Tag Archives: Running Wilde

44 (Januar 2011)

27 Mai

Die Tage vor Weihnachten war das Programm eher dünn, dafür gingen einige Shows mit weniger Staffelfolgen als üblich zu Ende und es tauchten Screener diverser Neustarts auf. Zeit für den ersten Seriencheck im neuen Jahr.

Retired at 35 (S1E01)

TV Land mit einer Eigenproduktion. TV Land? Üblicherweise finden dort Oldies und Klassiker ihr Zuhause, seit dem Erfolg von „Hot in Cleveland (das ich bisher aber noch nicht gesehen habe), wagt man sich als Sender auch auf frisches Serienterritorium. Wie mit Retired At 35, einer klassischen Comedy mit George Segal (Murphy’s Law) und Jessia Walter (Arrested Development) als in Florida lebende Eltern eines gestressten Anzugträger-Sohnemanns, der seinen Job kündigt, seine Mutter hierdurch spontan zum Durchbrennen animiert und nun mit seinem Vater zusammen die selbst auferlegte Ruhephase verlebt. Erinnert von der Prämisse her ein wenig an „Shit My Dad Says“, aber ohne die schlechten Nebendarsteller. Von der Presse wurde der Pilot bereits vernichtet; mir gefiel hingegen, was sich in der ersten Folge abspielte. Ich sehe allerdings auch gerne Segal, den alten Zausel, in seiner Rolle als Daddy, der die verlorene gemeinsame Zeit mit seinem Sohn nachholen will und damit einige komische Situationen heraufbeschwört. Das ist natürlich keine Revolution oder Weiterentwickung des Genres, aber spricht mich zumindest vom Ersteindruck her eher an als viele der aktuell laufenden Neustarts wie „Mike & Molly“, das bereits erwähnte „Shit My Dad Says“ oder „Outsourced“. Gebe ich eine Chance.

Potenzial: 4,5 – 5 von 6 Punkten

Come Fly With Me (S1E01-S1E02)

Little Britain auf dem Flughafen. Matt Lucas und David Walliams schlüpfen in ein gutes Dutzend Rollen und zeigen, was alles bei britischen Airlines schief gehen kann, wenn nur die richtigen Leute in den richtigen Positionen sitzen. So sehr ich die Wandlungsfähigkeit der zwei Komiker, ihre verschiedenen Aufmachungen und die aufgebotenen Akzentvarianten schätze, so sehr leidet die Show unter der selben Krankheit wie „Little Britain“. Da mochte ich die ersten Folgen auch, bis jede Charaktereigenheit und Schrulle so totgeritten wurde, dass man das entsprechende Gagvehikel höchstpersönlich von seinem Leid befreien wollte. Anders als im kleinen Britannien sind zudem bei „Come Fly With Me“ bereits vom Start weg einige Kaltwitzkandidaten dabei, die man mit Sicherheit durchschleppen wird. Letzten Endes ein Fall für die Kategorie: Reinschauen und es langsam überdrüssig werden.

Potenzial: 3,5 – 4 von 6 Punkten

Episodes (S1E01-S1E02)

Showtime präsentiert die Rückkehr von Matt LeBlanc ins Serienfach. Anders als bei „Joey“ versucht sich der Friends-Star diesmal an einer anderen Spielart der Comedy, nämlich dem von „Curb Your Enthusiasm“-geprägten Stil. Die Geschichte ist schnell erzählt: britisches Serienautorenpärchen gelingt in der Heimat ein großer Erfolg mit einer Serie über ein Eliteschulheim, amerikanischer Produzent will die Show adaptieren, verschifft Autoren nach Amerika und schmeißt das Erfolgskonzept konsequent über den Haufen, um es ans amerikanische Fernsehvolk anzupassen. So wird die Rolle des im Original typisch gentlemanhaft-steifen britischen Oberlehrers (dargestellt von einem altgedienten, klassisch ausgebildeten Schauspieler), besetzt mit… Matt LeBlanc.

Zwei Folgen sind bisher über das weltweite Netz herübergespült worden und der erste Eindruck lautet: die Show hat was. Die Einblicke in die Adaption britischer Serienstoffe ins Amerikanische, die Vorgehensweise von Showproduzenten, die wirren Ablaufprozesse beim Casting, die gespielte Begeisterung des Produktionsteams für selbst krasseste Fehlbesetzungen und Seitenhiebe auf das Business ergeben ein sehr amüsantes Seherlebnis. Für Matt LeBlanc eröffnet sich zudem die Möglichkeit, mit seiner bisherigen Engagements zynisch bis ironisch umzugehen und als mehr als nur der „How you doing?“-Typ wahrgenommen zu werden. Ich bleibe in jedem Fall dran.

Potenzial: 5 – 5,5 von 6 Punkten

Zur Einstimmung noch der Promo-Clip zur Show mit Matt LeBlanc als Matt LeBlanc (via watch that):

Californication (S4E01-S4E02)

Mütter, sperrt eure (auch minderjährigen) Töchter in ihre Zimmer ein und werft die Schlüssel weg, denn Hank Moody ist wieder unterwegs. Ich mag die Serie wegen ihres ausgelebten Rock’n’Roll-Flairs, den Sprüchen von Hank und seinem stets gepflegt-kaputten Auftreten. Okay, bei den nackten Tatsachen gucke ich meist auch nicht weg. Die vorhergehende Staffel hatte mir allerdings bei all den Zutaten die Story komplett vernachlässigt und irrte zwischen Brüsten, Sprüchen und auf lässig bis krank getrimmten Darstellern ziellos umher.

Daher die gute Nachricht vorneweg: in den ersten beiden Folgen gibt es wieder viel nackte Haut zu sehen (für Männlein, für Weiblein und für Fetish-Fans von Hanks Manager Charlie Runkle). Nein, die richtig gute Nachricht lautet, dass wieder eine Geschichte vorhanden ist! Sogar mehrgleisig erzählt! Einmal die Folgen für Hank, weil sein dreckiges kleines Geheimnis mit Mia herausgekommen ist, dann seine Versuche, die Beziehung zu Karen und seiner Tochter Becca zu retten und schließlich die anstehende Verfilmung seines Romans. Die schlechte Nachricht: wieder hat man sich vorgenommen, einem Darsteller eine 180 Grad-Wendetherapie gegen Typecastings zu verpassen. Letztes Jahr stieß mir schon Rick Springfield als sexkranker Lustmolch übel auf, diesmal gibt Darling Rob Lowe den oscarprämierten, aber derb abgefuckten Filmstar. Gnaaa.

Potenzial: 4,5 – 5 von 6 Punkten

Men Of A Certain Age (S2E01-S2E04)

Meine „guilty pleasure“-Show des letzten Jahres geht in die zweite Runde. Und vom Start weg ist es, als würde man alte Freunde wiedertreffen. Jeder schleppt seine kleinen und großen Probleme mit sich herum, man zieht sich untereinander auf und isst gemeinsam zu Frühstück. Gefällt mir weiterhin gut, auch wenn es für manche zu langsam erzählt und nicht peppig genug unterhält. Kommt ihr erstmal in das Alter, möchte man diesen Stimmen entgegenrufen. Ich für meinen Teil freue mich auf die nächsten Geschichten der Fortysomething-Truppe. Einen Qualitätsabfall im Vergleich zur ersten Staffel konnte ich bisher noch nicht entdecken. Dürfte ein sicherer Kandidat für die 5 Punkte im Schnitt werden.

Potenzial: 5 – 5,5 von 6 Punkten

Boardwalk Empire (Season 1)

Ich versprach mir das ganz große Ding von Boardwalk Empire. Namen von hohem Rang auf der Produzentenbank, edelste Ausstattung, eine epische Geschichte über Verbrechen, Intrigen und Sex, angesehene Darsteller – die Sopranos müssen sich warm anziehen, war wohl so ziemlich der beherrschende Gedanke, wenn man auf die Serie zu sprechen kam. Die ersten drei Folgen konnten mich auch rundum begeistern, danach aber spricht meine kleine interne Episodenbewertungstabelle eine andere Sprache. Zu viele verschiedene Charaktere, zu viel Leerlauf bei diversen Nebenplots, deren Langeweile mit Nacktszenen übertüncht wurde, keine durchgehende Spannung. Ich habe nichts gegen ruhigere Episoden, mir gefielen auch sehr die Folgen um Richard Harrow, den Scharfschützen mit dem zerfetzten Gesicht, aber ich hatte das Gefühl, dass Boardwalk Empire sein Pulver zu schnell verschossen hatte. Richtig schlecht wurde die Show natürlich nie, dafür sind schließlich zu talentierte Köpfe beteiligt. Dennoch war mir gerade das Finale doch sehr arm an dramatischen oder sonst erinnerungswürdigen Momenten und brachte eigentlich nichts, was den Zuschauer sich nach der zweiten Staffel verzehren lässt. Nicht so überragend wie „The Sopranos“, aber doch noch gut. Dementsprechend

5 von 6 Punkten (gut)

Dexter (Season 5)

Bisher war ich mit Dexter stets sehr wohlwollend umgegangen, wenn es das Saisonabschlusszeugnis setzte. Viermal sechs Punkte sind im Nachhinein betrachtet zumindestens für die dritte Staffel etwas zu hoch angesetzt, letztes Jahr konnten es die fulminanten abschließenden Episoden und der teuflisch-charismatische John Lithgow als Arthur Miller nach stotterndem Einstieg nochmal rausreißen. Diesmal lief die Show erneut sehr gemächlich an und konnte auch zum Ende hin – so meine unerbittliche Statistik – kein einziges Mal die volle Punktzahl für eine Folge kassieren.

Die Schwächen dieser Season? Die belanglosen Eheprobleme Laguerta/Batista, der hübsch ekelig aufgezäumte, dann aber recht abrupt fallengelassene Nebenschauplatz-Storyfaden um die Voodoo-Killer, das Fehlen eines würdigen Gegenspielers, die altbekannte „Jemand ist Dexter auf der Spur“-Routine, die Rolle der Kinder, mit denen die Autoren offensichtlich nicht viel anzufangen wussten. Gefallen hat mir Julia Stiles in ihrer Rolle als Gesinnungsschwester, Killer-Azubi und Freundin. Auch dass man nicht versucht hat, das Schock-Ende der letzten Staffel zu toppen, sondern auf einen ruhigeren Ausklang gesetzt hat, fand ich in Ordnung. Übrig bleibt eine Season, der man trotz ihrer unterhaltsamen Momente doch langsam anmerkt, dass ihre kreativen Adern langsam aber sicher ausbluten. Ich denke, es wird langsam Zeit für die Einleitung der finalen Staffel, in der Dexters Geheimnis endgültig bei Deb durchsickert und die u.a. die Folgen dieser Enthüllung zum Thema hat.

5 von 6 Punkten (gut)

The Walking Dead (Season 1)

Die Erwartungen und die Vorfreude war ähnlich groß wie bei „Boardwalk Empire“. Angesichts des Zombiethemas musste allerdings nichts revolutionär Bahnbrechendes auf den Bildschirm gebracht werden. Es geht nun mal um wandelnde Tote, die herumschwanken und sich auf die Überlebenden der Apokalypse stürzen, um ihnen in blutig-schmieriger Form das Fleisch von den Knochen zu reißen. Was nur gelingt, wenn sie nicht vorher per Kopfschuss daran gehindert werden. Setzt man dies alles bildlich packend um und rührt noch eine dicke Portion Endzeitdrama ein, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

„The Walking Dead“ absolvierte diese Übung makellos. Die tollen Kulissen, die von den Kameras geschossenen Bilder, die großartigen Effekte, die wohlig schaurigen Gore-Szenen, die klassischen Dramen der Überlebenden, die grandiosen Make-Ups – der Weg zu den 6 Punkten war nach den ersten beiden der insgesamt sechs Folgen fast ein Selbstläufer. Wäre da nicht das Finale gewesen. Ein Finale mit einer Ausgangssituation, aus der man noch ein halbes Dutzend weiterer hochwertig unterhaltsamer Episoden hätte machen können. Stattdessen dreht man im Saisonabschluss zunächst die Spannung herunter und hangelt sich danach hektisch durch das neue Szenario, ehe ohne eine Spur eines Cliffhangers oder Fortsetzungs-Appetitanregers die Karawane der Lebenden weiterzieht. Das hat mich schon sehr enttäuscht, weshalb ich die Höchstwertung nicht ziehen kann. Vielleicht haben wirklich die guten Drehbuchautoren gefehlt (der gesamte Autorenstab wurde nach Drehende gefeuert) und Frank Darabont war zu müde, um ein würdiges Finale zu fabrizieren. Es bleibt eine sehr gute Serie, die zum Schluss leider gepatzt hat.

5.5 von 6 Punkten (sehr gut)

Running Wilde (Season 1)

Da kann ich mich kurz fassen. Nice try, but no Arrested Development. Mittlerweile definitiv nicht für eine zweite Staffel verlängert, konnte die Show auch mich nicht überzeugen. Und das, obwohl ich sie wirklich mögen wollte. Aber Will Arnett kam nie an die Überdrehtheit seiner Rolle als Gob heran, das Potenzial von Nachbar Fa’ad wurde verschenkt, Keri Russell als Emmy wirkte zu normal und bieder (Tochter Puddle hätte diese Rolle als eine Art weiblicher Michael Bluth ausfüllen können), der Humor, die Geschichten drehten sich zu sehr im Kreis zwischen „reicher Schnösel“ und „alternative Weltverbesserin. Kurzum: der Anfang lieferte Ansätze und Versprechen, die später leider nicht gehalten werden konnten. Die ab und an durchschimmernden guten Momente lassen das Ganze gerade noch so ins Befriedigende rutschen. Bei der Tendenz der letzten Folgen hätte es Running Wilde wohl im Falle des Verbleibs auf dem Sender eine Bewertungsstufe tiefer runtergerissen. Insofern ging die Absetzung in Ordnung.

4,0 von 6 Punkten (durchschnittlich)

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43 (November 2010)

27 Mai

Die 43. Ausgabe des Serienchecks diesmal mit einem sehr beachtenswerten Neustart und einem Überblick plus kurzer Bestandsaufnahme über die Shows, die ich verfolge bzw. verfolgt habe.

The Walking Dead

Neue aMC-Serie zu einem Thema, das uns alle betrifft, nämlich Zombies. Es ist die ganz alltägliche Geschichte von Sheriff Deputy Rick Grimes: morgens steht er noch gemütlich auf, beballert amtlich einen fliehenden Bösewicht, fängt sich eine Kugel ein und als er nach einer stärkenden Ruhephase von ein paar Wochen schließlich im Krankenhaus aufwacht, sind so gut wie alle tot, untot oder extrem schlecht drauf. Sein ehemaliger Kollege Shane Walsh hat sich unterdessen seine Frau und Kind gekrallt, was Grimes aber noch nicht mal ahnt, sondern nur der Zuschauer erzählt bekommt. Ja, das Leben während der Apokalypse kann unschön sein.

The Walking Dead basiert auf den Comics von Robert Kirkman und wurde von Frank Darabont (der für einen meiner absoluten Lieblingsfilme, „The Shawshank Redemption“, Verantwortung zeichnet) in Szene gesetzt. Nun kenne ich weder die Vorlage, noch lechze ich begeistert jedem Untoten hinterher, der mir in Film, Fernsehen oder Fußgängerzone begegnet, aber um zu erkennen, dass diese Show großartig ist, brauche ich kaum mehr als einen Fingerbreit an Hirnmasse in der Kopfraum.

Kenner des Comics dürften den recht freien Umgang mit dem Quellenstoff bekritteln, klassische Zombieveteranen über die flotte Schlurfgeschwindigkeit der hier als Walker bezeichneten Wankfüßler ganz langsam den Kopf schütteln, aber für mich hat die TV-Aufbereitung alles, was es braucht: überzeugende Schauspieler, eine edle Produktion samt prächtig ausgestatteter Maskenabteilung, beeindruckende Bilder, spannende Story und natürlich Blut, Gore und anderes Ekelzeugs. Gerade bei letzterem erweist es sich als Vorteil für die Serie, auf einem Kabelsender gelandet zu sein. Zwei Folgen liefen bisher, zweimal zückte ich am Ende lächelnd-röchelnd die Höchstpunktzahl. Eine zweite Staffel ist schon gesichert und es müsste schon allerhand schiefgehen, wenn The Walking Dead nicht die beste Zombie-TV-Serie überhaupt werden sollte.

30Rock

Liz Lemon und Jack Donaghy halten sich tapfer in der 5. Staffel, was schon mal eine Leistung an sich ist. Es bleibt anspielungsreich humorvoll,  leider fehlen mir allerdings bisher die absoluten Höhepunkte, die aber noch im Laufe der Saison kommen können.

Better With You

Hat sich gesteigert, muss ich lobend feststellen. Die erste Episode hatte ich noch in der Kategorie „harmlose Relationship-Comedy mit zu wenig überzeugenden Jungdarstellern neben zwei alten Showhasen“. Aber die Autoren legten einige richtig schöne Episoden vor, in denen neben den Oldies Debra Jo Rupp und Kurt Fuller auch der Rest der Truppe überzeugen konnte. Wer also auf fluffig-leichte Unterhaltung mit Beziehungskrams steht, darf ruhig einschalten.

Boardwalk Empire

Definitiv eines der Highlights in der TV Serienlandschaft 2010. Auch wenn ich manchmal Probleme habe, die Figuren einzuordnen und das Nackedei der Woche mir stellenweise zu sehr in die Show gedrängt wird – „Boardwalk Empire“ verströmt den Charme der 20er und des Qualitätsfernsehens made by HBO.

Bored To Death

Legt im Vergleich zur ersten Staffel stetig zu und mausert sich langsam zu einer echten Empfehlung für Freunde schräger Comedy. Ein eher unterkühlter Start in die zweite Staffel, aber spätestens die Episode mit Ted Danson als bekiffter Waffenträger zeigte das Potenzial der Show und verdiente sich die erste volle Punktzahl auf meiner Bewertungsskala. Zach Galifianakis bleibt zudem eine Kategorie für sich.

Castle

Eine meiner aktuellen Auf-Halde-Serien, von daher nicht bewertbar. Die bisher gesehene Eröffnung der 2. Staffel war schon mal recht unterhaltsam. Ich hoffe auf weitere Firefly-Anspielungen im Laufe der Season.

Chuck

Leicht schwankende Qualität bei Chuck & Co. Der Handlungsstrang um die Mutter haut mich nicht um, die Beziehungsprobleme zwischen dem Agentenduo könnte man von mir aus auch eher flotter abarbeiten. Spaß machen zweifellos das neue Pärchen Grimes & Casey, die Buymore-Geeks hingegen kommen mir noch zu kurz.

Community

Und nochmal schwankende Qualität. Sehr gepflegter Einstieg mit Betty White als Gastprofessorin, danach erinnerte es mich stark an die Folgen der 1. Staffel, will sagen: Nette bis gute Unterhaltung, aber halt nicht der Knaller. Bis mit „2×04 Basic Rocket Science“ und vor allem „2×06 Epidemiology 206“ das Spaßpedal durchgetreten wurde. Darauf folgte eine schwache, jüngst eine wieder richtig gelungene Episode. Kann es sein, dass die Autoren aktuell mit Senor Chang nichts anzufangen wissen?

Desperate Housewives

Nach zwei Episoden aus meiner Guckliste geflogen. Kontinuierliche Fortsetzung der schwachen 6. Staffel, mit Handlungssträngen, die mich als Kerl nun wirklich nicht ernsthaft ansprechen konnten. So long, Wisteria Lane, es war mal ganz schön.

Dexter

Bin mit Dexter wieder nicht richtig glücklich. Schon letzte Staffel dauerte es, bis die Show dank John Lithgow zündete. Dieses Jahr läuft das Blut zu Beginn eher noch zäher statt flüssig, die Nebenschauplätze reichen von belanglos bis hattenwirschonmal. Erst in den letzten drei Episoden weckten die Ereignisse um Dex und seine neue Freundin mein Interesse. Ich hoffe, die Macher haben sich noch etwas richtig Großes aufgespart.

Fringe

[Achtung, Schreibmaschinen bereithalten, es folgt eine Durchsage an alle Bewohner dieser und sämtlicher angeschlossener Parallelwelten:]

Wie genial bitte ist diese Show geworden? Der Kniff mit der alternativen Fringe-Division ist grandios, die Geschichten ohne Fehl und Tadel, es kommt keine Langeweile wie bei früheren Füllerepisoden auf, die Show bolzt schon direkt Highlights heraus, als würde es Richtung Finale gehen. Meine persönliche Überraschung dieses Jahrgangs und neben „The Walking Dead“ die Serie, auf die ich mich unter der Woche am meisten freue.

How I Met Your Mother

Läuft ähnlich wie 30Rock weiterhin stabil, auch wenn sich zu Beginn einige schwächere Ausgaben einschleichen. Der Zahn der Zeit nagt eben auch dezent an Barney & Co. Immerhin, seit der sehr guten Folge „6×04 Subway Wars“ hält sich HIMYM wieder sicher in der Qualitätsspur.

Mike & Molly

Lange habe ich der Show ihre Chance gegeben, sie nun aber doch mit der  7. Folge abgesetzt. Die neueste Chuck Lorre-Produktion ist bei mir nie über die Einschätzung „ganz nett bis geht so“ hinausgekommen. Den Piloten fand ich recht akzeptabel, danach ging es aber einfach nicht weiter aufwärts. Ob die Hauptdarsteller nun dick sind oder nicht, am Ende zählen für mich die Drehbücher, die in Bezug auf meine Humortrefferquote eher schwach auf der Brust waren.

Modern Family

Läuft weiterhin großartig und hält insoweit das Niveau der ersten Saison, auch wenn ich bisher noch keine Folge mit der Höchstpunktzahl ausgezeichnet habe (allerdings bereits einige mit der zweitbesten Note). Ist aber sicher nur eine Frage der Zeit, bis Phil „The Dad“ Dunphy sich den ganz großen Bock leistet. Oder eben Cameron. Oder Jay. Ach, eigentlich sind alle dazu imstande.

Outsourced

Mein Bruder guckt es weiterhin und ich gezwungenermaßen halt auch. Aber nur wegen Gupta, den ich mir gut als Nebendarsteller in einer Hit-Comedy vorstellen könnte. Die anderen Figuren reizen mich überhaupt nicht, (okay, vielleicht gerade noch so der Assistant Manager), der Humor verpufft zum allergrößten Teil an mir vorbei, das Setting langweilt. Ich will endlich Parks & Recreation auf dem Sendeplatz wieder haben!

Raising Hope

Beste neue Comedy meiner bescheidenen Meinung nach. Goldiges Baby, herzlich kaputte Familie, quietschig drollige Nebendarsteller (ich sage nur Kate Micucci, die Ukulele-Lady aus „Scrubs“), schöne, immer mit einem Schuss Herzensgüte versehene Geschichten. Wer „My Name Is Earl“ mochte, hat hier äquivalenten Ersatz. Obwohl die Familie Chance mit dem Wort äquivalent sicher nichts anzufangen wüsste.

Running Wilde

It’s not Arrested Development. Muss man leider so festhalten. Nach einem verheißungsvollen Start trudelte die Show langsam, aber sicher Richtung Bedeutungslosigkeit. Mir fehlen die sympathisch-schrägen Elemente oder auch einfach die kaputten Typen, die die Show um die Familie Bluth seinerzeit hervorbrachte. Bei „Running Wilde“ bemüht sich Will Arnett zwar, seine Rolle als exzentrischer Millionär entsprechend zu befüllen, aber das alleine reicht nicht. Vor allem, wenn die restlichen Rollen auch einfach zu wenig mit echten, erinnerungswürdigen Charakteren besetzt sind. Sorry, Mitchell Hurwitz, dann lieber schnell wieder an den Schreibtisch zurück, um endlich den „Arrested Development“-Film ins Kino zu bringen.

$#*! My Dad Says

Auch bekannt als die Show, in der William Shatner ab und zu etwas Witziges sagt. Ich kenne den Twitter-Channel nicht, der hier als Vorlage diente, aber ich würde wetten wollen, dass ich genau sagen kann, welche Drehbuchteile ihm entstammen und welche nicht. Steht bei mir auch nur deshalb noch auf der Guckliste, weil ich Old Captain Kirk Bill weiterhin für eine coole Sau halte. Der Rest des Castes geht gnadenlos unter in der eigenen Bedeutungs- und Witzlosigkeit.

The Big Bang Theory

Ein überragender Start der amtlichen Geeks von CBS, was mir reichlich Hoffnung machte nach der doch qualitätsmäßig abfallenden dritten Staffel. Es scheint, als wüssten die Autoren wieder, was der Kernbereich der Show ist. Nämlich die Zuschauer mit abgedrehten Dialogen über Roboter, SciFi, Computern, Superhelden und anderem Nerdgold zu unterhalten. Mittlerweile haben sich auch ein paar Füllerepisoden eingeschlichen, aber mit Gastauftritten wie zuletzt jenem von Will Wheaton kann man einfach nichts falsch machen.

The Event

Ich mag sie weiterhin, diese Mischung aus „24“, Flashbacks und Mystery. Klar, wie schon bei Jack Bauers Abenteuern tun sich situationsbedingt ein paar Logiklöcher auf, aber wer sich davon den Spaß nicht trüben lässt, findet in „The Event“ spannende Unterhaltung. Auf meiner internen Bewertungsliste hat bisher jede Folge solide 5 Punkte einfahren können. Auch, weil die Show es schafft, mich als Zuschauer am Ball zu halten, mir keine nervigen Charaktere oder Ablenkungsmanöver zu präsentieren und jede Episode mit einem knackigen Ende zu versehen. Leider stimmen die Quoten mal wieder nicht. Anders als bei „FlashForward“ oder „V“ ärgert mich das in diesem speziellen Fall.

The Increasingly Poor Decisions Of Todd Margaret (Season 1)

Nach 6 Episoden schon durch und daher von mir auch mit einer endgültigen Bewertung zu versehen. Vielen dürfte der Charakter von Todd Margaret schlicht und ergreifend zu schmerzhaft doof sein, das ging mir an manchen Stellen auch so. Andererseits aber hat die von David Cross erschaffene Show stellenweise so harten Humor zu bieten, dass ich ein wenig darüber hinwegsehen kann. Wer also mit seinem eigenen Witzgeschmack den Ansatz „So krank, dass es schon wieder gut ist“ vereinbaren zu vermag, darf reinschauen. Andere können einen guten Punkt abziehen oder sich besser gleich davon fernhalten. In jedem Fall darf man bekritteln, dass der Schluss etwas zu abrupt kommt und vor allem den Vorspann überhaupt nicht erklärt. Wehe, die zweite Staffel ist noch nicht klar.

4,5 von 6 Punkten (befriedigend)

The Middle

Weiterhin der kleine unscheinbare Bruder von „Modern Family“, denn zumindest bei mir liegt diese Show immer um einen guten Wertungspunkt hinter der emmyausgezeichneten Nachfolgesendung. Wird sich auch dieses Jahr in einem soliden Bereich einpendeln, wie es aussieht.

The Office

Zumindest die ersten Minuten bis hin zum Vorspann versprühen ab und an noch das Flair der großen Unterhaltung, für die diese Show jahrelang stand. Aber dann folgen zu viele Minuten, die einen eindrucksvoll daran erinnern, dass die besten Bürozeiten schon lange hinter einem liegen. Auch die 7. Staffel schafft es nicht, in meiner Gunst wieder zu klettern. Ansätze waren da, wie bei der die Staffel eröffnenden Episode „7×01 Nepotism“,  und auch die aktuelle „7×08 Viewing Party“ war durchaus unterhaltsam. Demgegenüber stehen allerdings zu viele Folgen, die ich wirklich schmunzelfrei durchgestanden habe.

The Simpsons

Same procedure as almost every year. Die Halloween-Episode hui, der Rest meh. Einzig der Banksy-Vorspann blieb mir noch in Erinnerung.

Two And A Half Men

Wie zu erwarten: die Show wird der Quoten wegen durchgezogen (und um die Gehaltserhöhung von Charlie Sheen zu rechtfertigen), aber von früheren Großtaten ist man entfernt und pendelt sich im „naja, ist okay“-Bereich ein. Einziger Ausfall nach oben bisher: die aktuelle Episode „8×08 Springtime On A Stick“. Wer nochmal daran erinnert werden will, wie gut diese Serie mal war, braucht von der bisherigen Staffel eigentlich nur diese eine Folge zu sehen.

Weeds

Nach drei Folgen auf Halde gelegt. Der Start war zwar interessanter, weil das erzählerisch langweilige Mexiko-Setting verlassen wurde. Überragend packend gestaltete sich der Neubeginn allerdings auch nicht.

42 (September 2010)

27 Mai

Der Seriencheck #42 mit den neuen Dreherzeugnissen der US-Herbstkollektion:

Better With You

Eine Familie, drei Paare in unterschiedlichen Liebesverhältnissen. Die Eltern, seit über drei Jahrzehnten verheiratet. Die älteste Tochter seit 9 Jahren in wilder Ehe lebend. Schließlich das Nesthäkchen, das sich just frisch verlobt hat. Was die trauscheinlose Schwester in die Sinnkrise stürzt. Macht zusammengefasst eine neue Beziehungskomödie, deren Anfang mich frappierend an „Til Death“ erinnerte.

Das Problem: wo bei „Til Death“ (dessen 1. Staffel ich sehr ordentlich fand) die Pärchen zu Beginn den Zuschauer in ihren Bann zogen, konnten mich von den sechs Beziehungstätern hier nur die beiden knarzigen Ehe-Urgesteine Debra Jo Rupp (That 70s Show) und Kurt Fuller (Scary Movie, Psych) einigermaßen überzeugen. Töchter und Schwiegersöhne blieben blass, ihre Dialoge rauschten schmunzelfrei an mir vorbei. Insgesamt zu bieder, zu harmlos und zu nett, um mir für die nächsten Episoden ein „Ich will“ abzuringen.

Pilotwertung: 3.5 von 6 Punkten (unterdurchschnittlich)

Boardwalk Empire

Wir schreiben das Jahr 1920, die Zeit der Prohibition, der Beginn der Mafia-Epoche in den USA. In Atlantic City dreht sich Schatzkämmerer Enoch „Nucky“ Thompson die politischen Umwälzungen des amerikanischen Kongresses so, wie sie ihm am meisten nützen. Intrigen, Opportunismus und illegale Transaktionen bestimmen sein Tagewerk – aber auch die stille Sehnsucht nach einer Familie.

HBO-Serie. Hauptrolle: Steve Buscemi. Ausführender Produzent: Martin Scorsese. Drehbuch: Terence Winter („The Sopranos“). Ich schließe die Beweisführung, denn diese Aufzählung allein dürfte für Fans des Genres eigentlich schon reichen, um die Show zu bewerten. Ein knapp 80-minütiger Einstieg, üppige Ausstattung, explizite Sex- und Gewaltszenen, großartige Darsteller, lässige Dialoge. Wer schon den Soprano-Clan großartig fand, wird diese Show direkt vom ersten Blutfleck weg her lieben. Mich hat der Pilot jedenfalls bereits standesgemäß weggeknallt. Boardwalk Empire könnte das Drama-Highlight dieser Saison werden.

Pilotwertung: 6 von 6 Punkten (überragend)

Raising Hope

Eine Geschichte, wie sie jedem schon einmal untergekommen ist. Der unbedarfte Sproß eines einkommens- und bildungsschwachen Familienclans schwängert eine Mörderin, die im Gefängnis das Kind zur Welt bringt und danach auf den elektrischen Stuhl wandert. Der frischgebackene Papa darf sich nun mitsamt seiner Familie um den Nachwuchs kümmern und beweist komplette Überfordertheit mit dieser Aufgabe.

Neue Low Life-Comedy vom My Name Is Earl-Produzenten Greg Garcia. Wer den Humor von Earl mochte, dürfte auch an Raising Hope Gefallen finden. Hart, aber herzlich umschreibt den Witz der Show ziemlich treffend. Wer die gezeigten früheren und aktuellen elterlichen Aufziehmethoden nicht allzu ernst nimmt und über im Auto herumfliegende Kindersitze oder Plastikhandschuhe als Übergangsssauger schmunzeln statt stirnrunzeln kann, ist bei Raising Hope richtig. Ich gestehe, herzhaft gelacht zu haben.

Pilotwertung: 5.5 von 6 Punkten (sehr gut)

The Event

„LOST“ und „FlashForward“ haben heimlich einen kleinen Bruder bekommen. Zu Beginn von „The Event“ wird der Zuschauer kopfüber in kaltes Wasser geworfen. Es gibt keine klare Erzählstruktur, sondern  verwirrend viele Rückblenden und Versatzstücke einer Story, die sich im Verlauf der ersten Episode um eine Flugzeugentführung, ein Attentat auf den US-Präsidenten, ein Lager mit außergewöhnlich befähigten Gefangenen, Erpressung und Verschwörung dreht. Kurzgefasst eine Mysteryserie mit einer Prise 24 abgeschmeckt, denn zumindest im Piloten wird actionmäßig einiges aufgeboten, um den Zuschauer bei der Stange zu halten.

Ich bleibe bei derartigen Formaten aus Prinzip vorsichtig abwartend und achte auf die zwei Faktoren, die für solch eine Serie den Todesstoß bedeuten können – erstens die Verschmähung durch den Zuschauer, zweitens das Abdriften in die Regionen der geheimnisvollen Verdunkelung um jeden Preis bzw. schlichter bis schlechter Auflösung. Zumindest für Letzteres kann ich nach zwei gesehenen Folgen Entwarnung geben: das Versprechen der Autoren, in gleichem Maße Mysterien aufzudecken wie hinzuzufügen, wird bisher eingehalten. Auch wenn ich wahrlich kein Fan des Flashback-Overkills bin (bei jedem Schnitt mit der Einblendung  „Vor soundsoviel Stunden/Monaten/Jahren“ ist es bei mir Usus, zunächst einmal tief aufzuseufzen), kann ich nicht von der Hand weisen, dass „The Event“ bisher gute Unterhaltung abliefert. Abzuwarten bleibt, in welche Richtung die Show driften wird. Weniger schön hingegen ist die Tatsache, dass zur zweiten Episode schon ein erheblicher Teil der US-Zuschauer nicht mehr eingeschaltet hat. Im Moment würde ich mich ärgern, wenn die Show dadurch unvollendet bleiben würde.

Pilotwertung: 5.0 von 6 Punkten (gut) / S1E02: 5.0 von 6 Punkten (gut)

$#*! My Dad Says

Frustrierter Mittzwanziger zieht wegen finanzieller Probleme bei seinem Vater ein, darf sich von nun an jeden Tag vorwurfsvolle Sprüche seines Erzeugers anhören und veröffentlicht dessen „Weisheiten“ schließlich auf einem Twitterkonto, welches in der Netzwelt zu Berühmtheit gelangt. CBS strickt eine Comedyserie daraus und besetzt die Hauptrolle mit William Shatner.

Wie füllt man mit kurzen, derben Tweets eine 22-minütige Comedyshow auf einem Familiensender? Schwerlich. Und genau das merkt man der Show auch an. Shatner als verbitterter, zynischer Daddy passt durchaus. Einerseits jedoch geraten die übrigen Figuren wie der Sohn, die Tochter und der Schwager zu absolut belanglosen Randfiguren. Andererseits fehlt den Dialogen letzten Endes die Schärfe des Originals, was bereits in der peinlichen Schreibweise des Titels zum Ausdruck kommt. Auf HBO oder Showtime hätten die Autoren sich wahrscheinlich besser austoben können – so fällt schnell auf, wo das Original zitiert und wo Füllmaterial geliefert wird. Auch hier kann man sich den Piloten allein schon wegen good ole Bill Shatner durchaus anschauen, aber ich bezweifle stark, dass $#*! My Dad Says eine volle Staffel durchstehen wird.

Pilotwertung: 4.5 von 6 Punkten (befriedigend)

Mike & Molly

Braucht die Serienwelt unbedingt eine Dickencomedy? Erfolgsproduzent Chuck Lorre (Two And A Half Men, The Big Bang Theory) meint ja und präsentiert die Geschichte von Mike (Billy Gardell, Yes Dear), einem beleibten Polizisten und Molly (Melissa McCarthy, Gilmore Girls), einer Lehrerin, die sich bei einem Treffen der anonymen Fresssüchtigen kennenlernen.

Ich fand die Staffeleröffnung gar nicht so schlecht wie erwartet, auch wenn mir die Figur von Mollys Schwester Victoria (Katy Mixon) schon gleich auf die Nerven ging. Serviert wurden Witze von Dicken über Dicke, was sehr augenzwinkernd und sympathisch rüberkam. Komödiantisches Talent ist bei den beiden Hauptdarstellern zweifellos vorhanden. Meine Befürchtung, dass die „fatty jokes“ nicht für eine ganze Staffel reichen würden, bestätigte sich allerdings schon in der zweiten Episode, die mir bei weitem mehr bemüht als spielend witzig herüberkam. Zumindest stimmen bisher die Zuschauerzahlen, auch die zweite Folge brachte nicht den gefürchteten Quoteneinbruch.

Pilotwertung: 4.5 von 6 Punkten (befriedigend) / S1E02-Wertung: 3.5 von 6 Punkten (unterdurchschnittlich)

Outsourced

Workplace-Comedy um einen jungen CallCenter-Leiter, dessen Abteilung während einer Fortbildung komplett nach Indien ausgelagert wurde und der nun vor Ort eine Truppe von tendenziell ahnungslosen Einheimischen zu Verkaufsgesprächhöchstleistungen für uramerikanischen Krimskrams treiben soll.

Ich frage mich manchmal schon, wie so manches Projekt überhaupt von den Studiobossen abgesegnet werden kann. Die Amis stecken immer noch tief in der Wirtschaftskrise, viele befürchten den Verlust ihres Arbeitsplatzes, Outsourcing ist für Arbeitnehmer gleichbedeutend mit einem Schreckgespenst – mmmh, da produzieren wir doch flugs mal eine Komödie drüber. Mit vielen lustigen Indern und ihren landestypischen Eigenheiten wie schüchternen Schönheiten, extrem scharfem Essen, heiligen Kühen und putzigen Dialekten. Das alles wird schon in der Pilotfolge verwurstet. Tanz- und Gesangseinlagen à la Bollywood stehen bestimmt bereits in den Drehbüchern.

Okay, ich mochte Gupta, den redseligen Außenseiter, mit dem niemand in eine Konversation verwickelt sein will. Hauptdarsteller Ben Rappaport versucht sich als „Jim Harper aus The Office“-Kopie, sein Assistant Manager (wieder eine The Office-Referenz) schielt schon auf die Chefposition. Der Rest des Casts bleibt eindimensional. Ich will den Piloten gar nicht in der Luft zerreißen, denn der war eigentlich recht gefällig. Allerdings würde es mich schwer wundern, wenn sich aus den ganzen Zutaten eine Serie stricken ließe, bei dem das US-Publikum dranbleibt und die jede Folge unterhaltsame Geschichten abseits der Klischeehaftigkeit vom lächelnden, aber nichts kapierenden Inder zu bieten hat.

Pilotwertung: 4.0 von 6 Punkten (durchschnittlich)

Running Wilde

Der exzentrische Millionär und Berufssohn Steven Wilde langweilt sich durch seinen Luxusalltag, der von fürsorglichen Bediensteten und Geldausgebewettbewerben mit Nachbar Fa’ad bestimmt wird. Bis plötzlich Steves Jugendliebe, die ökologisch engagierte Emmy Kadubic mit ihrer Tochter Puddle Einzug in sein Leben hält.

Arrested Development-Mastermind Mitchell Hurwitz mit einer neuen Show, dazu noch die alten Kulthelden Will Arnett und David Cross an Bord – so viel kann da eigentlich nicht schiefgehen. Tut es auch nicht, denn der Pilot hat einige herzhaft bizarrhumorige Momente zu bieten, für die die Fans die Show mit den Bluths einst so liebten. Alleine die Namensgebung der Tochter (Puddle Kadubic) erinnert bereits wohlig an Maeby Fünke. Aus dem Stand kann die Show allerdings noch nicht die Genialität des Vorgängers erreichen, gute Ansätze sind jedoch vorhanden. Mal abwarten, was die Drehbuchschreiber aus der Beziehung zwischen Snob und Öko noch herausholen.

Pilotwertung: 5.0 von 6 Punkten (gut)

No Ordinary Family

Michael Chiklis (The Shield) und Julie Benz (Dexter) spielen das Ehepaar Powell, das sich auseinandergelebt hat. Eine gemeinsame Urlaubsreise mit den beiden Kindern in den brasilianischen Regenwald endet in einem Flugzeugabsturz über See. Doch der Aufenthalt im mysteriös blubbernden Wasser verändert die ganz normale Familie und schenkt ihnen Superkräfte, mit deren Hilfe sie den Alltag meistern.

Da haben wir ihn, den ersten ganz großen Stinker der Saison. So sehr ich Chiklis und Benz mag, so sehr stimmt hier so gut wie gar nichts. Das fängt schon beim Casting an, denn weder nehme ich dem bulligen Chiklis mit seiner The Shield-Vergangenheit den zurückhaltenden, karrieremäßig schüchternen Daddy ab, noch Benz ihre Rolle als hochbezahlte und gestresste Wissenschaftlerin. Zweitens die Story: ernsthaft, wer will Superheldenfähigkeiten im Alltagseinsatz sehen? Okay, der Vater, der mit Riesensätzen hinter Verbrechern herjagt, geht noch in Ordnung. Aber die Mutter, die rasend schnell rennen und -hurra- deshalb früher nach Hause kommt, um sich um die Kinder zu kümmern? Die Teenie-Tochter, die durch Gedankenlesen herausfindet, dass ihr Freund sie nicht mehr mag und schon eine andere am Start hat? Aaargh. Superhelden sind das Produkt der Träume von jungen oder alten Kerlen, die dem Alltag entfliehen wollen. Dieses Konzept nun mit einer kreuzbraven Familienserie zu vermischen wirkt genauso bizarr, als würde man Jason Statham in einer romantischen Komödie ein Zimmermädchen spielen lassen, das sich in seinen Chef verliebt hat. Schon nach einer Episode kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich mir „No Ordinary Family“ nicht weiter ansehen werde. Wer eine mit realen Schauspielern besetzte, harmlos-familienfreundliche Version des Pixarstreifens „The Incredibles“ ohne Witz und skurrile Charaktere sehen will, darf reingucken. Ich übernehme allerdings keine Haftung für Folgeschäden.

Pilotwertung: 2.0 von 6 Punkten (sofort absetzungswürdig)