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53 (November 2011)

25 Nov

American Horror Story (S1E01-S1E06)

Der Psychiater Ben Harmon (Dylan McDermott, „Practice“) zieht mit seiner Frau Vivien (Connie Britton, „Friday Night Lights“) und der Tochter im besten Rebellionsalter in ein altehrwürdiges Haus ein. In dem sich die Vorbesitzer übrigens passenderweise umbrachten, weshalb es billig zu haben war. Schnell stellt sich heraus, dass das Gemäuer schon einige Menschen auf dem Gewissen hat und ein Ort des Grauens und der Düsternis ist, in dem sich die Toten unter die Lebenden mischen.

Diese kleine Perle auf dem Kabelsender FX wäre mir beinahe durch die Lappen gegangen, hätte nicht Spiegel Online darüber berichtet und Vergleiche mit LOST herangezogen. Also schaute ich doch mal rein und … wow! Was hier an Grusel und Schrecken bereits in der ersten Episode aufgefahren wird (und sich im Laufe der Staffel noch steigert), entlockt mir 45 Minuten wohliges Unwohlsein allererster Güte. Jede Folge beginnt mit einem Flashback, der sich den früheren (meist schrecklichen) Ereignissen im Horrorhaus widmet. Der danach einsetzende Vorspann zerrt mit seiner Musik weiter an den Nerven und löst auf meiner Skala das Intro von „Dexter“ als kribbelig unangenehmste Minute ohne Handlung in einer TV-Serie ab. Dem Zuschauer bis ins Mark gehende und dort ein Ziehen verursachende Besucher der Harmons sind u.a. eine ehemalige Südstaatenschönheit mit ihrer Tochter, der von Amokläufen fantasierende Patient des Vaters und Freund der Tochter, die Haushälterin mit den zwei Körpern, der Unbekannte im schwarzen Ganzkörpergummianzug oder der im Gesicht verunstaltete Herumstreuner, der als ehemaliger Bewohner des Hauses im Wahn seine Familie in Brand steckte. Die Patienten von Mr. Harmon runden den Schrecken schließlich noch ab. Als wäre das noch nicht genug, rühren die Eheleute noch eine schöne Portion Ehedrama zusammen, die absehbar in den Strudel der Verdammnis führen dürfte. Aktuell habe ich die sechste Folge namens „Piggy Piggy“ mit Gaststar Eric Stonestreet („Modern Family“) hinter mir und dort wird zu Beginn gleich wieder harter Tobak geboten, der hierzulande wahrscheinlich nicht in der Form laufen wird.

Wer den häuslichen Horror der „Paranormal Activity“-Filme alleine im Dunkeln mit einem mitleidvollen Lächeln durchsteht und sich nach den Verrücktheiten eines „Twin Peaks“ sehnt, sollte sich diese Show geben. Hier geht es zur Sache, hier stapeln sich die „What the Fuck?“-Momente, hier schaut der Teufel persönlich zum Schwitzen rein. Aktuell neben dem weiterhin sehr gut laufenden „Homeland“ mein Kandidat für die beste neue Dramaserie.

Aktuelle Punktewertung: 5,85 Punkte (Tendenz: sehr gut – überragend)

Grimm (S1E01-S1E02)

Märchenfernsehen, Teil 1: Und es begab sich, dass ein Polizeiermittler namens Nick Burkhardt erfuhr, dass all die bösartigen Märchengestalten real sind und getarnt Verbrechen begehen. Nur er als Nachfahre der Gebrüder Grimm kann ihre wahren, verzerrt damönischen Gesichter sehen und die verseuchte Brut bekämpfen. Wofür er gerne auch mal auf die Mithilfe eines domestizierten Werwolfs in Menschengestalt zurückgreift.

Nein, das ist nix für mich. Ich erliege ja gerne mal dem Charme eines hübsch inszenierten Märchens, aber „Grimm“ will eher die Horror- und Verbrechensschiene fahren und landet letztlich auf mildem, durchgestyltem Teenagerschreck-Niveau, über das ich nur lächeln kann. Das tue ich auch aus Mitleid, wenn ich Peinlichkeiten ertragen muss, so wenn beispielsweise sich in der zweiten Folge die wild umhermassakrierende Bande als das tierische Trio aus „Goldlöckchen und die drei Bären“, getarnt als hippe Teenagerclique, entpuppt. Oder böse Wölfe sich „Blutbaden“ nennen. Beziehungsweise „Wieder Blutbaden“, wenn sie einer reformierten Kirche angehören und eine strenge Diät ohne Drogen, aber mit viel Sport halten. Das ist kein Witz, das kommt so in der Serie vor. Nach zwei Episoden Sichtung eingestellt.

Aktuelle Punktewertung: 3,0 Punkte (Tendenz: mäßig – mangelhaft)

Ijon Tichy: Raumpilot (S2E01-S2E06)

Ijon Tichy, Held von Kosmos, hat wieder Knurrmagen. Deshalb er sich will Omelette machen, doch hat er dafürige Mangeligkeit an Eiern, weshalb er unterwegs zu Planeten Eggman zusammen mit analoger Halluzinellen von großer Schnuckeligkeit und Fellvieh Mel, das auf Suche von Heimat. Wer Abenteuer gucken tut, verlernen schnellig gutes Deutsch. Macht aber Spaß.

Man muss ein Herz für liebevoll gemachten Trash besitzen, um diese 2007 mit dem Grimmepreis ausgezeichnete Serie richtig würdigen zu können. Der schnoddrige osteuropäische Dialekt des Protagonisten färbt furchtbar ab, Frau Nora Tschirner bezaubert wie gehabt im orangefarbenen Star Trek-inspirierten Outfit und Mel besitzt den Charme eines seit Jahren täglich angeknabberten Hundespielzeugs. Kulissen und Trickeffekte blenden stellenweise durch ihre gewollte Einfachheit, die Aliens sind hüsch wirr designt und die Geschichten von brüllend peinlicher Absurdität.
Kurz gesagt: ich mag es sehr.

Highlights bisher waren zum einen die Episode „Shøpping“ mit dem Einkaufsplaneten, auf dem alle Möbel mit schwedischem Akzent reden und die Welt übernehmen wollen. Zum anderen „Sepulken verboten“ auf dem Wasserplaneten, auf dem niemand pinkeln darf und daher in ein gebrummeltes religiöses Mantra namens „Ich verkneif’s mir“ verfällt. Meiner Meinung nach mit das Witzigste, was das ZDF in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat – und ich habe die Ausgabe von „Wetten Dass..?“ gesehen, in der Michelle Hunziker vom Motorrad gefallen ist. Also, einfach mal in die Mediathek reinschauen und sich selbst ein Urteil bilden.

Aktuelle Punktewertung: 4,93 Punkte (Tendenz: gut)

Life’s Too Short (S1E01)

Neue Mockumentary aus der Feder von Ricky Gervais und Stephen Merchant, in der das Leben und vorzugsweise das Leiden des kleinwüchsigen Darstellers Warwick Davis (bekannt aus Willow, Star Wars und Harry Potter) beleuchtet wird.

Tiefschwarzer britischer Humor triefte aus der bisher gesendeten Startepisode und wer Fan von „Extras“ oder „The Office“ ist, dürfte mehr als gut versorgt werden. Davis spielt seine Rolle als anfänglicher Optimist, der jede Minute mehr mit der schweren Schicksalsschaufel eine verpasst bekommt, mit der richtigen Mischung aus Lächeln und Betroffenheit. Dazu kommen Nebencharaktere, an denen man wunderbar verzweifeln kann wie der trottelige Buchhalter (dessen Figur mir schwer an jenen von Merchant bei Extras angelehnt zu sein scheint) oder die strunzblöde Sekretärin sowie unzählige Gastauftritte (Sting, Johnny Depp, Helena Bonham Carter), für die Gervais und Merchant mit Sicherheit wieder die unpassendsten Szenen zusammenschreiben. Wie schon im Piloten bei Liam Neeson zu sehen, dessen Karriere als Stand-Up-Comedian ich vollsten Herzens boykottieren würde.

Aktuelle Punktewertung: 5,0 Punkte (Tendenz: sehr gut)

Man Up! (S1E01-S1E05)

Drei Kerle im besten Mannesalter auf der Suche nach der echten Männlichkeit abseits von gemeinsamen Videospiel- und Science Fiction Film-Abenden. Mit von der Partie: der durchtrainierte neue Freund einer ehemaligen Verflossenen und Freundin der Familie, der in die Truppe hineinpasst wie David Beckham in World of Warcraft.

Hat mir vom Start weg sehr gut gefallen, wird allerdings – das steht jetzt schon offiziell fest – keine volle Season bekommen. Wahrscheinlich war die Thematik etwas zu ähnlich zu der von „Last Man Standing“ und die Zuschauer folgten eher dem 90er Jahre Sitcom-Charme des neuen Tim Allen-Vehikels. Das ist durchaus schade, denn ich fand gerade Dan Fogler als überdrehten Geek sehr unterhaltsam (sicherlich Geschmackssache, aber ich mochte ihn auch schon in „Fanboys“). Angesichts so mancher vor sich hindümpelnder Comedyshows wäre „Man Up!“ eine erfrischende Ergänzung meiner Guckliste geworden. So hoffe ich, dass alle verbliebenen Episoden noch gezeigt werden. Ist ja nichts Neues, dass mein Geschmack von dem der Zuschauermassen abweicht.

Aktuelle Punktewertung: 4,85 Punkte (Tendenz: gut)

Once Upon A Time (S1E01-S1E04)

Märchenfernsehen, Teil 2: Es war einmal, da stand der kleine Henry vor der Tür des Appartements der Kautionsagentin Emma Swan (Jennifer Morrison, „Dr. House“). Hört sich noch nicht märchenhaft an? Moment. Und behauptete, sie wäre die Tochter von Schneewittchen und in seinem Wohnort in Maine lebten alle Märchenfiguren ihrer wahren Identität beraubt und gefangen unter einem bösen Zauber der noch böseren Hexe, die praktischerweise auch seine Stiefmutter sei. Ja, klingt schon besser. Ach ja, nur Fräulein Swan kann natürlich diesen Fluch besiegen.

Im Gegensatz zu „Grimm“ trifft mich das eher, es zupft sozusagen an meiner zarten „Hach, ja“-Ader, die „Pushing Daisies“ damals zum Schwellen zu bringen wusste. Wenn in den Rückblenden Rumpelstilzchen (Robert Carlyle, „28 Weeks Later“) teuflisch grinst, die Prinzessin und der Prinz miteinander turteln oder in der Gegenwart der kleine Bub mit großen Augen fantastische Märchenanalysen zusammenbrabbelt, wärmt sich mein von „American Horror Story“ erkaltetes Herz wieder ein wenig auf. Sicher, an die bunten Bilder und Geschichten um den Kuchenbäcker kann „Once Upon A Time“ bei weitem noch nicht anknüpfen, sondern bewegt sich bei mir eher auf „Okay bis ganz nett“-Niveau. Das reicht jedoch, um jede Woche aufs Neue reinzuschauen.

Aktuelle Punktewertung: 4,00 Punkte (Tendenz: durchschnittlich)

Stromberg (Staffel 5)

Der fünfte Teil von Papas Geschichten aus der Schadensabteilung der Capitol und diesmal geht es auf der Karriereleiter für unseren Lurchi ganz nach oben. Schon in der ersten Folge feuert Stromberg alias Christoph Maria Herbst Sprüche raus, für die man sich als Zuschauer freudig lachend in Grund und Boden schämt. Das schön Schlimme an „Stromberg“ ist ja, dass man immer das Gefühl hat, hier würde eher die Realität abgebildet als dass unter Drogen gesetzte Autoren sich einen übertrieben lustigen Büroalltag zusammenreimen.

Auch die aktuelle Staffel besticht durch ein fast durchweg hohes Qualitätsniveau, lediglich der Abstecher in die Schiffskaskoabteilung der Capitol liefert einen Ausrutscher nach unten, weil einerseits die Witze nicht so sehr zünden und andererseits das Ende von meiner Warte aus jedenfalls weit vorhersehbar war. Das Finale hätte auch noch einen Zacken spannender ausfallen können, aber sonst wird jede der Hauptfiguren gut mit Drama und Humor bedient. Vor allem Ernie als Vorzeigechrist und katholischer Aufklärer der Jugend muss man einfach in seiner ganzen Schmerzhaftigkeit erlebt haben. Der Film darf gerne kommen.

Abschließende Punktewertung: 5,60 Punkte (sehr gut)

Zum Abschluss ein Blick auf die derzeitigen Wertungen (alles also noch ein laufendes Verfahren, aber es verfestigen sich schon einige Tendenzen) inklusive ein paar Kommentaren:

(Stand: 23.11.2011)

Drama

American Horror Story 5,85
Homeland 5,39
Dexter 5,15
(mittlerweile um 2 Seasons verlängert; unserem Dexter wird so schnell also nicht jemand auf die Schliche kommen. Von daher okay, dass diese Staffel diese Möglichkeit auch noch nicht thematisiert)
Chuck 5,00 (guter Start mit neuem Träger des Intersects)
Fringe 4,74 (kommt noch nicht richtig in die Gänge, der Reset zu Beginn schadete doch mehr als zu nützen)
Person of Interest 4,69 (mir mittlerweile etwas zu gleichförmig geraten)
Boardwalk Empire 4,43 (mal ganz tolle, dann ganz gähnige Episoden. Straffer wäre besser, das Ding hätte ohne unnötige Nebenschauplätze viel mehr Potenzial)
The Walking Dead 4,30 (die ganz große Enttäuschung Abteilung Drama; Urlaub auf dem Bauernhof mit Zombie of the Week-Einlage. Nix gegen internes, gruppendynamisches Beziehungsgeflecht, aber die Charaktere gehen mir dafür zu wenig nah) 
Once Upon A Time 4,00

Comedy

Community 5,33 (gibt es noch Hoffnung dank community2013.com? Würde zu gerne daran glauben)
Modern Family 5,21
Parks And Recreation 5,21
Bored To Death 5,10

How I Met Your Mother 4,96 (schwächelt doch langsam)
Ijon Tichy: Raumpilot 4,93
Man Up! 4,85
The Simpsons 4,85 (überrascht mich selbst, dieser Wert. Wird aber bestimmt noch im Laufe der Zeit fallen)
New Girl 4,75 (auf einem sehr guten Weg, die beste neue Comedy der Saison zu werden)
The Middle 4,69
Whitney 4,69 (bei mir beständig unterhaltsam)
Suburgatory 4,69 (hat weiterhin mächtig Potenzial, spielt es aber zu selten aus)
Raising Hope 4,64 (weiterhin nicht mehr so gut wie zu Beginn der 1.Staffel, pendelt sich aber mittlerweile qualitätsmäßig ein)
Last Man Standing 4,57
2 Broke Girls 4,40 (kommt bei mir leider nicht über das „befriedigend“ hinaus, weil vom Witz her schwankend. Teils tolle freche Sprüche, teils nicht zündende Gags)
The Big Bang Theory 4,15 (der Trend von Staffel 4 bestätigt sich leider: zu wenig Geekiness, zu viel Beziehungskrams)

The Office 4,13 (so vergeht der Ruhm der Serie; Andy als Chef kann Michael Scott nicht ersetzen)
Two And A Half Men 4,00 (guter Start, aber danach ging es bergab. Weit entfernt von Hochzeiten der ersten drei bis vier Staffeln. Ashton Kutcher spielt ein großes Kind mit großem Schlong, dem die Frauen zufallen. Langweilig. Kommt nicht ansatzweise an den kaputten, aber sympathischen Onkel Charlie ran. Ansehbar wird es nur, wenn wie zuletzt Jon Cryer im Mittelpunkt steht)

InSecurity 3,93 (die ganz große Enttäuschung Abteilung Comedy: da ist gar nichts mehr vom Witz der ersten Staffel vorhanden. Man könnte meinen, die hätten die komplette Autorenriege ausgetauscht)

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35 (Dezember 2009)

27 Mai

Saisonabschlüsse, dramatische Pausen, das Ende einer Legende, ein Reboot und als Premiere gar zwei(!) deutsche(!!!) Serien. Es gibt viel zu review’n, packen wir’s an!

Bored To Death (Season 1)

Hatte diese HBO-Show um den schüchternen, sanft plappernden Privatdetektiv wirklich nur 8 Episoden? Scheint so. An meinem Ersteindruck hat sich nicht so viel verändert, etwa die Hälfte der Episoden hatten den richtigen Mix aus Skurrilität und Charme, ohne dass ich zur Höchstwertung gegriffen hätte. Zach Galifianakis als kaputten Comiczeichner fand ich durchweg klasse und auch Ted Danson als Verleger hatte seine Momente. Das Negative: Hauptdarsteller Jason Schwartzman war mir dann doch einen Tick zu eintönig, vielen Folgen fehlte es an Pepp und das Finale war gar ein arger Langeweiler. Nicht so schlimm, wie der Titel es vermuten lässt, aber eben auch ein gutes Stück weit entfernt von „Excited For Life“.

4,5 von 6 Punkten (befriedigend)

Curb Your Enthusiasm (Season 7)

Larry David mit der 7. Staffel seiner Peinlichkeitenparade, Seinfeld Reunion inklusive. Wobei die Show letzteres gar nicht nötig hatte, gab es doch überragend witzige Episoden, ohne dass die alten Wegbegleiter im Bild waren. Natürlich sind manche Situationen, in die sich Larry genüsslich reinreitet, ein wenig zu weit hergeholt bzw. dem Kopf eines zu angestrengt bemühten Drehbuchschreibers entsprungen. Aber es macht dennoch immer wieder eine Riesenfreude, dem einmal in Gang gesetzten Schlamassel zuzusehen. Der Seinfeld-Zusatz selbst hat mich nicht durchgehend in Ekstase versetzt; sicherlich war es erhebend, die Kult-Gang nochmal in Aktion zu sehen (Kramer hätte es immer noch locker drauf), mehr als ein besserer Gastauftritt wirkte das Ganze dann allerdings doch nicht. Die Höchstnote verhagelt hat Larry sich leider durch die Finalepisode, die zwar sehr lang, aber insgesamt eben doch nicht der große Schlussknaller war. Davon abgesehen aber eine sehr gute Saison, vielleicht hat der Hype um die Reunion meine Erwartungen auch zu hoch werden lassen.

Best of Season: The Bare Midriff (S7E06), Denise Handicapped (S7E05), Vehicular Fellation (S7E02)

5,5 von 6 Punkten (sehr gut)

FlashForward (Season 1 Episodes 1-10)

Ich weiß nicht, ob es eine so gute Idee ist, eine Mystery-Show, die zwar ordentlich, aber noch nicht der Überkracher ist, über einen Zeitraum von drei Monaten pausieren zu lassen. Beim großen Vorbild LOST mag das klappen, schließlich können die Fans in der Zeit über neuen Theorien brüten und den eingespielten Cast vermissen. Da sind wir direkt bei einem Problem der Show: ich finde Joseph Fiennes als Hauptfigur zu blass. Der Charakter packt mich einfach nicht, ich fiebere nicht mit, wenn er mit dem einen Ausdruck im Gesicht einer weiteren Spur zur Aufdeckung der weltweiten Bewußtlosigkeit folgt. Neben einer knappen Handvoll Füllerepisoden zeigt die Show ihr Potenzial, wenn sie sich den Fragen widmet, die man sich beim Betrachten des Geschehens als Zuschauer stellt. Siehe die Folge „The Gift“ und der in ihr sehr gut verarbeitete Ansatz, die durch die Flashbacks vorgegebenen Ereignisse zu verändern. Enthüllungsmäßig wird ein durchaus überraschend hohes Tempo angeschlagen, aber ich bin mir sicher, dass hier einige falsche Fährten ausgelegt wurden. Müsste ich jetzt schon eine Wertung vergeben, würde die Show noch deutlich unterhalb der 5-Punkte-Wertung kratzen. Vielleicht ist nach der Pause noch mehr drin, vorausgesetzt, die Zuschauer bleiben dran.

Monk (Season 8)

Mr. Monk und seine letzten Fälle – wobei man den Fokus schon in den letzten Staffeln deutlich auf die von Tony Shalhoub stets beeindruckend gespielte Persönlichkeit des Ermittlers gelegt hatte. Die Fälle selbst waren da schon fast schmückendes Beiwerk, das sich gerne durch drehbuchgewollte Aussetzer der Bösewichter gerne mal gegen Ende selbst löste. Die Qualität der Show konnte man eben auch daran ablesen, dass man auch ohne die früher viel kniffligeren Aufgaben oftmals bestens unterhalten wurde. So auch in der finalen Staffel. Ein paar Worte muss ich allerdings über das Ende verlieren: Monks Wiedereinsetzung in den Polizeidienst wird in gerade mal einer Episode abgehandelt, die Aufklärung des Mordes an Trudy – jenes Mysterium, das schließlich das Fundament der Show bildete und in früheren Staffeln immer wieder gestreift wurde – im zweiteiligen Finale wirkt sehr hastig an den Haaren herbeigezogen und aufgelöst. Offensichtlich hatten die Autoren aber leider weder zu Beginn noch jetzt einen Plan, hier einen krönenden Abschluss zu setzen. Nach gut der Hälfte der allerletzten Episode liegt der Mord bereits auf dem Stapel der abgearbeiteten Akten, der Rest ist allgemeiner Wohlfühlausklang für alle Beteiligten mit einer Überraschung für unseren Chefphobiker. Ganz zum Schluss gibt Mr. „It’s A Jungle Out There“ Newman einen Song zum Besten, unter den einige Szenen aus den letzten 8 Jahren gelegt sind. Was bleibt, ist ein Standardabgang für einen außergewöhnlichen Charakter. Da ich bei der Gesamtwertung gerade auch auf den Saisonabschluss viel Wert lege, kann ich nicht zur ganz hohen Wertung greifen. Bleiben für Staffel 8

5 von 6 Punkten (gut)

Best of Season: Mr. Monk Goes To Group Therapy (S8E08), Happy Birthday, Mr. Monk (S8E09)

Pastewka (Staffel 4)

Deutsche Serien der Neuzeit, die mein Wohlwollen finden, sind schnell aufgezählt: Pastewka. Stromberg. Doctor’s Diary. Die ersten beiden Staffeln von Türkisch für Anfänger. Wenn man Sketchshows noch hinzunehmen will: Switch Reloaded und Ladykracher. Hab ich was vergessen?

Bastian Pastewka und sein Dasein als Fernsehjunkie erwärmt allein schon deshalb mein Herz, weil ich sein Dilemma nachvollziehen kann. Denn eigentlich will er nur seine Lieblingssendungen schauen und dabei seine Ruhe haben. Dumm allerdings, dass Menschen eben auch außerhalb des Fernsehers existieren, ja zu allem Überfluss noch Kontakt zu einem suchen. Das kann ja nicht gut gehen. Die Freundin, der Bruder, die Erzfeindin Frau Bruck, die Nichte, die Managerin, die Comedykollegen und alle anderen, die mit Bastian in Kontakt geraten, können es einstimmig bezeugen: es geht auch nicht gut in den 12 Episoden der 4. Staffel.

Auf die Parallelen zu Curb Your Enthusiasm will ich nicht mehr groß eingehen, ich denke Bastian Pastewka hat hier mittlerweile eine herzige deutsche Variante geschaffen, die für sich alleine stehen kann. Lobenswert: es tauchen fast nur Gaststars länger auf, die ich gerne sehe: Christoph Maria Herbst. Olli Dietrich. Anke Engelke. Michael Kessler. Annette Frier. Und sollte sich doch mal ein Axel Schulz in die Show verirren, dient er vorrangig als Ziel schlecht unterdrückten Spotts.

Die Folgen sind durchgehend unterhaltsam, leben von den kleinen zwischenmenschlichen Reibereien und sehen den Protagonisten spätestens zum Schluss in dem großen Fettnapf sitzen, den er sich mühevoll zuvor aufgebaut hat. Absolutes Hightlight der Staffel ist ohne Zweifel das kongeniale Duett mit Anke Engelke in der Folge „Der Aufzug“. Wer diese und die anderen kleinen Juwelen deutscher Fernsehunterhaltung nicht erst im neuen Jahr sehen will, dem sei der Kauf der DVD-Box wärmstens ans Herz gelegt.

Ein Merkmal hebt die Show endgültig auf die 5,5 – die Ausstattung in Form des Bonusmaterials. Das fängt beim Titelmenü an, geht über Making Of, Drehtagberichte und Outtakes weiter und hört beim Quiz und dem Easter Egg mit den Lieblingsrezepten der Darsteller (u.a. Käsebrot!) noch lange nicht auf. Vorbildlich.

5,5 von 6 Punkten (sehr gut)

Best of Season: Der Aufzug (S4E07), Der Brühwürfel (S4E12), Der Spender (S4E02)

Scrubs (Season 9 Episodes 01-02)

Ein wenig verwirrt war ich beim Start der 9. Staffel doch ein wenig. Das sollte doch mehr oder weniger ein Neustart mit frischen Anfängern werden, oder? Stattdessen tummeln sich JD, Turk, Dr. Cox wie gewohnt durch die Szenerie, die nun nicht mehr im Krankenhaus, sondern auf dem Campus spielt. Der Hausmeister fehlt freilich schmerzlich ebenso wie Elliott, die aber beide Kurzauftritte in der Eröffungsfolge hatten. Man muss sicherlich abwarten, wie sehr die Last der Show auf die neuen Medizin-Azubis übertragen und wie stark etwa Dr. Cox weiter involviert sein wird. Die neue Erzählerin (Spitzname JD-Blondie) hat durchaus Potenzial, der arrogante Latinoloverboy (Spitzname Krankenhaus-Cristiano Ronaldo) hingegen muss irgendwann mal böse eine draufkriegen, damit ich mich vielleicht mit ihm anfreunden kann. Ich werde das Ganze wie Dr. Kelso weiterhin muffinmampfend aus dem Hintergrund im Auge behalten.

Stromberg (Staffel 4)

Der Papa ist wieder da! Die deutsche Bürosaga „Stromberg“ lebt natürlich von Christoph Maria Herbst und seinen grunzpeinlichen Verbalauswürfen. Auf Platz 2 in der Hierarchie kommt sofort Bjarne Mädel als der unglaubliche Ernie, den es so in keiner anderen „The Office“-Variante gibt. Mein geheimer Liebling ist ja noch Herr Becker, weil ich gerne dessen Job hätte – morgens in die Abteilung kommen und erstmal schön distinguiert herummeckern. Schade, dass Lars Gärtner (man beachte das Foto bei IMDB) mittlerweile die Schauspielerei zugunsten der Weiterführung des Familienbetriebs ausgesetzt hat.

Was gibt’s Neues in Staffel 4? Stromberg wird in die Dorfpampa versetzt, Tanja übernimmt die Leitung des Büros, heiratet ihren (diesmal eher unspektakulär rüberkommenden) Ulf und Ernie ist halt Ernie. Auf der Checkliste stehen zum-auf-den-Boden-knien fremdschämige Sprüche und Situationen, Provinzdrama und zwischenmenschliche Büroproblematiken. Alles da und meiner Meinung wieder besser aufgeführt als noch in der dritten Staffel. Die Charaktere, auf die es ankommt, sind mittlerweile auch so gut eingespielt, dass kaum etwas schiefgehen kann. In der Form darf der Film zur Serie gerne kommen.

5,5 von 6 Punkten (sehr gut)

Best of Season: Seelsorge (S4E03), Gernot (S4E07), Die Abrechnung (S4E10)

V (Season 1 Episodes 01-04)

Die Außerirdischen sind gelandet! Sie täuschen die Menschheit. Führen Böses im Schilde. Aber sind auch schnuffelig und sexy.

Wie bitte?

Mal kurz zurückgespult: Mitte der 80er Jahre gab es die Miniserie V, in der wie Menschen aussehende Außerirdische die Erde besuchen (daher der Name V wie Visitors), sich sehr friedliebend und wohltätig aufspielen, aber in Wirklichkeit ganz fiese Echsenwesen sind, die gerne mal so manches Nagetier im ungekochten Zustand verspeisen. Weil einige Rebellen wenig Freude an dieser Aussicht als zukünftiger Nachtisch finden, führen sie einen erbitterten Widerstandskampf gegen die Besucher. Damals hätte ich schwören können, dass diese Show das Beste war, was jemals über die Fernsehkiste flimmerte. Gut, wir hatten damals ja auch nix. Heute würden sich die Kids über die Frisuren und orangefarbenen Anzüge im 80er-Jahre-Future-Chic totlachen, statt mitzufiebern. Also musste ein Remake her.

Die neuen Besucher sehen modisch top aus und könnten als Models jedem Castingshowjuror die Freudentränchen in die Augen treiben. Ihre Gegenspieler, die irdischen Rebellen bestehen im Kern aus einer FBI-Beamtin (Elizabeth Mitchell aus LOST) und einem Pfarrer (Joel Gretsch aus 4400), welche von einer Außerirdischenrebellenfraktion unterstützt werden.

Vier Episoden liefen bisher über den Sender und das Kribbeln von damals will sich bei mir einfach nicht einstellen. Die Figuren rangieren von mysteriös-kühl (V-Chefin Anna), belanglos (Fernsehreporter Decker) über farblos (Father Jack) bis hin zu nervig (der heftig pubertierende Teeniesohn Tyler). Das größte Problem der Serie heißt vielleicht „District 9“, denn seit diesem Film wirken hübsche Ausserirdische mit süß dahingesäuselten Versprechungen einfach altbacken und langweilig auf mich. Richtige Action bringt eigentlich auch nur die Pilotfolge, danach tröpfelt die Story ohne spektakuläre Enthüllung vor sich hin. Ich hätte mir da zumindest eine Andeutung der Pläne und des wahren Aussehens der Besucher gewünscht. Oder vielleicht besser gleich eine Fortsetzung der alten Serie. Nach den Olympischen Winterspielen geht es weiter, eventuell ändert sich dann mein Eindruck, aber zumindest eines hat die Show schon jetzt nicht geschafft: mich der Fortsetzung entgegenfiebern zu lassen.