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123 (November 2019)

10 Nov

November. Rain. Guns’n’Roses. Slash. Zylinderhut. Abraham Lincoln. Sklaverei. Rassenunruhen. Robert Redford. Redfordations. Watchmen. Damon Lindelof.

Verdammt, alles führt immer wieder zu Damon Lindelof!!!

Diesmal im Seriencheck: ein Fernsehfilm zu einer der besten Serien der Welt, herrlich ekelhafte, verrotzte Puppen, „Scrubs“ für das gediegene Publikum sowie die neue Show um die Watchmen, diesmal aus der Feder von Damon Lindel… VERDAMMT!!!

EL CAMINO – A BREAKING BAD MOVIE

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Yeah, bitch, wolltest du schon immer mal wissen, was aus deinem Lieblingsdealer Jesse geworden ist, nachdem Heisenberg ihn befreit hat? Okay, dann hat Vince Gilligan sich extra zwei Stunden neues Material darüber aus seinem Gehirn extrahiert, zu feinen blauen Kristallen gekocht und auf euren Abspielgeräten verteilt. Wie? Science, bitch!

El Camino ist wie der offizielle DLC zu deinem Lieblingsvideospiel. Es ist zum Stoßseufzen schön, wieder in die Welt von Walter White und Jesse Pinkman zurückzukehren, Erinnerungen kommen hoch, Nebencharaktere werden herzlich begrüßt. Hauptcharaktere hingegen sind nur kurz in Rückblenden zu sehen. Und bei Meth Damon (Jesse Plemons) hatte man offensichtlich kein Budget für teure De-Aging oder De-Weight-Tools.

Wer die Show mochte, wird mit „El Camino“ mehr als zufrieden sein, auch wenn er sich selbstkritisch eingestehen muss, dass es diesen Nachklapp nicht wirklich gebraucht hätte. Die Produktionswerte sind gewohnt top, der letzte Auftritt des am Tag der Premiere verstorbenen Robert Forster zerrt an der Tränendrüse, Humor und Action sind drin und die Geschichte wird zu einem soliden Ende geführt. Andererseits kommt der Film nun mal nicht an die besten Ausgaben der Show heran und lässt einen auch nicht nach dem Abspann nach einer Fortsetzung der Franchise mit weiteren Staffeln schreien. Fans greifen zu, der Rest guckt lieber erstmal die Blu-ray-Box von „Breaking Bad“ und muss sich die Frage stellen, was mit ihm los ist, wenn er dann nicht Fan wird.

GESAMTWERTUNG: 5,0 Punkte (gut)
THE DARK CRYSTAL – AGE OF RESISTANCE (SEASON 1) 

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In einer Welt voller Puppen herrschen die echsen-/vogelartigen Skeksis über die gutmütigen Stämme der Gelflinge, da ersteren die Macht über den dunklen Kristall von der weisen Seherin Aughra anvertraut wurde. Mit dem Weissehen hat das nicht so optimal geklappt, denn da Puppen eben auch nur Menschen sind, wird diese Macht zwangsläufig auf gar schröckliche Weise mißbraucht. Der Schmu kommt raus und zack, steht der Aufstand vor der Tür.

Die Serie dient als Prequel zum Film des gleichen Namens aus dem Jahr 1982, den ich bis heute nicht gesehen habe. In meinem Gedächtnis sind dazu nur die Schlagwörter „Fantasy“, „hässliche Puppen“ und „Nee, dann lieber nochmal Schweine im Weltall“ abgespeichert. 2019 ist das im Bereich der Optik der Protagonisten nun wahrlich nicht überragend hübscher geworden – vor allem die Skeksis, die gerne mal reichlich Nasenschleim herumrotzen, würde ich nicht als Spielzeugfiguren vermarkten wollen. Die Gelfinge hingegen leiden durchgehend am „Tote Augen-Syndrom“ und wer seinen kleinen Kindern jetzt endgültig Albträume verschaffen will, dem sei gesagt: Die Skeksis sind ganz durchtrieben böse und grausame Schlingel! Also den jungen Nachwuchs besser ins Bett bringen und sich die schlaflosen Nächte alleine gönnen.

Bleiben als Zielgruppe eigentlich nur erwachsene Fans des Films, Puppenfreunde oder für TV-Unterhaltung jeglicher Art offene Gemüter. Ich habe einige positive Reviews gelesen, mir selbst ein Bild gemacht und: „The Dark Crystal“ hat mich gekriegt. Schon der Aufwand, der dahinter steckt, nötigt einem gleich großen Respekt ab, die zahlreichen Puppen abseits der Hauptfiguren sind toll gemacht, die Aufbauten mehr als beeindruckend. Und selbst wenn es Action gibt, holt man aus den eher beschränkten Möglichkeiten das Optimale heraus. Die Geschichte weiß zu packen und hält einige Wendungen in petto. Zuguterletzt wachsen einem die Charaktere ans Herz, bei mir vor allem der Podling Hup und der faszinierend verschlagene Chamberlain skekSil (wunderbar fies vertont von Simon Pegg). Noch obendrauf ein rundes Finale, das Lust auf die nächste Staffel macht und schon haben wir einen der seltenen Kandidaten für die Gesamtwertung „sehr gut“.

GESAMTWERTUNG: 5,50 Punkte (sehr gut)

FLEABAG (SEASON 1 & 2)

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„Fleabag“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau in London, die durch das moderne Leben schliddert. Von Schicksalsschlägen getroffen, mit der eigenen Familie hadernd, auf der Suche nach Liebe und nebenbei Inhaberin eines Restaurants für Meerschweinchen (was im englischen Original einen viel lustigeren Beiklang hat). Phoebe Waller-Bridge hat mit ihrer Show zuletzt bekanntermaßen bei den Emmy-Awards ordentlich abgeräumt: u.a. beste Comedy, beste Darstellerin, bestes Skript. Damit konnte sie etwa die Trophäen-Abonenntin Julia Louis-Dreyfus mit „Veep“ hinter sich lassen.

Frevel! Frechheit! Gibbetsjanich!

Doch. Gibbets. Und ist in Ordnung, denn „Fleabag“ ist wirklich spaßig und komisch. Der Humor greift dabei gerne mal in die vollgepackte Derbheitskiste. Wer etwa beim C-Wort aufschreckt, ist hier eher falsch. Die eigene Kompabilität lässt sich leicht und bequem überprüfen, indem man die ersten Minuten des Piloten schaut und auf die Punchline wartet. Wer dann lacht und sich ein bisschen in das fies-fröhliche Grinsen von Phoebe verliebt, welches sie gerne beim Bruch der vierten Wand aufsetzt, wird die sechs Episoden der Staffel genießen. Dramatische Momente sind ebenfalls im Angebot, ich ließ mich aber eher auf die Kabbeleien mit Fleabags Schwester (Sian Cliford) und ihrer Patentante (Olivia Colman, „The Favourite“) ein. Meine Lieblingsfolge: der Kur-Besuch im Schweigeseminar.

Die zweite Staffel kam bei mir im Gegensatz zu vielen Kritikern ein bisschen schwächer weg, die lief nach einem starken Auftakt (der die Emmys für Drehbuch und Regie einbrachte) eher auf stabilen „gut“-Pfaden. Ja, der leicht verwirrte Mr. Hot Priest wird von Andrew Scott („Sherlock“) toll gespielt und dürfte bei den weiblichen Zuschauern besonders gut angekommen sein. Ich fand eben die Geschichten aus Staffel 1 drolliger als diesen großen Liebesbeziehungshandlungsstrang.

GESAMTWERTUNG 

SEASON 1: 5,40 Punkte (gut+) / SEASON 2: 5,13 Punkte (gut)

PREACHER (SEASON 4)

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Und so, meine lieben Schäflein, fand die Geschichte von Jesse Custer und seinen Kumpels Cassidy und Tulip ihr Ende. „Ich bin erschöpft“, sagte der liebe Gott. Herr Starr, der kleine Herr Düsseldorf, strich sich das volle blonde Haar zurück. Arseface unterbrach kurz seine Welttournee. Denn fürwahr, war das ein endkrasser Trip.

Die vierte Staffel der abgedrehten Suche nach Gott, dem heiligen Gral und der Apokalypse wusste wieder einiges aufzubieten. Satte Action gleich zu Beginn, die den Machern wohl so gut gefiel, dass sie kurz darauf eine Wiederholung davon drehten. Egal, ich hatte meinen Spaß! Der Kampf mit Gott, die große Revue-Show zum Weltuntergang, Jesus und Hitler im zähen Ringen am Verhandlungstisch oder die Entführung von Humperdoo – „Preacher“ schmiss dem Zuschauer erneut mehr Schrägheiten ins Gesicht, als man durch konsequentes, lachendes Kopfschütteln ausweichen konnte. Anders als bei „The Boys“ ist das alles so wunderbar drüber, dass Peinlichkeiten und Plattheiten gar nicht wehtun, sondern bei mir den berüchtigten „Was für ein kranker Scheiß!“-Respekt- und Spaßreflex auslösen.

Ausgerechnet zum Finale schien man allerdings das Pulver verschossen zu haben, als einfach mal alle gegeneinander mit Fäusten herumprügeln durften. Die endgültigen letzten Blicke auf den Werdegang unseres Trio infernale entschädigte dann aber doch für diese kleine Ideenlosigkeit. Für mich insgesamt die beste Staffel. So soll es zum Schluss auch sein. Amen.

GESAMTWERTUNG: 5,20 Punkte (gut)

BLACK MIRROR (SEASON 5) 

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Ich habe tatsächlich vergessen, etwas über die letzte Season von Black Mirror zu schreiben, wie mir bei der Durchsicht zum Seriencheck Ranking aufgefallen ist. Der Grund dafür lag wahrscheinlich darin, dass ich sehr ernüchtert bis enttäuscht war.

Striking Vipers: Gleich zum Auftakt die meiner Meinung nach schwächste Episode der ganzen Serie. Bekanntes Thema (Virtual Reality), gähniger Twist, unspannend umgesetzt, ohne Höhepunkte. Ich habe mich gelangweilt. 4,0 Punkte.

Smithereens: Andrew Scott drückt diesem Geiselnahme-Plot durch seine Präsenz und sein schauspielerisches Können den Stempel auf. Wusste mich zu packen, hatte aber keinen „Black Mirror“-Mind-blown-Moment. Solide, gute Unterhaltung. 5,0 Punkte.

Rachel, Jack & Ashlee Too: Miley Cyrus sollte nicht schauspielern und bitte die Finger von Nine Inch Nails-Songs lassen. Vielen Dank im Voraus. Qualität schwankend, ein paar nette Momente ließen mich noch gerade so die 4,5 Punkte zücken.

GESAMTWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend -)

CAROL’S SECOND ACT (SEASON 1)

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Carol Kenney (Patricia Heaton, „Everybody Loves Raymond“, „The Middle“) will es nochmal wissen. Den Lehrerjob ab- und den Ärztekittel angelegt, beginnt sie mit drei weiteren jungen Doktoren (u.a. Lucas Neff, „Raising Hope“) den zweiten Akt ihrer Karriere in einer Klinik. Immer dabei: die gestrenge Ausbilderin Dr. Jacobs, der tüdelig-lustige Chefarzt Dr. Frost (Kyle MacLachlan, „Twin Peaks“) und Dennis, der bedrohlich wirkende Pfleger mit dem großen Herzen.

Klarer Fall von „Ich mag es mögen wollen wegen Patricia Heaton“, aber sollte die von mir sehr geschätzte, auf lang angelegte Serien gebuchte Schauspielerin auch damit auf Dauer Erfolg haben, schlucke ich ein Gastroendoskop und male zeitgleich das Ergebnis mit Ölfarben auf Leinwand. Denn bei aller Liebe, das ist „Scrubs“ in schlecht für das gediegene CBS-Publikum, das man mit Tempo, Spaß und Witz nicht überfordern möchte. Kyle MacLachlans Rolle ist arg peinlich eng an Dr. Kelso angelegt, die Witze verpuffen gerne ins Nichts und die Nebendarsteller liefern so wenig, dass mir gerade beim Schreiben von keinem einzigen der Rollenname eingefallen ist.

Trotz Heaton-Bonus dümpelte es wertungstechnisch mit Mühe auf der 4,0 Punkte-Schiene, mit Episode 5 habe ich dann folgende Diagnose notiert:

SICHTUNG EINGESTELLT   

WATCHMEN (SEASON 1)

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Angela Abar (Regina King, „The Leftovers“) arbeitet als maskierte Polizistin in einem Amerika einer anderen Zeitlinie. Moment, maskierte Polizistin? Ja, denn dieses Amerika ist gewaltig im Arsch, um es mal vornehm auszudrücken. Zerrissen zwischen linken und rechten Extremisten, regnet es gerne mal Tintenfische auf die Bevölkerung, das Recht liegt in der Hand des Stärkeren, der seit 30 Jahren regierende Robert Redford ist Richard Nixon als Präsident gefolgt und irgendwo in einem edlen Schloss zelebriert Jeremy Irons seltsame Rituale.

Oder kurz gesagt: Damon Lindelof does Lindelof things. Schmeißt uns unvorbereitet in eine Welt mit anderen Regeln und Gewohnheiten, lässt einen verwirrt umherschauen, das Hirn grillen und freut sich darüber eins. Alles innerhalb des Settings der Watchmen-Comics von Alan Moore. Mein erster Gedanke nach der Eröffnungsfolge war dementsprechend:

„Wo habe ich nochmal meine Watchmen-Ultimate Cut-The Complete Story-Blu-ray hingestellt?“. Ich muss da was aufarbeiten und irgendwo 215 Minuten aus dem Wochenende freihalten, um mitreden und -rätseln zu können.

Beinharte Fans der Vorlage sollen die Pilotfolge eher kritisch aufgenommen haben, mich hat die Show aber direkt in ihren Bann gezogen. Das kann nochmal richtig schönes Grübel-, Wunder- und Schocktheater werden wie bei „The Leftovers“. Oder in die Hose gehen. Wie bei der anderen TV-Serie, über die wir nicht mehr reden wollen. Ich bin mal guter Hoffnung, dass Lindelof bei einer eher kurzen Laufzeit (9 Episoden umfasst die erste Staffel) nicht auf zu blöde Gedanken kommt.

ERSTEINDRUCK: 5,5 Punkte (sehr gut)

ERSTEINSCHÄTZUNG: sehr gut – überragend

EMERGENCE (SEASON 1)

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Kommissarin Jo Evans (Allison Tolman, „Fargo“) findet an einer angeblichen Absturzstelle ein kleines Mädchen, aber kein Flugzeug mehr. Mysteriös! Zudem scheinen geheimnisvoll böse Menschen hinter der Kleinen her zu sein. Mysteriös! Irgendwas stimmt mit ihr auch nicht oder weshalb sonst puhlt sie sich ausserirdisch wirkendes Elektrogelump aus der Haut? Mysteriös, mysteriös!

Da habe ich wegen Molly Solverson und Dr. Turk reingeschaut. Beziehungsweise Allison Tolman und Donald Faison. Ist aber leider eher „besorgte Eltern“-Mystery ohne richtigen Punch. Geht es dem Kind gut? Weshalb jagen die das Kind? Was macht denn das Kind jetzt? Die Episode mit den sagenhaft beeindruckend schlechten CGI-Roboterwachhunden hat mich endgültig den Abschaltknopf drücken lassen.

SICHTUNG EINGESTELLT

MIXED-ISH (SEASON 1)

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Die Jugendjahre von Rainbow „Bo“ Johnson als Spin-Off zu „Black-ish“ mit Schwerpunkt 80er Jahre, black culture und Mischehe.

Der Darsteller von Rainbows Vater ist halt kein Anthony Anderson, der Bruder von Bo nervt mich auch als Kind dezent, ansonsten geht es allerdings in Ordnung. Die Achtziger sehe ich ja immer gerne verarbeitet, Gary Cole („Veep“) als Schwiegervater und Christina Anthony als Tante setzen die Akzente, da bleibe ich mal noch dran. Okay-ish.

DURCHSCHNITTSWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend)

MR. ROBOT (SEASON 4)

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Mr. Robot v4, final update: Jetzt geht’s Redrose an die Bluse! Für mich als Zuschauer ein gut überschaubares Ziel nach der verwirrenden zweiten Staffel, die ihrerseits von Season 3 erfreulicherweise jedoch etwas zurechtformatiert wurde. Showrunner Sam Esmail zielt direkt im Auftakt ins Emotionskontor und lässt einen kaltblütigen Mord auf die Fans los, der noch ein paar Umdrehungen hängenbleibt. Die bisher letzte Folge zeigte wieder viel Computerhacking und sehr wenig Dialoge, eines der Gebiete, auf der die Show bei mir immer punkten konnte. Von meiner Seite ein Daumen hoch bisher, auch wenn ich die Rolle von Dominique DiPierro weiterhin für überflüssig halte.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH FÜNF EPISODEN: 5,40 Punkte (gut+)

ERSTEINSCHÄTZUNG: gut – sehr gut 

SILICON VALLEY (SEASON 6)

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Final Update leider auch im Hause von Pied Piper. Ich bin jetzt schon in trübseliger „Schade, dass es wirklich vorbei sein soll“-Stimmung wie vor ein paar Monaten bei „Veep“. Was werde ich diese Chaoten vermissen. Die letzte Staffel hat gezeigt, dass das Qualitätsniveau auch nach dem Abgang von T.J. Miller hochgehalten wird. Und für die ersten beiden Episoden durfte ich bisher zweimal 5,5 Punkte in die Datenbank eintragen. Läuft stabil als hätte es Gilfoyle an einem Wochenende in Abwesenheit von Dinesh durchprogrammiert. Ich rechne mit einem Absturz eher bei mir, wenn wirklich die letzte Folge ausgeliefert wird. Error: nerd humor emptiness incoming.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH ZWEI EPISODEN: 5,60 Punkte (sehr gut)