93 (Februar 2016)

6 Feb

Eine Kult-Show kehrt zurück, eine (jedenfalls-meiner-Meinung-nach-und-wenn-ihr-sie-mal-guckt-werdet-ihr-mir-zustimmen-) Kult-Show hat ihr glückliches Ende gefunden. Das und mehr im neuen Seriencheck.

THE X-FILES (SEASON 10) 

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Mit Akte X (oder „The X-Files“ im englischen Original) verbinde ich viele liebe Erinnerungen. Wie etwa jene im Herbst 1995, als ich das erste Mal im Rahmen eines Kurses an der Uni im dortigen Computerraum Annäherungsversuche an das Thema Internet vermittelt bekam. Es stand damals das Herumspielen mit Chat-Räumen auf dem Plan, alle Rechner waren miteinander vernetzt, die Teilnehmer hatten brav ihr „Hallo“, „Hi“, oder „Hallihallo“ getippt und trauten sich nun nicht mehr weiter. Beklemmende Stille drohte den Chat zu vereinnahmen. Ich erinnere mich noch, wie ich dann einfach mal „Wie findet ihr Akte X?“ schrieb und schon klackerten die Tastaturen: „Super!“, „Die Wahrheit ist da draußen“, „Ich will nach Hause, das läuft in einer Stunde“ und natürlich das unvermeidliche, aber immer noch wissenschaftlich vollkommen korrekte „Scully ist sowas von heiß“ machten die Runde. Ach ja.

Nun sind Scully und Mulder wieder auf den Bildschirmen zu sehen. Zumindest für sechs Episoden, in denen Chris Carter als Produzent und diverse Autoren aus der Blütezeit der Serie wie Glen Morgan oder James Wong erneut die Strippen ziehen. Mit dem Aufkommen des Internets erhielten Verschwörungstheorien ja bekannterweise einen schlechten Ruf und gelten gemeinhin als peinlich zurechtgesponnene Ideen irgendwelcher Wirrköpfe, über die man eher lachen möchte denn sie ernst zu nehmen. Zudem suchte mit den Anschlägen des 11. September der allergrößte Teil der Bevölkerung eher den Schutz der Regierung als ebendort weltenumwälzende konspirative Triebe zu vermuten. Wie würden die „X-Files“ also im neuen Zeitalter ankommen?

Für Fans kann ich die Antwort gleich geben: Es ist einfach toll, man kommt sich vor wie früher. Das fängt schon damit an, dass man den Vorspann unverändert übernommen hat. Die Staffel zählt offiziell als die zehnte, alle bekannten Figuren sind an Bord, man unterteilt die Folgen in „Mythological Arc“ und „Monster of the Week“. Zusätzlich hat man Mulder und Scully einige ironische, mit einem Augenzwinkern unterlegte Dialogzeilen geschrieben, was ihre jahrelange Ermittlertätigkeit anbelangt. Klar, wer der Show nie etwas abgewinnen konnte, wird auf den trashigen Unterton hinweisen, mit dem ernsthaft eine Verschwörung epischen Ausmaßes konstruiert wird. Dass sich die Macher aber gerne mal selbst auf den Arm nehmen, beweisen sie in der dritten Episode „Mulder and Scully meet the Were-Monster“, die dermaßen herrlich albern und bescheuert ist, dass wohl auch das heimwehleidigste Roswell-Alien die Arme über dem Kopf zusammenschlägt.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH DREI EPISODEN: 5,43 PUNKTE (gut +)
TENDENZ: gut – sehr gut

GALAVANT (SEASON 2)

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Es wird wieder ge-sung-hung-en! Dass meine Lieblingscomedy des vergangenen Jahres eine zweite Staffel erhielt, erfreute und erstaunte nicht nur mich, sondern auch das Produktionsteam. Entsprechend trägt der Opener nicht umsonst den Titel „A New Season aka SUCK IT CANCELLATION BEAR!“ und selbstverständlich findet die unerwartete Fortsetzung umgehend ihre Umsetzung in einem feschen Lied. (Enthält Spoiler zu Season 1)

Die insgesamt 10 Episoden sendete ABC innerhalb von 5 Wochen in Doppelfolgen weg, weshalb ich direkt schon eine Gesamtwertung vergeben kann. Die Abenteuer von Galavant haben mir insgesamt erneut großen Spaß gemacht, wenn ich auch die erste Staffel doch ein paar Zehntelzählerpunkte stärker fand. Was daran liegt, dass mir die vierte Episode „Bewitched, Bothered & Belittled“ qualitätsmäßig zu sehr nach unten aus der Reihe tanzte, einige Songs dann doch zu modern waren (sorry, aber mit Battle Rap kriegt man mich nicht, selbst wenn er auf lustig getrimmt sind) und die Geschichte sich ungefähr für die zwei Folgen, die man diesmal mehr in der Staffel hatte, im Kreis drehte. Aber das sind Kritikpunkte, die jeder Zuschauer vollkommen anders gewichten und einordnen kann. Spätestens mit dem Doppelfinale zieht „Galavant“ alle Register aus schmissigen Songs, amüsanten Parodien auf u.a. „Game of Thrones“ und augenzwinkerndem Spaß, dass man sich doch noch eine dritte Staffel auf einem Kabelsender erhofft. Eine Option, die sich die Macher natürlich zum Ende offenhalten. Bis dahin: Bitte eine DVD-Box mit den beiden Seasons veröffentlichen!

GESAMTWERTUNG: 5,15 PUNKTE (gut)

MAKING A MURDERER

Making-a-Murderer-Logo-Netflix

Netflix-Dokumentation über Steven Avery aus Wisconsin, der im Laufe seines Lebens einiges an Ärger mit Strafverfolgungsbehörden durchzumachen hat. Okay, das ist untertrieben. Der Kerl hat so ziemlich das Maximum und mehr an Ärger mit Strafverfolgungsbehörden durchzumachen.

Wurde mir von Bloggerfreund donvanone empfohlen und ist nach „The Jinx – The Life and Deaths of Robert Durst“ die zweite Doku, die von mir den absoluten Pflichtguckbefehl erhält. Wobei „Making A Murderer“ anders als „The Jinx“ schwerpunktmäßig kaum Täterermittlung, sondern Verdächtigenentlastung betreibt. Was im amerikanischen Rechtssystem anscheinend eher eine sehr untergeordnete Rolle spielt, so man nicht mit harten US-Dollars alle strafrechtlichen Vorwürfe kaputtwerfen kann.

Wie immer gilt: Am besten unvorbereitet an die in diesem Fall zehn je knapp einstündigen Folgen herangehen, dann ist die Wirkung um so enormer. Ich selbst dachte nach der erste Episode noch verwundert: „Okay, was kann denn jetzt noch kommen?“ Was dann allerdings kam, hat mir wirklich stellenweise die blanke Wut in die Gesichtszüge getrieben, gefolgt von Unverständnis und Kopfschütteln. Gut möglich, dass ich meinen Fernseher angeschrien und ein paar der auftretenden Personen sehr unschöne Dinge an den Hals gewünscht habe, da möchte ich jetzt mal lieber die Aussage verweigern. Sicher bin ich mir hingegen, dass der gute Udo Vetter beim Gucken mindestens einen Meyer-Goßner in der Mitte durchgebissen hat. Das könnte man übrigens prima vorne als Werbung auf die DVD-Box schreiben: Besonnener Lawblogger biss vor Ärger einen Beck’schen Kurz-Kommentar zur StPO durch!!! 

Zur Nachbearbeitung schließlich empfehle ich den sehr lesenswerten und linkreichen Blogbeitrag von donvanone. Weil ich die einzelnen Folgen zu hastig hintereinander gesehen habe, lasse ich die Einzelfolgenbewertung diesmal sein und ziehe direkt die Höchstnote, die „Making A Murderer“ zweifelsfrei verdient hat.

GESAMTWERTUNG: 6,00 Punkte (überragend)

THE SHANNARA CHRONICLES (SEASON 1)

shannara

Basierend auf den Büchern von Terry Brooks präsentiert MTV die Geschichte einer fernen Zukunft, in der Elfen, Menschen und Halblinge sich verbünden, um eine Dämoneninvasion zu verhindern.

„Der Herr der Ringe“ in der teenagerfreundlichen Fassung. Von den Darstellern kannte ich nur den unverwüstlichen John Rhys-Davies als Elfenkönig sowie Manu Bennett, den Crixus aus „Spartacus“ und James Remar, den Daddy von „Dexter“. Drei Charaktere, an die ich mich zu Beginn und in der Folge geklammert habe, denn der Rest besteht nun mal MTV-typisch unvermeidlich aus Jungdarstellern blendenden Aussehens ohne Ecken und Kanten. Ausstattungstechnisch sieht man durchaus, dass das Spezialeffekte-Team von Peter Jackson beteiligt war, dennochwollte bei mir keine  richtige Begeisterung aufkommen. Weil „The Shannara Chronicles“ zumindest aus meiner Sicht nichts bietet, was man nicht schon besser bei den „Herr der Ringe“ bzw. „Hobbit“-Filmen oder „Game of Thrones“ gesehen hat. Ich sehe darüber hinaus vor meinem Auge immer Teenies, die sich heftige „Na? Wer ist süßer? Wil oder Allanon?“ bzw. „Bissu Team Amberle oder Team Eretria?“ Facebook-Battles liefern. Schlimm ist es nicht, man kann es gucken, mein Bruder schaut es sogar sehr gerne, was aber gleichzeitig der eindeutige Beweis ist, dass es der Show an erwachsenen Inhalten fehlt. Weil es auf Amazon Prime läuft, schaue ich es halt weiter, aber höhere Wertungsweihen meinerseits werden der Show wohl verwehrt bleiben.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH SECHS EPISODEN: 4,41 PUNKTE (durchschnittlich)
Tendenz: durchschnittlich – befriedigend

LUTHER (SEASON 4)

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Die Staffeln von „Luther“ werden auch immer kürzer. Ganze zwei Folgen ermittelt der coole Detective Chief Inspector im Herzen Londons. Einerseits will einem Serienkiller mit unschönem Hang zur Opferausweidung das Handwerk gelegt werden, zum anderen arbeitet sich Luther am Schicksal einer nur allzu bekannten Freundin ab.

„Luther“ ist gute Unterhaltung und bleibt gute Unterhaltung. Zwei spannende Stunden, in denen mir der Erzählstrang rund um die Mörderhatz allerdings eine deutliche Spur besser zu gefallen wusste. Idris Elbas kraftvolles Schauspiel prägt wie gewohnt die Show, mit Emma Lane (Rose „You know nothing, Jon Snow“ Leslie) hat man eine interessante neue Figur eingeführt. Alles in bester Ordnung. reibungsloser Ablauf, professionelles Handling. Bevor ich noch mehr ebay-Phrasen loswerde, die Wertung:

GESAMTWERTUNG: 5,30 PUNKTE (gut) 

SHERLOCK: THE ABOMINABLE BRIDE

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Neujahrsspecial um den berühmten Detektiv Cumberbatch und seinen Assistenten Freeman, die diesmal im viktorianischen London unterwegs sind, um einer vermeintlichen Geisterbraut auf die Schliche zu kommen.

Ich hatte ja schon bei der dritten Staffel zaghafte Kritik an der Serie angebracht, Stichwort Eigenberauschtheit und Abwendung von starkem Fallmaterial, schwindeligmachender Ermittlungslogik und beeindruckender Auflösung. Da muss ich leider auch bei „The Abominable Bride“ ansetzen. Denn so gut mir die Zeitreise ins England des späten 19. Jahrhunderts gefiel, so wunderbar Sherlock und Watson wieder harmonierten und trockenen Humor kredenzten, so enttäuscht war ich letztlich von der Auflösung des Falles. Eben diese fiel nach meinem Geschmack einerseits nicht sonderlich spektakulär aus und musste andererseits in der zweiten Hälfte der knapp 90 Minuten noch mit selbstreferentiellem Füllschaum aufgeplustert werden. Meine Bewertung setzt sich daher zusammen aus meinem Eindruck der ersten Stunde (5,0 Punkte) und dem Rest (4,5 Punkte). Schade, ich hätte mich gerne wie in den anfänglichen Staffeln an einem brillant auseinanderklämuserten Fall ergötzt.

GESAMTWERTUNG: 4,75 PUNKTE (befriedigend)

Demnächst:
Der Mid-Season-Seriencheck u.a. mit der wirklich unnötig lange herausgezögerten Absetzung einer beliebten TV-Show von meiner Guckliste.

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