17 (August 2007)

27 Mai

Weiter geht’s im Reigen der mich interessierenden und momentan wild umher schwirrenden Serienpiloten:

Californication

Hank Moody (David Duchovny) ist ein Autor, dessen Erfolgsroman „God Hates Us All“ gerade in einen schwülstigen Romanzenfilm namens „A Crazy Little Thing Called Love“ verwandelt wurde. Seitdem leidet er unter einer Schreibblockade, befindet sich in einer schweren Lebenskrise, säuft, trinkt, raucht, macht mit allerlei Frauen rum und versucht schließlich, seine ex-Frau und seine Tochter für sich zurückzugewinnen. Oder kurz gesagt: Ficken und Fertigsein in Kalifornien mit Fox Mulder. Wenn das Dana Scully wüsste…

Läuft auf Showtime und dementsprechend freizügig geht es zu. Wer vier Paar schauspielernde Brüste und/oder Davids weißen Hintern sehen will, liegt hier schon mal richtig. Die Rolle passt natürlich zu Duchovny, die Sprüche sind deftig, die Bettbekanntschaften attraktiv. Ob uns da ein neues Weeds heranwächst, wird man abwarten müssen. Mir fehlt allerdings jetzt schon ein wenig der komödiantische Touch eines Kevin Nealon oder Justin Kirk. Und wenn es in der zweiten Folge weniger Brüste zu sehen geben sollte, könnte ich das Interesse verlieren.

Aliens in America

Islamischer Austauschschüler aus Pakistan wirbelt amerikanische Familie mit pubertierendem Loser-Teenager durcheinander. Schon im Piloten werden alle Vorurteile über Muslime ausgepackt (Kleidung, Beten, Beteiligung an den Anschlägen in New York), nur damit am Ende alle zu der Erkenntnis gelangen, dass der fremdländische Bub doch eigentlich ein netter Kerl ist. Harmlose CW-Serie mit sicherlich lobenswerter Thematik. Aber ich glaube nicht, dass sich dieser Stoff über eine Show mit mehreren Staffeln strecken lässt. Da hilft auch nix, dass Scott Patterson (Luke aus den Gilmore Girls) den amerikanischen Daddy geben wird.

The Sarah Connor Chronicles

Ja, als Terminator 2 rauskam, war ich Feuer und Flamme. Zu cool war das damals, wie der böse Terminator durch Gitterstäbe floss und Schwarzenegger erschreckend viel Text aufsagen musste. Teil 3 habe ich gesehen und rasend schnell wieder vergessen. Was wohl die besten Voraussetzungen für The Sarah Connor Chronicles sind, denn die Serie steigt zwei Jahre nach Ende des zweiten Teils ein.

Der erste, nach wenigen Minuten auftauchende Terminator hat mich zuerst einmal ernüchtert. Stakst durch die Szenerie als wäre er an der Ralph Möller-Schule für Schauspielerei eingeschrieben. Erfreulicherweise ist er und sein Auftritt nur ein Traum der Protagonistin. Also schnell abhaken.

Die Show macht vieles richtig. Massenweise Zitate aus den Filmen, viel Action und sehr wichtig: Neuentwicklungen in der altbekannten Story. Als Zuschauer ist man schnell wieder drin im Terminatoruniversum. Der Cast ist auch gut besetzt bis auf – und jetzt kommt der dicke Haken – den guten Terminator. Das Nachfolgemodell zu uns Arnold ist nämlich eine Christina Ricchi-Doppelgängerin. Vorhang auf für das Terminatorgirlie! Meiner Meinung nach hat die Entwicklungsabteilung von Skynet anno 2027 da aber ganz böse geschlampt. Nichts gegen die Schauspielerin Summer Glau, wenn ich jedoch schwarzeneggererprobte Sprüche wie „Come with me if you wanna live“ aus ihrem Mund höre, muss ich zunächst mal leise in mich hineinkichern. Große Glubschaugen und kaum Mimik passen meiner bescheidenen Meinung nach eher in einen Manga-Comic als in die explosionsresistente Roboterwelt.

Dass der dritte Teil der Filmreihe komplett ignoriert wird, kann ich locker verschmerzen. Ich gebe der Show in jedem Fall eine Chance, auch wenn ich eine kleine Änderung am Cast vornehmen würde. Hätte Katee Sackhoff nicht in den Drehpausen von Bionic Woman ein bisschen Zeit?

The Big Bang Theory

Zwei Super-Geeks und eine heiße Schnalle. Quasi die Sitcomisierung von Das Model und der Freak. Über die Schauspieler sage ich mal nix Schlechtes, Jim Parsons und Johnny Galecki als Technobabbel absondernde Freaks verkörpern ihre stark übertrieben angelegten Rollen schon recht ordentlich und die durch 8 Simple Rules bekanntgewordene Kaley Cuoco, äh, nun ja, sieht immer noch lecker aus. Das Drehbuch allerdings ist so voller Klischees und nicht zündender Witze, dass es einem graust. Kritiker in den USA zerpflücken die Show dementsprechend, während Vollblutnerds durchaus Gefallen daran finden. Okay, die jubeln schon, wenn man einen Screenshot von World of Warcraft im Fernsehen sieht. Ich prognostiziere nüchtern: wenn die Gags nicht besser werden, fliegt The Big Bang Theory ohne großes Tam Tam vom Sender.

Bionic Woman

Action-Serie um eine Frau mit Superimplantaten. Keine Angst, Pamela Anderson hat keine neue Show. Stattdessen wird Jaime Summers Opfer eines Verkehrsunfalls und wie es der Zufall so will, bastelt ihr Lover als Professor gerade an bionischen Ersatzteilen für verlustig gegangene Körperteile. Neues Ohr, neues Auge, zwei neue Beine und ein neuer Arm – fertig ist die Bionic Woman.

Dummerweise gibt es noch ein richtig fies verbuggtes Vorgängermodell und noch dümmererweise spielt dieses im Piloten unsere Heldin ziemlich an die Wand. Der Doktorin und sab muss ich in dem Punkt zustimmen: Katee Sackhoff (Battlestar Galactica) ist das Highlight der Show, Michelle Ryan (die mich irgendwie an Coby Smulders erinnert, weshalb ich dauernd darauf warte, dass Josh Radnor vor ihrer Wohnung wartet) kann ihrer Rolle noch keinen rechten Stempel aufdrücken. In Nebenrollen tauchen Aaron Douglas (Battlestar Galactica) und Thomas Kretschmann (fear ze tschörmän ecksent) auf. Insgesamt ein zufriedenstellender Start; ob ich weiter dran bleibe, wird sich zeigen. Denn eigentlich hat mich schon das Original nie so recht interessiert.

Cavemen

Steinzeitmenschen sind niemals ausgestorben, sondern leben weiterhin unter uns. Wobei sie nicht etwa mit Fellkleid und Speer ihre Umwelt unsicher machen, sondern ein ganz normales, modernes Leben führen. Nur die langen Haare, die plattgedrückte Nase, der üppige Bartwuchs, die buschigen Augenbrauen und der kantige Schädel unterscheiden sie von ihren Mitmenschen.

Ich bin ja für jedes denkbare Showsetting offen, aber mein erster Gedanke hier war doch unverhohlen: „Wasndas für ein Quatsch?“. Selbst wenn man das Ganze als Parabel auf den afroamerikanischen Teil der Bevölkerung sehen möchte – witziger wird das Ganze dadurch auch nicht. Um genauer zu sein: die komplette Show ist witzlos. Ein Neandertaler mit Brille, der komplizierte Sachen sagt: haha! Ein Neandertaler in Cowboyverkleidung: Brüller! Also nö, mein Humorzentrum ist doch ein wenig schwerer zu treffen.

Das kommt davon, wenn man aus einem simplen Werbespot-Gag eine ganze TV-Serie stricken will. Der verantwortliche Sender ABC hat bereits reagiert und einen neuen Piloten in Auftrag gegeben. Die arme Sau möchte ich nicht sein, die aus dem Konzept etwas Erfolgreiches zaubern soll.

Chuck

Geeks und Nerds sind im Kommen. Wer eine bessere Bearbeitung des Themas als in dem reichlich flach daherkommenden The Big Bang Theory genießen will, dem sei die Serie Chuck wärmstens empfohlen. Chuck ist Verkäufer in einem Elektronikladen namens „Nerd Herd“, spielt Xbox, repariert Geräte, hat sich vor Jahren eine eigene Version von Zork programmiert und einen Journey-Song als Klingelton. Kurzum: der Junge war mir sofort sympathisch.

Eine ehemaliger Studienkollege (Matthew Bomer aus der sehr guten Show Traveler, die leider zu wenig Folgen bekam), der ihm auch die Freundin ausgespannt hat, verdingt sich derweil als Doppelagent zwischen CIA und NSA, stiehlt deren Geheimnisse und schickt sie kurz vor seinem Tod an unseren nichtsahnenden Helden. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen haben sich die übersandten Informationen in Chucks Gehirn eingebrannt, weshalb er nun zum Spielball der Geheimdienste wird.

Die Show hat mich sehr positiv überrascht. Zachary Levi als Chuck ist wirklich eine Idealbesetzung, mit Yvonne Strzechowski als CIA-Agentin gibt es etwas für die Optik und Joshua Gomez als Chucks Kumpel Morgan hat das Potenzial für einen richtig guten Sidekick. Für Computerfans gibt es genug Anspielungen wie das oben erwähnte, gute alte Textadventure Zork (das übrigens kein Video-, sondern ein Computerspiel war) und Witze wie der serbische Pornostar-Virus, mit dessen Hilfe sich perfekt Bomben entschärfen lassen.

Ich bleibe in jedem Fall dran, denn der Pilot hat mir schon sehr viel Spaß gemacht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: