Tag Archives: Rick & Morty

112 (November 2017)

17 Nov

Diesmal ist so ziemlich alles dabei, was man beim TV-Seriengucken an Emotionen durchleben kann. 80er Jahre-Nostalgie, ans Herz gewachsene Figuren, comichafter Spaß, frühzeitiger Abschied, verständnisloses Kopfschütteln, tiefe Enttäuschung und schließlich köstliche Fremdscham über einen alten, weißhaarigen Mann, der es einfach nicht mal gut sein lassen kann. Hier die aktuellen Staffelabschlusswertungen und Kurzeindrücke.

STRANGER THINGS (SEASON 2)

Stranger-Things-season-2-kids

War ja ein formidabler Hit, die erste Staffel um die 80’s-Nerdkids-Bande mit ihrer mysteriösen Power-Freundin Eleven, dem Demogorgon und der düsteren Parallelwelt Upside Down. Würde die zweite Staffel das Niveau halten können? Will Nancy eher mit Jonathan oder doch mit Steve? Und was zur Hölle ist jetzt wirklich genau mit Barb passiert?

Meine Gedanken zur Serie entwickelten sich beim Anschauen wie folgt:

Folge 1 und 2 = Hurra, „Stranger Things“ läuft wieder, die Kinder sind wie gehabt super, ist ja wie Heimkommen, Maxine „Madmax“ passt prima rein, aber ihr Bruder ist doof, sichere 5 Punkte.

Folge 3 = Ach, der Dustin, man muss ihn einfach gern haben. Der Bub hat aber auch nix aus der ersten Staffel gelernt und schiebt den nächsten großen Demogorgon-Huddel an. Mmmh, ein bisschen geht die Show mir doch zu sehr auf Nummer sicher, reißt
dafür aber die zuvor perfekt funktionierende Kombination aus Eleven und den Kids
auseinander. Ist ohne Zweifel immer noch okay, aber so richtig umhauen
tut es mich nicht. 4,5 Punkte

Folge 4 =  Okay, aus der D’Artagnan-Geschichte entwickelt sich erfreulich unterhaltsam Ungutes. Weil ich die Episode zuvor kritisch war, diesmal 5,5 Punkte.

Folge 5 =  Gut was los an allen Fronten. Eleven erfährt etwas über ihren Hintergrund, Jim und später Will stecken in Schwierigkeiten, 5,5 Punkte.

Folge 6 = Mmmh, irgendwie erzählen sie ja schon quasi dieselbe Geschichte noch einmal und stecken ein paar neue Charaktere rein. Ja, komm‘, eine 5,0 kann man noch ziehen. Die Tendenz geht langsam aber wieder zur 4,5 Punkte-Befriedigend-Wertungskarte.

Folge 7 = Okay, das werden jetzt definitiv wieder nur 4,5 Punkte

Folge 8 und 9 = Ach, jetzt drehen sie doch noch ordentlich hoch. Action, Drama, Eleven räumt auf,  zusätzlich wärmen diverse herzige Momente meine alte, schwarzverkrustete Blutpumpe. Zweimal 5,5 Punkte. Billy aber war wirklich ziemlich unnötig. Für die nächste Staffel bitte etwas mehr Neues einfallen lassen.

Man erahnt es: Die ganz hohen Wertungsweihen bekommt „Stranger Things“ bei mir diesmal nicht mehr. Trotzdem waren die 9 Folgen gute Unterhaltung, die sich erneut aus den schauspielerischen Leistungen der jungen Darsteller speiste, aber eben mehr leicht veränderte Variante der ersten Staffel denn ein neues, eigenständiges Abenteuer war. Die letzten beiden Episoden haben mich aber dann doch endgültig wieder versöhnt und die Show in sichere „Gut“-Gefilde gehievt.

GESAMTWERTUNG: 5,31 Punkte (gut)

ATYPICAL (SEASON 1): 

atypical-banner2

Für mich ein absoluter Geheimtipp im Portfolio von Netflix. Dramedy ist normalerweise nicht so sehr mein Ding. Bei „Atypical“ jedoch sind mir die Charaktere frühzeitig dermaßen ans Herz gewachsen, dass das Thema „Autismus, der Drang nach Unabhängigkeit und seine Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien“ mir als Zuschauer mit Leichtigkeit, Charme und Witz nahegebracht wurde. Sam (Keir Gilchrist), seine Schwester Casey (Brigette Lundy-Paine), der unglaubliche Zahid (Nik Dodani) sowie die unerschütterliche Paige (Jenna Boyd) sind schlicht wunderbare Figuren, deren Schauspieler/innen mir bis dato komplett unbekannt waren und die mich mit ihrem Talent in ihren Bann gezogen haben. Dicke Guckempfehlung von mir. Weil die Staffel nur 8 Folgen enthielt und mein Wertungssystem eher auf mehr Episoden angelegt ist, runde ich auf „sehr gut“ auf.

GESAMTWERTUNG: 5,45 Punkte (sehr gut)

ME, MYSELF AND I (SEASON 1)

memyselfandi

Alex Riley steht in „Me, Myself and I“ gleich dreifach im Mittelpunkt: Einmal 1991 als 14-jähriger Neuankömmling in einer Stieffamilie (Jack Dylan Glaser, aktuell im „IT“-Remake zu sehen), einmal als frisch geschiedener 40-jähriger Erfinder (Bobby Moynihan, „Saturday Night Live“) in der Gegenwart und schließlich als 65-jähriger Pensionär (John Laroquette, „Night Court“), in der Zukunft anno 2042, der eine alte Flamme wieder für sich entfachen will. Mehr Zeitsprünge kann man nicht in knapp 20 Minuten packen.

Wurde nach 6 Episoden abgesetzt, was ich angesichts mancher von sich hindümpelnder Comedy („The Last Man On Earth“, „The Good Place“) schon ein wenig schade fand. Den guten John Laroquette kann zumindest ich mir immer wieder ansehen, auch die anderen Castmitglieder (u.a. Jaleel „Urkel“ White in einer Nebenrolle) kamen durchgehend sympathisch rüber. Eventuell scheiterte die Show daran, dass sie sich stets um einen herzerwärmenden, wohligen Abschluss einer Episode bemühte, in dem das hohe Loblied auf Familie, Freunde und elterliche Fürsorge gesungen wurde.Wenn ich etwas zu sagen hätte, dürfte eine Show, die in einer Folge über zwei Zeitebenen „Star Wars“ zum Thema hat, nicht voreilig abgesetzt werden. Aber auf mich hört ja keiner.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 4,75 Punkte (befriedigend)

STATUS: vom Sender CBS abgesetzt

 
GET SHORTY (SEASON 1)

get-shorty-banner

Ziemlich genau „Gut“, aber dann doch eben nicht mehr. So lautet das Wertungsfazit zur ersten Season von „Get Shorty“. An den Darstellern lag es kaum, dass es nicht weiter darüber hinaus ging, schließlich gehören Chris O’Dowd („The IT Crowd“) und Ray Romano („Everybody Loves Raymond“) zu meinen TV-Lieblingen. Es ist eher die Story, die zwar ihre dramatischen bis komischen Momente hat, aber gegen Ende nicht für einen Knaller sorgen kann. Da hatte ich mir gerade für den Plot um den Drehstart eines historischen Liebesdramas mit der Unterstützung durch eine Mafiapatin und ihre Killer etwas mehr Ertrag erhofft. Eine zweite Staffel ist gesichert, vielleicht geht es dann über die Punktlandung auf der 5,0 hinaus. 

GESAMTWERTUNG: 5,00 Punkte (gut)

RICK AND MORTY (SEASON  3)

Manche fanden diese dritte Staffel wie gehabt überragend, manche zogen sich schmollend auf die „Worst Season“-Wertungsinsel zurück. Ich liege da eher in der Mitte, weil ich einerseits die famos abgedrehten Highlights wie „Pickle Rick“ oder das Gespann Rick & Jerry zu schätzen weiß. Andererseits aber auch bei den Episoden „Rickmancing The Stone“, „Rest And Ricklaxation“ oder dem Finale „The Rickchurian Mortydate“ nur eher müde lächeln konnte. Mein Fazit: Die Show hat noch Saft im Tank, für die nächste Staffel könnte man aber gern mehr von dem durchweg leckeren Gagkonzentrat anbieten.

GESAMTWERTUNG: 5,25 Punkte (gut)

 
THE DEUCE (SEASON 1)

the-deuce

Autor und Produzent David Simon („The Wire“) nimmt uns mit ins New York des Jahres 1971. Genauer gesagt auf die „The Deuce“ genannte 42nd Street, die Querachse mitten durch Manhattan, in der die Sexindustrie ihren Anfang nahm. Hier ist die Bühne der Prostituierten und ihrer aufgetakelten, stets mit Motivieren und Geldzählen beschäftigten, schwarzen Zuhälter. Und der Bars, wo der brutale Alltag mit Alkohol erträglich gemacht und sich ausgetauscht wird. Auf der anderen Seite steht die Polizei, die den Umtrieben Einhalt gebieten will – sofern keine Bestechungsgelder fließen. Wir folgen u.a. der alleinerziehenden Mutter Candy (Maggie Gyllenhaal), die nachts ihren Körper verkauft, aber ohne Zuhälter durchkommen will, und dem Brüderpaar Martino (James Franco in einer Doppelrolle), das – unterstützt von einem Mafiosi – im Kneipen- und im aufkommenden Pornogeschäft Fuß fassen möchte. Denn es ist die Zeit, in der die Bumsbilder das Laufen lernten.

Ein mit präzisem Pinselstrich gezeichnetes Sittengemälde mit authentischen Dialogen, einem eindringlichen Blick auf das Geschäft mit Sex und einer Darstellerriege (allen voran Miss Gyllenhaal), die alles gibt und zeigt. Wem das reicht, dem sei gesagt: Alles prima, alle zufrieden, bitte gucken.

Halt, jetzt kommt doch noch ein Absatz. Denn bei all dem vorherigen Lob fehlte mir dann eben doch etwas: Nämlich Spannung und Dynamik. „The Deuce“ legt mehr Wert auf die Kraft der Bilder und Dialoge, ansonsten passiert – bis auf je einen Tod gegen Ende zweier Episoden – nicht so sonderlich viel. Um es bildlich zu formulieren: Die Show hat keine Lunte, die ab einem gewissen Zeitpunkt das Dynamitfass der Story zum Explodieren bringt. Sie brodelt eher in den Abgründen der Sexualtriebabfuhr vor sich hin. Was mir die Wertung um einiges erschwert hat. Letztlich zog ich ein paar Mal die 5,5, hauptsächlich reichten aber die glatten 5 Punkte. Von daher erklärt sich die etwas niedriger angesetzte Gesamtnote.

GESAMTWERTUNG: 5,23 Punkte (gut) 

9JKL (SEASON 1)

9jkl

(Eine Besprechung für alle, die wissen wollen, ob ich auch mal richtig schlechte Serien gucke) 

Frisch geschiedener Mann kehrt zurück nach New York und wohnt im Appartement mit der Nummer 9J. Seine unmittelbaren Nachbarn: die peinlichen Eltern (9K) und der peinliche Bruder (9L). Deren stetes Aufeinandertreffen soll für komische Momente sorgen. Oder wie der Ami sagt: hilarity ensues.

Tut es aber nicht. Ich habe selten eine Show gesehen, die so verzweifelt bemüht ist, komisch zu sein und in allen Bereichen scheitert. Alleine wie der ehrwürdige Film- und Fernseh-Veteran Elliott Gould („Ray Donovan“, „M.A.S.H.“, „Ocean’s Eleven“) in seiner Rolle als Vater der Lächerlichkeit preisgegeben wird, ist ein Trauerspiel. Durchweg alle Charaktere sind nervig und erwecken keine Sympathie beim Zuschauer, was eben auch für den Hauptdarsteller Mark Feuerstein („Nurse Jackie“) gilt. Ich denke nicht, dass dies im Sinne der Macher war. Ich für meinen Teil musste mir nach dem Piloten ein paar Episoden „Everybody Loves Raymond“ anschauen, um langsam aus dem Kopfschütteln herauszukommen.

PILOTWERTUNG: 3,0 Punkte (mäßig) 

GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

CURB YOUR ENTHUSIASM (SEASON 9) 

curb-your-enthusiasm

Larry ist wieder da. Und er hat zu meiner großen Freude nichts gelernt. Irgendwo zwischen peinlicher Berührtheit, vom Zuschauer flehentlich, aber natürlich erfolglos gemurmeltem „Lass doch gut sein, Larry“ und heimlicher Bewunderung, dass der alte Mann sagt, was wir alle gerne sagen würden, liegt das Erfolgsrezept von „Curb Your Enthusiasm“. Von der Vorgängerstaffel aus dem Jahr 2011 war ich damals schon ein wenig enttäuscht: zu bemühte, zu künstliche Wendungen, keine schreiend komischen Momente, viel Plauschgeplänkel. Deutliche Abnutzungserscheinungen waren zu beklagen.

Für die aktuelle Staffel darf ich aber Entwarnung geben. Die lange Pause hat der Show offensichtlich gut getan, es macht wieder Spaß, dem „Seinfeld“-Miterfinder zuzusehen, wie er in jeder Runde aneckt. Sei es das galante Unterschieben unfähiger Assistenten („Foisted!“), das Verfassen von absichtlich fehlgeleiteten Nachrichten („The Accidental Text On Purpose“) oder die hohe Kunst des „Es-sich-Verscheißens“ mit Hotelbediensteten, Kfz-Mechanikern, Soldaten, Postbotinnen, iranischen Würdenträgern sowie Golfclub-Schrankenwärtern – die neue Staffel bietet wieder die klassischen Momente, für die man die Serie liebt. Läuft auf eine sehr gute Abschlusswertung hinaus.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 7 EPISODEN: 5,36 Punkte (gut)

 
THE WALKING DEAD (SEASON 8) 

the-walking-dead-season-8

Liebes „The Walking Dead“-Produktionsteam,

Ihr macht momentan einfach alles falsch. Es ist offensichtlich, dass Ihr meinen Blog nicht lest. Tätet Ihr es doch, müsste ich schwer beleidigt sein, denn dann würdet Ihr mit voller Absicht all das in den Mittelpunkt stellen, was mich an eurer Show nervt und ermüdet.

Ich fand das Finale der letzten Staffel furchtbar. Unlogisch, mit dumm handelnden Figuren, ohne echten Payoff. Ein ausgestreckter Zeigefinger in Richtung Zuschauer. Von Shivas Auftritt will ich gar nicht anfangen.

Was macht Ihr? Setzt es gleich im Auftakt qualitätsmäßig konsequent schlecht fort.

Die Nebenfiguren der Show sind meiner Meinung zu allergrößten Teilen so unnötig, dass ich mir nicht mal die Namen merken kann.

Ihr stellt die Kämpfe der Nebenfiguren in den Vordergrund.

Den Charakter Negan hielt ich noch für den Faktor, der die Show in der vorigen Staffel vor trübster Langeweile gerettet hat.

Ihr lasst ihn bisher nur einmal kurz auftreten, nachdem Ihr ihn letzte Staffel schon gut demontiert hattet.

Ich kann mit König Ezekiel und seinem majestätischen Rumgeschwurbele null anfangen.

Ihr widmet ihm den Großteil einer Folge.

Kommt mal bitte wieder in die Spur. Sonst habt Ihr mich als durchaus leidensfähigen Zuschauer verloren. Und wehe, Ihr bastelt eine Folge, die sich komplett um Eugene dreht. Dann bin ich schneller weg als Michonne ihr Katana ziehen kann.

Mit freundlichen Grüßen,



DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 3,75 Punkte (unterdurchschnittlich)

 
YOUNG SHELDON (Season 1)

young-sheldon

„The Big Bang Theory“ bin ich ja vor ein paar Staffeln endlich entkommen, weil ich es einfach nicht mehr ertragen konnte, wie abgrundtief die Serie gefallen war. Von daher hatte ich nicht allzu große Erwartungen an „Young Sheldon“. Den üblichen Einleitungsabschnitt mit der Inhaltsangabe kann ich mir an dieser Stelle schenken. Es sind halt die Jugendjahre von Sheldon Cooper in Texas. Der kleine abgehobene Streber weiß und kann alles besser, lebt in seiner eigenen wissenschaftsbezogenen Welt, wodurch er alle in seiner Umgebung erschüttert und sich den Aufbau sozialer Bindungen erschwert.

Positiv aufgefallen ist mir Sheldons Schwester Missy (Raegan Revord), für die die Autoren ein paar erfreulich trockene Sprüche ins Drehbuch geschrieben haben. Ansonsten läuft die Show zuverlässig auf der „Du bekommst, was du erwartet hast“-Schiene. Insgesamt ordentliche Unterhaltung, die dritte Episode sogar durchaus gut, allerdings bleibt abzuwarten, ob diese Masche über eine komplette Staffel hindurch trägt.



DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 4,66 Punkte (befriedigend)

Advertisements

110 (August 2017)

30 Aug

Und wieder hat sich der alte Onkel Ini für das opulente Serienbuffet des vergangenen Monats angestellt und auf den Teller gepackt, was er als gut und lecker erachtet hat. Wobei er einmal daneben greifen sollte…

GAME OF THRONES (SEASON 7)

Game-Of-Thrones-S7-Trailer-Banner1

Nur sieben Folgen für die siebte Staffel. Dazu die Bürde der überragenden Episoden, mit denen die Fans Ende Juni vergangenen Jahres in die „Winterpause“ geschickt worden waren. Dennoch hat die aktuelle Ausgabe von „Game of Thrones“ wieder geliefert, allerdings mit ein paar Makeln, die auch bei größter Euphorie dann doch nicht zu überjubeln waren.

Es gab viel Wiedersehensfreude, die rigorose Entledigung diverser Nebenfiguren und -handlungsstränge sowie eine neue Hurtigkeit bei den Reisen in und um Westeros – im Vergleich zu früheren Staffeln hatte es den Anschein, als hätte der tüdelige Scotty von der U.S.S. Enterprise bei der letzten Außenmission ein paar mobile Transporter-Plattformen in den sieben Königreichen rumliegen lassen. Oder Raben damit beworfen. Die Special Effect-Crew setzte wieder neue Maßstäbe für TV-Serien und sorgte für weit geöffnete Augen und Münder. Im Gegensatz dazu ließen es die Autoren an einigen Stellen sehr locker zugehen und strickten desöfteren eher maximal semi-überzeugende Aktionen der Figuren, um an einen markanten plot point zu gelangen. Oder ließen Charaktere anders als gewohnt so leicht und luftig von der Schippe des Todes springen, dass es im Gebälk der Nachvollziehbarkeit heftig knirschte. Das Finale selbst bot in der Hinsicht weniger Angriffsfläche, hatte seine großen Momente, aber auch keine wirklichen Überraschungen mehr.

Wie also die Schwächen bewerten? Klar könnte man gnadenlos draufhauen und abwerten, aber dafür bietet die Serie dann doch zu gute Schauwerte und sind die Figuren einem zu sehr ans Herz gewachsen. Die tollen Momente werden eben letztlich doch nicht ruiniert. Drüber hinwegsehen, sich eigene Erklärungen austüfteln und alles hochjubeln geht aber genausowenig. Mein Weg war folgender: Prädikat ist dieses Jahr nicht drin. Bei den Episoden, wo es mir in Sachen Logik zu sehr quietschte, gab ich einmal 5,0 und einmal 4,5 Punkte. Der Rest erhielt 5,5 Punkte. Macht zusammengerechnet:

GESAMTWERTUNG: 5,54 Punkte (sehr gut)

HOUSE OF CARDS (SEASON 5)

houseofcardss5

Donald J. Trump ist schuld.
Damit das vorab schon mal klargestellt wird.

Beim Betrachten der mittlerweile 5. Staffel des Politik-Dramas kommt man nicht umhin, daran zu denken, wie viel krasser und gefährlicher sich die politische Realität im derzeitigen Washington präsentiert. Oder anders gesagt: Die Underwoods schocken nicht mehr, die Empörungskrone hat sich längst der orangefarbene, reiche Hohlkopf mit dem Riesen-Ego geschnappt und aufgesetzt. Da mögen sich die Autoren der Show noch so bemüht haben, spannende Handlungsabläufe auszudenken (was auch nicht durchweg gelang), im Vergleich zu einem möglichen atomaren Krieg, Rassismus, Kollusion mit Russland und erstaunlich offen zur Schau gestellter Blödheit kommt eben eine Story wie „Ja holla, am Wahlabend gibt es noch keinen Sieger“ nicht ran.

Spacey und Wright darf man von jeder Schuld freisprechen. Diverse Storylines haben mich eher gähnend zurückgelassen, vor allem ab der Hälfte der Season. Überzeugend hingegen die abschließenden drei Episoden und das Finale, wo man nochmal den guten alten Intrigantenhammer auspackt und die ganz große Rachekeule zu schwingen droht. Insgesamt reicht das diesmal nicht mehr für ein „Gut“, wenn auch nur knapp.

GESAMTWERTUNG:  4,95 Punkte (befriedigend)

FRIENDS FROM COLLEGE (SEASON 1)

friendsfromcolleges1

Sechs College-Freunde um die Vierzig leben, lieben, schwelgen in Erinnerungen und stellen sich gemeinsamen Abenteuern in und außerhalb von New York.

Hat mich gelockt wegen den mir bekannten und sehr geschätzten Keegan-Michael Key („Key And Peele“), Cobie Smulders („How I Met Your Mother“), Fred Savage („The Grinder“), Nat Faxon („Ben And Kate“) und Billy Eichner („Parks And Recreation“). Meine zaghafte Hoffnung ging in Richtung „Friends – The Forty-Something-Edition“, eben eine liebenswerte Ansammlung von Charakteren, bei denen man gerne für eine halbe Stunde vorbeischaut.

Was ich bekommen sollte: Nach einem jetzt nicht so berauschenden Einstieg eine gut geglückte Episode um ein Hauskarnickel, das eigentlich zum Tierarzt sollte. Und danach erschreckend planlose Geschichten, bei denen man sich offensichtlich einen Drehbuchautoren gespart hat. Ich sehe es vor meinem geistigen Auge, wie die Regie-Anweisungen verteilt wurden: „Hey Keegan, mach mal eine lustige Stimme“, „Fred, tanz mal“, „Coby, fall mal lustig vom Laufband“. Das Schlimmste war allerdings, dass ich nach den durchstandenen 6 Abenteuern wirklich keinen der Charaktere mehr leiden konnte. Die gingen mir geschlossen alle auf den Keks. Reife Leistung für eine Comedy, die den Namen „Friends“ im Titel trägt. Weshalb es mir auch ein Rätsel ist, dass Netflix bereits eine zweite Staffel geordert hat. Meine Empfehlung: Alle Autoren in die „I’ll Be There For You“-Fachhochschule für Comedy-Writing stecken und das Beste hoffen. Hätte mir die oben erwähnte „Connecticut House“-Folge nicht ganz gut gefallen, der Wertungsdaumen wäre wohl auf „unterdurchschnittlich“ gelandet.

GESAMTWERTUNG: 4,13 Punkte (durchschnittlich)

QUACKS (SEASON 1)

quacks

BBC-Comedy um einen dandyhaften Chirurgen, der showmäßig vor Publikum operiert und sich des Rekords für die schnellste Amputation brüstet; einen Zahnarzt, der seine Betäubungsmittel vorzugsweise an sich oder seiner Frau testet; einen Psychologen mit geringem Selbstwertgefühl und Erfolgsbilanz sowie die Ehegattin des Chirurgs, die eine Karriere als Ärztin anstrebt. Ach ja, wir befinden uns um 1840 in London.

Verschrobene Figuren, trockener Humor, wunderliche Versuche, die medizinische Betreuung aus den Kinderschuhen zu hieven. Hat mir die insgesamt leider nur 6 Episoden durchgehend Spaß bereitet und erhält meine uneingeschränkte Empfehlung für alle, denen „The Knick“ zu dramatisch und blutig ist. Obwohl „Quacks“ auch ein paar unschöne Krankheitsbilder vor die Kamera zerrt, aber die konnte ich durch das Grinsen über die Quacksalber gut ausgleichen. Sonderlob für Rupert Everett als Dr. Hendrick und Andrew Scott als Charles Dickens. Die nächste Staffel, bitte!

GESAMTWERTUNG: 5,27 Punkte (gut)

OZARK (SEASON 1)

ozark-1

Marty Byrde (Jason Bateman, „Arrested Development“), Finanzberater, verheiratet, zwei Kinder, hat Probleme. Seine Frau Wendy (Laura Linney, „The Big C“) geht fremd. Seine Firma macht Geschäfte mit Mexikos zweitgrößtem Drogenkartell. Sein Partner lässt Geld eben jenes Kartells in die eigenen Taschen verschwinden. Drogenboss Del bekommt Wind davon, wischt einmal blutig durch und schickt Marty samt Familie in die Ozarks (ein stark ländlich geprägtes Hochland um Missouri, Arkansas, Kansas und Oklahoma), um fortan für ihn Geld zu waschen. Aber wehe, er wäscht nicht genug! Keine leichte Angelegenheit, zumal das FBI auch schon Fährte aufgenommen hat und sich der örtliche Bösewicht zu keinerlei freundlichen Aufnahmeritualen bewegen lässt.

„Ozark“ gibt sich als Mischung aus „Breaking Bad“ (Bedrohung durch Mafia) und „Justified“ (Hinterwäldler-Setting), kommt aber letztlich qualitativ nicht an diese heran. Nach einem richtig starken Auftakt und dem Zurechtfinden in der neuen Heimat dümpelt der Plot für ein paar Episoden ein wenig vor sich hin, in denen Marty neue Geschäftszweige für seine Operation klarmacht. Währenddessen sucht sich seine Familie eher seltsame Freizeitbeschäftigungen. Pluspunkte möchte ich verteilen an Julia Garner („The Americans“), die exzellent die durchtriebene Redneck-Göre zum Besten gibt. Das abschließende Folgentrio brachte wieder Zug in die Geschichte, dennoch war ich von einigen Wendungen alles andere als angetan. Wie etwa von einer Enthüllung, die den Zuschauer einen anderen Blick auf Marty und Wendy werfen lässt, einer drehbuchgesteuerten Dummheit, um den status quo wiederherzustellen sowie von der mir immer noch dramaturgisch schlicht blöd und auf Schockwirkung getrimmten Aktion des Laienpredigers. Die zweite Staffel ist bereits gebucht, für die erste gebe ich mal ein leicht erhöhtes „Befriedigend“.

GESAMTWERTUNG: 4,85 Punkte (befriedigend)

GET SHORTY (SEASON 1)

get-shorty-banner

Miles Daley (Chris O’Dowd, „The IT Crowd“) arbeitet, eher unzufrieden mit der Gesamtsituation, als Handlanger für Amara, die Patin eines Verbrecherrings in der Wüste von Nevada. Gemeinsam mit seinem Kollegen Louis (Sean Bridges, „Rectify“) träumt er während der alltäglichen Schutzgeldabholung und Leichenbeseitigung davon, etwas mehr aus seinem Leben zu machen. Die Möglichkeit hierzu eröffnet sich, als dem Duo beim Besuch eines Autoren ein Drehbuch in die Hände fällt, dass nun mithilfe des B-Movie-Produzenten Rick Moreweather (Ray Romano, „Everybody Loves Raymond“) verfilmt und als Geldwäschevehikel dienen soll. Basierend auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1995 mit John Travolta und Gene Hackman.

Vorab: Den Film habe ich nicht gesehen, kann also keine Vergleiche ziehen. Die Serie gucke ich jedenfalls sehr gerne und zwar weil ich Romano und O’Dowd einfach mag. Hier der zerzauste Filmproduzent, dem es lediglich darum geht, seine Machwerke mit Profit nach Europa zu verscheuern. Dort der kleine Drecksarbeitnehmer mit hartem irischem Akzent, der im Moviebusiness die Fluchtmöglichkeit aus seiner wenig ruhmreichen Karriere sieht. Über beiden der bedrohliche Schatten der wenig zimperlichen Amara, auf deren Lohnliste u.a. der zwielichtige Yago steht, der sich gerne Miles und Louis entledigen würde, um eigene Ziele zu verfolgen. Drei Folgen, dreimal absolut stabile 5 Punkte. Wobei die Story jetzt so langsam in Richtung Beginn der Filmproduktion läuft, von der ich mir einige witzige Momente erhoffe. Ich bleibe dran.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,0 Punkte (gut)

PREACHER (SEASON 2)

preachers2

Das Dranbleiben wird mir bei „Preacher“ derzeit leider erschwert. Zwei Episoden vor Schluss tröpfeln meine Wertungen nun schon mehrfach hintereinander im 4,0-Punkte-Bereich. Dabei war ich zu Beginn noch schwer angetan: Reverend Custer und seine Freunde gehen auf einen Roadtrip, um nach Gott zu suchen, (womit sie anders als noch in der ersten Staffel ein klares Ziel vor Augen haben), die fulminante Eröffnungsfolge fährt reichlich Action auf mit „Come On Eileen“ als musikalischer Begleitung, der Saint of Killers hängt dicht an den Fersen und natürlich setzt es viele schräge Situationen. Es läuft rund, bis das Trio in New Orleans landet und der Show Episode für Episode die Luft ausgeht.

Jesse sucht weiter, während Tulip und vor allem Cassidy als Figuren ziemlich leerlaufen. Mit Herrn Starr wird ein Charakter eingeführt, dessen Comic-Ursprung man in jeder Minute spürt. Das ist so dermaßen überzogen, dass man es einfach nicht mehr ernst nehmen kann. Ich hatte schon vorher Probleme mit dieser over-the-top-Einstellung, mittlerweile aber werde ich das Gefühl nicht los, als wäre die Comicband-Vorlage entstanden, weil ein paar Jungs in schummriger Runde einen Joint und eine Bibel haben rumgehen lassen und sich dabei überlegten, worüber Seth Rogen beim Lesen am lautesten gackern würde.Wird schwer, mich für diese Staffel noch zu begeistern.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 11 EPISODEN: 4,73 Punkte (befriedigend)

RICK AND MORTY (SEASON 3)

rick-and-morty-1-770x433

Mittlerweile ein Selbstläufer. Normalerweise bin ich bei Animationsserien pingelig, wenn mir der Zeichentrickstil nicht gefällt, aber bei Rick and Morty wird jede Schwäche durch die krankhaft geniale Fantasie von Dan Harmon und Justin Roiland übertüncht. Nach sechs Episoden sind so schon diverse Glanzmomente (Szechuan Sauce, Pickle Rick, Rick & Jerry Episode) entstanden. Wenn ich meckern müsste, dann darüber, dass „Rickmancing The Stone“ und „Rest And Ricklaxation“ demgegenüber qualitativ doch spürbar abgefallen sind. Aber so ist es nun mal, wenn man stellenweise ein hohes Niveau an kreativem Wahnsinn vorlegt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 5,28 Punkte (gut)

90 (September 2015)

22 Sep

Endlich wieder Kernkompetenz und keine langweiligen Spieltagslyriken oder viel zu dröhnige IniRadios. Just diese Woche startet in den USA die neue Hauptsaison und ich habe noch nicht mal die letzte offiziell abgeschlossen. Also hurtig zur Rezension gespurtet:

HANNIBAL (SEASON 3)

hannibal-s3-banner

Als Einleitung krame ich mal hervor, was ich vor knapp 7 Jahren zum Thema „Das perfekte Dinner“ auf VOX geschrieben habe:

Und nein, beim perfekten Dinner würdest du mich nie sehen. Ich finde das peinlich, wie die alle zusammensitzen und fröhlich sind, aber wehe, es geht dann an die Wertung. Kaum sind sie allein und die Kamera an, kriecht bei allen der Mäkelnazi hervor:

„Also das Essen war ja ganz gut, aber mir fehlte es einfach am Ambiente“ – sowas habe ich tatsächlich mal in der Sendung gehört.

„DANN BRING DIR DOCH EIN TÖPFCHEN KRESSE MIT, HÄNG ES DIR UM DEN HALS UND MAL DIE TAPETE MIT FINGERFARBEN AN, DU BLÖDE KUH“ habe ich den Fernseher angeschrien. Vielleicht hab ich einfach zuviel Respekt und Anstand vor Leuten, die sich die Mühe machen und mich bekochen. Okay, ich esse auch so ziemlich alles, was in diesem Falle eine sehr positive Eigenschaft von mir ist, möchte ich meinen.

Dessen eingedenk müsste ich eigentlich auf die hoffnungsvolle Frage meines Gastgebers Hannibal L., ob mir denn der dritte Gang gemundet hätte, ein sattes „Oh ja, war wieder ganz feinifeini“ aufstoßen. Aber diesmal ist es anders. Die dritte Staffel war zweigeteilt, wobei knapp die Hälfte sich mit der Geschichte um den Great Red Dragon beschäftigte. Um es kulinarisch auszudrücken: Mir war da deutlich zu wenig Fleisch dran, um satte 6 Episoden damit zu füllen. Das zog sich hin, die Perkussions-Sounds nervten, die Dialoge trieben auf selbstverliebt-berauschtem Niveau. Der Anfang der Season fand noch mein uneingeschränktes Wohlgefallen, auch wenn ich es schade fand, dass man die Rolle des Mason Verger neu besetzt hatte. Michael Pitt brachte mir einfach einen Schuss mehr Eigengruseligkeit rein.

Summa summarum sorgte das Wertungsgefälle in den letzten Episoden (meist zog ich Wertungen zwischen 4,0 und 4,5), dass diese Staffel erstmals nicht 5 Sterne erhält. Das Finale konnte sich zwar steigern, aber ein Höhepunkt der Serie war es meiner Meinung nicht. Und sobald ich meine Ritterrüstung angepasst habe, sage ich das Hannibal auch persönlich. Versprochen.

GESAMTWERTUNG: 4,75 Punkte (befriedigend)

THE BRINK (SEASON 1)

the brink

Die erste Comedy-Show, bei dir ich dran geblieben bin, weil ich die Story spannend fand und wissen wollte, wie es ausgeht. Wohlgemerkt: nicht lustig, sondern spannend. Wahrscheinlich treten bei mir in diesem Fall urzeitliche „24“- und „Homeland“-Instinkte zutage. An meinem Eindruck vom letzten Seriencheck hat sich nichts geändert: Der Humor holte mich schmerzlich oft leider nicht ab, obwohl das Storygerüst und der Cast so verdammt viel an Potenzial hatten.

GESAMTWERTUNG: 4,30 Punkte (durchschnittlich)

TRUE DETECTIVE (SEASON 2)

True-Detective-Season-2-Banner-Character-Posters

Den für mich besten Gag dieser Emmy-Awards brachte Gastgeber Andy Samberg, als er die „depressive Gitarristin aus True Detective“ als Teil der Showband präsentierte. Die hatte ich in meiner Besprechung glatt vergessen zu erwähnen. Eine kultige Figur, die mich zwar quälte, aber auch meinen gefühlten Eindruck vom größten Teil der Episoden widerspiegelte.

Okay, genug gelästert. Denn die letzten beiden Folgen wussten doch noch einigermaßen zu entschädigen. Vor allem das überlange Finale, welches ich lange hatte herumliegen lassen, gefiel mir sehr gut. An der zuschauerunfreundlichen Hartbrockigkeit der Story konnte man zwar immer noch verzweifeln und -beim Seriengott-, mein Albtraum wäre es immer noch, vor versammelter Klasse ein Referat über die Geschichte von True Detective S2 zu halten, aber immerhin brachte das Ende sehr viele beeindruckende Momente, ordentlich Action und auch ein bisschen Heulseligkeit meinerseits.

Ich hatte ja prophezeit, dass die Show diesmal Schwierigkeiten bekäme, überhaupt ins „Befriedigend“ zu rutschen. Dank des gelungenen Abschlusses ist dies aber tatsächlich noch geglückt. Trotzdem: Für das nächste Mal dem Zuschauer einen roten Faden zum Entlanghangeln bieten, keine Dialoge über Personen, die man für zwei Sekunden in einer Einstellung gesehen hat und einfach mal auf den Punkt kommen. Dann wird das auch wieder.

GESAMTWERTUNG: 4,68 Punkte (befriedigend)

MR. ROBOT (SEASON 1)

mr.robot banner

Wo gerade von Emmys die Rede war: Diese Show muss nächstes Jahr in jedem Fall unter den Nominierten auftauchen. Denn keine Serie hat mich in den letzten Monaten so überrascht, verdreht und beeindruckt wie Mr. Robot. Zusätzlich hat sie als Nebeneffekt meine IT-Sicherheitsstandards erheblich erhöht. Ich brenne alles auf DVDs, schmeiße Festplatten und USB-Sticks regelmäßig in die Mikrowelle, bei Facebook mache ich eh lange schon nichts mehr und meine Passwörter sind mindestens 45 Zeichen lang (inklusive Ziffern, Unterstrichen und Sonderzeichen). Denn Gott sieht zwar alles, aber Elliot Alderson weiß alles. Sofern es irgendwo im Netz herumschwimmt.

Meine Lobeshymnen vom letzten Seriencheck könnte ich jetzt fortführen. Besonders zu würdigen ist die Tatsache, dass der Show nach dem überragenden Einstieg, an dem die darauffolgenden Episoden etwas zu knabbern hatten (weshalb auch die Höchstwertung noch nicht drin war), im letzten Drittel nochmals eine Steigerung gelingt und sie richtig abliefert. Ich werde hier nichts spoilern, aber wenn mich alten Serienhasen vor der Veröffentlichung einer einzelnen (verschobenen) Episode nochmal das große Kribbeln der Vorfreude packt, ist das schon etwas Besonderes. Wer beim Thema „Cyberpunk“ und „Hackerkultur“ nicht gerade umschaltet, um sich vom Videotext informieren zu lassen, wird blendend unterhalten.

GESAMTWERTUNG: 5,90 Punkte (sehr gut)

RICK AND MORTY (SEASON 2)

rickandmortys2

Erst die zweite Staffel und quasi schon ein Selbstläufer. Rick and Morty ist für mich der noch einen guten Tick verrücktere Futurama-Ersatz und bei weitem die beste Animated Comedy auf meinem Serienguckplan. Nirgendwo werden seltsamere, erfrischend wahnwitzige Ideen präsentiert und ausgearbeitet, liebevoll Filme parodiert und in noch abgedrehtere Versionen verzerrt. Allein für den Reichtum an Skurrilitäten muss man die Show von Justin Roiland und Dan Harmon lieben. Was mittlerweile bei mir dazu führt, dass ich bei der Bewertung nur die Wahl zwischen den 5, 5,5 oder 6 Punkten habe. Die Höchstnote fehlt bisher noch, aber da bin ich guter Dinge.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SIEBEN EPISODEN: 5,24 Punkte (gut)

RAY DONOVAN (SEASON 3)

raydonovan

Ray Donovan ist auch wieder am Start und nach 10 von 12 Episoden kann ich jetzt schon sagen: Er ist endlich erneut in Top-Form. Keine langweiligen Nebenhandlungen um Journalistinnen, keine schmerzvollen „Wunderkind-HipHop“-Stories, sondern ordentlich „Daddy Mickey baut Mist“ plus Drama um die Donovan-Brüder Ray, Bunchy und Terry, die mir mittlerweile richtig ans Herz gewachsen sind. Obendrauf noch Ian McShane als Gaststar in dieser Saison, da konnte ja fast nichts mehr schiefgehen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 10 EPISODEN: 5,40 Punkte (gut)

THE STRAIN (SEASON 2)

thestrains2

Da mache ich es kurz, weil die ersten Folgen der neuen Saison waren lang. Ich guck es nicht mehr. Die erste Staffel ließ nach einem appetitanregenden Beginn, der sogar mich als Vampir-Jetzt-echt-nicht-so-gut-Finder überzeugen konnte, leider doch mit voranschreitender Zeit nach. Es häuften sich die Ausflüge ins Trashige, manche Figuren nervten, am Ende langte es infolgedessen knapp nicht für das „Gut“. Schuld daran war auch ein eher wenig aufrüttelndes Finale. Und bereits mit der ersten Episode der zweiten Staffel hatte ich nicht das Gefühl, dass sich die Show in die richtige Richtung bewegt und nochmals einen Aufwärtstrend schaffen kann. Was ich so bei den geschätzten Kollegen der Serienjunkies lese, scheint sich mein Eindruck zu bestätigen. Schade um das Duell zwischen Eichhorst und Setrakian, das ich durchaus gerne verfolgt habe. Aber für mich ist dieser Strang auserzählt.

WERTUNG NACH ZWEI EPISODEN: 4,25 Punkte (durchschnittlich)
Sichtung eingestellt 

SHOW ME A HERO

ShowMeAHeroBanner

Die Stadt Yonkers im Bundesstaat New York wird im Jahre 1987 von einem Bundesgericht verurteilt, Sozialwohnungen für Schwarze und Latinos in einem hauptsächlich von der weißen Mittelschicht bewohntem Bezirk zu errichten. In der Bevölkerung regt sich Widerstand, die politische Riege zerstreitet sich, es entspinnt sich ein jahrelanger, verbitterter Streit. „Show Me A Hero“, eine sechsteilige Mini-Serie, skizziert die Vorfälle aus der Sicht der Betroffenen wie u.a. dem jungen Abgeordneten Nick Wasicsko, der eine entscheidende Rolle in dieser auf realen Ereignissen basierenden Geschichte einnehmen soll.

Regisseur und Produzent Paul Haggis („L.A. Crash“, „Million Dollar Baby“) sowie Autor David Simon („The Wire“) beweisen ein gutes Gespür für ihre Erzählung, denn die Show trifft den Nerv der Zeit nicht nur angesichts immer wieder aufkommender Rassenunruhen in den USA, sondern generell als Parabel über Angst vor dem Fremden, Vorurteile, Politik und Rassismus. Man ersetze Sozialwohnungen mit Flüchtlingsheimen und schon geraten jüngere Ereignisse und Entwicklungen hierzulande in den Fokus.

Packend und dramatisch inszeniert, mit dem demnächst in den neuen Star Wars-Filmen auftretenden Oscar Isaac an der Spitze eines schauspielerisch hochwertigen Casts und musikalisch begleitet von den Songs eines Bruce Springsteen, ist „Show Me A Hero“ ein sehr gutes und vor allem wichtiges Stück Fernsehen in einer Zeit, in der oft das erzählerische Mittel und die Kraft der eindringlichen Dialoge in den Hintergrund geraten. Ich für meinen Teil muss mir jetzt endlich mal die „The Wire“-Komplettbox angucken.

GESAMTWERTUNG: 5,53 Punkte (sehr gut)

BLUNT TALK (SEASON 1)

blunt-talk-55d750ddc1868

Walter Blunt (Patrick Stewart) ist Brite, Newsmoderator, wird ständig begleitet von seinem stocksteifen ex-Armeekumpel Harry und hat es jüngst geschafft, seine Karriere ziemlich komplett zu versauen. Comedy aus der Feder von Jonathan Ames („Bored To Death“), produziert von Seth MacFarlane („Family Guy“).

Sir Patrick Stewart sehe ich immer wieder gerne. Auch und vor allem in komischen Momenten, die so wunderbar konträr zu dem sind, was man sonst so von dem hageren Briten kennt und alleine daraus ihren Witz beziehen. Ich verweise als Beispiel auf eine Traumsequenz, in der Stewart, begleitet von einem Showballett, wie der junge Fred Astaire durch die Reihen tanzt und dabei grinst wie ein Honigkuchenpferd im Zuckerrausch. Das reicht schon, um mir ein Lachen zu entlocken. Von daher könnte sich „Blunt Talk“ zu meinem neuen guilty pleasure entwickeln. Denn jenseits von Walter Blunt kommt mir noch zu wenig, obwohl bei Assistent Harry durchaus gute Ansätze vorhanden sind. Drei Folgen sind geschaut, zwei landeten dank dickem Hauptdarsteller-Bonus bei 5 Punkten, die dritte Episode wollte hingegen gar nicht recht zünden. Ich bleibe dran und warte ab, wie es sich entwickelt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH DREI EPISODEN: 4,67 Punkte (befriedigend)

FEAR THE WALKING DEAD (SEASON 1) 

fear-the-walking-dead-sdcc-poster-481241

Na, du? Auch Fan von „The Walking Dead“? Traurig wegen der Sommerpause? Weiter Bock auf Zombies? Dir fehlten in der Show aber familiäre Beziehungen und Dramen, Teenagernöte und ein richtig nerviger Junkie-Charakter? Dann freu dich auf die neue Serie“Fear The Walking Dead“, die eine Familie aus L.A. just beim Ausbruch der Untoten-Apokalypse begleitet, der wiederum inszeniert wirkt wie aus der BRAVO-Fotolovestory.

Okay, die erste Folge gesehen und dauernd im Kopf das Mantra „Das brauchst du nicht“ aufgesagt. Ich bin nicht die Zielgruppe, das dürfen Menschen goutieren, die auch „Scream – The TV Series“ übertoll finden. Vier Punkte, bitte in großem Bogen an mir vorbeitorkeln und mich nicht weiter beachten. Danke.

WERTUNG NACH EINER EPISODE: 4,0 Punkte (durchschnittlich) 
Sichtung eingestellt

STEPHEN FRY IN CENTRAL AMERICA

stephen fry central america

Okay, das ist jetzt eher Information denn Besprechung. Stephen Fry ist nämlich meiner Meinung nach immer unterhaltsam und weise, manchmal nachdenklich stimmend und generell einfach ein toller Mensch. Nach den USA treibt es ihn nun für vier frische Episoden seiner Dokumentationsreihe nach Süden Richtung Mittelamerika, von dessen zahlreichen Staaten ich bisher maximal Mexiko, Costa Rica und Honduras (wegen der Fußball-WM) hätte aufzählen können. Diese Bildungslücke schließe ich jetzt, denn Stephen versorgt den Zuschauer wie gewohnt mit beeindruckenden Menschen, Erzählungen und Bildern. Obwohl ich erst zwei Episoden gesehen habe, ziehe ich bereits das Fazit und beschränke mich dabei auf eine runde Endnote, weil das Wertungssystem nicht so recht auf Reiseberichte passt.

GESAMTWERTUNG: 5 Punkte (gut)

83 (Januar 2015)

6 Jan

Kann man das neue Jahr schöner beginnen als mit einem Seriencheck?
Möglich. Wahrscheinlich. Gut, okay, sicherlich.
Jedenfalls gibt es jetzt einen frischen Überblick über das, was in den vergangenen Monaten bei mir auf der Flimmerkiste gelaufen ist.

AMERICAN HORROR STORY: FREAK SHOW

Mich verbindet mit der Show ja eine besondere Beziehung. Staffel 1 habe ich hier drinnen abgefeiert, Staffel 2 als insgesamt zu trashig abgetan, Staffel 3 schon nach einer Folge nicht mehr sehen wollen. Nun also American Horror: Freak Show. Mit vielen bekannten Gesichtern und einem Wanderzirkus im Mittelpunkt.

Tja. Dieses Mal habe ich vier Folgen durchgehalten. Das auch nur, weil mein Lieblingscharakter in der letzten ebendieser zum Ableben gedrängt worden ist (gut möglich, dass das kein endgültiges Ende war, aber ich nahm es mal als befreienden Anlass zur Absetzung hin). Es ist durchaus bezeichnend, wenn bei einer Show mir gerade die Figur am besten gefällt, die maskiert und ohne Dialog einfach nur Leute dahinmetzelt.

Jessica Lange als verknittertes deutsches Lotterliebchen und Zirkusbesitzerin, Sarah Paulson in einer Doppelrolle als siamesischer Zwilling, Kathy Bates als Frau mit Bart, Angela Bassett mit drei Brüsten – alles Figuren, deren Treiben ich eher mit einer Mischung aus Langeweile und peinlicher Berührtheit verfolgt habe. Mehr Respekt gebührte da eigentlich Naomi Grossman, die für ihre Rolle als Pepper einiges an Transformation an den Drehtag legen muss. Aber das reicht nicht, um AHS: Freak Show gut zu finden.

WERTUNGSDURCHSCHNITT (nach vier Episoden): 4,13 Punkte (durchschnittlich)

GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

THE FLASH (SEASON 1)

theflash

Barry Allen, ein  junger Forensiker, wird nach einem superheldentypischen Unfall der schnellste Mensch der Welt, nennt sich daraufhin The Flash, zieht sich ein quietschrotes Kostüm mit Blitz an und kriegt es immer noch nicht mit seiner großen Liebe-aber-immer-nur-gute-Freundin Iris gebacken.

Sheldon Cooper dürfte völlig ausflippen, ich selbst hatte die ersten zwei Folgen auch durchaus meinen Spaß daran, aber dann ereilt die Show die nach seinem Sender benannte The CW-Krankheit. Zu nett. Zu teenagerig schön. Keine Kanten, keine Ecken. Nichts, was sich im Kopf festsetzt, keine Szene, die sich einbrennt. Sondern mehr das abgespulte Schema „Schnieker-Held-jagt-immer- unspektakulärere-Bösewichter-und-bringt-sie-zur-Strecke“ plus „Vater-zu-Unrecht-im-Gefängnis-und Hach-mit-der-Iris-wär-schon-schön“-Sättigungsbeilage. Da ich jetzt bekanntermaßen auch eher der Superhelden-Verschmäher bin und auch den Gesinnungskumpel „Arrow“ nie gesehen habe, bin ich wahrscheinlich eh nicht hundertprozentig die Zielgruppe. Wer also der Show eine Chance geben will, nur zu; gut möglich, dass es auf Dauer besser ankommt. Ich für meinen Teil habe mich allerdings für die etwas ruppigere Atmosphäre in „Gotham“ entschieden.

WERTUNGSDURCHSCHNITT (nach fünf Episoden): 4,60 Punkte (befriedigend)

GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

THE MCCARTHYS (SEASON 1)

Comedy-Show über eine typische Bostoner Familie mit irischen Wurzeln, ihre Sportvereine fanatisch unterstützend, immer im Wohnzimmer der Eltern aufeinandersitzend, rauh im Ton, aber stets zusammenhaltend im Umgang… und mit einem homosexuellen Sohn. 

Die McCarthys bekamen zum Start ganz schön ordentlich einen drauf, u.a. zückten die Serienjunkies gerade mal einen halben Mitleidsstern von fünf möglichen. Zugegeben: der Pilot war wirklich nicht die Wucht in Tüten, aber ich konnte doch ein paar nette Ansätze erkennen. Allen voran Laurie Metcalf („The Big Bang Theory“) als resolute Mutter mit „The Good Wife“-Sehzwangsstörung, die den ganzen Laden hart, aber herzlich zusammenhält. Aber auch Jack McGee als knurriger Vater, an dem alle Strömungen der Moderne schadlos vorbeigeglitten sind. Dass Tyler Ritter seinem leider viel zu früh verstorbenen Vater John wie aus dem Gesicht geschnitten aussieht, war dann insgeheim ein weiterer Grund, noch dranzubleiben.

Und es ist mittlerweile richtig ordentlich geworden, mit einigen Highlights obendrauf wie etwa der Tatsache, dass „The McCarthys“ mit der Episode „Red Sox Swap“ letztes Jahr die amüsanteste Weihnachtsfolge aller von mir gesehenen Comedyserien abgeliefert hat. Die Show erfindet nun wahrlich nichts Neues, sondern lebt vor allem von den gegenseitigen Granteleien und dem alten Vorzeige-Ehepaar Arthur und Marjorie. Das reicht allerdings auch, um auf meiner Guckliste stehenden Serien wie „The Middle“, „The Millers“ (mittlerweile abgesetzt) und – ja, weiterhin – „The Big Bang Theory“ wertungsmäßig hinter sich zu lassen.

WERTUNGSDURCHSCHNITT (nach acht Episoden): 4,80 Punkte (befriedigend)

GUCKLISTENSTATUS: drauf dank den beiden putzigen Alten

THE WALKING DEAD (SEASON 5 EPISODES 01-08)

Wieder mal Zeit für ein Halbzeit-Resümee bei den spazierenden Toten. Sehr starker Start mit einer Episode, die hierzulande bei der TV-Ausstrahlung gar den Scherenonkel vom Jugendschutz auf den Plan rief. Den traditionellen Absatz mit der Meckerei, dass die Zombies nur noch die Handlung schmückende Messer-ins-Hirn-Opfer sind, spare ich mir diesmal.
Staffel 5 ist bisher gute Unterhaltung ohne Ausfälle mit einigen blutigen Highlights, widerwärtigen Gegenspielern und dramatischen Wendungen. Und damit eine klare Steigerung zur eher höhepunktlosen vierten Season. Jetzt muss nur noch eine gut abliefernde zweite Hälfte her.

WERTUNGSSCHNITT (nach acht Episoden): 5,04 Punkte (gut)

BLACK MIRROR: WHITE CHRISTMAS (TV SPECIAL)

Zwei Konstanten gibt es für TV-Produktionen von der Insel:

1.) Die Briten sind sparsam, was ihre Staffel-Episoden-Ratio angeht und

2.) von Charlie Brooker kommt einfach nix Schlechtes.

Lässt sich beides sehr schön an Black Mirror illustrieren, dessen dritte Staffel aus einem 90-minütigen Special besteht.

Zwei Männer (Jon Hamm und Rafe Spall) sitzen in einer kargen, vom Eis eingeschlossenen Hütte und erzählen sich bei der Zubereitung des Weihnachtsessens ihre Lebensgeschichten, in denen es u.a. um Flirtanleitungen, Zeitraffer, Echtwelt-Blockaden und lebende Klon-Programme geht.

Das Erschreckende an Charlie Brookers dystopischen Zukunftsvisionen ist, dass die gezeigten Ideen und Konzepte in vielleicht gar nicht so ferner Zeit Realität werden können. Auch „White Christmas“ fährt in dieser Hinsicht einiges an weitergedachten Technologien auf, weshalb ihr alleine für diese Kreativitätsleistung allerhöchster Respekt gebührt. Wo im Horrorbereich ein „American Horror Story“ den Grusel immer platter und trashiger werden lässt, steht in Sachen SciFi „Black Mirror“ weiterhin für intelligente, nachdenklich stimmende Unterhaltung, die nach der Sichtung nach einige Zeit in den Gehirnwindungen nachwirkt und zur Diskussion anregt. Ich will von „White Christmas“ nicht zu viel verraten, weil ich denke, dass die Show umso besser wirkt, je unvorbereiteter man sich von ihr treffen lässt. Wertungsmäßig kommt die diesjährige Ausgabe nicht ganz an die ersten beiden Knallerepisoden der zweiten Season heran, für ein knappes „sehr gut“ als Gesamtwertung reicht es aber.

WERTUNG: 5,5 Punkte (sehr gut)

BOARDWALK EMPIRE (SEASON 5)

Nur 8 Folgen für die letzte Staffel, in der sich die Macher dazu einen ausuferndenden Rückblick auf das Leben und Leiden des jungen Enoch Thompson gönnten: Würde das Gangster-Epos „Boardwalk Empire“ alle Handlungsfäden zusammenspinnen und einen würdigen Abschluss finden, mit dem man als Fan der Show zufrieden Abschied nehmen konnte?

Von meiner Warte aus lautet die Antwort: Ja. Denn gegen Ende zieht die Show mächtig an und wartet im Finale gar mit einem gut aus dem Versteck abgeschossenen Twist auf. Alle (noch lebenden) Lieblingsfiguren haben ihren Auftritt, manche weniger nötigen Figuren leider auch, natürlich hätte man hier und da wieder einige Szenen weglassen können, aber zum endgültigen Ende will ich nicht groß herummeckern. Eine Show, die durchgängig und damit auch in späteren Staffeln locker die „gut“-Marke hinter sich lässt, hat einfach Respekt verdient.

WERTUNG: 5,28 Punkte (gut) 

HOMELAND (SEASON 4)

Homeland-banner

Ein etwas holpriger Start, sich erst langsam aufbauende Spannung, dann allerdings ein furioses letztes Drittel gefolgt von einem Ende, das für viele nicht nur nichts mehr draufsetzte, sondern schlicht langweilig ausfiel. Das war die vierte Staffel von „Homeland“ im Schnelldurchgang.

Wenn es drauf ankommt, liefern Saul und Carrie eben doch. Gerade jene Folgen, die den (von dem deutsch-türkischstämmigen Numan Acar hervorragend gespielten) Terrorfürsten Haissam Haqquani in den Fokus rückten, boten allerfeinste Serienunterhaltung und waren mit verantwortlich dafür, dass die Gesamtwertung Kurs in Richtung „sehr gut“ nahm. Wäre da nicht das bereits erwähnte Seasonfinale gewesen, das sich mehr um persönliche Geschehnisse im Leben von Carrie Mathison drehte und auch keinerlei große Anreize für die nächste Staffel setzen konnte.

WERTUNG: 5,38 Punkte (gut)

RECTIFY (SEASON 1)

Daniel Holden (Aden Young) kommt nach 19 Jahren in der Todeszelle frei, weil ein DNA-Gutachten Zweifel an seiner Verurteilung wegen Vergewaltigung und Mordes aufkommen lässt. Unterstützt von seiner Schwester Amantha (Abigail Spencer) und seiner Mutter Janet (J. Smith-Cameron) versucht er sich in seinem neuem Leben und der erweiterten Familie zurechtzufinden, löst in seiner mittelbaren Umgebung allerdings Befremden und Ablehnung aus. Allen voran der damalige Ankläger und jetzige Senator Foulkes wird nicht müde, ihn weiterhin hinter Gitter zu bringen.

Die erste Staffel dieser auf dem Sundance Channel laufenden Dramaserie umfasst gerade mal 6 Episoden, die allerdings von Folge und zu Folge intensiver werden. Der Aufbau ist ruhig, die Show nimmt sich Zeit für ihre Charaktere und fällt entsprechend dialoglastig aus. Wenn Daniel allerdings in zahlreichen Rückblenden seine Zeit in der Todeszelle wiedererlebt, packt die Show einen emotional und lässt nicht mehr los. Youngs Darstellung des verwirrten und gepeinigten Rückkehrers in die Gesellschaft ist beeindruckend und hält den Zuschauer im Unklaren, welche Rolle der junge Holden in dem zugrundeliegenden Mordfall gespielt hat. Alles zusammen sorgt dafür, dass von „Rectify“ eine hypnotische Anziehungskraft ausgeht. Viele Kritiker vergleichen die gedrückte Atmosphäre mit der von „Six Feet Under“, weshalb ich die Show hiermit vor allem dem hochgeschätzten Kollegen bullion anempfehlen möchte.

Die Bewertung für die erste Staffel kann ich jetzt schon aussprechen, die zweite (mit 10 Episoden) fällt nach bisher gesehenen 9 Episoden vom hohen Niveau her etwas ab. Auf deren Finale lasse ich wieder nichts kommen, vor allem die letzten Minuten gehen gekonnt an die Nieren. Vorher allerdings haben sich drei, vier Folgen eingeschlichen, in denen die Story um Holden mir etwas zu sehr ins Nebensächliche abgleitet, die Macher den Spannungs- und Emotionsfaden nicht mehr straff halten, sondern durchhängen lassen. Selbstverständlich führt der Abschluss der zweiten Staffel zu einer Aufwertung, sodass noch ein „gut“ herausspringt.

WERTUNG SEASON 1: 5,55 Punkte (sehr gut)

WERTUNG SEASON 2: 4,95 Punkte (gut)

RICK AND MORTY (SEASON 1)

Über Rick & Morty habe ich mich ja schon hier ausgelassen. Ich bin, was Animationsserien angeht, durchaus wählerisch. „The Simpsons“ schaue ich aus Tradition, „Family Guy“ ab und an (wegen zu hohem Hit’n’Miss-Faktor), „Southpark“ hat sicher seine Momente, ist für meinen Geschmack aber dann doch bei vielen Gags zu primitiv und an „Futurama“ kommt bei mir sowieso kaum etwas heran. Bis eben auf Rick & Morty.

Es sind die abgefahrenen Ideen, die Anspielungen, die Zitate rundum Film und Fernsehen (für letzteres höchst empfehlenswert die Episode „Rixty Minutes“), die mir hier konsequent ein Lächeln ins Gesicht zaubern und mich hochachtungsvoll zu Ricks wissenschaftlichen Erläuterungen mitaufstoßen lassen. Zwei bis drei Folgen gerieten dann doch eher mehr okay denn gut, weshalb es nicht ganz für die 5,5 als Durchschnittsnote reichte. Ich freue mich auf die zweite Staffel, für die Dan Harmon neben seiner Auslastung bei Community hoffentlich noch genug Verrücktheit aufbringen kann.

WERTUNG: 5,34 Punkte (gut)

TOY STORY THAT TIME FORGOT (TV SPECIAL)

ABC schickt die Toy Story-Recken in ein neues Abenteuer um eine Bande aggressiver Großreptilien-Spielzeuge.

Ich schreib’s geradewegs heraus: Im Titel steckt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Denn dieses von Steve Purcell (Gamern bekannt durch Sam’n’Max) geschulterte TV-Special ist leider ein uninspiriertes und damit vergessenswertes Abenteuer von Woody, Buzz und Co. Wobei das Problem schon darin liegt, dass die eben genannten Figuren eher eine Nebenrolle spielen und sich das Geschehen viel mehr auf die Dinosaurierdame Trixie fokussiert. Was zusammen mit einem eher farblosen Bösewicht in knapp 22 Minuten Durchschnittskost ausartet. Einzig die Szenen mit den wahren Stars der Reihe reißen es gerade mal so noch ins Befriedigend raus. Dann lieber nochmal die Filme schauen oder das exzellente „Toy Story of Terror“ aus dem Jahr davor.

WERTUNG: 4,5 Punkte (befriedigend-)

FARGO (SEASON 1) (UK BLU-RAY)

Eine weitere Revolution im Seriencheck: Ich werte eine Show nach Sichtung der Blu-ray auf. In diesem Fall erhält „Fargo“ nachträglich die Ehre des Spitzenprädikats zuerkannt. Die UK-Blu-ray steckte Ende Dezember beim Zoll fest (Merke: zavvi schickt doch nicht alle TV Serien-Boxen jenseits der Zollbetragsfreigrenze von 26,70 Euro vom Festland) und ich durfte bei einem sehr gestresst wirkenden, aber netten Zollbeamten 6 Euro Einfuhrumsatzsteuer nachzahlen.

Die Mühe sollte sich allerdings am letzten Wochenende lohnen, als ich die 10 Episoden nochmal Revue passieren lassen durfte. Die ursprünglichen 5,90 Punkte sind ohne Frage bereits eine starke Wertung, aber in der Zusammenschau mit dem Film der Coen-Brüder von 1996 eröffnen sich noch einige gelungene Anspielungen, die geschnittenen Szenen (samt Einbettung in die entsprechende Folge) sind interessant, die insgesamt drei Featuretten sehr aufschlussreich und unterhaltsam. Langer Rede, kurzer Sinn: Ich schlage auf die Endnote nochmal was drauf in Form von 6 Punkten für die Serienbox. You betcha, yah. Denn die Show selbst ist schlicht und ergreifend nur Aces.

GESAMTWERTUNG: 6,05 PUNKTE (überragend)