einfach nur langweilig bis hochgradig peinlich war.

Sichtung nach einer Episode eingestellt

WHITNEY (Season 2)

Läuft auch nicht gut. Wo ich in der ersten Staffel noch die Chemie der Hauptdarsteller untereinander lobte, stechen derzeit schwache Skripte, lahme Dialoge und entsprechend durchschnittliche Bewertungen an. Es scheint, als würde Miss Cummings sich aktuell in andere Projekte mehr investieren als in die Show, die ihren Vornamen trägt. Ein bisschen schade ist das schon.

Wertungsschnitt nach 4 Folgen: 3,75 Punkte (unterdurchschnittlich)

Bonus:

SHAMELESS (US) (Season 1)

Willkommen bei der Familie Gallagher, deren Oberhaupt Frank (William H. Macy) seine Invaliditätsrente versäuft und meistens auf dem Teppich oder irgendwo draußen herumliegt, während die älteste Tochter Fiona (Emmy Rossum) den Haushalt schmeißt und zusammen mit ihren Brüdern und einer Schwester das Geld für die anfallenden Rechnungen zusammenkratzt. Ebenfalls involviert: die sexsüchtigen Nachbarn Steve und Veronica, die Jacksons, deren Dame des Hauses Sheila seit Jahren sich nicht mehr aus den eigenen vier Wänden heraustraut und der arabische Gemischtwarenhändler Kash, der unter der Knute seiner weißen islamkonvertierten Frau steht und eigentlich ganz andere sexuelle Bedürfnisse hat.

Habe ich mir zu Weihnachten gekauft und bin aktuell sehr angetan davon. Skurrile Charaktere, allesamt in einem sozialen Brennpunkt gefangen, stets pleite, ein bisschen asig, aber eben auch verdammt clever, straßenschlau und mit einem Zusammengehörigkeitsgefühl, das sie dann doch wieder sympathisch macht. Wo hierzulande eine derartige Familie höchstens im Rahmen einer Reality-Doku auf peinlichste Art vorgeführt werden würde, zeigt das ursprünglich aus Großbritannien stammende „Shameless“, wie man sich trotz einfachster Lebensumstände durchschlägt und zeichnet dabei Figuren, die dem Zuschauer immer mehr ans Herz wachsen. Läuft auf Showtime und spart daher nicht mit Sex, derben Themen und deftiger Sprache. Dafür versprüht es einen Humor, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Wenn dem Sozialdienst etwa statt der lange verstorbenen Tante, deren Rente Frank munter weiter bezieht, eine aus dem Altersheim entführte Oma aus dem Altersheim präsentiert wird. Oder das meist betrunkene Familienoberhaupt seine eigene Beerdigung inszeniert, um Schuldeneintreibern zu entgehen. Wen das immer noch nicht überzeugt, der sei drauf hingewiesen: vor allem Emily Rossum,  aber auch Laura Slade Wiggins und Shanola Hampton sind heiß und zeigen sich desöfteren recht freizügig. Das ist jetzt beileibe nicht der alleinige ausschlagende Grund, die Show zu mögen. Aber halt das berühmte Tüpfelchen auf das i.

Gesamtwertung: 5,50 Punkte (sehr gut)

1600 PENN (Pilot)

NBC probiert sich an einer Comedy rundum das Weiße Haus. Genauer gesagt um den etwas missratenen Präsidentensohn Skip (Josh Gad, „Back to You“), der mit seiner leicht trotteligen Art, aber dennoch großem Herzen Chaos in alles bringt, was seine Eltern (Bill Pullman und Jenna Elfman) nach geregeltem Protokoll ablaufen lassen wollen.

Schön, dass Bill Pullman nach „Independance Day“ nochmal das amerikanische Staatsoberhaupt gibt. Allerdings bräuchte es schon eine zünftige Alien-Invasion, um diese Show für mich witziger oder zumindest interessanter zu machen. Da hilft es auch nicht, dass mit Jason Winer ein gestandener Regisseur diverser „Modern Family“-Folgen mitwirkte. Oder mit Jon Lovett ein altgedienter Redenschreiber im Weißen Haus. Es reicht gerade mal für ein paar leichte Schmunzler, aber vor allem Josh Gads Bemühungen in der Rolle des großen Kindes habe ich schon tausendmal gesehen und den Rest des Casts so gut wie nicht wahrgenommen. Mein Bruder fand es hingegen okay. Aber der schreibt hier drin nicht die Wertungen.

Ersteindruck: 3,5 Punkte (unterdurchschnittlich)