38 (Juni 2010)

27 Mai

Der Abschluss-Check für die US-TV-Saison 2009/2010. Manche Shows laufen ja noch, was allerdings durch ist, wird bewertet. Diesmal hänge ich tragischerweise mit diversen Shows hinterher; ein Rückstand, der angesichts der bevorstehenden Fußball-WM um so schwerer aufzuholen sein wird. Aber wenn ich dazukomme, wird nachgereicht. Hier schon mal der erste Schub an Eindrücken:

24 (Season 8)

Die letzte Mission von Jack Bauer ließ sich lange Zeit gar nicht gut an. Nach einem recht interessanten Einstieg verlief sich die Show in gepflegter Langeweile. Durch die Fanbrille betrachtet wurde ein Querschnitt der bekannten Ereignisse abgefeuert. Für mich als jemanden, der die 7. Staffel als Wiedergutmachung für die Grausamkeiten der 6. Season ansah, war das allerdings zu wenig. Vor allem hatte man alles schon mal in spannenderer Form gesehen. Nach den an Tiefpunkten reichen mittleren Episoden folgte allerdings der Umschwung. Jack Bauer auf einer Spezialmission, das Auftauchen des genial von Gregory Itzin gespielten, intrigierenden ex-Präsidenten Logan sowie richtig tolle Action- und Thrill-Momente entschädigten für den Leerlauf zuvor. Auch beim Finale ließ man nichts mehr anbrennen. Fazit: wer Jack in Bestform sehen will, gönne sich die Episoden des letzten Drittels. Könnte der deutsche Vertrieb die DVD-Box als Steigerung einer hierzulande ja liebgewonnenen Praxis nicht in drei Teilen veröffentlichen? Eine so verkürzte Box, quasi eine 8.3 (die ersten 16 Stunden könnte Chloe ja anhand einer Computergrafik veranschaulichen) würde ich ohne Zögern kaufen. Für meine Bewertung muss ich allerdings das Gesamtwerk mit seinen Schwächen zugrunde legen.

S8E01-S8E16 = 3,5 von 6 Punkten

S8E17-S8E24 = 6 von 6 Punkten = Best Of Season

Macht insgesamt 4,5 Punkte (befriedigend)

30Rock (Season 4)

Wenn es eine Show im amerikanischen Fernsehen gibt, die immer wieder frische Skurrilitäten im Angebot hat, dann ist es ohne Zweifel 30Rock. „Die haben sich was einfallen lassen“ ist nach Ende einer Episode oft der Spruch, den ich in tiefster Anerkennung bringe. So auch in der mittlerweile vierten Staffel. Alleine wie etwa das NBC-Dilemma um Conan O’Brien und Jay Leno in „Kohnani“ auf die beiden Hausmeister übertragen wurde, war bestes Drüberkippen hochwertigstens Senfs. Nicht verschwiegen werden darf allerdings, dass dieses Jahr die ganz großen Überfliegerfolgen ausblieben und sich mit „Winter Madness“ sogar ein echter Langeweiler ins Programm einschlich. Dennoch: 30Rock macht weiter Spaß und bleibt, solange die Kreativitätsquellen nicht versiegen, ein fester Bestandteil meines TV-Programms.

5 von 6 Punkten (gut)

Best Of Season: S4E04 Audition Day, S4E18 Kohnani

Better Off Ted (Season 2)

Gleich drauf eine weitere Serie mit herrlich abseitigen Einfällen. Die Bürocomedy erhält dieses Jahr von mir gleich zwei Preise: für ihre frühzeitige Absetzung den goldenen Arschtritt fürs US-Publikum (eine kleine Statue von mir, wie ich von hinten einem amerikanischen Couch Potato in den Allerwertesten trete, weil er wieder den falschen Kanal eingestellt hat) und die Auszeichnung für die Most Wanted DVD-Box – auf der hoffentlich mehr als die letztlich 12 ausgestrahlen Episoden der 2. Staffel enthalten sein werden. Ehrlich, wie kann man diese aberwitzig übertriebene Show mit der wunderbaren Portia de Rossi nicht mögen? Es mag ein bisschen unfair sein, dass ich hier einen halben Punkt gegenüber 30Rock drauflege, weil Tina Feys Show in einer vollen Staffel eben auch schwächere Episoden unterbringen musste. Nehmt es als Zeichen dafür, dass ich immer noch ein wenig bestürzt bin über die Kündigungen für Ted, Veronica, Linda, Lem & Phil. Better Off Ted läuft demnächst auf Comedy Central, zumindest auf dieses Wiedersehen kann man sich freuen.

5,5 von 6 Punkten (sehr gut) 

Best Of Season: S2E03 Battle Of The Bulbs, S2E09 The Long And Winding High Road, S2E10 Lust In Translation

Chuck (Season 3)

Diesmal muss ich mit Chuck ein wenig strenger sein. Auch die dritte Staffel bot wunderbar leichte Unterhaltung aus dem Agentenumfeld, sodass man sich unbesorgt auf eine vierte Season freuen kann. Die Höchstwertung kann ich diesmal jedoch nicht zücken. Die neue Verwendungsmöglichkeit des Intersect, der unseren Helden mit Kampffähigkeiten ausstattet, wurde zu sehr als Allzweckwaffe eingesetzt. Wo Chuck früher durch clevere Geekiness, charmantem Wegducken oder purem Glück aus bedrohlichen Situationen entkam, flogen diesmal durchgehend die Fäuste. Mir wurde das mit der Zeit zu repetitiv. Auch mit Agent Shaw als Chucks Nemesis konnte ich mich weder anfreunden noch anfeinden. Positiv zu werten ist sicherlich, dass das ewige Hin und Her in der Beziehung mit Sarah ein Ende gefunden hat. Im Finale wurden von Action über Humor über tolle Musik bis hin zu Jeffster und einem netten Twist zum Abschluss alles aufgefahren, was die Serie so beliebt macht.

5,5 von 6 Punkten (sehr gut)

Best Of Season: S3E03 Chuck vs. The Angel Of Death, S3E09 Chuck vs. The Beard, S3E15 Chuck vs The Role Models, S3E16 Chuck vs. The Tooth, S3E19 Chuck vs. The Ring Part 2

Desperate Housewives (Season 6)

Weshalb schaut man als Mann eigentlich Desperate Housewives? Für die ganz frühen Staffeln konnte ich das schnell beantworten: es war diese Mischung aus Humor, Drama und Mystery, die für mich geschlechterübergreifend funktionierte. Wenn Susan tollpatschte, Lynette über ihre Kinder seufzte, Bree sich an ihrer konservativen Steifheit verschluckte oder Gabrielle mal wieder das aufgehübschte Luder gab.

In dieser Staffel hätte ich allerdings auf die obige Frage mit der Schulter zucken und ein „Ich weiß es ehrlich auch nicht mehr“ entgegnen müssen. Größtenteils langweilige Episoden, charismafreie Charaktere, unlogische Aktionen, über die nicht mal ich hinwegsehen konnte, der wohl weinerlichste Serienkiller der Fernsehgeschichte und ein ziemlich blöder Psychopath markierten den absoluten Tiefpunkt der Show. Vom Finale hätte ich fast Falten bekommen. Es ist wohl wirklich an der Zeit, aus der Wisteria Lane auszuziehen.

3 von 6 Punkten (mangelhaft)

Fringe (Season 2)

Ach ja, Fringe. Leider auch dieses Jahr eine Serie, wo man sich den Zeitpunkt herbeiwünscht, an dem man sich die besten Episoden für eine eigene DVD-Box zusammenstellen kann. Wäre bei mir eine 13-teilige Sonderedition mit unglaublich überragenden Episoden (viele davon aus dem Story-Arc mit dem Paralleluniversum, an dem die Macher sichtlich ihren Spaß hatten), den schönsten Bloopers, ekligsten Herumschnippeleien und einem Minilabor inklusive Kuh nebst aufklappbarem Altar zur Huldigung von John Noble. Mittelmäßig bis schlecht wird Fringe immer dann, wenn ich mir so auf der Couch liegend denke, dass die Geschichte ebensogut bei Akte X vor 15 Jahren hätte laufen können. Was in dieser Saison gute 10 Mal der Fall war. Die Musical-Episode „Brown Betty“ hatte ihre netten Momente, ohne jetzt gleich vom Hocker zu reißen und die Überraschung zum Ende des Finals hatte ich schon gleich erschnuppert. Insgesamt wie schon im Jahr zuvor

5 von 6 Punkten (gut)

Best Of Season: S2E01 A New Day In The Old Town, S2E06 Earthling, S2E16 Peter, S2E19 The Man From The Other Side, S2E22 Over There Part 1

Gary Unmarried (Season 2)

Gary Unloved trifft es eher. Die erste Staffel fand ich sehr gefällig. Nicht die ganz hohe Kunst der Comedy, aber unterhaltsam für zwischendurch, eine kleine Überraschung der vergangenen Saison. Leider stimmten schon damals die Quoten nicht, sodass einige Veränderungen her mussten, die allerdings der Show in meiner Gunst nicht halfen – eher im Gegenteil. Ich mochte die Kabbeleien zwischen Gary und seiner Ex, die nun  zurückgefahren wurden für eine Geliebte und einen Job als Sportkommentator im Radio. Die ganzen Witze über Football und Baseball sind an mir als Banausen natürlich vollkommen abgeprallt. Auch die neuen Charaktere trafen mein Humorzentrum nicht mehr. Das Publikum urteilte ähnlich: Absetzung, aus und vorbei.

3,5 von 6 Punkten (unterdurchschnittlich)

LOST (Season 6)
Okay, dann halt einmal noch. LOST – die finale Staffel. Das Ende einer Ära. Die Serie hätte über Jahre hinaus Maßstäbe setzen können. Mit ihren Mysterien, ihren Charakteren, ihren Geschichten. Wenn, ja wenn man sich zumindest bemüht hätte, für Aufklärung zu sorgen. Mit fortschreitender Episodenzahl wurde auch mir klar, dass es nicht auf das große Enträtselungswunder hinauslaufen würde, dass es keinen Puzzlestein gab, den man einsetzen und plötzlich die ganze Show vor Begeisterung nochmal sehen wollen würde. Stattdessen ging es konsequent auf der Verheimlichungsschiene weiter. Der Man in Black blieb bis zum Ende ohne Namen, manches wurde wirklich lieblos erklärt (die Zahlen, die Stimmen, die Gestalt des Smokemonsters), anderes gar nicht mehr angerührt. Meine Stimmung kippte wie bei den meisten Zuschauern mit „Across The Sea“, als sich die epische Hintergrundstory der Insel als erzählerischer Flickenteppich entpuppte. So etwas darf einfach nicht passieren. Das Finale war ohne Frage emotional, wenn auch teilweise mit seinen Tränendrüsendrucksituationen zu überladen. Die bei vielen Fans nicht gerade wohlwollend aufgenommene Auflösung der Flash Sideways hätte ich besser akzeptieren können, wenn man als Zuschauer nicht für knapp die Hälfte der Staffel mehr oder minder wie ein Muli mit einer Karotte geködert worden wäre, die am Ende Richtung Himmel entschwebte. Hätte man da nicht früher auf den Punkt kommen und die Zeit mit ein paar Erläuterungen füllen können?

Die Bewertung fällt schwer: einerseits gefielen mir die Losties in etwas anderen Rollen, ich habe viele Episoden mit sehr gut bis überragend bewertet, aber eben auch nur im Hinblick auf ihre Generierung von Spannung – die letzten Endes ja ins Leere lief. Was ich nicht verzeihen kann, ist die Tatsache, dass die letzte Staffel dem Wiedersehenserlebnis älterer Folgen einen schmerzlichen Dämpfer verpasst. Ich habe testweise in frühere Episoden reingeschaut und wollte angesichts meines neuen Wissens bzw. weiterhin bestehenden Unwissens gar nicht mehr weiterschauen. Am Ende bleibt mit „Ab Aeterno“ eine runde, gelungene Episode, viele Verpuffungen und die trübselige Frage, was hätte sein können. Unterm Strich 4,5 von 6 Punkten, aber dennoch eigentlich nicht befriedigend. Ich nenn es mal für diesen Spezialfall „unter den Erwartungen“.

4,5 von 6 Punkten (unter den Erwartungen)  

Best Of Season: S6E09 Ab Aeterno

Men Of A Certain Age (Season 1)
Meine persönliche „special interest“-Show in diesem Jahr. Nach einer wenig attraktiven Pilotepisode wuchsen mir im Verlauf der Zeit die drei Typen mit ihren Problemen, ihren Erfolgen und ihrem Humor richtiggehend ans Herz. Men Of A Certain Age ist weder großes Drama noch knackig flott inszenierte Comedy, sondern ein ruhiger, einfühlsamer Einblick in das Seelenleben von Männern auf dem Highway des Lebens kurz vor der Ausfahrt namens „Midlife Crisis“. Je länger man dranblieb, desto mehr wurde man dafür belohnt. Wer noch fröhlich in seinen 20ern hüpft oder die 30 gerade mal so hinter sich gelassen hat, dürfte von der Wertung wahrscheinlich ein bis anderhalb Punkte abziehen. Ich hingegen freue mich auf die Fortsetzung.

5 von 6 Punkten (gut)

Best Of Season: S1E06 Go With The Flow, S1E07 Father’s Fraternity, S1E08 You’re Gonna Do That For The Rest Of Your Life?, S1E10 Back In The Sh*t

Bewertungen 

6 Punkte = überragend, Must See TV
5,5 Punkte = sehr gut, Einschaltpflicht
5 Punkte = gut, Mattscheibenglanz
4,5 Punkte = befriedigend
4 Punkte = durchschnittlich
3,5 Punkte = unterdurchschnittlich
3 Punkte = mangelhaft
2,5 Punkte = not worth seeing
2 Punkte = sofort absetzungswürdig

1,5 Punkte = weshalb schau ich das überhaupt?

1 Punkt = schockierend schlecht

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: