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53 (November 2011)

25 Nov

American Horror Story (S1E01-S1E06)

Der Psychiater Ben Harmon (Dylan McDermott, „Practice“) zieht mit seiner Frau Vivien (Connie Britton, „Friday Night Lights“) und der Tochter im besten Rebellionsalter in ein altehrwürdiges Haus ein. In dem sich die Vorbesitzer übrigens passenderweise umbrachten, weshalb es billig zu haben war. Schnell stellt sich heraus, dass das Gemäuer schon einige Menschen auf dem Gewissen hat und ein Ort des Grauens und der Düsternis ist, in dem sich die Toten unter die Lebenden mischen.

Diese kleine Perle auf dem Kabelsender FX wäre mir beinahe durch die Lappen gegangen, hätte nicht Spiegel Online darüber berichtet und Vergleiche mit LOST herangezogen. Also schaute ich doch mal rein und … wow! Was hier an Grusel und Schrecken bereits in der ersten Episode aufgefahren wird (und sich im Laufe der Staffel noch steigert), entlockt mir 45 Minuten wohliges Unwohlsein allererster Güte. Jede Folge beginnt mit einem Flashback, der sich den früheren (meist schrecklichen) Ereignissen im Horrorhaus widmet. Der danach einsetzende Vorspann zerrt mit seiner Musik weiter an den Nerven und löst auf meiner Skala das Intro von „Dexter“ als kribbelig unangenehmste Minute ohne Handlung in einer TV-Serie ab. Dem Zuschauer bis ins Mark gehende und dort ein Ziehen verursachende Besucher der Harmons sind u.a. eine ehemalige Südstaatenschönheit mit ihrer Tochter, der von Amokläufen fantasierende Patient des Vaters und Freund der Tochter, die Haushälterin mit den zwei Körpern, der Unbekannte im schwarzen Ganzkörpergummianzug oder der im Gesicht verunstaltete Herumstreuner, der als ehemaliger Bewohner des Hauses im Wahn seine Familie in Brand steckte. Die Patienten von Mr. Harmon runden den Schrecken schließlich noch ab. Als wäre das noch nicht genug, rühren die Eheleute noch eine schöne Portion Ehedrama zusammen, die absehbar in den Strudel der Verdammnis führen dürfte. Aktuell habe ich die sechste Folge namens „Piggy Piggy“ mit Gaststar Eric Stonestreet („Modern Family“) hinter mir und dort wird zu Beginn gleich wieder harter Tobak geboten, der hierzulande wahrscheinlich nicht in der Form laufen wird.

Wer den häuslichen Horror der „Paranormal Activity“-Filme alleine im Dunkeln mit einem mitleidvollen Lächeln durchsteht und sich nach den Verrücktheiten eines „Twin Peaks“ sehnt, sollte sich diese Show geben. Hier geht es zur Sache, hier stapeln sich die „What the Fuck?“-Momente, hier schaut der Teufel persönlich zum Schwitzen rein. Aktuell neben dem weiterhin sehr gut laufenden „Homeland“ mein Kandidat für die beste neue Dramaserie.

Aktuelle Punktewertung: 5,85 Punkte (Tendenz: sehr gut – überragend)

Grimm (S1E01-S1E02)

Märchenfernsehen, Teil 1: Und es begab sich, dass ein Polizeiermittler namens Nick Burkhardt erfuhr, dass all die bösartigen Märchengestalten real sind und getarnt Verbrechen begehen. Nur er als Nachfahre der Gebrüder Grimm kann ihre wahren, verzerrt damönischen Gesichter sehen und die verseuchte Brut bekämpfen. Wofür er gerne auch mal auf die Mithilfe eines domestizierten Werwolfs in Menschengestalt zurückgreift.

Nein, das ist nix für mich. Ich erliege ja gerne mal dem Charme eines hübsch inszenierten Märchens, aber „Grimm“ will eher die Horror- und Verbrechensschiene fahren und landet letztlich auf mildem, durchgestyltem Teenagerschreck-Niveau, über das ich nur lächeln kann. Das tue ich auch aus Mitleid, wenn ich Peinlichkeiten ertragen muss, so wenn beispielsweise sich in der zweiten Folge die wild umhermassakrierende Bande als das tierische Trio aus „Goldlöckchen und die drei Bären“, getarnt als hippe Teenagerclique, entpuppt. Oder böse Wölfe sich „Blutbaden“ nennen. Beziehungsweise „Wieder Blutbaden“, wenn sie einer reformierten Kirche angehören und eine strenge Diät ohne Drogen, aber mit viel Sport halten. Das ist kein Witz, das kommt so in der Serie vor. Nach zwei Episoden Sichtung eingestellt.

Aktuelle Punktewertung: 3,0 Punkte (Tendenz: mäßig – mangelhaft)

Ijon Tichy: Raumpilot (S2E01-S2E06)

Ijon Tichy, Held von Kosmos, hat wieder Knurrmagen. Deshalb er sich will Omelette machen, doch hat er dafürige Mangeligkeit an Eiern, weshalb er unterwegs zu Planeten Eggman zusammen mit analoger Halluzinellen von großer Schnuckeligkeit und Fellvieh Mel, das auf Suche von Heimat. Wer Abenteuer gucken tut, verlernen schnellig gutes Deutsch. Macht aber Spaß.

Man muss ein Herz für liebevoll gemachten Trash besitzen, um diese 2007 mit dem Grimmepreis ausgezeichnete Serie richtig würdigen zu können. Der schnoddrige osteuropäische Dialekt des Protagonisten färbt furchtbar ab, Frau Nora Tschirner bezaubert wie gehabt im orangefarbenen Star Trek-inspirierten Outfit und Mel besitzt den Charme eines seit Jahren täglich angeknabberten Hundespielzeugs. Kulissen und Trickeffekte blenden stellenweise durch ihre gewollte Einfachheit, die Aliens sind hüsch wirr designt und die Geschichten von brüllend peinlicher Absurdität.
Kurz gesagt: ich mag es sehr.

Highlights bisher waren zum einen die Episode „Shøpping“ mit dem Einkaufsplaneten, auf dem alle Möbel mit schwedischem Akzent reden und die Welt übernehmen wollen. Zum anderen „Sepulken verboten“ auf dem Wasserplaneten, auf dem niemand pinkeln darf und daher in ein gebrummeltes religiöses Mantra namens „Ich verkneif’s mir“ verfällt. Meiner Meinung nach mit das Witzigste, was das ZDF in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat – und ich habe die Ausgabe von „Wetten Dass..?“ gesehen, in der Michelle Hunziker vom Motorrad gefallen ist. Also, einfach mal in die Mediathek reinschauen und sich selbst ein Urteil bilden.

Aktuelle Punktewertung: 4,93 Punkte (Tendenz: gut)

Life’s Too Short (S1E01)

Neue Mockumentary aus der Feder von Ricky Gervais und Stephen Merchant, in der das Leben und vorzugsweise das Leiden des kleinwüchsigen Darstellers Warwick Davis (bekannt aus Willow, Star Wars und Harry Potter) beleuchtet wird.

Tiefschwarzer britischer Humor triefte aus der bisher gesendeten Startepisode und wer Fan von „Extras“ oder „The Office“ ist, dürfte mehr als gut versorgt werden. Davis spielt seine Rolle als anfänglicher Optimist, der jede Minute mehr mit der schweren Schicksalsschaufel eine verpasst bekommt, mit der richtigen Mischung aus Lächeln und Betroffenheit. Dazu kommen Nebencharaktere, an denen man wunderbar verzweifeln kann wie der trottelige Buchhalter (dessen Figur mir schwer an jenen von Merchant bei Extras angelehnt zu sein scheint) oder die strunzblöde Sekretärin sowie unzählige Gastauftritte (Sting, Johnny Depp, Helena Bonham Carter), für die Gervais und Merchant mit Sicherheit wieder die unpassendsten Szenen zusammenschreiben. Wie schon im Piloten bei Liam Neeson zu sehen, dessen Karriere als Stand-Up-Comedian ich vollsten Herzens boykottieren würde.

Aktuelle Punktewertung: 5,0 Punkte (Tendenz: sehr gut)

Man Up! (S1E01-S1E05)

Drei Kerle im besten Mannesalter auf der Suche nach der echten Männlichkeit abseits von gemeinsamen Videospiel- und Science Fiction Film-Abenden. Mit von der Partie: der durchtrainierte neue Freund einer ehemaligen Verflossenen und Freundin der Familie, der in die Truppe hineinpasst wie David Beckham in World of Warcraft.

Hat mir vom Start weg sehr gut gefallen, wird allerdings – das steht jetzt schon offiziell fest – keine volle Season bekommen. Wahrscheinlich war die Thematik etwas zu ähnlich zu der von „Last Man Standing“ und die Zuschauer folgten eher dem 90er Jahre Sitcom-Charme des neuen Tim Allen-Vehikels. Das ist durchaus schade, denn ich fand gerade Dan Fogler als überdrehten Geek sehr unterhaltsam (sicherlich Geschmackssache, aber ich mochte ihn auch schon in „Fanboys“). Angesichts so mancher vor sich hindümpelnder Comedyshows wäre „Man Up!“ eine erfrischende Ergänzung meiner Guckliste geworden. So hoffe ich, dass alle verbliebenen Episoden noch gezeigt werden. Ist ja nichts Neues, dass mein Geschmack von dem der Zuschauermassen abweicht.

Aktuelle Punktewertung: 4,85 Punkte (Tendenz: gut)

Once Upon A Time (S1E01-S1E04)

Märchenfernsehen, Teil 2: Es war einmal, da stand der kleine Henry vor der Tür des Appartements der Kautionsagentin Emma Swan (Jennifer Morrison, „Dr. House“). Hört sich noch nicht märchenhaft an? Moment. Und behauptete, sie wäre die Tochter von Schneewittchen und in seinem Wohnort in Maine lebten alle Märchenfiguren ihrer wahren Identität beraubt und gefangen unter einem bösen Zauber der noch böseren Hexe, die praktischerweise auch seine Stiefmutter sei. Ja, klingt schon besser. Ach ja, nur Fräulein Swan kann natürlich diesen Fluch besiegen.

Im Gegensatz zu „Grimm“ trifft mich das eher, es zupft sozusagen an meiner zarten „Hach, ja“-Ader, die „Pushing Daisies“ damals zum Schwellen zu bringen wusste. Wenn in den Rückblenden Rumpelstilzchen (Robert Carlyle, „28 Weeks Later“) teuflisch grinst, die Prinzessin und der Prinz miteinander turteln oder in der Gegenwart der kleine Bub mit großen Augen fantastische Märchenanalysen zusammenbrabbelt, wärmt sich mein von „American Horror Story“ erkaltetes Herz wieder ein wenig auf. Sicher, an die bunten Bilder und Geschichten um den Kuchenbäcker kann „Once Upon A Time“ bei weitem noch nicht anknüpfen, sondern bewegt sich bei mir eher auf „Okay bis ganz nett“-Niveau. Das reicht jedoch, um jede Woche aufs Neue reinzuschauen.

Aktuelle Punktewertung: 4,00 Punkte (Tendenz: durchschnittlich)

Stromberg (Staffel 5)

Der fünfte Teil von Papas Geschichten aus der Schadensabteilung der Capitol und diesmal geht es auf der Karriereleiter für unseren Lurchi ganz nach oben. Schon in der ersten Folge feuert Stromberg alias Christoph Maria Herbst Sprüche raus, für die man sich als Zuschauer freudig lachend in Grund und Boden schämt. Das schön Schlimme an „Stromberg“ ist ja, dass man immer das Gefühl hat, hier würde eher die Realität abgebildet als dass unter Drogen gesetzte Autoren sich einen übertrieben lustigen Büroalltag zusammenreimen.

Auch die aktuelle Staffel besticht durch ein fast durchweg hohes Qualitätsniveau, lediglich der Abstecher in die Schiffskaskoabteilung der Capitol liefert einen Ausrutscher nach unten, weil einerseits die Witze nicht so sehr zünden und andererseits das Ende von meiner Warte aus jedenfalls weit vorhersehbar war. Das Finale hätte auch noch einen Zacken spannender ausfallen können, aber sonst wird jede der Hauptfiguren gut mit Drama und Humor bedient. Vor allem Ernie als Vorzeigechrist und katholischer Aufklärer der Jugend muss man einfach in seiner ganzen Schmerzhaftigkeit erlebt haben. Der Film darf gerne kommen.

Abschließende Punktewertung: 5,60 Punkte (sehr gut)

Zum Abschluss ein Blick auf die derzeitigen Wertungen (alles also noch ein laufendes Verfahren, aber es verfestigen sich schon einige Tendenzen) inklusive ein paar Kommentaren:

(Stand: 23.11.2011)

Drama

American Horror Story 5,85
Homeland 5,39
Dexter 5,15
(mittlerweile um 2 Seasons verlängert; unserem Dexter wird so schnell also nicht jemand auf die Schliche kommen. Von daher okay, dass diese Staffel diese Möglichkeit auch noch nicht thematisiert)
Chuck 5,00 (guter Start mit neuem Träger des Intersects)
Fringe 4,74 (kommt noch nicht richtig in die Gänge, der Reset zu Beginn schadete doch mehr als zu nützen)
Person of Interest 4,69 (mir mittlerweile etwas zu gleichförmig geraten)
Boardwalk Empire 4,43 (mal ganz tolle, dann ganz gähnige Episoden. Straffer wäre besser, das Ding hätte ohne unnötige Nebenschauplätze viel mehr Potenzial)
The Walking Dead 4,30 (die ganz große Enttäuschung Abteilung Drama; Urlaub auf dem Bauernhof mit Zombie of the Week-Einlage. Nix gegen internes, gruppendynamisches Beziehungsgeflecht, aber die Charaktere gehen mir dafür zu wenig nah) 
Once Upon A Time 4,00

Comedy

Community 5,33 (gibt es noch Hoffnung dank community2013.com? Würde zu gerne daran glauben)
Modern Family 5,21
Parks And Recreation 5,21
Bored To Death 5,10

How I Met Your Mother 4,96 (schwächelt doch langsam)
Ijon Tichy: Raumpilot 4,93
Man Up! 4,85
The Simpsons 4,85 (überrascht mich selbst, dieser Wert. Wird aber bestimmt noch im Laufe der Zeit fallen)
New Girl 4,75 (auf einem sehr guten Weg, die beste neue Comedy der Saison zu werden)
The Middle 4,69
Whitney 4,69 (bei mir beständig unterhaltsam)
Suburgatory 4,69 (hat weiterhin mächtig Potenzial, spielt es aber zu selten aus)
Raising Hope 4,64 (weiterhin nicht mehr so gut wie zu Beginn der 1.Staffel, pendelt sich aber mittlerweile qualitätsmäßig ein)
Last Man Standing 4,57
2 Broke Girls 4,40 (kommt bei mir leider nicht über das „befriedigend“ hinaus, weil vom Witz her schwankend. Teils tolle freche Sprüche, teils nicht zündende Gags)
The Big Bang Theory 4,15 (der Trend von Staffel 4 bestätigt sich leider: zu wenig Geekiness, zu viel Beziehungskrams)

The Office 4,13 (so vergeht der Ruhm der Serie; Andy als Chef kann Michael Scott nicht ersetzen)
Two And A Half Men 4,00 (guter Start, aber danach ging es bergab. Weit entfernt von Hochzeiten der ersten drei bis vier Staffeln. Ashton Kutcher spielt ein großes Kind mit großem Schlong, dem die Frauen zufallen. Langweilig. Kommt nicht ansatzweise an den kaputten, aber sympathischen Onkel Charlie ran. Ansehbar wird es nur, wenn wie zuletzt Jon Cryer im Mittelpunkt steht)

InSecurity 3,93 (die ganz große Enttäuschung Abteilung Comedy: da ist gar nichts mehr vom Witz der ersten Staffel vorhanden. Man könnte meinen, die hätten die komplette Autorenriege ausgetauscht)

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