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107 (Mai 2017)

4 Mai

Im April gab es keinen neuen Seriencheck. Der Grund: Ich wollte unbedingt noch die Starts von zwei neuen Shows mitnehmen, von denen ich mir sehr viel erwartet habe. Siehe – Achtung, Spannungsaufbau! – die letzten beiden Besprechungen.

TRIAL & ERROR (SEASON 1)

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Im Namen des serienschauenden Volkes ergeht folgendes Urteil:

Die Show „Trial & Error“ wird dazu verurteilt, von mehr Zuschauern gesehen zu werden. Denn sie war in ihren insgesamt 13 Episoden durchgehend lustig, teils herrlich doof und oft zum An-die-Stirn-klatschen albern. Das hohe Gericht wünscht eine Fortsetzung. 

Gegen dieses Urteil ist das Rechtsmittel der Berufung nur dann zulässig, sobald der Antragsteller 13 Folgen der aktuellen Staffel „The Big Bang Theory“ gesichtet und dabei durchgehend Lachanfälle bekommen hat. 

Also nie. Ätsch.

Dem schließe ich mich vollumfänglich an. Einfach eine schön dusselige Law-Comedy, ohne dass der Humor primitiv unter der Gürtellinie herumturnen musste. Könnte in der Saison-Endabrechnung den Titel „Beste neue Comedyserie“ einheimsen.

GESAMTWERTUNG: 5,14 Punkte (gut)

HOMELAND (SEASON 6)

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Nach der eher durchschnittlichen 5. Staffel mit dem Wirkungskreis Berlin befasst sich Homeland diesmal mit den Problemen zuhause. Dort kann der Feind nämlich auch mal gerne lauern statt in Afghanistan, Syrien oder Iran. Siehe Populismus, mediale Manipulation, Lügen. Wie von der Serie mittlerweile gewohnt, baut sie ihre Geschichte lange auf, lässt sich mit der Entwicklung der Figuren und Ereignissen Zeit und feuert zum Ende hin alles raus, was sich angestaut hat. Schauspielerisch wie gewohnt hochklassig besetzt, entschädigt das letzte Drittel der Staffel für alle vorigen Momente, in denen man als Zuschauer eher berieselt denn gepackt worden war. Das Finale schließlich – gerne bei Homeland ja mehr stiller Nachklapp als fulminante Explosion – bietet großartig inszenierte Action, Heldendrama und Wirkungstreffer in der Magengrube.

Damit geht es erneut locker über die 5 Punkte-Grenze. Auch nach 6 Staffeln darf man festhalten: Das Dramakonzept hinter Homeland wirkt immer noch.

GESAMTWERTUNG: 5,20 Punkte (gut)

THE WALKING DEAD (SEASON 7)

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Was man von „The Walking Dead“ leider nicht behaupten kann. Gerade mit Blick auf ein Finale, das mich enttäuscht, ja richtiggehend verärgert hat. Ich halte Rick Grimes und seinem geplagtem Gefolge trotz vieler Qualitätsschwankungen weiterhin die Treue. Eben weil die Show neben gepflegten Langeweilern auch richtig gelungene Folgen abwerfen kann.

Ja, und damit meine ich Episoden mit Negan, dem brutal grinsenden Oberbösewicht. Ich wiederhole mich da gerne, aber ohne ihn wäre diese Staffel eine einzige Ödnis geworden. Dass man an vielen Stellen die Strahlkraft der Rolle von Jeffrey Dean Morgan beschädigt, teilweise der Lächerlichkeit preisgegeben hat, ist einer der Gründe, weshalb am Ende eine der schlechtesten Seasons für „The Walking Dead“ steht. Denn für mich funktionierte bis dahin dieses Bedrohungsszenario durch einen sadistischen Tyrannen, der über das Leid der von ihm unterdrückten Menschen lacht.

Die zweite Hälfte der Season baute lange auf, alles war auf eine endgültig alles entscheidende Konfrontation gerichtet. Anders ausgedrückt: Das Finale sollte die eher dahindümpelnde Handlung in den Folgen zuvor (Ausnahme: 7×13 Bury Me Here) vergessen machen und abliefern. Ich werde nichts spoilern, sondern nur auf meine Wertung für die letzte Folge verweisen. 3,0 Punkte. Die ziehe ich eigentlich nur, wenn eine Folge mich geärgert hat. Was „The First Day of the Rest of Your Life“ wirklich einwandfrei gelungen ist. Hier vereint sich leider so ziemlich alles, was Kritiker und Aussteiger der Show vorwerfen, Stichwort: unlogisches bis dummes Handeln und Geschehen.

Am Ende rettet sich „The Walking Dead“ knapp aus der Durchschnittlichkeit, weil einige Folgen mit Negan zuvor für ein sattes Wertungspolster gesorgt haben. Wer mit dieser Figur allerdings schon nichts anfangen konnte, darf gerne einen Zähler vor dem Komma abziehen.

GESAMTWERTUNG: 4,60 Punkte (befriedigend -)

BETTER CALL SAUL (SEASON 3)

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Die einen feiern jede einzelne Episode ab und diskutieren, ob die Show jetzt schon besser ist als „Breaking Bad“, die anderen schnarren mürrisch“style over substance, pfft“ und legen sich wieder zur Seite. „Better Call Saul“ ist noch nicht der einmütig besungene Knaller, den man sich erhofft hatte. Auch ich tue mich da weiterhin schwer. Denn so sehr man von der Inszenierung angetan sein darf, so wenig kann mich vor allem die Story um Jimmy McGill in ihren Bann ziehen. Dass ich die Figur der Kim Wexler eher langweilig finde, macht es nicht einfacher.

Von der Eröffnungsfolge war ich entsprechend wieder eher unterwältigt. Ein typischer 4,5er, also befriedigend, mehr aber auch nicht. Richtig nach unten werten kann man bei der Show eigentlich nicht, dafür ist sie schlicht zu hochwertig in Szene gesetzt. Mittlerweile aber ist der nächste wohlbekannte Charakter aus „Breaking Bad“ am Start und zumindest bei mir wieder das gewisse Kribbeln da. Gut möglich, dass er und Mike Ehrmantraut im Zusammenspiel die Wertungen merklich nach oben schieben können.

Nachtrag: Die vierte Episode („Sabrosito“) ist denn auch absolut auf „Breaking Bad“-Niveau angesiedelt. So kann es weitergehen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 5,23 Punkte (gut)

TENDENZ: 5,0 – 5,5 Punkte

FARGO (SEASON 3)

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Irgendwo in Minnesota, 2010. Die Gebrüder Emmit und Ray Stussy (Ewan McGregor in einer Doppelrolle) streiten sich ums Erbe. Der eine ist erfolgreicher Unternehmer im Bereich Parkplätze, der andere ständig mittelloser Bewährungshelfer, der seinen Bruder als Grund für seine eher bescheidene Existenz ansieht. Ihre Zwistigkeiten führen zu einem Mord, in dem die örtliche Polizeichefin Burgle (Carrie Coon, „The Leftovers“) ermittelt. Als ob das nicht schon genug des Dramas wäre, unterwandert die Mafia auch noch die Firma von Emmit.

Wow. Das wird wieder groß. Bin ich mir sicher.

Okay, in längeren Sätzen: Allein die beiden extrem unterschiedlichen McGregors sind schon die Eintrittskarte wert. Dazu spielen noch die wunderbaren Carrie Coon und Mary Elizabeth Winstead („Braindead“), Michael Stuhlbarg („Boardwalk Empire“) und der mir bisher unbekannte David Thewlis („Harry Potter and the Deathly Hallows“). Letzterer löst in jeder Szene diesen wohligen Schauer des Angewidertseins und der Furcht aus. Und dieses Mal bin ich auch vorbereitet, falls sich Hauptautor Noah Hawley abseits der Geschichte wieder etwas völlig Verrücktes einfallen lassen sollte.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,60 Punkte (sehr gut) 

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

THE LEFTOVERS (SEASON 3)

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Wir bleiben in Miracle, Texas. Drei Jahre sind vergangen, es steht der siebte Jahrestag der „Sudden Departure“, also des Verschwindens von 2% der Weltbevölkerung, an. Grund genug, dass allerorten die Apokalypse herbeigerufen oder gar -gesehnt wird. Mittendrin: Polizeichef Kevin (Justin Theroux) und seine Lebensgefährtin Nora (Carrie Coon). Kurz gefasst: Es wird wieder schlimm.

Wen der „Leftovers“-Virus erstmal gepackt hat, kommt nicht mehr davon los. Was in den bisher zwei Episoden gezeigt wurde, ist wieder ein Parforce-Ritt über die Klaviatur der Gefühle, ein Festival der Seltsamkeiten, die TV-Version von WTF und OMG. Allerdings nur für Menschen, die die Enttäuschung von LOST hinter sich gelassen haben und nochmal in eine Welt voller „mystery, emotion and weird shit“ eintauchen wollen. Wer sich darauf einlassen kann, dürfte reichlich belohnt werden. Das wage ich zumindest nach diesem fulminanten Auftakt zu behaupten.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,90 Punkte (sehr gut +)

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

VEEP (SEASON 6)

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HBO-Comedy-Selbstläufer #1. Ex-Präsidentin Selina Meyers kümmert sich um ihr politisches Erbe und will das größte Ziel ehemaliger Amtsinhaber verwirklichen: Eine eigene Bibliothek. Geld dafür soll über ihre Stiftung The Meyer Fund for Adult Literacy… and AIDS… and The Advancement of Global Democracy hereinkommen. Jonah Ryan ist weiterhin der größte Spacken des US-Kongresses. Die anderen Charaktere haben zum Teil neue Jobs, in denen sie herrlichen Mist bauen. Zusammengefasst: „Veep“ kommt der Präsidentschaft von Donald Trump in ihrer Peinlichkeit, Fremdscham und Planlosigkeit weiterhin am nächsten.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,43 Punkte (sehr gut -)

SILICON VALLEY (SEASON 4) 

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HBO-Comedy-Selbstläufer #2: Richard konstruiert ein neues Internet, Dinesh stylt sich die Haare neu, der Piper-Chat trägt ein unangehmes Geheimnis in sich. Die Show läuft wie von Gilfoyle programmiert – stabil, 100% Humorauslastung, aber auch böse und abgründig. Weiterhin das Beste, was aus der Schnittmenge zwischen IT und Comedy geschöpft werden kann und derzeit auf dem Bildschirm flimmert.

DURCHSCHNITTSWERUNG NACH 2 EPISODEN: 5,30 Punkte (gut)

 
THE HANDMAID’S TALE (SEASON 1)

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Hulu bringt den weltbekannten dystopischen Roman von Margaret Atwood auf den Bildschirm. Infolge mehrerer nuklearer Katastrophen ist die Menschheit von Sterilität bedroht. Ein Putsch bringt eine christlich-fundamentalistische Gruppierung an die Macht, die Frauen entrechtet und als Gebärsklaven für ihre Elite heranzieht. Protagonistin der Geschichte ist die Magd Offred (Elisabeth Moss, „Mad Men“), deren Leben und Leiden im Haus des örtlichen Kommandanten (Joseph Fiennes, „Shakespeare in Love“) und dessen Frau Serena Joy (Yvonne Strahovski, „Dexter“, „Chuck“) erzählt wird. Zusammen mit Magd Ofglen (Alexis Bledel, „Gilmore Girls“) denkt sie darüber nach, Widerstand zu leisten.

Keine schöne neue Welt. Aber verdammt faszinierend düster, erschreckend und beklemmend. Innerhalb der bisherigen drei Folgen hatte ich mehrfach den berühmten Kloß im Hals angesichts der Lehren und Handlungsweisen des theokratischen Regimes. Neben den oben erwähnten, bekannten Namen ist besonders Ann Dowd („The Leftovers“) hervorzuheben, die einem in ihrer Rolle der Erzieherin Aunt Lydia die Gottesfürchtigkeit unter die Gänsehaut treibt. Ich kenne die Buchvorlage nicht, aber ich gehe davon aus, dass sie noch mit einigen emotionalen Tiefschlägen aufwarten wird. Jetzt schon eine dicke Empfehlung von mir für Freunde der dystopischen Erzählung. Eine zweite Staffel wurde bereits geordert

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,43 Punkte (sehr gut -)

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

AMERICAN GODS (SEASON 1)

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Direkt die nächste Bestsellerverfilmung auf einem noch nicht so sehr bekannten Sender: Starz präsentiert Neil Gaimans „American Gods“, in dem die alten Götter auf die Erde zurückkehren, um die neuen Götter zu bekämpfen.

Und bei dem der Zuschauer ohne Kenntnis des Buches zumindest in der Pilotfolge in vielen Szenen keine Ahnung hat, was und wie um ihn herum geschieht. Das kann ich jedenfalls schon mal bestätigen. Denn so verwirrt war ich das letzte Mal beim Auftakt von „Preacher“. Allerdings weicht diese Ahnungslosigkeit immer mehr dem Staunen darüber, was „American Gods“ an denkwürdigen Momenten auffährt. Bereits der Einstieg mit einer Gruppe Wikinger, die das amerikanische Festland betreten und einen aufopferungsvollen Weg finden, um wieder von dort wegzukommen, haut rein wie ein Tritt auf den Solarplexus: Optik und Inszenierung à la 300 (oder wie bei dem sendereigenen „Spartacus“, nur eben in edler Aufmachung) lassen einen als Zuschauer zuerst mal einen ehrfürchtigen Schritt mit dem Sessel nach hinten rücken. Was Ian McShane („Deadwood“) und Ricky Whittle („The 100“) im späteren Verlauf erleben, setzt im Fernsehen neue Maßstäbe in Sachen WTF und OMG – diesen Titel muss ich somit dem weiter oben besprochenen „The Leftovers“ leider für den Moment aberkennen. Bleibt die Frage, ob nicht die Gefahr besteht, von diesem sich sehr schräg drehenden Karussell irgendwann herauskatapultiert zu werden. Das dürften die nächsten Folgen zeigen. Für den Start gebe ich ein „sehr gut“ mit starker Tendenz zum „überragend“.

ERSTEINSCHÄTZUNG NACH DEM PILOTEN: 5,5 Punkte (sehr gut)

TENDENZ: 5,5 – 6,0 Punkte

106 (März 2017)

23 Mrz

Es sind noch nicht mal drei Monate im Jahr vergangen und ich habe schon den zweiten Stamm an Grippeviren durchhusten und wegschleimen müssen. Aber dafür weiß ich, wer Schuld daran hat. Und zwar RITTENHOUSE. VERDAMMTES, VERFLUCHTES RITTENHOUSE.

TIMELESS SEASON 1

Zur Aufklärung: Rittenhouse ist die fiese Dunkelmunkel-Organisation in „Timeless“, die die Zeitlinie verändern will, um noch mehr Macht zu gelangen, als sie eh schon hat. Genauer kann ich das nach der mittlerweile abgeschlossenen Staffel von „Timeless“ auch nicht ausführen, so verschlagen agiert dieser üble Geheimbund. Sicher aber ist: Geht was schief, treibt sich was Böses in der Finsternis herum, droht alles den Bach runterzugehen, dann war es Rittenhouse. Nebenbei ist dies das ideale Werkzeug zur Drehbuchplotsteuerung. In der Show wird es im letzten Drittel so exzessiv genutzt, dass es wirklich als running gag durchgeht.

Abseits dieses ungewollten Elements hatte ich meinen Spaß mit der Serie. Ein bisschen lehrreich in Sachen Geschichte, ein paar witzige Elemente dank Malcolm Barrett, die Zeitreise-Crew hielt stets zusammen wie ein echtes Team. Natürlich schlichen sich ein paar Langweiler-Folgen ein, insgesamt reichte es aber meistens für die befriedigende Wertung, mit einigen bemerkenswerten Ausreißern in weiter oben liegende Gefilde. Das Finale hätte man sich aber angesichts der sehr geringen Wahrscheinlichkeit auf eine Fortsetzung sparen und die Folge zuvor als Abschluss nehmen können. Aber Rittenhouse musste ja am Ende noch das letzte Wort haben. RITTENHOUSE!

GESAMTWERUNG: 4,71 Punkte (befriedigend)
PATRIOT SEASON 1

Agent John Tavner (Michael Dorman, „Wonderland“) hat einen speziellen Auftrag: Als getarnter Mitarbeiter einer Rohrleitungsfirma in Milwaukee, Wisconsin muss er dafür sorgen, dass der Iran nicht an nukleares Material herankommt. Dabei helfen ihm sein ebenfalls Country-Music-abhängiger Vater/Mentor Tom (Terry O’Quinn, „LOST“) und sein die geilsten Trainingsanzüge auftragender Diplomatenbruder Edward (Michael Chernus, „Orange Is The New Black“). Im Weg dagegen stehen ihm: Der Typ mit dem Mädchennamen (Kurtwood Smith, „That 70s Show“), ein Asiat mit Gedächtnisstörung und das komplett weiblich besetzte Kriminaldezernat von Luxemburg (Stadt).

Amazon präsentiert eine schräge Agenten-Comedy mit melancholischem Unterton, die Wes Anderson im Verbund mit den Coen-Brüdern nicht hätten sonderbarer gestalten können. Kurz zusammengefasst ist das Homeland mit Country Blues und herrlich verschrobenen Figuren. Habe ich an einem Wochenende meiner Grippe gemeinsam mit dem Protagonisten mit Freude durchlitten und kann ich Fernsehfreunden empfehlen, die etwas mit den oben erwähnten Namen und dem dahinterstehenden Stil anfangen können. Der Ablauf der Geschehnisse ist eher ruhig, es gibt einiges an Rückblenden und Lückenauffüllern, die Show räumt den so entstehenden Raum voll und ganz seinen höchst seltsamen Charakteren und Ereignissen ein.

Michael Dorman als unglücklicher Student der Rohrtechnik bleibt noch einige Zeit hängen, Kurtwood Smith überzeugt bei seiner Rückkehr nach Wisconsin und ich würde mich freuen wie ein Schießgewehr bei der Entenjagd, wenn es eine zweite Staffel geben sollte.

Die deutsche Fassung ist übrigens ab dem 24. März verfügbar – ich bin gespannt auf die Übersetzung der Rohrleitungsfachbegriffe. Man will sich ja weiterbilden.

GESAMTWERTUNG: 5,25 Punkte (gut)

TRIAL & ERROR SEASON 1

Den unerfahrenen Rechtsanwalt Josh Simon (Nicholas D’Agosto, „Gotham“) verschlägt es in eine Kleinstadt im ländlichen Süden der USA, um einen exzentrischen Professor (John Lithgow, „3rd Rock from the Sun“) in einem bizarren Mordfall zu verteidigen. Was sich als schwierig entpuppt, wenn die Mitarbeiter beeindruckende Kompetenzmängel aufweisen und das Kanzlei-Büro mit einem Tierpräparator geteilt werden muss.

Mit Gesetzesdramen kann man mich eher jagen, aber diese law comedy hat mich von der ersten Folge an für sich eingenommen. Denn das ist abgedrehte, sich selbst keine Sekunde ernst nehmende, gerne mal scharf an der Grenze zur Dummheit verlaufende Unterhaltung, ohne dass es primitiv, blöd oder tief unter die Gürtellinie gehend wird. Sei es die Sekretärin mit ihren Ticks, die selbst jene von Adrian Monk in den Schatten stellen, der trottelige Chefermittler mit Taser-Trauma oder eben John Lithgow als mögliches Justizopfer bzw. ständiger Fettnäpfchensucher  und -treter: in manchen Momenten fühlte ich mich wohlig an den Klassiker „Soap – Trautes Heim“erinnert. Vor allem, wenn man die aberwitzigen Wege betrachtet, durch die sich die Geschichte immer weiter voranschlängelt. Nach vier gesehenen Episoden deutet sich ein Highlight der Comedy-Season an, wenn das Niveau weiter gehalten werden kann.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 5,18 Punkte (gut)
ERSTEINSCHÄTZUNG: 5,0 – 5,5 Punkte (gut – sehr gut)

24: LEGACY SEASON 1

„24“ ist wieder da! Okay, nicht mit Jack Bauer, der versucht sich gerade in „Designated Survivor“ als US-Präsident. Aber dafür mit „Black“ Bauer, sprich: Sergeant Eric Carter (Corey Hawkins, „The Walking Dead“), dessen streng geheime Sonderkommando-Einheit enttarnt und von den bösen Feinden Amerikas Mann für Mann dezimiert wird. Carter ist ein tougher Kerl mit knallhartem In-tha-hood-Background, sein Bruder Isaac ist dort immer noch aktiv und spricht das „alright“ gnadenlos ohne „l“, aber dafür mit Auslassungszeichen aus.

Macht jetzt nichts schlechter als „24“ in seiner Endphase, aber eben beileibe auch nichts sonderlich besser. Und landet daher bei mir umgehend in der „Wer braucht’s?“-Schublade. In den zwei Folgen, die ich gesehen habe, gab es schon die ein oder andere realitätsholprige Situation zu bestaunen, aus der Carter sich gerade nochmal herausmanövrieren konnte. Sorry, ich kann da wirklich keine Empfehlung aussprechen. Vielleicht für beinharte 24-Fans, denen die satten 3 Jahre seit der letzten Folge der Serie („24: Live Another Day“) einfach zu unerträglich lang geworden sind. Aber gibt’s die wirklich?

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 4,25 Punkte (durchschnittlich)
ERSTEINSCHÄTZUNG 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)
Sichtung eingestellt
CRASHING SEASON 1

Pete Holmes spielt einen eher erfolglosen Stand-Up-Comedian. Seine Frau hat ihn jüngst betrogen und aus dem Haus geworfen, weshalb er neben der Fortführung seiner Komiker-Karriere in den Clubs von New York auf diversen Couches seiner Kumpels übernachten darf.

Stand-Up-Comedians sind meine Helden, von daher war es klar, dass diese HBO-Serie auf meiner Guckliste landet. Leider muss ich nach mittlerweile fünf gesichteten Folgen konstatieren: die Gastauftritte von erprobten Rampensäuen wie Artie Lange, T.J. Miller oder Jermaine Fowler sind das Beste an der Show. Mit dem unsicheren, leicht lahmen Humor des Protagonisten werde ich hingegen nicht wirklich warm. Da zündet nichts, da lodert nichts, das zieht eher lauwarm vor sich hin.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 5 EPISODEN: 4,30 Punkte (durchschnittlich)

MAKING HISTORY SEASON 1

Zeitreisen sind wieder schwer angesagt. Neben dem von H.G. Wells inspirierten und aktuell gar nicht gut laufenden „Time After Time“ (zu dem ich noch nicht gekommen bin), müht sich die FOX-Comedy „Making History“ um die Gunst der Zuschauer. Uni-Hausmeister Dan (Adam Pally, „The Mindy Project“), pendelt gemeinsam mit einem Geschichtsprofessor und einem (wohl besser nicht näher zu hinterfragendem) Zeitreisezelt in das junge Amerika kurz vor der Revolution, um dort ungewollt für Chaos zu sorgen und die Dame seines Herzens zu beeindrucken.

Was der Show allerdings bei mir noch nicht gelungen ist. Die Gags drehen sich hauptsächlich darum, im 18. Jahrhundert Songs aus der Neuzeit als Eigenleistung zu verkaufen oder sonst popkulturelle Namen fallen zu lassen, mit denen der amerikanische Revoluzzer nichts anfangen kann. Okay, das ist gut für ein paar Schmunzler, aber nach drei Folgen hätte ich schon gerne ein bissel mehr. Der Rest ist eher unspektakuläres Gewitzel zwischen Dude Dan und Prof Chris. Sollte da nicht mehr kommen, wird Dan das Rätsel, weshalb sein schäbiges Zelt durch die Zeit reisen kann, für sich behalten dürfen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 4,13 Punkte (durchschnittlich) 
ERSTEINSCHÄTZUNG 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)

TRAINING DAY SEASON 1

Idealistischer, junger Polizist geht bei einem mit allen Wassern gewaschenen Haudegen-Cop in die Lehre. Der Meister soll allerdings Dreck am Stecken haben und sich zu wenig bis gar nicht an die Regeln halten, wenn es gegen die bösen Jungens auf der Straße geht. TV-Sequel zu „Training Day“ aus dem Jahr 2001 mit Denzel Washington und Ethan Hawke.

Es ist knifflig, eine Show zu bewerten, die auf einem oscarprämierten Film basiert (Denzel Washington als bester Hauptdarsteller). Und es ist noch kniffliger, eine Show zu bewerten, deren Hauptdarsteller – hier: Bill Paxton – auf tragische Weise viel zu früh verstorben ist. Dilemma #1 führt dazu, dass die Show von vorneherein nicht an das Vorbild heranreichen kann. Dilemma #2 wirft die Frage auf, ob man die restlichen Folgen (die komplette erste Staffel war zur Zeit des Ablebens von Paxton bereits fertig abgedreht) wirklich sehen will.

Ich beschränke mich auf den Piloten und den fand ich im Groben und Ganzen okay. Paxton liefert eine ordentliche Performance als knallharter Cop mit eigenen Spielregeln ab, ich hatte aber nie das Gefühl, dass mich das Setting über die Dauer einer kompletten Staffel fesseln würde können. Vielleicht schaue ich noch in ein paar Episoden rein, auch wenn sich dann wohl ein wenig Feuchtigkeit um die Augen in die Action mischen dürfte.

ERSTEINSCHÄTZUNG:  4,5 Punkte (befriedigend)

THE PATH SEASON 2 

Mir gefiel der Auftakt zur zweiten Staffel des Sekten-, pardon, Bewegungs-Dramas. Anders als befürchtet, verstrickte sich die Show nach dem letztjährigen Finale nicht in supranaturalen Gefilden, sondern bleibt auf dem Boden und erzählt die Geschichte spannend weiter. Das hält allerdings auch nur zwei Episoden an. Mittlerweile bin ich zur Hälfte durch und es passiert mir einfach zu wenig. In Sachen Spannung ist fast der Stillstand auszurufen, die Handlungsstränge konzentrieren sich um den rebellischen Teenie-Sohn und der komplizierten Liebesbeziehung zwischen Eddie und Sarah Lane. Selbst Hugh Dancy vermag aktuell keine Akzente zu setzen. Tendenz: Es fällt mir derzeit schwer, da konzentriert dranzubleiben.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 4,58 Punkte (befriedigend)

THE AMERICANS SEASON 5

Ihr bevorzugt lieber Agenten mit Familie in Washington statt Agenten mit Melancholie in Milwaukee? Dürfen es auch Russen sein? Na, dann empfehle ich weiterhin „The Americans“. In der mittlerweile bereits fünften Staffel werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die ganzen Investitionen der Serie in die Charakterzeichnung immer mehr auszahlen. Man kennt sich, man schätzt sich. Ich kam direkt gut rein in die neue Season, es ist ein bisschen wie Nach-Hause-Kommen. Nur mit biologischen Waffen und der ständigen Gefahr der Aufdeckung, weil die Tochter ausgerechnet mit dem Sohn des FBI-Nachbarn rummachen muss.

Dürfte wieder eine runde Sache werden, die vor allem zum Ende der Staffel hin ein paar Tiefschläge raushaut. Für den Beginn – es liefen bisher zwei Folgen – zweimal 5 Punkte.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,0 Punkte (gut)