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108 (Juni 2017)

16 Jun

Die großen Comedyserien sind in den USA fast alle mittlerweile in ihrer Sommerpause – nur der alte, orangene Clown im Weißen Haus macht unermüdlich weiter. Hier sind die Abschlussbewertungen im Bereich „Comedy“:

KEVIN CAN WAIT (SEASON 1)

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Der werte Kollege bullion hat mit „Doug“ einen wunderbaren Alternativtitel für die Show gefunden. Denn „Kevin Can Wait“ ist quasi Doug aus „King of Queens“ mit einer anderen Familie. Was die Einordnung leichter macht: Wer mit der Paketboten-Comedy nichts anfangen konnte, wird auch wenig Freude an der Rentnercop-Comedy finden. Andersherum ergeben sich wohlige Schnittmengen, wobei man freilich hier auf das Genie eines Jerry Stiller verzichten muss. Leah Remini wiederum, die im Finale einen Gastauftritt hatte, wird in der zweiten Staffel dauerpräsent sein und Show-Gattin Erinn Hayes ersetzen. Keine Ahnung, wie die Autoren das hindeichseln wollen, aber ich sehe dem Unterfangen eher kritisch entgegen.

Ich hatte meinen Spaß mit Kevin James, der die Show mehr oder minder trägt und nach teils dramatisch üblen Ausflügen ins Filmgeschäft wieder Fuß fasst. Hayes ist eher die Stichwortgeberin, die Polizeikumpels erinnern angenehm an Deacon & Co, die Kinder sind bis auf die Älteste kaum zu sehen und der britische Schwiegersohn kann eher nur selten Akzente setzen.

Die Show erhielt von mir durch die Bank 4,5 oder 5,0 Punkte – kein Ausfall nach unten, aber auch kein Ausreißer in höhere Gefilde. Macht insgesamt einen Schnitt von:

GESAMTWERTUNG: 4,90 Punkte (befriedigend +)

MAN WITH A PLAN (SEASON 1)

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Die nächste klassische Comedy, der nächste berühmte Charakter: Matt LeBlanc a.k.a Joey Tribbiani. Berührungspunkte mit der einstigen Paraderolle gibt es hier kaum, LeBlanc spielt den liebenswert überforderten Familienvater, der sich verstärkt um die Kinder kümmern muss, nachdem seine Frau wieder zur Arbeit geht. Auch hier werden keine Gagrevolutionen angezettelt, sondern traditionelle Comedy-Brötchen gebacken. Wer damit zurecht kommt, bekommt ähnlich viel Spaß serviert wie bei dem Kollegen einen Beitrag obendrüber. Mir gefiel vor allem Kevin Nealon („Weeds“) als Bruder, der immer für einen Oopsie gut ist.

Von der Bewertungsspannweite her fast eine identische Kopie zu „Kevin Can Wait“, mit einem 4,0 Ausreißer nach unten. Die beiden Shows kann man also wunderbar im Doppelpack gucken, weshalb sie passenderweise auch so auf CBS laufen.

GESAMTWERTUNG: 4,82 Punkte (befriedigend)

SUPERIOR DONUTS (SEASON 1)

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Mmmh, was könnten wir denn als nächstes besprechen? Eine klassische Comedy vielleicht? „Superior Donuts“ mit dem alten Haudegen Judd Hirsch versprüht, wie ich schon bei der ersten Vorstellung schrieb, viel „Cheers“-Charme: Süßgebäck statt Feierabendbier, aber jeweils charakterbunte Stammkundschaft. Plus dem frischen Anstrich durch einen urbanen jungen schwarzen Künstler Franco Wicks (Jermaine Fowler), der das Geld braucht und sich als Bedienung durchschlägt.

Mit Fowler habe ich mich durch die insgesamt 13 Folgen angefreundet, Hirsch ist ehe eine sichere Nummer, mein absoluter Liebling und Dranbleibgarant war allerdings Maz Jobrani („Better Off Ted“), der einen herrlich schmierigen, arabischstämmigen Geschäftsmann gibt und für die besten Sprüche zuständig ist. Der Rest des Casts fällt demgegenüber mal weniger (Katey Sagal, David Koechner), mal deutlicher (Anna Baryshnikov) ab. Insgesamt kein „superior“ von mir, sondern eher „okay with a touch of nice“.

GESAMTWERTUNG: 4,38 Punkte (durchschnittlich)

MODERN FAMILY (SEASON 8)

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Hat sich dieses Jahr ein bisschen erholt und den stetigen, wenn auch langsamen Abstiegstrend gestoppt. Nein, die alten Glanzzeiten erreicht man auch dieses Mal nicht mehr. Dafür gab es mit dem Seasoneröffner und der Halloween-Folge nochmal zwei von mir mit 5,5 Punkten (sehr gut) bewertete Episoden. Das Talent meiner Lieblinge Ty Burrell, Ed O’Neill und Eric Stonestreet blitzt weiterhin in vielen Szenen auf, die Autoren haben sich zudem erbarmt und den langweiligsten Charakter (Haleys love interest Andy) außen vor gelassen, dafür fällt ihnen gerade für die älter gewordenen Kids nicht mehr sonderlich viel ein: Außer Haley und den von Nathan Fillion gespielten Charakter Rainer Shine als Liebespaar zu installieren. Sorry, aber Sarah Hyland (Geburtsjahr 1990) wirkt immer noch wie eine 14-jährige auf mich und entsprechend kommen diese Szenen dezent gruselig rüber. Manny kann sich dank seiner Macken noch retten, aber die anderen Figuren wie Luke, Alex und Lily, die jetzt ihren Status als jüngster Großfamilienspross verloren hat, leiden merklich unter den schwachen Drehbüchern.

GESAMTWERTUNG: 4,89 Punkte (befriedigend)

THE MIDDLE (SEASON 8)

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Ordentliche Saison für die Hecks. Nach diversen durchschnittlichen Jahrgängen schafft man diesmal wieder den Sprung ins Befriedigend. Im letzten Drittel setzt es zwar ein paar Durchhänger, aber sonst wird sättigende Kost geboten, aus den leider schon lange ausgequetschten Figuren wird dank netter Geschichten noch das Beste herausgeholt, nix nervt, man kommt ohne Stolpersteine durch das Jahr in Orson. Hätte ich auch nicht gedacht.

GESAMTWERTUNG: 4,52 Punkte (befriedigend)

THE GOLDBERGS (SEASON 4)

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Die Show, bei der es mir extrem schwerfällt, die 5 Punkte nicht zu zücken. Weil nämlich fast immer genug Putzigkeit, 80er-Jahre-Charme, überprotektive Mutterschaft, wohliges Familien-Happy End oder anderer witziger Krams drin ist, um am Ende mindestens die volle Hand zur Bewertung auszufalten. Okay, mittlerweile werden die goldenen Themen der Eighties langsam weniger, weshalb es heuer viermal nur zum Befriedigend gelangt hat. In Richtung weiter oben steht aber  tatsächlich eine Prädikatsauszeichnung für „Ho-ly K.I.T.T.“ – ich gebe jetzt mal keinen Hinweis darauf, um was es in der Folge geht. Vier Staffeln „The Goldbergs“, jede davon mit „gut“ bewertet und in den letzten zwei Jahren konnte man sich sogar noch ein wenig steigern. Von dieser Qualitätskonstanz dürfte es gerne mehr Comedyshows geben.

GESAMTWERTUNG: 5,27 Punkte (gut)

BLACK-ISH (SEASON 3)

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Gefiel mir dieses Jahr doch eine ganze Wertungsstufe weniger, muss ich leider sagen. Da wären auf der einen Seite die schweren Themen, an denen sich Show schlicht verhebt. Klar, man will mit „Black-ish“ alles abdecken, was die afro-amerikanische Community bewegt  Aber wie schon bei der Episode um Polizeigewalt gegen Schwarze wirkt das- zumindest meiner Meinung nach – in einem eher lockeren Comedyformat deplatziert. Entweder komplett ernst oder bleiben lassen. Auf der anderen Seite fand ich den Bruder von Bo durchweg nervig und die Geschichten konnten mich nicht so recht packen. Insgesamt hat die Show einfach die Frische, die sie noch in den ersten beiden Staffeln ausmachte, aus den Augen verloren.

GESAMTWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend)

BROOKLYN NINE-NINE (SEASON 4)

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Die seltsamste Polizeieinheit New Yorks hält weiterhin ihr sehr gutes Niveau. Nach einer minimalen Schwächeperiode in der zweiten Staffel läuft es wie schon in der dritten Season einfach rund. Ich könnte entsprechend den Sermon von 2016 runterbeten, von wegen liebenswerten Charakteren, die alle jederzeit einen großartigen Gag abfeuern können. Das spare ich mir, denn Kenner wissen eh Bescheid. Als kleinen Hinweis lasse ich aber fallen, dass die Folge 4×07 (Mr. Santiago) die 6,0 Punkte-Ehrenauszeichnung einstreichen konnte und ich deshalb auf „sehr gut“ aufrunde. Applaus, wegtreten, so weitermachen!

GESAMTWERTUNG: 5,47 Punkte (sehr gut)

FRESH OFF THE BOAT (SEASON 3)

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Ein bisschen Asian-American-Comedy muss sein. Und da ich „Dr. Ken“ abgesetzt habe, bleiben halt die Huangs übrig. Der Befund ist allerdings auch in dieser Staffel unverändert. Ich mag Constance Wu als strenge Mutter Jessica, Ehegatte Louis (Randall Park) hat ebenfalls seine Momente, die Geschichten sind manchmal richtig nett, HipHop-Kind Eddie nervt wegen HipHop und die Witzigkeit der in Mandarin redenden Großmutter hat sich mir weiterhin nicht erschlossen. Könnte ich ehrlicherweise auch von meiner Guckliste streichen, aber ich habe mich dran gewöhnt einzuschalten. Die Show schwimmt bei mir sozusagen in stillen „Das muss mich schon richtig ärgern, damit ich es absetze“-Gewässern.

GESAMTWERTUNG: 4,43 Punkte (durchschnittlich)

LIFE IN PIECES (SEASON 2)

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Gut möglich, dass die erste Staffel „Life In Pieces“ von mir überbewertet wurde, weil ich bei einzelnen Segmenten, die mir richtig viel Spaß machten, gleich die ganze Episode mit hochbewertet habe. Das Ensemble finde ich allerdings weiterhin sympathisch und talentiert. In der nun zweiten Season ist die Zahl der „nur“ befriedigenden Folgen jedoch stattlich angewachsen, da führt selbst das mild kritische Rezensentenauge nicht dran vorbei. Dazu noch ein, zwei wirklich nicht gelungene Ausgaben und -schwupp- helfen auch die ganzen guten Folgen nicht mehr, um wieder über die 5,0-Hürde zu springen.

GESAMTWERTUNG: 4,87 Punkte (befriedigend)

THE SIMPSONS (SEASON 28)

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Ich habe schon bedeutend schlechtere Simpsons-Jahrgänge durchgeschaut.

Damit komme ich zwar sicher nicht auf die Zitatliste der Season Box, aber es stimmt. Lediglich 5 Episoden, die ich eher durchschnittlich bzw. noch darunter empfand, dazu insgesamt 5 Ausgaben, die ich mit „Gut“ bewertet habe und einer schönen Tradition folgend hier benenne:

S28E02 Friends And Family, E08 Dad Behavior, E11 Pork & Burns, E14 Fatzcarraldo, E17 22 für 30, E22 Dogtown

GESAMTWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend)

DOWNWARD DOG (SEASON 1)

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Hund Martin wird von seiner Besitzerin Nan (Allison Tolman) oft alleine in ihrem Appartement gelassen und macht sich deshalb so seine Gedanken über seine Welt und die seltsamen Menschen darin.

Moment, was ist denn das?
Ist das hier drin schon besprochen worden?
Weshalb ist das bei den Abschlusswertungen?

Die Antworten: a) Eine Comedyserie. b) Nein, ist neu. c) Weil ich es nach zwei Episoden schon abgesetzt habe.

Allison Tolman hat seit „Fargo (Season 1)“ einen dicken Stein bei mir im Brett. Aber leider kann sie diese Show auch nicht retten. Ihr Show-Freund Jason (Lucas Neff, „Raising Hope“) übrigens genauso wenig. Weil bei „Downward Dog“ nun mal der Hund im Mittelpunkt steht und tja, der funktioniert für mich nicht. Tiere durch nachträgliche digitale Bearbeitung sprechen zu lassen, kann eine lustige Sache sein, hier wirkt das Ergebnis eher dezent unheimlich. Mit dem Hauptautor und Direktor Samm Hodges hat man zudem eine Stimme gewählt, die irgendwo zwischen langweilig und depressiv schwankt und dementsprechend kommt auch der ganze Vierbeiner rüber. Sorry, mehr als ein „durchschnittlich“ kann ich da nicht in den Napf legen.

DURCHSCHNITTWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 4,00 Punkte (durchschnittlich)
Sichtung eingestellt

THE JIM JEFFERIES SHOW (SEASON 1)

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Jim Jefferies, tapferer australischer Stand-Up-Comedian und einer meiner Lieblinge seines Fachs, versucht sich an Infotainment-Comedy à la „Last Week Tonight with John Oliver“ oder „The Daily Show“. Natürlich ohne deren sozialkritische Wühlarbeit oder politische Tiefe erreichen zu wollen. Vielmehr spöttelt Jefferies auf seine liebenswert leicht besoffen wirkende, aber dafür die Wahrheit gerne auch mal derb aussprechende Art über das, was in der Welt passiert. Als Bonus gibt es Brad Pitt als Wettermann. Keine Ahnung, warum. Hat mir jedenfalls gefallen und werde ich als Fan definitiv weiterhin verfolgen.

DURCHSCHNITTWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,00 Punkte (gut)

105 (Februar 2017)

9 Feb

Es hat sich wieder einiges angesammelt. Ich stelle mich zwar tapfer weiterhin der Flut an neuen Serien, muss aber auch eingestehen, dass ich bei einigen sehr schnell den Daumen nach unten wandern lasse, wenn mich die Pilotfolge nicht zu packen weiß. Das ist schade, denn viele letztlich gute Shows haben eher nur okay angefangen. Von daher ist es gut möglich, dass mir einige Perlen entgangen sind, aber den Preis gilt es zu zahlen, wenn man folgende Schlagworte auf der internen Bannliste stehen hat:

„Marvel“, „teen“, „criminal“, „medical“, „law“, „hip hop“, „dramedy“

THE GOOD PLACE SEASON 1:

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Das Finale hat mir überhaupt nicht gefallen.
Punkt.
Ausrufezeichen!

Was mir an „The Good Place“ hingegen Freude bereitete, war das etwas andere Setting mit seinen speziellen Regeln, die immer bezaubernd knuffige Kristen Bell, Ted Danson als überforderter Jungschöpfer und die allgegenwärtige Janet. Nach den ersten überraschend frisch-frechen Folgen, in denen man so manche Schrägheit beschmunzeln durfte, gleitete es doch mehrfach in die Kategorie „okay, hätte man aber mehr draus machen können“ ab. Trotzdem, gerade mit dem Punktpolster zu Beginn, ein Kandidat für ein knappes „Gut“. Wenn da eben nicht das Finale gewesen wäre mit seinem Twist, der – HUI WUMMS- mit einem Schlag alles auf den Kopf stellen musste. Schöne Sache eigentlich, wenn ich als Zuschauer nicht das quälende Gefühl gehabt hätte, dass der große Kniff nicht wirklich einen Sinn ergab, sondern es eher den Anschein hatte, dass er eingebaut wurde, um die Show im Gespräch zu halten.

Vielleicht gebe ich dem Season-Finale nochmal eine Chance, da „The Good Place“ mittlerweile um eine zweite Staffel verlängert wurde. Für den Moment allerdings reißt meine Wertung die Show runter ins Befriedigend.

GESAMTWERTUNG: 4,83 Punkte (befriedigend)

FREQUENCY SEASON 1

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Ganz andere Situation bei „Frequency“. Rundes Finale, das sogar die beste Wertung der Staffel einfahren konnte, ein nur kleiner, aber feiner Twist, dafür beim US-Publikum durchgefallen und daher kaum mit Chancen auf eine Fortsetzung. Nach dem emotionalen Einstieg hing es in der Mitte leider etwas durch, weil die Show einiges an Zeit brauchte, um den roten Faden um den Nightingale Killer wiederaufzunehmen und sich Nebenplots wie dem Liebesleben der Hauptfigur widmete. Für Freunde des Films aus dem Jahr 2000 kann ich aber durchaus eine kleine Empfehlung abgeben. Auch weil ich mich über das Ende überhaupt nicht aufregen musste.

GESAMTWERTUNG: 4,78 Punkte (befriedigend)

LEMONY SNICKET’S A SERIES OF UNFORTUNATE EVENTS SEASON 1

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Die wirklich traurige und nicht unbedingt zwingend ansehenswerte Geschichte der Waisenkinder Baudelaire, hinter deren Vermögen der bösartige Graf Olaf (Neil Patrick Harris, „How I Met Your Mother“) her ist wie der Teufel hinter der Seele. 2004 verfilmt mit Jim Carrey und Jude Law, nun als achtteilige Serie auf Netflix und gleichzeitig wohl auch die Show mit der schlechtesten PR-Abteilung. Denn „Look away, look away“, tönt es im Vorspann zu jeder Episode. Wovon ich mich natürlich nicht beirren lasse. Ich habe schon vor 38 Jahren nach „Pusteblume“ immer weitergeguckt, obwohl der Onkel mich jedes Mal zum Ausschalten bringen wollte. Pah.

Hübsch prächtig ausstaffiert, mit vielen seltsamen Charakteren, einem Erzähler mit offensichtlichem Heiterkeitsmangel (Patrick Warburton, „Crowded“, „Family Guy“) und einem Baby mit fantastischem Wortschatz (oder aber übereifrigem Übersetzer). Muss man eigentlich von Beginn an mögen und das tat ich dann auch. Neil Patrick Harris legt seine Rolle weniger übertrieben an als Jim Carrey, was für manche gleich als Pluspunkt gelten mag. Die Episode „The Wide Window“ fiel für meinen Geschmack ein wenig ab, ansonsten kamen alle Folgen über die 5,0 Punkte-Marke. Für die nächsthöhere Wertungsstufe fehlte es mir dann doch an den ganz großen Momenten des überraschenden Humors, die konnte ich nur zweimal zücken. Und wenn ich ehrlich bin, geschah das beide Male eher zur Aufwertung der gesamten Serie.

GESAMTWERTUNG: 5,16 Punkte (gut)

THE MAN IN THE HIGH CASTLE SEASON 2

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Ach, schau an, der Obergruppenführer Smith ist wieder da. Heil Smithie!

Das guckt der nach einem harten Tag der Hetze ermattete AfD-Fraktionsvorsitzende mit heißem Herzen und abgeschaltetem Ton, um sich an zackigen Grüßen, makellosen Uniformen und all den prachtvollen Prunkbauten mit dem schönen Glücksbringersymbol drauf zu erfreuen. Ja, für nationalstolzloses Gesocks wie meine Wenigkeit ist das harter Tobak und ich kann jeden verstehen, der sich die Serie allein wegen der Optik nicht anschauen möchte.

Aber davon ab weiß die erzählte Geschichte auch in der zweiten Staffel zu überzeugen. Kleiner Service und nicht wirklich überraschender Spoiler: [nächste Zeile markieren] 

Nein, die Nazis kriegen wieder nicht kolossal auf die Mütze

Wer darauf gewartet hat, braucht die amazon-App gar nicht aufzumachen. Der Dystopien eher ertragen könnende Rest erfreut sich an dem heißlaufenden kalten Krieg zwischen dem Greater Nazi Reich und den Japanese Pacific States, springt gerne mal mit in eine andere Alternativwelt, verfolgt die Rebellion weiter und darf sogar einen Blick auf den titelgebenden Mann erhaschen. Fand ich insgesamt gute Unterhaltung und wegen der insgesamt gelungenen und strafferen Handlungssträngen besser als in der ersten Season. Lediglich die Episoden mit der Nazi-Hippie-Kommune in Berlin haben mich dezent gelangweilt.

GESAMTWERTUNG: 5,20 Punkte (gut)

SANTA CLARITA DIET SEASON 1

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Das Immoblienmakler-Paar Sheila (Drew Barrymore, „Donnie Darko“) und Joel Hammond (Timothy Olyphant, „Justified“) verbringen ein beschauliches Leben in einem Vorortidyll in Kalifornien. Bis eines Tages Sheila nach einer sehr reichhaltig gezeigten Übelkeit zur Untoten wird. Erfreulicherweise weniger die herumtaumelnde, dumpf stöhnende Sorte, sondern sexuell aufgeladen und dynamisch. Aber eben auch mit Hunger nach frischem, rohem Menschenfleisch. Was den treu ergebenen Ehemann vor ein paar Probleme stellt.

Nach den ersten paar Episoden dachte ich schon, ich hätte einen neuen Vertreter für meine „Matsch & Quatsch“-Kategorie, da ein paar Szenen durchaus auch in einer mild gestimmten Ausgabe von „Ash vs. Evil Dead“ hätten vorkommen können. Das legt sich später allerdings, der Gore geht zurück zu Gunsten von herrlich skurrilen Situationen und witzigen One-Liner-Sprüchen. Vor allem Timothy Olyphant, der zusammen mit Drew Barrymore eine wunderbare Comedy-Chemie an den Tag legt, tut sich in der Hinsicht hervor. Aber auch der Rest des Castes ist ohne Ausfälle liebenswert, putzig und witzig. Insgesamt ist dieser Mix aus „Desperate Housewives“ und „Dexter“ mit einem Schuss Zombie daher ein klarer Kandidat für die beste neue Comedy in diesem Jahr. Und allein für die eine Szene mit der Baka auf dem Drehstuhl im Finale runde ich meine Wertung nach oben zu einem „sehr gut“ auf.

Zum Schluss aber sei in die Runde gefragt: War ich der Einzige, der angesichts der Promo und des „Diet“ im Titel davon ausging, das Ganze ginge im Verlauf der Staffel in die Soylent Green-Richtung? Egal. So oder so ein großer Spaß.

GESAMTWERTUNG: 5,40 Punkte (sehr gut)

HOMELAND SEASON 6

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Läuft wie gewohnt eher gemächlich an, aber dafür ist die Serie ja bekannt. Bisher viel „Ach, du armer Peter Quinn“-Anteil, dazu ein bisschen falsch verstandener Jung-Terrorist. Naja. Immerhin schrauben die alten Haudegen Saul und Dar Adal bereits an einem lohnenden Iran-Plot. Die Hoffnung bleibt, dass es die beiden und Carrie es schon in den kommenden Folgen richten werden. Bemerkenswert ist aber schon mal, dass die Autoren bei der Ausgestaltung des neuen amerikanischen Präsidenten in ihrer Show wohl aufs falsche Pferd gesetzt haben.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH DREI EPISODEN: 4,66 Punkte (befriedigend)

EMERALD CITY SEASON 1

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Mal wieder Wizard of Oz im Fernsehen. Die Inszenierung des Stoffes durch Tarsem Singh („Mirror Mirror, „The Fall“) hat allerdings wenig mit der singenden Dorothy, ihrem knuffigen kleinen Hund Toto sowie der Vogelscheuche, dem Zinnmann und dem Löwen aus dem Musical zu tun.

Die Schlagworte „alternative telling, dark and edgy“ standen laut Wikipedia bei der Vorstellung des Konzepts durch Schöpfer Matthew Arnold hoch im Kurs. Nach dem gut 80-minütigen Piloten war das Ergebnis für mich wie ein Blick auf eine abgelegene Gegend in Westeros, in der kein Lannister, Targaryen oder Stark den Fuß gesetzt und man noch nichts von Spannung, Action, packenden Dialogen, Brutalität oder Sex gehört hat. Dafür gab es am Ende immerhin Ausdruckstanz zu bestaunen. Insgesamt also „Game of Thrones“ für das Spätnachmittagsprogramm bei ARD/ZDF. Die paar optisch eindrucksvoll gestalteten Kulissen reißen es da nicht raus, sorry. Schade auch um Adria Arjona, die ich in ihrer Rolle als erwachsene Dorothy angenehm fand.

ERSTEINDRUCK: 3,5 – 4,0 Punkte (unterdurchschnittlich – durchschnittlich)
Sichtung eingestellt

SUPERIOR DONUTS SEASON 1

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Arthur Przybyszewski (Judd Hirsch, „Taxi“) ist ein knurriger, alter Mann, der in einem von Gentrifizierung bedrohten Stadtteil von Chicago Donuts produziert, die eines Tages die Weltherrschaft an sich reißen sollen. Nein, halt, jetzt bin ich mit dem letzten Nebensatz in meine Review zu „The Man In The High Castle“ abgerutscht. Keine Weltherrschaft, sorry. Die Umsatzgenerierung gestaltet sich schleppend, woraufhin ein kecker Millenial namens Franco ungefragt mit seinen Ideen Schwung in den Laden bringt.

Klassische Comedy mit einigen bekannten TV-Serien-Gesichtern wie Katey Sagal („Eine schrecklich nette Familie“), David Koechner („The Goldbergs“) oder Maz Jobrani („Better Off Ted“). Vermittelte für mich direkt mit dem Piloten einen gewissen „Cheers“-Charme, was zweifellos an Judd Hirschs Figur lag, denn der Haudegen hätte prima an oder hinter den Tresen dieser altehrwürdigen Show gepasst. Leider kommt dann allerdings noch der Millenial-Part ins Spiel. Schon bei „The Great Indoors“ hat mich diese Art von Seriencharakter genervt und hier ist es nicht anders. Stellt euch „Cheers“ mit einem hibbeligen Twentysomething vor, der mit den Gästen Selfies macht, um sie bei Snapchat hochzuladen, die Zapfanlage twittern lässt oder alle Betrunkenen zu Likes auf Facebook drängt. Würdet ihr das gucken wollen? Eben. Eine Folge werde ich „Superior Donuts“ wohl noch als Chance geben, aber die Tendenz geht bei mir Richtung Absetzung.

ERSTEINDRUCK: 4,0 Punkte (durchschnittlich)
Gucklistenstatus: wackelig 

POWERLESS SEASON 1

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In einer Welt voller Superhelden… muss es auch die kleinen Leute geben, die den Schutt wegräumen. Vorhang auf für Emily Locke (Vanessa Hudgens, „High School Musical“), die in einer Sicherheitsfirma von Wayne Enterprises Konzepte zum Schutz der Bevölkerung vor Kollateralschäden erarbeiten soll. Gerade Batman haut ja mal gerne im Überschwang den ein oder anderen Wolkenkratzer zu Bruch bei der Bösewichtbekämpfung.

Hat meine Aufmerksamkeit durch die Mitwirkung von Danny Pudi („Community“) und Alan Tudyk („Firefly“) auf sich gezogen. Ich mag auch den Ansatz, eine Arbeitsplatzcomedy in der Art von „Better Off Ted“ in einer Superheldenwelt zu etablieren. Der Auftakt von „Powerless“ hat mich allerdings nicht so recht überzeugen können. Die Show ist zu harmlos, zu glatt, die Charaktere eher eindimensional, die Gags sitzen noch nicht. Hudgens verorte ich zudem unter der Ablage „Disney Channel Grinsepüppchen“, weshalb sie es schwer hat, bei mir Begeisterung aufkommen zu lassen. Tudyk gibt den kauzigen Chef, Pudi taucht im Ensemble eher unter. Auf den beiden liegt aber meine Hoffnung, dass es vielleicht doch was wird.

ERSTEINDRUCK: 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)
Gucklistenstatus: da muss mehr kommen