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88 (Juni 2015)

19 Jun

Seit ein paar Tagen herrscht Ruhe in der weiten US-Serienlandschaft. Nur in Florenz schnetzelt ein distinguierter Psychiater fesche Italiener zwecks Kathedraleninnenraumausstattungsbereicherung zu fleischig-blutigen Kunstwerken. Das gibt mir die Zeit, den nächsten Stapel an abgeschlossenen Staffeln zu präsentieren.

12 MONKEYS (SEASON 1)

12 monkeys
Okay, Pro- und Contra-Tabelle ausfalten und eine Wertung fällen. Kann doch nicht so schwer sein.

Es geht um Zeitreisen (++)
Und zu einem guten Teil um Endzeit (++)
Fast schon zu viele Zeitsprünge. Wer da (leider wie ich) nicht immer konsequent dran bleibt, kommt eher schwer wieder rein (-)
Kommt natürlich nicht an den genialen Film heran (-)
Emily Hampshire als irre Strippenzieherin hat was (+)
Amanda Schull als hübsche Apokalypseverhinderungs-Komplizin hat was (+)
Viele Ermittlungen enden in einer Sackgasse, Aktionen zahlen sich nicht aus (-)
Wer will, findet natürlich die üblichen Zeitreiselogiklöcher (-)
Keine Folge, die mich nicht zumindest zufrieden gestellt hat (++)
Das Finale hat reichlich neue Verwirrungspotenziale aufgedeckt (+ -)

Das ist nun freilich arg schlimm verkürzt. Dennoch: die Show hat was und ich bin wirklich versucht, mir in einem zweiten, konsequenten Durchlauf alle Episoden nochmal anzusehen oder mich wenigstens durch ein Wiki zu wühlen, um mir alle Zusammenhänge klar zu machen. Für den Moment verlasse ich mich auf meine Gesamtwertung, die sich dank des gelungenen Saisonabschlusses locker auf knapp 5 Punkte aufrunden lässt.

GESAMTWERTUNG: 4,98 Punkte (gut)

COMMUNITY (SEASON 6)

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Immer noch die verschrobenste Comedy-Serie, die auch eine Comedy-Serie sein will. Mit „Intro to Recycled Cinema“ hat man mal wieder einen absoluten Allzeitfavoriten geboren, mit dem Finale wohl einen neuen Rekord an Metaebenen aufeinandergestapelt und unser Dean in der virtuellen Datenwelt aus „Lawnmower Maintenance and Postnatal Care“ wird mir noch lange im Kopf herumspuken. Dazwischen viel Gutes mit teils sehr seltsamen Endsequenzen, die man wohl als Ersatz zu „Troy & Abed in the Morning“ etablieren möchte.

Andererseits: bei knapp der Hälfte der Staffel blieb ich ein wenig mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurück. Eventuell sind da zu viele Anspielungen an mir vorübergerauscht. Paget Brewster und Keith David, die Neuen in der Gruppe, machen ihre Sache ordentlich; dennoch vermisse ich Troy als Dialog-Ping-Pong-Partner von  Abed doch schmerzlich. Aus Chang könnte man meiner Meinung auch mehr machen.

Summa summarum etwas schwächer als die fünfte, aber weit besser natürlich als die vierte Staffel. An die Hochzeiten der ersten drei Seasons kommt man allerdings nicht mehr ran. Die hebt man sich  dann wohl für den obligatorischen Film auf.

GESAMTWERTUNG: 5,05 Punkte (gut)

LOUIE (SEASON 5)

louie

Immer noch die verschrobenste Comedy-Serie, die keine Comedy-Serie sein will. „Slice of Life“ lautet das Stichwort, um das Baby von Louis C.K. einigermaßen erfassen zu können. G’schichten aus dem Leben hieß das mal bei uns. Keine im Drehbuch verankerten Gags, sondern einfach Einblicke in den Alltag, mit all seinen Begegnungen, Erfahrungen, Erlebnissen. Das kann schräg enden, lustig, dramatisch oder tragisch. Oder auch eher ereignislos. Diesmal nur 8 Episoden umfassend, was bei meinem Wertungssystem immer ein wenig die Gefahr der Unterbewertung heraufbeschwört. Wer einmal eine  wirklich aus der Rolle der Konvention fallende Episode einer TV-Produktion sehen möchte, dem empfehle ich 5×05, passenderweise mit dem Namen „Untitled“ versehen. Ebenfalls hervorhebenswert: die leise, dafür eindringlichere Betrachtung einer Comedy-Tournee im zweiteiligen Finale. „Louie“ bleibt der stille Meister der etwas anderen ZwanzigMinutennochwas-Unterhaltungsshow.

GESAMTWERTUNG: 5,10 Punkte (gut)

GAME OF THRONES (SEASON 5)

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Vieles ist bekrittelt worden an dieser fünften Staffel; der eher langsame Einstieg, ein fehlendes Momentum in der Erzählung, kaum Bewegung bei den Hauptcharakteren. Für mich allerdings überstrahlte eine Tatsache das ganze Gemäkel: Ab dieser Season überholte nämlich die Fernsehserie in einigen Erzählungssträngen die Buchreihe. Was bedeutete, dass Schmökerer wie meinereiner vor nichts mehr gefeit waren. Tod, unschöne Szenen, Pfuiuiuis und anderes Gekrams konnten mich von nun an in jeder Episode als Zuschauer ungefiltert treffen, was schon mal für einiges an Grundanspannung zu sorgen wusste.

Trotzdem hat Game of Thrones dieses Jahr das Spitzenprädikat knapp verpasst. Zwar haben mich die letzten drei Episoden umgehauen und teilweise so fertig gemacht, dass ich kurz darüber nachdachte, den nächsten Tempel des vielgesichtigen Gottes aufzusuchen, um ebendort großes Wehklagen und Gejammere über die Herzlosigkeit von George R.R. Martin abzulassen. Spoilern werde ich an dieser Stelle nichts, aber eine gute Portion Leidensfähigkeit, keinerlei Anzeichen von Depression und ein ansatzweise heiteres Wesen sollten schon vorhanden sein, um schadensfrei diese zehn Episoden durchzustehen. Ich kann mich nicht entsinnen, mal bei einer TV-Serie öfter den Fernseher angeschrien zu haben.

Die entscheidenden Abzüge gab es für die heißdiskutierte Folge, die außer einem mal wieder unnötig reißerischen, feminismusunfreundlichen Finale wenig zu bieten hatte, den etwas zu gemächlichen Einstieg und ein bis zwei Handlungsorten, die die meiste Zeit nicht sonderlich prickelnd herüberkamen. Ansonsten aber gilt: das Kürzen und Herunterbrechen der Vorlage nebst Übertragung von Geschichten auf andere Charaktere funktioniert sehr gut,  Ausstattung und schauspielerische Leistungen sind über alle Zweifel erhaben und über einen Mangel an mitreißenden Momenten darf man sich gegen Ende wahrlich nicht beklagen. Dem alten grauen Grummelbart hinter der Show möchte ich aber allen Ernstes zurufen:

For heaven’s sake, George, please let us have some kind of win. Next season, we really need a win.

GESAMTWERTUNG: 5,85 Punkte (sehr gut)

SILICON VALLEY (SEASON 2) 

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Je länger ich mir „Silicon Valley“ anschaue, desto mehr frage ich mich, weshalb ich mir Sheldon & Co mit ihren Beziehungsödnissen überhaupt noch gebe.

Auch dieses Jahr kann ich die HBO-Show um die fünf seltsamen Typen mit dem flotten Kompressions-Code nur anpreisen. Wer „The IT-Crowd“ mochte und sich an die deutlich rauere Sprache gewöhnen kann, findet hier seine Vorzeigeshow in Sachen Nerdtum. Die Einblicke in die Welt der IT-Firmen, der Software-Entwicklung und des Konkurrenzgehabes sind pointiert, die Hauptcharaktere selbst plus Nebenfiguren wie Gavin Belson oder Russ „Three Comma Club“ Hanneman schräg angelegt. Zusätzlich bangt man trotz ihrer Dummheiten für die Jungs um Richard Hendricks, was das Finale schamlos ausnutzt. Mir als Zuschauer geht es da ähnlich wie bei „Veep“: Das ist alles so übertrieben, dass es der Realität erschreckend nahekommen muss.

Well played, Silicon Valley, well played.

GESAMTWERTUNG: 5,55 Punkte (sehr gut)

VEEP (SEASON 4) 

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Hugh Laurie spielt in der mittlerweilen vierten Staffel von Veep mit. Was das eh schon brillante Ensemble noch mal eine Nuance stärker, fieser, witziger und peinlicher macht. Wer sich von US-Politik als Grundlage und derben Wortausfällen als Garnitur nicht abschrecken lässt, bekommt auch dieses Jahr eine wunderbar aufgelegte Julia Louis-Dreyfus plus ihre erschreckend kompetenzfreien Berater, herrlich kaputte Konkurrenten und mehr peinliche Vorkommnisse als man Fettnäpfchen aufstellen kann. Das minimal schwächere Abschneiden im Vergleich zum Vorjahr liegt in zwei Episoden begründet, die nur 4,5 Punkte erhielten. Gerade die Idee, eine komplette Folge als Aneinanderreihung von einzelnen Anhörungen zu realisieren, hat in meinen Augen der Show ein wenig ihrer Stärke, nämlich den Wortgefechten zwischen Selina und ihren Untergebenen, beraubt. Ansonsten aber geht der Höhenflug von Veep – im Gegensatz zur Karriere von Miss Meyers – weiter.

GESAMTWERTUNG: 5,30 Punkte (gut)

HANNIBAL (SEASON 3)

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Die Show mit den exquisit-edelen Ekeleien ist wieder da.
Menschenfleischgourmet Hannibal treibt sein Unwesen aktuell in Italien und erfreut erneut mit gediegener Ausstattung sowie gehobenen Ansprüchen an Kunst, Kultur, Dialogtiefe und Magenwandstärke. Wer da nicht mithalten kann, kostet besser auch diesmal nicht Probe. Alle anderen dürfen bei den bisherigen zwei Episoden sich weiterhin wie ich ein wenig seltsam dabei fühlen, dass ihnen „Hannibal“ trotz all der Schrecklichkeiten mundet.

Mehr brauche ich wohl an dieser Stelle nicht zu schreiben. Wird auch diese Staffel überzeugen, irgendwann für NBC zu schwachquotig werden und seine Fortsetzung bei Netflix, Amazon oder anderen Interessenten finden. Denn die Mischung aus Stil und Würgereiz bleibt unerreicht.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH ZWEI EPISODEN: 5,30 Punkte (gut)  

WERTUNGSTENDENZ: gut bis sehr gut

 

YOUR FAMILY OR MINE (SEASON 1)

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Auf einer israelischen Serie basierende, klassische Komödie um das Lieblingsthema „Schwiegerfamilie“. Ausgangspunkt sind Oliver und Kelli, die gemeinsam pro Folge abwechselnd ihre Schwiegereltern und deren Familie besuchen. Es bedarf wohl nicht der gesonderten Erwähnung, dass ebendiese nicht aus normalen, verständnisvollen und nachvollziehbar handelnden Menschen bestehen. Im Angebot sind: das leicht verwirrte Familienoberhaupt (Richard Dreyfuss), die stets ihre Abneigung gegen Nichtfamilienmitglieder zeigende Mutter (JoBeth Williams), der beruflich erfolgreichere Bruder, der dickköpfige Akademiker-Daddy (Ed Begley Jr.), die perfekte Hausfrau (Cynthia Stevenson), die neidende Schwester, der Schönling ohne Drang zur dauerhaften Beziehung, die bemitleidenswerte Schwägerin (Angela Kinsey, The Office), das dümmlich-ludernde Schwesterlein.

Einige Charaktere sind zugegebenermaßen zu simpel gestrickt, dafür reißen es Begley Jr. und Williams bei den Eltern wieder heraus. Insgesamt nette Unterhaltung, die für ein paar Schmunzler zwischendurch jederzeit gut ist.

GESAMTWERTUNG: 4,65 Punkte (befriedigend)

HAPPYISH (SEASON 1)

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Wer nach einer Episode von „Game Of Thrones“ mal wieder vollkommen schlagbetäubt und vom Leben nicht nur in Westeros desillusioniert ist, sollte im Anschluss NICHT diese Show gucken. Denn „HAPPYish“ zeigt, dass die Welt eigentlich nur eins ist: ein von Arschlöchern bewohnter Scheißhaufen. Man möge meine Ausdrucksweise entschuldigen, aber wer sich daran schon stört, dürfte im fuck-, shit-, asshole-Gewitter dieser Showtime-Produktion elendig untergehen. Doch der Reihe nach….

Thom (Steve Coogan) und Lee (Kathryn Hahn), verheiratet mit Kind, reflektieren über das Leben, das Streben nach Glück, ihren beruflichen Alltag. Und zeigen alldem bereits nach einem kurzen Intro den Stinkefinger. Ursprünglich sollte die Rolle des Thom Payne mit dem leider zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman besetzt werden. Coogan kenne ich nur als stets peinlichen, vom Misserfolg sich nicht unterkriegenden britischen Fernseh- und Radiomoderatoren Alan Partridge, was schon eine gewisse Umstellung zum fäkalfluchenden, mit dem Leben hadernden Werberessortleiter darstellt.

Mir ist es letztlich zu sehr zwanghaft auf Krawall und Obszönitäten gebürstet, als dass ich meinen Spaß daran haben könnte. Üblicherweise lasse ich mir meinen Spaß nicht durch ein paar Deftigkeiten in der Wortwahl verderben, aber Happyish übertreibt es mir einfach mit seiner Lust an der Provokation. Auch die CGI-Traumsequenzen mit ihren sprechenden Comicfiguren reißen es da leider nicht raus. Dass ich die Show gerne mögen würde, sieht man daran, dass ich 6 Folgen hoffnungsvoll drangeblieben bin. Letzten Endes hat mich aber der krachig-lärmende Themesong mehr beeindruckt als die erzählten Geschichten.

DURCHSCHNITTSWERT: 4,10 Punkte (durchschnittlich)
GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

 

THE COMEDIANS (SEASON 1)

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Alter Showhase (Billy Crystal) und junger Comedian (Josh Gad, 1600 Penn) werden in einem TV-Gagshow-Projekt zusammengesteckt und kommen eher weniger gut miteinander klar. Mockumentary mit Larry Charles (Curb Your Enthusiasm, Seinfeld) als ausführendem Produzenten.

Konnte mich leider nicht überzeugen, obwohl diverse Bestandteile wirklich verführerisch gut klingen. Billy Crystal etwa kann ich mir immer angucken, aber er alleine kann die Show leider nicht tragen. Josh Gad hingegen halte ich für dezent überbewertet, was sein komödiantisches Talent anbelangt. Diverse Elemente und Situationen aus „Curb your Enthusiasm“ blitzen natürlich angesichts des Produzenten durch, aber ich hatte eigentlich immer das Gefühl, dass es Larry David besser hinbekommen hätte. Oder gar schon mal hinbekommen hat.

DURCHSCHNITTSWERTUNG: 4,0 Punkte (durchschnittlich)
GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

OTHER SPACE (SEASON 1)

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Comedy im Weltall, produziert für Yahoo von Paul Feig (Bridesmaids und demnächst Ghostbusters). Planloser junger Kapitän mit unfähiger, unerfahrener Crew, sexy Raumschiff-Hologramm und Streberschwester als First Officer irrt nach einem fehlgeschlagenen Manöver durch Raum und Zeit.

Hätte ich auch gerne alleine schon wegen des Scrubs-in-Space-Settings gemocht. Die Ausstattung ist sehr kostensparend ausgefallen, die Effektabteilung konnte wohl auch kaum aus dem Vollen schöpfen. Was freilich herzlich egal sein könnte, wenn der Humor die Triebwerke gezündet hätte. Was er bei mir allerdings nicht tat. Karan Soni als Kapitän mag für manche niedlich sein, mir ist er zu kindisch-hibbelig, die anderen Crew-Mitglieder haben mich auch nicht für sich in Beschlag nehmen können und der Humor lag schlicht nicht auf meiner Empfangswellenlänge. Vom Roboter ART möchte ich gar nicht erst anfangen. Einzig wegen Natasha, dem Schiffscomputer, bin ich zwei Folgen dran geblieben. Geholfen hat zudem sicherlich nicht, dass in der zweiten Folge Dave Franco, mein Lieblingshass-Schauspieler (der mich in weiten Teilen der letzten Scrubs-Staffel unglaublich genervt hat), auftrat.

DURCHSCHNITTSWERTUNG: 4,0 Punkte (durchschnittlich)
GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

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80 (August 2014)

14 Aug

Nach der fußballbedingten Pause nun endlich die Nachzügler der TV-Saison 2013/2014. Das Jahresranking hatte ich schon vorher veröffentlicht, hier also noch die ausstehenden Texte zu den Zahlen. Inklusive eines peinlichen faux pas.

24 (SEASON 9)

Die neunte Staffel von 24 umfasste diesmal bekanntermaßen nur 12 Folgen, bildete aber dennoch einen ganzen Tag im Leben von Jack Bauer ab. Weil der alte Haudegen am Ende der elften Episode einfach mal eine Verschnaufpause einlegen durfte. Man wird ja nicht jünger. Jünger wurde übrigens auch nicht das hinter der Show steckende Konzept: böse Terroristen halten London in Atem, schikanieren den dort gerade fröhlich über amerikanische US-Luftwaffenbasen verhandelnden Präsidenten und Jack natürlich mittendrin im Schlamassel. Ich schreib es mal so: Wer ein beinharter Fan der Serie ist, dürfte nicht enttäuscht werden. Wer sich erhoffte, dass hinter der Neuauflage mehr steckt als ein Bösewicht-Waffenupdate plus neuer Gesichter bei Freund und Feind, sollte nicht zuviel erwarten.

Denn 24 fährt all das auf, was man schon von früher kennt. Die kleinen Ungereimtheiten, die sich immer mehr potenzieren, die Logiklöcher, die man zugunsten der Action ungestopft lässt oder die fantastischen Hackerfähigkeiten von Chloe O’Brian, die wahrscheinlich auch ein Transistorradio Baujahr 1934 aus 1000 km Entfernung manipulieren könnte. Auch dieses Jahr leider wieder dabei und anscheinend nicht totzukriegen – die unnötige Maulwurf-Nebenstory. Darüber kann man natürlich gutmütig hinwegsehen, mich persönlich störte aber vor allem die Entwicklung um die Verhandlungstaktik des US-Präsidenten, bei der man wirklich zugunsten eines Kniffs jegliche Realitätsschraube überdrehte und somit den Tiefpunkt der Staffel markierte. Zum Ende präsentiert man schließlich die ganz dicken Verwicklungen, mit denen ich mich aber eher noch anfreunden konnte. Ach ja, noch ein kleiner Hinweis an die CGI-Explosionen-Abteilung: Das geht besser.
Die Wertung spiegelt meinen Eindruck von der Staffel treffend wieder. Wegen der oben erwähnten Unzulänglichkeiten knapp am „gut“ vorbei, insgesamt aber schon sehr ordentlich. Für Freunde der Show. Ob ich jetzt aber direkt Season 10 brauche, würde ich im Moment eher verneinen wollen.

Gesamtwertung: 4,89 Punkte (befriedigend)


FARGO (SEASON 1)

Eine sehr angenehme Überraschung aus dem verschneiten Niemandsland diesseits und jenseits von Bemidji, Minnesota. Fargo ist eine rundum gelungene Serie, die dank ihrer schrulligen Charaktere in zehn knapp einstündigen Episoden eine wunderbar auf den Punkt gebrachte Geschichte erzählt. Ohne Ausfälle, ohne eine Minute an Langeweile, sondern irgendwo im Dreieck aus Schmunzeln, Schockiertsein und Staunen verortet. Billy Bob Thornton muss man ohne Zweifel für seine Darstellung diverse Preise in die Hand drücken, Martin Freeman verzeihe ich wegen seiner Leistung so manche Minute, die ich mich bei „The Hobbit“ gelangweilt habe, Allison Tolman mit ihrer goldig schüchternen, aber akribischen Art hat sich in mein Herz gespielt und Bob Odenkirk als planloser Sheriff würde ich sehr gerne in der schon bestätigten zweiten Staffel, die vor den hier erzählten Ereignissen spielt, wiedersehen.

Wertungsmäßig habe ich das kleine Dilemma, dass nach meiner Art der Punktzahlbestimmung Shows von einer längeren Laufzeit im Sinne von mehr Einzelepisoden profitieren. Bei Fargo zückte ich dreimal die 5,0, fünfmal die 5,5 und zweimal die 6,0 – macht nach meinem Wertungssystem insgesamt einen Schnitt von 5,90 Punkten. Ich bin mir aber sicher, dass im Falle von zwei bis drei zusätzlichen Folgen locker die 6,0-Messlatte übersprungen worden wäre. Das Aufrunden lasse ich jetzt noch sein, aber fest ans Herz eines jeden Serienfans möchte ich diese feine Produktion in jedem Fall legen.

Gesamtwertung: 5,90 Punkte (sehr gut)


GAME OF THRONES (SEASON 4)

Game of Thrones ist mittlerweile ein Selbstläufer, die Wertigkeit der Show so bestechend hoch, dass man Ende einer Folge nur die Wahl zwischen „gut“, „sehr gut“ oder „überragend“ hat. Die Stamm-Charaktere haben nichts von ihrer Faszination eingebüsst, zusätzlich führt man neue Figuren ein, die mächtig Eindruck hinterlassen. Wie etwa Pedro Pascal in der Rolle des Oberyn Martell, dem ich mit einem Kniefall den aktuellen „Coolste Sau in einer Fantasy-TV-Serie“-Preis verleihe (der in der Kategorie „Nicht-Fantasy“ geht an Billy Bob Thornton, siehe oben).

Die zugrundeliegenden Bücher von George R.R. Martin bieten wie gehabt destilliert hochklassigen Stoff mit zahlreichen Episoden, die schlicht in ihrer eigenen Klasse spielen. Vor allem zum Ende hin konnte ich nach diversen Ausflügen nach Westeros und Umgebung nur noch japsend und entkräftet das Kärtchen mit der 6,0 ziehen. Wenn man sich beklagen müsste, dann wohl darüber, dass Mr. Martin mal wieder mit der ganz großen Sense über die Schauspielerschar gefahren ist, was angesichts des Qualitätsverlusts in Sachen Darstellungskunst fast schon Trauer hevorruft. Aber so ist er halt drauf, der George.

Gesamtwertung: 6,10 Punkte (überragend)


SHERLOCK (SEASON 3)

I’m slightly disappointed, Mr. Holmes.

Der von mir hochgeschätzte Wortvogel bringt es ziemlich gut auf den Punkt, wenn er schreibt, dass die Show mittlerweile von sich selbst besoffen ist. Auch ich vermisste in den drei Folgen der dritten Staffel die Detektivarbeit, die Herumschnüffelei, die Hinweisaufarbeitung, die dann schließlich zu einer spektakulären Auflösung führt. Stattdessen positioniert man die bekannten Figuren in Situationen, in denen sie sich dezent lächerlich machen und verdutzt an den Wänden der Realität abprallen. Fälle gibt es weiterhin, aber sie stehen weniger im Mittelpunkt und werden nicht ganz so überzeugend wie früher zu einem Ende gebracht. Verdammen möchte ich „Sherlock“ deswegen jetzt nicht, denn die Serie und ihre Charaktere haben weiterhin Charme und Ausstrahlung, können weiterhin unterhalten. Aber es fehlt das Besondere, der Kick, das kleine Stückchen Zucker im Tee. Meine Wertung: dreimal die 5,0, weil das britische Vorzeigeprojekt diesmal dreimal einfach nur „gut“ war.

Gesamtwertung: 5,00 Punkte (gut)


VEEP (SEASON 3)

Schrecklich akribischen Lesern (also mir) wird es aufgefallen sein: Veep tauchte gar nicht in meinem zuletzt veröffentlichen Jahresranking auf. Möge mich der Präsident niemals anrufen, Jonah Ryan mein Freund sein wollen und selbst Gary Walsh sich nicht an meinen Namen erinnern können, aber Schande über mein Haupt: ich hab’s vergessen. Was besonders ärgerlich ist, denn die dritte Staffel ist nicht nur die beste bisher, sondern zugleich auch die beste Comedy in diesem Jahr.

Es scheint, als würde die Vizepräsidentin mit jeder Ausweitung ihrer Tätigkeit lustiger und unterhaltsamer werden. Die Wahlkampftour in diesem Jahr geriet jedenfalls umwerfend komisch, kein Fettnäpfchen blieb unbetreten, keine Peinlichkeit ausgelassen, keine Inkompetenz ungezeigt. George W. Bush würde es wohl Reality-TV nennen. Wer testen möchte, ob die Show ihm gefällt, dem empfehle ich zum Einstieg die Episode „Clovis“, in der Selina Meyer und ihre Entourage auf die wunderbare Welt der IT-Firma desselben Namens trifft. Ähnlichkeiten zu existierenden Marken waren sicherlich beabsichtigt.

Gesamtwertung: 5,45 Punkte (sehr gut)


LOUIE (SEASON 4)

Louis CK ist der Mann mit der größten künstlerischen Freiheit im Showbusiness. In seiner Show auf FX darf er wirklich tun und lassen, was er will. Das liest sich toll, aber manchmal führt es auch zu Momenten, in denen man sich als Zuschauer gewünscht hätte, jemand hätte dem guten Mann mal gesagt, wo es langgehen soll. Denn mit der vierten Staffel bietet der sympathische Stand-Up-Comedian ein eher gemischtes Potpourri an. Der Einstieg ordentlich, die Folge mit Yvonne Strahinski mit einem typischen WTF-Moment, danach aber die auf sechs Episoden gestreckte Geschichte um Louies ungarische Freundin Amia, die abwechselnd okay bis langweilig geriet. Darauf wiederum die sehr gelungene Coming-of-Age-Story mit Louies Vergangenheit als Haschischdealer. Und zum Schluss eher okay eingespielte Kost mit Pamela Adlon. Die eingestreuten Stand-Ups ließen mich insgesamt oft noch etwas wohlwollend in die Wertungskiste greifen, aber insgesamt hatte ich mir schon etwas mehr erwartet.

Gesamtwertung: 4,94 Punkte (befriedigend)


SILICON VALLEY (SEASON 1)

Die zur Zeit beste Nerd-Comedy, die bei mir wahrscheinlich irgendwann dafür sorgt, dass ich „The Big Bang Theory“ absetze. Denn „Silicon Valley“ ist näher an dem dran, was ich unter Geeks, Freaks und Nerds verstehe. Keine Massenkompatibilität, keine dauerhaften Beziehungen, sondern einfach nur schräge Typen ohne Anschluss an die Realität jenseits der Tastatur, die zusammen eine Firma aufbauen. Ich habe bisher sehr wenig über diese Show in der Blogosphäre gelesen und finde, dass ihr viel mehr Aufmerksamkeit gebührt. Bezeichnenderweise hat sich auch noch kein deutscher Sender um die Ausstrahlungsrechte bemüht, wahrscheinlich wegen des speziellen Humors. Eben der ist alles andere als für jeden gemacht, sondern zuweilen derb. Wenn ich einen Vergleich anbringen müsste, dann wäre es wohl der mit „Party Down“, nicht zuletzt weil dort auch Martin Starr mit von der Partie war. Von den insgesamt acht Episoden war der Pilot noch am schwächsten, weil nur okay. Aber wer sich davon nicht abschrecken lässt, erlebt danach durchgehend gute bis sehr gute Einsichten in das Leben von vier Nerds und einem verzweifelten Manager. Eine zweite Staffel ist geordert und ich freue mich darauf, den liebenswerten Chaoten bei der Eroberung der IT-Welt zuzusehen.

Gesamtwertung: 5,28 Punkte (gut)

77 (Mai 2014)

8 Mai

Der Serienchecks drei bringt der Mai. Denn es hat sich einiges angesammelt, weshalb ich mein Geschreibsel in drei Beiträge unterteilen werde: Neuzugänge & Saisonstarts, die große Saisonabschlussrundschau sowie Nachgeschaut (Serien, zu deren Sichtung ich endlich gekommen bin). Los geht’s:

24 – LIVE ANOTHER DAY (Season 9)

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Der Terrorist liegt auf der Lauer /  Er rechnet nicht mit Opa Bauer /Ein PENG! und er vornüber fällt / Jack rettet wieder mal die Welt 

Diese hochwertigen Verse habe ich mir soeben aus den Fingern gesaugt. „Jack is back“ (wie auf dem Banner oben) schien mir etwas zu ausgelutscht. Und nach zwei gesehenen Episoden des Comebacks von Jack „Dammit!“ Bauer darf ich sagen: Ist alles wie früher. Fans werden nicht enttäuscht, die anderen schütteln den Kopf über die kleinen Logikschnitzer, die mittlerweile leicht vorhersehbaren Twists und  die vaterlandstreue Einstellung der Hauptfigur zum gar bösen Whistleblowertum. Ich fand den Wiederauftakt jetzt nicht schlecht, vor allem freute mich der Auftritt von Stephen Fry als britischer Premier, aber vor Begeisterung auf die Knie gesunken bin ich auch nicht. Wenn es gut läuft, wird „Live Another Day“ eine um 12 Episoden gekürzte, routiniert an den aktuellen Stand des Terrors angepasste Auflage des bekannten Schemas. Andernfalls muss Kiefer Sutherland wieder ein paar Jahre in den Untergrund und noch mürrischer werden.

Wertungsschnitt nach 2 Episoden: 4,75 Punkte (befriedigend)

Gucklistenstatus: Wer ist der Maulwurf der Saison? Wie oft wird Jack angeschossen? Gibt es neue Foltermethoden? Hat Kim Bauer einen Auftritt? Alles Fragen, die beantwortet werden müssen! Also: klar drauf.


 

FARGO (Season 1)

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FX präsentiert die Serienadaption des Klassikers der Brüder Coen. Im gemütlichen, aber kalten Städtchen Bemidji im Staate Minnesota kreuzen sich die Wege des harmlosen Versicherungsvertreters Lester Nygaard (Martin Freeman) und des skrupellosen Auftragskillers Lorne Malvo (Billy Bob Thornton). Diese Begegnung setzt eine Kette von desaströsen Geschehnissen in Gang, die die örtliche Polizei in Form der resoluten Ermittlerin Molly Solverson vor viel ungewohnte Arbeit stellt.

Hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich den zugrundeliegenden Film nicht mehr so recht präsent im Gedächtnis habe. Macht aber nichts, denn die Serie erzählt eine andere Geschichte und bedient sich nur des schrulligen Settings, in dem die unbedarften und unaufgeregten Bewohner eines stets hübsch verschneiten Städtchens auf die gewaltbereite Welt des organisierten Verbrechens treffen. Martin Freeman ist in der Hinsicht die perfekte Verkörperung gutbürgerlicher Unauffälligkeit, die mit einem Schlag ins Chaos gestürzt wird, während Billy Bob Thornton einen extrem lässigen Charakter mit eindeutiger Arschlochtendenz gibt, den man angesichts seines unverfrorenen Opportunismus und seiner durch nichts zu erschütternden Coolness fast schon ein wenig beneidet. Auch die Nebenrollen lassen Freude aufkommen: Breaking Bad-Alumni Bob „Better Call Saul“ Odenkirk gibt sich die Ehre, Allison Tolman als hartnäckige, aber stets liebenswert zurückhaltende Ermittlerin überzeugt, ja selbst der aus Dexter mit wenig Ruhm verabschiedete Colin Hanks und Keith Carradine füllen ihre Rollen als sympathisch ahnungslose Landeier angenehm aus.

Angelegt auf gerade mal acht Episoden, dürfte bei Fargo wenig schiefgehen, wenn man weiterhin auf die bewährte Mischung aus dem auf die heile Welt herabstürzenden Chaos setzt. Von mir jetzt schon eisklare Empfehlung.

Wertungsschnitt nach 3 Episoden: 5,43 Punkte (sehr gut)

Gucklistenstatus: dicke drauf, weil sehr gut


FRIENDS WITH BETTER LIVES (SEASON 1)

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Sechs Freunde in unterschiedlichen Beziehungsstadien (ein verheiratetes Paar mit Kindern, ein frisch verliebtes Paar, ein geschiedener Kerl, eine unvermittelbare Zicke) hängen in einem Haus herum und ziehen sich gegenseitig auf, weil keiner das perfekte (Liebes-)Leben hat.

CBS mit dem Versuch einer frechen Comedy, der mächtig in die Hose geht. So gerne ich den einzigen normalen Charakter aus Entourage (Kevin Connolly) und die mir aus Whitney bekannte Zoe Lister Jones wiedersehe, so unlustig und vergessenswert ist diese Show. Von den Charakteren geht mir als Zuschauer keiner auch nur ansatzweise nahe, die Gags wirken bemüht und wenn es einmal pro Folge ins Explizite geht, schlicht peinlich. Ob man eine Freunde-Komödie generell darauf basieren lassen sollte, dass jeder auf den anderen neidisch ist und ihm deshalb seine Schwächen vorhält, würde ich die Autoren auch gerne mal fragen. Wie auch immer: nach der zweiten Episode konnte und wollte ich mir das Elend nicht mehr antun.

Wertungsschnitt nach 2 Episoden: 3,25 Punkte (unterdurchschnittlich)

Gucklistenstatus: nix wie weg und abgesetzt


SILICON VALLEY (SEASON 1)

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HBO in Zusammenarbeit mit Beavis & Butthead-Erfinder Mike Judge erzählt die Geschichte des Tech-Startups Pied Piper. Der von Geschäftsdingen unbeleckte Student Richard programmiert eine eher sinnlose App, deren integraler Bestandteil allerdings die IT-Welt revolutionierende Kompressionsalgorithmen sind. Statt sein Baby meistbietend zu verkaufen, schickt er sich an, unter der Obhut des Software-Gurus Peter Gregory eine eigene Firma zu gründen. Mit dabei: seine Studienfreunde, die komplett nur an ihren Rechnern kleben und wenig Ahnung von der Welt abseits von Tastatur und Maus haben.

Wer seine Geeks nicht auf Konformität mit dem Massengeschmack getrimmt und weit fernab von Beziehungsgeschichten mit dem anderen Geschlecht in seinem natürlichen Reservat sehen mag, sollte dieser Workplace-Comedy eine Chance geben. Verdient hat sie diese auf jeden Fall, denn der Blick auf die schöne neue Technikwelt mit ihren vor Schrullen strotzenden Bossen, teamunfähigen Sonderlingen und all den peinlichen Momenten, wenn vergeistigte Programmierer Geschäftsentscheidungen treffen, hat mir bisher richtig Spaß gemacht. Mike Judge, der auch für die überaus gelungene Arbeitsplatzcomedy Office Space (hierzulande: Alles Routine) verantwortlich zeichnet, weiß, wovon er schreibt: war er doch selbst Ende der 80er Jahre als Entwickler im Silicon Valley tätig. Und das merkt man den Dialogen, Figuren und Situationen deutlich an. Nebenbei bringt der mir größtenteils unbekannte Cast (ich habe spontan nur Martin Starr aus Party Down und Zach Woods aus The Office größeren Rollen zuordnen können) die Geschichte sehr authentisch rüber. Wer mit dem Thema etwas anfangen kann und die Anspielungen entsprechend versteht, dürfte ein ums andere Mal mit einem fetten Grinsen im Gesicht vor dem Fernseher sitzen. Oder noch passender: dem Rechner.

Wertungsschnitt nach 5 Episoden: 5,05 Punkte (gut)

Gucklistenstatus: geeky, hehe


 

SURVIVING JACK (SEASON 1)

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Amerika, irgendwo, die 90er:
Strenger, aber im Herzen doch fairer Familienvater kümmert sich um die
Erziehung seiner Kinder, nachdem seine Frau beschließt, sich dem
mühevollen Studium der Rechte zu widmen. Basierend auf den Ideen des
Autors, der uns schon die eher kurzlebige Show „Shit my Dad says“
brachte.

Und jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, hat der ausstrahlende Sender FOX endgültig den Stöpsel gezogen. Von meiner Warte aus eine absolut vertretbare Entscheidung, denn die Show hatte außer der dominanten Vaterfigur (Christopher Meloni) nichts zu bieten. Ja, „Surving Jack“ wollte noch ein bisschen „That ’90s Show“ sein, aber Menschen in meinem Alter und mit meinen TV-Show-Kenntnissen wissen: die 80er waren viel cooler und „The Goldbergs“ sind viel besser.

Wertungsschnitt nach 1 Episode: 3,5 Punkte (durchschnittlich)

Gucklistenstatus: doppelt abgesetzt


 

GAME OF THRONES (SEASON 4)

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[Bitte jetzt vorstellen, wie ich voller Inbrunst zum majestätischen Klang des Intros singe]

Es ist wieder da-ha, wieder da-ha, wieder da-ha, wieder da-ha, wieder da.

Ich habe mittlerweile alle Bücher durch und weiß, dass auch diese Saison für genug Tod, Drama und allgemeines Unwohlsein rundum Westeros gesorgt sein wird. Es kann eigentlich nichts schiefgehen, wenn die Serie wie gewohnt die Filetstücke aus George R.R. Martins Werk herausschneidet und gebührend in Bild und Ton setzt. Innerhalb der bisher gelaufenen vier Episoden hat es schon einmal amtlich gerummst in der emotionalen Schatzkiste und der nächste große Knall kommt bestimmt (wahrscheinlich in der Folge #9). Positiv: auch für Kenner der Vorlage ist durchaus gesorgt, wie eine Szene ganz am Ende einer Episode beweist. Dezent negativ: die letzten beiden Folgen brachten viel an wenig handlungsergiebigen Sprüngen innerhalb der mittlerweile zahlenmäßig ordentlich angeschwollenen Erzählstränge. Aber so richtig böse kann man der Show nicht sein, solange sie in Sachen Inszenierung überzeugt, coole neue Charaktere wie Prince Oberyn bringt und die bekannten Figuren eifrig ihre Intrigen spinnen.

Wertungsschnitt nach 5 Episoden: 5,60 Punkte (sehr gut)


 

VEEP (SEASON 3)

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Sehr starker Start der Jetzt-Wahlkämpferin um die Präsidentenschaft, Selina Meyer. Es tut der Show für mich als Europäer und damit in Sachen amerikanischer Innenpolitik wenig bewanderter Zuschauer sehr gut, dass sich die Vizepräsidentin jetzt mit den großen Themen beschäftigen muss, um auf Stimmenfang zu gehen. Da kann ich mir umso befreiter bei den peinlichen Fehltritten des Teams und des unnachahmlichen Jonah Ryan die Hände vors Gesicht schlagen. Ganz groß bei den bisher gelaufenen fünf Folgen: der Besuch bei dem fiktiven Softwaregiganten Clovis. Aber auch generell scheint die Show dieses Jahr die nächsthöhere Stufe in meinem Wertungsschema ansteuern zu wollen. Go for it, Selina!

Wertungsschnitt nach 5 Episoden: 5,35 Punkte (gut)


 

LOUIE (SEASON 4)  

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Nach zwei Jahren Pause taucht Standup-Ikone Louis CK mit neuen Folgen seiner etwas anderen Art der Comedy auf. Die Mischung aus ruhigen, fast nachdenklichen Momenten, unerwarteten Schrägheiten der Seltsamkeitsstärke 10 und derben Dialogen steht wieder auf dem Programm. Da ich seit ein paar Wochen „Legit“, die Show des australischen Kollegen Jim Jefferies (dazu mehr später in der Rubrik „Nachgeschaut“) auf dem Schirm habe, ist Louis CK nicht mehr konkurrenzlos. Der Auftakt in Form von gleich zwei Episoden brachte mir zu Beginn wieder etwas zuviel Leerlauf, aber die Standups und die unerwarteten WTF?-Momente (der Arzt mit seiner sehr allgemein gehaltenen Rückenschmerzdiagnose, das Ende des Dates mit dem „Model“ Yvonne Strahovski) ziehen es wertungsmäßig doch wieder auf das gewohnte Niveau.

Wertungsschnitt nach 2 Episoden: 5,00 Punkte (gut)

59 (August 2012)

28 Aug

Sommer, Sonne, Seriencheck. Diesmal geht es um die Nebensaison im US-Fernsehen, zu der stellenweise die gar schröcklichsten Reality-TV-Shows ausgepackt werden. Über die ich an dieser Stelle natürlich nicht berichten werde. Aber es gibt auch Tolles, Interessantes und Spannendes.

Anger Management (Season 1)

Charlie Sheen als ex-Baseballspieler und nun Aggressionsbewältigungstherapist, der die besten Anlagen hat, sein bester eigener Patient zu werden. Was er u.a. bei einem Treffen mit dem Freund seiner ex-Frau (Shawnee Smith, Becker) unter Beweis stellt. Also flugs eine Therapiesitzung mit einigen hoffnungslosen Fällen zusammengestellt und sich der eigenen Seelenklempnerin und Teilzeit-Liebhaberin Kate (Selma Blair, Hellboy) anvertraut. Was soll da schiefgehen?

Was hatte Mr. Sheen getönt, als er bei Two And A Half Men rausgeflogen war. Dass die Erfolgscomedy schon längst nicht mehr witzig sei, sondern nur noch öde – womit er zugegebenermaßen nicht ganz Unrecht hatte. Und dass er nun beim Kabelsender FX in einer viel besseren Show mitspielen werde, mit frischem, direkten Humor ohne Rücksicht auf Verluste. Okay, bei dem Teil hatte er zuvor wohl gerade das Näschen etwas zu tief im Kokaintöpfchen versenkt. Denn „Anger Management“ ist eine ziemlich biedere, by the book-Comedy geworden, die man getrost auslassen darf. Ja, die Anfangsszene im Piloten, als Sheen scheinbar nochmal seinen Konflikt mit TAAHM-Chef Chuck Lorre ausfechtet, ist gelungen. Nein, danach kommt aber nichts mehr, was hervorsticht oder in Erinnerung bleibt. Charlie charmiert wie üblich, sucht und findet Sex oder verzweifelt statt an seinem Serienbruder Jon Cryer nun an seinen Therapiefreunden, von denen gleich mehrere nicht meine Art von Humor trafen. Nach der ersten Folge vergab ich noch ein „befriedigend“, für die zwei nächsten Episoden ging es wertungsmäßig schon deutlich bergab, weshalb ich danach den Schlussstrich zog. Für beinharte Fans von Mr. Sheen und Zuschauern, die Two And A Half Men immer noch für großartig halten.

Sichtung nach 3 Episoden eingestellt

Wertungsschnitt: 3,66 Punkte (unterdurchschnittlich)

Falling Skies (Season 2)

Erde immer noch von Aliens besetzt, Städte kaputt, aber der Familie geht es den Umständen entsprechend ganz gut. Geschichtsprofessor Tom Mason kämpft aufs Neue mit der 2nd Mass, dem zweiten Militärregiment Massachusets, ums Überleben. Zum Ende der ersten Staffel wurde er vom großen Alienbösewicht zum Plausch eingeladen und ich befürchtete das Schlimmste. Wollten die Aliens nur die Kinder retten, weil die Menschheit die Erde vernichtete? Warum denkt denn keiner an die Kinder? Oder an die Teenies oder Familien, mit all ihren Beziehungsproblemen, die auch mitten im schönsten Endzeitszenario doch so wichtig sind?

Man mag sich fragen, weshalb ich bei der zweiten Staffel eingestiegen bin. Na, es ist halt Sommer, es kommt sonst nichts, ich mag Sci-Fi-Endzeitgedöns, vielleicht wird es ja besser. Und Obacht: die ersten Folgen sollten mir richtig gut gefallen. Endlich liegt der Fokus mehr auf dem Überlebenskampf, alles ist düsterer gezeichnet, die Kids nerven nicht, die Auseinandersetzung mit den Aliens ist allgegenwärtig und wird blutig geführt. Es gibt Opfer innerhalb der Gruppe, die man richtiggehend betrauert, aber auch Hoffnung in Form einer Stadt namens Charleston, in die sich zahlreiche Überlebende gerettet haben sollen. Leider, leider dreht die Show nach etwa der Hälfte wieder an den falschen Knöpfen.

Der kleine Matt will sein Testament verfassen; Hal liebt Sarah, aber die hatte ja so ein schweres Leben und dann gibt es ja auch noch Karen, seine Ex-Verflossene, die aber nun ein voll durchtrieben böses Alienluder geworden ist. Aber tief im Inneren verspürt sie vielleicht doch noch etwas? Ach. Oder mag sie eher Hals Bruder Ben, den mit dem süßen Justin-Bieber-Look, der eine Alienrevolte der Skitters anführen will? Puh. Gegen Ende findet man Charleston, trifft auf Terry O’Quinn in einer wenig glorreichen Rolle als Bürgermeister, legt sich mit dem Militär der Stadt an, jemand wird natürlich noch schwanger, der böse Oberalien taucht kurz auf, sagt Hallo und zum krönenden Finale schreiben die Autoren einen Twist rein, der die enttäuschten, weil mehr auf SciFi als auf Familien-Soap hoffenden Zuschauer wie meine Wenigkeit auf die dritte Staffel heiß machen soll. Ich weiß nicht, ob das nochmal klappt.

Fazit: wegen der verpatzten zweiten Staffelhälfte nur leicht besser als die erste Season. Mit guten Ansätzen, die man letzten Endes aber nicht konsequent weiterverfolgt hat.

Gesamtwertung: 4,30 Punkte (durchschnittlich)

Futurama (Season 7)

Die bessere Show von Matt Groening geht mittlerweile in die siebte Staffel. Das Comeback im Sommer 2010 war von meiner Sternwarte aus vollends geglückt, die Show sprühte nur so vor Einfällen, Witz und Charme. 2012 wird der Fan von Fry, Leela & Co. bis dato erneut zufriedenstellend bedient, auch wenn sich ein paar recht deutlich schwache Episoden wie „Zap Dingbat“ oder „The Butterjunk Effect“ eingeschlichen haben. Dafür gibt es treffenden Spott auf Präsidentenwahlen („Decision 3012“), eine gelungen epische 100. Jubiläumsfolge („A Farewell to Arms“) und der wohl seltsamste Blick auf das Oktoberfest im 30. Jahrhunderts („Fun on a Bun“). Was leider fehlt, sind richtige Knallerepisoden, die mich die magischen 5,5 bzw. 6 Punkte ziehen lassen (bisher nur die erwähnte Jubiläumsepisode). Season 7 könnte wegen der Ausfälle und der Schwäche im Hochnotenbereich am Ende unterhalb der 5-Punkte-Grenze landen. Aber noch ist ja Zeit.

Aktueller Durchschnittswert: 4,60 Punkte (befriedigend)

Men At Work (Season 1)

Vier Kumpels arbeiten in einem Verlagshaus in New York. Einer davon wurde just von seiner Freundin verlassen. Keine Frage, dass die Männergruppe dem Sitzengelassenen mit Rat und Tat in Sachen neue Liebesbekanntschaften zur Seite steht. Obwohl keiner von ihnen selbst eine Ahnung von Beziehungen hat…

Erinnert sich noch wer an Steven Hyde? Den Hyde aus „That 70’s Show“? Der Hardrock und Hasch konsumierende Lockenkopf, der mit Abstand der Coolste aus der Truppe von Teenagern aus Wisconsin war? So jedenfalls meine bescheidene Meinung. Was ist eigentlich aus dem geworden? Nun, aktuell spielt er unter seinem bürgerlichen Namen Danny Masterson in der neuen Buddy-Comedy „Men At Work“ mit. Auf dem Kabelsender TBS, der schon Conan O’Brien eine neue Heimat gab.

„How I Met Your Mother“ ohne Mother und generell ohne Frauen in der Gruppe könnte die grobe Umschreibung lauten. Denn Barney Stinson, Ted Mosby und Marshall Eriksen würden prima in die Clique reinpassen.

Für mich ein unterschätztes Comedy-Kleinod dieser Sommersaison. Ich mag die vier Charaktere durch die Bank weg, sei es der eitle Sonnyboy, der Ladies Man, der geekige Schüchterne (der als einziger verheiratet ist) und Milo, der Verlassene. Danny Masterson – nun mit Vollbart – versprüht weiterhin maximale Lässigkeit trotz Planlosigkeit. Neue Sitcom-Brötchen werden keine gebacken, ein, zwei Episoden gehen nicht auf, vieles an Story wurde auch schon bei Friends und Co. verwurstet, aber das Ergebnis mundet. Zumal es mit „Toilet of Eden“ den besten Wassertoiletten-Tribute seit Al Bundy’s Folge mit der Original Ferguson zu bestaunen gibt. Auch sehr gelungen: das Finale mit dem Decathalynn, einem Zehnkampf voller Schmerz, Leidenschaft und Hingabe.

Schlussendlich landet der Newcomer bei exakt der Punktwertung, die „How I Met Your Mother“ in diesem Jahr bei mir einfahren konnte. Womit sich der Kreis zu Barney & Co. schließt. Ich freue mich auf die zweite Staffel.

Gesamtwertung: 4,75 Punkte (befriedigend)

Louie (Season 3)

Die Show, deren gelungene Folgen ich immer zu hoch bewerten werde. Weil ich den Komiker Louis C.K. schlicht grandios finde. Was der Mann in seinen Stand-Ups von sich gibt, ist teilweise schlimmst derb, aber auch furchtbar wahr und erschreckend intelligent. Nebenbei revolutioniert mit seiner Webseite den Vertrieb von Spoken Comedy-Werken. Seine Show bei FX ist und bleibt für mich aber eine Angelegenheit mit zwei Seiten. Manchmal brillant, manchmal unter reinen Comedy-Aspekten langweilig. Natürlich kann man jede Episode unter dem Aspekt des „Da zieht jemand sein Ding durch, bleibt unvorhersehbar, bietet neue Einblicke in das Beziehungsleben des New Yorkers im 21. Jahrhunderts, überrascht mit ruhigen Persönlichkeitsanalysen“ über den grünen Klee loben. Die thematisch oft zweigeteilten Episoden erzählen Geschichten, die manchmal gar keinen lauthals zu belachenden Witz transportieren wollen.

Aber wenn sie es tun, dann sind sie großartig. Am offensichtlichsten trifft dies in der aktuellen Season auf die Teilepisode „Never“ zu, in der Louie einen kleinen Gast in sein Haus aufnimmt, der an krassem Verhalten nicht mehr zu toppen ist.

Update: zum Ende der Staffel serviert uns „Louie“ noch einen richtig
zu Herzen gehenden, aber auch herrlich komischen Dreiteiler namens „Late
Show“, für deren Finale ich ohne Zögern die Höchstwertung ziehe.

Gesamtwert: 5,10 Punkte (gut)

Go On (Season 1)

Ryan King ist Sportmoderator bei einer Radiostation, hat dabei stets einen flotten Spruch auf den Lippen – und vor einem Monat die Liebe seines Lebens verloren. Weshalb seine Kollegen ihn statt zur Arbeit in eine Gruppentherapie schicken. Wo King unter den Beteiligten für Chaos, aber seltsamerweise auch gelungene Trauerbewältigung sorgt.

„I’m back!“, ruft der ewige Chandler (Matthew Perry) zu Beginn der Pilotepisode und man freut sich als Zuschauer mit ihm. Ich gestehe offen und ehrlich, zu den Leuten zu gehören, die Mr. Perry endlich ein gelungenes Comedy-Comeback wünschen würden. Mit „Go On“ hat er sich allerdings an ein diffiziles Projekt gewagt, denn die Show will Trauer, Verlustbewältigung und Comedy in einem Rutsch anpacken. So etwas funktionierte zuletzt bei manchen Episoden von „Scrubs“. Aber durchgehend?

Ryan King gibt den aufgedrehten Sprücheklopfer, der wie ein Flummi mit voller Wucht auf die starre Gruppe der Trauernden prallt. Die daraus entstehenden Situationen und Komplikationen fand ich im Nachhinein gelungen. Im Nachhinein? Ja, ich musste mir die Folge zweimal anschauen, beim ersten Eindruck fand ich vor allem das „Wer ist die ärmste Sau in der Therapie?“-Ausscheidungsturnier etwas zu aufgesetzt. Trauern und Spaß dabei haben ist nun mal eine Kombination, die mir etwas schwer in die Humorzone gleitet. Insgesamt stellt der Pilot einen empfehlenswerten Auftakt der Show dar, die am 11. September (tolles Timing!) fortgeführt wird. Dann dürfte man erfahren, ob der Spagat zwischen den beiden Extremen Lachen und Weinen weiter gelingt. Sorgen habe ich, dass die US-Zuschauer sich vielleicht zu sehr an „Anger Management“ erinnert fühlen und die neue NBC-Show ignorieren. Als Europäer prallen zudem die Sportthemen wie US-Basketball oder US-Football souverän an mir ab, da würde ich also nicht unbedingt den Witzefokus drauf legen.

Ersteindruck: 5,0 Punkte (gut)

Im zweiten Teil der Sommersaison folgen demnächst:

Breaking Bad (Season 5)

The Newsroom (Season 1)

The Exes (Season 2)

Weeds (Season 8)

50 (September 2011)

18 Sep

Von nun an geht es wieder rund im Serienland – heute Abend die Emmys, diverse Serienpiloten schwirren bereits umher und die meisten Midseason-Shows haben ihre Staffeln abgeschlossen. Zeit daher für einen Rückblick auf die Sommershows:

Almost Heroes [Season 1]

Kanadische Serie, die sich dem Trend der Geeky Comedy im Stil von The Big Bang Theory oder The IT Crowd verschrieben hat und ihre Sache insgesamt sehr ordentlich macht. Die gerade mal 8 Episoden umfassende Saison bietet sympathisch-witzige Unterhaltung mit durchweg gelungenen Nebencharakteren. Das Brüderpaar Terry und Peter steht dabei natürlich im Vordergrund, vor allem Ryan Belleville legt seiner Figur des Comicladenbesitzers die authentische, fast kindische Hibbeligkeit zugrunde. Aber auch der verfeindete Sportshop-Inhaber Dan, die sich ewig auf der Suche nach Liebe befindliche Dauerfreundin Bernie oder der kauzig-seltsame Wachmann Boyd können überzeugen und tragen zur positiven Bewertung der Show bei. Insgesamt ein würdiger Lückenfüller, der zwar nicht ganz an die großen Momente des Nerdwahnsinns herankommt, aber so manche jüngere Folge von Sheldon & Co. übertrumpft.

Absoluter Wert: 4,93 Punkte / Anzahl an Höchstwertungen: 1x 5,5 Punkte
Gesamtwertung: gut
Top of the Show: S1E02 Terry and Peter vs.Wendell  

Curb Your Enthusiasm [Season 8]

Larry David wird auch langsam alt und die mittlerweile achte Staffel seiner Show leidet aus meiner Sicht an deutlichen Abnutzungserscheinungen. Nach einem sehr gelungenen Start mit der Folge „The Divorce“, in der sich unser Held in die schräge Situation hineinmanövriert, einem Mädchen theoretische Hilfestellung im Umgang mit Tampons geben zu müssen, pendelte sich die Qualität der späteren Episoden auf einem guten, aber eben nicht leider mehr überragenden Niveau ein. Viele der typischen Wendungen in den Geschichten wirken auf mich zu bemüht, zu künstlich, es fehlen mir die schreiend komischen Momente früherer Staffeln. Natürlich blitzt hier und da der Genius auf, wenn soziale Beobachtungsgabe auf alltägliche Situationen trifft. Andererseits versinken diese Momente aber leider allzu oft in harmlosem Plauschgeplänkel. Wenn es demzufolge an Spitzenwertungen fehlt und sich mit „The Bi-Sexual“ sich auch ein echter Langeweiler in die Staffel verirrt hat, passiert es auch einem Altmeister wie David, dass er unter die 5 Punkte-Durchschnittswertung fällt.

Absoluter Wert: 4,70 Punkte / Anzahl an Höchstwertungen: 1x 5,5 Punkte
Gesamtwertung: befriedigend
Top of the Show: S8E01 The Divorce 

Entourage [Season 8]

Sollte es jemals einen Preis für das liebloseste Finale einer TV-Serie geben, die Abschlussepisode von Entourage hätte ihn sich redlich verdient. Acht Folgen lang beobachtet man die Clique um Superstar Vince Chase bei ihrem Treiben und findet leider wie schon die Staffel zuvor wenig Berauschendes daran. Vielleicht insgesamt eine kleine Spur besser als die siebte Season, fehlt es weiterhin an einer mitreißenden Story für die Charaktere: Vince ist aus dem Entzug und verfolgt schreiend gähnige Filmprojekte und eine blonde Journalistin, E hängt wie gewohnt seiner großen Liebe nach, Drama hat mit seiner Zeichentrickserie noch den interessantesten Plot, Ari entzweit sich von der Gattin und Turtle hat wahnsinnig viel Gewicht verloren, aber immer noch keine gute Geschichte auf den nun schlanken Leib geschrieben bekommen. Zum Finale wird alles flugs zusammengerührt, eine Überdosis Happy End reingeworfen, frühere Storybögen der Staffel nicht mehr beachtet und Vince hastet urplötzlich dorthin, wo es ihn vorher nie hingezogen hatte. Ich kann nicht sagen, ob es wirklich einen Entourage-Film geben wird – nach dieser Season schaue ich mir lieber nochmal die zweite oder dritte Staffel an. Mein Tipp an die Macher: wenn ihr ein Spin-Off mit Ari Gold als mächtigen Filmboss machen wollt- okay. Aber strengt euch dann ein bisschen mehr an.

Absoluter Wert: 4,13 Punkte
Gesamtwertung: durchschnittlich

Falling Skies [Season 1]

Der Eindruck aus den ersten Folgen hat sich bewahrheitet. Ein Sci-Fi Drama mit dem Schwerpunkt auf Familie, elterliche Fürsorge und irgendwie halt auch Aliens. Ganz so schlimm wie befürchtet lief die Staffel dann doch nicht ab: weder fiel der Satz „Denkt denn keiner an die Kinder?“ noch haben die Kids und Jugendlichen die Aliens letzten Endes mit der Macht der Liebe in die Flucht schlagen können. Dafür kam bei mir als Zuschauer nie die allgegenwärtige Gefahr für Leib und Leben nach einer außerirdischen Invasion an. Die Besatzer störten ab und zu das Idyll der Schulruinen, richtige Einblicke in ihre Pläne bekam man allerdings nur spärlich. Schade, denn es waren nicht umsonst die Folgen um die Enthüllung der Herkunft der Skitters, die ich noch am stärksten empfand. Auch hätte ich gerne mehr Charaktere vom Kaliber des kauzigen Außenseiters John Pope gesehen. Das Finale schließlich hat mich enttäuscht zurückgelassen, bestätigt es doch meine sorgsam gepflegten Vorurteile, dass die Auflösung des Plots um die Außerirdischen mir letzten Endes die flache Hand vors Gesicht treiben wird.

Absoluter Wert: 4,25 Punkte
Gesamtwertung: durchschnittlich

Futurama [Season 6, Part 2]

Der zweite Teil der Staffel steht dem gelungenen ersten Teil kaum in etwas nach und verbindet das Ganze zu einer nach den eher mäßigen Filmen so nicht erwartbaren, qualitativ hochwertigen sechsten Season. Besser als die Simpsons und Family Guy in den Bereichen Parodie, aktuelle Bezüge und Anspielungen und damit die beste Zeichentrickserie dieses Jahres. Bei insgesamt 26 Folgen kann man über kleine Aussetzer wie „Yo Lee La“ und „Fry Am The Egg Man“ hinwegsehen, auch wenn diese in der zweiten Hälfte den Schnitt etwas nach unten sinken ließen. Dafür gab es reichlich Ausgleich mit zwei überragenden und drei sehr guten Episoden. Good reviews, everyone!

Absoluter Wert: 5,16 Punkte / Anzahl Höchstwertungen: 2x 6 Punkte; 3x 5,5 Punkte
Gesamtwertung: gut
Top of the Show: S6E16 Ghost in the Machines, S6E17 Law And Oracle, S6E23 The Tip Of The Zoidberg, S6E25 Overlockwise, S6E26 Reincarnation

Louie [Season 2]

Wie schon die erste Staffel, nimmt auch ihr Nachfolger eine Sonderstellung ein. Wenn man ehrlich ist, dann kann man Louie eigentlich nicht als Comedy bezeichnen. Es ist eher eine Art von Experiment, in dem man einem gestandenen Standup-Künstler mit Hang zum hart ausgesprochenen Wort die Freiheit gibt, sich in einem 25-minütigen Format auszutoben. Das Ergebnis ist frisch, anders und jenseits aller Erwartbarkeiten, aber auch aller üblichen Schemata der Komik. Festhalten kann man sich als Zuschauer eigentlich nur an eingestreuten Auftritten von Louis CK auf der Bühne. Meine Bewertung mag es nicht ganz zum Ausdruck bringen, aber ich halte die Show für eine willkommene Bereicherung des TV-Programms. Manche Episoden haben mich zwar zum Verzweifeln gebracht, weil ich den Humor nicht finden konnte (Joan oder Subway/Pamela etwa), andere hingegen haben mich richtiggehend berührt (Ducklings oder Airport/New Jersey). Oder die anrührende Episode, als Louie umziehen und sich endlich sein Traumhaus für 17 Millionen Dollar kaufen möchte, obwohl er nicht mal ansatzweise das Geld dafür hat, aber trotzdem seinen Vermögensberater von seinem Vorhaben überzeugen will. Passender Titel: Moving.

Absoluter Wert: 4,61 Punkte / Anzahl Höchstwertungen: 3x 5,5 Punkte
Gesamtwertung: befriedigend
Top of the Show: S2E03 Moving, S2E11 Ducklings, S2E13 Airport/ New Jersey

49 (Juli 2011)

27 Jul

Curb Your Enthusiasm [Season 8]

Larry David ist der Mann für alle Fälle. Frauen vertrauen ihm blind, sei es, dass es um die erste Periode geht oder häusliche Gewalt. Nebenbei vereint er Juden mit Palästinensern, zumindest auf rein körperlicher Ebene, mit ihm als untenliegender Liebespartner. Letzte Saison litt die Show ohne Zweifel unter dem Hype um die Seinfeld-Reunion, die dann doch nicht bei weitem so grandios ausfiel wie von vielen Fans erwartet. Zu gewissen Teilen ist „Curb Your Enthusiasm“ schon lange ein Selbstläufer geworden, man kennt und liebt die Charaktere und weint innerlich vor fremdschämiger Vorfreude, wenn Larry in den Diskussionsmodus eintritt. Einem starken Auftakt folgten zwei gute weitere Episoden, mit einem Handlungsbogen um Michael J. Fox (der arme Kerl) hat der Meister noch einen Joker in der Hand. Ich bin mir sicher: auch diese Season wird sich im sehr guten Bereich bewegen.

Louie [Season 2]

Louis C.K. ist ein grandioser Stand Up-Komiker. Wer seinen Humor gerne deftig heftig bedient sieht, kommt aktuell um den Mann mit dem schüteren roten Haarkranz nicht herum. Insofern nicke ich auch gerne und voller Zustimmung die Emmy-Nominierung in diesem Jahr ab. Mit der Show habe ich allerdings dezente Probleme. Bereits in der ersten Staffel wechselten sich schreiend komische mit irritierend unspaßigen Episoden ab, sodass ich mich am Ende auf ein „okay“ zurückzog, was der Show in ihren besten Momenten sicherlich nicht gerecht wird. Bei „Louie“ hat Mr. Szekely augenscheinlich alle Fäden in der Hand und macht, was ihm gefällt. Focusgruppen würde der Mann mit Sicherheit ein gepflegtes „F*ck You. In The Ass, Shitc*nts“ entgegenrufen. Das bewundere ich, als Zuschauer bleibe ich allerdings nach einem guten Einstieg bei den letzten beiden Episoden (Joan Rivers, ernsthaft???) etwas ratlos zurück. Meine Empfehlung lautet: dranbleiben und sich auf die genialen Momente konzentrieren.

Futurama [Season 6 Part 2]

Ich müsste Professor Farnsworth fragen, weshalb die aktuell sechste Futurama-Staffel so auseinandergerissen ausgestrahlt wird, aber der könnte es mir wohl auch nicht erklären. Sei’s drum, denn das SciFi-Animation-Projekt von Matt Groening lässt meiner Meinung nach auch dieses Jahr die schon lange in der Durchschnittlichkeit festhängenden Simpsons weit hinter sich. Seit dem Reboot im Juni 2010 nach den bemühten, aber doch eher schwachen vier Feature-Filmen begeistert mich die Show mit Gags am Puls der Zeit, liebevollen Hommagen (aktuell u.a. Tron, Police Academy oder Minority Report) und fein dosierten Aufritten meiner Lieblingsfigur Zapp Brannigan. Okay, mit der Kinderbuch-Folge „Yo Leela Leela“ haben die Autoren danebengegriffen, aber das spielt sich sicherlich wieder ein. Da nach aktuellen Stand die Show bis 2013 gesichert ist, steht den weiteren Eskapaden von Bender, Fry und Co nichts im Wege.

Entourage [Season 8]

Bei dem „Previously On…“-Intro zur mittlerweile 8. Staffel wurde mir wieder bewusst, wie richtiggehend öde die letzte Staffel um die Hollywood-Clique war. Keiner der Charaktere hatte eine für mich interessante Story zu bieten, vor allem was die Autoren um Serienschmuckstück Ari Gold herumgeschrieben haben, musste jedem Fan dieser Figur eigentlich wehtun. Schaffen Vincent Chase und die Show nun das Comeback? Nach der ersten Episode würde ich noch kein Geld darauf setzen wollen, denn die war eher unterdurchschnittlich. Vince zurück aus der Rehab, E im Trennungsgefühlsduselstrudel, Drama besorgt um das Brüderchen und in einer genial witzigen Zeichentrickserie (Eigeneinschätzung der Showrunner) involviert, Ari auf Eherettungsmission und Turtle, naja, wie gewohnt will keiner wissen, was Turtle eigentlich genau macht. Dazu noch eine Ladung scharfgestellter Weiber und fertig. Das ist mir dann doch zu wenig. Sollte da nicht hurtigst Schwung reinkommen, lasse ich die Show sausen und schaue mir lieber nochmal die ersten Staffeln an.

Breaking Bad [Season 4]

Es schmerzt, es hinzuschreiben, aber Breaking Bad ist nach zwei gelaufenen Episoden eine kleine Enttäuschung. Die vorhergehende Staffel war grandios, legte um noch einen weiteren Reinheitsgrad in Sachen Drama zu und endete in einem spannenden Schlussakkord. Den Auftakt „Box Cutter“ empfand ich als eine Art Kühlmittel, um die vorherigen, hochkochenden Episoden „Half Measures“ und „Full Measures“ auf normale Temperaturen bzw. die Figuren auf eine zugfähige Ausgangsposition auf dem Schachbrett der Show zu bringen. Von der zweiten Episode der vierten Staffel hatte ich mir eigentlich den Startschuss in eine weitere Abgrundreise von Walter White und Jesse Pinkman erhofft, doch es passiert zu wenig. Jesse wirkt wie schockgefrostet, Walter verfällt in sinnlosen Aktionismus. Richtig Sorgen macht mir Hank, dessen Hauptwirken in diesem Jahr doch nicht ernsthaft aus der Erweiterung seiner GesteinsMineralsammlung bestehen kann. Mr. Gilligan, bitte ins Labor kommen und ein wenig Wirkstoffbeschleuniger hinzufügen!

Wilfred [Season 1]

Schräg ist die Ausgangssituation dieser für das US-Fernsehen adaptieren australischen Show. Der von Suizidgedanken geplagte Ryan (Eliah Wood) findet wieder Hoffnung im Anhimmeln seiner neuen Nachbarin, auf deren Hund Wilfred er aufpassen darf. Der Clou: Ryan sieht Wilfred als einen mit schwerem australischen Akzent plappernden Menschen im Hundekostüm, der ihm Lebenslektionen erteilt, ansonsten aber meist nur an Saufen, Kiffen, Fressen und Koitus interessiert ist. Ich habe mir drei Episoden angesehen, weil ich das Setting reizvoll fand und auch gerne weiter finden wollte. Letzten Endes traf die Serie aber nicht meinen Humor, Wilfred in Person von Jason Gann ist mir zu assi und unsympathisch, um mich vor dem Fernseher fesseln zu können. Wer mit der Charakter-Kategorie „weird and not likeable“ etwas anfangen kann, darf ruhig reinsehen. Ich gehe weiterhin alleine Gassi.

41 (September 2010)

27 Mai

Keine Zeit für große Reden, denn bekanntlich hat diese Woche die frische US-TV-Hauptsaison begonnen. Vor dem Startcheck reiche ich deshalb nun flugs die Serien nach, die ich in der Sommerpause nachgeholt habe. Auf geht’s:

Breaking Bad (Season 3)

Habe ich wirklich die dritte Season noch nicht bewertet? Tatsache! In dem Fall darf ich verkünden, dass sich die Show um Walter White und Jesse Pinkman nochmal um eine gute Schippe Meth gesteigert und höchsten Kristallisierungsgrad erreicht hat. Anders als in Staffel 1 mit ihren Leerlaufphasen und Staffel 2 mit dem letztlich doch etwas enttäuschenden Ende setzt es diesmal durchgängig hochwertige Dramakost. Wenn es eine Show gibt, die einem die letzten Monate über Bilder, Situationen und Ereignisse ins Gehirn eingebrannt hat, dann war es Breaking Bad. Ich lasse als Stichworte nur den beidseitig beinamputierten Mexikaner im Krankenhaus oder die grandios inszenierte „One Minute“ fallen. Herausragend neben den beiden mittlerweile erneut bzw. erstmals emmyausgezeichneten Darstellern wären auch Bob Odenkirk als schmieriger Anwalt Saul und der eiskalt berechnende Gus (Giancarlo Esposito) zu erwähnen. Wenn man selbst als Zuschauer einer Folge entgegenfiebert, die sich knapp 50 Minuten nur der Jagd auf eine Fliege im Labor widmet und dennoch prächtig unterhalten wird, ist eine Show untrüglich zum Event aufgestiegen. Zur Krönung rundete noch ein spannender Cliffhanger die volle gepackte Drogentüte hochwertigen Entertainments ab.

6 von 6 Punkten (überragend)

Best Of Season: S3E01 No Mas, S3E03 I.F.T, S3E06 Sunset, S3E07 One Minute, S3E12 Half Measures, S3E13 Full Measures

Entourage (Season 7)

Kein gutes Jahr für Vincent Chase und seine Mannen. Gerade mal 10 Episoden umfasste die 7. Staffel und begeistern konnte mich die deutliche Mehrzahl der Folgen ganz und gar nicht. Entertainmentgarant Ari Gold wurde in einer eher lauwarmen Story um eine mögliche Beteiligung an einer Footballmannschaft verschlissen, ehe es in der zweiten Hälfte der Season für ihn spannender und dramatischer wurde. Vincent hingegen gleitet mit Pornoweibchen Sasha Grey ins Drogenloch, wobei dieser Abstieg so langsam vonstatten geht, dass es erst gegen Ende interessant wird. Vorher langweilte sich der Zuschauer zusammen mit dem Star der Show gepflegt durchs Luxusleben mit Sex, Drugs, neuer Frisur und Fallschirmsprung. Turtles Wirken ist wie gewohnt komplett uninteressant, E fällt ebenfalls kaum auf (außer einer peinlichen „Liebeszene“), Drama dramatisiert schließlich eine mögliche Teilnahme an einem Zeichentrickprojekt. Insgesamt wirkte die Season so prickelnd wie der 3. Teil einer üblichen Filmfranchise – die Luft ist langsam raus.

4 von 6 Punkten (durchschnittlich)

The Pacific

Der offizielle Nachfolger zu Band Of Brothers beleuchtete die Ereignisse auf der Pazifikseite während des Zweiten Weltkriegs. Ich hatte zunächst echte Probleme, die einzelnen Marines irgendwie im Gedächtnis zu behalten, außer dem mir aus 24 und War At Home bekannten Rami Malek prägte sich mir kaum ein Gesicht ein. Historisch erfährt man kaum Genaueres, was einem den Bildungshorizont hätte erweitern können; der Japaner war halt hauptsächlich zum Schießen und Niedergeschossenwerden da, während sich die amerikanischen Jungsoldaten forsch fluchend von Insel zu Insel kämpften. Von der Inszenierung und der Bildgewalt waren die Kampfszenen freilich über alle Zweifel erhaben, entsprechend bildete der Block um die Schlacht auf Peleliu auch das Highlight der Show. Wenig berührt hingegen haben mich die Folgen um den Freigang in Melbourne, die Geschichte des Sergeant John Basilone, der später Werbeträger für Kriegsanleihen wird oder das nach Ende der Kriegshandlungen spielende Finale. Insgesamt in der Nachschau doch schwächer als Band of Brothers.

4,5 von 6 Punkten (okay)

Best Of Season: S1E06 Peleliu Airfield

Louie (Season 1)

Louie ist ein Sonderfall, quasi die Kategorie „Special Interest“ der Comedy. Ich habe trotz einiger Schwächen alle Folgen gesehen, hauptsächlich wegen der Standups, in denen Louis C.K. mit seiner verbalen Direktheit einen immer wieder in den Solarplexus des Humors trifft. Das Drumherum hatte durchaus große Momente der Abgedrehtheit (Ricky Gervais als Dr. Ben, Louies lesbische Mutter, die Pokergespräche mit den Kollegen), driftete aber eben allzu oft ins Belanglose bis Langweilige ab. Was auch damit zusammenhängt, dass Mr. C.K. eben kein begnadeter Schauspieler ist. Trotzdem: wer auf derbe und harte Comedy steht, sollte mal reinschauen. Eine zweite Staffel ist bereits geordert, ich bin mit Sicherheit wieder dabei, ziehe mich mit meiner Bewertung für andere Serienfans aber auf die sichere „geht in Ordnung“-Plattform zurück. Denn Louie dürfte nicht jedem gefallen.

4,5 von 6 Punkten (okay)

Community (Season 1)

Verschwitzt und dann im Laufe der Zeit für richtig unterhaltsam befunden, so erging es mir mit der NBC-Comedy Community. Zunächst muss man wissen, dass ich College/Highschool-Serien üblicherweise meide (genauso wie Musicals, weshalb es hierdrin wohl auch nie ein Review zu Glee geben wird). Auch bin ich jetzt nicht so der große Fan von Chevy Chase, obwohl ich seinen Auftritt bei Chuck ganz nett fand. Auf Empfehlungen der hochgeschätzten Mitserienjunkies bullion, sab und watchthat schaute ich die komplette erste Staffel innerhalb einer Woche durch und bedanke mich bei den Hinweisgebern, denn Community macht richtig Spaß und entwickelt sich zum ganz heißen Tipp für Comedyfreunde.

Angesprungen bin ich zunächst selbstverständlich auf den in TV-Serien- und Filmzitaten wühlenden Abed, den abgedrehten Spanischlehrer Senor Chang, den lässig-zynischen Jeff, die mein optisches Wohlfühlzentrum treffende Britta sowie den stets peinlich um gute Stimmung bemühten Dekan Pelton. Im Verlaufe der Staffel sind mir mittlerweile aber alle Charaktere ans Herz gewachsen. Selbst Chevy Chase füllt seine Rolle als schrulliger Oldie nicht mehr wie anfangs leicht bemüht wirkend, sondern locker souverän aus. Die Dialoge sprühen vor popkulturellen Referenzen, cleverem bis trockenem Humor und auch Seitenhieben auf andere Fernsehformate.

Gegen Ende der Season feuert die Show schließlich das große Gagfeuerwerk ab, erklimmt mit den letzten 6 Episoden die nächste Stufe meiner Wertungsskala und kratzt insgesamt an der Höchstwertung. Alleine die Paintball-Episode mit ihren zahllosen Actionfilmzitaten ist schlicht und ergreifend unschätzbares Comedygold, aber auch Abed als Batman oder Chickenfinger-Mafiosi sollte man gesehen haben. Meines Erachtens reift da ein Kandidat für einen Emmy-Award heran.Was auch für die gesamte Show gilt, wenn sie in der zweiten Staffel direkt in die Vollen geht. Ich freue mich die bald startende zweite Staffel.

5,5 von 6 Punkten (sehr gut) 

Best Of Season: S1E20 The Science Of Illusion, S1E21 Contemporary American Poultry, S1E22 The Art Of Discourse, S1E23 Modern Warfare, S1E24 English As A Second Language, S1E25 Pascal’s Triangle Revisited

40 (August 2010)

27 Mai

Wegen meines Krankenhausaufenthalts hänge ich derzeit ordentlich hinterher, für ein paar Serienchecks reichte es aber dennoch:

Justified (Season 1)

Die Ermittlungen von Deputy U.S. Marshal Raylan Givens im kaffigen Kentucky-Hinterland gefielen mir von der ersten Episode an und machten Lust auf richtig schön altmodische Zeiten, wo Kerle ohne technischen Schnickschnack, sondern nur mit der flott gezogenen Pistole unter Bösewichtern aufräumten. Den Piloten bezeichne ich mal ganz frech als einen der stärksten Opener einer TV-Serie, da stimmte einfach alles, von der Action über die Sprüche bis hin zum coolen Auftreten des Protagonisten – fast hätte ich mir einen Stetson und einen schwarzen Amischlitten zugelegt. Die weiteren Folgen enttäuschten keineswegs, konnten aber nicht mehr das ganz hohe Niveau halten. Vor allem die Rolle des Boyd Crowder (Walter Goggins) und seine Wandlung im Laufe der insgesamt 13 Episoden lagen nicht ganz auf meiner Geschmackslinie. Besser hingegen der Auftritt von M.C. Gainey (LOST) als Oberbösewicht Bo Crowder und Raymond J. Barry als Raylans zwielichtiger Vater. Dass auch der Humor nicht zu kurz kam, bewies die herrlich komische Episode „Long in the Tooth“ mit Alan Ruck (Spin City) als untergetauchtem Buchhalter und Hobby-Zahnarzt. Insgesamt gute Unterhaltung für alle, die sich auf das westernähnliche Szenario einlassen.

5 von 6 Punkten (gut)

Best of Season: S1E01 Fire In The Hole, S1E04 Long In The Tooth

Nurse Jackie (Season 2)

Die zweite Staffel um die Krankenschwester mit der dezenten Dr. House-Veranlagung (schmerzmittelabhängig, kompetent, mit ordentlich verteilten Antipathien, aber auch gutherzig und noch nicht komplett homophob) hatte mir eine gute Spritzenfüllung zu wenig an Höhepunkten. Der Auftakt und die Twitter-Episode konnten punkten, danach verloren sich die Geschichten aber eher in durchschnittlich interessanten Ereignissen. Auf meiner Einweisung für die dritte Staffel steht daher die Forderung nach spannenderen Drehbüchern, damit die durchweg interessanten Charaktere (allen voran natürlich Edie Falco) besser zur Geltung kommen. Auch das Finale mit seiner vorhersehbaren Aufdeckung von Jackies Geheimnissen konnte zumindest bei mir nicht für einen zufrieden unterschriebenen Entlassungsbescheid sorgen.

4,5 von 6 Punkten (befriedigend)

Best of Season: S2E01 Comfort Food 

The IT Crowd (Season 4)

Bisher habe ich jede Staffel der britischen Kultserie gekauft, aber diesmal bin ich etwas am Zögern. Natürlich liebe ich die verschrobenen Charaktere Jen, Moss, Roy und Douglas weiterhin, allerdings schwankte dieses Jahr die Qualität der Folgen doch beträchtlich. Ein überzeugender Start mit „Jen The Fredo“, „The Final Countdown“ schon leicht schwächer, „Something Happened“ mit mäßig witziger Roy-Story, „Italian For Beginners“ dafür zum Schreien großartig, „Bad Boys“ überzeugend gut und schließlich.. der Absturz mit „Reynholm vs Reynholm“. Das Finale war IT Crowd fast ohne IT, dazu mit wenig zündenden Gags und einem Comeback, das man besser hätte inszenieren können. War ich bei Season 3 noch sehr gnädig mit der Höchstwertung, geht es dieses Mal einen ganzen Punkt nach unten.

5 von 6 Punkten (gut)

Best of Season: S4E01 Jen The Fredo, S4E04 Italian For Beginners

Und damit zu den ersten Eindrücken von neu in die Sommersaison gestarteten Serien:

Entourage (Season 7 Episodes 1-4)

Ein mäßiger Wiedereinstieg in die TV-Seriencharts für Vincent Chase und sein Gefolge. Der Blockbustergarant Ari Gold gibt sich zwar Mühe, die Story um seine Beteiligung an einem Footballteam löst bei mir allerdings wenig Kribbeln aus. Der Mann gehört in den Nahkampf mit Filmproduzenten, Drehbuchschreibern und Stars, so wird sein Potenzial eher verschenkt. Was der gesamten Show schadet, denn wie üblich interessieren mich Turtles Abenteuer so ziemlich gleich Null und ist E gewohnheitsmäßig lieb, nett und öde. Bleibt noch Drama, der sich mit für die Serie auf cool getrimmten ehemaligen Zuckerbubis herumschlagen muss (John Stamos als fluchender Tischtennis-Crack, ernsthaft?). Währenddessen langweilt sich Schönling Vincent durch seine Freizeit und diverse Damenhöschen. Jungs, da muss in den nächsten Folgen mehr kommen. Sonst landet die Show statt in den Top10 langsam in der Grabbelkiste.

Futurama (Season 6 Episodes 1-7)

Ich nehme mal jetzt nur die zwischen 2007 bis 2009 produzierten Filme und nicht die ersten Staffeln als Maßstab – in dieser Hinsicht schneidet die sechste Staffel sehr gut ab. Die Crew von Futurama habe ich schon immer mehr als die gehypten Simpsons geschätzt, die Geschichten und Charaktere waren einfach schräger, witziger, vom Humor her bösartiger (Stichwort Suizidkabine oder Hypnotoad). Nach der Absetzung im Jahre 2003 freute ich mich auf die Filme, die allerdings das Versprechen einer fulminaten Rückkehr nicht einlösen konnten. Nach einer guten Stunde verlor ich im Gewirr der Handlungsstränge stets die Übersicht und ein wenig den Spaß am Zuschauen. Mit den nun knackig, aber prägnanten knapp über 20 Minuten habe ich hingegen wieder meinen Zukunftsspaß. Vor allem, wenn die Storys stimmen und die Themen herzhaft geekig gewürzt sind. Sei es die Abrechnung mit Apple und sozialen Netzwerken („Attack of the Killer App“), das Adam & Eva-Remake mit Weltall-Ikone Zapp Brannigan und Leela („In-A-Gadda-Da-Leela“) oder die Zeitreisen/Universumsausdehnungstheorie in der Praxis („The Late Philip J. Fry“) – good news everyone, that future-space-robot show works again!

Louie (Season 1 Episodes 1-6)

Louie ist nach „Lucky Louie“ die zweite TV-Show von Standup-Comedian Louis C.K. und erneut eine zwiespältige Angelegenheit. Jede Episode besteht aus Standup-Sequenzen sowie zwei Handlungssträngen, die sich an seinfeldähnlichen Dialogen und Situationen versuchen, ohne an die Genialität des Vorbildes heranreichen zu können. Es ist eben doch ein Unterschied zwischen Bühne und TV-Show und es wird sehr deutlich, wo der Produzent und Hauptdarsteller seine Stärken bzw. seine Schwächen hat. Alleine wegen der famosen Standups bleibe ich weiterhin dran, der Rest bedarf noch der Qualitätssteigerung. Immerhin zeigten der Gastauftritt von Ricky Gervais als „Doctor from Hell“ und ein paar sehr offenherzige Dialoge, dass noch etwas drin ist.