118 (November 2018)

2 Nov

Es ist kalt geworden, nass, grau und die Kanzlerin hat auch keinen Bock mehr.
Zeit also für einen neuen Seriencheck!
Diese Überleitung ergibt zugegebenermaßen keinen Sinn, aber ich habe halt wieder ein paar neue Besprechungen aktueller TV-Serien fertig und die werden jetzt präsentiert.

ATYPICAL SEASON 2

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Die Geschichten um die Familie Gardner mit ihrem autistischen Sohn Sam waren 2017 für mich eine der positiven Überraschungen im Portfolio von Netflix. Schlicht weil die Show es schaffte, mich an alle Charaktere zu binden: Ich litt, freute mich, fieberte und lachte mit den Figuren. Üblicherweise ist ja gerne eine Rolle dabei, mir der man nicht so kann und die man dann so gut es geht ignoriert. Nicht so bei „Atypical“, wo wirklich bis in die Nebenrollen alles stimmig und liebenswert besetzt ist

Die zweite Staffel weiß natürlich diese Verbindung mit dem Zuschauer für sich zu nutzen und alleine deshalb landeten die meisten der insgesamt 10 Episoden bei der abschließenden Wertung im „Gut“ und darüber. Mir gingen allerdings ein paar der Markenzeichen ab wie die Ratschläge von Zahid, das Gekabbele zwischen den Geschwistern Sam und Casey oder die wundersam putzige Beziehung Sams zur offiziell auserkorenen Freundin Paige. Stattdessen stehen Themen wie Trennungsdrama, Eingliederungsprobleme, Selbständigkeitsbegehren und Freundschaftszerwürfnisse im Vordergrund. Okay, wichtig, aber halt nicht so charmant. Immerhin knüpft das Finale an die großen Stärken der Serie an und sorgt für ordentlich Wärme ums Herz, als Sam…. aber das könnt ihr schön selbst gucken.

Eine dritte Order ist bereits abgesegnet, ich freue mich auf neue Einsichten in die Welt der Pinguine bzw. Antarktisforscher und gebe dieser Season:

GESAMTWERTUNG: 5,05 Punkte (gut)

BETTER CALL SAUL SEASON 4

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Jedes Jahr werden die Lobeshymnen auf „Better Call Saul“ lauter und begeisterter. Und jedes Jahr stehe ich grummelnd da mit dem dezenten Hinweis, dass mich die Story um die Verwandlung von Jimmy McGill in Saul Goodman immer noch nicht so richtig überzeugen weiß. Absolute Einigkeit besteht sicherlich, dass der Handlungsstrang um Mike Ehrmantraut, Gus Fring, Nacho Varga und Hector Salamanca Episode für Episode allerfeinst geprägtes Dramagold produziert. Angereichert noch durch die deutsche Beteiligung in Form von Werner Ziegler (Rainer Bock, der 2015 witzigerweise in der Homeland-Episode „Better Call Saul“ einen BND-Beamten spielte) und seiner geheim operierenden Baueinheit. Alleine für dieses Segment hätte die Show dieses Jahr locker die 5,5 Punkte-Hürde überwinden müssen.

Das Problem bleibt für mich der Strang um die Karrieren von Jimmy und Kim Wexler. Nachdem die Geschichte um Jimmys älteren Bruder mit dem Ende der letzten Staffel auserzählt wurde, hatte ich mir in der Hinsicht Besserung erhofft. Richtig schlecht hat sich da in der Folge nun nichts entwickelt, die kleinen Gaunereien der beiden Anwälte sind durchaus unterhaltsam. Aber wenn die Show fast zum Stillstand kommt, sind es nun mal die Episoden, die sich schwerpunktmäßig darum drehen, wie sich deren Beziehung untereinander entwickelt. Da ist insgesamt zu wenig Momentum und Spannung drin, was auch dafür sorgt, dass das Staffelfinale im Unterschied zu letztem Jahr keinen Rausschmeißer zu bieten hat, der beim Zuschauer hängenbleibt.

Deshalb auch für die vierte Staffel wieder nur ein „Gut“, wenn auch ein dickes „Gut“.

GESAMTWERTUNG: 5,30 Punkte (gut)

CASTLE ROCK SEASON 1

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Dale Lacy (Terry O’Quinn, „Lost“), Direktor des berühmten Shawshank-Gefängnisses, begeht Selbstmord. Nachdem er jahrelang einen jungen Mann (Bill Skarsgard, „IT“) in den stillgelegten Abteilungen der Anstalt in einem Käfig eingesperrt hielt. Alles könnte schnell wieder in Ordnung kommen, aber der Bub macht einfach nicht den Mund auf, sondern schaut nur verstörend drein. Bis er den Namen Henry Deaver (André Holland, „American Horror Story“) fallen lässt – einen Anwalt, den selbst eine mysteriöse Geschichte umrankt.

Basierend auf Personen und Orten aus der Gedankenwelt von Stephen King.

Frischer Stoff für Freunde des „Hui, was soll es bedeuten?“-Themas, desweiteren hochwertig besetzt mit u.a. Sissy Spacek, Melanie Lynskey („Two And A Half Men“), Jane Levy („Suburgatory“) oder Scott Glenn („The Leftovers“). Nett schwelender Grusel, rätselhafte Stimmung, Fragen aufwerfende Wendungen und Ereignisse im Jetzt und in der Vergangenheit. Fand ich von Beginn an gefällig und war gerne dabei, als langsam Licht ins Dunkel geworfen wurde. Allerdings verlor mich die Show etwa um die Mitte ihrer 10 Episoden, brachte dann allerdings kurz vor Ende dafür einen sehr interessanten Twist rein, der mich wieder an Bord holte. Leider hatten die Macher letztlich jedoch nicht den Mut, im Finale diesen Weg konsequent weiterzuverfolgen. Schade, deshalb reicht es in der Endabrechnung für „Castle Rock“ nur zum „Befriedigend“.

GESAMTWERTUNG: 4,90 Punkte (befriedigend)

MAKING A MURDERER SEASON 2

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Die erste Dokumentation über die Urteile gegen Steven Avery und seinen Neffen Brendan Dassey war für Netflix der große Schlag ins Kontor. Vielerorts leidenschaftlich diskutiert, warf die Serie brennende Fragen hinsichtlich der Schuld der Angeklagten, der Ausgestaltung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft und der Rolle der Polizei auf. Spannender konnte die Kriminalrealität nicht sein, da konnte auch ich nur die Höchstnote zücken.

Teil 2 zu bewerten gestaltet sich nun weitaus schwieriger. Für jene, die in den vergangenen Monaten den Fall weiter verfolgt haben, dürfte in den 10 neuen Episoden Langeweile vorherrschen. Alle Personen, die in der ersten Staffel in ein eher schummrig-trübes Licht gerückt wurden, haben ihre Mitwirkung untersagt, so dass man lediglich ein paar frei zugängliche Interviews mit dem schmierigen Staatsanwalt Ken Kratz begutachten darf. Entsprechend dreht sich die neue Dokumentation um die neuen Anwaltsteams der beiden Hauptfiguren und ihren Bemühungen, die Beweisführung in Frage zu stellen, Fehler aufzudecken, die Wiederaufnahme des Verfahrens anzustrengen bzw. das Geständnis von Brendan als nicht verwertbar zu erklären.

Für mich als nicht vorab gespoilerten Zuschauer mit abgeschlossener juristischer Ausbildung gestaltete sich auch die zweite Staffel als spannende Unterhaltung. Sei es das emotionale Auf und Ab beim Gang durch die höheren Instanzen, die von Experten unterstützte, akribische Aufarbeitung des Tathergangs oder die Dramen zuhause bei den Eltern und Geschwistern in Manitowoc, Wisconsin.

Einen Abschlusswert unter Bewertung der einzelnen Folgen lasse ich wieder weg und zücke als Gesamtnote noch ein „sehr gut“, weil „Making A Murderer“ mir erneut nachging und mich in seinen Bann ziehen konnte. Ohne Zweifel bleibt weiterhin ein schaler Nachgeschmack, zumal man den wahren Ablauf der Ereignisse wohl nie erfahren wird.

GESAMTWERTUNG: 5,50 Punkte (sehr gut)

MANIAC SEASON 1

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Owen (Jonah Hill) und Annie (Emma Stone) schleppen allerlei Probleme mit sich herum. Schwierige Familie, Traumata, Geisteskrankheit, Depressionen. Wie gut, dass ein obskurer japanischer Konzern eine dreitägige klinische Arzneimittelstudie anbietet, bei der mittels Pillen und seltsamer Bestrahlung der ganze emotional schwere Schmodder rückstandsfrei aus dem Unterbewusstsein beseitigt wird. Basierend auf einer norwegischen Serie, prouziert von Cary Joji Fukunaga („True Detective“).

Maniac hat mit seiner verschrobenen, merkwürdigen, kaputten, desorientierten und komischen Art sofort mein Herz erobert. Wer wie ich bei „The Leftovers“ an den Episoden mit dem „Okay, das ist jetzt komplett drüber“-Faktor seinen Spaß hatte, braucht gar nicht weiterzulesen, sondern darf direkt anfangen, die Stirnrunzelmuskulatur zu trainieren. Zudem der von dort bekannte Justin Theroux als abgewrackter Arzt im Verlauf eine tragende Rolle spielt. Ansonsten ist alles drin: Comedy, Sci-Fi, Drama, Fantasy, Gangsterfilm, auch mal explizite Gewaltdarstellung – für jeden was dabei. Vor allem im letzten Drittel dreht die Show komplett frei und wirft die Protagonisten in wilde Traumszenarien, die man einfach miterlebt haben muss. Zehn Folgen, die mir wegen ihres Drangs, aus der Reihe zu schlagen und ihrem Mut zur schweren Seltsamkeit richtig Spaß gemacht haben

GESAMTWERTUNG: 5,50 Punkte (sehr gut)

THE MAN IN THE HIGH CASTLE SEASON 3

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Fräulein Traudel, legen Sie mal bitte das Handbuch für die deutsche Mutter zur Seite und nehmen Sie folgendes Diktat auf:

(keine Begrüßungsfloskel) OBERSTGRUPPENFÜHRER SMITH!

Ich bin nicht angetan von dem, was ich mir da bei „The Man in The High Castle Jahreszeit Nummer Drei“ ansehen musste. Im Gegenteil! Das war ja stellenweise übelst überzogenes Zeug, wie es in diesen furchtbaren Wolfenstein-Spielen vorkommt, die unsere Jugend verderben und mit denen mein Enkelkind Stunden für Stunden heimlich an seiner Spielstation Vier verbringt. Jahr Null, Nebenwelt und der unangenehme Genetik-Doktor aus dem Lager als Leiter einer wissenschaftlichen Expedition zur Erforschung einer Raum-Zeit-Anomalie – da lachen ja die Hühner!

Schon die Nebengeschichten haben mich gelangweilt, seien es die Probleme ihres weinerlichen Eheweibs mit dem strammen Mutterbusen, ihres waschlappigen Psychologens, das Lotterleben der kleinen verluderten Göre, die so gerne Leni Riefenstahl wäre oder der farblose Reichsmarschall. Gut, auf der anderen Seite sind zwar ein paar prominente Figuren hopps gegangen, aber mal unter uns: bei denen wussten die Autoren doch schon lange nicht mehr, was sie mit ihnen anfangen sollen.    

Das für mich Schlimmste aber: Der große Erzählstrang, die Kerngeschichte, geht ja so was von gar nicht voran! Das Fräulein Crain läuft weiter frei herum und führt seit neustem Filme vor, ohne dass sie einen Plan hat, was sie damit bezwecken soll. Und wir? Haben auch nix vorzuweisen außer ein bisschen Asche und einer fehlenden Erkennungsmarke. Na toll! Jaja, wir kriegen noch ein paar Paraden in den Straßen von New York hin, damit die Zuschauer ordentlich angewidert sind, aber sonst kommt da nix!

Insgesamt bestenfalls durchschnittliche Kost. Ich weiß nicht, ob ich dafür nächstes Jahr meinen Schwarz-Weiß-Fernseher wieder ankurbeln soll.

Heil Wer-grad-dran-ist,

Ihr…

GESAMTWERTUNG: 4,35 Punkte (durchschnittlich)

I FEEL BAD SEASON 1

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Emet muss zuhause die perfekte Ehefrau für ihren Mann, die perfekte Mutter für ihre Kinder und ihre eingezogenen Eltern sein, während sie auf der Arbeit als Videospieldesignerin eine Reihe männlicher Vollnerds managen und kontrollieren darf. Da kann man sich durchaus schlecht fühlen.

Bekommt von Kritikerseite nicht viel Liebe ab, gefällt mir aber und konnte sich vom Start weg fast durchgehend 5-Punkte-Wertungen sichern. Locker-leichte Familiencomedy mit den üblichen Bestandteilen wie dem ewig angespannten Verhältnis zu den gern grummelnden Eltern plus netter Nerdkomponente. Steht derzeit felsenfest auf meiner Guckliste und wird eine angenehme Bereicherung zu den anderen Comedies wie „Man with a Plan“, „Life In Pieces“ und „Modern Family“ sein. Zumal letztere Show derzeit schwächelt, siehe unten.

DURCHSCHNITTSWERT NACH 6 EPISODEN: 4,91 Punkte (Tendenz: gut)

MURPHY BROWN SEASON 11

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Murphy und ihre Nachrichten-Crew sind zurück! Und zum absolut richtigen Zeitpunkt, denn mit Trump im Weißen Haus und seinem Krieg gegen alles, was ansatzweise die Wahrheit berichten möchte, schreiben sich die Geschichten fast schon von selbst. Mir ging es mit der Serie, die vor 20 Jahren ihre letzte Staffel abdrehte, wie so ziemlich jedem europäischen Zuschauer: gut gemachte Comedy, aber viel zu sehr auf das politische Amerika konzentriert, dass man jeden Witz hätte nachvollziehen können. Damals regierte erst George Bush ohne W. , dann Bill Clinton, da war doch nichts los!

2018 passt das wegen der oben erwähnten Umstände schon besser und Murphy gibt dem US-Präsidenten und seiner Entourage Kontra, dass es jedem amerikanischen Liberalen warm ums Herz wird. Vom ehemaligen Cast sind so gut wie alle dabei und spielen sich professionell die Gags zu, lassen die alten Klassiker wie etwa Murphys ewige Suche nach einer Assistentin hochleben und reichern das Ganze mit Social Media und dem jungen, indischstämmigen Experten Pat Patel (Nik Dodani, „Atypical“) an. Passt.

DURCHSCHNITTSWERT NACH 5 EPISODEN: 4,90 Punkte (Tendenz: gut) 

MODERN FAMILY SEASON 10

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Läuft bei mir nicht gut, muss ich leider sagen. Erst mit der aktuell letzten Episode konnte „Modern Family“ die erste 5,0-Wertung der Saison kassieren und zumindest ein bisschen an die großen, alten Zeiten anknüpfen. Vorher viermal 4,5 und einmal 4,0. Die Luft ist weiterhin raus, aktuell wäre es kein Verlust, wenn nach dieser Staffel endgültig Schluss sein sollte. Und wen hat es ernsthaft gewundert, dass mich der vorab angekündigte Tod eines Familienmitglieds eher kalt gelassen hat?

DURCHSCHNITTSWERT NACH 6 EPISODEN: 4,50 PUNKTE (Tendenz: befriedigend)

THE WALKING DEAD SEASON 9

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ICH BIN FREI, ICH BIN FREI. HAHAHA! ICH GUCK’S NICHT MEHR.

Die erste Folge der neunten Staffel habe ich mir noch angetan. War aber zu meiner Erleichterung gewohnt langweilig. Immerhin hat es einen Halbpromi aus der Darstellerriege gekostet. Von mir aus. Ich kann die ganzen Charaktere auch einfach nicht mehr sehen. Und muss es jetzt auch nicht mehr. Sagt mir aber bitte Bescheid, falls es richtig gut oder richtig übel schlecht werden sollte.

Nee, war ein Scherz.

ICH BIN FREI.

*tanzt von dannen*

 

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117 (September 2018)

12 Sep

Die traurige Erkenntnis der letzten Monate gleich vorneweg: Zu meinem Mantra „Ich kann nicht alles gucken!“ ist nun leider mittlerweile die Steigerungsform „Ich kann nicht mal mehr alles gucken, was mich interessiert!!“ hinzugekommen.

Aktuell habe ich gleich mehrere Serien, bei denen ich eine komplette Staffel hinterherhänge (Westworld S2, The Americans S6, A Series Of Unforunate Events S2), dazu pumpen Netflix und Co. gerne mal volles Rohr neuen Stoff raus (Atypical S2, Ozark S2). Get Shorty S2 und The Deuce S2 sind frisch gestartet, Shameless S9 werde ich bei meinem jährlichen Weihnachtsguck-Rhythmus wohl erst Ende 2020 sehen. Puh. Wahrscheinlich darf ich für die bald anstehenden Jahresrankings etliche Nachträge schreiben.

Hier aber nun die Shows, die ich verfolgen konnte:

THE HANDMAID’S TALE (SEASON 2)

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Wem die erste Season schon zu düster und deprimierend war, dem darf ich hoffnungslos entgegenheulen, dass „stimmungsaufhellend“ weiterhin ein Fremdwort für „The Handmaid’s Tale“ ist. Immerhin hatte mich die Show mit der starken Auftaktepisode direkt wieder am Schlafittchen. Miss Moss leistet in ihrer Rolle als Offred in der Kategorie „mütterliche Einzelleistung“ Beachtliches, Alexis Bledel trägt einen Gesichtsausdruck auf, der dem meinigen entspricht, wenn ich auf meine Kontoauszüge schaue, Männer in Machtpositionen über Frauen sind kolossale Arschlöcher und Staatsreligion aber sowas von großer Kappes.

Allerdings hatte diese zweite Staffel für mich dann doch nicht mehr den Schockwert beziehungsweise die ganz bösen Schläge in die Nierengegend. Ja, selbst die Auftritte der großartigen Ann Dowd als Aunt Lydia ließen mir nicht mehr die Hände zittern. Wer allerdings Kinder hat, dürfte bei manchen Szenen heftig schlucken, denn die Mutter-Kind-Beziehung wird hier dramatisch auf unwohlgefühlige Varianten abgeklopft.

Das Finale bot einiges an Diskussionsbedarf: Die Entscheidung der Protagonistin konnte ich nicht vollständig nachvollziehen und ich denke, da war ich nicht der Einzige. Insgesamt bleibt „The Handmaid’s Tale“ weiterhin eine packende Dystopie-Serie, die uns vielleicht irgendwann in der nächsten Staffel eine Wendung schenkt, die einen als Zuschauer mal erleichtert aufatmen lässt.

GESAMTWERTUNG: 5,32 Punkte (gut)

TRIAL & ERROR (SEASON 2)

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Der zweite Fall des Strafverteidigers Josh Segal und seiner kompetenzfreien Ermittlerriege spielt erneut im beschaulichen Städtchen East Peck. Diesmal muss der geplagte Jurist die höchstbeliebte Millionärin Lavinia Peck-Foster (Kristin Chenoweth, Pushing Daisies) gegen eine Mordanklage verteidigen. Ehrensache, dass dabei verdammt viel schief läuft.

Ich mochte die erste Staffel von „Trial & Error“, nicht nur wegen der liebenswerten Charaktere und ihren herrlich doofen Schrullen. Der von John Lithgow (3rd Rock from the Sun) gespielte tüdelige Professor als Beschuldigter war allerdings ohne Zweifel ein Highlight. Würde ohne ihn die Show qualitätsmäßig nachlassen?

Unbestreitbar nein, euer Ehren. Das ist weiterhin eine wunderbar bescheuerte Serie, die konsequent ihre einmal etablierten Gags weiterspinnt und dabei erfrischend lustig daherkommt. Die zahlreichen Wendungen des Falls sind so dermaßen bekloppt, dass es eine wahre Freude ist, von den Figuren kann man eigentlich niemanden ernst nehmen und wer an dem Ganzen nicht seinen Spaß hat, ist wahrscheinlich Prädikatsjurist oder immun gegen Humor jenseits billiger Pipi-Kacka-Pimmelwitze.

GESAMTWERUNG: 5,15 Punkte (gut)

PREACHER (SEASON 3)

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Nachdem „Ash vs Evil Dead“ nun Geschichte ist, bedarf es eines neuen Thronfolgers in der Kategorie „Abgedrehter Scheiß in einer TV-Serie“ und da nominiere ich die aktuelle Season von „Preacher“. Gott ist weiterhin nicht gewillt, seinen Platz im Himmel einzunehmen. Unser Lieblingsgeistlicher Jesse Custer kehrt in seine Vergangenheit zu seiner bluttransfusionsfreudigen und seelenessenden Oma samt Hillbilly-Gefolge zurück. Der Teufel, eine Hinterzimmer-Vampirtruppe, degenerierte Jesus-Klone, Hitler sowie ein gewisser Herr Starr, Chef und geheiligter Henker des Gral-Ordens spielen in der Geschichte eine wichtige Rolle. Ach ja, Arseface ist auch wieder mit von der Partie.

Diese zauberhafte Zusammenfassung lässt erahnen, dass hier kein ernstzunehmendes Drama aufgeführt wird. Stattdessen wird rausgeballert, was an kaputten Schrägheiten und seltsamen Charakteren in der Kanone steckt. Anders als noch in der zweiten Staffel, die einiges an Leerlauf in New Orleans aufwies, wird diesmal durchgehend drüber abgeliefert. Das Ergebnis war für mich jede Woche ein hübsches Potpourri an krass umgesetzten Ideen aus sehr wahrscheinlich gut benebelten Autorenhirnen, jedes davon bemüht, die Vorschläge der anderen zu überbieten. Ich kann da meinen Spaß draus ziehen, andere rümpfen möglicherweise pikiert die Nase. Für mich die bisher beste Ausgabe der Show, weil so sehr neben der Spur, dass es eine Freude ist.

GESAMTWERTUNG: 5,10 Punkte (gut)

WHO IS AMERICA? (SEASON 1)

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Sacha Baron Cohen schlüpft in mehrere Rollen, um die Spaltung der amerikanischen Bevölkerung in punkto Politik, Kultur und Lebensweise sichtbar zu machen. Oder treffender gesagt: Er versucht, die tumbesten Exemplare aus diesen Kategorien bloßzustellen und zu verarschen. Dabei tritt Cohen als rechtsextremer Verschwörungstheoretiker, ultraliberaler Dozent in Geschlechterfragen, ex-Strafgefangener, italienischer Fotograf und finnischer Internetstar auf.

Mein absoluter Liebling und aus der Truppe hervorstechend ist jedoch Erran Morad, ein ehemaliger israelischer Antiterror-Experte (nicht im Dienst des Mossad!), dessen Segmente teilweise zum Schreien komisch sind. Hier entlarven sich die hohlbirnigsten der rechtsaußenorientierten, waffengeilen Gesellen mit ihrem limitierten Horizont so dermaßen schön selbst, dass man aus dem Kopfschütteln und Lachen nicht mehr herauskommt.

Der Rest? Teilweise nur unter schwersten Fremdschamschmerzen zu ertragen – vor allem den Dozenten und den ex-Knasti konnte ich nur mit Pausen gucken. Andererseits ist manche der Vorführstudien zu plump, zu gewollt, zu sehr auf Eskalation gebürstet. Meine Wertung habe ich deshalb zweigeteilt:

Segmente mit Erran Morad: 5,0 – 5,5 Punkte (gut – sehr gut) 

Sonstige Segmente: 4,0 – 4,5 Punkte (durchschnittlich – befriedigend)

DISENCHANTMENT (SEASON 1)

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Eine trink- und rauffreudige Prinzessin, ein Dämon und ein Elf erleben märchenhafte Abenteuer der etwas anderen Art. Neue Animationsserie für Netflix vom Schöpfer der Simpsons und Futurama, Matt Groening.

Ist das besser als die Simpsons? Besser als Futurama? Wenigstens die beste Märchenserie?

Der Reihe nach. Von den Figuren habe ich direkt Prinzessin „Bean“ Tiabeanie, den ruppigen alten König Zog und den Hofzauberer Sorcerio ins Herz geschlossen. Dämon Luci und Elf Elfo (da ist wirklich viel Kreativtät in die Namensgebung gesteckt worden) taten sich da etwas schwerer. In den insgesamt 10 Episoden sind ein paar Ausgaben reingerutscht, die eher Füllmaterial sind – ganz wie man es von einer Simpsons-Staffel kennt. Ansonsten hielt sich das Ganze aber auf einem anständigen bis guten Niveau. In der neunten Episode schafft Groening sogar gegen Ende einen kleinen magischen Moment, bei dem es sich auszahlt, dass hier eine durchgehende Geschichte erzählt wird. Das alles rechtfertigt insgesamt eine knapp gute Gesamtwertung.

Um zu den Eingangsfragen zurückzukommen:

– Disenchantment ist besser als die letzten 10 Staffeln der Simpsons

– An Futurama kommt so schnell nichts ran

– Die beste Märchenserie ist und bleibt das chronisch unterschätzte Comedy-Musical Galavant (*singt wieder das Galavant-Thema und tritt ab*)

GESAMTWERTUNG: 4,95 Punkte (gut -)

ARRESTED DEVELOPMENT (SEASON 5 EPISODES 01-08)

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So. Bisher war das ja wieder eine schöne, lauschige Runde in dieser kleinen Serien-Besprechungsbutze von Onkel Ini. Alles gut, alles fein. Nun aber wird’s traurig und trübe, vor allem für gestandene Fans von Arrested Development. Und da zähle ich mich dazu.

Vorab ein Blick zurück: S1-3 sind Kult. Punkt. Die vierte Staffel aus dem Jahre 2013 litt darunter, dass sich die Folgen nur auf einzelne Charaktere bezogen, die höchst amüsant kaputte Familie Bluth war selten mal in einem Raum zu sehen, da die Schauspieler terminlich nicht zusammengezogen werden konnten. Dennoch hatte ich meinen Spaß und ja, wahrscheinlich habe ich die Season überbewertet, aber wenn, geschah es aus Wiedersehensfreude und wegen diverser wirklich gelungener Gags bzw. weitergesponnenen Dummheiten von Gob, Buster, Michael, George Michael und Barry. Andere Charaktere fielen demgegenüber ab, aber das war verschmerzbar. Netflix hat vor ein paar Monaten diese Staffel neu zusammengeschnitten, begutachten konnte ich das Ergebnis allerdings noch nicht.

Weil eben die ersten 8 Episoden der 5. Staffel herauskamen und – man kann es nicht verhehlen – absolut enttäuschend sind. Ich erkannte die Figuren und Schauspieler wieder, aber die Folgen rauschten an mir vorbei, ohne dass ich einmal hätte von Herzen auflachen können. Keine neuen Gags, die man stolz in den Vitrinenschrank im Kopf stellen darf, die in den eigenen Sprachgebrauch wandern und die Show in aller Munde halten. Zu Beginn zog ich noch die 4,5-Wertung, allerdings mehr aus Respekt vor dem Ruf der Serie als aus echter Belustigung, die Geschichten entpuppten sich aber in der Folge als so öde, dass der Wechsel zur Notenstufe darunter unabdinglich wurde.

Ich kann mich nicht mal mehr an Details erinnern, so wenig blieb von dem Gesehenen hängen. Mit der Bewertung war ich letztlich noch gutmütig, man hätte auch locker unterhalb der 4,0 landen können. Das traurige Fazit: Die ersten Episoden der fünften Staffel von Arrested Development schaffen tatsächlich das, was schon Star Wars VIII für die Sternenkrieg-Saga gelang: Ich will eigentlich gar nicht mehr wissen, wie es weitergeht.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 8 EPISODEN: 4,31 Punkte (durchschnittlich)

Demnächst:

BETTER CALL SAUL (SEASON 4)

CASTLE ROCK (SEASON 1)

ATYPICAL (SEASON 2)

116 (Juni 2018)

7 Jun

Heute mit vielen Zahlen und wahrscheinlich weniger Text als üblich. Denn es gilt noch schnell die Comedy-Serien plus The Walking Dead durchgeackert zu haben, bevor der Seriencheck in den kommenden Wochen wegen der Fußball-WM in die Sommerpause geht.
ASH VS. EVIL DEAD SEASON 3

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Der gute alte Ash hat sich mit seiner getreuen Kettensäge doch wieder durch die 5-Punkte-Marke geschnetzelt. Genau so knapp wie damals bei der Premierensaison. Vom Blut-und-Gekröse-Faktor kommt freilich nichts an die zweite Staffel heran, da sind wir Quatsch&Matsch-Fans uns alle einig. Das Budget schien mir dagegen hier etwas knapp zu sein, weshalb es nur für ein bis zwei Ekelszenen pro Episode langte, manche davon sogar eher Wiederholungen. Dennoch: Pluspunkte wie der Ausflug in die Dämonenhölle, der kleine Satansbraten und das runde Ende ließen meinen Wertungsdaumen nach oben wandern. Ob ich den in den letzten Szenen angeschnittenen Handlungsstrang für eine spätere Fortsetzung brauche? Eher nicht.

GESAMTWERTUNG: 5,05 Punkte (gut-)

BLACK-ISH SEASON 4 

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Leider meine Enttäuschung im Comedy-Bereich in diesem Jahr. Fing gut an, hatte mit der Episode 4×04 Advance To Go (Collect $200) ein frühes Highlight, bot danach eher solide Kost, um schließlich im letzten Drittel wenig Erinnerungswürdiges abzuliefern. Ich war kurz davor, die Show von meiner Guckliste abzusetzen, als man mir zum Schluss noch tatsächlich geballte Scheidungstrübsal als mehrteiligen Handlungsbogen anbot. Puh. Auch hier muss ich anprangern: Die Kids kriegen einfach keine guten Geschichten mehr.

GESAMTWERTUNG: 4,41 Punkte (durchschnittlich)

BROOKLYN NINE-NINE SEASON 5

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Sie bleiben uns dann doch erhalten, die liebenswerten Chaoten des 99. Polizeidistrikts. Recht und Ordnung so! Denn in der Show steckt noch Saft, die Absetzung durch FOX muss wohl von jemandem abgesegnet worden sein, der auch für die Trump-Arschkriecherei des Senders zuständig ist und deshalb seinen Geschmackssinn vollständig verloren hat. Season 6 dann also bei NBC. In meiner Wertungsdatenbank stehen fast überall stabile 5 Punkte, viermal gar eine Stufe höher (inklusive des Finales) – lediglich der Versuch, mit der Episode „Show Me Going“ echtes Drama zwischen die Gagsalven zu pressen, ging mir eine gute Spur daneben.

GESAMTWERTUNG: 5,22 Punkte (gut)

KEVIN CAN WAIT SEASON 2

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Kevin konnte noch, aber die Zuschauer wollten nicht mehr. Auf den Moment warten, in dem „Kevin Can Wait“ an alte „King of Queens“-Zeiten anknüpft. Die Hoffnung, dass sich dies durch die stärkere Einbindung von Leah Remini einfach so ergeben würde, ging nicht in Erfüllung. In den ersten 10 Episoden versteckte sich noch manch gute Ausgabe, meistens konnte sich Mr. James mit seiner Solo-Nummer ins „Okay“ retten, blieb aber leider auch viele Male darunter. Da half selbst die Zusammenarbeit mit den Kumpels Adam Sandler und Chris Rock im Staffelfinale nichts.

GESAMTWERTUNG: 4,46 Punkte (durchschnittlich)

L.A. TO VEGAS SEASON 1

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Wie schon beim letzten Mal geschrieben, leider auch nicht der ganze große Wurf bzw. Flug. Ich mochte das Bordtrio um Captain Dave, Ronnie und Bernard, weshalb ich bis zur letzten Episode dran blieb. Das Drehbuch schöpfte das komische Talent dieser drei Akteure aber zu selten aus, dazu enttäuschte mich Peter Stormare als abgewrackter, spielsüchtiger Zahnarzt Artem. Und ich schreibe es gerne nochmal hin: Ed Weeks hat mich nicht ein einziges Mal zum Lachen gebracht. Insgesamt reicht das nur für eine Punktladung auf die 4,5 Punkte und die Absetzung.

GESAMTWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend)

LIFE IN PIECES SEASON 3

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Besser als in der zweiten Staffel, aber auf der Ziellinie schlichen sich bei der Show mit den 5-Minuten-Segmenten doch mehrere Folgen ein, die kritischere Zuschauer tiefer bewerten würden als meine Wenigkeit, der die Großfamilie mit den Kurzgeschichten schon in ihrer ersten Staffel in sein Herz geschlossen hat. Ich für meinen Teil bin weiterhin gerne zu Besuch bei meinen Lieblingen Tim, Greg, Jen und Sophia und lasse deshalb nochmal 5 Punkte da.

GESAMTWERTUNG: 5,04 Punkte (gut-)

MAN WITH A PLAN SEASON 2

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„Man With A Plan“ backt das Comedybrötchen mit Sicherheit nicht neu, im Gegensatz zum Sendeplatznachbarn „Kevin Can Wait“ bot man neben den (auch sehr gut harmonierenden) Hauptdarstellern Matt LeBlanc und Liza Snyder allerdings weitere unterhaltsame Charaktere (Kevin Nealon, Stacy Keach, Kali Rocha) an. Die Folge: Eine ordentliche Wertung bei mir und die Fortsetzung der Show auf CBS. Wer noch traditionelle Familien-Comedy ohne Drama-Anteile sehen möchte, um den Abend entspannt und schmunzelnd abzuschließen, der möge sich die neue Familie von Joey, äh, die Burns einladen. Geht doch.



GESAMTWERTUNG: 4,76 Punkte (befriedigend)

SUPERIOR DONUTS SEASON 2

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Mittlerweile abgesetzt und auch nicht wirklich schade drum, weil die von mir am niedrigsten bewertete, aber komplett gesehene Comedy (sofern man „The Walking Dead“ wegen der katastrophalen Staffel nicht doch nachträglich in diese Kategorie einordnen möchte, weil man Zweifel hat, dass das Ganze ernst gemeint war). Ich hebe ein letztes Mal Maz Jobrani hervor, wegen dessen Figur Fawz ich hauptsächlich am überlegenen Donut hängenblieb, nicke die Altbrummeligkeit von Judd Hirsch freundlich ab und die ordentliche Bemühung von Katey Sagal. Schürze ablegen, Geschäft absperren, der Nächste bitte.

GESAMTWERTUNG: 4,29 Punkte (durchschnittlich)  

THE GOLDBERGS SEASON 5

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So, meine lieben 80’s buddies, jetzt ham wa den Salat! Die Goldbergs sind unter die 5 Punkte gefallen. Zwar nur ganz knapp, aber immerhin. Die Gründe? Die besten prägenden Highlights des Jahrzehnts hat man durch und selbst bei einer Episode wie „Spaceballs“ ging es nicht mehr automatisch in luftige Wertungshöhen, sondern verharrte man im „jo, nett“-Bereich. Will sagen: Den Autoren fällt nicht mehr durchgehend tolles Zeug ein. Ausnahme: Die Episode „Dinner With The Goldbergs„, bei der ich als eine der wenigen Comedy-Episoden in diesem Jahrgang die Prädikatwertung ziehen musste. Und da ging es um ein gemeinsames Abendessen im Restaurant, also kein spezifisches 80er-Jahre-Thema. Für die nächste Staffel daher mein Wunsch: Lieber was Verrücktes mit der Familie anstellen statt gezwungen ein Stichwort des coolsten Jahrzehnts abarbeiten, weclhes am Ende zu wenig abwirft.



GESAMTWERTUNG: 4,99 Punkte (gut -)

MODERN FAMILY SEASON 9

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Schon länger verharrt die einst alles überragende Comedy „Modern Family“ bei mir im nur noch gehobenen Okay-Status. Genauer gesagt seit der sechsten Staffel. Heuer schien es besser zu laufen, man vermied die Patzer der letzten schwächeren Ausgaben (Werbesendungen für bspw. Disneyland, peinliche love interests für Haley, lahme Drehbücher generell für die Dunphy-Kids), war auf einem guten Weg – und tappte im Endspurt dann doch in einige der oben genannten Fallen. Die 10. Staffel soll wohl die letzte sein und ich hoffe, die Macher können dafür nochmal richtig zulegen.

GESAMTWERTUNG: 4,83 Punkte (befriedigend)

 

THE MIDDLE SEASON 9

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Bereits mit der 9. Staffel zu Ende gegangen ist hingegen „The Middle“. Die Show war immer der deutlich weniger erfolgreiche, aber hart arbeitende Nachbar von „Modern Family“, dem allerdings auch bereits viel früher die Luft ausgegangen war. Die ersten drei Staffeln um die Familie Heck kann ich empfehlen, danach pendelte man sich bei einer Qualitätsstufe niedriger ein. Dabei wurde es nie so schlecht, dass ich die Serie für mich abgesetzt hätte. Meist solide, manchmal ein wenig drunter, mit ein paar Aussetzern nach unten und das ist auch bereits das Fazit für die finale Season.

GESAMTWERTUNG: 4,33 Punkte (durchschnittlich)

THE SIMPSONS SEASON 29

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Die beste Simpsons-Staffel seit mindestens 5 Jahren! Woo-hoo! Okay, allerseits bitte beruhigen, das hat nicht wirklich viel zu sagen, siehe Gesamtwertung. Wie es schöne Tradition ist, hier die Titel der Episoden, die mir gut gefallen haben:

S29x01 The Serfsons / S29x05 Grampy Can Ya Hear Me / S29x06 The Old Blue Mayor She Ain’t What She Used To Be / S29x09 Gone Boy / S29x11 Frisk Gets Testy / S29x21 Flanders‘ Ladder

GESAMTWERTUNG: 4,55 Punkte (befriedigend -)

THE WALKING DEAD SEASON 8

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Was soll ich da noch groß schreiben. War nix. Schlechteste Staffel, mit ordentlichem Abstand. Der Titel wird immer mehr zur Wahrheit. Auch das einigermaßen erträgliche Finale konnte nichts mehr retten. Und was darin wiederum als Aussicht für die kommende Season angeschnitten wird, erfüllt mich nicht mit Hoffnung auf grundlegende Besserung. Ich denke, es ist Zeit, dass ich dem alten Zombie-Zausel den Gnadenschuss gebe. Es sei denn, ich finde doch nach Spaß am eigenen Leiden beim Zuschauen.

GESAMTWERTUNG: 3,94 Punkte (unterdurchschnittlich) 

YOUNG SHELDON SEASON 1

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Besser als „The Big Bang Theory“ – und ja, da habe ich mir wirklich das diesjährige Finale angesehen und war erneut erschüttert, wie übel heruntergewirtschaftet diese Show geworden ist. Der junge Sheldon bringt hingegen genau das, was man erwartet, inklusive der typischen Chuck-Lorre-Ich-hab-schon-keinen-Bock-mehr-das-Ding-läuft-eh-von-alleine-Autorenhandschrift, die bereits gegen Ende dieser ersten Staffel durchscheint. Was die Show noch knapp ins „Befriedigend“ hievt, sind meiner Meinung nach die hübsch fiesen Sprüche der kleinen Schwester Missy.

GESAMTWERTUNG: 4,57 Punkte (befriedigend -) 

115 (Mai 2018)

30 Mai

Huhu, ich bin’s wieder. Blog lebt noch trotz DSGVO, Kommentare sind allerdings sicherheitshalber deaktiviert. Der Seriencheck wird jetzt rausgehauen, bevor die WM wieder alles überlagert. Angesammelt hat sich so einiges, deshalb wird es möglicherweise zwei Teile geben.

Ich bitte um kurzes Innehalten für die Shows, zu denen ich noch nicht richtig gekommen bin:

The Terror – zwei Episoden gesehen, atmosphärisch dichte Erzählung über eine arktische Schiffsexpedition Mitte des 19. Jahrhunderts, basierend auf einem Buch von Dan Simmons
A Series of Unfortunate Events Season 2 – liegt komplett auf Halde
The Americans Season 6 – gucke ich mir wohl in einem Rutsch an, wenn es mal zeitlich passt

Jetzt aber zu den Neuzugängen und alten Bekannten…

ALEX, INC. SEASON 1

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Radiojournalist Alex Schuman (Zach Braff, Scrubs) schmeißt seinen sicheren Job hin, um eine Podcast-Firma zu gründen. Nicht davon begeistert: Seine Familie.

Ebenfalls nicht so begeistert: Die amerikanischen Zuschauer. Denn nach 10 Episoden war bereits Schluss mit Zach Braffs neuem Serienprojekt. Ich mag den Zach ja, mit seiner Krankenhaus-Comedy hat er mein Herz erobert und auch in Alex, Inc. müht er sich ordentlich. Die Dynamik innerhalb seiner Familie fand ich höchst sympathisch, vor allem Jungmime Elisha Henig sollte man im Auge behalten. Das dicke Problem mit der Show lauerte am Arbeitsplatz: Podcasts sind an sich ja eine feine Sache, aber deren professionelle Produktion warf mir dann doch zu wenig Humor ab oder wie der gebildete Ami sagen würde „I didn’t give a fuck“. Vor allem die Figuren der Mitarbeiter von Alex waren letztlich auch nicht gut genug, um die ganz prallen Comedy-Bälle mit ihm hin- und herzuwerfen.

Am Ende kam „Alex, Inc.“ so nie über die Wertung „nett“ hinaus.
Nett, aber man brauchte nicht wirklich mehr davon.

GESAMTWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend)  

BARRY SEASON 1

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Barry (Bill Hader, Saturday Night Live) ist ein ehemaliger Marinesoldat, der sich mittlerweile auf anspruchsvolle Einzelpersoneneliminierung spezialisiert hat. Als ihn in Los Angeles ein Auftrag des örtlichen tschetschenischen Mobs zu einer Amateurtheatertruppe unter der Leitung des abgehalfterten Jean Cousineau (schmierig: Henry Winkler, Arrested Development) führt, scheint er seine Berufung und die große Liebe (umwerfend: Sarah Goldberg) gefunden zu haben.

Ich war nach dem Lesen der Inhaltsangabe skeptisch. Eiskalter Killer wird zum gefühlvollen Hobby-Schauspieler, der in Theaterstücken zu Tränen rührt? Keine Sorge, so läuft es nicht. Bill Hader, der für seine wunderbaren Nachahmungen bekannt ist, führt hier ein Ensemble an, das herrlich komische Szenen auf den Bildschirm bringt. Besonders danken möchte ich an dieser Stelle der tschetschenischen Mafia (auch so ein Satz, von dem ich dachte, dass ich ihn nie schreiben würde) um Goran Pazar (Glenn Fleshler) und Noho Hank (Anthony Carrigan). An den beiden hatte ich spätestens mit der zweiten Folge einen absoluten Clown gefressen. Dazu noch Stephen Root (Justified) als Fuches, Barrys Auftragsbeschaffer, besten Kumpel und wandelnde Inkompetenz reingepackt und fertig sind acht Folgen sehr gute Unterhaltung.

„Barry“ ist witzig, spannend, skurril, manchmal leise, manchmal laut, aber in jedem Fall eine dicke Empfehlung für euren Serienkatalog. Und seid nett zu Tschetschenen, auch wenn sie euch mit Gewalt drohen, denn die haben auch so ihre Probleme.

GESAMTWERTUNG: 5,56 Punkte (sehr gut)

SILICON VALLEY SEASON 5

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Die fünfte Staffel der derzeit einzig wahren Nerd-Comedy musste bekanntlich ohne Erlich Bachman auskommen, dessen Schauspieler T.J. Miller aktuell die schwer seltsamen Charakterzüge seiner Figur im echten Leben zum Schlechtesten gibt. Wie würde sich sein Fehlen auswirken? Hakt die Hardware, stottert die Software?

Nach insgesamt nur 8 Updates der Versionsnummer #5 kann ich sagen: „Don’t panic. Läuft weiter stabil“. Schräg sind eh so ziemlich alle Charaktere drauf, da ist es nicht so schlimm, wenn einer ausfällt. Es waren wieder viele feine Themen dabei: Das neue Internet made by PiedPiper, die Suche nach Investoren, der Konkurrenzkampf um Ideen mit Jian Yangs Softwareklau-Klitsche und Hooli, künstliche Intelligenz sowie die Einführung einer eigenen Bitcoin-Plattform. Ach ja, wohlwollende Werbung für Tesla-Autos gab es ebenfalls, was bei mir ein bisschen für Punktabzug gesorgt hat.

GESAMTWERTUNG: 5,45 Punkte (gut+)     

RAY DONOVAN SEASON 5

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Habe ich lange vor mir hergeschoben. Nicht etwa, weil die Show mich diese Staffel nicht überzeugt hätte, sondern weil zu viele andere Serien nach meiner Begutachtung schrien. „Ray Donovan“ ist eines dieser Dramen, bei denen man nichts falsch machen kann, sofern man erst einmal durch Setting, Cast und Thematik eingefangen wurde. Bedeutet hier: Leute bauen Mist, Ray Donovan bügelt es aus. Wobei unter Leute auch sehr oft und gerne die eigene Familie fällt. Und wenn Ray nicht gerade am Ausbügeln ist, fördert er eigenständig die Mistbauproduktion.

Ein ewiger Kreislauf, der mir auch in der 5. Staffel gute Unterhaltung beschert hat. Einen Schwerpunkt bildet das Schicksal von Abby Donovan, welches zunächst hinter einem Mystery-Schleier gehalten, später dann Stück für Stück gelüftet wird. Vier der bisherigen fünf Staffeln landeten bei mir wertungsmäßig dicke im „gut“ (lediglich die zweite Season fiel etwas ab), da gucke ich dem Ray auch in der sechsten Staffel zu, klarer Fall.

GESAMTWERTUNG: 5,33 Punkte (gut)

THE TICK SEASON 1

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Im September 2017 hatte ich die ersten sechs Episoden der amazon-Serie „The Tick“ besprochen. Moment, ich kopiere das mal flott rein:

In einer Welt, in der man sich an Superbösewichte und Superhelden
gewöhnt hat, liegt die Hoffnung der Welt auf einem nervösen Buchhalter
(Griffin Newman, „Vinyl“) und einer blaugewandeten Riesenzecke (Peter Serafinowicz, „Running Wilde“).

Ich und Superhelden, man kennt die Geschichte. Höchstselten kommen
wir beide zusammen, aber das hier ist angenehm schräg und witzig. Die
bisher gerade mal 6 Episoden lassen sich locker leicht schmunzelnd
weggucken, Griffin Newman gäbe einen prima Morty für eine Realverfilmung
von „Rick and Morty“ ab, während Peter Serafinowicz in getragenem
Tonfall seltsame Sprüche vorträgt und beide später auf einen
brummeligen Superhelden mit schwer schnippischem Sicherheitssystem treffen. Noch
die charmante Valorie Curry als Schwester des Tick-Assistenten als
Bonus drauf und schon reicht das insgesamt für ein knappes „Gut“.

Ende Februar 2018 legte man mit sechs weiteren Folgen nach, die ich nun an den vergangenen schwülen Früsommerabenden am PC angeschaut habe. Valorie Curry sorgt derzeit als Protagonistin Kara im PS4-Spiel „Detroit: Become Human“ für Aufsehen. An meinem Befund hat sich aber nichts geändert. „The Tick“ ist letztlich kein edelster over-the-top-Scheiß wie Deadpool, dafür steckt eine liebevoll eingestreute Portion Trash drin. Das Finale bietet zwar leider keine Überraschungen mehr, aber für mich ist und bleibt das Superheldenkost in der gut erträglichen Form.
 

GESAMTWERTUNG: 5,01 Punkte (gut-)

 

TIMELESS SEASON 2

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Zum Zeitpunkt dieses Eintrags hängt das Schicksal von „Timeless“ noch in den Seilen. Würde man mich unter dem Eindruck der zweiten Staffel nach einer Fortsetzung fragen, so wäre meine Antwort: „Nee, lass mal“.

Wie schon nach den ersten beiden Episoden befürchtet, tat der Show die Idee mit den in der Zeit implantierten Schläferzellen, die fröhlich die Geschichte verändern können, nicht wirklich gut. Hinsichtlich der angeschnittenen historischen Ereignisse packte mich sehr wenig und das lange Zeit auf befriedigenden Bahnen verlaufende Finale wurde mir versaut, weil Showrunner Eric Kripke einfach mal die selbst installierte Zeitreiseregel über den Haufen warf. Zeitreisen- und Geschichtsexperte Prof. Dr. hist.ser.chck Inishmore urteilt: „Schaut euch lieber die erste Staffel an, die war noch okay“.

GESAMTWERTUNG: 4,22 Punkte (durchschnittlich)

HOMELAND SEASON 7

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Wieder eine sehr gelungene Staffel von Homeland, in der aktuelle Themen wie russische Einmischungsversuche in die US-amerikanische Demokratie und Fake News packend inszeniert dargeboten wurden. Alle Hände voll zu tun für meinen Lieblingsrauschebartonkel Saul und Eskalier-Carrie, deren kleine Tochter Franny sicher einmal einen Psychologen reich und glücklich machen wird. Kleine Punktauszüge setzt es für die etwas unglaubwürdige Hacker-Bezirz-Aktion in Episode 7×02 und nun ja, bei der finalen Szene konnte ich fast ein Schmunzeln nicht unterdrücken, das war mir etwas zu sehr drüber. Ansonsten lagen alle Folgen souverän zwischen 5 und 5,5 Punkten.

GESAMTWERTUNG: 5,42 Punkte (gut+)

114 (März 2018)

29 Mrz

Ich hätte wirklich Lust, mich zu beschweren. Schon wieder fast zwei Monate kein neuer Seriencheck! Was ist denn das los?

Wenig, um ehrlich zu sein. In letzter Zeit gab es nicht so die großen, neuen Knaller, gerade im Comedy-Bereich dümpelte einiges vor sich hin, was auf meiner Guckliste steht. Wenigstens startet nun „Silicon Valley“ wieder, darauf setze ich aktuell meine Hoffnungen. Neben ein paar abgeschlossenen Shows und Ersteindrücken schreibe ich auch kurz etwas zu den etablierten Comedy-Serien, die mittlerweile alle mehr als die Hälfte ihrer Staffelfolgen hinter sich haben.

STAR TREK: DISCOVERY (SEASON 1)

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Die neue Star Trek-Serie hat die Fans gespalten. Die einen desertierten gleich komplett rüber auf die USS Orville, andere meckerten über die neue Ausrichtung mit superkrassem Sporenantrieb, einem anweisungsresistenten und kaum sympathischen Captain Lorca sowie den neuen Klingonen, deren Sprachduktus inklusive nerviger Untertitelung generell wenig Freunde fand. Ich für meinen Teil stand den neuen Weltallabenteuern positiv gegenüber, fand den Ansatz erfrischend, konnte mit den ollen Stirngebirgsträgern aus Qo’noS eh nie viel anfangen und hatte stattdessen in Saru, dieser Mischung aus Angsthase und Bürovorsteher mit Alien-DNS sofort meinen Lieblingscharakter gefunden. Wertungsmäßig spiegelte sich dies in fast durchgehend 5,0 Punkten, mit dem Ausflug ins Spiegeluniversum und ein paar richtig netten Twists und Plotentwicklungen im letzten Drittel ging es sogar stetig eine Stufe höher. Genug geschrieben, Daumen hoch, knappes „Sehr gut“ drauf, allgemeine Freude. Wäre da nicht das Finale gewesen…

Tja, denn dort reißen Michael Burham und Co. leider ziemlich viel von dem, was man sich im Laufe der Staffel aufgebaut hat, wieder mit dem Hintern ein. Okay, die Serie muss sich letztlich stimmig in den allgemein gültigen Star Trek-Kanon eingliedern; aber auf mich wirkte die letzte Episode, als hätte man einem brodelnden Vulkan den Stöpsel gezogen und das ganze flüssige Feuer wäre hinten den Abfluss blubberfrei runtergeschäumt. Oder als hätte Scotty in langen Überstunden die Warpspulen endlich auf Warp 11 getunt und dann beim Anfahren die Kiste absaufen lassen. Da steckte teilweise gar keine Mühe mehr dahinter, die aufgebaute Spannung glaubwürdig aufzulösen. Und so ist „Discovery“ die erste Serie hier in meiner kleinen Rubrik, die es schafft, keine einzige durchschnittliche oder nur befriedigende Folge abzuliefern, sondern 10x 5,0 und 4x 5,5 Punkte einzufahren, aber dafür im Finale mit 3,5 Punkten zu unterwältigen. Auch eine Leistung. Unterm Strich reicht es dann doch „nur“ für ein solides „Gut“. Nachricht an das Sternenflotten-Hauptquartier: Bitte in der nächsten Staffel nicht nochmal so einen Fauxpas raushauen.

GESAMTWERTUNG: 5,21 PUNKTE (gut)  

THE X-FILES (SEASON 11)   

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Das war es dann wohl. Akte zu, Deckel drauf, noch schnell die „I love Dana Scully“-Sticker abgepfriemelt und dann ab in die wohlverdiente Ablage. Comebacks sind freilich nie ausgeschlossen, aber die Quoten waren wenig berauschend, Gillian Anderson stellt sich für eine Fortsetzung nicht mehr zur Verfügung und das Finale funktionierte zumindest als brauchbares Ende der Show, wenn auch sonst zu nicht viel mehr.

Was schreiben wir also als finalen Vermerk? Akte X #11 war eine gemischte Tüte. Sehr gut waren von meiner Warte aus die over-the-top-silly-Episode „The Lost Art of Forehead Sweat“ und die bewusst dialogarme, dafür stark inszenierte Automatisierungsdystopie „Rm9sbG93ZXJz“. Für das Wiedersehen mit Richard Langly in „This“ ließ ich gerne die 5,0 Punkte springen. Der Rest hingegen konnte für mich nicht mehr das ungute, grüblerische „Mmmh, nicht auszuschließen, dass es so passiert ist“-Gefühl aus den 90ern transportieren, sondern landete eher in der Kategorie „Naja, nicht wirklich“. Vor allem das trashige „Nothing Lasts Forever“ erinnerte mich an eine späte (und daher per se schlechte) Ausgabe von „American Horror Story“. Und der große Storybogen? Wird im Finale zu einem Ende gebracht, wobei Chris Carter zwar ein eher mäßig gelungenes Bouquet seiner Verschwörungs- und Täuschungsfäden bindet, mit dem Fans der Serie aber leben können. Denn anders als der Abschluss der Vorgängerstaffel tat es beim Zuschauen diesmal nicht weh.

GESAMTWERTUNG:4,80 PUNKTE (befriedigend)

SANTA CLARITA DIET (SEASON 2)

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Ich befürchte, ich werde mir nie wieder „Justified“ ansehen können. So hieß die Show, in der Timothy Olyphant den schießfreudigen, unerbittlichen, aber coolen Sheriff aus Ost-Kentucky gab. Vorbei. Stattdessen sehe ich den guten Mann nur noch als nervös grinsendes Weichei vor mir, der mal wieder die Menschenfleisch-Eskapaden seiner untoten Ehefrau ausbügeln muss. Die erste Staffel fand ich damals richtig erfreulich frisch, eine sehr gut gelungene Mischung aus schräger Komödie, bisschen Ekelgedöns und der ständigen Frage „Was sollen nur die Nachbarn denken?“. Zum Auftakt der neuen Folgen befürchtete ich schon, dass der Zauber verflogen, quasi das „Trademark“ der Show bereits ausgelutscht sei.

Aber es sollte sich dann doch in die richtige Richtung entwickeln. Bedeutet: herrlich skurrile Momente wie die kopflastige Rolle von Nathan Fillion, die Nazis und ihre Schrankwand, der Tango, der „Dexter“-Tribute, der Blackout von Sheila (Drew Barrymore) oder das grinsende Portrait von Joel. Die Charaktere sind durch die Bank liebenswert, wobei aus meiner Sicht – ohne die Leistung des restlichen Casts schmälern zu wollen – Mr. Olyphant mittlerweile die Show zu einem beachtlichen Teil trägt. Ganz an die Qualität der Premierenstaffel kann man insgesamt nicht anknüpfen, was unter anderem an dem ziemlich unnötigen Nebenplot mit dem Fracking liegt, den man zweifelsfrei nur für eine Situation im Finale eingebaut hat. Wobei mir eben dieses Finale zum Ende hin dezent in Richtung „mmh, ein bisserl zu blöd ist das schon“ rutschte.

GESAMTWERTUNG: 5,10 Punkte (gut)
ASH VS. EVIL DEAD (SEASON 3)

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Eine Staffel bereits weiter im „Quatsch&Matsch“-Genre ist Ash Williams, der sich zu Beginn seiner neuen Schnetzeleien unerwartet als Vater einer Tochter im Teenager-Alter wiederfindet. Ansonsten alles wie gehabt. Das Böse will Slashy Ashys Stammbaum abholzen und läuft dabei forsch in die laufende Kettensäge. Sind wir mal ehrlich: Wir gucken das alle wegen der Sprüche von Oberkinn Bruce Campbell plus ein paar over-the-top Sauereien mit ordentlich Blut-und-Knochengemantsche. Nach vier Episoden in Season 3 ist diesbezüglich festzuhalten: Es wiederholt sich doch einiges, die Zahl kreativer Ekelkills der hochfeinen Sorte ist nun eben auch begrenzt, es schmoddert sich halt nicht mehr so lässig aus der Hüfte wie früher. Liegt derzeit bei mir direkt an der Schnittstelle zwischen befriedigend und gut. Bin gespannt, in welche Richtung es gehen wird.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 4,75 PUNKTE (befriedigend)

TIMELESS (SEASON 2)

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Jetzt mal alle die Luft anhalten, denn: RITTENHOUSE ist zurück! Die umtriebige, böse Geheimorganisation, die mittels Zeitreisen ihre so schon schlimm große Macht noch steigern will und die generell an allem schuld ist. VERDAMMTES RITTENHOUSE! Ihre neueste Schandtat: Schläferzellen in der Vergangenheit einpflanzen, die dann unentdeckt die Geschichte korrumpieren. Pfui. Gut, dass unsere Helden Rufus, Lucy und Wyatt sich dem tapfer entgegenstellen.

Es war zweifelsfrei eine Überraschung, dass „Timeless“ für eine zweite Staffel verlängert wurde. Als Fan von Zeitreisen gucke ich mir das gerne an, hier da fallen ein paar witzige Sprüche ab, man lernt ein bisschen was über (amerikanische) Geschichte, das Trio in der Zeitreisekapsel (Geschichtsprofessorin, Techniker, Muskelmann) wächst einem ans Herz. Mit dem neuen Schläferzellen-Plot geht allerdings nun größtmögliche Drehbuchfreiheit einher, will sagen: die Autoren können sich jeden Quatsch einfallen lassen. Bisher haben mich die Szenarien (Stock Car Rennen in den 50ern, Diebstahl des Drehbuchskripts zu „Citizen Kane“) aber noch nicht packen können.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH DREI EPISODEN:  4,33 PUNKTE (DURCHSCHNITTLICH)

HOMELAND (SEASON 7)

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Ich überlege gerade, mir einen Vollbart wie Saul Berenson wachsen zu lassen. Was ganz klar nur eins bedeuten kann: Homeland hat mich wieder am Schlawittchen! Zwar hat man in der Welt von Carrie und Saul weiterhin keinen Trump-Typen im Weißen Haus, dafür spiegelt man aktuelle Themen wie russische Interventionen, Fake News und irre Verschwörungstheoretiker, denen von leichtgläubigen Landeiern Glauben geschenkt wird. Daneben muss sich unsere Heldin mittlerweile ihre Medizin selbst dosieren und Mr. Rauschebart als nationaler Sicherheitsberater die Kohlen aus dem Feuer holen. Läuft.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH  SECHS EPISODEN: 5,18 PUNKTE (gut)

Zum Abschluss die Zwischenstände bei diversen Comedy-Serien, inklusive kurzer Bemerkungen:

Black-ish  4,58 Punkte (15 Episoden)
Läuft nicht rund bei den Johnsons. Nicht dass man nur noch ernste Themen anspricht, nein, es fehlen mir seit vielen Episoden einfach die richtig witzigen Momente.

Brooklyn Nine-Nine 5,23 (12)
Immer noch stabil wie die Brustmuskeln von Terry Crews.

Kevin Can Wait 4,47 (19)
Kevin versucht’s mehr oder minder allein zu reißen. Klappt nicht immer. Und nein, das Zusammenspiel mit Leah hat halt nicht mehr King of Queens-Niveau.

L.A. to Vegas 4,50 (9)
Entwickelt sich auch nicht so gut wie gedacht. Peter Stormare ist im Drama wohl besser aufgehoben und Ed Weeks nervt mit seiner Unlustigkeit.

Life In Pieces 5,10 (14)
Hat sich nach der doch deutlich schwächeren zweiten Staffel mittlerweile gut gefangen.

Man With A Plan 4,76 (14)
Joey aus Friends schlägt Kevin aus King of Queens. Wegen besserem Ensemble und besseren Drehbüchern.

Modern Family 4,80 (16)
War auf einem richtig tollen Weg und haut dann jüngst drei wirklich nur durchschnittliche Episoden am Stück raus. Was den Schnitt wieder auf unter 5 Punkte schiebt. Schade.

Superior Donuts 4,33 (15)
Maz Jobrani und Judd Hirsch sind dann doch leider zu wenig, um überlegene Comedy zu backen. Bleibe wegen den beiden trotzdem dran.

The Goldbergs 5,02 (16)
Tun sich schwer, die guten 80er Jahre-Themen sind wohl durch. Heimsten dafür mit der Episode „Dinner with the Goldbergs“ allerdings die Höchstwertung (6,0 Punkte) ein.

The Middle 4,28 (17)
Hey, man guckt es halt, weil es die letzte Staffel ist.

The Simpsons 4,68 (12)
Für eine Simpsons-Staffel jenseits der 20 gar nicht so übel.

Young Sheldon 4,63 (15)
Ist nun mal Sheldon. Guckt man weg, ohne dass es schmerzt. Hat ab und an auch nette Momente.

113 (Januar 2018)

29 Jan

Es hat gedauert, es ist spät geworden, doch nun kann ich mit Stolz in der Stimme den 3-5 Lesern dieser Rubrik und den Hunderten von Suchanfragen-Bots verkünden: „Da isser wieder, der Seriencheck“.

MR. ROBOT (SEASON 3)

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Das Hacker-Drama um Elliot Alderson hatte bei mir stark mit den Nachwehen der 2. Staffel zu kämpfen. Da blickte ich nämlich zum Finale so dermaßen wenig durch, dass ich mich jetzt noch nicht dazu aufraffen könnte, eine Zusammenfassung aus mir herauszuholen. Wahrscheinlich war ich da nicht der Einzige, denn Schöpfer Sam Esmail hat sich in dieser Staffel darauf besonnen, wieder mehr Struktur und Übersichtlichkeit reinzubringen. Weshalb er als Ziel und Motto den großen Reset ausrief, um niemanden mit zu vielen Neuheiten zu verwirren.

Season 3 ist gut angebunden an die starke Debütstaffel, beleuchtet einige Lücken in der bisherigen Story, setzt auf die bekannten Charaktere und wirft mit dem von mir hochgeschätzten Bobby Cannavale („Boardwalk Empire“, „Vinyl“) nur eine bedeutende neue Figur in den Ring. Qualitätsmäßig liegt man damit durchgehend im grünen Bereich von 5 – 5,5 Punkten, nur die Auftaktepisode blieb für mich eine Stufe darunter. Es sind also wieder richtig starke Episoden dabei, weshalb ich insgesamt das dritte Jahr des Wirkens von Mr. Robot all jenen empfehlen kann, die der Serie nochmal eine Chance geben wollen. An die glorreichen Momente der ersten Season kommt man aber nicht heran.

GESAMTWERTUNG: 5,25 PUNKTE (gut)

THE ORVILLE (SEASON 1)

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Okay, da setze ich mich mit meiner Wertung wahrscheinlich in die Nesseln. Mistgabeln mögen geschärft, Fackeln angezündet, Schlagringe aufgezogen, Trolle tagelang bei Wasser und Brot gehalten werden. Aber ich kann’s nicht ändern. Ich fand „The Orville“ nicht sonderlich gut.

Im Netz und im Bekanntenkreis wird Seth MacFarlanes Hommage an „Star Trek: Next Generation“ gelobt und gepriesen: Keine Starfleet-Steifheiten, herrlicher, gut dosierter Humor, tolle Geschichten, liebenswerte Charaktere. Manch einer hat die Show sogar schon zum „besseren Star Trek“ ausgerufen.

Nee. Ist es nicht. Aber dass ich alle Folgen gesehen habe, spricht schon dafür. dass zumindest gute Ansätze vorhanden sind. Es gibt Gags, Situationen und lockere Sprüche, die mir absolut ein Schmunzeln entlockt haben. Ich mag Lt. Cmdr. Bortus und Yaphit mit all ihren Seltsamkeiten. Von der Optik kommt feinstes Next-Generation-Feeling auf. Aber ich hatte nur eine Episode (1×04 If The Stars Should Appear), die ich mit 5 Punkten bewerten konnte, weil alles stimmte, einem die Story nicht bekannt vorkam und nichts nervte. Alle anderen Folgen hatten mindestens den einen Moment, in denen ich zum Jean-Luc-Picard-Gedächtnis-Facepalm ansetzen wollte. Mal ging ein Witz daneben, mal kopierte man schlecht, mal riss man Plotholes auf oder rettete sich schnöde simpel mithilfe des Drehbuchs. Anders gesagt: Man konnte die Uhr danach stellen, irgendwann würden Seth & Co mich als Zuschauer rausreißen, indem sie einen raushauen. Ob ich die nächste Staffel schauen werde? Wahrscheinlich. Weil ich mich dann wieder darüber aufregen kann.

GESAMTWERTUNG: 4,38 PUNKTE (durchschnittlich)

THE END OF THE F***ING WORLD (SEASON 1)

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17 Jahrrr‘, Welt im Arrrsch, so stand sie vor mir„, hätte der gott-hab-ihn-selige Udo Jürgens gesungen, wenn er noch in den Genuss von „The End Of The F***ing World“ gekommen wäre. Denn die beiden Protagonisten der Show sind beide in diesem Alter und dafür, nun ja, schon ziemlich fertig mit der Welt. James (Alex Lawther, „Black Mirror“) etwa ist sich sicher, ein Psychopath zu sein und will einen Menschen töten. Wie gut, dass sich da Alyssa (Jessica Barden, „Penny Dreadful“) anbietet, die ihrem Kaff und ihrer Familie entfliehen will. Gemeinsam begibt sich das Teenie-Pärchen auf eine schräge Reise.

Netflix hat diese für den britischen Channel 4 produzierte Show in sein Program aufgenommen und ich wäre wirklich gerne bei dem Pitch und der heftigen Abwinkewedelei von anderen Sendern dabeigewesen. Denn „The End Of The F***ing World“ ist ein rabenschwarzer Roadtrip, eine vor Absonderlichkeiten triefendes Abenteuer mit einem guten Schuss Trübsinnigkeit und deshalb ganz anders als die gewohnte Sendekost. Die 8 Folgen à 20 Minuten lassen sich schnell und sehr unterhaltsam weggucken, sofern man mit dem Setting etwas anfangen kann. Mir jedenfalls sind die beiden Jungdarsteller schnell ans dunkle Herz gewachsen, ihre – oft mit Indie-Songs musikalisch unterlegten – Erlebnisse haben mich für das seltsame Pärchen eingenommen und der Humor (ihr kommt nicht drauf, welche Farbe) greift auch nicht zu kurz. Ein Sonderlob möchte ich noch für das Ende aussprechen, das so rund gelungen ist, dass ich trotz meiner Sympathie für die Show keine Fortsetzung sehen wollen würde.

GESAMTWERTUNG: 5,45 PUNKTE (sehr gut)

BLACK MIRROR (SEASON 4) 

Weil „Black Mirror“ stets separate Geschichten erzählt, bietet sich zunächst einmal eine Einzelbewertung an. Die fiel für diese Staffel wie folgt aus:

4×01 USS Callister 5,5 Punkte (sehr gut)

4×02 Arkangel 4,5 Punkte (befriedigend)

4×03 Crocodile 5,0 Punkte (gut)

4×04 Hang The DJ 5,5 Punkte (sehr gut)

4×05 Metalhead 5,0 Punkte (gut)

4×06 Black Museum 5,0 Punkte (gut)

Der Kenner sieht sofort: Die dicken Highlights sind rarer gesät als üblich. Was damit zusammenhängt, dass mir bei einigen Episoden der fiese Schlag in die Magengrube fehlte, der bisher ja so etwas wie das Markenzeichen der Dystopie-Serie bildete. Obendrauf kommt dann noch, dass einige Zukunftsszenarien bereits früheren Folgen durchgespielt wurden. Dem durchaus packend inszenierten „Metalhead“ fehlt eine Geschichte, „Arkangel“ behandelt ein interessantes Thema, um dann unspektakulär zu enden und „Black Museum“ dreht für meinen Geschmack zu sehr an der Schrägheitsschraube. Alles Punkte, die die Episoden weiterhin unterhaltsam sein lassen, aber letzten Endes verhindern, dass „Black Mirror“ dieses Jahr über ein „gut“ hinauskommt.

 

GESAMTWERTUNG: 5,18 PUNKTE (gut)

CURB YOUR ENTHUSIASM (SEASON 9)

Da kann ich mich kurz fassen, bei meinem Eindruck der ersten sieben Folgen im letzten Seriencheck habe ich ja schon das meiste geschrieben. Larry David hat die Pause gut getan, der alte Mann bringt wieder beachtliche und bekopfklatschenswerte Leistungen in den Kerndisziplinen Fremdscham, Eskalation und Nervigkeit. So gelingt erfreulicherweise der Sprung kurz vor der Grenze zum „Sehr gut“ (im Vergleich dazu bekam Season 8 aus dem Jahr 2011 von mir nur 4,70 Punkte). Unter den Umständen darf die Show von meiner Seite aus gerne demnächst ihr zweistelliges Jubiläum feiern.

GESAMTWERTUNG: 5,40 PUNKTE (gut)

THE WALKING DEAD (S08E01-S08E08) 

Selten habe ich zwei Folgen einer TV-Serie so lange vor mir hergeschoben wie bei „The Walking Dead“. Zwei Folgen standen noch bis zur traditionellen Halbzeitpause an und ich wollte einfach nicht. Zu sehr hatte mir das bisher Gesehene zugesetzt, mich betäubt, meine Hoffnungen auf eine gute Season zerstört.  Da läuft nichts mehr, das irrt nur noch ziellos umher und schickt den Zuschauer in die verdiente Müdigkeit.

Und was soll ich sagen? Die Episoden „Time For After“ und „How It’s Gotta Be“ haben es auch nicht mehr rausgerissen. Ladies and gentlemen, werte Zombies: Das hier ist die mit Abstand schlechteste Staffel der Untoten-Saga. Selbst das für die letzten Minuten des Finales aufgebaute schicksalhafte Drama um eine Figur hat mich so kaltgelassen wie Eugenes Versuche, witzig und eloquent zu wirken. Ich gucke das nur wirklich noch noch weiter, um zu sehen, wie tief sie die Show noch in die Scheiße reiten können.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 8 EPISODEN: 3,88 PUNKTE (unterdurchschnittlich)

L.A. TO VEGAS (SEASON 1)

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Jedes Wochenende fliegen Menschen von L.A. ins Spielerparadies Las Vegas. Was auf den Hin- und Rückflügen an komischen Geschichten passiert, erzählt diese FOX-Serie.

Gags im Flugzeug? Da denke ich natürlich sofort an die herrlich bescheuerten „Airplane!“-Filme, weshalb ich für „L.A. To Vegas“ im Direktflug empfindlich war. Dylan McDermott („American Horror Story“, „The Practice“) als eingebildeter Pilot gibt schon was her, Peter Stormare („American Gods“) sehe ich eh immer gerne, dazu werfen sich Steward (Nathan Lee Graham, „Zoolander“) und Stewardess (Kim Matula, „UnREAL“) ein paar zynische Dialoge zu – das reicht nach den ersten vier Episoden, um im höheren 4-Punkte-Bereich und damit auf meiner Comedy-Serien-Guckliste zu landen. Falls man allerdings an stabiler Flughöhe verlieren sollte, wird umgehend äh…umfliegend gecancelt.

 
DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 4,83 PUNKTE (befriedigend)

THE X-FILES (SEASON 11)

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Bringen wir es knallhart auf den Punkt: „Akte X“ funktioniert in seiner jetzigen Form als eigene Karikatur eindeutig am besten. Die Finalfolgen der letzten Staffel waren mit das Schlechteste, was ich mir im vergangenen Jahr anschauen durfte. Ich werfe da nur Stichwörter wie „wilde, wirre Aneinanderreihung von Verschwörungstheorien“, „schlecht
inszenierte Apokalypse“, „dezent lächerliche Rettung“ und „Cliffhanger zum Kopfschütteln“ in die Runde.

Der Auftakt zur nun 11. Staffel versucht die Wogen zu glätten, aber es fehlt mir in jeder Episode stets ein gutes Stück (sei es in Sachen Inszenierung, Logik oder schlicht der Story), um von einer rundum gelungenen Ausgabe zu sprechen. Ausnahmen: Wenn man für die alten Fans Charaktere wie Langley auftreten lässt oder eben in einer Folge wie „The Lost Art Of Forehead Sweat“ sich selbst und die eigene Show nicht mehr auch nur ansatzweise ernst nimmt, sondern sie stilvoll aus dem Rahmen fallend verulkt.

Letzterer Episode hat die Staffel den bisher noch hohen Durchschnittswert zu verdanken. Nicht auszuschließen, dass die verbleibenden Folgen wieder einiges einreißen.



DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 4,93 PUNKTE (befriedigend)

112 (November 2017)

17 Nov

Diesmal ist so ziemlich alles dabei, was man beim TV-Seriengucken an Emotionen durchleben kann. 80er Jahre-Nostalgie, ans Herz gewachsene Figuren, comichafter Spaß, frühzeitiger Abschied, verständnisloses Kopfschütteln, tiefe Enttäuschung und schließlich köstliche Fremdscham über einen alten, weißhaarigen Mann, der es einfach nicht mal gut sein lassen kann. Hier die aktuellen Staffelabschlusswertungen und Kurzeindrücke.

STRANGER THINGS (SEASON 2)

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War ja ein formidabler Hit, die erste Staffel um die 80’s-Nerdkids-Bande mit ihrer mysteriösen Power-Freundin Eleven, dem Demogorgon und der düsteren Parallelwelt Upside Down. Würde die zweite Staffel das Niveau halten können? Will Nancy eher mit Jonathan oder doch mit Steve? Und was zur Hölle ist jetzt wirklich genau mit Barb passiert?

Meine Gedanken zur Serie entwickelten sich beim Anschauen wie folgt:

Folge 1 und 2 = Hurra, „Stranger Things“ läuft wieder, die Kinder sind wie gehabt super, ist ja wie Heimkommen, Maxine „Madmax“ passt prima rein, aber ihr Bruder ist doof, sichere 5 Punkte.

Folge 3 = Ach, der Dustin, man muss ihn einfach gern haben. Der Bub hat aber auch nix aus der ersten Staffel gelernt und schiebt den nächsten großen Demogorgon-Huddel an. Mmmh, ein bisschen geht die Show mir doch zu sehr auf Nummer sicher, reißt
dafür aber die zuvor perfekt funktionierende Kombination aus Eleven und den Kids
auseinander. Ist ohne Zweifel immer noch okay, aber so richtig umhauen
tut es mich nicht. 4,5 Punkte

Folge 4 =  Okay, aus der D’Artagnan-Geschichte entwickelt sich erfreulich unterhaltsam Ungutes. Weil ich die Episode zuvor kritisch war, diesmal 5,5 Punkte.

Folge 5 =  Gut was los an allen Fronten. Eleven erfährt etwas über ihren Hintergrund, Jim und später Will stecken in Schwierigkeiten, 5,5 Punkte.

Folge 6 = Mmmh, irgendwie erzählen sie ja schon quasi dieselbe Geschichte noch einmal und stecken ein paar neue Charaktere rein. Ja, komm‘, eine 5,0 kann man noch ziehen. Die Tendenz geht langsam aber wieder zur 4,5 Punkte-Befriedigend-Wertungskarte.

Folge 7 = Okay, das werden jetzt definitiv wieder nur 4,5 Punkte

Folge 8 und 9 = Ach, jetzt drehen sie doch noch ordentlich hoch. Action, Drama, Eleven räumt auf,  zusätzlich wärmen diverse herzige Momente meine alte, schwarzverkrustete Blutpumpe. Zweimal 5,5 Punkte. Billy aber war wirklich ziemlich unnötig. Für die nächste Staffel bitte etwas mehr Neues einfallen lassen.

Man erahnt es: Die ganz hohen Wertungsweihen bekommt „Stranger Things“ bei mir diesmal nicht mehr. Trotzdem waren die 9 Folgen gute Unterhaltung, die sich erneut aus den schauspielerischen Leistungen der jungen Darsteller speiste, aber eben mehr leicht veränderte Variante der ersten Staffel denn ein neues, eigenständiges Abenteuer war. Die letzten beiden Episoden haben mich aber dann doch endgültig wieder versöhnt und die Show in sichere „Gut“-Gefilde gehievt.

GESAMTWERTUNG: 5,31 Punkte (gut)

ATYPICAL (SEASON 1): 

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Für mich ein absoluter Geheimtipp im Portfolio von Netflix. Dramedy ist normalerweise nicht so sehr mein Ding. Bei „Atypical“ jedoch sind mir die Charaktere frühzeitig dermaßen ans Herz gewachsen, dass das Thema „Autismus, der Drang nach Unabhängigkeit und seine Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien“ mir als Zuschauer mit Leichtigkeit, Charme und Witz nahegebracht wurde. Sam (Keir Gilchrist), seine Schwester Casey (Brigette Lundy-Paine), der unglaubliche Zahid (Nik Dodani) sowie die unerschütterliche Paige (Jenna Boyd) sind schlicht wunderbare Figuren, deren Schauspieler/innen mir bis dato komplett unbekannt waren und die mich mit ihrem Talent in ihren Bann gezogen haben. Dicke Guckempfehlung von mir. Weil die Staffel nur 8 Folgen enthielt und mein Wertungssystem eher auf mehr Episoden angelegt ist, runde ich auf „sehr gut“ auf.

GESAMTWERTUNG: 5,45 Punkte (sehr gut)

ME, MYSELF AND I (SEASON 1)

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Alex Riley steht in „Me, Myself and I“ gleich dreifach im Mittelpunkt: Einmal 1991 als 14-jähriger Neuankömmling in einer Stieffamilie (Jack Dylan Glaser, aktuell im „IT“-Remake zu sehen), einmal als frisch geschiedener 40-jähriger Erfinder (Bobby Moynihan, „Saturday Night Live“) in der Gegenwart und schließlich als 65-jähriger Pensionär (John Laroquette, „Night Court“), in der Zukunft anno 2042, der eine alte Flamme wieder für sich entfachen will. Mehr Zeitsprünge kann man nicht in knapp 20 Minuten packen.

Wurde nach 6 Episoden abgesetzt, was ich angesichts mancher von sich hindümpelnder Comedy („The Last Man On Earth“, „The Good Place“) schon ein wenig schade fand. Den guten John Laroquette kann zumindest ich mir immer wieder ansehen, auch die anderen Castmitglieder (u.a. Jaleel „Urkel“ White in einer Nebenrolle) kamen durchgehend sympathisch rüber. Eventuell scheiterte die Show daran, dass sie sich stets um einen herzerwärmenden, wohligen Abschluss einer Episode bemühte, in dem das hohe Loblied auf Familie, Freunde und elterliche Fürsorge gesungen wurde.Wenn ich etwas zu sagen hätte, dürfte eine Show, die in einer Folge über zwei Zeitebenen „Star Wars“ zum Thema hat, nicht voreilig abgesetzt werden. Aber auf mich hört ja keiner.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 4,75 Punkte (befriedigend)

STATUS: vom Sender CBS abgesetzt

 
GET SHORTY (SEASON 1)

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Ziemlich genau „Gut“, aber dann doch eben nicht mehr. So lautet das Wertungsfazit zur ersten Season von „Get Shorty“. An den Darstellern lag es kaum, dass es nicht weiter darüber hinaus ging, schließlich gehören Chris O’Dowd („The IT Crowd“) und Ray Romano („Everybody Loves Raymond“) zu meinen TV-Lieblingen. Es ist eher die Story, die zwar ihre dramatischen bis komischen Momente hat, aber gegen Ende nicht für einen Knaller sorgen kann. Da hatte ich mir gerade für den Plot um den Drehstart eines historischen Liebesdramas mit der Unterstützung durch eine Mafiapatin und ihre Killer etwas mehr Ertrag erhofft. Eine zweite Staffel ist gesichert, vielleicht geht es dann über die Punktlandung auf der 5,0 hinaus. 

GESAMTWERTUNG: 5,00 Punkte (gut)

RICK AND MORTY (SEASON  3)

Manche fanden diese dritte Staffel wie gehabt überragend, manche zogen sich schmollend auf die „Worst Season“-Wertungsinsel zurück. Ich liege da eher in der Mitte, weil ich einerseits die famos abgedrehten Highlights wie „Pickle Rick“ oder das Gespann Rick & Jerry zu schätzen weiß. Andererseits aber auch bei den Episoden „Rickmancing The Stone“, „Rest And Ricklaxation“ oder dem Finale „The Rickchurian Mortydate“ nur eher müde lächeln konnte. Mein Fazit: Die Show hat noch Saft im Tank, für die nächste Staffel könnte man aber gern mehr von dem durchweg leckeren Gagkonzentrat anbieten.

GESAMTWERTUNG: 5,25 Punkte (gut)

 
THE DEUCE (SEASON 1)

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Autor und Produzent David Simon („The Wire“) nimmt uns mit ins New York des Jahres 1971. Genauer gesagt auf die „The Deuce“ genannte 42nd Street, die Querachse mitten durch Manhattan, in der die Sexindustrie ihren Anfang nahm. Hier ist die Bühne der Prostituierten und ihrer aufgetakelten, stets mit Motivieren und Geldzählen beschäftigten, schwarzen Zuhälter. Und der Bars, wo der brutale Alltag mit Alkohol erträglich gemacht und sich ausgetauscht wird. Auf der anderen Seite steht die Polizei, die den Umtrieben Einhalt gebieten will – sofern keine Bestechungsgelder fließen. Wir folgen u.a. der alleinerziehenden Mutter Candy (Maggie Gyllenhaal), die nachts ihren Körper verkauft, aber ohne Zuhälter durchkommen will, und dem Brüderpaar Martino (James Franco in einer Doppelrolle), das – unterstützt von einem Mafiosi – im Kneipen- und im aufkommenden Pornogeschäft Fuß fassen möchte. Denn es ist die Zeit, in der die Bumsbilder das Laufen lernten.

Ein mit präzisem Pinselstrich gezeichnetes Sittengemälde mit authentischen Dialogen, einem eindringlichen Blick auf das Geschäft mit Sex und einer Darstellerriege (allen voran Miss Gyllenhaal), die alles gibt und zeigt. Wem das reicht, dem sei gesagt: Alles prima, alle zufrieden, bitte gucken.

Halt, jetzt kommt doch noch ein Absatz. Denn bei all dem vorherigen Lob fehlte mir dann eben doch etwas: Nämlich Spannung und Dynamik. „The Deuce“ legt mehr Wert auf die Kraft der Bilder und Dialoge, ansonsten passiert – bis auf je einen Tod gegen Ende zweier Episoden – nicht so sonderlich viel. Um es bildlich zu formulieren: Die Show hat keine Lunte, die ab einem gewissen Zeitpunkt das Dynamitfass der Story zum Explodieren bringt. Sie brodelt eher in den Abgründen der Sexualtriebabfuhr vor sich hin. Was mir die Wertung um einiges erschwert hat. Letztlich zog ich ein paar Mal die 5,5, hauptsächlich reichten aber die glatten 5 Punkte. Von daher erklärt sich die etwas niedriger angesetzte Gesamtnote.

GESAMTWERTUNG: 5,23 Punkte (gut) 

9JKL (SEASON 1)

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(Eine Besprechung für alle, die wissen wollen, ob ich auch mal richtig schlechte Serien gucke) 

Frisch geschiedener Mann kehrt zurück nach New York und wohnt im Appartement mit der Nummer 9J. Seine unmittelbaren Nachbarn: die peinlichen Eltern (9K) und der peinliche Bruder (9L). Deren stetes Aufeinandertreffen soll für komische Momente sorgen. Oder wie der Ami sagt: hilarity ensues.

Tut es aber nicht. Ich habe selten eine Show gesehen, die so verzweifelt bemüht ist, komisch zu sein und in allen Bereichen scheitert. Alleine wie der ehrwürdige Film- und Fernseh-Veteran Elliott Gould („Ray Donovan“, „M.A.S.H.“, „Ocean’s Eleven“) in seiner Rolle als Vater der Lächerlichkeit preisgegeben wird, ist ein Trauerspiel. Durchweg alle Charaktere sind nervig und erwecken keine Sympathie beim Zuschauer, was eben auch für den Hauptdarsteller Mark Feuerstein („Nurse Jackie“) gilt. Ich denke nicht, dass dies im Sinne der Macher war. Ich für meinen Teil musste mir nach dem Piloten ein paar Episoden „Everybody Loves Raymond“ anschauen, um langsam aus dem Kopfschütteln herauszukommen.

PILOTWERTUNG: 3,0 Punkte (mäßig) 

GUCKLISTENSTATUS: abgesetzt

CURB YOUR ENTHUSIASM (SEASON 9) 

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Larry ist wieder da. Und er hat zu meiner großen Freude nichts gelernt. Irgendwo zwischen peinlicher Berührtheit, vom Zuschauer flehentlich, aber natürlich erfolglos gemurmeltem „Lass doch gut sein, Larry“ und heimlicher Bewunderung, dass der alte Mann sagt, was wir alle gerne sagen würden, liegt das Erfolgsrezept von „Curb Your Enthusiasm“. Von der Vorgängerstaffel aus dem Jahr 2011 war ich damals schon ein wenig enttäuscht: zu bemühte, zu künstliche Wendungen, keine schreiend komischen Momente, viel Plauschgeplänkel. Deutliche Abnutzungserscheinungen waren zu beklagen.

Für die aktuelle Staffel darf ich aber Entwarnung geben. Die lange Pause hat der Show offensichtlich gut getan, es macht wieder Spaß, dem „Seinfeld“-Miterfinder zuzusehen, wie er in jeder Runde aneckt. Sei es das galante Unterschieben unfähiger Assistenten („Foisted!“), das Verfassen von absichtlich fehlgeleiteten Nachrichten („The Accidental Text On Purpose“) oder die hohe Kunst des „Es-sich-Verscheißens“ mit Hotelbediensteten, Kfz-Mechanikern, Soldaten, Postbotinnen, iranischen Würdenträgern sowie Golfclub-Schrankenwärtern – die neue Staffel bietet wieder die klassischen Momente, für die man die Serie liebt. Läuft auf eine sehr gute Abschlusswertung hinaus.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 7 EPISODEN: 5,36 Punkte (gut)

 
THE WALKING DEAD (SEASON 8) 

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Liebes „The Walking Dead“-Produktionsteam,

Ihr macht momentan einfach alles falsch. Es ist offensichtlich, dass Ihr meinen Blog nicht lest. Tätet Ihr es doch, müsste ich schwer beleidigt sein, denn dann würdet Ihr mit voller Absicht all das in den Mittelpunkt stellen, was mich an eurer Show nervt und ermüdet.

Ich fand das Finale der letzten Staffel furchtbar. Unlogisch, mit dumm handelnden Figuren, ohne echten Payoff. Ein ausgestreckter Zeigefinger in Richtung Zuschauer. Von Shivas Auftritt will ich gar nicht anfangen.

Was macht Ihr? Setzt es gleich im Auftakt qualitätsmäßig konsequent schlecht fort.

Die Nebenfiguren der Show sind meiner Meinung zu allergrößten Teilen so unnötig, dass ich mir nicht mal die Namen merken kann.

Ihr stellt die Kämpfe der Nebenfiguren in den Vordergrund.

Den Charakter Negan hielt ich noch für den Faktor, der die Show in der vorigen Staffel vor trübster Langeweile gerettet hat.

Ihr lasst ihn bisher nur einmal kurz auftreten, nachdem Ihr ihn letzte Staffel schon gut demontiert hattet.

Ich kann mit König Ezekiel und seinem majestätischen Rumgeschwurbele null anfangen.

Ihr widmet ihm den Großteil einer Folge.

Kommt mal bitte wieder in die Spur. Sonst habt Ihr mich als durchaus leidensfähigen Zuschauer verloren. Und wehe, Ihr bastelt eine Folge, die sich komplett um Eugene dreht. Dann bin ich schneller weg als Michonne ihr Katana ziehen kann.

Mit freundlichen Grüßen,



DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 4 EPISODEN: 3,75 Punkte (unterdurchschnittlich)

 
YOUNG SHELDON (Season 1)

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„The Big Bang Theory“ bin ich ja vor ein paar Staffeln endlich entkommen, weil ich es einfach nicht mehr ertragen konnte, wie abgrundtief die Serie gefallen war. Von daher hatte ich nicht allzu große Erwartungen an „Young Sheldon“. Den üblichen Einleitungsabschnitt mit der Inhaltsangabe kann ich mir an dieser Stelle schenken. Es sind halt die Jugendjahre von Sheldon Cooper in Texas. Der kleine abgehobene Streber weiß und kann alles besser, lebt in seiner eigenen wissenschaftsbezogenen Welt, wodurch er alle in seiner Umgebung erschüttert und sich den Aufbau sozialer Bindungen erschwert.

Positiv aufgefallen ist mir Sheldons Schwester Missy (Raegan Revord), für die die Autoren ein paar erfreulich trockene Sprüche ins Drehbuch geschrieben haben. Ansonsten läuft die Show zuverlässig auf der „Du bekommst, was du erwartet hast“-Schiene. Insgesamt ordentliche Unterhaltung, die dritte Episode sogar durchaus gut, allerdings bleibt abzuwarten, ob diese Masche über eine komplette Staffel hindurch trägt.



DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 4,66 Punkte (befriedigend)

111 (September 2017)

29 Sep

Viele, viele bunte Ersteindrücke gibt es diesmal. Aber auch zwei durchgeguckte Staffeln. Aktuell sorgt mein lausiges Freizeitmanagement leider dafür, dass selbst hochwertige Kost wie die fünfte Staffel von „Ray Donovan“ oder sogar „The Deuce“ von den „The Wire“-Machern auf Halde liegt.

Hier also das, was ich zeitlich in den Programmplan einbauen konnte.

THE ORVILLE (SEASON 1)

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Die Erde, 25. Jahrhundert, Sternzeit null, komma null Ahnung. Captain Ed Mercer (Seth MacFarlane, „Family Guy“) bekommt seine Chance, Karriere zu machen. Seine Vorgesetzten geben ihm das titelgebende Forschungsraumschiff, eine Crew mit lockeren und unlockeren Charakteren plus seine in Ungnaden geschiedene ex-Gattin als Ersten Offizier. Beste Voraussetzungen für schief laufende Abenteuer, die mit Witz und Herz nochmal gerade gebogen werden.

Vorab: Das ist kein „Family Guy“ im Weltall. Was angesichts der Laufzeit von über 40 Minuten und der berüchtigten MacFarlane’schen Gag-Trefferquote auch hart geworden wäre. Als erstes fällt auf, wie ehrfurchtsvoll die Trademarks der 80er und 90er Star Trek-Serien kopiert werden. Majestätische Intromusik, edel geschwungene Raumschiffe, das Interieur aus der Next- Generation-Baureihe liebevoll nachgeklöppelt, Freunden von Deep Space 9 dürfte die Bösewichtrasse der Krill optisch bekannt vorkommen (Stichwort: Jem’Hadar), ja sogar die Stimme des Wissenschaftsoffizier-Androiden bemüht sich um einen geflissentlichen Mr. Data-Duktus, so dass ich sicherheitshalber nachsehen musste, ob sich Brent Spiner nicht ein kleines Zubrot verdient hat (kein so ehrenrühriger Gedanke, sind doch mit Brannon Braga, Jonathan Frakes oder Robert Duncan McNeill einige Star Trek-Alumni etwa hinter der Kamera involviert). Die Anwälte von Paramount Pictures jedenfalls müssen wohl gerade geschlossen auf Betriebsausflug mit Weltenzerstörungs-Safari in einem Borg-Kubus sein, dass sie diese Ähnlichkeiten durchgehen lassen.

Am meisten Spaß mit der Show haben sicher jene, die sich bei Picard und Co. immer schon die Frage gestellt haben, ob das ganze hochgestelzte Sternenflottengehabe mit ein paar lockeren Sprüchen, ein bisschen Flapsigkeit, ein wenig Bro-mance, ja auch gerne mal einem behutsam eingeschenkten Pimmelwitz nicht deutlich unverkrampfter und damit schlicht noch besser wäre. Okay, man muss der Show anrechnen, dass sie bei weitem seltener als befürchtet in die Kalauerkiste greift. Und – anders als noch im Piloten – etwa mit der dritten Episode fast durchgängig ein ernsthaftes Thema abarbeitet und sich einen mutigen Ausgang der Geschichte traut.

Trotzdem hat „The Orville“ mich noch nicht für sich einnehmen können.

Die Gründe: 1.) MacFarlane ist nun mal – siehe seine Film-Biografie – kein sonderlich guter Schauspieler. 2.) Der Humor wirkt auf mich zu oft reingepresst nach dem Motto: „Hoho, der Gag wäre bei Star Trek aber nicht durchgekommen“. 3.) Die Drehbücher schließlich vermitteln bisher den Eindruck, als hätte jemand die besten abgelehnten Star Trek-Scripts aufgekauft und Seth dann Witzchen reingemalt. Meine Wertung soll Folgendes ausdrücken: Nicht schlecht, vielleicht sogar besser als befürchtet, aber doch noch weit von der Aufnahme ins Q-Continuum entfernt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 4,50 Punkte (befriedigend)

STAR TREK: DISCOVERY (SEASON 1)

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And now… the real thing.

Also zumindest das, worunter sich die Rechtsinhaber vorstellen, wohin es mit dem Franchise gehen soll. Über 12 Jahre nach dem Ende der letzten Star Trek-Serie präsentiert CBS die Abenteuer der U.S.S. Discovery. Zeitlich spielt die Show etwa 100 Jahre vor Kirk, Spock und Pille und beleuchtet in der ersten Episode ein wenig erfreulich verlaufendes Aufeinandertreffen mit den Klingonen, deren 24 Stämme sich unter einem neuen Anführer vereinen. Auslöser und mittendrin im Schlamassel: die Crew der U.S.S. Shenzhou unter der Führung von Capt. Philippa Georgiou (Michelle Yeoh, „Tiger & Dragon“) und ihrem Ersten Offizier Michael Burnham (Sonequa Martin-Green, „The Walking Dead“).

Optisch sieht das schon mal sehr beeindruckend aus und orientiert sich stark am Aussehen der letzten Kinofilme. Als Zuschauer darf man in diesem Moment halt schlicht nicht daran denken, wie sich das Design in einem Jahrhundert dramatisch verändern wird. Auch die Klingonen sehen verändert, – passend zu ihrem eher grummeligen Wesen – noch verkniffener im Gesicht aus und sind mit einer quälend langen Aussprache ausgestattet, die so manchen US-Zuschauer zusammen mit dem Lesen der Untertitel bereits zum Abschalten nötigen könnte. Einen klaren Minuspunkt für mich kann ich jetzt schon ausmachen: Das Titelthema bleibt zumindest mir nicht im Ohr hängen.

Die eröffnende Doppelfolge lässt sich zunächst viel Zeit, um die Figur der Michael Burnham und ihren Hintergrund vorzustellen, aufgelockert durch ein bisschen Anomalie-Erforschung. Bis es schließlich zu einer großangelegten Konfrontation gelangt, in deren Verlauf einiges an Maschinerie, Ethikvorstellungen und leider auch Logik zu Schaden kommt. Letzteres führte fast dazu, dass ich mit meiner Wertung doch noch ins „befriedigend“ abgerutscht wäre. Weil die erste Episode allerdings als eine Art Prolog funktioniert, zeige ich mich mal gnädig, zumal mir Optik, Ausstattung, schauspielerische Leistungen und Spezialeffekte insgesamt gut gefielen. Wir erinnern uns: Der Auftakt zu „Star Trek: Next Generation“ war damals ja auch eher holprig und es wurde noch eine großartige Serie daraus. Noch den Vorfreude-Bonus auf neue, nicht kopierte SciFi draufgepackt, lande ich bei:

ERSTEINDRUCK: 5,0 Punkte (gut)

ATYPICAL (SEASON 1)

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Da muss ich mich vorab bei Leser, Blogger und Metalbruder im Geiste Alph bedanken, der mich in den Kommentaren auf diese Serie hingewiesen hat.


Sam Gardner (Keir Gilchrist) ist 18, liebt die Antarktis samt Pinguinen und beschließt, sich jetzt eine Freundin zu suchen. Nicht ganz so einfach, wenn man Autist ist. Aber nichts, was man mit Unterstützung von  Schwester (Brigette Lundy-Paine), den Eltern (Michael Rapaport, „The War At Home“ / Jennifer Jason Leigh, „The Hateful 8“) und Therapeutin Julia (Amy Okuda, „The Good Place“) nicht doch hinbekommt.

„Atyical“ ist keine klassische Comedy, sondern fällt in die Kategorie
Dramedy, deren Vertreter schon in erschreckend hoher Zahl zuverlässig an mir abgeprallt sind. Hier aber habe ich Sam und all die anderen Charaktere direkt von der ersten Episode an in mein Herz geschlossen. Liebenswert, schrullig, witzig.

Zu meiner Schande bin ich trotz meiner Begeisterung erst bei der zweiten von gerademal acht Episoden. Gut möglich, dass ich mir die Show unbewusst aufspare, denn ich glaube, dass hier ein echter Geheimtipp lauert. Für den Moment:

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 2 EPISODEN: 5,30 Punkte (gut)

 

GHOSTED (SEASON 1)

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– hey dude, was geht?
– alles locker, bro. und bei dir?
– mega. hab eine smoothe idee für ne show. interested?
– sag an, bro!
– also: 1 genialer, aber para-abgefuckter wissenschaftler und 1 ex-cop werden von geheimer orga recruitet, um unerklärliche mysteries zu erforschen. mit aliens, geistern, gespenstern und so shice.
– alter! wie men in black, akte x und den angeschleimtem hoschis, die wo jetzt bitches sind
– ghostbusters. abba sowas von , yo!
– krass.
– yo. wir zwei also voll die lauchboys, bau’n shit, sind voll am abcreepen und whinen. so funny! dann noch zwei cgi-effekte und fertig ist die lotte
– haste schon ’n script am start?
– nö. is‘ eh bullshit, das machen wir on the fly beim abcreepen und whinen. haha, das wird so derb.
– word. mach ich mit. wo sellen wir den shit hin?
– fox. die nehmen alles, kein stress, mann. nur gechillte dudes dort. lassen uns auch executive producen
– fett. das wird so episch, die crowd wirds abfeiern, alle nur am lolen, weil hey wir sind so funny

So muss das gewesen sein, als Adam Scott („Parks And Recreation“) und Craig Robinson („The Office“) auf die Idee zu „Ghosted“ kamen. Ich mag die beiden Kerle ja und bin mir sicher, dass sie eine riesig spaßige Zeit beim Dreh hatten. Aber für die Pilotfolge, in die man vor dem offiziellen Start im Oktober reinschauen konnte, hätte es vielleicht jemanden gebraucht, der weiß, worüber Zuschauer und nicht nur die Darsteller samt Crew lachen.

ERSTEINDRUCK: 3,5 – 4,0 Punkte (unterdurchschnittlich – durchschnittlich)
PHILIP K. DICK’S ELECTRIC DREAMS (SEASON 1)

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Kurz vor dem Start von „Blade Runner 2049“ (Ich sag’s euch: Dennis Villeneuve wird eines Tages den Kinofilm retten) präsentiert Channel 4 eine jeweils von einer abgeschlossenen Kurzgeschichte von Philip K. Dick inspirierte Serie – dessen „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ bekanntermaßen die Grundlage von „Blade Runner“ bildete. Den Auftakt macht „The Hood Maker“, in dem die junge Gedankenleserin Honor (Holliday Grainger, „The Borgias“) ihren Dienst bei der Polizei unter der Obhut von Agent Ross (Richard Madden, „Game Of Thrones“) antritt.

Düsteres, dystopisches Setting, zynisch trockener Humor – die Warenzeichen des Autoren Dick sind schon mal an Bord. Es fehlt eigentlich nur der Dauerregen und der hochgezogene Trenchcoat. Ebenfalls etwas vermisst habe ich ein richtig fettes Produktionsbudget, welches, richtig eingesetzt, einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte. So muss man sich als Zuschauer schwerpunktmäßig an der Qualität der Story festhalten. Die für den Auftakt in Ordnung ging, mich aber noch nicht vom Verhörtisch hauen konnte. Alleine schon wegen der angekündigten Gaststars wie Steve Buscemi, Bryan Cranston und Liam Cunningham bleibe ich jedoch selbstverständlich dran.

ERSTEINDRUCK: 4,5 Punkte (befriedigend)
THE TICK (SEASON 1)

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In einer Welt, in der man sich an Superbösewichte und Superhelden gewöhnt hat, liegt die Hoffnung der Welt auf einem nervösen Buchhalter (Griffin Newman, „Vinyl“) und einer blaugewandeten Riesenzecke (Peter Serafinowicz, „Running Wilde“).

 

Ich und Superhelden, man kennt die Geschichte. Höchstselten kommen wir beide zusammen, aber das hier ist angenehm schräg und witzig. Die bisher gerade mal 6 Episoden lassen sich locker leicht schmunzelnd weggucken, Griffin Newman gäbe einen prima Morty für eine Realverfilmung von „Rick and Morty“ ab, während Peter Serafinowicz in getragenem Tonfall seltsame Sprüche vorträgt und beide später auf einen brummeligen Superhelden mit schwer schnippischem Sicherheitssystem treffen. Noch die charmante Valorie Curry als Schwester des Tick-Assistenten als Bonus drauf und schon reicht das insgesamt für ein knappes „Gut“.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 5,05 Punkte (gut)

OUTCAST (SEASON 2)

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Die erste Staffel der Gruselserie aus dem Fingern von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman hatte mir überraschend gut gefallen (5,25 Punkte). Nicht zu heftiger Horror, aber das Beste mit den zur Verfügung stehenden Mitteln herausgeholt, dazu ein gut besetzter Cast einschließlich der Kinderdarsteller und natürlich der angenehm an den Nerven zerrende Soundtrack von Atticus Ross.

Staffel 2 fällt demgegenüber ein gutes Stück ab. Die Stärken sind weiterhin vorhanden, aber man wünschte der Show an vielen Stellen den Aufwand bezüglich der blutig-ekeligen Spezialeffekte, der eben bei einem „The Walking Dead“ gerne mal betrieben wird. Den dramatischen Exorzismus-Atemaustausch-Durchschüttler kann ich nämlich langsam nicht mehr sehen. Leider erschafft man unter diesen Umständen auch einen eher preiswert aussehenden, großen Schlussakt im Finale. Immer noch durchaus unterhaltsam, aber weniger erinnerungswürdig.

GESAMTWERTUNG: 4,85 Punkte (befriedigend) 

 

110 (August 2017)

30 Aug

Und wieder hat sich der alte Onkel Ini für das opulente Serienbuffet des vergangenen Monats angestellt und auf den Teller gepackt, was er als gut und lecker erachtet hat. Wobei er einmal daneben greifen sollte…

GAME OF THRONES (SEASON 7)

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Nur sieben Folgen für die siebte Staffel. Dazu die Bürde der überragenden Episoden, mit denen die Fans Ende Juni vergangenen Jahres in die „Winterpause“ geschickt worden waren. Dennoch hat die aktuelle Ausgabe von „Game of Thrones“ wieder geliefert, allerdings mit ein paar Makeln, die auch bei größter Euphorie dann doch nicht zu überjubeln waren.

Es gab viel Wiedersehensfreude, die rigorose Entledigung diverser Nebenfiguren und -handlungsstränge sowie eine neue Hurtigkeit bei den Reisen in und um Westeros – im Vergleich zu früheren Staffeln hatte es den Anschein, als hätte der tüdelige Scotty von der U.S.S. Enterprise bei der letzten Außenmission ein paar mobile Transporter-Plattformen in den sieben Königreichen rumliegen lassen. Oder Raben damit beworfen. Die Special Effect-Crew setzte wieder neue Maßstäbe für TV-Serien und sorgte für weit geöffnete Augen und Münder. Im Gegensatz dazu ließen es die Autoren an einigen Stellen sehr locker zugehen und strickten desöfteren eher maximal semi-überzeugende Aktionen der Figuren, um an einen markanten plot point zu gelangen. Oder ließen Charaktere anders als gewohnt so leicht und luftig von der Schippe des Todes springen, dass es im Gebälk der Nachvollziehbarkeit heftig knirschte. Das Finale selbst bot in der Hinsicht weniger Angriffsfläche, hatte seine großen Momente, aber auch keine wirklichen Überraschungen mehr.

Wie also die Schwächen bewerten? Klar könnte man gnadenlos draufhauen und abwerten, aber dafür bietet die Serie dann doch zu gute Schauwerte und sind die Figuren einem zu sehr ans Herz gewachsen. Die tollen Momente werden eben letztlich doch nicht ruiniert. Drüber hinwegsehen, sich eigene Erklärungen austüfteln und alles hochjubeln geht aber genausowenig. Mein Weg war folgender: Prädikat ist dieses Jahr nicht drin. Bei den Episoden, wo es mir in Sachen Logik zu sehr quietschte, gab ich einmal 5,0 und einmal 4,5 Punkte. Der Rest erhielt 5,5 Punkte. Macht zusammengerechnet:

GESAMTWERTUNG: 5,54 Punkte (sehr gut)

HOUSE OF CARDS (SEASON 5)

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Donald J. Trump ist schuld.
Damit das vorab schon mal klargestellt wird.

Beim Betrachten der mittlerweile 5. Staffel des Politik-Dramas kommt man nicht umhin, daran zu denken, wie viel krasser und gefährlicher sich die politische Realität im derzeitigen Washington präsentiert. Oder anders gesagt: Die Underwoods schocken nicht mehr, die Empörungskrone hat sich längst der orangefarbene, reiche Hohlkopf mit dem Riesen-Ego geschnappt und aufgesetzt. Da mögen sich die Autoren der Show noch so bemüht haben, spannende Handlungsabläufe auszudenken (was auch nicht durchweg gelang), im Vergleich zu einem möglichen atomaren Krieg, Rassismus, Kollusion mit Russland und erstaunlich offen zur Schau gestellter Blödheit kommt eben eine Story wie „Ja holla, am Wahlabend gibt es noch keinen Sieger“ nicht ran.

Spacey und Wright darf man von jeder Schuld freisprechen. Diverse Storylines haben mich eher gähnend zurückgelassen, vor allem ab der Hälfte der Season. Überzeugend hingegen die abschließenden drei Episoden und das Finale, wo man nochmal den guten alten Intrigantenhammer auspackt und die ganz große Rachekeule zu schwingen droht. Insgesamt reicht das diesmal nicht mehr für ein „Gut“, wenn auch nur knapp.

GESAMTWERTUNG:  4,95 Punkte (befriedigend)

FRIENDS FROM COLLEGE (SEASON 1)

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Sechs College-Freunde um die Vierzig leben, lieben, schwelgen in Erinnerungen und stellen sich gemeinsamen Abenteuern in und außerhalb von New York.

Hat mich gelockt wegen den mir bekannten und sehr geschätzten Keegan-Michael Key („Key And Peele“), Cobie Smulders („How I Met Your Mother“), Fred Savage („The Grinder“), Nat Faxon („Ben And Kate“) und Billy Eichner („Parks And Recreation“). Meine zaghafte Hoffnung ging in Richtung „Friends – The Forty-Something-Edition“, eben eine liebenswerte Ansammlung von Charakteren, bei denen man gerne für eine halbe Stunde vorbeischaut.

Was ich bekommen sollte: Nach einem jetzt nicht so berauschenden Einstieg eine gut geglückte Episode um ein Hauskarnickel, das eigentlich zum Tierarzt sollte. Und danach erschreckend planlose Geschichten, bei denen man sich offensichtlich einen Drehbuchautoren gespart hat. Ich sehe es vor meinem geistigen Auge, wie die Regie-Anweisungen verteilt wurden: „Hey Keegan, mach mal eine lustige Stimme“, „Fred, tanz mal“, „Coby, fall mal lustig vom Laufband“. Das Schlimmste war allerdings, dass ich nach den durchstandenen 6 Abenteuern wirklich keinen der Charaktere mehr leiden konnte. Die gingen mir geschlossen alle auf den Keks. Reife Leistung für eine Comedy, die den Namen „Friends“ im Titel trägt. Weshalb es mir auch ein Rätsel ist, dass Netflix bereits eine zweite Staffel geordert hat. Meine Empfehlung: Alle Autoren in die „I’ll Be There For You“-Fachhochschule für Comedy-Writing stecken und das Beste hoffen. Hätte mir die oben erwähnte „Connecticut House“-Folge nicht ganz gut gefallen, der Wertungsdaumen wäre wohl auf „unterdurchschnittlich“ gelandet.

GESAMTWERTUNG: 4,13 Punkte (durchschnittlich)

QUACKS (SEASON 1)

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BBC-Comedy um einen dandyhaften Chirurgen, der showmäßig vor Publikum operiert und sich des Rekords für die schnellste Amputation brüstet; einen Zahnarzt, der seine Betäubungsmittel vorzugsweise an sich oder seiner Frau testet; einen Psychologen mit geringem Selbstwertgefühl und Erfolgsbilanz sowie die Ehegattin des Chirurgs, die eine Karriere als Ärztin anstrebt. Ach ja, wir befinden uns um 1840 in London.

Verschrobene Figuren, trockener Humor, wunderliche Versuche, die medizinische Betreuung aus den Kinderschuhen zu hieven. Hat mir die insgesamt leider nur 6 Episoden durchgehend Spaß bereitet und erhält meine uneingeschränkte Empfehlung für alle, denen „The Knick“ zu dramatisch und blutig ist. Obwohl „Quacks“ auch ein paar unschöne Krankheitsbilder vor die Kamera zerrt, aber die konnte ich durch das Grinsen über die Quacksalber gut ausgleichen. Sonderlob für Rupert Everett als Dr. Hendrick und Andrew Scott als Charles Dickens. Die nächste Staffel, bitte!

GESAMTWERTUNG: 5,27 Punkte (gut)

OZARK (SEASON 1)

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Marty Byrde (Jason Bateman, „Arrested Development“), Finanzberater, verheiratet, zwei Kinder, hat Probleme. Seine Frau Wendy (Laura Linney, „The Big C“) geht fremd. Seine Firma macht Geschäfte mit Mexikos zweitgrößtem Drogenkartell. Sein Partner lässt Geld eben jenes Kartells in die eigenen Taschen verschwinden. Drogenboss Del bekommt Wind davon, wischt einmal blutig durch und schickt Marty samt Familie in die Ozarks (ein stark ländlich geprägtes Hochland um Missouri, Arkansas, Kansas und Oklahoma), um fortan für ihn Geld zu waschen. Aber wehe, er wäscht nicht genug! Keine leichte Angelegenheit, zumal das FBI auch schon Fährte aufgenommen hat und sich der örtliche Bösewicht zu keinerlei freundlichen Aufnahmeritualen bewegen lässt.

„Ozark“ gibt sich als Mischung aus „Breaking Bad“ (Bedrohung durch Mafia) und „Justified“ (Hinterwäldler-Setting), kommt aber letztlich qualitativ nicht an diese heran. Nach einem richtig starken Auftakt und dem Zurechtfinden in der neuen Heimat dümpelt der Plot für ein paar Episoden ein wenig vor sich hin, in denen Marty neue Geschäftszweige für seine Operation klarmacht. Währenddessen sucht sich seine Familie eher seltsame Freizeitbeschäftigungen. Pluspunkte möchte ich verteilen an Julia Garner („The Americans“), die exzellent die durchtriebene Redneck-Göre zum Besten gibt. Das abschließende Folgentrio brachte wieder Zug in die Geschichte, dennoch war ich von einigen Wendungen alles andere als angetan. Wie etwa von einer Enthüllung, die den Zuschauer einen anderen Blick auf Marty und Wendy werfen lässt, einer drehbuchgesteuerten Dummheit, um den status quo wiederherzustellen sowie von der mir immer noch dramaturgisch schlicht blöd und auf Schockwirkung getrimmten Aktion des Laienpredigers. Die zweite Staffel ist bereits gebucht, für die erste gebe ich mal ein leicht erhöhtes „Befriedigend“.

GESAMTWERTUNG: 4,85 Punkte (befriedigend)

GET SHORTY (SEASON 1)

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Miles Daley (Chris O’Dowd, „The IT Crowd“) arbeitet, eher unzufrieden mit der Gesamtsituation, als Handlanger für Amara, die Patin eines Verbrecherrings in der Wüste von Nevada. Gemeinsam mit seinem Kollegen Louis (Sean Bridges, „Rectify“) träumt er während der alltäglichen Schutzgeldabholung und Leichenbeseitigung davon, etwas mehr aus seinem Leben zu machen. Die Möglichkeit hierzu eröffnet sich, als dem Duo beim Besuch eines Autoren ein Drehbuch in die Hände fällt, dass nun mithilfe des B-Movie-Produzenten Rick Moreweather (Ray Romano, „Everybody Loves Raymond“) verfilmt und als Geldwäschevehikel dienen soll. Basierend auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1995 mit John Travolta und Gene Hackman.

Vorab: Den Film habe ich nicht gesehen, kann also keine Vergleiche ziehen. Die Serie gucke ich jedenfalls sehr gerne und zwar weil ich Romano und O’Dowd einfach mag. Hier der zerzauste Filmproduzent, dem es lediglich darum geht, seine Machwerke mit Profit nach Europa zu verscheuern. Dort der kleine Drecksarbeitnehmer mit hartem irischem Akzent, der im Moviebusiness die Fluchtmöglichkeit aus seiner wenig ruhmreichen Karriere sieht. Über beiden der bedrohliche Schatten der wenig zimperlichen Amara, auf deren Lohnliste u.a. der zwielichtige Yago steht, der sich gerne Miles und Louis entledigen würde, um eigene Ziele zu verfolgen. Drei Folgen, dreimal absolut stabile 5 Punkte. Wobei die Story jetzt so langsam in Richtung Beginn der Filmproduktion läuft, von der ich mir einige witzige Momente erhoffe. Ich bleibe dran.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 3 EPISODEN: 5,0 Punkte (gut)

PREACHER (SEASON 2)

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Das Dranbleiben wird mir bei „Preacher“ derzeit leider erschwert. Zwei Episoden vor Schluss tröpfeln meine Wertungen nun schon mehrfach hintereinander im 4,0-Punkte-Bereich. Dabei war ich zu Beginn noch schwer angetan: Reverend Custer und seine Freunde gehen auf einen Roadtrip, um nach Gott zu suchen, (womit sie anders als noch in der ersten Staffel ein klares Ziel vor Augen haben), die fulminante Eröffnungsfolge fährt reichlich Action auf mit „Come On Eileen“ als musikalischer Begleitung, der Saint of Killers hängt dicht an den Fersen und natürlich setzt es viele schräge Situationen. Es läuft rund, bis das Trio in New Orleans landet und der Show Episode für Episode die Luft ausgeht.

Jesse sucht weiter, während Tulip und vor allem Cassidy als Figuren ziemlich leerlaufen. Mit Herrn Starr wird ein Charakter eingeführt, dessen Comic-Ursprung man in jeder Minute spürt. Das ist so dermaßen überzogen, dass man es einfach nicht mehr ernst nehmen kann. Ich hatte schon vorher Probleme mit dieser over-the-top-Einstellung, mittlerweile aber werde ich das Gefühl nicht los, als wäre die Comicband-Vorlage entstanden, weil ein paar Jungs in schummriger Runde einen Joint und eine Bibel haben rumgehen lassen und sich dabei überlegten, worüber Seth Rogen beim Lesen am lautesten gackern würde.Wird schwer, mich für diese Staffel noch zu begeistern.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 11 EPISODEN: 4,73 Punkte (befriedigend)

RICK AND MORTY (SEASON 3)

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Mittlerweile ein Selbstläufer. Normalerweise bin ich bei Animationsserien pingelig, wenn mir der Zeichentrickstil nicht gefällt, aber bei Rick and Morty wird jede Schwäche durch die krankhaft geniale Fantasie von Dan Harmon und Justin Roiland übertüncht. Nach sechs Episoden sind so schon diverse Glanzmomente (Szechuan Sauce, Pickle Rick, Rick & Jerry Episode) entstanden. Wenn ich meckern müsste, dann darüber, dass „Rickmancing The Stone“ und „Rest And Ricklaxation“ demgegenüber qualitativ doch spürbar abgefallen sind. Aber so ist es nun mal, wenn man stellenweise ein hohes Niveau an kreativem Wahnsinn vorlegt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH 6 EPISODEN: 5,28 Punkte (gut)

109 (Juli 2017)

14 Jul

Das große Drama dramatisch zusammengefasst:
Es gibt sehr viele gute Drama-Serien. Aber weiterhin keinen zusätzlichen, wöchentlichen Drama-Serien-Guck-Tag. Ein Umstand, den ich hiermit anprangern möchte. Anpranger! ANPRANGER!

THE LEFTOVERS (SEASON 3)

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Aus, vorbei, alle aussteigen, die bizarre Gefühlsachterbahn „The Leftovers“ ist an der Endstation angelangt. Acht Runden ging es diesmal nur, aber dafür haben Damon Lindelof und Tom Perrotta alle Schleusen der gepflegten Seltsamkeit geöffnet. Ohne Rücksicht auf Verluste beim Zuschauer. Wer die ersten beiden Staffeln toll fand, wird auch diese hier lieben. Es gibt schräge Neuigkeiten zu Jesus, Gott und dem amerikanischen Präsidenten (ja, letzteres ist tatsächlich möglich), ich werde nie wieder „Perfect Strangers“ (hierzulande: „Ein Grieche erobert Chicago“) mit den gleichen Augen ansehen können wie zuvor und sollte mir jemand anbieten, mich nackig in eine Departure Machine zu setzen, die mich in eine andere Welt schleudert (oder auch nicht), fahre ich vorher nach Australien und studiere mit den Eingeborenen ein paar Anti-Regentänze ein.

Kurz gesagt: Ich hatte wieder meinen Spaß, genügend „Ach komm, ich glaub’s ja nicht“-Momente und ein paar Tränenaufblitzler im Auge. Doch zur Frage, die alle und eigentlich niemanden interessiert: Hat das Ding einen würdigen Schluss oder lässt Lindelof einen LOST los? Ich fand die abschließende Episode gut, nicht überragend, sie konzentrierte sich für meinen Geschmack zu sehr auf romantisches Liebesgeflirre. In jedem Fall aber weder ein Fall von „Jetzt kippt’s vor lauter Schrägheit um“ noch „Hat mir die letzten 27 Episoden versaut“. Große Antworten sollte man allerdings keine erwarten und besser auch nicht danach suchen, aber das war schon im Vorfeld klar. Hier ist eben der Weg das Ziel der Reise und das Fazit kann demnach nur lauten: „Man. What. A. Fucking. Trip“.

GESAMTWERTUNG: 5,56 PUNKTE (sehr gut)

BETTER CALL SAUL (SEASON 3) 

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„Better Call Saul“ profitiert in seiner dritten Staffel immens von den bekannten Figuren aus der Mutterserie „Breaking Bad“. Ich teile die Show mittlerweile gerne in den Gangster- und den Anwalt-Storybogen auf.  Und was vorher schon galt, gilt nun umso mehr. Gangster olé, Anwalt gern mal meh. Gus Frings und Hector Salamanca hieven zusammen mit dem eh über alle Zweifel erhabenen Mike Ehrmantraut das Niveau auf allerbeste Unterhaltung, während Jimmy, Kim und Chuck zwar ohne Zweifel ihre Momente haben (in dieser Staffel etwa die Verhandlung und das Finale), aber eben gerne auch Bremsklötze in der Geschichte  auslegen. Das kann man als toll gespielte, ruhige Momente zum Spannungsausgleich begreifen – mich hat es ab und an herausgerissen und die für diese Serie wegen ihrer überragenden Inszenierung schlechteste Wertung, das Befriedigend, zücken lassen. Insgesamt langt es dieses Jahr aber wieder deutlich für den Sprung ins „Gut“. Und so, wie sich der Anwalt-Storybogen mit dem Finale entwickelt hat, kann die Kurve weiter noch oben gehen.

GESAMTWERTUNG: 5,20  PUNKTE (gut)

THE HANDMAID’S TALE (SEASON 1)

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„The Handmaid’s Tale“ geht an die Nieren. Und sei es nur, weil man als
männlicher Zuschauer in der Runde von den weiblichen Zuschauern wegen
eines flapsigen Kommentars umgehend einen spitzen Ellenbogen in eben diesen
Körperbereich gerammt bekommt. Denn eine gesellschaftliche Dystopie, in der Frauen versklavt und unterdrückt werden, um in einer fundamentalistisch-religiösen Diktatur als Gebärmaschinen zu dienen, bietet eher wenig Raum für augenzwinkernde Sprüche. Deshalb streiche ich hier auch meinen beliebten „Hat mir sehr gut gefallen“-Wertungseinleitungssatz.

Die Show ist schauspielerisch großartig besetzt (neben Hauptdarstellerin Elisabeth Moss möchte ich erneut Ann Dowd extra hervorheben), emotional ergreifend bis schockierend, stimmig inszeniert. Hätte es in der Mitte der Staffel nicht zu viel Beziehungs-Hin-und Her gegeben, wäre die Geschichte der Magd noch deutlicher in den sehr guten Wertungsbereich geschossen. Besonders lobend erwähnen möchte ich die finale Episode, die mit mehreren überragend wirkungstreffsicheren Szenen aufwarten kann und sich so das Prädikat 6,0 redlich verdient hat. Statt eines „Weiter so!“ schließe ich lieber mit  

GESAMTWERTUNG: 5,55 Punkte (sehr gut)

FARGO (SEASON 3)

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Die bisher schwächste Staffel von „Fargo“.  
BUMM, jetzt es ist raus. 

Showrunner Noah Hawley ließ verkünden, dass er zur Zeit keine Ideen für eine weitere Staffel hat und ihm vielleicht auch keine mehr einfallen würden. In der Tat merkt man der dritten Season auch an, dass man eher auf bekannten Pfaden wandelt, statt ganz frischen Impulsen zu folgen.

Aber keine Angst, gute Unterhaltung wird weiterhin geboten. Dafür sorgt schon David Thewlis als Bösewicht V.M. Varga. Dessen kaputtes Grinsen und abschweifende philosophische Ausführungen allein haben mich jede Folge vorfreudig erwarten lassen. Dazu noch Ewan McGregor in einer Doppelrolle, Michael Stuhlbarg (leidensfähig), Mary Elizabeth Winstead (as sexy woman with a plan) und Carrie Coon (hartnäckig und resolut). Schauspielerisch gab es nichts zu mäkeln, den Cast sah ich hier sogar stärker noch als jenen im Vorjahr. Leider kommt die Story nach einem starken Aufgalopp eine Zeitlang gar nicht mehr aus den Puschen, da hilft auch eine angenehm spaßig-schräge Episode wie „The Law of Non-Contradiction“ kaum drüber hinweg. Dafür wird zum Finale hin wieder mal ordentlich aufgeräumt. Muss ich die tolle Inszenierung und musikalische Untermalung (Stichwort: Peter und der Wolf mit Billy Bob Thornton als Sprecher) extra nochmal erwähnen? 

GESAMTWERTUNG: 5,45 Punkte (gut)

SHERLOCK (SEASON 4)

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Mit ordentlicher Verspätung (die englische Fassung lief schon zu Beginn dieses Jahres) verkünde ich:

Willkommen zurück, Mr. Holmes und Mr. Watson!

Denn die beiden Ausgaben zuvor haben mich eher weniger in Verzückung geraten lassen. Zu sehr war die Show darauf bedacht, sich an sich selbst zu berauschen, immer wieder noch einen draufzusetzen, statt eine klare, stringente Geschichte zu erzählen. Die nun endlich am vorletzten Wochenende gesichteten drei Episoden machen es wieder besser und haben mich versöhnt zurückgelassen. Ordentlich Drama inklusive Ablebens einer Figur, Holmes am Drogenabgrund, überragende, frische Bösewichter (Toby Jones! Siân Brooke!!), stets verfolgbare Handlung, Spannung, aber eben auch leichte Momente – so wie die Musikauswahl der rüstigen Mrs. Hudson beim Staubsaugen oder Queens „I Want To Break Free“ beim großmäuligen Auftritt von Allzeitübeltäter Moriarty.

Zweimal 5,5 Punkte, einmal 5,0 Punkte. 221b Baker Street ist wieder angesagt.  

GESAMTWERTUNG: 5,43 Punkte (gut) 

AMERICAN GODS (SEASON 1) 

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Sollte es bei den Emmys/Golden Globes die Kategorie „Best disturbing mindfucks in a TV show“ noch nicht geben, man müsste sie spätestens für „American Gods“ erfinden. Was hier Bryan Fuller und Michael Green an Bildgewalt und bizarren Szenen dem Zuschauer durchs Auge an die Hirnrinde klatschen, sucht seinesgleichen. Und das von Anfang an, ohne jegliche Rücksicht auf Verständnislosigkeit und Fragezeichen zurückfunkende Synapsen. Mich hatte die Show bereits direkt mit den Wikingern im Pfeilhagel für sich eingenommen.

Manchem Zuschauer ging dieses konsequente Draufhalten mit dem WTF?-Maschinengewehr auf Dauer zu weit, zur Entwarnung sei aber gesagt: Zum Ende hin ergibt alles im Rahmen des Settings einigermaßen Sinn. Ich fand das Finale sogar im Gegensatz zu manchem Kritiker überragend gelungen und einen würdigen Abschluss des an Seltsamkeiten überreichen Road Trips von Shadow und Mr. Wednesday. Für die Prädikatswertung reicht es dann aber doch nicht, weil…

…ich den Protagonisten Shadow schauspielerisch unbefriedigend fand. Ricky Whittle, das muss man so hart sagen, wird von jeder Figur in der Serie an die Wand gespielt. Er ist halt dabei und nimmt manche irrsinnig erscheinende Wendung in seinem neuen Leben mit einem Schulterzucken hin. War mir zu wenig, blieb mir zu blass. Und ja, die Percussiongeilheit von Bryan Fuller kann einem auf Dauer dezent auf die Nerven fallen – ich bin in der Hinsicht durch die „Hannibal“-Schule gegangen und abgehärtet..

Fehlt noch was? Ian McShane ist eine der coolsten Säue auf dieser Erde. Aber da schreibe ich jetzt wirklich nichts Neues.

GESAMTWERTUNG: 5,68 PUNKTE (sehr gut)    

THE AMERICANS (SEASON 5)

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Bisher also viel Schönes und Hochwertiges im Dramabereich. Nur die Agentenfamilie Jennings und ihre aktuellen Abenteuer fallen leider ein wenig ab. Aktueller Einschub: Es hat mich sehr gefreut, dass Kerri Russell und Matthew Rhys in diesem Jahr jeweils eine Emmy-Nominierung erhalten haben. Absolut verdient für ihre Leistung bei „The Americans“. Einschub Ende. 

Staffel 5 wirkt eher wie eine lange Hinleitung auf das große Finale, das dann wohl in der abschließenden sechsten Season ansteht. Auf meinem Wertungszettel steht ein gelungener Einstieg mit einem dramatischen Bedrohungsszenario, das in den folgenden Episoden allerdings harmlos in sich verpufft. Überhaupt ist „draußen“ nicht so sonderlich viel los, das Drama spielt sich eher zuhause in den eigenen vier Wänden ab. Ausnahme: die hervorragende, weil aufwühlende Episode „Dyatkovo“, in der Elizabeth und Philipp einer angeblichen russischen Nazi-Kollaborateurin nachstellen. Folgen von dieser Intensität und nachhallenden Wirkung hätte ich mir mehr gewünscht. Stattdessen langweilte ich mich eher durch die russischen Untertitel, die Oleg Burov im heimatlichen Moskau in seinem neuen Job als Anti-Korruptions-Cop gemeinsam mit seiner Familie und Kollegen produzierte. Dass anders als in den bisherigen Staffeln diesmal kein emotionaler Tiefschlag als Rausschmeißer anstand, trieb die Wertung dann endgültig ins „Befriedigend“.

GESAMTWERTUNG: 4,82 PUNKTE (befriedigend)

VEEP (SEASON 6)

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Ende Drama. Nachschlag Comedy. Zwei Serien dürfen noch ihre Wertungen einreichen für die TV Saison 2016/17. Und „Veep“ haut in der Hinsicht wieder mächtig rein. Genauer gesagt: Mit dem bisher besten Schnitt seit ich die Show verfolge. Das muss man im sechsten Jahr und im kompetenzfreien Zeitalter des Donald J. Trump auch erst einmal hinkriegen.

Ist man erst mal angefixt von der Chaotentruppe um Mrs. Meyers gibt es kein Entrinnen. Niemand ist so von sich eingenommen wie Selina, keiner so devot wie Gary, keiner so spackig wie Jonah Ryan, keiner so schusselig wie Mike, keiner so zynisch und beleidigungskreativ wie Amy, Kent, Dan, Ben und der Rest der Bande. Fehlen eigentlich nur die extrem trockenen Bemerkungen von Sekretärin Sue, die aber leider nicht mehr mit von der Partie ist. „Best insults in a TV show“ könnte man übrigens auch mal als Kategorie einführen, fällt mir da ein. „Veep“ würde auf Jahre hinaus unschlagbar sein.

GESAMTWERTUNG: 5,70 PUNKTE (sehr gut)

SILICON VALLEY (SEASON 4)

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Die Wertung „sehr gut“ vergebe ich ja eher selten bei Comedy-Serien. Dafür muss man frisch sein, darf nicht einrosten, sich nicht auf den Gag-Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. „Silicon Valley“ schafft das dieses Jahr erneut: Jian-Yangs Wurst-App, Big Heads Professur, Gavins Blut-Junge, der Patent-Troll, ein Wiedersehen mit Haley Joel Osment als Virtual Reality-Revolutionär, Dineshs Umgang mit seiner Freundin, Richards Macken, Jareds Gewissensbisse, Erlichs Trip nach Tibet und Gilfolyles aufopfernder Server Anton – allesamt kleine Story-Leckerbissen mit Witz, liebevoll angerichtet und gerne mal ein wenig drüber serviert. Wertungen durchgehend entweder 5,0 und 5,5 Punkte. Ich setze ein TAB (kein SPACE):    Respekt.

GESAMTWERTUNG: 5,50 PUNKTE (sehr gut)

Demnächst:

Preacher, Season 2 (sehr gute Einstiegsfolge, Stichwort „Come On Eileen“)

House Of Cards, Season  5 (Spacey und Wright wie gewohnt souverän, aber die Story dieser Staffel leidet eher unter der momentanen politischen Realität in Washington als etwa ein „Veep“)