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101 (September 2016)

23 Sep

Puh.
Gut, dass die neue US-TV-Saison gerade gestartet ist und derzeit richtig Schwung aufnimmt.
Denn auf Fußball habe ich jetzt schon keine Lust mehr.
Aus leistungs- und tabellenpositionsbezogenen Gründen. *seufz*

Der Seriencheck reicht diesmal ein paar Abschlusswertungen bereits besprochener Shows nach, stellt frische Neuzugänge vor und blickt vielleicht auch auf die Starts bekannter und beliebter Dauerbrenner. So ich das zeitlich in den nächsten Tagen auf die Reihe bekomme. Gut möglich, dass dieser Beitrag nach dem Wochenende aktualisiert wird. Also immer mal reinschauen.

BRAINDEAD (SEASON 1)

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You might think I’m crazy… aber meine Einstellung zu „BrainDead“ hat sich auch in den verbliebenen Folgen bis zum Finale hin nicht geändert. Ein netter Mix aus „Body Snatchers“ und US-Politik mit einer anhimmelungswürdig herzigen Mary Elizabeth Winstead, einem hübsch fiesen Tony Shalhoub, den besten „Last Time on…“-Zusammenfassungs-Songs im Serienbusiness sowie guten satirischen Ansätzen auf den gegenwärtigen tiefen Riss in der amerikanischen Parteienlandschaft. Aber eben auch mit einer mir zu ausführlich aufgekochten Love-Story, fehlender Schärfe und richtig zupackendem Biss. Im Finale blieb eine mich drängende Frage unbeantwortet, ansonsten aber führte die Show ihren erzählerischen Bogen zu einem runden Ende.

Letztlich landet „BrainDead“ damit in meiner Wertungsskala unter 5 Punkten, aber ich möchte dennoch eine Empfehlung aussprechen für Zuschauer, die mit dieser Mischung etwas anfangen können. Für mich das erste guilty pleasure der noch jungen Saison.

GESAMTWERTUNG: 4,86 Punkte (befriedigend) 

RAY DONOVAN (SEASON 4) 

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Da muss ich jetzt doch ein wenig herumkritteln, denn so gut mir die vierte Staffel des Fixers aus Boston gefallen hat, so einfach haben es sich die Drehbuchautoren an einigen Stellen gemacht. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag zu dem Thema einen Satz fallen lassen. Daddy Mickey (wieder wunderbar gespielt von Haudegen Jon Voight) steckt in der Patsche, landet im Knast, aber Sohnemann Ray hat genau gegen den richtigen Mann im Justizapparat etwas in der Hand, um ihn dort rauszuholen? Schöner Zufall. Naja. Kann man einmal bringen. Aber bitte nicht im großen Finale, wenn die große Bedrohung der Saison ausgeschaltet wird wie ein kleiner Dealer, der sich den Fluchtweg verbaut hat. Das hat mir dann doch den Abschluss einer sonst guten Staffel vermiest und hatte deutliche Abzüge in der Endnote zur Folge. Wenn man ganz kritisch ist, waren auch die Nebenhandlungen um die Familienmitglieder Abby, Bridget, Conor und Teresa nicht die Bringer, sondern eher um sich kreisende, schließlich geräuscharm in sich zusammenfallende Plots. Dafür garantierten die Donovan-Kerle wieder gelungene Unterhaltung.

GESAMTWERTUNG: 5,34 Punkte (gut)

MR. ROBOT (SEASON 2) 

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?????????…. input error….. … can not evaluate… brain reboot now… ???????

Das waren meine ersten Gedanken unmittelbar nach Ende des Finales der zweiten Staffel von „Mr. Robot“. Jetzt, da ich diesen Text verfasse, habe ich selbst noch keine Ahnung, welche Endnote meine Excel-Datei ausspucken wird. Am gesetzten Schlusspunkt des diesjährigen Mind-Hacks mit dem frisch emmyprämierten Rami Malek werden die Meinungen weit auseinandergehen. Ich versuche mal, meine Erlebnisse als Begleiter von Elliot in kurzen Stichworten zusammenzufassen:

Hintergrundstory von fsociety näher beleuchtet. Cooler Wiedereinstieg. High five.
Story-Entschleunigung über mehrere Episoden fast bis hin zum Stillstand.  Meh.
Die ALF-Episode: Schreiend komisch oder einfach nur WTF? Bin zwiegespalten.
Twist, auf den ich nicht gekommen bin. Holla!
Mentale Notiz an den Serienschöpfer verfasst: „Meinen aufrichtigen Respekt, Mr. Sam Esmail. Hätte ich die Zeit gehabt, ich hätte mir die ersten 6 Folgen nochmal angeschaut“
Aufbau des großen Finales. Viel Verwirrendes, Diffuses, Angedeutetes, zum Ende hin aber stets eine Überraschung, gerne auch mal krachender Natur. 
Die Verhör-Szene mit dem kleinen Mädchen: Twin Peaks macht den Voight-Kampff-Test mit mir. 
Ich sehne mich nach erlösender Auflösung. 
Das Finale. Hä? Ich hab‘ es nicht verstanden. Glaube ich.

Wenn das Ziel der Staffel war, den Zuschauer an den Wahnsinn von Elliot Alderson anzunähern, hat sie das zumindest bei mir geschafft. Ich bin verwirrt und überfordert. Wahrscheinlich hätte es geholfen, die 12 Folgen an einem Stück (unter Anleitung eines guten Therapeuten) durchzuschauen, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Als Viel-Anderes-Gucker hatte ich gerade gegen Ende echt Mühe, immer wieder reinzukommen und den Überblick zu behalten.

Was ich aber aus dieser Season mitnehme:

– Die Figur der FBI-Ermittlerin DiPierro hatte für mich keinerlei Ausstrahlungskraft, da wurde schlicht viel an Antagonisten-Potenzial liegengelassen

– Die Show ist weiterhin ohne Wenn und Aber hochklassig in Szene gesetzt, sei es Kameraführung, Dialoge oder die Abläufe der Hacks. Auch die Musikauswahl hinterlässt Eindruck.

– Der Kniff des unzuverlässigen Erzählers hat seine Reize, ließ ihn mir aber immer mehr den Wunsch nach Stringenz und Eindeutigkeit heranwachsen.

– Das Finale hat mich enttäuscht. Punktum. Weil die Show ab der Staffelmitte einen Höhepunkt anhypt, den sie dann schlicht nicht liefert, sondern lieber dem Zuschauer zum Abschluss in das immer noch von Fragezeichen übersäte Gesicht grinst.

Jetzt bin ich gespannt, was meine Wertungsformel meint:

GESAMTWERTUNG: can not compute Punkte (xxxxxx?????)

…system freeze…hello… please tell me you are seeing this too?….reboot….

GESAMTWERTUNG: 5,16 Punkte (gut)    

THE NIGHT OF

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Hatten wir einen Beitrag obendrüber schon ein Problem mit dem Finale, kommt das hier auch zum Tragen. Allerdings in bedeutend geringerem Ausmaß. Die acht Episoden von „The Night Of“ sind hervorragendes US-Fernsehen, eine erlebnisreiche, spannende Reise in die Nacht, die das Leben des Studenten Nasir für immer verändern sollte. Allerdings ist hier wie in dem allseits bekannten Sprichwort der Weg das Ziel eben dieser Reise, da die Show letztlich doch den Schwerpunkt auf die Gerichtsverhandlung und den Aufenthalt des Protagonisten im Gefängnis setzt. Für mich hat diese Entscheidung der Macher für das Gesamtpaket nur dahingehend Auswirkungen, dass ich doch nicht das Prädikat zücken kann, sondern knapp darunter bleibe. Allerdings kann ich nachvollziehen, wenn manche von dem Finale enttäuscht sein sollten.

GESAMTWERTUNG: 5,79 Punkte (sehr gut)  

Und damit zur Abteilung „Piloten-Check“. Inhalt: Neue Serien, deren erste Folge ich gesehen habe. Was hat Potenzial, was hat mich enttäuscht, was schafft es auf meine berüchtigte Guckliste?

SON OF ZORN (PILOT) 

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Krieger Zorn (gesprochen von Jason Sudeikis, „Kill The Boss“) kehrt nach erfolgreicher Schlacht zurück zu Frau und Kind, die sich von ihm entfremdet haben und die er nun zurückerobern muss. Liest sich wie ein bodenständiges Wikinger-Drama, ist aber etwas komplett anderes. Denn Zorn ist ein Zeichentrick-Barbar im Stile von „Conan“, Frau und Kind hingegen reale Menschen in einer realen Vorstadt in Orange County, Kalifornien. Die ex-Gattin (Cheryl Hines, „Curb Your Enthusiasm“) hat mittlerweile einen sanft wortsprudelnden Psychologen-Fuzzi mit Männlichkeitsunsicherheit-Syndrom, der Sohn Alangulon ist ein Weichei. Unser Held muss sich seinem größtem Kampf stellen.

Vorab von mir einen dicken Pluspunkt für die mutig beknackte Prämisse. Zeichentrick und Realfilm zu mischen ist jetzt zwar nichts Neues, aber die Selbstverständlichkeit, mit der alle Beteiligten dem Comic-Wilden begegnen, hat schon etwas herrlich Absurdes. Der Pilot zeigt für mich genug Ansätze, um dran zu bleiben, auch wenn bei den Gags durchaus noch Luft nach oben ist. Ich freue mich auf weitere harsche Zusammenstöße zwischen übermännlicher Fantasywelt und irdischem Realitäts-Alltag. Oder wie mein Bruder meinte: „Das ist so bekloppt, dass es schon wieder gut ist“.

PILOTENBEWERTUNG: 4,5 Punkte (befriedigend)
TENDENZ: 4,5 – 5,5 Punkte

THE GOOD PLACE (PILOT)

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Eleanor Shellstrop (Kristen Bell, „Veronica Mars“) ist im Himmel. Auch genannt „The Good Place“, einem Ort, in dem nur die wahrhaft edelsten Vertreter der Menschheit ein durchweg seliges Leben führen dürfen. Gestaltet von Azubi-Paradiesdesigner Michael (Ted Danson, „Becker“), hakt es jedoch seit dem Auftauchen von Eleanor an diversen Ecken und Enden.

Nun raten wir mal gemeinsam, woran das liegen könnte: Richtig, Eleanor ist nicht die würdige Eleanor, sondern hat zu ihren irdischen Daseinszeiten eher extrem wenig Karmapunkte sammeln können. Gemeinsam mit dem ihr zugewiesenen Seelenverwandten Chidi versucht sie, eben dies zu ändern und nicht aus der Rolle zu fallen.

Michael Schur kriegt mich doch immer wieder. Der Autor und Produzent, der auf seinem nicht ernst gemeinten IMDB-Profilbild aussieht, als wolle er die amische Glaubenskultur mit einem einzigen, entschlossenen Blick verbreiten, steckt nach „The Office“, „Parks And Recreation“ und „Brooklyn Nine-Nine“ auch hinter dieser neuen Serie und kann erneut überzeugen. Ein fantasievoll schräg geschmiedetes Setting als Parodie auf das Paradies mit einigen Eigenheiten, Kristen Bell als Fehler im System, weil nach außen hin engelsgleiches Wesen, das es jedoch faustdick hinter den Ohren hat, philosophische Ausflüge hinsichtlich der Frage nach dem Sinn des gut geführten Lebens und Ted Danson als überforderter Schöpfer. Der Pilot lief als Doppelfolge, was sehr viel Sinn ergab, da man so im ersten Teil die Einführung in die Welt anbringen und danach mit dem gerne auch CGI-gestützten Spaß loslegen konnte. Sitzt, passt, ist charmant und macht Lust auf mehr.

PILOTENWERTUNG: 5,0 Punkte (gut)
TENDENZ: 5,0- 5,5 Punkte

KEVIN CAN WAIT (PILOT)

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Ex-Cop Kevin  (Kevin James, „The King of Queens“) hat eine hübsche Ehefrau, drei Kinder und sehr viel Freizeit, weil er kürzlich in Rente gegangen ist. Natürlich lassen die häuslichen, beziehungs- und erziehungstechnischen Probleme ihm kaum Zeit, sein Pensionärsdasein zu genießen. Wenn doch, sind seine Arbeitskumpels direkt zur Stelle.

Ich musste mich doch arg wundern über die Besprechung bei den von mir hochgeschätzten Kollegen von serienjunkies.de, die wohl mit komplett falschen Erwartungen an die Show herangegangen sind. Dort wird nämlich ernsthaft die emotionale Tiefe vermisst. In einer Show, die offensichtlich ein Reboot von „King Of Queens“ ist, nur halt mit Kindern statt mit Arthur und mit Cops statt mit Kurierfahrern (sogar Gary Valentine ist wieder mit von der Partie!)? Genau so gut könnte ich jetzt enttäuscht auf den fehlenden Gewalt- und Freizügigkeitsgrad hinweisen.

Die letzten filmischen Aktivitäten von Mr. James habe ich eher mit körperlichen Schmerzen aufgenommen, seien es nun „Zookeeper“, „Here Comes The Boom“ oder „Paul Blart: Mall Cop 2“ (letzterer war wirklich kurz vor der Unansehbarkeit). Von daher erwartete ich nicht wirklich viel von „Kevin Can Wait“ und wurde positiv überrascht. Der sympathische Pfundskerl ist wieder voll in seinem Element, spielt sich routiniert die Dialoge mit Show-Frau Erinn Hayes („Guys With Kids“) zu, blödelt und kaspert herum wie in alten Heffernan-Zeiten. Das revolutioniert freilich nicht das Genre, ist aber eine wohltuende Rückkehr des ehemaligen Comedy-Darlings zu seinen Wurzeln und ich behaupte einfach mal dreist: Wer „King Of Queens“ mochte, wird zumindest auch an dieser ersten Folge seine Freude haben. Wohin die Reise geht, muss natürlich die Zeit zeigen. Dass eine Figur wie Arthur mit dem unvergleichlichen Jerry Stiller fehlt, könnte der Show auf Dauer schaden.

PILOTENBEWERTUNG: 5,0 Punkte (gut)
TENDENZ: 4,5 – 5,0 Punkte

BETTER THINGS (PILOT)

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Sam Fox (nein, nicht die Sam Fox aus den 80ern) hat drei Töchter, keinen Mann und schlägt sich als Synchro-Sprecherin für schäbige Kinderprogramme mehr schlecht als recht durch. Ihr Ziel: ein besseres Leben. Erdacht und produziert von Louis C.K. und Pamela Adlon („Californication“, „Louie“), die auch die Hauptrolle spielt.

Man könnte das jetzt grob in die Kategorie „Wie Louie, nur aus weiblicher Sicht“ einordnen. Bin ich leider nicht mit warm geworden. Der Einstieg mit der weinenden Tochter und Sams Reaktion darauf wusste zu gefallen, in der weiteren Folge musste ich mir aber eingestehen: Ich sehe lieber den Comedian Louis C.K. in der Abteilung „sex, swears, drugs, kids & daily problems“ umherwandern als die Schauspielerin Pamela Adlon. Zwei der drei Töchter sind mir auch – trotz eher kurzer Präsenz im Piloten – gleich auf die Nerven gegangen. Nee, sorry, ich warte lieber auf eine sechste Staffel von „Louie“.

PILOTENWERTUNGEN: 4,0 Punkte (durchschnittlich)  
TENDENZ: Sichtung eingestellt 

DESIGNATED SURVIVOR (PILOT)

Tom Kirkman (Kiefer Sutherland, „24“) ist Minister für Wohnungswesen und städtische Entwicklung. Aber nicht mehr lange. Denn bei einer Explosion im Kapitol anlässlich der Ansprache zur Lage der Nation geht die gesamte Regierung nebst der sonstigen politischen Elite hopps. Kirkman überlebt, weil die Verfassung gebietet, dass ein Mitglied der Regierung der Veranstaltung fernzubleiben und an einem sicheren Ort zu verbleiben hat. Damit eben dieses im Fall der Fälle zum US-Präsidenten ernannt wird und dessen Aufgaben übernimmt.

Wäre hierzulande mit einem CSU-Landwirtschaftsminister eine Knaller-Komödie. Über dem großen Teich ist es freilich Drama, mit Kiefer Sutherland als erst einmal unwilligem, uncharismatischem Präsidenten-Azubi in der schlimmstmöglichen Krise der USA seit der Kandidatur von Donald Trump. Der Pilot ging in Ordnung, ohne mich jetzt richtig gepackt zu haben. Man ahnt als eingefleischter Zuschauer, in welche Richtung sich die Angelegenheit bewegen wird. Kirkman wächst an seinen Aufgaben, handelt überlegter und weiser als die versammelte Generalschaft im Säbelrassel-Fieber, eckt aber dennoch wegen seiner Unerfahrenheit und fehlendem Stallgeruch an. Frau und Töchterchen werden für die kitschig-emotionale Momente sorgen, der Teenie-Sohn mich schwerstens nerven. Mich interessiert eigentlich nur, wer hinter dem Angriff steckte. Falls es auf die böse Industrie, die 1% der Superreichen oder gar auf einen Maulwurf hinausläuft, bin ich weg.

PILOTENBEWERTUNG: 4,5 Punkte (befriedigend) 

Immer noch nicht genug gelesen? Dann hier noch kurz gehaltene Kommentare zu den Staffelstarts bekannter Serien:

MODERN FAMILY (S8E01)

Positive Überraschung, denn die Dunphys liefern nochmal eine sehr gute Saisoneröffnung ab. Hübsch aufgezogene Verwirrspiele, herrlich peinliche Situationen, kein Erzählstrang mit einem Durchhänger. Und vor allem keine lahmen Liebesgeschichten. Kommt nah an die guten alten Zeiten heran. Gerne weiter so für den Rest der Staffel.

5,5 Punkte (sehr gut)

BROOKLYN NINE-NINE (S4E01)

Auftakt mit stark dezimiertem Ermittlerteam, aber das macht in diesem Fall nichts. Captain Holt und Detective Peralta sind spaßig genug, um die erste Folge des Einstiegs-Triples souverän alleine zu wuppen.

5,0 Punkte (gut)

THE GOLDBERGS (S4E01)

Es gibt immer noch 80er-Jahre-Kram, den diese wunderbare Show noch nicht ihrer speziellen Behandlung unterzogen hat. Zum Start arbeiten sich die Macher am Breakfast Club ab und schicken Obermutti Beverly Goldberg in die für ihre Kinder schlimmstmögliche Aushilfstätigkeit. Köstlich und für Kenner der Filmvorlage noch eine Stufe spaßiger.

5,5 Punkte (sehr gut)

BLACK-ISH (S3E01)

Wie schon „Modern Family“ tappt auch „Black-ish“ in die Werbefilm-Falle. Damals schickte offensichtlich das Tourismusbüro von Australien die Dunphys auf den staubigen Kontinenten (und sorgte für eine peinlich bemüht, aber unlustige Episode), diesmal zeigte sich Disney großzügig und lud die Johnsons nach Disneyland. Das Ergebnis: Viel Promo für die dortigen Attraktionen, dazwischen kaum gelungene, aber erzwungen wirkende Erheiterungsversuche, alles stabil auf der Humor-Linie des edlen Spenderkonzerns. Dezent peinlich.

3,5 Punkte (unterdurchschnittlich)  


GOTHAM (S3E01)

Adieu, Klein-Batman. Tschüß, Gotham. Ich habe mir den Auftakt in der irrigen Hoffnung angesehen, dass die Macher die im letzten Saisonfinale angekündigten Plots doch noch in einem Anfall von Erkenntnis komplett über den Haufen werfen. Oder anteasern und dann ganz schnell beerdigen. Stattdessen schicken sie „Gotham“ nun endgültig über die Schwelle zum Trash: Fish Mooney als Hauptbösewichtin, ein verwilderter, böser Zwilling von Bruce Wayne und James Gordon als abgefuckter Bounty-Hunter. Selten habe ich beim Abspann heftigeres horizontales Headbanging betrieben.  Schade für den Penguin (Robin Lord Taylor) und Alfred (Sean Pertwee), deren Darsteller bisher zu überzeugen wussten.

3,0 Punkte (mäßig)

Werbeanzeigen

99 (Juli 2016)

27 Jul

Nach einer eher mäßigen Fußball-EM melde ich mich mit einem neuen Seriencheck wieder zurück. Und in Sachen Qualität darf man konstatieren: TV-Serie schlägt Fußball klar mit 4:0, dank vier Mal hochklassigem Fernsehfutter. Siehe die ersten vier Beiträge.

STRANGER THINGS (SEASON 1)

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Wir schreiben die 80er Jahre in einer Kleinstadt in Indiana. Im Anschluss an eine aufregende, mehrstündige Runde Dungeons & Dragons gehen die vier Freunde Mike, Dustin, Lukas und Will auseinander. Doch Will kehrt nicht nach Hause zurück. Das verbliebene Trio macht sich auf Spurensuche und entdeckt vertuschte Geheimexperimente, setzt sich übernatürlichen Kräften aus und stellt sich einem furchterregenden Monster.

Als hätte man vor 30 Jahren ein Stephen King-Skript unter der Leitung von Steven Spielberg verfilmt und dabei die besten Elemente aus „The Goonies“, „E.T.“, „Carrie“, „Stand By Me“ und „Alien“ untergemischt. Oder anders ausgedrückt: Das ist das, was Abrams und Spielberg vor fünf Jahren mit „Super 8“ vorhatten, aber nicht wirklich richtig auf den Punkt bekamen. Wunderbare Unterhaltung, bei der vor allem der überragende Kinderdarsteller-Cast heraussticht, das wohlige Gefühl der guten alten 80er-Filme eingefangen und in acht Episoden eine sauber erzählte, runde Geschichte abgeliefert wird. Meiner Meinung nach die bisher beste Netflix-Produktion. Wer mit den oben genannten Filmen etwas anfangen kann, sollte jetzt schon den Bestellknopf drücken und keine weiteren Inhaltsangaben lesen.

Selbstverständlich gibt es immer Leute, die im einhelligen Jubel den mahnenden, selbstbeschrifteten „Meh, so toll ist es auch nicht!!!“-Zeigefinger erheben müssen. Ja, „Stranger Things“ erfindet nichts neu, Wynona Rider als besorgte Mutter des vermissten Jungen ist zu 99% ihrer Bildschirmzeit verzweifelt, verwirrt oder kurz vorm Durchdrehen, krasser Horror wird nicht geboten (hat den jemand wirklich erwartet?), der Nebenstrang mit der Teenie-Anbandelungskiste hätte nicht sein müssen, tut aber keinem weh. Für die Höchstnote reicht es bei mir auch nicht ganz, aber die Show schrammt nur ganz knapp daran vorbei.

GESAMTWERTUNG: 5,79 PUNKTE (sehr gut)

GAME OF THRONES (SEASON 6)

Die Höchstnote gibt es aber für „Game of Thrones“ mal wieder. Trotz der hier und da auftauchenden, nicht ganz so zupackenden Episode und den berüchtigten „Hach, es geht einfach nicht voran“-Seufzern der ungeduldigen Schar an Fans. Welche allerdings noch schlimmer aufstöhnt, wenn man sie darauf hinweist, dass es ab jetzt nur noch verkürzte Staffeln gibt und ein Ende dieser wahrlich neue Maßstäbe setzenden Fantasy-Serie immer näher rückt. Ich für meinen Teil genieße mittlerweile jede Minute dieser Show und störe mich nicht an Kleinigkeiten, zumal diese – so vorhanden – stets durch schauspielerische Glanzleistungen, dramatische Wendungen oder humorige Anflüge gut ausgeglichen werden.

Letztlich wurde es eine Punktlandung auf die 6,00 und selbst wenn ich nach meinen Berechnungen nicht dort hingekommen wäre, hätte ich großzügig aufrunden müssen. Der Grund: die beiden abschließenden Episoden verdienen eigentlich sieben Punkte, denn was hier abgeliefert wird, nötigt selbst dem hartnäckigsten Kritiker einen vor Staunen offenen Mund ab. Ein furioser Doppelschlag, der wirklich abliefert, keinen Fan der Show unbeeindruckt lässt und den Weg ebnet für eine epische Fortführung in den nächsten beiden Staffeln. Schade, dass es bis zur Fortsetzung diesmal bis zum Sommer 2017 und damit noch länger dauern wird, weil man mit den Dreharbeiten erst beginnen kann, wenn es grimmig-graues Wetter gibt. Winter is really coming.

GESAMTWERTUNG: 6,00 PUNKTE (überragend)

SILICON VALLEY (SEASON 3)

Keine Abnutzungserscheinungen bei Pied Piper. Die Jungs um Obernerd Richard Hendricks programmieren und stolpern wieder durch Arbeitsalltag und Leben, dass es eine wahre Freude ist, ihnen dabei über die Schultern zu schauen. Das Qualitätsmanagement läuft wie geschmiert, schwerwiegende Bugs im Humor-Code konnte ich keine feststellen, nur im Bereich „Merchandise Wearables“ würde ich wirklich mal eine tiefgreifende Optimierung anstrengen wollen. „Silicon Valley“ bleibt das Maß der Dinge in Sachen Nerd-Comedy.

GESAMTWERTUNG: 5,50 PUNKTE (sehr gut)

VEEP (SEASON 5)

Nichts falsch machen kann man mit Selina Meyers. Angesichts der aktuellen Situation im US-Wahlkampf wirkt die Frau und ihr Team kompetent, zurückhaltend und zuverlässig. Doch damit nicht genug: Wer immer auch in der aktuellen Staffel auf die Idee kam, Jonah Ryan sich um ein Amt als Kongressabgeordneter bewerben zu lassen, verdient meine Hochachtung und die Dankbarkeit meines Zwerchfells. Seine Inszenierungen sind pures Entertainment-Gold und können von Donald Trump, wenn er denn endlich zugibt, dass seine Kandidatur nur ein PR-Stunt für einen Auftritt in der nächsten Staffel der Show war, nicht mehr übertroffen werden.

GESAMTWERTUNG: 5,40 PUNKTE (gut +) 

THE PATH (SEASON 1) 

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Da reiche ich nur kurz die Abschlusswertung nach. Ich hatte in meinem ersten Eintrag ja schon die guten Ansätze erwähnt, aber auch auf den großen Knaller gehofft. Der fiel leider dann doch weg, das Mysterium um die Sekte dünnte mir nach der Hälfte der Staffel zu sehr aus, das Finale brachte ebensowenig den Moment, der der ganzen Geschichte einen mich hungrig nach mehr zurücklassenden Kniff mitgegeben hätte. Insgesamt daher eher in die Kategorie „Ganz okay, aber ohne richtigen Payoff“ einzuordnen.

GESAMTWERTUNG: 4,85 PUNKTE (befriedigend)

ANGIE TRIBECA (SEASON 1 / SEASON 2 E01-05)

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Die von Steve Carell („The Office“) und seiner Frau Nancy erschaffene Spoof-Comedy zeigt den Alltag der namensgebenden Heldin (Rashida Jones, „The Office“) in der Spezialeinheit bei der Polizei von L.A.  

„Die nackte Kanone“ stand unübersehbar Pate für diese Show, die allerdings freilich nicht an die Klasse der Trotteligkeit von Lieutenant Detective Frank Drebin herankommt und eher auf dem Level von „Childrens Hospital“ landet. Will sagen: Hier wird um der heiligen Gagdichte willen jeder Witz reingedrückt, egal, wie flach er auch sein mag. So lädt der Chef etwa ins Büro und befiehlt seinen Ermittlern „Grab a seat“ – schon halten die beiden Kommissare wie selbstverständlich je einen Stuhl in der Hand, der Zuschauer fasst sich kurz an den Kopf und schmunzelt dann doch ob dieser Albernheit. Diese Masche, das muss ich gestehen, funktionierte bei mir die erste Staffel ganz ordentlich. Wer also wieder mal sinnlos angeblödelt werden möchte, darf sich die zehn Episoden durchaus gerne ansehen, von mir gibt es dahingehend eine leichte Special Interest-Empfehlung. Die zweite Season hat mich bisher allerdings enttäuscht, da wirft der Humor zumindest für mich kaum mehr etwas ab. Eine Entwicklung, die ich schon bei dem oben erwähnten „Childrens Hospital“ hatte. Irgendwann hat man alle Untiefen gemeinsam durchwatet, hatte seinen Spaß beim seichten Herumplätschern und will etwas anderes.

GESAMTWERTUNG SEASON 1: 4,80 PUNKTE (befriedigend)

DURCHSCHNITTSWERTUNG SEASON 2 NACH 5 EPISODEN: 4,20 PUNKTE (durchschnittlich)

BRAINDEAD (SEASON 1)

Laurel Healy (Mary Elizabeth Winstead, „Scott Pilgrim vs. the World“) ist gerade in Washington angekommen, um ihrem als Senator tätigen Bruder bei einem „government shutdown“ (der Stillegung der Regierung wegen fehlender Einigung über die Bewilligung von Haushaltsmitteln) auszuhelfen. Dabei kommt sie einer wahnwitzigen Epidemie auf die Spur, die erklärt, weshalb in der Hauptstadt alle Politiker, egal ob Republikaner oder Demokraten, durchzudrehen beginnen: Eine außerirdische Käferart, die sich über den Gehörgang einnistet, das Gehirn schleichend auffrisst und seltsamerweise gerne „You Might Think“ von „The Cars“ hört.

Liest sich herrlich bescheuert, hat mit Mrs. Winstead eine wirklich bezaubernde Hauptdarstellerin, Tony Shaloub („Mr. Monk“) ist endlich wieder in einer Fernsehrolle zu sehen und gibt einen republikanischen Bösewicht. Ebenfalls im Repertoire: ein verwirrter Pseudowissenschaftler, explodierende Köpfe und ein jeweils zu Beginn einer Episode gesungener Vorspann mit einem Rückblick auf das Geschehene. Und dennoch: Ich hätte es gerne abgedrehter. Die komische Mischung aus Politik-Drama und Alien-Invasion hätte man noch schärfer, bissiger, wilder ansetzen können. Denn weder reicht „BrainDead“ an den Intrigantenreichtum von „House of Cards“ heran, noch kann man „Veep“ in Sachen Humor das Wasser reichen. Die Show nutzt leider nicht die Chance, dem derzeitigen Politik-Chaos in den USA den Spiegel vorzuhalten, sich krachend und überspitzt lustig zu machen über die amerikanische Parteienlandschaft. Weshalb sie nur ausnahmsweise über die 4,5 Punkte als Standardwertung hinauskommt. Für mich bisher daher lediglich das aktuelle guilty pleasure auf meiner Serienguckliste.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH FÜNF EPISODEN: 4,70 PUNKTE (befriedigend) 

Demnächst:

OUTCAST (SEASON 1) 

WRECKED (SEASON 1)

VICE PRINCIPALS (SEASON 1)

PREACHER (SEASON 1)

MR. ROBOT (SEASON 2)

RAY DONOVAN (SEASON 4)

THE JIM GAFFIGAN SHOW (SEASON 2)