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110 (August 2017)

30 Aug

Und wieder hat sich der alte Onkel Ini für das opulente Serienbuffet des vergangenen Monats angestellt und auf den Teller gepackt, was er als gut und lecker erachtet hat. Wobei er einmal daneben greifen sollte…

GAME OF THRONES (SEASON 7)

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Nur sieben Folgen für die siebte Staffel. Dazu die Bürde der überragenden Episoden, mit denen die Fans Ende Juni vergangenen Jahres in die „Winterpause“ geschickt worden waren. Dennoch hat die aktuelle Ausgabe von „Game of Thrones“ wieder geliefert, allerdings mit ein paar Makeln, die auch bei größter Euphorie dann doch nicht zu überjubeln waren.

Es gab viel Wiedersehensfreude, die rigorose Entledigung diverser Nebenfiguren und -handlungsstränge sowie eine neue Hurtigkeit bei den Reisen in und um Westeros – im Vergleich zu früheren Staffeln hatte es den Anschein, als hätte der tüdelige Scotty von der U.S.S. Enterprise bei der letzten Außenmission ein paar mobile Transporter-Plattformen in den sieben Königreichen rumliegen lassen. Oder Raben damit beworfen. Die Special Effect-Crew setzte wieder neue Maßstäbe für TV-Serien und sorgte für weit geöffnete Augen und Münder. Im Gegensatz dazu ließen es die Autoren an einigen Stellen sehr locker zugehen und strickten desöfteren eher maximal semi-überzeugende Aktionen der Figuren, um an einen markanten plot point zu gelangen. Oder ließen Charaktere anders als gewohnt so leicht und luftig von der Schippe des Todes springen, dass es im Gebälk der Nachvollziehbarkeit heftig knirschte. Das Finale selbst bot in der Hinsicht weniger Angriffsfläche, hatte seine großen Momente, aber auch keine wirklichen Überraschungen mehr.

Wie also die Schwächen bewerten? Klar könnte man gnadenlos draufhauen und abwerten, aber dafür bietet die Serie dann doch zu gute Schauwerte und sind die Figuren einem zu sehr ans Herz gewachsen. Die tollen Momente werden eben letztlich doch nicht ruiniert. Drüber hinwegsehen, sich eigene Erklärungen austüfteln und alles hochjubeln geht aber genausowenig. Mein Weg war folgender: Prädikat ist dieses Jahr nicht drin. Bei den Episoden, wo es mir in Sachen Logik zu sehr quietschte, gab ich einmal 5,0 und einmal 4,5 Punkte. Der Rest erhielt 5,5 Punkte. Macht zusammengerechnet:

GESAMTWERTUNG: 5,54 Punkte (sehr gut)

HOUSE OF CARDS (SEASON 5)

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Donald J. Trump ist schuld.
Damit das vorab schon mal klargestellt wird.

Beim Betrachten der mittlerweile 5. Staffel des Politik-Dramas kommt man nicht umhin, daran zu denken, wie viel krasser und gefährlicher sich die politische Realität im derzeitigen Washington präsentiert. Oder anders gesagt: Die Underwoods schocken nicht mehr, die Empörungskrone hat sich längst der orangefarbene, reiche Hohlkopf mit dem Riesen-Ego geschnappt und aufgesetzt. Da mögen sich die Autoren der Show noch so bemüht haben, spannende Handlungsabläufe auszudenken (was auch nicht durchweg gelang), im Vergleich zu einem möglichen atomaren Krieg, Rassismus, Kollusion mit Russland und erstaunlich offen zur Schau gestellter Blödheit kommt eben eine Story wie „Ja holla, am Wahlabend gibt es noch keinen Sieger“ nicht ran.

Spacey und Wright darf man von jeder Schuld freisprechen. Diverse Storylines haben mich eher gähnend zurückgelassen, vor allem ab der Hälfte der Season. Überzeugend hingegen die abschließenden drei Episoden und das Finale, wo man nochmal den guten alten Intrigantenhammer auspackt und die ganz große Rachekeule zu schwingen droht. Insgesamt reicht das diesmal nicht mehr für ein „Gut“, wenn auch nur knapp.

GESAMTWERTUNG:  4,95 Punkte (befriedigend)

FRIENDS FROM COLLEGE (SEASON 1)

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Sechs College-Freunde um die Vierzig leben, lieben, schwelgen in Erinnerungen und stellen sich gemeinsamen Abenteuern in und außerhalb von New York.

Hat mich gelockt wegen den mir bekannten und sehr geschätzten Keegan-Michael Key („Key And Peele“), Cobie Smulders („How I Met Your Mother“), Fred Savage („The Grinder“), Nat Faxon („Ben And Kate“) und Billy Eichner („Parks And Recreation“). Meine zaghafte Hoffnung ging in Richtung „Friends – The Forty-Something-Edition“, eben eine liebenswerte Ansammlung von Charakteren, bei denen man gerne für eine halbe Stunde vorbeischaut.

Was ich bekommen sollte: Nach einem jetzt nicht so berauschenden Einstieg eine gut geglückte Episode um ein Hauskarnickel, das eigentlich zum Tierarzt sollte. Und danach erschreckend planlose Geschichten, bei denen man sich offensichtlich einen Drehbuchautoren gespart hat. Ich sehe es vor meinem geistigen Auge, wie die Regie-Anweisungen verteilt wurden: „Hey Keegan, mach mal eine lustige Stimme“, „Fred, tanz mal“, „Coby, fall mal lustig vom Laufband“. Das Schlimmste war allerdings, dass ich nach den durchstandenen 6 Abenteuern wirklich keinen der Charaktere mehr leiden konnte. Die gingen mir geschlossen alle auf den Keks. Reife Leistung für eine Comedy, die den Namen „Friends“ im Titel trägt. Weshalb es mir auch ein Rätsel ist, dass Netflix bereits eine zweite Staffel geordert hat. Meine Empfehlung: Alle Autoren in die „I’ll Be There For You“-Fachhochschule für Comedy-Writing stecken und das Beste hoffen. Hätte mir die oben erwähnte „Connecticut House“-Folge nicht ganz gut gefallen, der Wertungsdaumen wäre wohl auf „unterdurchschnittlich“ gelandet.

GESAMTWERTUNG: 4,13 Punkte (durchschnittlich)

QUACKS (SEASON 1)

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BBC-Comedy um einen dandyhaften Chirurgen, der showmäßig vor Publikum operiert und sich des Rekords für die schnellste Amputation brüstet; einen Zahnarzt, der seine Betäubungsmittel vorzugsweise an sich oder seiner Frau testet; einen Psychologen mit geringem Selbstwertgefühl und Erfolgsbilanz sowie die Ehegattin des Chirurgs, die eine Karriere als Ärztin anstrebt. Ach ja, wir befinden uns um 1840 in London.

Verschrobene Figuren, trockener Humor, wunderliche Versuche, die medizinische Betreuung aus den Kinderschuhen zu hieven. Hat mir die insgesamt leider nur 6 Episoden durchgehend Spaß bereitet und erhält meine uneingeschränkte Empfehlung für alle, denen „The Knick“ zu dramatisch und blutig ist. Obwohl „Quacks“ auch ein paar unschöne Krankheitsbilder vor die Kamera zerrt, aber die konnte ich durch das Grinsen über die Quacksalber gut ausgleichen. Sonderlob für Rupert Everett als Dr. Hendrick und Andrew Scott als Charles Dickens. Die nächste Staffel, bitte!

GESAMTWERTUNG: 5,27 Punkte (gut)

OZARK (SEASON 1)

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Marty Byrde (Jason Bateman, „Arrested Development“), Finanzberater, verheiratet, zwei Kinder, hat Probleme. Seine Frau Wendy (Laura Linney, „The Big C“) geht fremd. Seine Firma macht Geschäfte mit Mexikos zweitgrößtem Drogenkartell. Sein Partner lässt Geld eben jenes Kartells in die eigenen Taschen verschwinden. Drogenboss Del bekommt Wind davon, wischt einmal blutig durch und schickt Marty samt Familie in die Ozarks (ein stark ländlich geprägtes Hochland um Missouri, Arkansas, Kansas und Oklahoma), um fortan für ihn Geld zu waschen. Aber wehe, er wäscht nicht genug! Keine leichte Angelegenheit, zumal das FBI auch schon Fährte aufgenommen hat und sich der örtliche Bösewicht zu keinerlei freundlichen Aufnahmeritualen bewegen lässt.

„Ozark“ gibt sich als Mischung aus „Breaking Bad“ (Bedrohung durch Mafia) und „Justified“ (Hinterwäldler-Setting), kommt aber letztlich qualitativ nicht an diese heran. Nach einem richtig starken Auftakt und dem Zurechtfinden in der neuen Heimat dümpelt der Plot für ein paar Episoden ein wenig vor sich hin, in denen Marty neue Geschäftszweige für seine Operation klarmacht. Währenddessen sucht sich seine Familie eher seltsame Freizeitbeschäftigungen. Pluspunkte möchte ich verteilen an Julia Garner („The Americans“), die exzellent die durchtriebene Redneck-Göre zum Besten gibt. Das abschließende Folgentrio brachte wieder Zug in die Geschichte, dennoch war ich von einigen Wendungen alles andere als angetan. Wie etwa von einer Enthüllung, die den Zuschauer einen anderen Blick auf Marty und Wendy werfen lässt, einer drehbuchgesteuerten Dummheit, um den status quo wiederherzustellen sowie von der mir immer noch dramaturgisch schlicht blöd und auf Schockwirkung getrimmten Aktion des Laienpredigers. Die zweite Staffel ist bereits gebucht, für die erste gebe ich mal ein leicht erhöhtes „Befriedigend“.

GESAMTWERTUNG: 4,85 Punkte (befriedigend)

GET SHORTY (SEASON 1)

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Miles Daley (Chris O’Dowd, „The IT Crowd“) arbeitet, eher unzufrieden mit der Gesamtsituation, als Handlanger für Amara, die Patin eines Verbrecherrings in der Wüste von Nevada. Gemeinsam mit seinem Kollegen Louis (Sean Bridges, „Rectify“) träumt er während der alltäglichen Schutzgeldabholung und Leichenbeseitigung davon, etwas mehr aus seinem Leben zu machen. Die Möglichkeit hierzu eröffnet sich, als dem Duo beim Besuch eines Autoren ein Drehbuch in die Hände fällt, dass nun mithilfe des B-Movie-Produzenten Rick Moreweather (Ray Romano, „Everybody Loves Raymond“) verfilmt und als Geldwäschevehikel dienen soll. Basierend auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1995 mit John Travolta und Gene Hackman.

Vorab: Den Film habe ich nicht gesehen, kann also keine Vergleiche ziehen. Die Serie gucke ich jedenfalls sehr gerne und zwar weil ich Romano und O’Dowd einfach mag. Hier der zerzauste Filmproduzent, dem es lediglich darum geht, seine Machwerke mit Profit nach Europa zu verscheuern. Dort der kleine Drecksarbeitnehmer mit hartem irischem Akzent, der im Moviebusiness die Fluchtmöglichkeit aus seiner wenig ruhmreichen Karriere sieht. Über beiden der bedrohliche Schatten der wenig zimperlichen Amara, auf deren Lohnliste u.a. der zwielichtige Yago steht, der sich gerne Miles und Louis entledigen würde, um eigene Ziele zu verfolgen. Drei Folgen, dreimal absolut stabile 5 Punkte. Wobei die Story jetzt so langsam in Richtung Beginn der Filmproduktion läuft, von der ich mir einige witzige Momente erhoffe. Ich bleibe dran.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,0 Punkte (gut)

PREACHER (SEASON 2)

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Das Dranbleiben wird mir bei „Preacher“ derzeit leider erschwert. Zwei Episoden vor Schluss tröpfeln meine Wertungen nun schon mehrfach hintereinander im 4,0-Punkte-Bereich. Dabei war ich zu Beginn noch schwer angetan: Reverend Custer und seine Freunde gehen auf einen Roadtrip, um nach Gott zu suchen, (womit sie anders als noch in der ersten Staffel ein klares Ziel vor Augen haben), die fulminante Eröffnungsfolge fährt reichlich Action auf mit „Come On Eileen“ als musikalischer Begleitung, der Saint of Killers hängt dicht an den Fersen und natürlich setzt es viele schräge Situationen. Es läuft rund, bis das Trio in New Orleans landet und der Show Episode für Episode die Luft ausgeht.

Jesse sucht weiter, während Tulip und vor allem Cassidy als Figuren ziemlich leerlaufen. Mit Herrn Starr wird ein Charakter eingeführt, dessen Comic-Ursprung man in jeder Minute spürt. Das ist so dermaßen überzogen, dass man es einfach nicht mehr ernst nehmen kann. Ich hatte schon vorher Probleme mit dieser over-the-top-Einstellung, mittlerweile aber werde ich das Gefühl nicht los, als wäre die Comicband-Vorlage entstanden, weil ein paar Jungs in schummriger Runde einen Joint und eine Bibel haben rumgehen lassen und sich dabei überlegten, worüber Seth Rogen beim Lesen am lautesten gackern würde.Wird schwer, mich für diese Staffel noch zu begeistern.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 11 EPISODEN: 4,73 Punkte (befriedigend)

RICK AND MORTY (SEASON 3)

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Mittlerweile ein Selbstläufer. Normalerweise bin ich bei Animationsserien pingelig, wenn mir der Zeichentrickstil nicht gefällt, aber bei Rick and Morty wird jede Schwäche durch die krankhaft geniale Fantasie von Dan Harmon und Justin Roiland übertüncht. Nach sechs Episoden sind so schon diverse Glanzmomente (Szechuan Sauce, Pickle Rick, Rick & Jerry Episode) entstanden. Wenn ich meckern müsste, dann darüber, dass „Rickmancing The Stone“ und „Rest And Ricklaxation“ demgegenüber qualitativ doch spürbar abgefallen sind. Aber so ist es nun mal, wenn man stellenweise ein hohes Niveau an kreativem Wahnsinn vorlegt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 5,28 Punkte (gut)

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